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Über Umwege zum Oscar

Jochen Alexander Freydank ist in der DDR geboren und aufgewachsen. Für den Ostberliner Jungen schien Westdeutschland unerreichbar zu sein, von Hollywood ganz zu schweigen. Auch mit seinem Berufsziel Regisseur klappte es anfangs nicht. Und dennoch: Mit 41 Jahren stand Freydank auf der Bühne des Kodak Theatre in Los Angeles und nahm den Oscar in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ entgegen.

2009 wurde Jochen Alexander Freydank weltberühmt: Als sein historischer Kurzfilm „Spielzeugland“ den Oscar bekam, konnte er es kaum glauben. Der Berliner Regisseur hatte lange für diesen Film und dessen Finanzierung gekämpft. Vier Jahre, um genau zu sein. Doch hier half ihm seine Hartnäckigkeit weiter. Eine Eigenschaft, die man seiner Erfahrung nach unbedingt haben muss, um im Filmgeschäft zu bestehen. „Und Talent.“ Auch das hat Freydank. Nur wollte dieses Talent lange niemand sehen.

Obwohl Freydank schon früh weiß, dass er Regisseur werden will, will es nicht klappen. Nach dem Abitur volontiert er beim DDR-Fernsehen. Mit dem Fall der Berliner Mauer keimt wieder Hoffnung: Freydank bewirbt sich für eine Ausbildung bei Filmhochschulen im Westen – und kassiert nur Absagen. „Ich weiß gar nicht mehr, waren es fünf oder sechs“, erinnert er sich. Andere hätten sich von ihrem Berufswunsch verabschiedet, doch Freydank nicht. Er verdient sich seinen Unterhalt als Regieassistent, Cutter, Drehbuchautor und Produzent, lernt das Filmhandwerk in der Praxis kennen. 1999 gründet er seine Produktionsfirma, dreht Kurzfilme wie „Spielzeugland“.

Obwohl er nie eine Filmhochschule besucht hat, erreicht Freydank mit 41 Jahren, wovon andere Kollegen nur träumen können: den Oscar. „Erfolg ist gerade in meinem schnelllebigen Beruf etwas, was sehr flüchtig ist“, gibt er zu bedenken. „Man muss sich immer wieder neu beweisen.“ Das heißt: Auf dem Oscar will er sich nicht ausruhen. So hat er inzwischen über ein Dutzend sehr erfolgreicher Fernsehfilme realisiert und wagte sich 2013/14 an die Verfilmung von Franz Kafkas Erzählung „Der Bau“, die ihm ebenfalls international viel Bewunderung einbringt.

Was er jungen Menschen rät? Freydank überlegt. Praxis sei extrem wichtig für diesen Beruf. „Meine Zeit als Producer war spannend, weil ich einen Blick für die andere Seite in der Branche bekommen habe. Und die Arbeit als Cutter hilft mir heute noch beim Drehbuchschreiben. Rückblickend hätte ich mir zwar manchmal einen einfacheren Weg gewünscht, aber ich bin froh darüber, was ich kann und heute machen darf.“

Claudia Rothhammer

„Erfolg kommt nur mit der Extrameile“

Was wollten Sie als Kind werden?

Mit drei Jahren bekam ich einen Kassettenrecorder geschenkt und nahm ein „Interview als Reporter“ auf. Natürlich wusste ich damals noch nicht wirklich, was ein Journalist macht. Aber die Leute in Radio und TV haben mich damals offenbar beeindruckt.

Hat ihr Wunsch von damals im weitesten Sinne etwas mit Ihrem heutigen Schaffen zu tun?

Ich bin in der Tat Journalist geworden! Das bin ich bis heute, mit Leidenschaft. Allerdings ist meine Tätigkeit als Unternehmer in den letzten zwölf Jahren stark in den Vordergrund getreten. Meine Firma bietet Content Marketing an, also Unternehmensjournalismus.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriere-Schritte?

Ich hatte das Glück, direkt nach dem Abitur in den Journalismus zu stolpern. Ich war einige Jahre als BILD-Reporter in verschiedenen Städten unterwegs. Das war wirklich sehr lehrreich – unglaublich, mit wie vielen verschiedenen Menschen ich dort in Berührung gekommen bin. Ich habe zwei Bundespräsidenten und drei Kanzler interviewt, den DalaiLama getroffen und mir die Sorgen von Sozialhilfeempfängern angehört. Ich bin Showstars begegnet und habe für sterbenskranke Kinder mit Krankenkassen gekämpft. Diese Bandbreite an Schicksalen von arm bis reich hat mich stark geprägt. Vor allem meine Zeit als Polizeireporter hat mir gezeigt, wie hart das Leben zuschlagen und wie schnell es vorbei sein kann. Das macht nachhaltig demütig und dankbar.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?

Es ist toll zu spüren, wenn jahrelange harte Arbeit belohnt wird. Ich habe Anfang 2019 meine Firma TESTROOM an den größten deutschen Digitalvermarkter Ströer verkauft. Es ist natürlich sehr befriedigend, wenn auch andere nach intensiver Begutachtung feststellen, welchen Wert man geschaffen hat. Ich bin schon sehr stolz, was die Mannschaft da aufgebaut hat.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?

