Karrierekick Gefängnis

 

Wer Karriere machen möchte, muss Biss haben. Das sagt Prof. Dr. Jens Weidner, Autor des Bestsellers „Die Peperoni-Strategie. So setzen Sie Ihre natürliche Aggressivität konstruktiv ein.“ Mit Aggressionen kennt Weidner sich aus. Er arbeitete intensiv mit inhaftierten Gangschlägern in Philadelphia und behandelte zehn Jahre lang Kriminelle für die deutsche Justiz. In dieser Zeit entwickelte er das bekannte Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®) für Gewalttäter. Heute verhilft er Führungskräften zu mehr Biss und lehrt Kriminologie und Sozialisationstheorie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

 Sein berufliches Leben lang beschäftigt sich Jens Weidner mit Aggressionen. Und zugegeben: Mit dieser Emotion assoziiert man vor allem Negatives, böse Jungs und Schlägertypen. Wer ihm allerdings gegenübersitzt, lernt einen sympathischen, humorvollen Gesprächspartner kennen. So verwundert es auch nicht, wenn er gesteht: „Als Kind wollte ich Pfadfinder werden und bin es auch geworden, um jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen.“ Er sagt aber auch: „Heute habe ich diese gute Seite in mir durch einen Lieblingssatz ergänzt, der potenziellen beruflichen Gegenspielern gewidmet ist: one evil action a day keeps the psychiatrist away. Heute bin ich zu 80 % Gutmensch und zu 20 % Mephisto, ein Persönlichkeitsprofil, das für erfolgreiche Menschen extrem empfehlenswert ist, weil es Fairness, Seriosität und partielle Härte gut zusammenbringt.“

Seine Berufswahl war zufällig. Lange wusste er nicht, was er studieren könnte. Als er einen Professor kennenlernte, entschied er sich für dessen Fachgebiet und schrieb sich für ein Studium der Sozialarbeitswissenschaften mit dem Schwerpunkt Kriminologie an der Leuphana Universität in Lüneburg ein. „Kein karrieretaugliches Studium dachte ich, aber wahnsinnig interessant. Das Studium begeisterte ihn. Für ihn eine wichtige Voraussetzung für Erfolg: „Ich rate jungen Menschen: Schau Dich um, entdecke Deine Leidenschaft, entdecke, für was Du brennst. Und wenn Du das weißt, dann gib richtig Gas, werde Experte auf Deinem Gebiet!“

DAS GANZE INTERVIEW LESEN SIE IM PRINT-MAGAZIN. AB DEM 4. DEZEMBER 2020 IM HANDEL.

©Myro Wulff Der „Bambi“-Preisträger Francis Fulton-Smith zählt seit den 90er-Jahren zu den meistbeschäftigten Schauspielern Deutschlands.

Der Tausendsassa

Den Berufswunsch „Schauspieler“ hatte Francis Fulton-Smith bereits im Kindesalter– auch wenn es eine Art Zweitbesetzung war. „Ursprünglich wollte ich Cowboy oder Indianer werden, da mich Western fasziniert haben. Als mein Vater mir mit fünf Jahren sagte, ,Das sind Menschen, die für Geld spielen‘, stand fest: Ich werde Schauspieler“, erinnert sich der gebürtige Münchner. Dieses Ziel verfolgte er getreu seiner Devise: „Gib immer zwei Millimeter mehr als alle anderen“. Das sollte sich auszahlen: Für seine glänzende Verkörperung des legendären ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß 2014 in dem Politthriller „Die Spiegel-Affäre“ bekam er u.a. den „Bambi“ und den „Deutschen Schauspielerpreis“ verliehen. Die Hingabe für seinen Beruf unterstreicht die Tatsache, dass Fulton-Smith als Vorbereitung für die Rolle unter ärztlicher Aufsicht 20 Kilo zugenommen hatte. „Ich stelle mich mit eiserner Disziplin ganz in den Dienst der Figuren, die ich verkörpere. Ich werfe den schützenden Brudermantel um sie und verteidige ihr Sein“, nennt Fulton-Smith eines seiner Erfolgsgeheimnisse.

