Er verhilft als „Unternehmens-Gestalter“ Menschen dabei, ihr Leben in vielen bereichen ins Positive zu verändern. / Foto: © Fuat Akar

Der Gladiator des Erfolgs

Seit 15 Jahren hilft Fuat Akar anderen Unternehmern, ihre Firma erfolgreich zu führen. Er sieht sich dabei nicht als Berater, sondern
als Gestalter – und verfolgt ein antikes Ideal.

Ws bedeutet für Sie Erfolg?

Ein Leben in finanzieller Unabhängigkeit zu leben, das meinen Kindern und anderen Menschen als Vorbild dient. Ein Leben, das mir ermöglicht, mit Leichtigkeit Hilfsbedürftigen wie Waisenkindern in Äthiopien oder Flutopfern in Deutschland Hilfe zukommen zu lassen.

Wen würden Sie als Ihr Vorbild bezeichnen?

Meinen ehemaligen Chef Reinhold Würth. Und zwar, weil ich damals als jüngster Finanzleiter der Würth-Gruppe hautnah in den halbjährlichen Konferenzen erleben durfte, wie dieser Vorzeigeunternehmer denkt und handelt. Er hat innerhalb eines Lebens einen Konzern mit knapp 80.000 Mitarbeitern und mehr als elf Milliarden Euro Umsatz aufgebaut. Seine ethischen Grundsätze zu allen Partnern und sein Umgang mit Menschen war mir immer ein Leitbild. Ich habe in den zehn Jahren viel von ihm gelernt und bin sehr dankbar dafür.

Gemeinsam mit seiner ebenfalls erfolgreichen Frau Marta bildet Fuat Akar ein gutes Team. Sie sind seit 21 Jahren verheiratet. / Foto: © Ronny Barthel

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?

Ich weiß, wie Geld funktioniert. Ich habe gelernt, Unternehmen zu sanieren, aufzubauen, Teams zu motivieren und zu führen. Daneben sehe ich mich als mutig an: Immer bereit zu sein, zu wachsen und neue Wege zu gehen. Darüber hinaus ist mir Ehrlichkeit wichtig: Unsere Kunden und Dienstleister wissen, dass man mit mir am Telefon Verträge abschließen kann.

Was bedeutet Unglück für Sie?

Unglück gibt es nicht. Alles passiert aus einem Grund. Es sind Lektionen des Lebens. Sie fallen dir so oft auf die Füße, bis du es verstanden hast und bereit bist für den nächsten Wachstumsschritt.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?

Dasselbe, was ich unseren 14 und 16 Jahre alten Kindern rate: Umgib dich auch mit Menschen, die schon dort sind, wo du hinwillst. Suche dir Mentoren, die Abkürzungen zeigen. Lerne, wie Geld für dich arbeitet. Wenn du anfangs für jemanden arbeitest, dann nie primär des Geldes wegen, sondern, um Erfahrung zu sammeln für den Weg zu deinen Zielen. Vergeude möglichst keine Zeit mit Tätigkeiten, die dich nicht deinen Lebenszielen näherbringen.

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?

Ich habe schon sehr früh in meiner Selbstständigkeit konsequent eine Vier-Tage-Woche geführt. Freitag war Frei-Tag. Im weiteren Verlauf haben wir, meine Frau und ich, unsere Strategie weiter umgesetzt. Es war Teil unseres privaten Plans, durch Digitalisierung unserer Unternehmensberatung und Investments an der Börse sowie Immobilien nicht abhängig zu sein vom fatalen Prinzip „Zeit gegen Geld“.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?

Als Allererstes meine Eltern. Sie haben als Christen aufgrund religiöser Benachteiligung die Türkei verlassen und sind, als ich zwei Monate alt war, mit einer Tasche in der Hand nach Deutschland ausgewandert. Sie haben mir beigebracht, dass Ehrlichkeit, Mut und Fleiß sich immer auszahlen. Schon früh hat sich mein Vater selbstständig gemacht und Risiken übernommen. Ich konnte bereits als Kind viel von ihm lernen. Er war mein erster und wichtigster Mentor. Später im Leben buchte ich dann viele weitere Mentoren, und zwar in den verschiedensten Sparten, im Verkauf, bei Investments, an der Börse und so weiter.

Fuat Akar (2. v. l.) mit seinen zwei Kinden und seiner Frau Marta (r.). / Foto: privat

Was ist heute Ihr Antrieb, jeden Tag weiterzumachen?