Es ist wohl der lange Atem in Kombination mit Flexibilität. Viele Dinge funktionieren einfach nicht sofort oder nicht so, wie man sie sich vorgestellt hat. Oder gar nicht. Ich versuche, mich jederzeit auf neue Gegebenheiten einzustellen. Dabei muss man sich selbst permanent in Frage stellen. Selbstbewusstsein und Vertrauen ist gut. Selbstverliebtheit führt in den Untergang. Entscheidend ist das Durchhaltevermögen. Für mich war es nie eine Option, schnell aufzugeben. Ich gehe dann die Extrameile, hier trennt sich definitiv die Spreu vom Weizen. Erfolg kommt nur mit der Extrameile. In den ersten Jahren meiner Unternehmertätigkeit habe ich mir kein Gehalt ausgezahlt, um die Ausgaben wie Gehälter und Miete etc. bewältigen zu können. Da haben wir vom Gehalt meiner Frau Nikki gelebt. Auch als es nach guten Jahren dann eine Delle im Geschäftsbetrieb gab, habe ich finanziell temporär einen massiven Schritt zurück gemacht. Und gleichzeitig noch mehr gearbeitet. Jeder kann mal zwölf bis 14 Stunden sechs Tage die Woche arbeiten. Aber dies über einen langen Zeitraum von Monaten oder Jahren durchzuhalten, da lernt man sich neu kennen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriere-Weg? Wenn ja, wie haben Sie die überwunden?

Oh ja! Neben den vielen kleinen gab es auch einen richtig großen Rückschlag. Mit meiner Firma hatte ich mich lange auf Suchmaschinenoptimierung, SEO, spezialisiert. Wir waren von Google abhängig. Dann kam der Tag, als die Suchmaschine die Spielregeln, den Algorithmus, änderte. Ich war mit meiner Familie gerade im Urlaub, als mich mein damaliger Partner anrief und mir die Hiobsbotschaft mitteilte. Das war eine doppelte Strafe, nichts tun zu können, die eigene Firma am Abgrund und gleichzeitig die Herausforderung, der Familie nicht die letzten Urlaubstage zu verderben.

Du lächelst blinzelnd in die Sonne, schleckst Vanilleeis mit deinen Lieben und im Kopf hämmert es nur – was jetzt?

Freunde, Berater, Finanzexperten sagten mir damals: Das war es, mach‘ dicht. Das schaffst Du nicht. Insolvenz drohte. Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich trotzig reagiere, wenn ich die drohende „Schmach“ einer Pleite verzweifelt versuchte abzuwenden. Oder ob es der Mut zum Risiko wäre, dennoch nicht aufzugeben. Es war auf jeden Fall kloppehart. Und man ist ganz alleine mit der Entscheidung. Hilfe ohne Gegenleistung? Gibt es nicht. Jedenfalls keinen Blanko-Kredit für strauchelnde Mittelständler. Die Banken boten uns zwar eine Kreditlinie an. Aber nur mit persönlicher Absicherung von meinem Partner und mir. Da hilft auch keine GmbH. Alles sprach dagegen, gutes Geld dem schlechten hinterher zu werfen. Ich hatte aber das unbedingte Gefühl, es schaffen zu können. Ich bin meinem Partner unendlich dankbar, denn er vertraute mir, wir gingen „all-in“ und sicherten den Kredit persönlich ab. Wir mussten uns von einem Teil der Belegschaft trennen. Doch statt Kündigungen setzten wir auf Auflösungen mit Abfindung. Eigentlich ein Wahnsinn in so einer Situation.

Solche Phasen kann man in der Rückschau immer schön als lehrreich bezeichnen. In der Situation selbst gibt es neben der Arbeit nichts anderes mehr. Keine Freunde, keine Freude. Machen. Durchhalten. Das geht nicht ohne Resilienz. Man muss gut auf sich hören, um in solchen Phasen nicht wirklich richtig krank zu werden.

Wir haben es gut hinbekommen. Und ja, natürlich gehört auch Glück dazu, das Geschäftsmodell zu ändern, die guten Leute im Team zu halten und neue zahlende Kunden zu finden.

Was würden Sie Ihrem Jüngeren Ich raten?

Vor ein paar Jahren hätte ich noch gesagt: Nüscht, mach‘ weiter so. Heute würde ich mir raten, möglichst frühzeitig kontinuierlich an der Weiterbildung dranzubleiben. Und vor allem: in das eigene Netzwerk zu investieren, das ist unheimlich wichtig. Das habe ich etwas spät erkannt.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?

Anfang des Jahres habe ich meine Firma größtenteils verkauft. Dann haben wir meine Firma mit der Content Fleet GmbH, einer Ströer-Tochter, verschmolzen. An diesem Konstrukt bin ich weiterhin als geschäftsführender Gesellschafter beteiligt. Die jetzt laufende Postmerger-Integration ist für mich sehr wichtig. Ich bin nicht so der Exit-Typ, verspüre keinen Fluchtimpuls. Ich möchte den gemeinsamen Erfolg gern stabilisieren und dem Team helfen, im Content Marketing nachhaltig und noch profitabler aufgestellt zu sein. Es ist großartig zu sehen, wenn Synergien nicht nur im Mantra herbeigebetet werden, sondern tatsächlich greifen. Content Fleet hat jetzt 140 festangestellte Mitarbeiter, wir binden unsere Services stark an den Ströer-Konzern. Wir bieten integriertes Content Marketing wie keine zweite Agentur: Vom Plakat bis in den E-Commerce-Shop. Das macht wirklich Spaß.