Zunächst stand für den Sohn einer deutschen Fremdsprachenkorrespondentin und eines britischen Jazzmusikers aber das Abitur an. Anschließend verfolgte er konsequent seinen Berufswunsch und absolvierte an der Otto Falckenberg Schule in München seine Ausbildung zum Schauspieler. Die Zeit an der Fachakademie zählt der 53-Jährige rückblickend zu seinen wichtigsten Karriereschritten – neben den Engagements am Staatstheater Braunschweig und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. 2009 wurde Fulton-Smith von den Leserinnen der Zeitschrift „Das Neue Blatt“ für seine Rolle als Dr. Christian Kleist in der Serie „Familie Dr. Kleist“ (ARD) als „Mein Star des Jahres“ gekürt. „Meine Fähigkeit, mich in unterschiedlichste Menschen hineinzuversetzen, genau hinzusehen und hinzuhören, verleiht mir die Kraft und Konzentration für die nötige, authentische Natürlichkeit meines Spiels. Dabei nehme ich mich selbst nicht so wichtig.“

So unterschiedlich wie seine Rollen sind auch die Vorbilder von Francis Fulton-Smith: „Wenn es um den Erfolg geht, sind es Clint Eastwood und Warren Buffett.“ Der Regisseur und Schauspieler Eastwood und der Großunternehmer Buffett werden von drei weiteren Vorbildern komplettiert: „In puncto Menschlichkeit und Anmut bewundere ich Mahatma Ghandi – und auch meine beiden Töchter. Die Klarheit, mit der sie jedes noch so kleine Detail aufnehmen und die Welt entdecken, ist beeindruckend und für mich die pure Inspiration.“

Seine Kreativität nutzt Fulton-Smith nicht nur in seinem Erstberuf: Der Tausendsassa veröffentlichte 2017 sein erstes Sachbuch „Loving se Germans“, in dem der Halbbrite die Unterschiede zwischen Deutschen und Engländern beschreibt. Große Bedeutung haben für ihn auch seine Ausstellungen als Maler. Anfang Dezember 2019 beispielweise in der Galerie Walentowski in Hamburg. Das Hobby übt gleichermaßen Faszination wie auch meditative Wirkung aus.

Abseits der Künste ist er an der Firma IGESOLUTIONS Ltd. beteiligt, die ein Verfahren entwickelt hat, ohne toxische Emissionen und rückstandsfrei nicht-recycelbaren Plastikrestmüll in großen Mengen in Dieselkraftstoff umzuwandeln. Fulton-Smith engagiert sich aber nicht nur für die Umwelt: „Für mein Lebensglück bin ich sehr, sehr dankbar. Deswegen ist es mir ein Herzensanliegen, etwas davon zurückzugeben, um Gutes zu tun und andere Menschen und Projekte zu fördern und zu unterstützen“. Besonders wichtig seien ihm die Initiative „Besonderhaut“ für Kinder mit seltenen Hautkrankheiten von Dr. Nicole Inselkammer und die Deutsche Stiftung Kinderdermatologie.

Wie ist das alles mit dem Privatleben vereinbar? „Ich nutze meine Zeit optimal. Deshalb befinde ich mich immer in ,Einsteinzeit‘: Ich bin immer da, wo ich bin und wo ich bin, ist es immer richtig“, beschreibt Fulton-Smith seine Philosophie. Die Familie und er selbst sind ihm dabei heilig: „Ich nehme mir immer Zeit für meine Kinder und ich habe feste Zeiten pro Woche eingeplant, die ich ,Me-Time‘ nenne.“

Was würde Francis rückblickend seinem jüngeren Ich raten? Eine ganze Menge: „Folge deinem Herzen und halte deine Versprechen. Greife immer nach den Sternen. Sei dankbar, hilfsbereit, gütig und geduldig. Genieße das Leben und die Schönheit des Augenblicks.“ Etwas ändern würde er indes nicht: „Im Moment der Entscheidung formen wir unser Schicksal. An jeder Entscheidung reift man, lernt ständig dazu und wird so genau zu der Person, die man heute ist.“

Apropos Moment: Fulton-Smith freut sich sehr über seine ersten Erfolge als Produzent, wie kürzlich mit dem „Athen-Krimi“ oder dem Thriller „Totenfieber“ in der ARD. „Hier sind schon weitere spannende Projekte in Planung.“ Der Einzelkönner ist auch Mannschaftsspieler: „Ich habe ein Team von Spitzenkräften um mich herum, die es mir ermöglichen, meine Ressourcen optimal zu nutzen. Nicht der Kunde ist König, sondern das Team.“ Die Buchstaben T, E, A und M stünden für ihn dabei für „Together everyone achieves more – gemeinsam erreicht jeder mehr“.