Meiner Frau Marta und mir geht es nicht ums Geld. Wir könnten von unseren Laptops aus an der Börse handeln und weiter in Immobilien oder Unternehmen investieren. Die Menschen, die wir begleiten und deren Leben sich in vielen Bereichen ins Positive verändert, sind der Grund, warum wir tun, was wir tun. Ich habe dazu ein Bild in meinem Kopf: Menschen in die finanzielle Freiheit zu begleiten, ist wie in der Antike als Gladiator Sklaven aus der Gefangenschaft zu befreien.

Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau, sagt der Volksmund. Trifft das bei Ihnen zu?

Zu 100 Prozent! In meinem Fall ist meine Frau nicht nur stark, sondern selbst erfolgreich, und darauf bin ich sehr stolz. Ohne meine Frau wäre ich nicht da, wo ich heute stehe. Und sie wäre ohne mich nicht da, wo sie heute steht, sondern vermutlich noch viel weiter … Niemand kennt mich so gut wie sie. Sie hört, was ich denke. Aber um das
zu beherrschen, hatte sie auch viel Zeit – wir sind seit 21 Jahren verheiratet.

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?

Wir haben schon immer soziales Engagement gelebt. So haben wir es von unseren Eltern vorgelebt bekommen. Obwohl sie wenig hatten, haben sie immer über Kirchen oder sonstige Organisationen Bedürftigen Spenden zukommen lassen. Dieses Jahr haben wir den Bau eines Waisenhauses in Äthiopien gefördert und 50 Prozent der Baukosten gespendet. Das war Martas Projekt und Herzenswunsch. Wir haben 40.000 Euro gespendet und den Bau ermöglicht. Zusätzlich haben wir in unserem Netzwerk mit weiteren erfolgreichen Menschen das Projekt vorgestellt und weitere 20.000 Euro eingesammelt. Dieses Projekt rettet Menschenleben.

 

Das ganze Interview können Sie ebenfalls in der Printausgabe von “Secrets of Success” nachlesen.

 

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Einer seiner größten Antriebe sei es, anderen Menschen mit seinem Tun eine Freude zu bereiten. Seinen Mitarbeitern will er ein stabiles Umfeld bieten. / Foto: © STEINERfood

„Du musst für die Sachen brennen.“

Matthias Steiner ist ein Bilderbuchsportler – Olympiasieger, Welt- und Europameister im Gewichtheben, Sportler des Jahres 2008 und ausgezeichnet für hervorragende Leistungen im Sport mit dem staatlichen Ehrenzeichen des Silbernen Lorbeerblatts. Heute hat er sich als Lebensmittelunternehmer etabliert, hält zudem Vorträge und schreibt Bücher über Ernährung..
So bemerkenswert all dies ist, die Geschichte dahinter ist es noch viel mehr. Ein unbändiger Wille, viel Geduld und das Talent, die Dinge zu akzeptieren, die er nicht selbst ändern kann, haben den 39-jährigen Leistungssportler und Unternehmer zu der eindrucksvollen Persönlichkeit gemacht, mit der wir uns heute austauschen dürfen.

Nicht immer geht alles nach Plan. Matthias Steiners Lebensgeschichte ist von vielen Rückschlägen geprägt. Sein Trainer, der ihm so nah wie ein zweiter Vater ist, stirbt nach schwerer Krankheit, als Matthias gerade einmal 17 Jahre alt ist. Wenig später stellen die Ärzte bei ihm Diabetes Typ 1 fest, der sich bei ihm nach einem verschleppten Virusinfekt entwickelt. Diese Autoimmunerkrankung legt ihm nicht nur privat, sondern auch seiner Karriere Steine in den Weg. Nicht nur empfehlen ihm die Ärzte, mit dem Gewichtheben aufzuhören. Die Diagnose verwehrt dem Österreicher überdies die Förderung, die er benötigt, um als Sportler wirklich erfolgreich zu werden. Beim Bundesheer und später als Deutscher bei der Bundeswehr, wird er als „untauglich“ ausgemustert.

