© Andreas Panzenberger / panzenberger.com

Mit Ehrgeiz und Struktur zum Erfolg

 

Sieben Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen, elf WM-Titel, sechs Gesamtweltcup- und 67 Einzelweltcupsiege. Anna Schaffelhuber ist die große Ausnahmeathletin im deutschen Parasport. Und neben diesen ganzen sportlichen Erfolgen, den vielen Medaillen und Auszeichnungen hat die 27-jährige ihr Studium der Mathematik und Wirtschaft auf Lehramt abgeschlossen.

„Natürlich bin ich stolz auf meine Siege, aber am wichtigsten ist es mir, dass ich mit dem Weg, den ich gegangen bin, zufrieden bin. Ich habe es auf meine Art gemacht und bin mir treu geblieben. Das ist für mich der größte Erfolg.“

Anna wurde mit einer Querschnittlähmung geboren. Mit fünf Jahren saß sie erstmals auf einem Monoski. „Ich musste tatsächlich erst einmal überredet werden, um mit dem Sport anzufangen. Dann habe ich gemerkt, dass ich im Vergleich zu den anderen gar nicht mal so langsam bin“, sagt Anna lachend. Der Ehrgeiz war geweckt. Mit 14 Jahren wurde sie in den Rennkader des Deutschen Paralympischen Skiteams geholt. Immer wieder angetrieben von ihrem Ehrgeiz. „Das ist meine größte Stärke, aber auch meine größte Schwäche.“ Dazu braucht sie eine gewisse Struktur in ihrem Leben. Sie muss abhaken können, um zu sehen, dass sie auf dem richtigen Weg ist. „Natürlich braucht man ein großes Ziel. Aber wichtig ist es, dieses auf viele kleine Ziele herunterzubrechen, die überschaubar und realistisch sind.“

Anna hat viele Sachen ausprobiert und so auch ihre Grenzen erkannt. Sie arbeitet nach dem Ausschlussverfahren: Erst mal ausprobieren, wenn es klappt, dann weiter. Wenn nicht, dann abhaken. Angesprochen auf Niederlagen und Rückschläge sagt sie sofort: „Ich weiß, dass ich während meiner Karriere viel mehr aus Rückschlägen als aus den Erfolgen gelernt habe.“ Wie kurz vor ihren ersten Olympischen Spielen in Vancouver 2010. „Meine Behinderung hatte sich von heute auf morgen verschlechtert. Mein Monoski hat nicht mehr genau gepasst, alles musste verändert werden und ich musste die Technik wieder neu lernen. Aber vor allem musste ich lernen, das zu akzeptieren und mir neue, kleine Ziele zu setzen.“

Trotz dieses „Neuanfangs“ holte die damals erst 17-Jährige in Vancouver ihre erste Olympiamedaille: Bronze im Super-G. Ihr starker Wille und die große Portion Ehrgeiz brachten sie immer weiter nach vorne. „Ich habe es mir manchmal aber auch selbst schwer gemacht“, sagt sie…

Das ganze Interview können Sie im Print Magazin nachlesen. Das Magazin Secrets of Success kommt am 4. Dezember 2020 in den Handel.

 

Umweltfreundlich verpackt – der Nachhälter ist aus einer biologisch abbaubaren Folie hergestellt, Grünkunft

Die Welt ist im Wandel. Nachhaltigkeit und grüner Lifestyle sind die neuen Schlagworte unserer Gesellschaft. Wir stellen drei Firmen vor, die im Großen – wie im Kleinen – einen wertvollen Beitrag leisten, um den Planeten zu retten.

Schluss mit Plastik!

Im bayerischen Rott hat das Start-up Grünkunft den Heiligen Gral gefunden. Der Betrieb mit 17 Mitarbeitern produziert Ersatzverpackungen aus landwirtschaftlichen Abfällen. Das berühmteste Produkt ist der Nachhälter – ein Beutel, der den klassischen Nusspralinen- oder Pastatüten zum Verwechseln ähnlich sieht – nur dass er aus einer biologisch abbaubaren Folie ist. In nur zwei Jahren ist das Unternehmen von einem Concept Store, der umweltfreundlich verpackte Biolebensmittel verkaufte, zum großen Hoffnungsträger für das Gewissen umweltbewusster Konsumenten gewachsen. Aktuell ist Grünkunft auf der Suche nach einer noch größeren Produktions- und Lagerfläche – das ist dann der dritte Standort. Christoph Kleber (38), der das Unternehmen mit seiner Frau Edna (34) 2017 gründete, bedient allerdings keines der üblichen Ökoklischees. Er ist ein Weltverbesserer mit wirtschaftlichem Background, der Architektur und BWL studiert hat und zuletzt in der Handelsnetzwerkentwicklung eines Automobilkonzerns tätig war.

Wo steht Grünkunft gerade?
Grünkunft ist die Pionierin plastikfreier Verpackung. Aktuell bringen wir zusätzlich zum Nachhälter viele weitere alternative Verpackungslösungen, allesamt hergestellt aus landwirtschaftlichen Abfällen, auf den europäischen Markt. Branchenübergreifend unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Produkte von Plastikverpackungen zu befreien. Wir kooperieren in der Automobil, Kosmetik- und Textilindustrie bereits mit mehreren internationalen Konzernen und wollen deren Portfolio gemeinsam in eine wegweisende, plastikfreie Zukunft lenken. Wir entwickeln uns vom plastikfreien Food Supplier gerade zum Systemdienstleister und Großhändler für nachhaltige Verpackungslösungen, nicht nur für Lebensmittel, sondern für alle Bereiche, in denen Plastik ersetzt werden kann.

Wie konnten Sie überhaupt etwas entwickeln, bei dem die großen Konzerne bis heute scheinbar nicht weiterkommen?
Das ist eine berechtigte Frage, die ich Ihnen nicht beantworten kann. Letztendlich waren die technischen Hürden ja überwindbar, wie wir erfolgreich bewiesen haben. Der Anfang war allerdings hart. Da wir noch relativ jung waren, haben wir tatsächlich einen Totalverlust riskiert. Gestört hat uns das nie, wir waren uns unserer Sache sicher und besessen von dem Gedanken, unsere Idee voranzutreiben.

Hat Sie jemand für verrückt erklärt?
Viele sogar! Wir hatten mit den unterschiedlichsten Reaktionen gerechnet, die Bandbreite war jedoch noch viel größer als erwartet. Interessanterweise sind die Menschen, die uns früher belächelt haben, genau die, die heute damit angeben, uns zu kennen.

Wie sieht es mit dem wirtschaftlichen Erfolg bei Grünkunft aus?
Wir haben uns in den ersten rund drei Jahren sehr gut behauptet. 2019 konnten wir mehr als 100 Prozent Umsatzwachstum verzeichnen, für kommendes Jahr rechnen wir mit einem Vielfachen davon.

Ist es schwierig, die richtigen Investoren zu finden?
Nein, praktisch wöchentlich klopfen welche an unsere Tür. Es muss vor allem auf persönlicher Ebene stimmen und die Person oder Institution zu unserer Vision passen. Wer nur wirtschaftliche Interessen verfolgt, ist bei uns falsch.

Wo sehen Sie die Stärken Ihres Start-ups?
Fokus ist alles. Wir haben uns von Anfang an auf eine Problemstellung konzentriert und dafür einzigartige Lösungen entwickelt. Einige Unternehmer glauben, möglichst viele verschiedene Leistungen oder Produkte anbieten zu müssen, aber das Gegenteil ist meistens richtig. Man muss nicht alles können – im Gegenteil: Um Erfolg zu haben, reicht es, wenn du eine einzige Sache richtig gut kannst.

Haben die Menschen heute ein stärkeres ökologischen Bewusstsein – im Vergleich zu vor ein paar Jahren?
Definitiv. Bei der Eröffnung unseres Concept Stores in Wasserburg Anfang 2018 war bei vielen die Problematik mit dem Plastik noch nicht im Bewusstsein verankert. Ereignisse und Bewegungen wie Fridays for Future haben dazu beigetragen, dass die Situation jetzt eine ganz andere ist. Heute ist es in vielen Erdteilen schon verpönt, Plastiktüten zu benutzen.

Was muss sich noch ändern, damit wir die Umwelt wirklich retten?
Es gibt sehr vieles, was noch getan werden muss. Verpackung und Abfallvermeidung ist eine sehr wichtige Facette davon, jedoch nicht die einzige. Individual- und globaler Warenverkehr gehören zu den Bereichen mit dem größten Einsparpotenzial bei Energieverbrauch und Emissionen. Es gibt bereits zahlreiche vielversprechende Innovationen für eine grüne Wende. Jetzt liegt es an uns, diese Chancen zu nutzen. Gerade jetzt, während der Coronakrise, müssen wir die Chance nutzen, unser Handeln im Sinne einer enkeltauglichen Zukunft neu auszurichten.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Sich selbst immer wieder zu übertreffen, das ist wahrer Erfolg…

Das ganze Interview können Sie im Print-Magazin nachlesen. Secrets of Success kommt am 4. Dezember 2020 in den Handel.

„Stärke ist keine One-Man-Show“

Erst Arzt, dann Wissenschaftler, schließlich Topmanager: Prof. Dr. Christoph Straub hat sich stets weiterentwickelt und leitet heute als Vorstandsvorsitzender die Geschicke der Barmer Krankenkasse. Stillstand ist für ihn im wahrsten Sinne des Wortes ein No-Go.

 

Dass Professor Dr. Christoph Straub irgendwann den Arztkittel überstreifen würde, stand früh fest. Als Kind einer Arztfamilie hat er von klein auf erlebt, wie erfüllend es sein kann, Menschen in schwierigen und mitunter lebensbedrohlichen Situationen zu helfen. Diesen Kindheitstraum hat er sich längst erfüllt. Den Kittel hat er allerdings an den Nagel gehängt.

Heute trägt Christoph Straub Anzug, wenn er zur Arbeit fährt. Für die Gesundheit der Menschen kämpft er als Vorstandsvorsitzender der Barmer Krankenkasse aber nach wie vor. Den Wechsel von der klinischen Medizin erst in die Gesundheitssystemforschung und schließlich ins „reale“ Gesundheitswesen bezeichnet er als einschneidenden Schritt. „Das hat meine Laufbahn geprägt“, sagt der 59-Jährige, überlegt kurz und schiebt nach: „Sonst wäre ich wohl Arzt am Bodensee.“

Nach Vorstandsstationen bei der Techniker Krankenkasse und der Röhn-Klinikum AG wechselte er 2011 zur Barmer – ein Meilenstein in seiner Karriere. Mit dem Wechsel ging die Herausforderung einher, das Unternehmen zu einer leistungsfähigen und nachhaltig agierenden Organisation zu entwickeln. Um das zu erreichen, hat er „eine in der Geschichte der Krankenkasse nicht dagewesene Umstrukturierung“ angestoßen, wie er erklärt. Dafür alle Stakeholder ins Boot zu holen, war eine Mammutaufgabe. Geschafft hat er es dennoch. „Ich denke, eine meiner Stärken ist es, als Vorstandsvorsitzender starke Männer und Frauen um mich herum zu sammeln, um mit ihnen in einem konstruktiv-kritischen Austausch die besten Lösungen für die Kunden und das Unternehmen zu finden. Stärke ist keine One-Man-Show, Stärke basiert auf Teams und auf Vielfalt“, sagt Straub.

Ein Miteinander im Unternehmen ist Christoph Straub besonders wichtig. Erfolg sei schließlich immer das Ergebnis einer offenen, konstruktiv-kritischen Diskussion von vielen, ist er sich sicher.

Das ganze Interview Lesen Sie im Print-Magazin. Ab dem 4. Dezember 2020 im Handel.

„Was ich in meiner Karriere gelernt habe? Probleme sollte man als Herausforderungen sehen.“

Lifestyle, Kreativität und Nahbarkeit – für diesen Mix lieben ihre rund 250 000 Follower Laura Noltemeyer. Ihren „Designdschungel“ hat die Hamburgerin mittlerweile zur internationalen Marke ausgebaut und eine eigene Social-Media-Marketing-Agentur gegründet. Das neuste Baby der 32-Jährigen ist die Kosmetik-Marke „Bayage Beauty“, deren Produkte alle vegan sind und frei von Parabenen, Silikon, Mikroplastik und Mineralöl.

 

Interview:

Wie haben Deine Eltern auf Deine Karriere reagiert?

Ich habe einen Master in Architektur, deshalb war das alles nicht so einfach für sie. Meine Eltern hatten sich mit dem Gedanken angefreundet, dass ich Architektin werde. Ich habe mir dann erst mal ein Jahr gegeben und in einer mini-kleinen Wohnung ohne große Fixkosten gewohnt, um auszuprobieren, ob ich mit meinem Konzept erfolgreich werden könnte – ohne dabei Schulden anzuhäufen. Jetzt, fast sieben Jahre später, würde ich sagen, es hat sich gelohnt, dass ich nicht auf die Meinung anderer gehört habe und meine Eltern sagen das auch.

 

Was ist Dein Erfolgsgeheimnis?

Ich versuche, keine Probleme zu sehen, wo keine sind. Und wenn ich etwas mache, bin ich bereit, alles dafür zu geben und bin mir für nichts zu schade.

 

Welche Opfer musst Du denn bringen?

Extrem viele, das sieht man auf Social Media nur nicht. Ich kann nicht einfach mal so mit Freunden bis fünf Uhr morgens feiern oder mich entspannt unter der Woche auf einen Wein treffen, sondern muss viel auslassen, um meine Karriere so professionell zu betreiben, dass es meinem Anspruch an mich selbst genügt.

Das ganze Interview können Sie am 4. Dezember 2020 im Print Magazin Secrets of Success nachlesen.

Prof. Hermann Bühlbecker – der Lambertz Geschäftsführer sponsort lieber Events statt TV-Werbung

Der süße Geschmack des Erfolgs

Aachener Printen sind seit über 330 Jahren das Geschäft der Firma Lambertz, sie machte das Weihnachtsgebäck berühmt und war Hoflieferant der Könige von Preußen, Belgien und der Niederlande. Doch dann ging es bergab. Mit nur 28 Jahren übernahm der Spross der Familie, Hermann Bühlbecker, das Ruder, um das Vermächtnis seiner Vorfahren zu retten.

 

Die Zeiten hatten sich geändert, ein Unternehmen, das nur von einem einzigen Saisonartikel lebt, den es nur an den Fachhandel verkauft, hatte schlechte Chancen zu überleben. Viele Konkurrenten von Lambertz hielten trotzdem an dieser Strategie fest. Heute gibt es sie nicht mehr. Die Firma von Hermann Bühlbecker dagegen floriert. Er hat die Zeichen erkannt, den Lebensmittelhandel für sich gewonnen und Produkte, die nichts mit Weihnachten zu tun haben, entwickelt. Aus dem kleinen Betrieb mit 100 Mitarbeitern in der Hochsaison, ist ein Konzern mit acht Fabriken und 4000 Beschäftigten geworden. Lambertz ist als Gruppe seit dem Jahr 2000 Marktführer im Saisongebäck in Deutschland und der größte Lebkuchenfabrikant weltweit. Das nächste Ziel von Hermann Bühlbecker: den Anteil der saisonunabhängigen Produkte noch zu erhöhen – der Trend geht weiter Richtung gesundem Genuss –, und internationaler zu werden. Derzeit werden nur 25 Prozent des Umsatzes außerhalb Deutschlands erwirtschaftet, aus Sicht des Unternehmers sind aber „sicher 40 Prozent möglich.“ …

DAS GANZE INTERVIEW LESEN SIE IM PRINT-MAGAZIN. AB DEM 4. DEZEMBER 2020 IM HANDEL.