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?

Definitiv keine Plattitüde: Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau und ich so wunderbar harmonieren. Wir unterstützen uns gegenseitig. Und das nicht nur morgens am Frühstückstisch. Wir teilen auch den Schreibtisch, sitzen tatsächlich seit vielen Jahren auch im Job nebeneinander. Wir haben uns vor 22 Jahren bei Axel Springer in der Redaktion von Computerbild kennengelernt.

Wir ernten natürlich immer wieder ungläubige Blicke: wie schafft ihr das, euch permanent zu sehen? Für uns gibt es nichts Anderes – twentyfourseven. Das hat den unglaublichen Vorteil, dass man abends nicht mehr erklären muss, warum Kollege Heinz heute so nervig war und wer Heinz überhaupt ist. Wir teilen sowohl berufliche als auch private Erfolge und Niederlagen. Nikki hat mir auch den überlebensnotwendigen Halt gegeben, als wir – nicht ich – in den beruflichen Abgrund geschaut haben.

An welchen Orten finden Sie neue Inspiration?

An möglichst vielen fremden und neuen Orten. Überall auf der Welt gibt es etwas zu entdecken. Ich bin eher der Forscher als der Farmer. Noch so eine Eigenschaft, die ich mit meiner Frau teile. Zusammen haben wir über 65 Ländern der Welt bereist und werden nicht müde. Wir sind auf aktiven Vulkanen spazieren gegangen, sind in allen Weltmeeren getaucht, unter anderem mit Wahlhaien und dem Weißen Hai. Wir sind aus dem Flugzeug gesprungen und haben uns, etwas sehr waghalsig, über den Rand der Victoria Wasserfälle in Sambia gehängt. Wir müssen aber nicht Angkor Wat in Kambodscha besuchen oder in Peru auf Macchu Pichu blicken, um inspiriert zu werden, auch die kleine Ostseepension oder die Sauna im Fitness-Studio um die Ecke bieten Ruhe und Raum für neue Gedanken. Es sind häufig die kleinen Fluchten, die die Gedanken beflügeln.

Was ist für Sie Luxus?

Kann es eine andere Antwort geben als: Zeit? Vor allem Zeit zu zweit. Und Zeit in Verbindung mit Freiheit und Gesundheit. Mehr geht nicht.

Welche Ziele in puncto Erfolg setzen Sie sich für die Zukunft?

In der nächsten Zeit geht es darum, die Agentur erfolgreich auszubauen. Langfristig: Gesund und neugierig bleiben. Und weiterhin etwas vom eigenen Erfolg zurückgeben. Wir haben uns bisher immer an karitativen Initiativen anderer beteiligt. Von Regenwald über Ozean bis Patenschaften oder Brunnen bohren in Kambodscha. Wer weiß, vielleicht gibt es ja auf einer der nächsten Reisen eine Inspiration für eine eigene Initiative.

Unternehmerin Viola Fuchs bei der Speakers Night in Hamburg © Martin Brinckmann

Risotto statt Stiletto

Die Frau hat Pfeffer: Viola Fuchs hat nicht nur Energie, sie hat sich mit Pfeffer ein kleines Imperium aufgebaut. Ihr Gewürzladen VIOLAS’ Gewürze & Delikatessen, den die heute 52-Jährige 1997 in Hamburg eröffnet hat, ist ein Franchiseunternehmen mit 28 Standorten in Deutschland.

Der Morgen bei Viola Fuchs beginnt mit Kaffee. Aber ihrer hat mehr Pep: Sie trinkt ihn mit einer Prise ihres arabischen Kaffeegewürzes. Der Duft von Zimt, Kardamomsaat, Mazis, Nelken und Piment erinnert an 1001 Nacht, Pfeffer sorgt für den Extrakick. Wenn das den Start in den Tag nicht erleichtert? Für ihren Tag braucht Fuchs auch Energie. „Eine richtige Auszeit, in der ich nichts mache, gibt es nicht“, sagt die Powerfrau. Schon nach dem ersten Schluck aus der Kaffeetasse checkt sie ihre Mails, ihre Facebook- und Instagramseite, geht die Umsätze der Stores durch. „Erst dann wecke ich meine Kinder.“ Das gemeinsame Frühstück ist ihr heilig. „Beruflicher Erfolg ist schön und eine Bestätigung dafür, dass man etwas richtig gemacht hat. Aber es gibt immer jemanden, der noch erfolgreicher ist oder einem den Erfolg neidet. Erfolg ist auch vergänglich, das muss man immer vor Augen haben. Ich lebe in einer glücklichen Partnerschaft und habe drei wundervolle Kinder. Das ist mir wichtig“, sagt Fuchs.

