„Du kannst die Wellen nicht aufhalten, du kannst nur lernen zu surfen.“

Eigentlich hatte er bereits einen Ausbildungsplatz bei der Polizei in Münster. Doch dann kam für Emrah Ertem alles anders. Ein Besuch beim Berufsberater zeigte ihm: Er will in die große Stadt und am besten gleich in einen Beruf einsteigen – und welche Branche wäre für einen Quereinstieg besser geeignet als die Medienbranche? Aus einem großen Interesse für deutsche Kinofilme heraus, entschied er sich nach einiger Recherche für ein Praktikum bei Tiger Cast. Die nächsten Jahre arbeitete er für verschiedene Casting Agenturen, um dann im Jahr 2001 seine eigene Agentur zu gründen.

Wie wird für große Produktionen gecastet? Wir haben bei Casting Director Emrah Ertem, Inhaber von Emrah Ertem Casting, nachgefragt. Er castete unter anderem für Filme wie „Traumfabrik“, „KeinOhrhasen“, „Lommbock“ und „Hilfe, ich hab meine Eltern geschrumpft.“. Ertem weiß genau, worauf es ankommt.

Herr Ertem, wie entscheiden Sie, welche Schauspieler zu welcher Rolle passen?
Während ich ein Drehbuch lese, gibt es meistens diesen einen Moment in dem sich mir der Charakter einer Rolle offenbart und ich mir Notizen mache. Desto besser eine Rolle beschrieben ist, desto konkreter wird meine Vorstellung während des Lesens. Anschließend beginne ich zu recherchieren und überlege wer zu der Rolle passen würde. Ich mache der Produktion gerne Quervorschläge für die Besetzung, da die meisten Rollen unterschiedlich interpretiert werden können. Das finde ich viel spannender als immer nur die üblichen Verdächtigen vorzuschlagen.

Was schätzen Sie besonders bei der Zusammenarbeit mit Schauspielern/Schauspielerinnen?
Ganz klar: Authentizität. Jemand der sich nicht ein bisschen verstellt, sondern sich mir authentisch gegenüberstellt. Als Schauspieler/Schauspielerin sollte man immer authentisch bleiben, egal wie viele Filme man vielleicht schon gedreht hat. Das gewissenhafte Erledigen von Aufgaben gehört natürlich ebenfalls dazu.

Welche Film-Projekte sind für Sie als Caster besonders spannend?
Entscheidend ist für mich in erster Linie das Drehbuch. Ich mag Geschichten mit Tiefgang, die dennoch eine gewisse Leichtigkeit mitbringen. Das Genre ist dabei nicht entscheidend. Großes Kino mit großen Bildern fasziniert mich, deswegen war das Casting für den Liebesfilm „Traumfabrik“ für mich ein besonderes Highlight.

Ihr Tipp für Berufsanfänger in der Casting-Branche?
Da fallen mir zwei Sachen ein: Auf jeden Fall viele Praktika absolvieren und möglichst alle wichtigen deutschen Filme schauen. Wer in Deutschland bei einer Casting Agentur arbeitet, wird hauptsächlich für Inlands-Produktionen tätig sein. Ein gutes Film-Wissen ist dabei von Vorteil. Außerdem nehme ich mir gerne morgens Zeit, bevor die Branche anfängt zu arbeiten, um in Ruhe Kaffee zu trinken und Sport zu treiben. So starte ich jeden Tag mit Vorfreude in meinen Beruf.

Wie gehen Sie Dinge an, die noch in der Zukunft liegen?
Ehrlich gesagt, lasse ich es am liebsten einfach fließen. Ich habe mal ein Zitat aufgeschnappt, welches mir besonders gut gefällt: „Du kannst die Wellen nicht aufhalten, du kannst nur lernen zu surfen.“ Ich denke man muss sich immer dem anpassen, was auf einen zukommt. Es genau zu planen, das klappt meistens nicht. Aber das Beste daraus zu machen und weiter zu „surfen“ – das sollte jeder versuchen.

Von Franziska Mansen

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