Katharina Behrends, Geschäftsführerin Universal Networks International Germany
© Foto Gert Krautbauer. Editorial Use Only, Photocredit Mandatory.

„Frauen sollten mutiger sein“

Warum Frauen sich gegenseitig das Leben schwer machen, statt gemeinsam für mehr weibliche Führungskräfte zu kämpfen, das ist Katharina Behrends ein Rätsel. Wer ihr beim Wandern, einem ihrer liebsten Hobbys, begegnet, würde wohl nicht ahnen, dass er eine der mächtigsten Frauen des deutschen Pay-TVs vor sich hat. Sie ist weder der gefürchtete Typ Karrierezicke noch ein Männerschreck – beides wird erfolgreichen Frauen in Deutschland gern unterstellt. Im Gegenteil: Führungspersönlichkeiten wie die Geschäftsführerin von NBC Universal wünscht man sich.

 

 

Interview

Wie hart ist es für eine Frau in einer Männerdomäne zu bestehen?

Es ist ein Unterschied, ob man für ein amerikanisches Unternehmen arbeitet oder für ein Deutsches. In den USA ist man deutlich weiter und das ist die Normalität, die ich kenne. Für mich war es also nicht hart. Insbesondere nicht bei NBC Universal – weil die Hälfte meiner Kolleginnen und Vorgesetzten Frauen waren. Ich habe großartige, beeindruckende Persönlichkeiten kennengelernt, die keine Karrierezicken geworden sind.

 

Nervt es, dass jeder Reporter mit der Frage ums Eck kommt, wie es als Frau in einer Chefposition ist? Einen Mann fragt man sowas nicht.

(Lacht) Da haben Sie eigentlich recht. Aber durch den Nachholbedarf in Vorständen und Aufsichtsräten in deutschen Aktiengesellschaften ist diese Frage berechtigt. Da muss mehr passieren. Am Ende geht es um Leistung und um Führungsqualitäten, die man als Frau natürlich genauso hat wie als Mann. Mittlerweile bin ich ein großer Verfechter einer verbindlichen Quote.

 

Ist es als Quoten-Frau nicht noch schwieriger, ernst genommen zu werden?

Das habe ich auch Jahre lang so gesehen. Aber ich fürchte, wir kommen auf Dauer nicht um eine Quote herum. Wenn man Deutschland mit dem Rest von Europa vergleicht – und mit den USA sowieso – gibt es fast überall sehr viel mehr Frauen in Führungspositionen.

 

Woran liegt das?

In Deutschland scheinen sich besonders Mütter noch immer schwer zu tun Vollzeit zu arbeiten. Im Ausland wird man nie – insbesondere nicht von anderen Frauen – gefragt, warum man Vollzeit arbeitet, wenn man Kinder hat. Außerdem ist die ältere männliche Generation lieber in Männerrunden und will nicht zwingend eine Frau in ihrer Mitte. Bei den jüngeren Männern ist das zum Glück anders. Aber es geht halt relativ langsam voran.

 

Machen es sich Frauen auch gegenseitig schwer? Oft werden erfolgreiche Frauen als unsympathisch abgestempelt…

Das ist ein bisschen so. Leider. Dabei sind es ganz unterschiedliche weibliche Persönlichkeiten, die in Führungspositionen kommen. Für mich war es wichtig, dass ich wusste, was für tolle Kolleginnen da überall auf der Welt sitzen.

 

Was könnten Frauen in Deutschland besser machen?

Wir sollten uns noch besser vernetzen und konkret unterstützen. Und ich würde gern Frauen dazu ermutigen, ja zu sagen, wenn ihnen eine Gelegenheit geboten wird. Ich habe mal einen guten Tipp bekommen: Den nächst höheren Job kann man immer nur dadurch, dass man ihn macht. Frauen sollten mutiger sein und sich trauen, vor dem Vorgesetzten auszusprechen, dass sie bereit für die nächste Rolle sind.

 

Was würden Sie Ihrem jüngeren ich raten?

Gelassener sein. Die Selbstzweifel, die ich am Anfang der Karriere hatte, habe ich heute nicht mehr. Das ist etwas typisch Weibliches. Und wenn es mal schwierig wird, einfach den Job weiter gut machen und Sachen aussitzen. Auch schwierige Situationen ändern sich oft ganz von allein wieder.

 

Halten Sie als weibliche Führungskraft die Augen nach talentierten Frauen offen, die einen Schubs brauchen?

Auf jeden Fall. Ich ermutige. Frauen trauen sich häufig eher zu wenig zu als zu viel. Mir hat mal ein netter Kollege gesagt: „Perception is reality“ – Wahrnehmung ist Realität. Man kann noch so viel arbeiten, wenn nicht sichtbar wird, was man kann, nützt das nichts.

 

Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Ich bin authentisch, habe einen guten Kompass, mein Blick fürs Wesentliche ist ausgeprägt und ich bin gut darin Erfolgsstrategien zu entwickeln. In der Medien-Industrie ändert sich ständig wahnsinnig viel – und wenn sich der Markt ändert, muss es das Unternehmen auch. Außerdem bin ich durchsetzungsstark – das ist lustigerweise das, was mir Männer immer sagen. Manchmal denke ich, bei einem Mann würde sowas keiner sagen. Aber bei Frauen scheint das aufzufallen.

 

Haben Männer ein Problem mit starken Frauen?

Abstrakt finden es alle toll, aber konkret vielleicht nicht immer. Es gibt noch Männer, die sich schwer tun mit einer Frau als Vorgesetzter. Ich kenne da auch ein paar Beispiele und hatte schon Machos im Team. Aber die jüngere Generation ist nicht mehr so.

 

Wie entspannen Sie privat? Mit Fernsehen?

Es wäre merkwürdig, wenn ich nicht gerne Serien und Filme ankucken würde. Ich wandere auch gerne. Es ist wichtig, dass man mal nach Außen etwas anderes sieht – oder nach innen wie beim Yoga. Man lernt dabei wie bei einer Waschmaschine die Gedanken wegzuwaschen. Außerdem bin ich seit vielen Jahren Teil eines Lesekreises, wo wir uns über inspirierende Bücher unterhalten.

Karrierekick Gefängnis

 

Wer Karriere machen möchte, muss Biss haben. Das sagt Prof. Dr. Jens Weidner, Autor des Bestsellers „Die Peperoni-Strategie. So setzen Sie Ihre natürliche Aggressivität konstruktiv ein.“ Mit Aggressionen kennt Weidner sich aus. Er arbeitete intensiv mit inhaftierten Gangschlägern in Philadelphia und behandelte zehn Jahre lang Kriminelle für die deutsche Justiz. In dieser Zeit entwickelte er das bekannte Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®) für Gewalttäter. Heute verhilft er Führungskräften zu mehr Biss und lehrt Kriminologie und Sozialisationstheorie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

 Sein berufliches Leben lang beschäftigt sich Jens Weidner mit Aggressionen. Und zugegeben: Mit dieser Emotion assoziiert man vor allem Negatives, böse Jungs und Schlägertypen. Wer ihm allerdings gegenübersitzt, lernt einen sympathischen, humorvollen Gesprächspartner kennen. So verwundert es auch nicht, wenn er gesteht: „Als Kind wollte ich Pfadfinder werden und bin es auch geworden, um jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen.“ Er sagt aber auch: „Heute habe ich diese gute Seite in mir durch einen Lieblingssatz ergänzt, der potenziellen beruflichen Gegenspielern gewidmet ist: one evil action a day keeps the psychiatrist away. Heute bin ich zu 80 % Gutmensch und zu 20 % Mephisto, ein Persönlichkeitsprofil, das für erfolgreiche Menschen extrem empfehlenswert ist, weil es Fairness, Seriosität und partielle Härte gut zusammenbringt.“

Seine Berufswahl war zufällig. Lange wusste er nicht, was er studieren könnte. Als er einen Professor kennenlernte, entschied er sich für dessen Fachgebiet und schrieb sich für ein Studium der Sozialarbeitswissenschaften mit dem Schwerpunkt Kriminologie an der Leuphana Universität in Lüneburg ein. „Kein karrieretaugliches Studium dachte ich, aber wahnsinnig interessant. Das Studium begeisterte ihn. Für ihn eine wichtige Voraussetzung für Erfolg: „Ich rate jungen Menschen: Schau Dich um, entdecke Deine Leidenschaft, entdecke, für was Du brennst. Und wenn Du das weißt, dann gib richtig Gas, werde Experte auf Deinem Gebiet!“

DAS GANZE INTERVIEW LESEN SIE IM PRINT-MAGAZIN. AB DEM 4. DEZEMBER 2020 IM HANDEL.

„Es tut uns gut, auch Sachen allein zu machen“

Vier Alben, acht goldene und drei Platinschallplatten, dazu mehr als 150 Millionen Audio- und Videostreams: Glasperlenspiel ist eine der bekanntesten Elektro-Pop-Bands Deutschlands. Privat sind Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg übrigens sogar noch länger als beruflich ein Paar – nämlich schon zwölf Jahre, ein Musikduo sind sie erst seit 2010. Trotz des Erfolgs ist es der Sängerin wichtig, sich nicht komplett im „Wir“ zu verlieren. Deshalb findet sie es ganz gut, auch mal ein Interview allein zu geben…

Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg sind nicht nur ein musikalisches Paar – sondern seit 12 Jahren auch privat Credit: Universal Music

Wann hast Du gedacht: Jetzt haben wir es wirklich geschafft?

Es gab ein paar Schlüsselmomente, in denen ich den Tränen sehr nahe war. Beispielsweise als wir das erste Mal, nach dem der Song „Geiles Leben“ rauskam, auf der Bühne standen und wirklich alle Menschen mitgesungen haben.

 

Was ist Euer Erfolgsgeheimnis?

Bis jetzt, dass wir so gut wie immer das gemacht haben, worauf wir Bock hatten.

 

Wie sehr trifft Dich Kritik? Gerade Musikkritiker und Fans können ja sehr hart sein…

Ich versuche, das immer von mir fernzuhalten und nicht zu viele Kommentare zu lesen. Ich bin ein Fan konstruktiver Kritik, aber mit gemeinen Dingen komm ich meist nicht so gut klar. Ich bin da oft sensibel und die Worte bleiben leider eine Zeitlang – wenn auch nur unterbewusst – im Kopf gespeichert.

 

Hattet Ihr je Existenzängste?

Es lief natürlich nicht immer super. Wir wissen, wie es ist, mit wenig Geld in Berlin zu leben und sich dort etwas aufzubauen. Wir haben immer versucht, das, was wir verdient haben, wieder in unsere Musik zu investieren.

 

Wie lief Euer erster Liveauftritt als Duo?

Eigentlich war es ganz furchtbar. An diesem Abend lief wirklich alles schief: Ich war erkältet und technische Probleme gab es auch. Wir haben nicht überzeugt. Es konnte also nur besser werden…

 

Habt Ihr je ans Aufhören gedacht?

Ans Aufhören nicht, aber ich habe an eine Pause gedacht… Ich glaube, dass es manchmal ganz guttut, sich auch in anderen Dingen auszuprobieren und vielleicht mal Abstand zu dem, was wir seit zehn Jahren machen, zu gewinnen, um dann wieder frisch zu starten. Durch Corona wurde uns die Entscheidung ein kleines bisschen abgenommen und wir haben gemerkt, wie es ist, die Bühne über einen längeren Zeitraum zu vermissen…

 

Was macht Euch aus – beruflich und auch als Paar?

Wir ergänzen uns gut, weil wir sehr unterschiedlich sind. Auf der einen Seite gibt es aus diesem Grund immer wieder Streitpunkte, auf der anderen Seite ist es toll, dass Daniel eher der technische Part ist, unsere Produktionen macht und rational denkt. Ich bin eher der gefühlsbetonte, träumerische Part. Was uns verbindet, ist die Musik und die Kreativität.

AB 4. DEZEMBER 2020 KÖNNEN SIE DAS GANZE INTERVIEW IM PRINT-MAGAZIN NACHLESEN.

Dennis Diekmeier ist ein echter Familienmensch. Mit seiner Frau hat er vier gemeinsame Kinder: Delani, Dion, Dalina und Divia

„Ich habe mich nie kleinkriegen lassen.“

Man merkt sofort: Dennis Diekmeier ist ein positiver Mensch. Er lacht viel, ist ein Familienmensch, steht im Guinness-Buch der Rekorde, hat einen Kultstatus inne und ist trotzdem kein bisschen abgehoben. Deshalb definiert er Erfolg auch etwas anders. „Aus fußballersicher Sicht ist Erfolg natürlich ein Sieg. Doch es sind auch die vermeidlich kleinen Dinge, die ich als Erfolg werte. Vor Kurzem habe ich mit meiner Tochter Mathe geübt. Als sie mit einer guten Note nach Hause kam, war es nicht nur für sie ein Erfolg. Auch für mich.

Denn entscheidend war, mit ihr gemeinsam daran gearbeitet zu haben,“ sagt der vierfache Vater. Diekmeier wollte schon als Kind Fußballprofi werden. Sein Talent wurde schnell erkannt und er hat hart an seinem Traum gearbeitet. Dazu kam noch die „Faszination Stadion“. Jedes Mal, wenn er mit seinem Vater im Stadion war – vorzugsweise beim HSV – gab ihm das den Rest. „Das hat mich immer wieder umgehauen. Diese Stimmung, die vielen Menschen. Ich hatte nur noch Fußball und den Wunsch, Profi zu werden, im Kopf. Was natürlich meine Lehrer zu der Zeit nicht so toll fanden“, erinnert sich Diekmeier lachend.

Mit seinem gesunden Ehrgeiz und starken Willen ging es für ihn Schritt für Schritt Richtung Erfolg. Mit 14 Jahren wechselte er in die Jugendabteilung von Werder Bremen, ein paar Jahre später spielte er bereits in der 2. Mannschaft. 2008 dann der EM-Titel mit der deutschen U19-Nationalmannschaft. „Das war mein wichtigster Karriereschritt. Nicht nur der Turniersieg. Ich wurde auch mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Das war der Startschuss.“ Diekmeier wechselte zum 1. FC Nürnberg, ehe er 2010 beim HSV unterschrieb. Dort blieb er bis 2018 und erlangte bei den Hamburgern Kultstatus. Nicht etwa, weil er sein Team von Sieg zu Sieg schoss. Im Gegenteil. In seiner Position als Rechtsverteidiger konnte sich seine Mannschaft auf ihn verlassen. Allerdings schaffte es Diekmeier in elf Jahren als Profi und 293 Spielen nicht, auch nur ein einziges Tor zu schießen.