Von Robert Torunsky

©privat

Die Welt durch eine Linse

Mut ist, wenn man sich Dinge traut, die andere für Wahnsinn halten. So wie Nanna Heitmann. Die junge deutsch-russische Fotografin, deren Schwerpunkt auf Dokumentationen liegt, gehört zu den großen Nachwuchshoffnungen der Fotografie. Sie reist gern – auch im Winter durch Sibirien. Mit gerade mal 25 Jahren hat sie es mit ihren Bildern bereits in die renommiertesten Medien geschafft, darunter die New York Times, den Stern und das Time Magazine, und hat schon zahlreiche Preise abgestaubt. Nannas persönliches Karrierehighlight: 2019 wurde sie von der legendären Fotoagentur „Magnum“ zum nominierten Mitglied ernannt. „Auf alle Legenden zu treffen, deren Fotografie mich seit meiner Kindheit in den Bann zieht, war sehr aufregend und zugleich einschüchternd“, gibt sie zu. Sonst lässt sie sich aber von wenig beeindrucken.

Du bist schon sehr jung sehr erfolgreich, wer ist Dein Vorbild?

Meine Großmutter, die als Übersetzerin in einer reinen Männerwelt in der ganzen Sowjetunion unterwegs war. Ihre Arbeit ermöglichte es ihr, viel zu reisen, sogar bis hinter den eisernen Vorhang.

Was bedeutet für Dich überhaupt Erfolg?

Das Wort löst bei mir eher negative Assoziationen aus. In unserer Gesellschaft scheint beruflicher Erfolg den Wert eines Menschen zu definieren. Einmal wurde ich mit einem Produkt verglichen, bei dem jeder gespannt darauf wartet, was als nächstes auf den Markt kommt. Das löst viel Unbehagen und Druck aus, der sehr präsent in unserer Branche und auch in unserer Gesellschaft ist. Jemand, der sich dafür entscheidet, ein einfaches Leben zu führen, ist vielleicht sogar erfolgreicher als ein toller Manager, Künstler… Daher versuche ich, Erfolg eher mit Freiheit- und Unabhängigkeitsbestreben zu verknüpfen.

Was ist Dein Erfolgsgeheimnis?

An Geschichten zu arbeiten, die mich wirklich faszinieren.

Geduld, Hartnäckigkeit und viel Arbeit.

Welche Opfer bringst Du für Deinen Traumberuf?

Ich sehe meine Freunde und Familie viel zu selten…

Was wolltest Du werden, als Du ein Kind warst?

Seitdem ich zwölf Jahre alt war, habe ich begeistert fotografiert. Einmal reiste ich mit meiner Familie in die USA. Wir besuchten einen befreundeten Fotografen meiner Mutter. Er sah mich begeistert mit einer winzigen Kamera fotografieren und schenkte mir sein altes Objektiv. Seitdem habe ich nichts anderes mehr in Erwägung gezogen. Manchmal träume ich vielleicht davon, in einem Wanderzirkus zu jonglieren oder auf einer Farm weit in den Bergen zu leben, aber ohne die Fotografie könnte ich gerade einfach nicht leben. Raus zu gehen und zu fotografieren durchflutet meinen Körper jedes Mal erneut mit großer Euphorie, Neugierde und einer positiven Anspannung.

Sind Deine Reisen manchmal gefährlich?

Sicherlich schwebt eine Gefahr mit, wenn man als Frau alleine unterwegs ist. Gleichzeitig trifft man aber auch auf unglaublich viele Leute, die sich rührend um einen kümmern. Am meisten Respekt habe ich vor der Kälte in Sibirien, wo ich diesen Winter wieder hinmöchte.

In welche außergewöhnliche Situation bist Du auf Deinen Reisen schon geraten? 

Wir wollten mal im Winter in Sibirien am Jenissei trampen. Zwei Tage haben wir auf ein Auto gewartet. Zwischendurch wurden wir bei einer einsamen, älteren Dame im Dorf einquartiert.