Dass sie zur „Gewürz-Königin“ von Hamburg werden würde, hätte sie selbst nie gedacht. Eigentlich hatte sie in London Design studiert und arbeitete in der Hansestadt als Schuhdesignerin. Doch statt Stilettos kreiert sie heute Risotto-, Reis-, Pasta- und Gewürzmischungen. „Mein Motto ist: Wenn du willst, dass es gut wird, dann mach es selbst!“, sagt Fuchs. „Und Hamburg war an tollen Gewürzprodukten unterversorgt.“ Zuerst gab sie den Hamburgern Nachhilfe in Sachen Pfeffer, doch es bleibt noch viel zu tun. „Der durchschnittliche Supermarkt hat heute das Gewürzsortiment, das wir bereits vor 20 Jahren hatten.“

Ihr Talent wurde Viola Fuchs in die Wiege gelegt. Ihre Großeltern hatten in Wiesbaden einen Gewürzladen, ihre Mutter übernahm eine Filiale in Frankfurt. „Schon als kleines Mädchen liebte ich es, im Gewürzladen mitzuhelfen. Es war wie mein großer Kaufmannsladen. Der Geruch dort war Balsam für meine Seele“, schwärmt Fuchs. Von ihrer Mutter lernte sie viel über Gewürze und ferne Länder. „Noch heute finde ich viele meiner Inspirationen auf Reisen. Auch 21 Jahre nach der Gründung von VIOLAS’ gehe ich noch gerne in die Experimentierküche und probiere Kreationen aus.“

Claudia Rothhammer

Prof. Dr. Marion Kiechle

Prof. Dr. Marion Kiechle ; Direktorin der Frauenklinik
Foto: Eckert / Heddergott

Wer Karriere machen will, darf sich nicht verstecken

Mit einer Freundin hat sie den Bestseller „Tag für Tag jünger“ geschrieben. Doch nicht nur wegen ihrer Anti-Aging-Strategien ist Marion Kiechle für Frauen interessant: Die Gynäkologin hat sich auch der Krebsforschung verschrieben und könnte mit ihrer Arbeit vielen Frauen helfen – Frauen wie Angelina Jolie, die eine Veranlagung für Brustkrebs in sich tragen und in ständiger Angst leben.

Kiechle zählt zu den Top-Brustkrebsspezialisten Deutschlands – und sie war die erste Frau hierzulande, die auf einen Gynäkologie-Lehrstuhl berufen wurde. Die 59-Jährige blickt auf eine beachtliche Karriere in der Medizin zurück. „Dabei ist bei uns in der Familie weit und breit kein Arzt vorhanden.“ Dafür aber eine Mutter, die ihrer Tochter von klein auf Mut zusprach. „Meine Mutter ist heute 81. Sie hat zwar ein gutes Abitur gemacht, durfte aber nicht studieren, da man davon ausging, dass sie eh mal heiratet. Dabei wäre sie gerne Apothekerin geworden.“ Ihre Mutter legte großen Wert auf Bildung, sie habe ihr immer geraten: „Mach dich nicht abhängig von einem Mann. Verdien dein eigenes Geld.“

Nach einem Praktikum im Krankenhaus schrieb sich Kiechle für Medizin an der Uni Freiburg ein. Es folgten Promotion und Habilitation. Aus ihren hochgesteckten Zielen hat sie nie ein Geheimnis gemacht. Ganz im Gegenteil: „Wenn man Karriere machen will, sollte man das auch nach außen kommunizieren, insbesondere den Menschen, die einem weiterhelfen und begleiten können.“ Das rät sie insbesondere jungen Frauen. Gerade die seien in Bewerbungsgesprächen meist bescheidener und zurückhaltender als ihre männlichen Kollegen. „Dabei hat Karriere so gar nichts mit Familienplanung zu tun. Kinder kann man nicht planen.“ Schon allein die Frage, wann man den richtigen Mann für die Familiengründung finde, könne keine Frau wissen. Sie selbst habe ihre große Liebe erst mit 46 Jahren getroffen – gemeint ist Sportkommentator Marcel Reif.

In Bayern kennt man Kiechle aber vor allem an der Seite eines anderen Mannes: Ministerpräsident Markus Söder. Er ernannte die Direktorin der Frauenklinik München 2018 zur Wissenschaftsministerin. Sieben Monate später – nach einer Wahlniederlage – war ihr Ausflug in die Politik zu Ende. Am nächsten Tag hat sie ihre Arbeit als Klinikdirektorin und ihre Forschungsarbeiten wieder aufgenommen. Sie wirkt zufrieden und mit sich im Reinen. „Niederlagen dürfen einen nicht aus dem Konzept bringen“, sagt sie. „Man darf sie vor allem nicht persönlich nehmen.“

Claudia Rothhammer

© gekkogroup

Gastgeber aus Leidenschaft

Geboren und aufgewachsen in Frankfurt am Main, konnte Micky Rosen schon früh von seinen Eltern lernen, die ebenfalls als Gastronomen im Frankfurter Bahnhofsviertel tätig waren. Nach seinem Abitur absolvierte er eine Lehre zum Hotelkaufmann im Frankfurter Hotel Intercontinental und übernahm später sechs Jahre lang das gleichzeitige Management für fünf Hotels. 2001 gründete er mit seinem heutigen Geschäftspartner Alex Urseanu die Gekko Group, die mit Häusern wie dem Roomers in Frankfurt und Baden-Baden, dem Berliner Provocateur oder dem Berliner The Bristol zu den innovativsten Marken der Hotellerie und Gastronomie in Deutschland zählt. 2018 wurden die beiden Macher mit dem begehrten „Hotelier des Jahres“- Award ausgezeichnet.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Jeden Tag das zu tun, was man voller Leidenschaft tun möchte und von Menschen umgeben zu sein, die man liebt und schätzt. Damit noch Geld zu verdienen, ist das Höchste, was man erreichen kann.

Schon Ihre Eltern waren Gastronomen. Was war der wichtigste Rat, den Sie erhalten haben? Immer authentisch zu sein und alles mit Herzblut umzusetzen.