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Eduard von Anhalt „Movie meets Media“ im Hotel Adlon in Berlin Foto: BrauerPhotos / O.Walterscheid

Umgangsformen und Manieren

Wer an zwischenmenschliche Umgangsformen denkt muss sich nicht verkrampfen, sondern einfach nur das tun was er von anderen erwartet. Im Grunde haben Umgangsformen und Manieren vor allem mit Ästhetik zutun.

Im 18. Jahrhundert schrieb der aufgeklärte Schriftsteller Adolph von Knigge „Über den Umgang mit Menschen“, wobei es ihm darum ging zu verhindern, dass junge aufstrebende Menschen aus unteren Schichten sich ihre Zukunft durch falsches Auftreten und schlechte Manieren verbauen. Von den fürstlichen Höfen mit ihren strengen Zeremoniellen, waren zu Knigges Zeiten, vor allem höfische Essmanieren in die Bürgerhäuser und Industriellenhaushalte geschwappt. Plötzlich gab es ein feines Menü mit mehreren Gängen. Auf dem Tisch mit einer Tischdecke lagen plötzlich links und rechts von einem Teller; Messer, Gabel und Löffel. Statt wie bisher nur mit einem Messer Brot und Fleisch zu zerteilen und in den Mund zu stopfte, war jetzt absolut verpönt mit den bloßen Fingern zu essen. Nun wurde gespeist und auch auf die Körperhaltung bei Tisch streng geachtet. Wer das nicht beherrschte gehörte nicht zu den besseren Kreisen und mit ihm konnte man sich nicht sehen lassen, da half es auch nicht, selbst wenn er nach der neusten Mode gekleidet war.

Auch heutzutage beginnt jede zwischenmenschliche Beziehung mit dem Moment des persönlichen Kennenlernens. Zum Beispiel möchte der zukünftige Arbeitgeber – auch wenn Zeugnisse und Beurteilungen noch so gut waren – sich von dem zukünftigen leitenden Angestellten ein eigenes Bild machen. Da steht man sich zum ersten Mal gegenüber, mustert sich und dann ist es am zukünftigen Chef, zuerst die Hand auszustrecken. Der mögliche zukünftige Arbeitgeber hat sich Zeit genommen, er lädt Sie in ein feines Restaurant in der Innenstadt ein. Die Limousine steht bereit, der Chauffeur öffnet seinem Boss die Tür zum rechten Sitz im Fond und sie öffnen die Tür auf der anderen Seite und setzen sich entspannt daneben. Schon beginnt sich ein lockeres Gespräch über aktuelle Neuigkeiten und Nebensächlichkeiten zu entwickeln.

Im Restaurant folgen sie ihm an den Tisch, sie warten bis sich ihr Gastgeber gesetzt hat und ihnen den Platz neben sich oder gegenüber angeboten hat. Jetzt kommt der schlimmste Fehler den ein aufstrebender Arbeitnehmer machen kann, er stützt seine Ellenbogen auf den Tisch und noch schlimmer, er legt den ganzen Unterarm zwischen sich und Teller und das auch noch während er isst. Zusätzlich spricht er auch noch mit vollem Mund. Das wäre das Ende seiner Karriere, zumindest bei einer Firma oder bei einem Konzern, bei dem es zukünftig auch um Verhandlungen auf höchster Ebene geht.

Nur Mut, Sie selber finden Ihre Manieren verbesserungswürdig und Sie sind ein Ästhet. Selbst an den Königshöfen geht es recht unterschiedlich zu. Das spanische Hofzeremoniell hatte immer den Ruf das strengste zu sein. Aber auch dort hat man sich auf die vielen bürgerlichen Tischgäste eingestellt. Allerdings erst wenn König und Königin sich hinsetzen, dürfen sich auch die Gäste setzen. Und eins muss man unbedingt beherzigen: beim Essen gehören die Hände nur bis zu den Handgelenken auf den Tisch und Gabel, Messer und Löffel bitte nur am Griff und nicht darunter anfassen.

Über die überraschenden lockeren Tischsitten beim Galadinner im Buckingham Palace, anlässlich seines Staatsbesuchs in England, soll sich sogar der amerikanische Präsident gewundert haben. Zum Hauptgang gab es gebratenes Perlhuhn und nachdem seine Tischdame die Queen, das Brustfleisch gegessen hatte, trennte sie die Extremitäten vom Gerippe, ergriff die Keule und begann diese entspannt abzunagen. Mr. Trump machte es ihr begeistert nach, doch statt auf die anschließende Fingerbowle zum Waschen der Finger zu warten, wischte dieser seine fettigen Finger an der Serviette ab. Gottseidank nur eine lässliche Sünde und absolut keine Staatsaffäre!
Eduard von Anhalt

Prof. Dr. Veit Etzold hat gelernt groß zu denken. Als Key-Note-Speaker berät er Unternehmen in puncto Storytelling. © Pietro Sutera

Der weiße Hai im Weltraum

Die meisten können im Leben höchstens auf eine Karriere zurückblicken, wenn überhaupt – Veit Etzold auf viele. Egal, was der 46-Jährige anpackt, er hat Erfolg damit. Ob als Bankenmanager, Bestsellerautor, Professor, Keynote-Speaker, CEO-Coach – an Veit Etzold kommt keiner im Buchladen oder in den Führungsetagen vorbei. Denn sowohl für Thriller als auch für das Führen von Unternehmen gilt: Nur mit der richtigen Story verschafft man sich Gehör. Mit Storys kennt er sich aus: 15 Bücher hat er bereits geschrieben, zehn davon landeten auf den Spiegel-Bestsellerlisten ganz weit oben.

Nicht nur mit Thrillern und blutrünstigen Mördern begeistert er seine Leser, auch mit Sachbüchern wie „Der weiße Hai im Weltraum“ und „Strategie- Planen, Erklären, Umsetzen“. Veit Etzold weiß: Kommunikation ist heute alles. Dumm nur, wenn einem keiner zuhört. Deshalb bringt er Managern bei, wie sie sich Gehör verschaffen und ihnen vom ersten bis zum letzten Satz aufmerksam zugehört wird. Dabei liest sich sein eigener Werdegang ebenfalls wie eine gute Story: nach Managerposten bei Banken 2002 Start bei der Boston Consulting Group, 2010 erfolgreiche Platzierung des ersten Thrillers „Das Große Tier“ bei einem Verlag, 2012 der Durchbruch mit „Final Cut“, 2017 Professur, 2019 Top-10-Experte laut Erfolgs-Magazin und Nummer eins in Deutschland im Bereich Marketing und Vertrieb.

Doch auch ein erfolgreicher Mann wie Etzold kennt Tiefpunkte: „Nachdem ‚Final Cut‘ sehr erfolgreich war, sackte der Nachfolger ‚Seelenangst‘ erst einmal ab. Ebenso musste ich mal wegen persönlicher Differenzen den Job wechseln und oft gelingen Dinge nicht so, wie man denkt“, räumt der 46-Jährige ein. „Das Einfachste ist, das Ganze zur Kenntnis zu nehmen, daraus zu lernen und dann aber weiterzumachen, als wäre nichts gewesen.“

Und was braucht es noch? „Mit Disziplin die Dinge auch umzusetzen. Daran scheitern die allermeisten. Die sind gut im Reden und Motzen, aber nicht im Machen“, sagt Etzold. Außerdem müsse man sich den Erfolg auch zutrauen. „Ich selbst komme aus einer normalen Familie, bin in einer vierköpfigen Familie und einer Dreizimmerwohnung aufgewachsen. Wer so eine Herkunft hat wie ich, lernt nicht, groß zu denken. Die Schule hilft da auch nicht, im Gegenteil. Das Unternehmerbild, das Schulen bieten, ist voller Abneigung und Hass. Entweder, die Eltern helfen einem beim Großdenken, was nur bei reichen Familien der Fall ist, oder man fängt selbst an, groß zu denken, so wie ich es gemacht habe. Ansonsten bleibt man klein.“

Claudia Rothhammer

Regine Sixt verantwortet das internationale Marketing und prägt die Corporate Identity des Unternehmens © Sixt

Geht nicht – Gibt’s Nicht!

1912 gründete Martin Sixt mit einem Fuhrpark von drei Automobilien die Martin Sixt Autofahrten. 1951 wurde die Autovermietung Auto Sixt gegründet, die Erich Sixt 1969 übernahm und 1986 an die Börse führte. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Regine Sixt, die 1976 ins Unternehmen eintrat, wurden weitere Grundsteine für den heutigen Erfolg gelegt. Regine Sixt verantwortet das internationale Marketing und prägt die Corporate Identity des Unternehmens. Zudem ist sie für Corporate Fashion, die Imagefilme und die internationale Kommunikation verantwortlich. Eine perfekte Gesprächspartnerin zum Thema Erfolg.

Sixt ist eine weltweit erfolgreiche Marke und ein führender internationaler Mobilitätsdienstleister. Worauf basiert der Erfolg des Unternehmens?

Auf harter Arbeit, auf Disziplin, und auf Mut. Wir nutzen die relative Freiheit, die man als Unternehmer hat. Und wir handeln nach dem Prinzip: Geht nicht – gibt’s nicht!

Sixt ist seit 1986 an der Börse und wächst stetig weiter. War das der entscheidende Schritt, der den Weg zum noch größeren Erfolg geebnet hat?

Es war damals sicherlich ein mutiger Schritt – anders als heute, wo ja jedes zweit- und drittklassige Start-up so schnell wie möglich an die Börse möchte, noch ohne richtig Ertrag zu generieren. Der Erfolg an der Börse hat es uns ermöglicht, den weltweiten Expansionskurs mit rasantem Tempo zu realisieren. Wir sind heute in 110 Ländern präsent. Ohne Börsengang hätte unser globaler Erfolg vermutlich etwas länger gedauert. Nur zur Erinnerung: Die Mehrheit der Aktien ist bis heute im Familienbesitz, und daran wird sich auch nichts ändern.

Gab es Rückschläge auf dem Weg zum Erfolg?

Wenn man zurückblickt, muss man fairerweise sagen, dass nicht jedes Projekt erfolgreich war. Straucheln und ab und zu hinzufallen, das gehört dazu, wenn man sich seinen eigenen Weg bahnt. Wichtig ist nur, dass man nie liegen bleibt, sich wieder aufrappelt und weitergeht. Ein paar Kratzer abzubekommen – das gehört einfach dazu.

Das Markenimage von Sixt ist trotz des Alters des Unternehmens von eingestaubt weit entfernt. Wie konnten Sie den Erfolg ins Zeitalter der Globalisierung und Modetrends herüberretten?

Wer am Ball bleiben will, sollte permanent an der Erneuerung der Marke arbeiten. Die Erfolge von gestern sind für uns irrelevant, sogar gefährlich. Das sieht man bei vielen Marktführern, die plötzlich weg vom Fenster waren, weil sie Entwicklungen und Trends ignoriert oder verschlafen haben.

Wer sich heute mit Mobilität beschäftigt, der muss global denken und handeln.

Ihr Mann sagte einmal: „Erfolg ist der größte Feind des Erfolges. Sich darauf auszuruhen wäre fatal.“ Inwieweit steuert Sixt dagegen? Sich auf dem Erfolg auszuruhen – das wäre undenkbar bei Sixt. Dazu dreht sich das Rad zu schnell. Neben meinem Mann Erich Sixt arbeiten unsere Söhne Alexander und Konstantin im Vorstand des Unternehmens. Die beiden legen ein Tempo vor, dass einem schwindlig werden kann. „Immer weiter“, das ist die Devise. Stillstand ist ein Fremdwort bei Sixt.

Ihr Unternehmen wächst seit Jahren rapide, gibt es für ein Familienunternehmen eine natürliche Grenze?

The sky is the limit, sage ich immer. Wer an Begrenzungen glaubt, der wird sie auch erleben. Wer groß denkt und entsprechend handelt, der orientiert sich nicht an den Grenzen, sondern an Chancen. Mit dem nötigen Instinkt erkennt man diese und bleibt in Bewegung. Wir im Mobility-Business haben das internalisiert, denke ich.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?

Natürlich gibt es kleine Dinge und den einen oder anderen Fehler, den man nicht wiederholen würde. Ein richtiger Fehler wird es in meinen Augen erst dann, wenn man ihn immer wieder macht, weil man nichts aus ihm gelernt hat.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die jemand braucht, um Erfolg zu haben?

Primär geht es um die richtige Lebenseinstellung. Man muss hoch hinauswollen, um nach oben zu kommen. Hindernisse und Schwierigkeiten sind dabei die Stufen, auf denen wir höher steigen. Wir dürfen nur nicht aufhören, vorwärts zu gehen.

Eine Maus werden Sie nicht unbedingt dazu bekommen, ein starker Löwe zu sein. Wer kein Talent zum Führen hat, der sollte sich eine andere Rolle suchen, in der er gut ist und sich wohl fühlt.

Sie leiten als Vorstandsvorsitzende die „Regine Sixt Kinderhilfe Stiftung“. Wie wichtig ist soziales Engagement, wenn man selbst erfolgreich ist?

Wer auf der Sonnenseite des Lebens steht, der hat die Verpflichtung, der Gesellschaft zu dienen und sich um diejenigen zu kümmern, die unverschuldet auf der Schattenseite gelandet sind. Ganz ehrlich: bei manchen sogenannten Erfolgsmenschen scheint ja deren äußerer Erfolg deutlich größer zu sein als ihre Menschlichkeit. Erfolg ohne Mitmenschlichkeit – das wäre für mich kein erfolgreiches, kein lebenswertes Leben.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis zusammenfassen?

Mein Erfolg hat kein Geheimnis. Es geht ganz einfach darum, das zu tun und anzupacken, was getan werden muss. Punkt.

 

© Otto Group

Wir brauchen mehr Querdenker!

Alexander Birken, Jahrgang 1964 und geboren in Hamburg, hat am 1. Januar 2017 den Vorstandsvorsitz der Otto Group übernommen. Bereits 1991 stieg Birken im Controlling-Bereich der Otto Group ein und übernahm anschließend u.a. die Verantwortung für das Beteiligungscontrolling der Otto Group im amerikanischen und asiatischen Markt, leitete Birken dann das weltweite Beteiligungscontrolling der Otto Group. Und war von 2002 bis 2004 als Chief Operating Officer der Spiegel Group in Chicago, USA, tätig. Seit 2005 war Birken Mitglied des Vorstandes der Otto Group und maßgeblich für die erfolgreiche Expansion der Otto Group Russia verantwortlich. Zudem verantwortete er operativ die Bereiche Personal, Steuerung und IT von OTTO und war als Konzern-Vorstand für die strategische Weiterentwicklung verschiedener Firmen verantwortlich. Seit dem 1. August 2012 nahm er zusätzlich die Sprecherfunktion der Einzelgesellschaft OTTO wahr. Alexander Birken ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Herr Birken, was bedeutet Erfolg für Sie?
Gut zuzuhören. Wir deutschen Manager sind mit dem Gen geboren worden, dass wir allen erklären können, wie die Welt funktioniert. Eines der Erfolgsgeheimnisse der Menschen, die etwa im Silicon Valley arbeiten, ist dagegen, dass sie nicht senden, sondern Fragen stellen. Die wollen lernen. Ein anderes Beispiel ist Tarek Müller, einer der Chefs von About You. Dem bin ich in seiner Anfangszeit dreimal in einer Woche am Campus in Hamburg begegnet. Beim dritten Mal habe ich ihn dann gefragt: „Tarek, was machst du hier die ganze Zeit?“ Und er hat geantwortet: „Hier sind so viele schlaue Leute, die frage ich alle aus.“ Das ist die neue Mentalität: Die Chefs können die wenigsten Antworten selbst geben, deshalb müssen sie die richtigen Fragen stellen.

