Der mehrfache Unternehmensgründer Dr. Stefan Kloth ist im norddeutschen Raum gut vernetzt. / Foto: osteolabs GmbH

Explosive Mischung

Dr. Stefan Kloth hat sowohl BWL als auch Physik studiert und ist damit in seiner Generation ein Exot. In seinen Firmen hält es ihn nie länger als 10 Jahre. Das nächste Projekt hat er schon im Blick: einen Sprengstofftest.
Was wollten Sie als Kind werden?

Zuerst Forscher, weil ich mit 13 an „Jugend forscht“ teilgenommen habe. Mit 16, 17 wollte ich Unternehmer werden, weil ich elektronische Bausätze verkaufen wollte. Dazu ist es aber nicht gekommen, weil es dafür keinerlei Unterstützung von meinen Eltern gab.

Trotzdem haben Sie diesen Wunsch nach dem Studium verwirklicht.

Ja, obwohl ich zu Beginn des Studiums noch keinen klaren Berufswunsch hatte. Ich wählte Physik, weil man damit so viel machen kann. Erst während des letzten Teils des Studiums fühlte ich, dass ich mich selbständig machten wollte. Nur womit? Darauf hatte ich noch keine Antwort.

Deswegen haben Sie sich zunächst doch für eine Beschäftigung als Arbeitnehmer entschieden.

Genau, als Vertriebsingenieur bei Philips in Hamburg. Mich hat damals schon mehr der Vertrieb als die Technik interessiert. Seit meinem Auslandsstudium in England wusste ich, dass ich nicht in einem Labor arbeiten wollte.

Mit 25 Jahren machten Sie sich dann selbstständig und gründeten den Kontaktlinsen-Versand „Lenscare“. Wie kommt man als Vertriebsingenieur bei Philips darauf, sich mit so einer Idee selbstständig zu machen?

Herr Dr. Kloth (r.) zusammen mit Herrn Prof. Dr. Anton Eisenhauer (l., Head of Research und Gründer von osteolabs GmbH) / Foto: osteolabs GmbH

 

Ich war Kontaktlinsenträger und fand diese kleinen Plastikschalen immer so teuer. Ein teures, aber kleines Produkt, das sich gut versenden lässt – das war für mich der ideale Einstieg in den Versandhandel. Das Wort „E-Commerce“ gab es damals noch nicht.

Im Jahr 2000 standen Sie mit „Lenscare“ kurz vor dem Börsengang, als die Blase am Neuen Markt platzte. Wie sehr traf Sie der Crash?

Wir hatten erhebliche Mittel und Energie für dieses Projekt verwendet. Dann kam eine lange Rezession und die Investoren hielten uns nicht mehr die Treue. Wir sind stattdessen auf Banken und Venture Capital Geber zugegangen. Aber das war natürlich eine ganz andere Bewertung, nämlich eine richtig miese. Das heißt, es war schon auch ein tiefer Rückschritt. Später habe ich das Unternehmen verkauft. Danach hatte ich Zeit und habe Betriebswirtschaft studiert und promoviert.

Dachten Sie damals daran aufzugeben?

Ja, mit Sicherheit.

Was war Ihre Motivation, trotzdem durchzuziehen?

Zunächst mal war „Lenscare“ meine einzige Einkommensquelle und ich war relativ jung, hatte also noch kein Vermögen aufgebaut. Außerdem waren da die ganzen Mitarbeiter. Hätte ich aufgegeben, hätte das ja auch sie betroffen. Da musste ich einfach weitermachen. Ich brauchte damals mit 31 Jahren ja auch nicht viel Geld. Es gab noch keine Familie zu finanzieren.

Prof.Eisenhauer & Minister_Buchholz_ & Dr.Kloth_Bueroeroeffnung2001

Gab es einen Mentor, der Sie am Anfang Ihrer Selbstständigkeit unterstützte?

Ja, den Direktor einer Großbank in Hamburg. Der sorgte dafür, dass es mit dem Kredit immer flutschte, wenn ich zu einem seiner Sachbearbeiter ging. Er war auch Kontaktlinsenträger und fand meine Idee gut. Ich musste für die Kredite natürlich trotzdem persönlich haften. Aber immerhin bekam ich überhaupt welche.

Was würden Sie Ihrem Jüngeren Ich aus heutiger Sicht raten?

Nicht so sehr auf Berater zu hören. Ich gewichte Stimmen heute anders und reflektiere mehr, was andere Menschen sagen. Damals habe ich vieles einfach geglaubt. Woher sollte ich es mit 31 Jahren auch besser wissen? Meine Eltern waren ja keine Unternehmer. Die hatten schon die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich bei Philips gekündigt hatte.

Was hat Sie trotz der Rückschläge zu einem erfolgreichen Unternehmer gemacht?