Was ist die größte Herausforderung, ein international so angesehenes Haus wie das Roomers zu führen?
Das wir nicht mehr an allen Orten gleichzeitig sein können. Die Seele des Hauses wird aber vor allem durch unsere Philosophie des Gastgeberdaseins nachhaltig geprägt.

Was sind Ihre Stärken?
Man sagt mir ein sehr gutes Gespür für Trends und Design nach.

Gab es berufliche Rückschläge, aus denen Sie gelernt haben?
Rückschläge sind ein Teil des Lebens. Wenn man tut, was man liebt und zu 100 Prozent davon überzeugt ist, kann es langfristig nur ein Erfolg werden. Man sollte an sich und seine Visionen glauben, sich nicht davon abbringen lassen. Das Roomers in Frankfurt eröffnete zum Beispiel mitten in der Finanzkrise; damals gab es am Konzept große Zweifel von allen Seiten. Aber wir sind unserer Idee treu geblieben und feiern heute 10-jähriges Jubiläum, mit zwei weiteren Häusern in München und Baden-Baden und einem neuen Projekt, dem Roomers ParkView, welches 2020 ebenfalls in Frankfurt eröffnet.

Was inspiriert Sie bei der Arbeit?

Mich inspirieren die Menschen, die mich täglich umgegeben. Sei es meine Familie und Freunde, unsere Mitarbeiter oder Geschäftspartner. Und darüber hinaus das Reisen oder zum Beispiel zuletzt meine Zeit beim „Burning Man“-Festival.

Womit belohnen Sie sich für Ihren Erfolg?

Meine Belohnungen sind Zeit und das Reisen mit meiner Familie und Freunden.

Von Thomas Clausen

Galerist und Verlagskaufmann Jürgen Hunke hier bei der Speakers Night im Radisson Blu, Hamburg. © Martin Brinckmann / Speakers Night

Ein Hauch von Fernost in Hamburg

Dieser Mann ist ein wahrer Individualist. Zu sehen ist das deutlich: so trägt er beispielsweise nur rot, schwarz und weiß. Er besitzt eine der größten Buddha-Sammlungen Deutschlands, ist Inhaber der Hamburger Kammerspiele, Galerist und vor allem eins – erfolgreicher Unternehmer. Jürgen Hunke der Gründer und Erfinder eines deutschen Spezial-Vertriebs, der jungen Leuten Altersvorsorge-Produkte anbot. Zur Jahrtausendwende verkaufte er das Unternehmen und macht seitdem nur noch das, was ihm Freude bereitet.

Wir treffen ihn im Block House, in der Nähe seiner Mikado-Galerie am Mittelweg. Er ist hier Stammgast, kennt den Gründer und Inhaber Eugen Block gut. Seine Bestellung: ein vegetarischer Teller mit Grillgemüse, gedünstetem Spinat und einer Ofenkartoffel. Der 76-Jährige achtet sehr auf seine Gesundheit: “Neulich fand man bei Tests in der Charité in Berlin heraus, dass mein körperliches Alter gerade einmal 48 Jahre beträgt.“ Sein Geheimrezept neben einer gesunden Ernährung? „Ich stehe jeden Morgen um fünf Uhr auf, werde anschließend zwei Stunden massiert und gehe in die Dampfsauna.“ Diese Kontinuität beizubehalten ist auch etwas, was er jungen Menschen rät, die erfolgreich sein möchten: „Nach Ritualen leben, möglichst früh aufstehen und das jeden Tag.“ Sofort fragt man sich, wie soll das im Alltag gelingen? „Bei Veranstaltungen bin ich immer als Erster da, denn dann kann ich auch als Erster gehen. Dadurch halte ich meine Rituale immer ein“, sagt Hunke. Das Wichtigste seien für ihn aber immer Ehrlichkeit und Gradlinigkeit. Diese beiden Eigenschaften zählen zu den Stärken des Unternehmers: „Ich kann mich für Dinge ehrlich begeistern und andere dann ebenfalls überzeugen.“

Hunke gestaltet sein Leben seit dem Jahr 2000 so, wie es ihm gefällt. Davor arbeitete er 42 Jahre als selbständiger Unternehmer in den Bereichen Marketing und Unternehmensberatung. Was für ihn Erfolg bedeutet? „In erster Linie Unabhängigkeit!“ Für ihn gehört zur steilen Karriere aber auch eine gewisse Portion Glück: „Der richtige Zeitpunkt entscheidet darüber, ob man Erfolg hat oder nicht“.

Als Kind, wollte er „irgendetwas mit Sport“ machen: „Sportreporter hätte mich interessiert.“ Stattdessen wurde er erfolgreicher Unternehmer. Mit dem Sport hat es aber trotzdem geklappt: Seine Leidenschaft gehört dem HSV, den er als Präsident und im Aufsichtsrat unterstützte.