Was waren bisher Ihre wichtigsten Karriere-Schritte?
Zu meinen wichtigsten Karriere-Schritte gehört sicherlich mein zweieinhalbjähriger USA-Aufenthalt bei der Spiegel Group. Tatsächlich bin ich seit Kindesbeinen an ein Optimist, aber der amerikanische Grundoptimismus hat mich nochmal extrem geprägt. Und mir viel Rüstzeug mitgegeben.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Der Kulturwandel-Prozess, der seit knapp vier Jahren in der Otto Group läuft, ist mein ganz persönliches Highlight. Wir alle befinden uns in einem gewaltigen Transformationsprozess, unsere Lebens- und Arbeitswelt ändern sich radikal. Und keiner weiß genau, was noch auf uns zukommt. Da ist es sehr beeindruckend zu erleben, wie es einem werteorientierten, eher traditionellen, großen Unternehmen gelingt, sich so zu verändern, dass es zukunftsfähig ist und leistungsfähiger wird. Gelingen kann dies einzig und allein, indem alle Kolleg*innen – auch und gerade wir im Vorstandsteam – ihre Haltung verändern, von lieb gewonnen Gewohnheiten und Verhaltensweisen Abschied nehmen und offen sind für die Zukunft der Arbeit. Wir sind hier wirklich außerordentlich gut vorangekommen und werden diesen spannenden Prozess weiter gestalten.

Was raten Sie jungen Menschen, die Erfolg haben möchten?
Sei du selbst! Wir brauchen viel mehr Querdenker – gerade in diesen Zeiten des extrem schnellen Wandels. Wir brauchen Kolleg*innen, die eine andere Sicht auf Dinge haben, kreative Ideen entwickeln, unpopuläre Meinungen vertreten. Wir brauchen diese Vielfalt, um dauerhaft innovativ zu bleiben und damit am Markt bestehen zu können. Genau das fördern wir übrigens mit dem Kulturwandel 4.0.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Ich möchte zwei nennen: Mut und Demut. Wir brauchen den Mut, etwas Neues zu wagen und dabei meist auch ein persönliches Risiko einzugehen. Dann können wir erfolgreich sein. Und wir brauchen Mut für eine neue Art von Führung. Eine Führung, die aber auch demütig anerkennt, dass Führungskräfte nicht mehr die allwissenden Bewohner von Elfenbeintürmen sind. Die erkennt, dass in allen Kolleg*innen Potenziale stecken, die zum Erfolg beitragen.

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?
Ohne soziale Kompetenzen bzw. soziales Engagement geht es im familiären, gesellschaftlichen und unternehmerischen Miteinander nicht – ganz unabhängig davon, wie erfolgreich Menschen sind. So zumindest meine Werteauffassung. Ich unterstütze beispielsweise unser Musik-Projekt „The Young ClassX“, das Kindern aus sozial benachteiligten Familien den Zugang zu Musik ermöglicht. Eines meiner Herzenshemen, weshalb es mir leichtfällt, mich hierfür zu engagieren.

 

Frank Thelen – etwas zu bewegen ist sein Antrieb Fotos: © Frank Thelen / frank.io

„Startup-DNA“

Wenn Kinder laufen lernen, fallen sie auch böse hin: Frank Thelen aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ weiß nicht nur, wie man Start-ups das Laufen beibringt. Er ist auch tief gefallen. Mit 25 Jahren stand er als Unternehmer vor dem Ruin, hat es aber zurück nach oben geschafft. Heute ist der 44-Jährige für diese schmerzhafte Erfahrung sogar dankbar. Er findet: Richtig auf die Schnauze zu fallen, tut einem Gründer gut.

Wenn Frank Thelen in der „Höhle der Löwen“ sitzt, warten die Zuschauer gebannt auf seine Einschätzung. Der 44-Jährige kennt nicht nur die Tech- und Gründerszene sehr gut, er scheint auch immer den richtigen Riecher zu haben, ob eine Geschäftsidee Potenzial hat. Dass er einmal Deutschlands bekanntester und mit sechs Staffeln dienstältester „Löwe“ werden würde, hätte der Bonner nie gedacht. Seine Eltern vermutlich auch nicht, als ihr Frank so viele Fünfer und Sechser nach Hause brachte, dass er vom Gymnasium flog und auf der Realschule landete. Hätte man ihn damals gefragt, was er sich einmal für seine Zukunft vorstellt, hätte er gesagt: „Eher was Sportliches.“ Auch wenn er leidenschaftlich gerne Skateboard fährt, hatten es ihm früher kleine Bälle angetan. „Als Kind wollte ich mal Tischtennisprofi werden, weil mich der Sport begeistert hat. Ich war auch tatsächlich ganz gut, aber für eine Profikarriere hätte es wohl nicht gereicht“, verrät Thelen.

Gereicht haben dann zumindest die schulischen Leistungen doch noch. Thelen kämpfte sich hoch, konnte studieren und entschied sich für Informatik – um es dann doch wieder abzubrechen. Er hatte nämlich mit 18 Jahren seine erste Firma gegründet, die er ausbauen wollte. Sein Unternehmen stellte ein innovatives Framework zur Herstellung von High-End-Multimedia-CD-ROMs zur Verfügung. Für Interessierte nur so viel: Es war eine schnellere und flexiblere Alternative zur beliebten Macromedia-Director-Plattform. 1996 fusionierte seine erste Firma mit Pro PC zur Marke Create Media, die einige der ersten größeren Websites in Deutschland wie zum Beispiel hallo.de oder bilder.de erstellte und betrieb. 1997 glaubten Investoren so fest an ihn und seine Fähigkeiten, dass er für seine neue Firma Twisd 1,4 Millionen D-Mark Wagniskapital bekam, um einen Linux-basierten Router zu entwickeln und zu vertreiben, der lokale Netzwerke mit dem Internet verband.

Zwei Jahre nach der Firmengründung stand Thelen mit Twisd kurz vor dem Sprung an die Börse und damit mit gerade mal 24 Jahren vor seinem vermeintlich größten Erfolg. Doch dann stürzte alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Internetblase platzte. Doch Thelen und seine Mitgründer hatten zur Überbrückung der letzten Phase vor dem Börsengang einen Kredit über zwei Millionen D-Mark aufgenommen – und dabei einen ihrer größten Fehler gemacht: Sie haben mit ihrem Privatvermögen gebürgt. Thelen stand plötzlich vor dem Ruin und vor einem riesigen Schuldenberg. „Das war mein größter Rückschlag.“ Er verkroch sich erstmal, sortierte sich neu, suchte nach Auswegen. „Ich konnte glücklicherweise einen Vergleich mit der Bank aushandeln und den Mut und die Willenskraft finden, erneut zu gründen – diesmal erfolgreich.“

Thelen geht ganz offen mit seiner Niederlage um. „Wir lernen mehr durch Schmerz als durch Glück“, gibt er zu bedenken. Und der junge Firmengründer ist gewillt, zu lernen. Zehn Jahre stottert er seine Schulden ab, Monat für Monat. Auch wenn er im Laufe der Jahre alles mit einem Schlag hätte begleichen können, er will die Erinnerung an seine schwerste Zeit nicht so schnell hinter sich lassen. Nach Twisd gründet er die Firma ip.labs, die zum Weltmarktführer für Onlinefotoservices wird: „Das war der wohl wichtigste Karriereschritt und auch einer der wichtigsten Wendepunkte in meinem Leben. Nicht nur, weil das letztendlich zum ersten größeren wirtschaftlichen Erfolg für mich wurde, sondern auch, weil ich aus einer sehr schwierigen Situation heraus erneut gegründet und mir selbst und anderen Gründern gezeigt habe: Wieder aufstehen lohnt sich!“

Thelen ist der festen Überzeugung: „Niemand hat nur Glück und Erfolg.“ Niederlagen gehörten ebenso zum Leben. Die Frage sei nur, wie man mit den Tiefpunkten umgehe. Das will er jungen Gründern mit auf den Weg geben. Auch seine Autobiografie „Startup DNA“ trägt den prägnanten Untertitel „Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern.“ Besser könnte man den 44-Jährigen nicht beschreiben. Auch er möchte die Welt verändern. „Mein größtes Vorbild ist Elon Musk, weil er visionär denkt und in fast allen relevanten Zukunftsthemen spürbar involviert ist.“ Dass die Welt vor einem großen Umbruch steht, liegt für Thelen auf der Hand: „Sämtliche Industrien werden in den kommenden Jahrzehnten durch immer wieder neue, technologische Entwicklungen disruptiert. Wer hierfür kein Verständnis hat und nicht vorausschauend handelt, wird abgehängt.“

Dass Deutschland sich selbst abgehängt hat, ist Thelens große Befürchtung. Oder, wie er es ausdrückt: „Internet, Smartphone, Cloud: Europa hat alles verpennt.“ Deshalb treibt ihn jetzt vor allem eines an: „Bisher war es immer die Begeisterung für neue Technologien und die Liebe zum Produkt, an dem ich zu dem Zeitpunkt gebaut habe. Jetzt habe ich zum ersten Mal einen Zehnjahresplan und eine Agenda: Ich möchte einen Technologie-Champion aus Europa mit aufbauen. Wir müssen unsere wirtschaftliche Lage gegenüber den USA und China stärken, damit wir auch in Zukunft noch auf Augenhöhe mit den Weltmächten verhandeln können. Wir brauchen globale Lösungen für Themen wie KI und Klimaschutz. Das spornt mich an.“ Etwas zu bewegen, das ist sein Antrieb und Motor. Das spürt man. Deshalb verwundert es auch nicht, dass er über sich selbst sagt: „Für mich bedeutet Erfolg, jeden Tag ein bisschen besser zu werden und immer wieder an neuen Herausforderungen mit den klügsten Köpfen arbeiten zu dürfen.“

Ihm sei es auch nie wichtig gewesen, einmal ein großer Firmenchef zu sein. „Ich habe schon immer aus Passion heraus gehandelt. Ich habe mich nie aktiv dazu entschieden, Gründer oder Investor zu werden, sondern habe einfach immer mit Herzblut an Produkten gearbeitet, bis daraus Unternehmen entstanden sind. Investor bin ich dann geworden, weil ich mit meinem Kapital etwas an die Start-up-Szene zurückgeben wollte.“ Jungen Gründern rät er: „Wer mit Passion und aus Leidenschaft und tiefster Überzeugung heraus ein Ziel verfolgt, kann es in meinen Augen mit harter Arbeit und Disziplin auch immer schaffen. Wer nur auf Erfolg aus ist, wird es hingegen schwierig haben.“

Claudia Rothhammer

Seit 24 Jahren ist Schauspieler Erdoğan Atalay das Gesicht der Serie „ Alarm für Cobra 11“ Foto. © cobraeleven_erdogan

„Werden Sie lieber Automechaniker!“

„Ihr Revier ist die Autobahn. Ihre Gegner extrem schnell und gefährlich. Verbrechen ohne Limit!“ Fans wissen bei diesen Zeilen gleich, wovon die Rede ist: von der Actionserie „Alarm für Cobra 11“. Und sofort denkt man an ihn: Erdogan Atalay. Der 53-Jährige ist seit 24 Jahren das Gesicht der Serie.

Donnerstag ist Semir Gerkhans Tag. Dann sehen dem Autobahnkommissar regelmäßig zwei bis drei Millionen beim Verfolgen von Bösewichten zu. Seit der zweiten Folge verkörpert Atalay die Figur und hat damit einen großen Anteil am Erfolg der Serie. Auch für ihn persönlich begann mit der Rolle der Aufstieg als Schauspieler. Sein Talent hat er vom Vater geerbt, der in der Türkei Schauspieler war. „Aber als ich im Berufsbildungszentrum in Hannover meinen Berufswunsch vorstellte, lachte mich der Mitarbeiter dort aus und meinte: Das ist nichts für Sie. Werden Sie lieber Automechaniker!“ Atalay war tief gekränkt. „Insgeheim hat es mich aber bestärkt.“

Damit lernte der junge Atalay sogleich eine wichtige Lektion: „Rückschläge gibt es viele. Wichtig dabei ist, dass man immer wieder versucht, sein Bestes zu geben, auch wenn man oft abgelehnt wird.“ Der 53-Jährige weiß, wovon er spricht. „Ich habe einige beschissene Momente in meiner Laufbahn erlebt. Mich hat mal eine Agentur angerufen und mir eine Rolle angeboten, die ich sehr gerne bekommen hätte. Während des Gesprächs fiel der Dame auf, dass sie sich verwählt hat!“

Aber er gab nicht auf. Oder, wie er es ausdrückt: „Ich bin sehr leidenschaftlich hartnäckig und kämpferisch in meiner Arbeit.“ Mit dieser Einstellung ergatterte er mit 18 Jahren auch seine erste Rolle am Staatstheater in Hannover: „Ich bin in das Betriebsbüro gegangen und habe gesagt: Hallo, Sie machen doch hier Theater. Ich würde gerne mitspielen.“ Atalay lacht: „Wenn die beiden, die das Büro leiteten, nicht so verdutzt über mein völlig naives Auftreten gewesen wären, wäre vielleicht alles anders verlaufen. Aber nachdem sie mich zurechtgewiesen haben, dachten sie vielleicht an ihre eigene Jugend und kamen mir hinterhergelaufen, um mir eine Statistenrolle anzubieten.“

Mit 53 Jahren ist er selbst Chancengeber – als Unterstützer des Kinderhilfswerks „Die Arche“. „Es wäre klasse, wenn man eines Tages sagen könnte: Ich lebe in einem Land, in dem es keine Armut gibt, keine Ausgrenzung oder Diskriminierung, in dem jeder toleriert wird, egal welcher Nationalität oder Religion er angehört. Das wäre mal eine wirkliche Erfolgsgeschichte!“
Claudia Rothhammer

Ljubo Brekalo ist Gründer und CEO der Charter & Share GmbH Bild: Fotos: © Ljubo Brekalo/Charter & Share GmbH

Luxus ist… wenn der Kopf und das Herz organisiert sind

Lieber ein Leben mit Leidenschaft als bequemes Laufenlassen: Auch wenn Ljubo Brekalo in die Gastronomie und Hotellerie geboren wurde, hat er sich doch seine eigene, ganz andere, Laufbahn geschaffen. Mit einer Ausbildung zum Bänker hat der Bayer den Grundstein für seine Karriere als Finanzberater und Unternehmer gelegt. Und vor rund drei Jahren brachte er dann sein neuestes Projekt auf den Weg: die CHARTER&SHARE GmbH und das Produkt „Accelerato(u)r“, das bei exklusiven Touren die Fahrt in Traumautos mit Networking vereint.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Erfolg ist, viel Liebe im eigenen Leben zu haben. Menschen zu lieben. Geliebt zu werden. Meine Arbeit zu lieben. Den Ort zu lieben, an dem ich gerade wohne.