Wie vereinbarst Du Beruf und Privatleben – Dein Beruf ist nicht gerade familienfreundlich…

Ich habe keine Kinder und den geduldigsten Freund auf Erden, der versteht, wie wichtig es ist, frei zu sein.

Wovon träumst Du?

Die Begeisterung für die Fotografie niemals zu verlieren. Ewige Liebe, nicht vor dem Computer sitzen zu müssen und von einem kleinen Häuschen in den Bergen.

Von Johanna Reichert

Außergewöhnlich schnell und schön

Außergewöhnliche Outfits sind sein Markenzeichen. Aber er ist auch außergewöhnlich schön. So schön, dass Papis Loveday lange als schönstes männliches Model mit dunkler Hautfarbe galt. Dabei wollte er eigentlich nie den Laufsteg erobern, sondern 400-Meter-Bahnen.

© privat

Das Leben schreibt die außergewöhnlichsten Geschichten, so wie im Fall von Loveday. Er wurde vor 42 Jahren in Dakar geboren, wuchs mit sechs Geschwistern und 19 Halbgeschwistern im Senegal auf. Als Kind hätte er sich viele Berufe vorstellen können. Einmal wollte er wie sein Vater Arzt werden, ein anderes Mal in die Fußstapfen seiner Mutter treten, die – für die damalige Zeit außergewöhnlich – nicht nur Mutter war, sondern auch Diplomatin. Aber er hätte auch gerne das Talent seiner Brüder geerbt, die gut Fußball spielten.

Loveday war zwar ein außergewöhnlicher Sportler, aber nicht am Ball. Dafür war er schnell wie der Blitz. Sein Talent verhalf ihm zu einem Sportstipendium, das ihn nach Paris führte. Auch wenn Paris als Modehauptstadt gilt, war der junge Mann aus dem Senegal noch meilenweit weg von den Catwalks dieser Welt. Vielmehr nahm er ein Informatikstudium auf, paukte den Vorlesungsstoff und arbeitete hart an seiner Ausdauer. Beides nahm Loveday ernst. „Wenn du ein Stipendium hast, wird von dir erwartet, dass du auch lieferst. Wenn du nicht lieferst, ist es vorbei.“ Er wollte keinesfalls versagen und zurück, sonst hätte er seine Familie von Paris aus nicht mehr finanziell unterstützen können. Also lernte er fleißig. Aber am Ende stolperte er nicht über eine Informatikprüfung, sondern ausgerechnet beim Training. Er verletzte sich schwer am Rücken. Von einem auf den anderen Tag war sein Traum von der Karriere als Profisportler vorbei. „Ich war am Ende meines Lebens.“

Der Tiefpunkt wurde zur Chance: Beim Training für die Leichtathletik-WM hatte ein Fotograf Aufnahmen von ihm gemacht und sie an eine Modelagentur weitergeleitet. Die waren von dem schönen jungen Mann aus dem Senegal hin und weg. Aber Loveday wollte davon erst gar nichts wissen. „Ich habe mich nie als schön empfunden“, gesteht er. So lehnte er das Angebot der Modelagentur erst einmal ab. „Als es hieß, ich könnte mit dem Geld meine Eltern unterstützen, wurde ich hellhörig und habe gefragt, was ich verdienen kann. Als ich die Summe hörte, war ich dabei.“ Und zwar sowas von dabei: Loveday startete mit Höchstgeschwindigkeit in sein neues Leben, wurde das Gesicht der weltweiten Benetton-Werbekampagne. Er fand Gefallen an seinem neuen Job, bemühte sich, schnell zu lernen und immer besser zu werden. Mit der Leidenschaft und mit dem Engagement, mit dem er damals an seiner Sportkarriere gefeilt hatte, stürzte er sich nun ins Modelbusiness – und schaffte es bis ganz nach oben.

