Er ist der Gründer des Start-ups „Sension“ und des „Autism Glass Project“ an der Stanford University

Der Deutsche, der auszog, um die Welt besser zu machen

Er ist zwar mies in der Schule, programmiert dafür aber schon mit 13 Jahren seine erste App. Mit 14 arbeitet Catalin Voss als iPhone Entwickler, verdient sein erstes Geld; mit 15 macht er ein Praktikum im Silicon Valley mit dem Erfinder des Macintosh, Steve Capps. Zurück in Deutschland hat er nur noch ein Ziel – er will an der Eliteuni Stanford Informatik studieren. Mit 18 Jahren entwickelt Catalin in Stanford eine App für die Datenbrille Google Glass, mit der autistische Kinder üben können, die Emotionen ihres Gegenübers zu erkennen. Bald danach schließt Catalin sich in Kenia zwei lokalen Unternehmern an. Zusammen wollen sie Ladenbesitzer mit künstlicher Intelligenz ausstatten. Das Projekt wurde 2018 von Mastercard aufgekauft.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Die Welt ein Stück besser zu machen. Je größer das Stück, desto größer der Erfolg.

Und was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Sie sind immerhin erst 24 Jahre alt.
Ich habe relativ früh entdeckt, dass auch Menschen, die wir als besonders erfolgreich und darum so unnahbar ansehen, in der Regel doch ganz normale Menschen sind. Und man diese Menschen um Unterstützung bitten kann. Ein paar dieser sehr erfolgreichen Menschen, unter anderen Terry Winograd, Steve Capps, Shea Tate-Di Donna, haben – aus welchem Grund auch immer – an mich geglaubt und mir wichtige Türen geöffnet. So ziemlich alles, was man in meiner bisherigen Karriere Erfolg nennen kann, habe ich ihnen zu verdanken.

Was treibt Sie an?
Ich glaube tatsächlich, dass wir die Welt verbessern können. Und wenn nicht ich, mit all meinen Ressourcen, wer dann?

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?
Erfolg verpflichtet, Eigentum verpflichtet, Wissen verpflichtet… Ich halte soziales Engagement für enorm wichtig. Wenn man ein Unternehmen in einem Land aufbaut, in dem es kein funktionierendes Sozialsystem gibt, möchte ich mit meinen Möglichkeiten dafür sorgen, dass die Gesellschaft und die Infrastruktur an dem individuellen Erfolg teilhaben können.

Hat Ihnen jemand zu Beginn gesagt, Sie seien verrückt?
In Deutschland eigentlich alle, denen ich mit 15 oder 16 Jahren erzählte, dass ich ins Silicon Valley ziehen wolle, um in Stanford für 60000 US-Dollar Studiengeld pro Jahr zu studieren, ohne die geringste Idee zu haben, wie ich das Geld zusammen bekommen sollte. Vor meinem Studium hatte ich mir die 60000 US-Dollar für das erste Jahr angespart. Dann kam die Griechenlandkrise, der Euro brach ein, die 60000 US-Dollar waren über Nacht nur noch 40000 wert und ich dachte, das wars mit dem Studieren. Gott sei Dank öffneten sich andere Türen.

War das Ihr heftigster Rückschlag oder gab es noch einen härteren?
Da gab es einige… Das Unternehmen, das ich in meinem ersten Jahr in Stanford gegründet habe, habe ich auf Umsatzbasis hochgezogen. Ein paar Monate nachdem wir soweit waren, Leute einzustellen, die keine Studenten mehr waren, beging einer unserer wichtigsten Kunden Vertragsbruch. Uns fielen vertraglich garantierte Umsätze weg. Da hatte ich als 18-Jähriger gerade einen Familienvater überzeugt, umzuziehen, um zu uns ins Boot zu springen, und konnte ihn auf einmal nicht mehr bezahlen. Das war hart. Es war das erste Mal, dass ich mit so etwas konfrontiert war. Aus dieser Episode habe ich gelernt, dass Geld nicht existiert, solange es nicht auf dem Konto ist, und dass ich mit mehr Puffer wirtschaften muss.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie anders machen?
Ich mache jeden Tag viele Fehler. Ich treffe manchmal die falschen technischen Entscheidungen, was mich und andere dann viel Zeit kostet, oder fange aussichtslose Projekte an. Vor eineinhalb Jahren wollte ich zum Beispiel die Welt mithilfe von Drohnen und dem Geruchssinn von Honigbienen von Landmienen befreien. Das war ein Fehlgriff.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die ein erfolgreicher Mensch braucht?
Es gibt im Englischen ein Wort dafür, das wir so im Deutschen nicht haben: Resourcefulness. Mit dem Begriff ist die Fähigkeit gemeint, Sachen zu bekommen, die nicht auf der Menükarte des Lebens stehen, indem man Ressourcen anzapft, an die man nicht selbstverständlich rankommt, und aus dem, was man hat, das Maximum herauszuziehen vermag.

Was ist ein Must-have in ihrem Beruf?
Ich kann kaum Worte dafür finden, wie wichtig es mir ist, einen guten Businesspartner oder eine gute Businesspartnerin an meiner Seite zu haben. Eine Person, die die gleiche Euphorie empfindet, wenn es funktioniert, und die mit mir leidet, wenn alles den Bach runtergeht.

Welche Rolle spielen sozialer Status und Herkunft beim Erfolg?
Es wäre ignorant und arrogant, zu behaupten, dass das in meiner Geschichte keine Rolle gespielt hätte. Meine Eltern sind Akademiker und gaben mir schon als Kind viele Chancen, meine eigenartigen Interessen zu verfolgen.

Retten Sie irgendwann die Welt?
Im Moment spielen wir Lotto mit unserem Planeten. Leider habe ich noch keine App- oder KI-Idee, die CO2 aus der Luft saugt, so sehr ich mir das auch wünsche.
Von Johanna Reichert