Gab es einen materiellen Wunsch, der Sie begleitet hat und den Sie sich erfüllt haben?
Es ging immer um tolle Autos. Ich habe immer von einem Mercedes E55 AMG geträumt, den ich mir dann auch kaufte.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriereweg?
Ja, öfter. Am schlimmsten traf mich der Diebstahl eines unserer Fahrzeuge aus unserer Flotte im Jahr 2018. Es war finanziell kein Beinbruch, aber die Dreistigkeit, wie es passierte, hat mich emotional sehr beschäftigt.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?
Unternehmerisch habe ich mich zu spät um eine Strategie gekümmert. Ob ein Unternehmen wächst oder nicht, ob ich Geld verdiene oder nicht, ob ich gute Beziehungen zu meinen Kunden habe oder nicht, hängt nicht an „der Wirtschaftssituation“, sondern nur an der Strategie. Die liegt einzig und allein beim Unternehmer – niemand anderem.

Außer im täglichen Business: Wo haben Sie noch gern Erfolg?
Sicherheit geben. Das Gefühl, dass uns nichts passieren kann. Dass wir geschützt und versorgt sind.

Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Wenn ich bei meiner Familie und meinen Freunden bin, möchte ich mich anwesend fühlen, lebendig und in Kontakt mit ihnen. Diese Lebendigkeit ist bei uns nur durch Planung möglich, da wir mehrere Unternehmen – auch im Ausland – haben. Wenn wir zusammen sind, dann sind wir das aber auch richtig.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?
Ich habe auch heute noch die größten Unterstützer zu Hause: meine Familie. Und ein besonders guter Freund hat sich während meiner Bankkarriere als bester Mentor gezeigt, ohne solche Menschen geht es nicht.

An welchen Orten finden Sie neue Inspiration?
Mein Prinzip:„Jeden Tag ein Glücksgefühl!“ ist völlig ortsunabhängig. Meine Aufgabe ist, mir selbst jeden Tag eine ordentliche Portion Glück zu organisieren. Durch den schönen Waldspaziergang mit meinem Hund. Ein Glas Rotwein, langsam und mit Genuss getrunken. Oder eine liebevolle Umarmung mit meinen Lieblingsmenschen.

Welche Sehnsüchte haben Sie?
Endlich wieder Musik zu machen.

Was ist ein Must-have in ihrem Beruf?
Es lebt sich besser, wenn du Prinzipien hast. Weil du dann nicht so viel rumeiern musst. Weil du nicht ständig alle Entscheidungen neu treffen musst.

Was ist für Sie Luxus?
Nichts materielles, sondern immaterielles: Wenn alles seinen Platz hat. Wenn mir die Reihenfolge klar ist. Wenn ich weiß, was kommt und ganz entspannt bin. Wenn ich weiß, was zu tun ist und was warten kann. Wenn ich nichts vergesse und an alles gedacht ist – was mir große Gelassenheit bringt. Wenn ich sehe, was wichtig ist und worum ich mich kümmern muss. Der Kopf ist organisiert. Die Hände. Und das Herz.

War Erfolg zu haben früher einfacher als heute?
Die Digitalisierung ist da und verändert merklich unseren Alltag und die Arbeitswelt. Anerkanntes Wissen und Know-how werden auf den Kopf gestellt: Das, was wir noch vor Jahren an der Schule oder Uni gelernt haben, gilt heute häufig schon als veraltet. Wer da mithalten will, muss nicht nur schnell und flexibel dazulernen, sondern braucht ein ganz neues Mindset. Ich glaube, summa summarum ist es heute schwieriger geworden, erfolgreich zu sein, denn es fehlt an der Zeit, all das zu bewältigen.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen brauchen?
Es ist nicht so sinnvoll, wenn man des Geldes wegen oder um gemocht zu werden Dinge tut, die man eigentlich nicht tun will. Es ist sinnvoll, die eigenen Wünsche und das persönliche Grundmotiv zu kennen oder genauer zu checken und strikt nach Prinzipen zu handeln, die unverrückbar sind und immer ihre Gültigkeit haben werden.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Dazulernen. Voranschreiten. Dinge verarbeiten. Etwas loslassen. Weiterkommen. Das nennt man vielleicht Entwicklung. So, wie ein Film früher entwickelt wurde. Damit aus einem Farbnegativ etwas Neues, Farbenfrohes entsteht.

Welche Rolle spielt die Herkunft beim Wunsch, erfolgreich zu sein?
Für mich keine, als Kroate habe ich vieles erreicht.

Welche Ziele setzen Sie sich für die Zukunft?
Ich möchte unser neues Produkt, die Accelerato(u)r zum Erfolg bringen. Es vereint vieles, woher ich komme, meine Leidenschaft zu Autos, savoir vivre, Networking und persönliche sowie unternehmerische Entwicklung.

Minister Bernd Buchholz (FDP) Bild © MWVATT

Aus Fehlern lernen

Dr. Bernd Buchholz, Jahrgang 1961, ist Jurist, Politiker und seit 2017 Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein. Bereits seit 1981 ist Buchholz Mitglied der FDP. Er war Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, Mitglied im FDP-Landesvorstand, Mitglied des Landtags. Von 2009 bis 2012 war der zweifache Familienvater Vorstandsvorsitzender der Gruner + Jahr AG & Co. KG. Erfolg bedeutet für ihn, wenn er selbstgesetzte Ziele erreicht.

Herr Buchholz, was wollten Sie als Kind werden?
Bernd Buchholz: Flugkapitän, weil mich Fliegen bis heute fasziniert.

Sie sind dann doch Jurist geworden, was war dafür ausschlaggebend?
Die Vielfalt der Betätigungsmöglichkeiten.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Vorstandsvorsitzender von Gruner & Jahr und mein jetziges Amt als Wirtschaftsminister.

Was würden Sie als bisheriges Highlight Ihrer Karriere bezeichnen?
Gruner & Jahr erfolgreich durch und aus einer Wirtschaftskrise geführt zu haben.

Gab es einen materiellen Wunsch, den Sie sich zu Ihrem ersten großen Erfolg erfüllt haben?
Ein Motorrad zum Abitur.

Was sind Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsstärke.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?
So gut wie möglich das zu machen, was zu machen ist, und nicht zu viel über Karriere nachdenken.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?
Ich versuche, aus Fehlern zu lernen.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Etwas verändern zu wollen.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?
Es gab zwei wichtige Mentoren: meinen Doktorvater und den Vorstandsvorsitzenden von G+J.

Was ist Ihr Ort der Inspiration?
Mein Ferienhaus am See.

Und was bedeutet für Sie Luxus?
Zeit ist Luxus. Und liebenswerte Menschen in meiner Umgebung.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Nö.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?
Ich hatte Glück und habe hart gearbeitet dafür.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Zehn Prozent Inspiration, neunzig Prozent Transpiration.

Welche Ziele in puncto Erfolg setzen Sie sich für die Zukunft?
Erfolg bei der Landtagswahl 2022 mit der FDP.
Von Renate Kerscher

Lutz Marmor spricht als Intendant des NDR bei einer Mitarbeiterversammlung. © NDR Jann Wilken

Langfristig denken

Lutz Marmor hat eine erstklassige Karriere in öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten hingelegt: Westdeutscher Rundfunk, Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg, Norddeutscher Rundfunk. Beim NDR ist der 65-Jährige seit 2008 Intendant – noch bis Januar 2020. Geplant war seine Medienkarriere nicht, aber der studierte Betriebswirt ist sehr froh, dass es so gekommen ist. „Mein Lebenslauf sieht im Nachhinein so geplant aus, das war aber gar nicht so. Manchmal ergibt sich etwas und man muss die Chance ergreifen“, sagt Marmor über seinen Werdegang.

„Ich war ja in der Unternehmensberatung tätig und habe für den WDR ein Konzept ausgearbeitet“, erklärt Marmor seinen ersten Berührungspunkt mit der Medienbranche. Schließlich sei er vom WDR gefragt worden, ob er das Konzept selbst umsetzen wolle. „Den WDR und überhaupt Medien fand ich total spannend. Die haben offene Türen bei mir eingerannt“, spricht Lutz Marmor über einen wichtigen Schritt in seiner Karriere.

Später folgte er dem Ruf des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB). Es war ein absolutes Highlight seiner Karriere, die Neugründung einer Rundfunkanstalt mitzuerleben. „Ich bin einen Monat vor Sendestart hingekommen, wir hatten 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und kurze Zeit später gut 500.“ Vier Jahre war Lutz Marmor beim ORB. „Die haben sich allerdings wie acht angefühlt“ – so intensiv, aber auch so schön hat er die Zeit in Erinnerung. Darin sieht Marmor auch sein Erfolgsgeheimnis: „Was ich gemacht habe, wollte ich immer bestmöglich machen. Auch mit großem zeitlichen Aufwand.“ Das ist auch sein Rat an junge Menschen. „Das versuchen, was einem liegt, aber dann auch exzellent machen und nicht halbherzig. Bei allem Ehrgeiz sollte aber das Private nicht zu kurz kommen.“

Seine Stärken beschreibt Lutz Marmor so: „Ich bin Mensch geblieben, authentisch, denke langfristig und bin ehrlich. Es bringt nichts, jemanden auszutricksen, weil man sich immer zweimal begegnet. Ich weiß fachlich sehr viel, lasse aber auch den Bauch noch entscheiden.“

Seinen Ausgleich findet der NDR-Intendant beim Sport. Früher sei er Baskenballspieler gewesen und habe sogar ein Team trainiert. „Da will man natürlich gewinnen, wobei man beim Sport auch das Verlieren lernt. Basketball ist ein Mannschaftssport und ich glaube, ich habe viel davon profitiert für mein Berufsleben.“ Doch nicht nur der Sport ist ihm Ausgleich, auch in der ehrenamtlichen Arbeit geht Marmor auf. „Das möchte ich wieder intensiver machen, wenn ich hier aufhöre.“

Von Renate Kerscher

Eine Karriere reicht einfach nicht

Er ließ Götz George für den „Tatort“ blankziehen, schrieb das Drehbuch für einen Oscar-nominierten Film und setzte sich als Rechtsanwalt für Studenten ein. Fred Breinersdorfer ist ein echter Allrounder – und ein erfolgreicher noch dazu.

Jurist und Hochschuldozent, Autor und Verleger, Filmproduzent und Regisseur: Was andere Menschen in mehreren Leben nicht unter einen Hut bekommen würden, schafft Fred Breinersdorfer in einem einzigen. Der gebürtige Mannheimer tanzt beruflich auf vielen Hochzeiten – und auf jeder von ihnen erfolgreich. Doch Breinersdorfer selbst sieht sich und sein Wirken wesentlich nüchterner als so mancher Außenstehender: „Die Schule habe ich zwar am Ende gut abgeschlossen, war aber öfters an der Kante zum Durchfallen. Als angehender Jurist war ich zwar erfolgreich in den Examina, aber als Student die Welt politisch zu verbessern, daran bin ich gescheitert. Als Anwalt wiederum konnte ich erfolgreich über 3000 Studenten ins Studium einklagen, als Strafverteidiger aber bin ich gescheitert, weil die Straftäter kein Vertrauen zu mir hatten“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Als ihn die juristische Arbeit nicht mehr so richtig auslasten konnte, wurde er zum Massenmörder – glücklicherweise jedoch nur auf dem Papier. Denn in seinen seit den 1980er-Jahren verfassten Romanen und Drehbüchern dürften es mehr als 200 fiktive Opfer gewesen sein, die er auf die eine oder andere Weise als Autor auf dem Gewissen habe, so Breinersdorfer. Große schriftstellerische Erfolge wurden unter anderem seine Kriminalromane über den später von Günther Maria Halmer verkörperten Anwalt Jean Abel.  Und unter seinen zahlreichen TV-Drehbüchern ragt vor allem der „Tatort“-Klassiker „Zweierlei Blut“ heraus, in dem Götz George alias Kommissar Horst Schimanski nackt auf den Anstoßkreis des Duisburger Wedaustadions gelegt wird.

Wer wie Fred Breinersdorfer auf so vielen Gebieten Erfolg hatte und immer noch hat, der entwickelt mit den Jahren ein Gespür dafür, was es braucht, um wirklich erfolgreich zu ein: „Talent, Mut, einen starken Willen, Selbstkritik, Fairness und mit Anstand auch Mal verlieren zu können.“ Und nach seinem persönlich größten Erfolg gefragt  ist die Antwort eindeutig: das Drehbuch für den Oscar-nominierten Spielfilm „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ verfasst zu haben. Dies habe ihn schon stolz gemacht, gibt Fred Breinersdorfer gerne zu. Wer kann es ihm verdenken?

Von Stefan Ahrens

Lotto King Karl – der ehrgeizige Musiker hat seine Träume in die Tat umgesetzt. Bild © Patrick Ludolph

Zufriedenheit ist der größtmögliche Erfolg

Wenn man sich mit Lotto King Karl unterhalten möchte, dann muss man Zeit mitbringen. Dabei wird es auf gar keinen Fall langweilig, denn der Mann hat schon viel erlebt und dadurch auch einiges zu erzählen. Vom Marineoffizier über „Der mit dem großen Lottogewinn“ bis hin zum heutigen erfolgreichen Musiker – natürlich mit der ganz großen Liebe zum HSV.