Dennoch lief auf dem Weg hinauf in den Modelolymp nicht alles glatt. Der heute 42-Jährige erinnert sich: „Ich spreche sehr gut Französisch und Italienisch. Auf Castings tat ich so, als ob ich nichts verstehe – und bekam dadurch auch unschöne Einblicke ins Geschäft. Ein Castingdirektor fragte auf Italienisch seine Assistentin: ‚Wer hat denn diesen Schwarzen geschickt? Danach haben wir doch gar nicht gefragt.‘ Ein anderes Mal hieß es: Der ist viel zu dunkel.“ Loveday versuchte, diese Rückschläge und Vorbehalte nicht an sich ranzulassen. Und er wusste: Die Zeiten können sich auch ändern. „Prada war lange Jahre das rassistischste Label ever. Inzwischen werben sie auch mit Schwarzen, weil sie wissen, dass sie sonst viele Kunden verlieren würden.“ So liberal die Modebranche geworden ist, so intolerant werden die Deutschen – und die Hasskommentare im Netz immer mehr. „Als ich vor zehn Jahren nach Deutschland gezogen bin, erschien mir die Gesellschaft liberaler. Ich habe zunehmend mit rassistischen Anfeindungen zu tun. Ich sehne mich zurück nach einem Land ohne AfD und Rassismus.“

Und was war das größte Highlight seiner Karriere? Lovedays Antwort überrascht: „Der Jurorenstuhl bei ‚Austria’s‘ Next Topmodel. Nach meiner jahrelangen internationalen Karriere als Topmodel war es für mich ein Meilenstein, in einem fremden Land in einer fremden Sprache ein entscheidender Teil einer großen TV-Show zu sein. Damals konnte ich noch nicht so gut deutsch wie heute. Dass ich trotzdem gefragt wurde, bedeutet mir viel.“ Er machte seinen Job sogar so gut, dass er der erste Juror und Runway-Coach ist, der bei dem weltweiten TV-Format „Topmodel“ die Show in drei Ländern mitgestaltet: in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Und das als Schwarzer. Darauf bin ich sehr stolz.“

Hinter dem schönen Gesicht sitzt aber auch ein heller Kopf. Loveday ist erfolgreicher Unternehmer, er hat eine eigene Champagnermarke. Er hat es von ganz unten nach ganz oben geschafft. „Auch wenn man, wie ich, aus einfachen Verhältnissen kommt, kann man es schaffen. Es ist nicht unmöglich, wenn auch ungleich schwerer.“ Wichtig sei nur, eine Vision zu haben und sich auf den Weg zu machen, Schritt für Schritt. Auch ein 400-Meter-Lauf beginnt mit dem ersten Schritt.

Claudia Rothhammer

Mit Intuition zum Erfolg

© Georg Kofler Beim Klettern bekommt Georg Kofler den Kopf frei

Ein Südtiroler, der die deutsche Medienlandschaft maßgeblich geprägt und verändert hat, ist Dr. Georg Kofler. Er hat ProSieben aufgebaut, das Teleshopping nach Deutschland geholt und Premiere saniert. Drei Projekte, die der Reihe nach für unsinnig, unnütz und unmöglich gehalten wurden. Kofler, Anfang 60, könnte sich als Privatier zurückziehen, aber danach ist ihm noch nicht. Er ist als Unternehmer aktiv, unter anderem in der Sendung „Höhle der Löwen“, und plant das nächste große Ding: die Social Chain AG. Aber der Reihe nach.

Georg Kofler kommt aus einfachen Verhältnissen. Als Kind wollte er „Bauer mit einem großen Traktor“ werden, wie er sagt. Stattdessen studiert er Publizistik und Kommunikationswissenschaft mit dem Berufsziel Journalist. Es folgt eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier, bevor der Generalintendant des ORF auf Kofler aufmerksam wird. „Ich hatte verschiedene Artikel veröffentlicht, über die Gerd Bacher auf mich aufmerksam wurde“, sagt Kofler. Aus der Universität holt ihn Bacher ins Fernsehgeschäft. „Das war ein entscheidender Karriereschritt, weil es mein Einstieg ins operative Fernsehgeschäft war.“

Jungen, strebsamen Menschen empfiehlt er, es ihm gleichzutun: „Mache den Job, den du gerade hast, besonders gut. Das wird anderen auffallen. Und wenn es so weit ist, sei bereit für Veränderungen. Man muss auch das Risiko auf sich nehmen, den Job zu wechseln und mobil zu sein – in geistiger, aber auch in physischer Hinsicht.“ Mobil ist er. Er sei der einzige seines Jahrgangs gewesen, der sein Südtiroler Bergdorf verlassen habe, um in die Welt hinauszuziehen. „Ohne Risiko kein Gewinn“, fasst es Kofler zusammen.

