Einmal im Jahr läuft Axel Gränitz eine Alpenüberquerung – sein Ausgleich zum Beruf. © Axel Gränitz

Mut zu anderen Wegen

Axel Gränitz zählt sich nicht zu den Managern, die sich für unersetzlich halten. Ganz im Gegenteil. Darum hat er seine Woche klar in Berufs- und Privatleben gegliedert. Beruflich ist er ein Tausendsassa, der die Vielfalt liebt: Gebäudemanagement, Seniorenbetreuung, Reisen, Private Equity, Logistik- und Finanzdienstleistungen sind nur einige der Branchen, in denen er schon aktiv war. „Darin sehe ich meine Stärke. Ich habe immer wieder die Branche gewechselt und dadurch mehr hinterfragt als Brancheninsider“, spricht Gränitz den Kern seines Erfolgs an. Studiert hat der Münchner Politikwissenschaften, aktuell ist er Präsident und CEO der Polygon Group.

Herr Gränitz, Sie haben beruflich viel erlebt. Was war, was ist ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Axel Gränitz: Vieles im Leben waren Zufälle. Es gab auch immer wieder Rückschläge, die mich veranlasst haben, meine Komfortzone zu verlassen. Im Nachhinein war es genau richtig so.

Sehen Sie darin den Ursprung Ihres Erfolgs?
Zunächst einmal ist Erfolg für jeden Menschen etwas anderes. Für mich ist Erfolg, zu dem, was ich mache eine Rückbestätigung zu bekommen und für mich selbst auch Zufriedenheit zu finden.

Wie schaffen Sie es denn, Ihr Berufsleben mit dem Privatleben zu vereinbaren?
Ich bin seit 30 Jahre immer irgendwo in der Welt unterwegs und so gut wie nie zu Hause. Ein großes Erfolgsrezept ist für mich, dass ich unter der Woche arbeite wie ein Tier, aber die Wochenenden heilig sind. Von Freitag 19 Uhr bis Montag 7 Uhr gehe ich an kein Telefon und setze am Wochenende die Prioritäten auf meine Familie und den Freundeskreis.

Aber muss nicht gerade ein Unternehmer oder ein Manager immer erreichbar und verfügbar sein?
Das glaube ich nicht. Ich denke, ein guter Manager ist der, der seine Arbeit in der vorgegebenen Zeit schafft. Schlechte Manager sind diejenigen, die sich selbst ständig Arbeit machen und sich für unersetzlich halten.

Macht diese Einstellung eine gute Führungskraft aus?
Auch. Eine gute Führungskraft muss meiner Meinung nach emphatisch sein und auf Leute zugehen können. Wichtig ist die Balance zwischen einer klaren Zielvorgabe und die Empathie zu haben, eine Person zu würdigen.

Leiten Sie nach dieser Maßgabe auch Ihr Team?
Ich habe Leute, denen ich Aufgabengebiete gegeben habe, und gehe davon aus, dass sie die Entscheidung selbst treffen. Wenn man Führungskräfte unter sich hat, die versuchen, die Entscheidung auf einen selbst abzuwälzen, dann hat man sie eigentlich schon falsch ausgesucht. Wir arbeiten viel im Team, ich möchte Meinungen hören, aber wenn ich das Gefühl habe, jetzt muss eine Entscheidung getroffen werden, dann treffe ich sie auch – manchmal auch ein falsche. Aber oft ist es besser, eine Entscheidung zu treffen als keine zu treffen.

Gibt es denn Entscheidungen, die Sie aus heutiger Sicht gerne zurücknehmen würden?
Ehrlich gesagt nicht. Ich hatte natürlich persönliche Enttäuschungen und Rückschläge. Im Nachhinein machte das aber immer Sinn, weil es mich unweigerlich dazu geführt hat, dass ich zum Beispiel den Beruf gewechselt und eine bessere Position bekommen habe. Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint.

Wo schöpfen Sie nach einem Rückschlag oder einer Enttäuschung neue Kraft?
Da gibt es zwei Dinge. Ich liebe den Tegernsee, dort habe ich mein Boot und die Kombination aus Bergen und See ist für mich wie zwei Wochen Urlaub.
Außerdem laufe ich jedes Jahr eine Alpenüberquerung. Dort kann ich komplett abschalten, bin mit mir und der Natur im Einklang und komme an meine persönlichen Grenzen.

Warum eine Alpenüberquerung?
Ich habe das mal verschenkt und nicht damit gerechnet, dass ich mitlaufen muss. Inzwischen habe ich es schon fünfmal gemacht. 200 Kilometer über den Alpenkamm, jeden Tag acht bis zehn Stunden laufen.

Das spricht auf jeden Fall für Ihr Durchhaltevermögen. Gehört das auch zu den Must-haves in Ihrem Beruf?
Durchaus. Ich halte es aber auch für wichtig, sich ein Ziel zu definieren und dann die Flexibilität zu haben, mit einer gewissen Vernunft die Ziele zu verändern. Das Schlimmste ist Starrköpfigkeit.

Zum Schluss noch: Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Eine Mischung aus Intuition, dem Riecher für das Richtige und dem Mut, andere Wege zu gehen.
Von Renate Kerscher