„Als Kind wollte ich Mittelstürmer beim HSV und Torschützenkönig der Bundesliga werden. Damals konnte ich mir keinen cooleren Job vorstellen,“ so Lotto King Karl. Mittlerweile weiß er, dass es noch andere coole Jobs gibt. „Als ich Marineoffizier war, war mir gar nicht bewusst, was für ein cooler Job das ist. Daran denkst Du in dem Moment nicht, wenn Du bei 8 Grad auf der Brücke stehst, Dir der Hagel ins Gesicht schlägt und Du manchmal mit Leuten zusammenarbeiten musst, mit denen Du Dich privat nie treffen würdest. Aber Du lernst, im Team zusammenzuhalten, durchzuhalten und Mut zu haben. Das alles ist mir erst viel später bewusst geworden. Aber das ist wichtig. Irgendwann sollte man erkennen, was man schon geschafft hat. Damit setzt dann eine gewissen Dankbarkeit ein und mit ihr auch der persönliche Erfolg.“

Doch ab wann kann man dankbar sein und ab wann hat man für sich selbst Erfolg? „Es fängt ja immer damit an, dass man gewisse Träume hat, die man erreichen möchte. Da ist es am Anfang ja schon ein Erfolg, wenn man die Miete ohne Probleme zahlen kann. Dann wird man anspruchsvoller in Bezug auf Erfolg. Man sollte sich nur immer die Fragen stellen, wie lange und wie hart man überhaupt arbeiten möchte. Oder umgekehrt: Wann reicht es? Wenn man dann ehrlich zu sich selbst ist, gelangt man automatisch an den Punkt, an dem man sagt: Ich habe mein Ziel und das, was mir wichtig war, erreicht. Damit sind wir dann wieder bei der Zufriedenheit und dem Erfolg.“

Der Weg zum Erfolg kann aber auch schwer sein. „Ich kann mich noch daran erinnern, als meine Band und ich unseren major Plattenvertrag verloren hatten. Wenn eine Plattenfirma einen rauswirft, dann geht die eigentlich davon aus, dass sich die Band auflöst. Doch das kam für uns nicht infrage. Trotzdem war die Trauer erst riesengroß. Wir saßen damals total frustriert an einer Jet-Tankstelle in Hamburg Horn mit einem Sixpack im Arm und haben uns gefragt: Was können wir denn, was diese milliardenschwere Plattenindustrie nicht kann? Und das einzige, was uns einfiel – wir können ehrlich sein und wir können härter arbeiten. Als Philosophie sicherlich toll, aber als Geschäftsgrundlage eher mittelmäßig. Und trotzdem hat es funktioniert. Das war wohl mein wichtigster Karriereschritt.“ Rückschläge und Erfolg gehören für ihn zusammen. „Das liegt in der Natur der Sache. Wichtig dabei ist es, ein gewisses Talent zu besitzen.“

Manchmal ist es auch ein Talent, das im ersten Moment gar nicht als solches gesehen wird und trotzdem zum Erfolg führt. „Vielleicht ist es am Beispiel von Dieter Bohlen gut zu erklären,“ mein Lotto. „Es ist sicher nicht beleidigend, wenn man sagt, dass Bohlen nicht der größte Musiker auf dem Planeten ist. Aber er war in der Lage, mit seiner Personality ein Geschäft zu machen. Dabei hat er immer den kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden. Er lebt davon, dass er viele Dinge einfacher macht.“ Sicherlich etwas, das helfen kann: Zu erkennen, wann es kompliziert wird und dass man es dann besser lässt. Wobei man das auf gar keinen Fall mit „aufgeben“ gleichsetzen sollte. Social Media macht es heutzutage ohnehin viel einfacher, bekannt zu werden. Für Lotto King Karl sind die sozialen Netzwerke hilfreich, allerdings auch mit Arbeit verbunden. „Wenn man es bewusst betreibt und ernst nimmt, dann kann man sich auch eine gewisse Unabhängigkeit von der Presse schaffen. „Das habe ich gemacht, als meine Zeit beim HSV zu Ende ging. Ich habe direkt meinen Abschiedsbrief bei Facebook geschrieben. Somit musste ich gar nicht darauf warten, bis mich die Presse anrief und vielleicht auch Sachen behauptete, die ich angeblich gesagt hatte.“

Dass man durch Social Media heutzutage schneller bekannt, wird ist kein Geheimnis. Der Lotto King hat da einen interessanten Vergleich. „Das ist wie damals zu Zeiten von Wolfgang Amadeus Mozart. Der musste von Hof zu Hof gehen , um sein Talent zu zeigen. Er war darauf angewiesen, dass es sich rumsprach. Heutzutage gehen Sie nicht mehr von Hof zu Hof, sondern stellen ihre Arbeit, Ihr Talent ins Netz und wenn es gut ankommt, dann geht es ab.“ Lotto King Karl ist zu einer Zeit bekannt geworden, als soziale Medien in ihrer heutigen Form noch gar nicht existierten. Er war ehrgeizig und hat für seine Träume hart gearbeitet. „Man muss sich seine Position im Leben erst einmal erarbeiten und für sich selbst sehen, wohin der eigene Blick geht. Dabei hilft es, wenn man gelassen bleibt. Zu erkennen und damit klarzukommen, dass es ein paar Dinge gibt, die man einfach nicht mehr erreichen kann. Und da sind wir wieder bei der Erfahrung, die man im Leben schon gemacht hat. Wenn man diese bewusster einsetzt, dann kann man etwas erreichen und ist zufrieden. Vielleicht ist Erfolg ein Zusammenspiel aus Dankbarkeit, Gelassenheit und Zufriedenheit.“

 

Fußballtrainer Christoph Daum ist seinen Weg gegangen und macht andere gerne zu Gewinnern Bild © Christof Sage

Das Optimum anstreben, um das Maximum zu erreichen!

Christoph Daum wollte als Kind die Welt entdecken und verstehen lernen. Deshalb wollte er Forscher werden. Er ist bekanntermaßen Fußballtrainer geworden – zugegeben auf den ersten Blick etwas ganz anderes. Doch wenn man die Welt versteht, dann hat man die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen und für sie da zu sein. Das war ausschlaggebend für seinen Berufswunsch und da passt es auch wieder. „Ich wollte die Möglichkeit haben, andere Menschen dabei zu unterstützen, sich zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten zu entwickeln,“ meint Daum. „Es ist eine unglaubliche Befriedigung, anderen dabei zu helfen, ein Gewinner zu sein beziehungsweise zu werden. Mein Motto: Mache andere zu Gewinnern und du wirst selbst ein Gewinner sein!

Für seine eigene Entwicklung und den angestrebten persönlichen Erfolg hat Daum den harten, aber realistischen Weg gewählt. „Der wichtigste Karriereschritt für mich war die Bereitschaft, Risiken einzugehen, dabei die Komfortzone zu verlassen, ständige Bereitschaft zur Veränderung.“ Damit hat er es geschafft. Auch, wenn er als Spieler selbst keine großen Erfolge feiern konnte, als Trainer kamen sie dann. „Es ging mir immer nur darum, mir selbst zu beweisen, dass nichts unmöglich ist. Der größte Wunsch war, einer der Besten in meinem Bereich zu sein, weil dies eine unglaubliche Befriedigung, eine Bestätigung für alle Investitionen, Verzichte und Rückschläge ist.“

Dafür hat er sich und seinem Umfeld viel abverlangt. So lief er als Trainer von Bayer 04 Leverkusen mit seinen Spielern über Glasscherben. Natürlich gab es auch Rückschläge.„Rückschläge sind ein ständiger Wegbegleiter. Das zu akzeptieren, ist eine Herausforderung. Ich habe gelernt, nie bei den Umständen oder den anderen mit der Analyse zu beginnen, sondern zuerst bei sich selbst. Das Wichtige dabei: Niemals aufgeben! Immer nach Lösungen suchen. Bereit sein, hinzufallen, wieder aufzustehen und weiter zu machen.“ Rückblickend würde Daum einiges anders machen. „Aber ich habe die Dinge aus der Vergangenheit, die Teil meines Lebens sind, akzeptiert, da sie mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin.“

Für ihn gibt es kein Erfolgsgeheimnis. Christoph Daum ist seinen Weg gegangen. Nicht immer den leichten, aber für ihn befriedigenden. „Man sollte realistisch träumen und bereit sein, ans Limit zu gehen. Der Erfolg stellt sich zuerst im Kopf ein, dann im Herzen und danach im Leben. Beginne mit 200% bei allem, was Du kannst, was Du willst, was Du tust, damit es wird.“
Daniela Fuß

Als Student durfte er einmal probesitzen – Jahre später erfüllte er sich den Traum einen DeLorean zu kaufen. Bild © Isabella Vosmikova 1997

Der steinige Weg zum Gipfel

Der Kreis der deutschen Oscarpreisträger ist überschaubar. Volker Engel gehört zu diesem erlesenen Kreis. Er hat 1997 für den Film „Independence Day“ den Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ erhalten – mit 32 Jahren. In Bremerhaven geboren, lebt und arbeitet Engel gemeinsam mit seiner Frau Gesa, einer deutschen Filmproduzentin, seit Jahrzehnten in Los Angeles als Visual-Effects-Supervisor und Filmproduzent.

Es gibt Menschen, die wissen schon als Kind, was sie werden wollen. Und nicht nur das, sie ziehen ihr Ding dann auch durch. Volker Engel gehört dazu. „Nachdem ich mit sechs Jahren Disneys ‚Dschungelbuch‘ gesehen hatte, wollte ich Disney-Zeichner werden. Als ich dann mit 13 Jahren den ersten Star-Wars-Film sah, wollte ich visuelle Effekte machen und neue Welten kreieren. Das war der Grundstein“, spricht Engel über die Filme, die seine Leidenschaft entfacht haben. Was lag da näher, als sich mit 14 Jahren – vom Konfirmationsgeld – eine Super-8-Kamera zu kaufen und mit Filmtricks zu experimentieren? Seinen Eltern ist er für diese Freiheit dankbar. Unterstützung erhält Volker Engel auch in der Schule. Sein Kunstlehrer der Oberstufe unterstützt ihn stark dabei, eine künstlerisch orientierte Ausbildung zu machen. Also geht Volker Engel an die Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und macht 1989 sein Diplom als Grafikdesigner mit Schwerpunkt Trickfilm.

Dann kreuzen sich Engels Wege mit denen des Mannes, der später sein langjähriger Mentor werden soll: Roland Emmerich. Eine Begegnung, für die er heute noch dankbar ist: „Er hat mir durch seine Filmprojekte über mindestens zwei Jahrzehnte eine Plattform geschaffen, auf der ich mich kreativ entfalten konnte. Das war eine spannende Zusammenarbeit, wie ich sie jedem nur wünschen kann.“

Als er gerade mal 23 Jahre alt ist, heuert ihn Regisseur Roland Emmerich als Visual Effects Supervisor für seinen Film „Moon 44“ an. 1995 kommt er auf Emmerichs Einladung nach Los Angeles und wirkt an „Independence Day“ mit. Der Blockbuster wird 1997 für die visuellen Effekte mit einem Oscar ausgezeichnet – das persönliche Highlight seiner Karriere. „Es war mein erstes Filmprojekt in den USA in meinem Beruf als Visual Effects Supervisor und hat mir deshalb so viel bedeutet, weil man dafür von seinen Kollegen aus der Branche nominiert wird.“

Ganz einfach war sein Schritt in die USA nicht, wie Engel sich erinnert. „Es war eine große Herausforderung, als sehr junger Mensch 1995 in die USA zu kommen und in einer fremden Sprache die Leitung eines 300-köpfigen Departments zu übernehmen – inklusive der Verantwortung für ein zweistelliges Millionen-Budget.“ Allerdings konnte er sich damit auch einen Wunsch erfüllen: einen DeLorean. „Während meines Studiums brachte ich einmal meinen alten Opel Ascona zur Reparatur und sah auf dem Hof der Werkstatt einen DeLorean. Er stand zum Verkauf und sollte 50.000 Mark kosten. Ich lebte damals von 300 Mark BAföG im Monat“, sagt Engel lachend. Aber zumindest drinsitzen durfte er kurz. Jahre später bot sich ihm in den USA eine ähnliche Gelegenheit und er hat sich für 15.000 Dollar seinen Autotraum erfüllt.

Erfolg ist für Volker Engel das Ergebnis harter Arbeit. „Dafür braucht man eine enorme Ausdauer und darf sich nicht mit Menschen umgeben, die ständig etwas zu nörgeln haben.“ Er selbst sei hartnäckig – wie ein Langstreckenläufer, sagen seine Mitarbeiter. Für junge, ambitionierte Menschen hat Volker Engel einen Erfolgstipp parat: „Man muss sich klarmachen, dass tatsächlich der Weg das Ziel ist und dass es, bei allem Spaß, den man bei der Arbeit haben wird, ein steiniger Weg zum Gipfel ist. Zwar genießt man die Aussicht von dort eine Weile, aber der Weg zum nächsten Gipfel wird wieder hart und steinig sein, nur diesmal auf eine andere Art. Man kommt von Mal zu Mal besser damit klar, weil man schon mental darauf vorbereitet ist.“

Als Chef seiner eigenen Produktionsfirma Uncharted Territory, die er 1999 mit seinem guten Freund und Kollegen Marc Weigert gründete, hat er den Weg vom einen zum nächsten Gipfel schon unzählige Male beschritten.
hat er den Weg vom einen zum nächsten Gipfel schon unzählige Male beschritten. Mit einem guten Team sei das natürlich einfacher. Seinen Mitarbeitern versucht er, als Kollege auf Augenhöhe zu begegnen. „Viele Mitarbeiter brauchen eine Weile, um sich daran zu gewöhnen.“ Um mit ihnen als Kollegen umgehen zu können, ist ein guter Informationsaustausch nötig: „Ich habe zu oft Kollegen in meinem Beruf erlebt, die das Informationsdefizit von Mitarbeitern ausnutzten, um dadurch ihre Überlegenheit zur Schau zu stellen.“

Außerhalb seiner Firma ist Volker Engel gern sportlich aktiv. Sein Ausgleich zur Arbeit sei Ausdauersport, Yoga und Pilates – zusammen mit seiner Frau Gesa. Auch sie ist im Filmgeschäft tätig. So kann er Privatleben und Beruf gut verbinden. „Meine Frau Gesa ist Produzentin und wir arbeiten gemeinsam an unseren Projekten. Dabei arbeiten wir immer wieder eng mit guten Freunden, wie zum Beispiel Cornelia Funke, zusammen, denn Arbeitszeit ist auch Lebenszeit“, sagt Engel.
Von Renate Kerscher

Bekannt wurde er vor allem durch das Buch „Dieses bescheuerte Herz“ und den gleichnamigen Film Bild © melanie-koravitsch.com

Jeder Profi war mal Anfänger

Einer, der weiß, wie Erfolg geht, ist Lars Amend. Nicht zuletzt als Autor von „It’s All Good“, einem Ratgeber über Erfolg, Glück und Persönlichkeitsentwicklung. Der Schriftsteller hat elf Bücher in elf Jahren veröffentlicht. Bekannt wurde Amend vor allem durch sein Buch und den gleichnamigen Film „Dieses bescheuerte Herz“. Als Schriftsteller ist Lars Amend eher ein „Spätberufener“: Er begann erst mit 29 Jahren, zu schreiben.

„Nach der Schule bin ich ohne Plan nach London gezogen, um in der Musikbranche zu arbeiten. Dort habe ich gelernt, in einem fremden Land klarzukommen, ohne jemanden zu kennen und ohne viel Geld zu verdienen. Zehn Jahre später kam mein erstes Buch auf den Markt, das sofort ein Platz-1-Spiegel-Bestseller wurde“, erzählt Amend. Diese Erfahrung habe ihm gezeigt, dass man keine Angst vorm Scheitern haben darf, sondern es einfach probieren muss. Darin sieht er auch den Schlüssel zu seinem Erfolg: „Go your own way! – Hör auf dein Herz, zieh dein Ding durch und mache nichts, um anderen zu gefallen. Lass dich von Menschen, die deinen Weg schon gegangen sind, ruhig inspirieren, aber werde dein eigener Rockstar.