Risikobereit war und ist Georg Kofler immer. Dafür stehen auch die drei großen Highlights seiner bisherigen Karriere: die Gründung von ProSieben, die Einführung von Teleshopping in Deutschland und die Sanierung von Premiere – drei Projekte, die Branchenexperten für unmöglich gehalten haben. Statt auf Berater zu hören und langwierige Analysen durchzuführen, hat Kofler einfach gemacht. „Und immer, wenn ich etwas gemacht habe, gab es diesen Chor an Zweiflern und Skeptikern, der einen innovativen Unternehmer oft begleitet. Da braucht man schon auch Entschlossenheit und Risikobereitschaft.“

Nur einmal hätte er in der Retrospektive gerne bedachter gehandelt – beim Kofler Energies Club, den er als ADAC der Energieeffizienz positionieren wollte. Doch die Verbraucher wollten das Angebot partout nicht annehmen und so musste Kofler nach nur zwei Monaten den Stecker ziehen. „Hier hätte ich mir mehr Zeit lassen sollen, um Marktforschung zu betreiben. Andererseits ist das gegen mein Temperament. Wenn ich eine Entscheidung getroffen hab, will ich mit vollem Einsatz einsteigen.“ Und: „Beim Aussteigen erfordert es für Unternehmer manchmal mehr Mut als beim Einsteigen.“

Das macht seiner Meinung nach auch einen guten Unternehmer und Chef aus: Risikobereitschaft. „Man muss schnelle Entscheidungen treffen und zuverlässig gegenüber Mitarbeitern und Geschäftspartnern sein.“ Außerdem empfiehlt er jeder Führungskraft eine Portion gute Laune. „Niemand will mit griesgrämigen Leuten zusammenarbeiten. Gerade gegenüber Mitarbeitern soll man ein gut gelaunter Chef sein.“ Seine Mitarbeiter sieht Kofler gerne als unternehmerische Partner. Darum beteiligt er sie auch häufiger an Unternehmen. „Ich pflege einen unternehmerischen Führungsstil. Das heißt, ich übertrage Mitarbeitern Verantwortung, frage aber trotzdem nach, wie es so läuft. Eine gewisse Kontrolle muss auch sein.“

Wenn er den Kopf frei bekommen will für neue Ideen, geht er klettern in Südtirol. „Richtig abschalten kann ich nur in der Natur mit möglichst viel Anstrengung. Da ist Klettern genau das Richtige.“ Im Fels ist er von Schwierigkeitsgrad 4 bis 6- unterwegs, in der Halle darf es gerne schwieriger sein.

Koflers Erfolgsgeheimnis? Sein Bauchgefühl. „Wenn ich so meine wichtigsten Firmen sehe, dann war es eher intuitiv und aus dem Bauch heraus ohne langwierige Analysen und langes, bedächtiges Abwägen.“ Jedem Unternehmensberater stellen sich dabei doch die Haare auf. „Deswegen sind die Unternehmensberater ja keine Unternehmer, sondern Berater“, sagt Kofler lachend. Entscheidungen dürfen auch intuitiv getroffen werden. „Sonst könnte ja jeder erfolgreich sein, wenn man die Zukunft genau berechnen könnte.“

Apropos Zukunft – Koflers Zukunft ist die Social Chain AG. Darin werden alle Arten von Social Media mit E-Commerce verknüpft. „Das wird mein neues ProSieben“, schwärmt Georg Kofler. Er ist siegessicher mit der Social Chain AG, aber ein kleiner Nervenkitzel ist doch dabei: „Es gibt immer die Möglichkeit des Scheiterns. Das ist ja das Spannende am Unternehmerleben, dass man nicht weiß, wie es ausgeht. Ich glaube, das Leben eines Unternehmers ist eine sehr spannende und aufregende Lebensform. Kein Tag ist wie der andere bei mir. Dafür bin ich dankbar.“

Von Renate Kerscher

Erfolgsrezept Authentizität

Credit: Privat

Über 2,4 Millionen Follower auf Instagram, weitere 1,9 Millionen auf YouTube und obendrauf noch 1,7 Millionen auf TikTok – Julia Beautx gehört zu den erfolgreichsten deutschen Influencerinnen. Mit Lifestylethemen und Charme erobert sie die Herzen ihrer Fans, die nicht nur kurzfristig reinklicken, sondern ihr auch treu bleiben: für Vlogger das höchste Gut.