Doch wie wurde eigentlich aus dem kleinen Jungen aus Gütersloh ein erfolgreicher Unternehmer? Nach der Schule wollte Jürgen Hunke zunächst nach Australien. Mit 18 Jahren war man damals noch nicht volljährig, sondern erst mit 21, also brauchte er die Erlaubnis seiner Eltern. „Meine Mutter war traurig, dass ich nach Australien wollte. Das konnte ich natürlich verstehen. Doch ich wollte es unbedingt“, erinnert sich Hunke. Letztendlich unterschrieben seine Eltern die Einverständniserklärung und es fehlten nur noch letzte Gesundheitschecks im Auswanderungslager in Bremen. Kein so schönes Erlebnis: „Ein Zahnarzt meinte, er müsste mir einen Backenzahn ziehen. Sonst würde ich nicht ausreisen können. Das wollte ich nicht. Nach über einer Stunde Diskussion, habe ich mich dann gegen Australien entschieden.“ Jürgen Hunkes Weg führte ihn dann statt ans anderes Ende der Welt an eine Werbefachschule in Hannover. Aber: „Ich habe nebenbei immer gearbeitet und schnell gemerkt, dass mir auch das Verkaufen liegt.“ Also probierte er sein Talent erstmal bei Markenprodukten aus. Mit Erfolg!

Diese Zeit und das Gelernte von der Werbefachschule inspirierten Jürgen Hunke. Mit nur 26 Jahren entwickelte er seine Idee zur Selbstständigkeit: „An der Werbefachschule habe ich gelernt, was einen Markenartikel ausmacht. Ein Markenartikel zeichnet sich dadurch aus, dass es kein Argument gibt, es nicht zu kaufen und dass es das beste Preis-/Leistungsverhältnis hat“, erklärt Hunke. Seine Idee: dieses Prinzip auf Versicherungen übertragen. 42 Jahre ist er mit der Zeus Vermittlungsgesellschaft mbH selbstständig, kurbelte den gesamten Versicherungsmarkt mit seinen Ideen an.

Am 31.12.1999 verkauft Jürgen Hunke sein Unternehmen: „Damals verabschiedete ich mich bei einer großen Feier. Um Mitternacht zauberte mich Hans Klok aus dem Saal nach draußen, wo ich in ein Auto stieg und direkt zum Flughafen in Frankfurt fuhr. Ich gönnte mir eine viermonatige Auszeit auf Koh Samui.“ Seine Leidenschaft für den asiatischen Kontinent ist nicht zu übersehen. Egal, ob seine Mikado Galerien in Hamburg, Berlin und Timmendorf, das „Haus der Harmonie“, oder seine Wohnhäuser – das asiatische Flair spiegelt sich überall wider. Aktuell beschäftigt sich Hunke vorwiegend mit dem Import und Verkauf asiatischer Kunstwerke und dem Schreiben und Verlegen von Büchern. Sein Wunsch für die Zukunft? „Niemand soll mehr hungern müssen. Das sollte das Mindeste sein. Wer mehr hat, sollte auch mehr geben und das in allen Bereichen.“ Sein Antrieb, jeden Tag neue Ziele in Angriff zu nehmen, ist die pure Liebe am Leben: „Ich möchte noch ein bisschen leben und meine Kinder, Enkelkinder und Freunde weiterhin sehen. Und noch ein bisschen verreisen.“ In Asien gibt es schließlich noch so viele wunderbare Flecken zu entdecken…

Tim Werner, Gottfried Zmeck
Semi Final Round of Judging for the 44th International EMMY Awards / Get Together im BMW Haus am Kurfürstendamm in Berlin am 04.07.2016
© API Michael Tinnefeld Agency People Image (c.) Michael Tinnefeld

Erfolgreich in der Nische

Gottfried Zmeck und Tim Werner sind in einer Mediennische erfolgreich: Pay-TV für Heimatfilme, Schlager und romantische Filme. Zmeck hat den Kanal 1999 gegründet und ausgebaut, Werner kam 2008 dazu. Zum 1. Oktober 2019 hat sich Zmeck in den Aufsichtsrat zurückgezogen und Werner die Führung des Senders überlassen.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Gottfried Zmeck: Erfolg ist wichtig, aber nicht zu jedem Preis. Preis und Anstrengung müssen im Verhältnis zum Ergebnis stehen.
Tim Werner: Etwas mehr als das gesteckte Ziel zu erreichen, ist für mich Erfolg. Die Ziele sollte man dabei weder zu hoch noch zu niedrig stecken.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere? Und warum?
Gottfried Zmeck: Ein Highlight für mich war die Gründung des eigenen Unternehmens und fünf Jahre später die Tilgung der letzten Kreditrate.
Tim Werner: Ein Highlight war die Gründung von Romance TV Polska, den wir zu einem der erfolgreichsten Sender für Frauen in Polen gemacht haben.

Was raten Sie einem (jungen) Menschen, der Erfolg haben möchte?
Gottfried Zmeck: Man braucht immer Glück, um Erfolg zu haben, und außerdem Menschen, die einem helfen. Das Umfeld ist wichtig. Man wird es nie alleine schaffen.
Tim Werner: Ehrlich, glaubwürdig und authentisch bleiben. Erfolg ja, aber nicht um jeden Preis.

Was ist ein Must-have in Ihrem Beruf?
Gottfried Zmeck: Durchhaltevermögen, Neugier und Bescheidenheit – Letzteres ist gerade in der Medienwelt extrem wichtig.
Tim Werner: Wenn man ein Unternehmen mit 30 bis 40 Mitarbeitern leitet, ist Motivationsfähigkeit sehr wichtig.