Wahrer Erfolg hat für Lars Amend nichts mit Geld, schnellen Autos oder großen Häusern zu tun – sondern mit Seelenfrieden. „Wenn du im Innen ruhst, brauchst du keine Bestätigung in Form von Erfolg im Außen mehr. Anders gesagt: Wenn du nichts brauchst, um glücklich zu sein, kann dir dieses Glück auch nicht mehr weggenommen werden. Das ist die höchstmögliche Form von Erfolg, da er durch nichts zerstört werden kann.“

Amend ist allerdings nicht so besonnen und in sich ruhend zur Welt gekommen. Darum hat er sich von seinem ersten Geld, das er mit Anfang 20 beim Radio verdient hat, einen Anzug von Helmut Lang gekauft – für knapp 2000 Euro. „Ich wollte eben dazugehören.“ Heute bedeuten ihm Statussymbole nichts mehr und er ist davon auch nicht beeindruckt. Den Helmut-Lang-Anzug hat er allerdings immer noch. „Ein zeitloser Klassiker.“

Was ihn heute wirklich beeindruckt sind Weltstars wie etwa Paulo Coelho und Rudolf Schenker von der Rockband The Scorpions, mit denen er zusammenarbeiten durfte. „Zeit mit zwei weltweit erfolgreichen Superstars zu verbringen, die auf allen Ebenen den puren Erfolg verkörpern, kann man mit keinem Geld der Welt bezahlen“, schwärmt er noch heute von diesem Karrierehighlight. Ein weiteres solches Highlight war natürlich auch die Verfilmung seines Buches „Dieses bescheuerte Herz“, die zu einem der erfolgreichsten deutschen Kinofilme der letzten Jahre wurde. „Das war schon auch ganz geil.“

Lars Amend scheint auf einer nicht endenden Erfolgswelle zu surfen. Rückschläge? Gab’s immer wieder. „Ein Verleger hat mir einmal aus Eitelkeit und gekränktem Ego ziemlich große Knüppel vor die Beine geworfen und mir das Leben ganz bewusst schwer gemacht. Damals hat mich diese Ungerechtigkeit sehr belastet. Heute weiß ich, dass dies mein Weg sein sollte, um eine wichtige Lektion zu lernen“, stellt Amend fest. Darum ist Durchhaltevermögen eine wichtige Eigenschaft von erfolgreichen Menschen. „Es sind selten die Besten ganz oben, sondern die, die nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden sind und es erneut probiert haben, oft über viele Jahre.“

Die Stärken für seinen eigenen Erfolg sieht Amend in seiner Authentizität und in seiner Empathie. „Ich höre gut zu und sehe genau hin.“ Gerade seine Empathie hat auch zu einem markanten Wendepunkt seiner Karriere beigetragen. „Als emphatischer Mensch habe ich einen starken Zugang zu meinen Gefühlen. Als ich jedoch verstanden habe, dass man Entscheidungen, die im Geschäftsleben getroffen werden, niemals persönlich nehmen darf, hat sich mein beruflicher Erfolg auf einen Schlag verdreifacht.“

Gerne lässt er junge Menschen an seinem Erfolg teilhaben und gibt Tipps für deren Karrieren. Besonders hilfreich ist laut Amend der Gedanke, dass jeder Profi einmal ein Anfänger war, der vielleicht für seine Vision ausgelacht wurde. „Das gehört alles dazu.“

Ein großes Thema, das erfolgreiche Menschen umtreibt, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben – gerade weil Zeit eine endliche Ressource ist. Für Lars Amend ist das kein Thema. „Da gibt es bei mir keine Trennung. Eine Work-Life-Balance gibt es bei mir nicht. Bei mir ist alles Life. Ich liebe meine Arbeit, weswegen ich auch keinen Urlaub von meinem Leben brauche.“ Der Mann scheint mit sich und seinem Leben absolut im Reinen zu sein. Ruhe findet er in der täglichen Meditation. „Diese Insel der Kraft, die in mir verborgen liegt und zu der ich immer reisen kann, ist ein großes Geschenk. Ich wünschte, jeder Mensch würde zu dieser Erkenntnis kommen.“
Von Renate Kerscher

Der Hamburger Unternehmer Ian Karan. Bild © Berit Stüven

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Vom Tellerwäscher zum Multimillionär – was abgedroschen klingt, ist doch eine treffende Zusammenfassung von Ian K. Karans Leben. Genauso gut könnte man über ihn ein ganzes Buch schreiben. Im Juni feierte der Hamburger Unternehmer und ehemalige Wirtschaftssenator seinen 80. Geburtstag.

Ian Karan ist in Ceylon geboren. Sein Start ins Leben war denkbar schlecht. Seine Mutter starb bei der Geburt, sein Vater drei Jahre später im Zweiten Weltkrieg. Mit 16 kommt er durch ein Sportstipendium nach London, 1970 zieht es ihn nach Hamburg, wo er in einem Restaurant als Tellerwäscher arbeitet. In einer Spedition findet Ian Karan Arbeit, engagiert sich, steigt auf, wird mit einer eigenen Containerfirma reich.

Es läuft gut für ihn, bis ihm ein winziges Detail zum Verhängnis wird. 1993 verkauft er seine Firma an einen englischen Konkurrenten, beauftragt die „beste Kanzlei der Stadt“ für die Kaufabwicklung. Doch die Anwälte hatten nicht festgelegt, wann der Kaufpreis an Ian Karan ausbezahlt werden sollte – der Käufer zahlt deshalb keinen Penny. „Das war mein erster und größter Rückschlag, der mir viele Lektionen erteilt hat, die mich 15 Jahre später für meinen größten Erfolg stärkten“, sagt Karan, der dem Vorfall heute sogar etwas Positives abgewinnen kann. „Überwunden habe ich diesen Rückschlag durch Beharrlichkeit und den Willen, das Unrecht zu tilgen, das mir angetan wurde. Meinem jüngeren Ich würde ich aber raten, nicht nur auf das große Bild zu schauen, sondern auch auf das Kleingedruckte“, sagt er. „Erfolg zu haben braucht Glück, und dem Glück kann man nachhelfen, indem man zielorientiert arbeitet.“ Sein Ziel war, wieder auf die Beine zu kommen. Das gelang ihm 1997 mit der Gründung seiner neuen Containerfirma Capital Lease GmbH. „Es war wichtig, dabei auf finanzkräftige Partner zu setzen. Die zu finden, war nicht einfach.“ Aber er schaffte es und arbeitete sich (wieder) von unten nach ganz oben.

Ian Karan ist heute Multimillionär, hat aber nicht vergessen, woher er kommt. Er spendet viel, für ihn ist das eine Selbstverständlichkeit. „Es ist wichtig, dass in Deutschland, wo die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird, die besserverdienenden Menschen die Minderbemittelten nicht aus den Augen verlieren. Das Leben ist nur schön, wenn auch der Schwächste mitgenommen wird und kein Anlass zu sozialem Neid erzeugt wird. Hamburg ist in dieser Hinsicht vorbildlich, mit den meisten Stiftungen pro Kopf in Deutschland“, sagt Karan. Mit seiner eigenen Stiftung trägt auch er etwas dazu bei.
Claudia Rothhammer

Oliver Staas leitet seit Juli 2019 das Radisson Blu Hotel in Berlin

Mensch bleiben und zuhören

Oliver Staas ist Gastgeber mit Leib und Seele. Er stammt aus einer Gastronomenfamilie, daher war sein Weg früh vorgezeichnet. Hoteldirektor wollte er schon als Kind werden. Bei der Radisson-Gruppe ist Staas seit 1992, dort hat er mehrere Hotels eröffnet, war als General Manager unter anderem in Riga, Moskau und St. Petersburg und leitet seit Juli 2019 das Radisson Blu Hotel Berlin. Vom Busche Verlag wurde Oliver Staas bereits zehnmal zu einem der Top 50 Hoteliers in Deutschland ernannt. In der Nachwuchsförderung hat er schon gut 15 Talente unter seine Fittiche genommen, die heute eigenständig Hotels leiten.

Herr Staas, Sie wussten schon als Kind, dass es beruflich ins Gastgewerbe gehen würde.
Oliver Staas: Ja, meine Eltern hatten einen Gaststättenbetrieb. Da war meine berufliche Richtung klar. Und als ich das Buch von Conrad Hilton gelesen habe, wollte ich Hoteldirektor werden.

Was würde Sie heute als Ihre wichtigsten Karriereschritte bezeichnen?
Jeder einzelne Schritt war wichtig. Besonders meine beruflichen Stationen im Ausland. Fremde Kulturen und Menschen verstehen zu dürfen, das hat mich sehr positiv geprägt.

Waren Ihre Stationen im Ausland das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Es gab so viele tolle Ereignisse und keines möchte ich missen. Sicherlich ein persönliches Highlight war, dass ich das Glück hatte, viele junge Kollegen zu Hoteldirektoren ausbilden zu dürfen.

Worin sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Mensch bleiben und zuhören. Teams formen und diese mitnehmen auf die Reise.

Macht das in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Ja, außerdem Offenheit und Entscheidungsfreudigkeit. Ich versuche mein Team so zu leiten: Die Vision ist das Ziel, aber den Weg bestimmt jeder Einzelne.

Wobei haben Sie außerdem gerne Erfolg?
Beim Triathlon. Ich habe zwei Ironmans hinter mir und natürlich ist das toll, sich hier immer wieder zu beweisen. Hier das Ziel zu erreichen, war meine höchste sportliche Leistung. Zumal ich erst vor acht Jahren das Schwimmen gelernt habe.

Ist der Sport Ihr Ausgleich zum Beruf?
Beim Sport komme ich immer wieder auf neue Ideen.

Zum Schluss: Was ist Ihre persönliche Definition von Erfolg?
Glücklich zu sein in dem, was ich mache.

Von Renate Kerscher

Umweltschutz liegt Andreas Thümmler am Herzen. Darum kauft er Grundstücke und forstet auf. © Andreas Thümmler

„Unternehmen sind wie kleine Kinder“

Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll – dieser Ruf eilt Andreas Thümmler voraus. Er sei ein Lebemann und Partyhengst, der tagsüber Millionendeals macht und nachts keine Sünde auslässt. „Stimmt alles“, sagt Thümmler. „Früher“. Heute ist es ruhiger um den Investmentbanker, aber gute Deals macht er immer noch gern. Thümmler gründete 1998 Corporate Finance Partners (CFP), eine europaweit führenden Beratungsgesellschaft für Unternehmensverkäufe in der Techbranche. Außerdem hat er einen Venture-Fund, ihm gehört die größte Whisky-Destillerie in Kontinentaleuropa und er pflanzt Bäume.

Als Kind wollte Andreas Thümmler Millionär werden. Der Sicherheit wegen und um keinen Stress mehr zu haben. In Sicherheit dürfte Thümmler nach mehr als 250 erfolgreichen M-&-A-, Private-Equity- und Venture-Capital-Transaktionen sein. „Das ist richtig, an dem Punkt war ich mehrfach. Aber man ist dann doch getrieben und motiviert“, sagt Thümmler über das Unternehmervirus lachend.

„Ich bin Investmentbanker, habe einen Venture-Fund am Laufen und mir gehört die größte Whisky-Destillerie in Kontinentaleuropa. Das sind schon vielfältige Aktivitäten.“ Seine drei Geschäfte versucht er miteinander zu verbinden. Bei den ersten beiden gut vorstellbar, aber wie passt die Whisky-Destillerie ins Bild? Whisky sei schon immer sein Hobby gewesen, sagt Thümmler. 2012 hat er die St. Kilian Distillers gegründet. Und jetzt kommt der Investmentbanker durch. „Ich beobachte die ökonomische Entwicklung – also was kann man mit seinem Geld machen, wie investiert man es altersgerecht?“ Seine Lösung: Whisky. Die Wertsteigerung von Single Malt Whisky liege bei zehn Prozent pro Jahr. „Statt einer Bank haben wir ein Fasslager.“ Es gibt bereits Pläne, eine eigene Währung einzuführen – den Whisky-Coin, der durch Whiskyfässer 1:1 hinterlegt ist. Zeit für Hobbys oder ein Privatleben bleibt da zugegebenermaßen kaum. „Mit Unternehmen ist es so ein bisschen wie mit kleinen Kindern, man muss immer dafür da sein“, sagt Thümmler.

Statussymbole sind ihm heute auch nicht mehr wichtig. „Ich habe mir alle materiellen Wünsche erfüllt, die man so hat, wenn man aus keiner Unternehmerfamilie kommt, sondern selfmade ist. Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll waren die Begriffe, die man über mich lesen konnte.“ Seine Partyphase habe er sehr genossen. „Jetzt bin ich in die nächste Phase der Evolution eingetreten.“ Er übernimmt Verantwortung für Natur und Umwelt, kauft Grundstücke und bepflanzt sie mit Bäumen. „Soziales Engagement halte ich für extrem wichtig.“
Von Renate Kerscher

Jochen Fischer privat

„Erfolg ist kein Synonym für Kontostand“

Die Mitarbeit bei der Schülerzeitung hat ihm zur ersten eigenen Firma verholfen. Heute ist Jochen J. Fischer ein erfolgreicher Unternehmer, Berater und Investor aus Hamburg. Im Interview verrät der 55-Jährige das Geheimnis seines Erfolgs.

Als Schüler hat Fischer bei der Schülerzeitung mitgearbeitet. Um die Herausgabe der Zeitung zu finanzieren, hat er mit 15 Jahren in seiner Freizeit Werbeanzeigen verkauft – und ist auf den Geschmack gekommen. Es habe ihm nicht nur Spaß gemacht, sondern er merkte auch, dass er dafür Talent hat. „Ich dachte, was für die Schule funktioniert, funktioniert auch für die Stadt“, erinnert sich Fischer. Und so gründet er mit 18 Jahren seine erste Firma, um ein regionales Jugendmagazin herauszugeben. Fischer ist damit so erfolgreich, dass ein niederländischer Verleger auf ihn aufmerksam wird und ihm mit gerade mal 20 Jahren die Zusammenarbeit anbietet: Aus dem kleinen Verlag wird eine Druck- und Verlagsgesellschaft, die Wochenzeitungen, Anzeigenblätter, Special-Interest-Titel sowie Corporate-Publishing-Produkte herausbringt.

Das war Anfang der 1980er-Jahre. „Heute stehen an der Spitze vieler Start-up-Unternehmen junge Menschen, aber bei mir war das noch anders. Damals war das etwas Exotisches, wenn ein Student nebenbei eine eigene Firma aufbaut.“ Fischer muss lächeln, wenn er an die Zeit zurückdenkt. „Um nicht so jung auszusehen, habe ich versucht, mich älter zu machen. Meine Geschäftspartner waren ja alle zwischen 40 und 60 Jahre alt.“ Deshalb habe er seine Partner und Kunden genau studiert, habe sich dieselben konservativen Anzüge gekauft und sich eine Lesebrille aus Fensterglas zugelegt. „Gleich wirkte ich seriöser. Und ich wollte ja ernst genommen werden.“

Alter hin oder her: Der Erfolg gibt ihm recht. 15 Jahre läuft das Unternehmen gut, dann kommt der erste unternehmerische Rückschlag. Das Internet mischt die Verlagsbranche auf, die Umsätze gehen zurück. 1999 verlässt er den Verlag, orientiert sich um und setzt alles auf neue Technologien. Mit einem ehemaligen Kollegen der Schülerzeitung baut er Vectron Systems zum führenden europäischen Hersteller für Kassensysteme aus und bringt das Unternehmen an die Börse. 2007 wiederholt er das Ganze mit einer weiteren Firma. „Zwei Unternehmen an die Börse zu bekommen, ist das Highlight einer Unternehmerkarriere“, sagt Fischer.