Der Glaube ans eigene Produkt ist ganz entscheidend. Und man muss sich mit den Details auskennen, auch wenn die Firma 20, 30, 40, 50 Mitarbeiter hat. Denn kein Mitarbeiter kann mir die Verantwortung gegenüber dem Finanzamt abnehmen. Sparsamkeit ist auch wichtig. Ich sitze an einem Schreibtisch von Ikea, den wir selbst aufgebaut haben. Ich brauche keine Innenarchitekten.

Sie betreiben mit osteolabs seit 2018 eine Firma, die sich auf Schnelltests für Zuhause zur Früherkennung von Osteoporose spezialisiert hat. Wie kommt man von Kontaktlinsen zu Knochenschwund?

Durch persönliche Kontakte und durch Zufall. Ich habe mir hier im norddeutschen Raum einen Namen gemacht als jemand, der sowohl technisch als auch betriebswirtschaftlich affin ist. Damit bin ich in meiner Generation ein Exot, denn zu meinen Studienzeiten war die Kombination von Physik und BWL nicht möglich. Ich bin also gut vernetzt. Deswegen werden mir Themen angetragen, die technisch interessant sind und ich prüfe dann, was sich ökonomisch daraus machen lässt. Beim OsteoTest, der online bestellt und per Post versandt wird, kommen mir meine Erfahrungen von LensCare natürlich sehr zugute.

Welche beruflichen Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich bleibe nirgends länger als zehn Jahre. Wenn irgendwann die Controller kommen, um aus 90 Prozent Effizienz 99 Prozent zu machen, bin ich weg. Das finde ich furchtbar langweilig.

Also, was kommt als nächstes?

OsteoTest / Foto: osteolabs GmbH

Ein Sprengstoffspurentest, den ich mit dem Institut für organische Chemie der Universität Kiel entwickle. Da sind wir aber noch ganz am Anfang, bis zur Marktreife muss noch viel geforscht werden. Insofern passt das ganz gut zu meinen Plänen bei OsteoLabs.

Oha. Welchen Luxus gönnen Sie sich? Möbel sind’s ja nicht.

Auch keine Rolex und kein Porsche. Ich wohne hier in Kiel in der ersten Reihe mit Blick auf die Ostsee. Wenn ich schwimmen gehen möchte, bin ich sofort am Wasser. Das ist für mich Luxus. Und ich gehe gern schön essen. Wobei da ab einem gewissen Rechnungsbetrag der BWLer in mir durchkommt, der nach dem abnehmenden Grenznutzen fragt. Man kann für 300 € mit der Familie sehr schön essen, es muss nicht 500€ kosten.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Eine eigene Finca im Süden wäre toll. Da würde ich Wein anbauen und mit dem Trecker über meinen eigenen Weinberg fahren. Generell möchte ich aber keine Besitztümer sammeln, denn was du besitzt, besitzt dich. Es ginge mir nur um den Spaß an der Freude.

 

Das ganze Interview können Sie ebenfalls in der Printausgabe von “Secrets of Success” nachlesen.

 

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Nach der Friseurausbildung folgte das Mathematikstudium, dann der Doktortitel in Physik – nun ist sie Analog-Astronautin: Dr. Carmen Köhler. / Foto: © Florian Voggeneder

“Ich will Abenteuer leben”

Waschen, föhnen, legen – das hätte der berufliche Alltag von Dr. Carmen Köhler werden können. Ihre Karriere begann mit einer Ausbildung im Friseur-Salon. Heute hat die gebürtige Berlinerin einen Doktortitel in Physik und eine eigene Firma, die sich mit Wetter- und Erdbeobachtungsdaten beschäftigt. Außerdem wurde die 41-Jährige vom Österreichischen Weltraum Forum als Analog Astronautin ausgewählt. Für eine Mars-Mission ist sie bereits bestens gewappnet, nur mit dem Flug ins All hat es bisher nicht geklappt. Aber das kann ja noch kommen.
Was genau macht eine Analog Astronautin?

Ich forsche auf der Erde für Erkenntnisse, die später bei astronautischen Missionen benötigt werden. Wir trainieren Problem-Situationen und proben neue Arbeitsabläufe, die bei einem Flug zum Mond oder zum Mars wichtig werden könnten – auf einem anderen Himmelskörper kann man das ja nicht. Eine Reise zum Mars dauert acht Monate, dann wäre man ein Jahr dort und reist wieder acht Monate zurück. In der Kommunikation rechnen wir im Durchschnitt mit einer Verzögerung von zehn Minuten in jede Richtung. Da kann man nicht mal eben um Hilfe bitten.

Was passiert bei so einer Übung?

