Ein Hauch von Cary Grant

Er brachte als Programmdirektor Stefan Raab zu Pro Sieben und versetzte als EndemolChef Deutschland ins Big-Brother-Fieber. Heute kümmert sich Borris Brandt als Director
Entertainment bei Aida um das gesamte Unterhaltungsprogramm für die Kreuzfahrten der Clubschiff-Flotte. Denn Borris Brandt liebt es einfach, zu unterhalten.

Er wisse zwar nicht mehr, wie der Film hieß, den er damals als Kind im Fernsehen gesehen hat. Aber zwei Dinge wusste Borris Brandt ganz genau, während er den Menschen auf der
Mattscheibe zusah: Der gutaussehende Schauspieler, der die Hauptrolle hatte und all die hübschen Frauen abbekam, hieß Cary Grant – und das, was der da auf dem Bildschirm tat,
das wollte er als Erwachsener auch tun. „Werbekaufmann sein. Flotte Sprüche, schöne Frauen, viel Geld und wenig Arbeit! So zumindest war es bei Cary Grant in diesem Film, den
ich damals sah. Die Erkenntnis, wie falsch der Eindruck im Gegensatz zur Realität war, habe ich erst viel später gewonnen, aber das führte dann zu meiner beruflichen
Weiterentwicklung“, sagt der erfolgreiche Medienunternehmer lachend.

Der gebürtige Hamburger und Sohn des bekannten Schauspielers und Michael-DouglasSynchronsprechers Volker Brandt begab sich also zunächst auf die Spuren von Cary Grants
Filmcharakter und machte eine Ausbildung als Werbekaufmann. Zu Beginn seiner Karriere im Jahr 1985 war er Filialleiter in einem Schallplattenladen, danach folgten Anstellungen als
Werbeleiter bei der Teldec Schallplatten GmbH und von 1991 bis 1995 als Etatdirektor bei der Economia Werbeagentur in Hamburg. Dort war Brandt verantwortlich für das Marketing
von Buena Vista Home Video, Jam FM und einer Reihe von Handelsunternehmen im Bekleidungsbereich.

Einem kurzen Intermezzo als Marketingleiter bei der 20th Century Fox folgte schließlich die berufliche Erfahrung, die ihn wohl am meisten geprägt hat: die Stelle des Programmdirektors
von Pro Sieben. Unter Brandts Ägide erreichte der Privatsender die höchsten Quoten seiner Geschichte, außerdem war er maßgeblich dafür verantwortlich, dass Stefan Raab vom
Musiksender Viva zu dem Münchner Sender wechselte – der Rest ist deutsche Fernsehgeschichte. Brandt war außerdem der erste Programmdirektor der Welt, der vom
niederländischen Medienunternehmen Endemol dessen späteres Erfolgsformat „Big Brother“ gekauft hat. Das führte zu Konflikten mit dem Pro-Sieben-Vorstand und mündete
schließlich in seiner Entlassung. Brandt sagt dazu heute: „Kurz vor dem Höhepunkt meiner Pro-Sieben-Zeit wurde ich von einem neuen Vorstand gefeuert, weil er weder von Formaten noch von der Entwicklung der Gesellschaft und deren Sehverhalten auch nur den Hauch einer Ahnung hatte. Ich habe mir von der Abfindung als Trost erst einmal einen Jaguar
gekauft und bin um den Starnberger See gefahren. Und dann habe ich bei Endemol angefangen. Wie heißt es so schön: Eine Tür zu – eine Tür auf!

Als „Big Brother“ nicht zu Pro Sieben kam, ging Brandt den umgekehrten Weg zu „Big Brother“: 2001 übernahm er die Geschäftsführung von Endemol Deutschland und später die
Präsidentschaft der Endemol Deutschland Holding. Dort brachte er das Format erneut auf den Bildschirm und zeichnete bis 2008 für zahlreiche ambitionierte und kommerziell
erfolgreiche Formate verantwortlich.

Seit 2011 ist Borris Brandt hauptberuflich in seiner Geburtsstadt Hamburg Director Entertainment bei Aida. Unter seiner Führung entsteht das umfangreiche
Unterhaltungsprogramm für die Kreuzfahrtschiffe. Für Brandt ist es der ihn am meisten erfüllende Job seit seinen glorreichen Zeiten bei Pro Sieben: „Egal ob im Fernsehen oder auf
der Aida: Es ist eine tolle Erfahrung, zu wissen, dass ich tatsächlich Dinge bewegen, entscheiden und damit Millionen Menschen glücklich machen kann.“ Einige Maximen habe
er im Laufe seiner langjährigen Karriere dabei für sich entwickelt: „Systematisch an die Aufgaben gehen. Seine Ziele klar definieren, bevor man anfängt. Dranbleiben in guten und
miesen Zeiten, wie in einer Ehe. Und immer wissen, wann Schluss ist.“ Und: „Erfolgreich zu sein erfordert wie zu allen Zeiten vor allem, besser, fleißiger und mutiger zu sein als alle
anderen.“

Ruhe und Inspiration findet Borris Brandt in seinem Haus an der französischen Atlantikküste und im Kreis der Familie und seiner vier Hunde. Luxus bedeutet für ihn als Erfolgsmenschen
mehr von etwas zu haben, als was man eigentlich braucht. „Und großes Glück kommt nur zu demjenigen, der eine Tür dafür offen hält.“