Was macht in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Gottfried Zmeck: Das Schlüsselwort ist Motivation. Eine Führungskraft muss sich selbst motivieren, aber auch das Team. Dann wird man erstaunt sein, welche Leistungen Mitarbeiter erbringen.
Tim Werner: Neben Motivation halte ich Lob für sehr wichtig. Ich habe festgestellt, dass man nicht genug loben kann. Positives Feedback ist ein sehr hohes Gut.
Gottfried Zmeck: Lob ist wichtig, aber auch Kritik. Sie gibt Mitarbeitern das Gefühl, dass sie erstgenommen werden.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?
Gottfried Zmeck: Tüchtig sein, vernünftige Ziele setzen und nicht so selbstherrlich sein und denken, dass man es ohne die Hilfe anderer Menschen schaffen würde.
Tim Werner: Ich verfüge noch nicht über den unternehmerischen Erfolg eines Herrn Zmeck, aber wenn ich eines bei ihm lernen durfte, dann ist es Risikobereitschaft, die für den Erfolg einfach notwendig ist.

Von Renate Kerscher

Thomas Jauch:

Thomas Jauch wurde 1958 in Italien geboren und zog mit zwei Jahren mit seinen Eltern nach München. Nach seinem Betriebswirtschaftsstudium im Bereich Marketing und Kommunikation arbeitete Jauch zunächst als Aufnahmeleiter und Regieassistent in der Werbefilmbranche, später als Regieassistent unter anderem bei Wolfgang Petersen, Vadim Glowna und John Frankenheimer.

Als Fernsehregisseur ist Jauch seit 1994 tätig. Er hat sich hauptsächlich mit Krimiproduktionen wie der „Tatort“-Reihe sowie mit Episoden von „Schimanski“, „Die Verbrechen des Professor Capellari“, „Das Duo“ und „Post Mortem“ einen Namen gemacht. Heute lebt Jauch in Hamburg. Er produziert immer noch Krimis, aber auch Komödien, und gibt Gastvorlesungen an der Universität.

Was bedeutet Erfolg für Sie?

„Ich bin dankbar dafür, dass man nicht komplett in die Krimischublade gesteckt wird, sondern auch noch andere Sachen machen kann, wie zum Beispiel mal eine Komödie.“

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um erfolgreich zu sein?

„Disziplin. Das versuche ich auch meiner Tochter mitzugeben, Disziplin ist das Wichtigste.“

 

 

Marek Erhardt

Marek Erhardt wurde 1969 als Sohn des Regisseurs Gero Erhardt und Enkel von Heinz Erhardt in Hamburg geboren. 1990 verließ Erhardt drei Monate vor dem Abitur das Gymnasium und ging nach New York, wo er bis 1991 Schauspielunterricht am Herbert Berghoff Studio nahm. Seinen Durchbruch schaffte er noch im selben Jahr mit der Hauptrolle in der Fernsehserie „Freunde fürs Leben“. Erhardt war außerdem Stadionsprecher und Moderator, wurde 2011 sogar für vier Jahre in den Aufsichtsrat des Hamburger Sportvereins gewählt. Er spielte bei den 60. Karl-May-Festspielen die Titelrolle in „Der Ölprinz“, begleitete Zivilfahnder in Hamburg-Billstedt, um sich auf eine Rolle als ziviler Ermittler vorzubereiten, und schrieb darüber sogar ein Buch mit dem Titel „Undercover“. Außerdem ist Erhardt die Werbestimme vieler großer Unternehmen und Sänger des deutschen DJ-Projektes „Nightwatchers“. Seit 2018 spielt er den Hauptkommissar Oskar Schütz in der Serie „SOKO Hamburg“.

Was bedeutet Erfolg für Sie?

„Für mich ist es das Schönste und Beste, das ich mir vorstellen kann, Zeit mit meiner Familie und mit Freunden zu verbringen.“

„Besondere Höhepunkte in meiner Karriere waren, Stadionsprechen beim WM-Finale 2006 im eigenen Land zu sein. Die Serie ‚Freunde fürs Leben‘ und meine aktuelle Serie ‚SOKO Hamburg‘, das macht wahnsinnig viel Spaß und ist ein echtes Highlight.“

Was braucht es Ihrer Meinung nach, um erfolgreich zu sein?

„Man braucht schon ein Quäntchen Selbstbewusstsein. Und man muss sich so breit wie möglich aufstellen.“

„Ich habe vor 25 Jahren angefangen, Werbung zu sprechen, hab’ Synchron gemacht, ein Buch geschrieben, mache Lesungen, moderiere. Sich da nur auf eine Branche zu verlassen, kann ganz schnell in die falsche Richtung führen.“

„Man braucht schon einen relativ strikten Terminplan, um alles unter einen Hut zu bekommen.“

„Das Leben besteht pausenlos aus Rückschlägen. Ich hab sehr schnell gelernt, mit Rückschlägen gut umzugehen. Ich lasse das meine Umwelt nicht spüren, sondern mache es mit mir und meinen engsten Vertrauten alleine aus. Das ist mein Anspruch.“

Secrets of Success – Das Print Magazin

Heute wird das Print-Magazin bei der 20-jährigen Jubiläumsfeier von “Movie meets Media” vorgestellt. Im Hotel Atlantic Kempinski dürfen die geladenen Gäste einen ersten Blick auf das Magazin erhaschen. Ab dem 30.11.2019 ist es dann auch im Handel erhältlich.

Sehen Sie hier, wo Sie eine Ausgabe erwerben können.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.