Ich hatte bisher zwei Missionen in Mars-ähnlichen Gebieten auf der Erde. Einmal im Oman – und einmal am Kaunertaler Gletscher. Dort ist mir etwas sehr Lustiges und auch ein bisschen Peinliches passiert: Am ersten Tag waren die Medien dabei. Ich trug einen etwa 50 Kilo schweren Raumanzugsimulator – allein den anzuziehen dauert zwei Stunden. Durch die Sonne, die an diesem Tag sehr stark schien, schmolz allerdings das Eis. Ich versank immer mehr und fünf Reporter haben mich dann wieder rausgezogen. Die Schuhe habe ich dabei auch noch verloren. Die waren mir zu groß, weil damals noch alles auf Männer ausgelegt war. Das sah ziemlich witzig aus – wie man auch den Abendnachrichten entnehmen konnte. Auf dem Mars hätte ich so nicht überlebt…

Warum wollten Sie unbedingt Astronautin werden?

Der große Traum der 41-Jährigen Dr. Carmen Köhler: Einmal zum Mond fliegen. / Foto: © Florian Voggeneder

Ich durfte als Kind nach der Schule oft mit meiner Mama Raumschiff Enterprise und MacGyver im Fernsehen sehen. Für mich war ein Astronaut immer wie ein MacGyver auf der Enterprise. Man muss irgendwie alles können. Man muss sozial sein, man muss sich selbst Blut abnehmen können, man ist Ingenieur, man fliegt ins Weltall… Diese Kombination hat mich total fasziniert, deshalb wollte ich Astronautin werden, traute mir das aber nicht zu. Ich hatte aber noch eine zweite Leidenschaft: Mit drei oder vier Jahren habe ich mir schon selbst den Pony geschnitten – und zwar gerade. Mit zehn Jahren durfte ich dann auch schon bei Mama an die Haare. Ich habe dann eine Ausbildung zur Friseurin gemacht und wollte Maskenbildnerin werden.

Wie kam es nach der Ausbildung zur drastischen Kehrtwendung?

Ich hatte einen Kunden, der war BWL-Professor. Bei einem dieser typischen Friseur-Gespräche, die man eben so führt, fragte er mich, was ich gerade lese. Das war ein Buch über einen mathematischen Beweis. Ab da hat er mir immer mathematische Probleme mitgebracht. Nach der Friseurausbildung habe ich dank der Unterstützung meines Umfelds gemerkt, dass ich einfach probieren muss Mathematik zu studieren, weil ich das für mich und meinen Kopf brauchte. Ich schneide aber auch heute noch immer sehr gern Haare…

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Wenn sie gerade nicht Mars-Missionen simuliert, leitet die gebürtige Berlinerin ihre eigene Firma, die sich mit Wetter- und Erdbeobachtungsdaten beschäftigt / Foto: © Florian Voggeneder

Abenteuer leben zu können. Erfolg ist für mich die Mischung aus Glücklichsein, meine Interessen weiterentwickeln und Geld dabei verdienen, mit dem ich mir meine geliebten Bücher und Equipment wie Gleitschirme leisten kann. Das hängt alles zusammen. Mein Erfolgsgeheimnis ist, wenn ich denn überhaupt eines habe, dass ich etwas verfolge, was mir Spaß macht. Nur dann ist man auch gut darin. Mich treibt an, dass es noch wahnsinnig viel gibt, was ich nicht weiß und vieles, das ich noch ausprobieren will.

Sie klingen so furchtlos. Gibt es etwas, das Ihnen Angst macht?

Unwissenheit. Wenn man etwas nicht weiß, kann man damit nicht umgehen.

Wovon träumen Sie?

Ich habe eine Mond-Sehnsucht. Einmal zum Mond zu fliegen ist mein Traum.

Was ist ein Must-have in ihrem Beruf?

Als Mathematikerin und Programmiererin ist eine Frustrationstoleranz sehr wichtig. Es dauert oft lange, eine fehlerfreie Lösung zu finden. Aber ich liebe es zu programmieren: Wenn der Code richtig ist, dann läuft das Programm. Wenn nicht, dann nicht.

Ist es für Ihren Partner manchmal schwer, an der Seite einer so energiegeladenen und erfolgreichen Frau zu bestehen?

Das Erfolgsgeheimnis von Dr. Köhler ist, dass sie nur etwas verfolgt, was ihr Spaß macht. „Nur dann ist man auch gut darin”, so die Doktorin der Physik. / Foto: © Claudia Stix

Wir ergänzen uns gut und sind uns sehr ähnlich. Er ist auch Analog-Astronaut und kennt es nicht anders. Außerdem will er selbst auch ins All.

Was wäre, wenn der Traum bei einem klappt und beim anderen nicht?

Wir sind da ganz entspannt und freuen uns für den anderen. Ich hoffe, dass es bei ihm klappt.

Passen Work-Life-Balance und Erfolg eigentlich zusammen?

Wenn man nur Sachen macht, die einem Spaß machen, hat man das Thema nicht. Aber das Zeit-Management muss man im Auge behalten.

Kann man denn beides haben – eine Karriere als Astronautin und eine Familie?

Absolut! In Amerika sieht man das gut. Da ist das normal. Und man muss schließlich in jedem Beruf sehen, wer sich um die Kinder kümmert.

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