Was unterscheidet Dich von anderen Influencern?
Ich würde nicht sagen, dass andere Influencer jemand anderen spielen, aber dadurch, dass ich so natürlich und manchmal auch bescheuert bleibe, wie ich eben bin und mich nicht verstelle, können mich die Leute wahrscheinlich gut verstehen und sich mit mir identifizieren.

Kannst Du begreifen, wie erfolgreich Du eigentlich bist?
Überhaupt nicht. Die Zahlen bei YouTube und Instagram, mit denen ich tagtäglich konfrontiert werde, sind gar nicht greifbar für mich. Ich stand letztens im Stadion und dort war nur ein Bruchteil der Menschen, die mir täglich auf Social Media folgen. Das ist der Wahnsinn. Aber trotzdem wunderschön!

Wie sieht ein „normaler“ Tag bei Dir aus?
Einen normalen Tag gibt es nicht wirklich, da immer etwas anderes los ist. Mal bin ich am Filmset, mal bin ich nur zu Hause und drehe Videos oder ich bin im Zug auf dem Weg zum nächsten Event. Wenn ich zu Hause oder mit YouTube-Kollegen an Content arbeite, sind es meistens schon mindestens neun bis zehn Stunden am Tag.

Hattest Du je eine absurde Situation mit einem Fan?
Während ich aus der Not heraus auf eine öffentliche Toilette gesprintet bin und fast schon in der Kabine stand, hat mir ein Mädchen mal am Ärmel gezogen und mich quasi wieder rausgerissen und nach einem Foto gefragt. Dass meine Blase das noch ausgehalten hat, war ein Wunder.

Welchen materiellen Wunsch hast Du Dir nach dem ersten großen Erfolg erfüllt? 

(…)

LESEN SIE DAS GANZE INTERVIEW IN DER PRINT AUSGABE. AB DEM 30. NOVEMBER 2019 IM HANDEL.

5 Fragen an Vreni Frost. Autorin, Sprecherin und Moderatorin.

Credit:Jules Villbrandt

Was wollten Sie als Kind werden?

Meine Berufswünsche wechselten häufig. Von der Tierärztin bis hin zur Schauspielerin war alles dabei. Heute arbeite ich in der Kreativbranche und habe mehrere Standbeine, was mir unglaublich wichtig ist und was mein Leben auch ungemein bereichert. Als Autorin sitze ich meist im stillen Kämmerlein, als Moderatorin spreche ich mit und vor vielen Leuten – diesen Gegensatz liebe ich sehr.

Wie haben sie die Idee für ihren Blog neverever.me entwickelt?

Damals war das ein reines Hobby. Ich habe zu einer Zeit mit dem Bloggen angefangen, da hätte keiner von uns im Traum je daran gedacht, was für eine riesige Influencer-Bubble sich daraus entwickelt. Neverever.me sollte ursprünglich die Nevers und Evers der Modebranche auflisten. Das war jedoch zu kurz gedacht: Ich bin überaus begeisterungsfähig und gehe sehr positiv durchs Leben – da permanent etwas zu finden, was ich nicht gut finde, war unmöglich. Heute sehe ich den Namen als Wortspiel. Neverever.me drückt aus, dass meine Persönlichkeit zwar im Netz erlebbar ist, „neverever“ jedoch mein ganzes Privatleben preisgibt.

Wie bekommen Sie all Ihre Tätigkeiten unter einen Hut?

Das ist alles eine Frage von Zeitmanagement. Ich versuche immer nur so viele Aufträge anzunehmen, dass ich alles in Ruhe schaffe. Das klappt manchmal nicht, weil so viele großartige Projekte kommen. Die meisten Leute bauschen ihren Workload wahnsinnig auf, weil es gesellschaftlich angesehen ist Überstunden zu machen und busy zu sein. Das ist Quatsch. Ich arbeite effektiv und hochkonzentriert für 4-6 Stunden, manchmal höre ich danach auf, treffe mich mit Kollegen und Kunden oder erledige einfache Aufgaben. Ich bin eine große Verfechterin der 20 Stunden Woche und sicher, dass die meisten Schreibtischjobs auch in dieser Zeit erledigt werden können. Menschen arbeiten so viel effektiver und glücklicher, wenn sie ihre Arbeitszeit ihrer inneren Uhr anpassen können und meine tickt nun mal am lautesten zwischen 5 Uhr morgens und 14 Uhr mittags. In dieser Zeit schaffe ich fast immer alles, was erledigt werden muss. Alles andere darf auch mal warten.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?