Er ist erfolgreich. Aber er winkt dennoch ab, als er darauf angesprochen wird: „Da gibt es ganz andere, die mehr erreicht haben als ich.“ Überhaupt sei das so eine Sache mit dem Erfolg. „Für viele ist Erfolg ein Synonym für einen hohen Kontostand, für ein Leben, in dem man materiellen Reichtum angehäuft hat.“ Er definiere Erfolg aber anders, setze es gleich mit innerer Zufriedenheit. Das sei wichtiger, „als möglichst viel Geld anzuhäufen“. Geld sei für ihn nur die Basis für „maximal mögliche Freiheit und Unabhängigkeit“, aber kein Maßstab, ob jemand ein erfülltes Leben habe.

Und ist er zufrieden mit seinem Leben? Der 55-Jährige muss nicht überlegen: „definitiv.“ Er würde auch heute alles wieder genauso machen. Sein Rat an junge Menschen, die am Anfang ihrer Karriere stehen: Sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen, die gehörten zum Leben dazu. „In fast 40 Jahren Unternehmerdasein bleiben die nicht aus“, weiß Fischer und erinnert an die schwierigen Umbruchzeiten, als die Technologieblase platzte oder das Internet den Verlagen zu schaffen machte. Aber es gehe danach auch weiter. Man müsse nur wollen und machen. „Wer Erfolg haben möchte, braucht einen unbedingten Willen zum Erfolg“, sagt er. „Und man muss an sich glauben.“

Diesen unbedingten Willen zum Erfolg und das Selbstvertrauen in sich selbst hat ihm sein Großvater vorgelebt. Der war selbst Unternehmer, hatte sich eine Maschinenfabrik aufgebaut. Das Motto des Großvaters war stets: „Wenn du willst, was du kannst, dann kannst du, was du willst.“ Diesen Rat habe er sich schon früh zu Herzen genommen, sich klare Ziele gesetzt und mit aller Kraft an der Umsetzung gearbeitet.
Fischer kramt ein altes Foto hervor. Es zeigt einen jungen Mann im Trenchcoat vor dem Kensington Hotel, der neben einem Rolls-Royce steht. „Wir waren mit der Schulklasse in London. Ein Klassenkamerad hat mich fotografiert. Damals dachte ich mir, so ein Auto willst du auch einmal fahren. 30 Jahre später habe ich mir diesen Traum tatsächlich erfüllt – und natürlich ein Foto gemacht.“ Er holt auch dieses Bild hervor. Für Fischer haben beide Fotos Symbolkraft: Wenn man sich Ziele setzt und an sich glaubt, kann man alles schaffen.
Claudia Rothhammer

„Gar keine Zuschauer, das ist auch Mist“

Seit über 20 Jahren ist Caroline Link im Filmgeschäft erfolgreich. Die 1964 in Bad Nauheim geborene Wahlmünchnerin studierte an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen Regie. Bekannt ist sie insbesondere für den Kinofilm „Nirgendwo in Afrika“, der 2001 einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ erhielt. Ihr neuester Film „Der Junge muss an die frische Luft“ (2018) wurde unter anderem mit dem Deutschen Comedypreis für die „erfolgreichste Kinokomödie“ ausgezeichnet. Wir haben mit ihr über ihre Erfolge und die Herausforderung gesprochen, denen sie sich als Regisseurin stellen muss.

Agentur Baganz/ Soeren Bauer Events 

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolgreich bin ich als Regisseurin, wenn ich ehrlich sagen kann, ich habe mein Ziel erreicht. Mit zunehmendem Alter merke ich, dass mir die Wertschätzung meiner Arbeit am wichtigsten ist. Gute Zuschauerzahlen und Geld alleine machen nicht wirklich zufrieden, aber gar keine Zuschauer, das ist natürlich auch Mist! (lacht)

Was wollten Sie als Kind werden?

Als junge Erwachsene war meine Antwort darauf: „Irgendwas mit Kindern.“ Tatsächlich haben mich Kinderschicksale schon immer sehr interessiert, vor allem dann, wenn die Kinder eine Herausforderung zu bestehen haben.

Was war für Sie ausschlaggebend bei der Berufswahl?

Als junge Frau hätte ich mir das gar nicht zugetraut. Zuerst war ich Assistentin, dann habe ich es gewagt, mich an der Filmhochschule zu bewerben. Es erschien mir verlockend, eine ganze filmische Geschichte selbst zu gestalten.

Was waren wichtige Schritte in Ihrer Karriere?

Nach dem Oscar wurden mir große Projekte angeboten. Ich wollte sie nicht, weil ich gespürt habe, dass ich sie nicht gut machen würde. Nicht weil sie zu groß waren, sondern weil sie von etwas erzählten, was mit mir nichts zu tun hatte. Nach dem Oscar nicht nach Amerika zu gehen, war sicher ebenfalls eine wesentliche Entscheidung.

Ihr bisheriges Karriere-Highlight?

Der Oscar für „Nirgendwo in Afrika“ war natürlich ein Highlight, keine Frage. Aber ebenso hat mich der Deutsche Filmpreis für meine Regie für „Im Winter ein Jahr“ gefreut. Der Film hatte relativ wenig Zuschauer und es hat mich sehr glücklich gemacht, dass meine Arbeit dennoch gewürdigt wurde.

Was waren die größten Herausforderungen für Sie?

Es ist mir sehr schwer gefallen, mich von meinem kleinen Kind für Monate zu verabschieden und in die Welt hinauszuziehen, um Filme zu drehen. Am Drehort hätte ich ständig das Gefühl gehabt, sie kommt zu kurz. Mein Lebenspartner Dominik hat unsere Tochter komplett betreut. Als ich in Marokko gedreht habe, waren das immerhin vier Monate am Stück. Gott sei Dank konnte er sich dafür die Zeit nehmen. Ich empfinde den Regieberuf schon als ziemlich familienfeindlich. Man ist einfach zu oft weg.

Von Franziska Mansen

PD Dr. med. Christian Weißenberger ist Leiter des Zentrums für Strahlentherapie Freiburg. © Zentrum für Strahlentherapie Freiburg

Erfolgreich Gesundheitsbewusstsein schaffen

Er gilt als einer der wichtigsten Krebsexperten Deutschlands und macht gemeinsam mit zahlreichen Prominenten auf die Bedeutung der Krebsprävention aufmerksam. Für PD Dr. med. Christian Weißenberger heißt Erfolg vor allem, kranken Menschen helfen zu können.

Dass Gesundheit ein hohes Gut ist, muss man Christian Weißenberger nicht erklären. Der bundesweit bekannte Leiter des Zentrums für Strahlentherapie in Freiburg im Breisgau setzt sich seit Langem für ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein seiner Landsleute ein und feilt stets an neuen Therapiemöglichkeiten. „Persönlich erfolgreich zu sein heißt für mich, Dinge zu erreichen, ohne mir untreu zu werden“, erklärt Weißenberger. „Als Arzt geht es in dem Fall konkret darum, seinen Patienten die bestmögliche Therapie zu bieten – die zuverlässig und schonend und auch für alle Patienten bezahlbar ist.“

Wie man erfolgreich handelt, musste Christian Weißenberger bereits als 17-jähriger Gymnasiast lernen – und das nicht nur auf der Schulbank. Er und sein Bruder mussten nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters dessen Landwirtschaftsunternehmen übernehmen. Ein Sprung ins Ungewisse, der jedoch durch Fleiß und eine gesunde Selbsteinschätzung gelang: „In dieser Zeit habe ich gelernt, dass so manches gute Geschäft gerade dasjenige ist, das nicht zustande kommt“, blickt Christian Weißenberger zurück. „Egal ob es sich um Kunden oder um Patienten handelt: Wenn die Chemie zwischen den Beteiligten letztendlich nicht stimmt, sollte man es lieber lassen.“

Neben der Patientenbetreuung und der Forschung liegt dem 54-jährigen Mediziner der „Freiburg Health Day“ besonders am Herzen, den er 2016 aus der Taufe gehoben hat. Alljährlich geht es da an mehreren Standorten in Freiburg bei Sportveranstaltungen, Vorträgen und Showauftritten ausschließlich um das Thema Gesundheit. Unterstützt wird der „Freiburg Health Day“ von prominenten Sportlern wie der Olympiasiegerin Heike Drechsler oder von Schauspielern und Influencern wie Thorsten Nindel („Lindenstraße“), Patrick G. Boll („Berlin – Tag und Nacht“) oder Model und „Bachelor“-Kandidatin Dany Michalski. „Wenn ich da mit all diesen tollen Menschen auf der Bühne stehe und sehe, mit wie viel Freude die da alle mitmachen, dann ist das schon ein absolutes Highlight!“, freut sich Weißenberger.

Der mit fünf Oscars ausgezeichnete Monumentalfilm „Gladiator“ war der erfolgreichste Film in der über 30-jährigen Schauspielkarriere von Ralf Moeller. Bild © Tom König

„Neid erdrückt und macht missmutig“

Er war Mr. Universum und ist seit über 30 Jahren im Filmgeschäft erfolgreich: Ralf Moeller. Der gebürtige Recklinghauser ist einer der wenigen deutschen Schauspieler, der auch in Hollywood seinen Weg gegangen ist. Erfolg ist für Ralf Moeller indes „breit gefächert: sportlich, beruflich, sozial und privat“. Es komme immer auf die Situation an.

„Wenn ich sportlich erfolgreich sein möchte, muss ich jeden Tag vier bis fünf Stunden trainieren.
Das habe ich über zehn Jahre lang gemacht und erreichte so 1986 den Bodybuilding-Weltmeistertitel ,Mr. Universum‘. Fleiß, Disziplin, der Glaube an mich selbst waren da entscheidend, aber auch die Fähigkeit, Niederlagen hinnehmen, wieder aufstehen und weiter machen zu können. Mir ist wichtig, nicht nur an mich zu denken, sondern auch anderen zu helfen.“ Der Träger des Verdienstordens Nordrhein-Westfalens engagiert sich vielfältig für soziale Projekte: Er ist unter anderem Botschafter der Organisation „Skate-Aid“ und unterstützte den „Weißen Ring“ mit einem Videoclip mit dem Titel „Sei stark, hol‘ Dir Hilfe“. Moeller strotz auch mit 60 Jahren nur so vor Tatendrang: „Aktuell stehe ich mit meinem Freund Arnold Schwarzenegger und Michael Fassbender für die Actionkomödie „Kung Fury 2“ vor der Kamera – auch wenn wir leider unterschiedliche Drehtage haben. Kürzlich habe ich mit Bruce Willis in Atlanta gedreht. Dass ich den USA Filme drehen durfte, ist für mich ein Erfolg.“ In den Schoß gefallen ist das dem gelernten Schwimmmeister trotz seines aus dem Bodybuilding resultierenden Bekanntheitsgrades nicht: „Berühmt kann man ja erstmal nur werden, wenn man in einer Sache erfolgreich ist.

Ich musste sehr viel und hart trainieren, um Wettkämpfe zu gewinnen und Werbeverträge zu erhalten. Im Filmgeschäft ist es ähnlich: Es macht keiner für Dich.“

Moeller war es aus seiner Sportlerzeit gewohnt, sich selbst zu vermarkten. Das sollte ihm auch im Filmgeschäft – neben dem Gardemaß von 1,96 Meter bei 131 Kilogramm zu seiner Glanzzeit und seiner gewinnenden Art – nützlich sein. Feuer gefangen hatte er 1988 gleich bei seiner Bildschirmpremiere, eine Gastrolle im „Tatort“ an der Seite von „Schimanski“ Götz George. Bis heute das Highlight. „Gladiator mit seinen fünf Oscars war natürlich der erfolgreichste Film. Das Größte aber war und ist für mich, dass ich damals mit Götz George drehen durfte. Das Ruhrgebiet ist immer noch in mir“, beschreibt Moeller, der seit 2014 auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, seine Verbundenheit zum Pott. Seine Energie beziehe er auch aus seiner veganen Ernährung: „Ich war 40 Jahre lang Fleischesser. Meine Werte haben sich aber eben verbessert, seitdem ich kein Fleisch mehr esse“, so Moeller. „Mit 20 bis 30 Jahren kann der Körper dagegen ankämpfen, aber wenn Du über die 50 und 60 Jahre gehst, dann wird es kritisch – gerade im Magen-Darm-Bereich. Prostatakrebs, Darmkrebs oder hohes Cholesterin – das passiert alles durch Fleischkonsum.“ Er sage nicht, dass die Leute es machen müssen, könne es aber uneingeschränkt empfehlen.

Ein persönlicher Erfolg sei auch sein Fitnesslevel mit 60 Jahren, sein biologisches Alter wurde bei Tests mit 39 Jahren angegeben. „Mir haben sie früher gesagt: ,Wenn Du 55 bist, dann hängt der Bizeps bis zu Kniekehle‘ – das ist nicht der Fall. Mit 27 Jahren konnte ich ja nicht sagen, ob die Besserwisser Recht behalten sollten und ich überhaupt 60 Jahre werde. Jetzt wo ich es bin – 114 Kilo bei 1,95 Meter – freue ich mich, dass es nicht so gekommen ist. Wenn man sich bewusst ernährt und in seinen Körper investiert, dann ist man 60 und später hoffentlich auch mit 70 Jahren noch fit.“ Moeller ist nicht nur ernährungstechnisch mit sich im Reinen: „Bei mir ist das Glas immer halb voll. Ich kann mich auch freuen, wenn andere Leute etwas Schönes haben. Ich bin ein Mensch, der nicht neidisch ist. Neid erdrückt und macht missmutig. Neid blockiert.“ Die Beteiligung an Dutzenden Filmen und Serien erfüllt den Seiteneinsteiger mit Stolz. Nicht nur „Gladiator“, so Moellers Spitzname in den Medien, auch andere Filme hätten Spaß gemacht: „Selbst ,Hai-Alarm auf Mallorca‘, in dem ich 2004 die Hauptrolle gespielt habe, hat immer noch Kultstatus.“ Wenn vor der Baleareninsel wieder ein Hai lande und die Leute nach so vielen Jahren noch sagen würden: „Mensch, wo ist der Möller, wenn man ihn braucht?“, dann sei das schön und er könne darüber lachen. „Man sollte ohnehin zu allem was man gemacht hat, stehen“, findet Ralf Moeller – und wer möchte dem „Gladiator“ schon widersprechen?
Von Robert Torunsky