 

Valentin Schütt startete seine Karriere bereits mit 16 Jahren. © Valentin Schütt_Sevenmiles

Viel lernen, viel denken und danach viel arbeiten

Valentin Schütt ist wohl das, was man einen „Serial-Entrepreneur“ nennt: Geboren 1979, startete er bereits im Alter von 16 Jahren einen Internethandel mit Telekommunikationsartikeln. Bis heute hat er verschiedenste Projekte und Unternehmen im Internetbereich aufgebaut und verkauft. Er ist Investor und besitzt mehrere Unternehmen. 2014 hat er begonnen, Seven Miles aufzubauen; das Unternehmen ist heute der führende Anbieter von Geschenkgutscheinen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Mit dem eigenen Produkt „Wunschgutschein“ bietet Seven Miles einen universell einlösbaren Shoppinggutschein an. Valentin Schütt lebt und arbeitet in Düsseldorf.

Es ist naheliegend, dass er den Start eines Geschäfts mit 16 Jahren als wichtigen Karriereschritt bezeichnet. „So habe ich gelernt, wie man kaufmännisch denkt und arbeitet“, sagt Schütt. Die weiteren Lernprozesse folgten Schlag auf Schlag: Mit Anfang 20 war es die Arbeit mit einem schnell wachsenden Unternehmen, mit Mitte 20 die Erfahrung eines Firmenverkaufs an einen börsennotierten amerikanischen Großkonzern – inklusive des Kennenlernens der Art, wie dort das Geschäft gemanagt wird. Mit Ende 20 wagte er den Schritt vom Unternehmer hin zum Investor, begleitet von all den Herausforderungen, die diese Rolle mit sich bringt. Dass er mit Mitte 30 nochmals ein Unternehmen von Null auf einen neunstelligen Umsatz aufbaute und entsprechende Strukturen schaffte, bezeichnet Schütt „quasi als zweiten Sommer“. Seit Kurzem nun, mit Anfang 40, arbeitet er mit einem global renommierten Investmentfonds im Rücken daran, das Wachstum dieser Firma noch weiter auszubauen.

Alles in allem entspricht dieser Werdegang dem, was Schütt sich einst als Abiturient gewünscht hatte. Damals wollte er Unternehmensberater werden, da er die Aussicht reizvoll fand, viele unterschiedliche Unternehmen und Geschäftsmodelle kennenzulernen. „Als Unternehmer und Investor ist man ständig dabei, sich oder andere zu beraten und zu optimieren, neue Chancen innerhalb der Geschäfte zu erkennen und umzusetzen. Deshalb bin ich nun vielleicht mein eigener Unternehmensberater geworden. Mit ein paar zusätzlichen Aufgaben.“

Dass er diesen „zusätzlichen Aufgaben“ heute gerecht werden kann, hat auch mit Misserfolgen zu tun. Denn diese haben den Unternehmer weitergebracht, wie er erklärt: „Seit meinen ersten Rückschlägen in jungen Jahren, die durch die damalige Börsenkrise ausgelöst wurden, habe ich ständig versucht, mich zu verbessern und mehr darüber zu lernen, welche Risiken und Chancen Geschäftsmodelle haben, wie ich diese möglichst neutral bewerte und beeinflusse – und natürlich, mich immer zu reflektieren und zu lernen, was man bei sich und in seinen Unternehmen verbessern muss.“

Aus diesen Worten spricht ein großer Ehrgeiz. Schütt bestätigt, dass dies ein wesentlicher Charakterzug von ihm ist: „Offen gesprochen war ich immer sehr ehrgeizig. Das ist in beruflichen Dingen auch bis heute so geblieben. Privat bin ich entspannter, ich kann gut damit leben, wenn andere besser Golf spielen oder jemand mich beim Pokern besiegt. Erfolg im Privaten, das sind für mich echte und tiefe Freundschaften, die ich gern und mit viel Energie pflege.“

Gemäß dieser Definition ist Erfolg deckungsgleich mit Glück, denn: „Glück bedeutet für mich, mit Menschen umgeben zu sein, mit denen ich gerne Zeit verbringe“, meint der 40-Jährige. Er macht keinen Unterschied, ob dies in den Firmen, privat oder in der Familie geschieht. Wichtiger sei, alle diese Menschen gesund und glücklich zu sehen. „Wenn dann noch Wasser und Sonne dazukommen, dann sind wir nah an der Perfektion.“

Aus diesen Worten klingt heraus, dass Schütt bei allem Arbeitseifer auch die angenehmen Seiten des Lebens zu genießen weiß. Als größten Luxus bezeichnet er den Zustand, frei und unabhängig zu sein. „So kann man zu fast jedem Zeitpunkt die Dinge umsetzen, die einem am meisten am Herzen liegen. Mir ist bewusst, dass ich sehr privilegiert bin, in dieser Situation zu sein.“
Jungen Menschen, die dieses Privileg ebenfalls erreichen wollen, rät er: „Sucht euch Menschen, die ihr bewundert und die in ihrer Disziplin exzellent sind. Dann kopiert und lernt von ihnen. Sucht euch für jede Facette, die ihr gut beherrschen möchtet, die jeweils eine Person. Und seid nie zu schüchtern, um Rat und Hilfe zu fragen.“ Folgerichtig bringt Schütt sein Erfolgsrezept auf diesen Nenner: „Viel lernen, dann viel nachdenken und danach viel arbeiten.“

Von Rainer Wendl