Die Wörter „Rückschlag“ oder „Scheitern“ gibt es bei mir nicht. Wenn etwas nicht beim ersten Mal gelingt, dann habe ich mich nicht gut genug vorbereitet oder ich bin einfach noch nicht so weit. Dies gilt es dann ehrlich zu beurteilen, dann kann ich mich weiterentwickeln und eine neue persönliche Strategie verfolgen.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Momentan fokussiere ich mich auf meine Arbeit als Autorin, Moderatorin und Sprecherin, nehme Schauspielunterricht und spiele Impro-Theater. Mein erstes Buch erscheint im Frühjahr 2020, es wird ein Sachbuch – mehr verrate ich noch nicht. Des Weiteren konzipiere ich meinen ersten Podcast und versuche als Sprecherin für Hörbuch, Hörspiel und Werbung Fuß zu fassen. Ich liebe es, mich alle paar Jahre neu zu erfinden und das wird wahrscheinlich mein Leben lang so bleiben.

Von Franziska Mansen

 

 

Social Media ist ein gutes Marketing Tool

– 5 Fragen an Galia Brener. Modedesignerin, Influencerin und Youtuberin.

Was wollten Sie als Kind werden?
Astronautin. Die NASA hat mich schon immer fasziniert.

Wofür steht ihre Mode-Marke „The secret pocket society“?
Wir Frauen werden ständig mit äußeren Schönheitsidealen konfrontiert und ich möchte mit meinem Label auf das Thema Body-Shaming aufmerksam machen. Wir müssen keine Size Zero sein, oder den perfekten Körper haben. Wir sollten unsere Körper so feiern wie sie sind. Die neue gbag Taschen-Kollektion ist genau deshalb eine Hommage an alle Frauen. Sie soll zeigen, wie viel Aufwand wir Frauen in unser Leben stecken. Der Name „secret pocket society“ kommt übrigens daher, dass die Taschen immer kleine Fächer integriert haben – für all unsere Geheimnisse.

Wie bekommen Sie Ihre Tätigkeiten (eigene Modemarke, Social Media und Youtube) unter einen Hut?
Ich habe zwei Jobs: Designerin und Influencerin. Da sich beides für mich wie ein Hobby anfühlt, schaffe ich es relativ leicht die Balance zu halten. Außerdem ist Social Media ein gutes Marketing-Tool für meine Designs, da ich direktes Feedback von meinen Followern bekomme. Ich nutze die Plattform gerne, um zu zeigen: es geht ganz normal – ungeschminkt und nicht perfekt. Unter dem Hashtag #ohnemakeup poste ich regelmäßig „ungeschminkte“ Stories von mir. Mein Ziel ist es sowohl mit meiner Mode, als auch mit meiner Social Media Präsenz, Frauen zu ermutigen sie selbst zu sein und sich so zu lieben wie sie sind.

Welche Tipps haben Sie für junge Nachwuchsdesigner/innen?
Vor allem: an sich selber glauben. Wenn man es nicht versucht, weiß man nie ob es nicht vielleicht geklappt hätte. Zu mir haben anfangs alle gesagt: „Mach doch lieber etwas Normales“, aber ich habe mich nicht davon abhalten lassen und jeden Tag 18 Stunden gearbeitet. In der heutigen Zeit ist es zudem wichtig, eine Instagram-Präsenz aufzubauen. Um das eigene Business bekannter zu machen und um mit den Followern direkt zu kommunizieren. Bei mir ist es zum Beispiel so, dass ich meinen Followern ein neues Design zuerst auf Instagram vorstelle. Dadurch erhalte ich dann direktes Feedback.

Was sind Ihre nächsten Ziele?
Meine Youtube-Show – „Die Galia Brener Show“ – auf einem Streaming-Portal zu platzieren. Es geht in meiner Show um das Thema Reisen und Luxus – mit einer Prise Comedy. Mit meinem Kanal möchte ich die Leute dazu animieren, auch mal über sich selbst zu lachen.

Von Franziska Mansen