Matthias Steiner denkt stattdessen: „Jetzt erst recht.“

Der gebürtige Wiener beantragt 2005 die deutsche Staatsbürgerschaft. Drei lange Jahre muss er darauf warten, lebt und trainiert bereits in Deutschland, darf aber an keinem internationalen Wettkampf teilnehmen, obwohl er leistungsmäßig in den Medaillenrängen gewesen wäre. Die deutsche Einbürgerung führt zum Wendepunkt seiner Karriere. Schon ein halbes Jahr später gewinnt er 2008 bei Olympia in Peking Gold – ein unermesslicher Sieg: Er hebt sage und schreibe 258 Kilogramm für diesen Erfolg, ein Wagnis, mit dem er seine persönliche Bestleistung übertrifft. Der gelernte Installateur wird als Sportler des Jahres ausgezeichnet und erhält die Ehrenauszeichnung des Silbernen Lorbeerblatts. Für ihn ist klar, wie er dies erreichen konnte. Sein Antrieb begründet sich in dem tief verankerten Wunsch, es zu schaffen. Er brennt für die Sache. Nur so, sagt er, kann man seine selbst gesetzten Ziele erreichen.

Erfolg bedeutet für Matthias Steiner, die Dinge umzusetzen, die man sich vorgenommen hat, gleich welcher Dimension.

Der Sieg bei den Olympischen Spielen ist das Highlight seiner Karriere, aber für ihn überdies ein persönlicher Meilenstein.

Als Steiner mit der Vorbereitung beginnt, lebt seine erste Frau Susann noch, die ihn immer unterstützte und den Rücken freihielt, und die mit ihm diesen Weg begann. In einem unverschuldeten Autounfall kommt sie ums Leben. Trotz dieses enormen Verlusts trainiert Steiner weiter. Der Sieg schließlich erlaubt ihm, seine Wut und Trauer in Energie umzuwandeln – und Abschied zu nehmen.

Die Bilder in Peking zeugen von starken Emotionen: Steiner hält nicht nur die Goldmedaille, sondern auch ein Foto seiner verstorbenen Frau in die Kameras. Seine Schicksalsgeschichte und wieviel Kraft es kostete, so viele Hürden zu überwinden, sind ihm ins Gesicht geschrieben.

Große Erfolge sind zu großen Teilen der eigenen Persönlichkeit zu verdanken.

Wie wir mit Schwierigkeiten umgehen, ist ausschlaggebend für unser Leben. Gebe ich auf oder sage ich „Jetzt erst recht“? Eltern, Trainer, geliebte Menschen prägen uns alle und so auch Matthias Steiners Lebensweg. Steiner weiß, dass die Persönlichkeitsentwicklung verantwortlich für die Leistungsentwicklung ist. Er fügt hinzu: Im Sport sei es leichter als in der Wirtschaft, einen vertrauenswürdigen Mentor zu finden, weil es nicht einfach um den eigenen Vorteil, sondern überwiegend um das gemeinsame Ziel geht.

Sein erster Trainer Walter Legel, selbst Gewichtheber, verankert in ihm seine Zielstrebigkeit. Peter Lauterer begleitet ihn später viele Jahre als Trainer, sogar ehrenamtlich. Er führt ihn an die Weltspitze und prägt Steiners optimistische, widerstandsfähige Persönlichkeit maßgeblich.

Das Talent, die Dinge zu akzeptieren, die er nicht ändern kann, und sich voll und ganz für solche einzusetzen, die in seiner Hand liegen, führen ihn zum Erfolg und geben ihm die nötige Energie, immer wieder neue Wege zu beschreiten. Und um die vorausgegangenen Erfolge sinnbringend zu nutzen. Denn „die Dinge umzusetzen, die man sich vorgenommen hat, gleich welcher Dimension,“ ist seine Definition von Erfolg. Diese Selbstbestimmtheit spornt Steiner an, ebenso wie die vorhergegangenen Erfolge. Olympiasieger, Weltmeister- und Europameister wollte er werden. Dies hat er geschafft, daher beendet er 2013 seine Profisportkarriere, um sich neue Ziele fernab des Leistungssports zu setzen.

„Die Titel im Sport motivieren mich immer weiter.“

Mit seiner zweiten Frau, der Journalistin und N24-Moderatorin Inge Steiner geborene Posmyk macht er sich selbständig gibt zunächst sein Wissen zu Motivation, Diabetes und Ernährung in Vorträgen weiter. 45 Kilogramm nimmt er ab und tanzt sich 2015 – fast wie nebenbei – ins Finale der TV-Show „Let´s Dance“. Der Auftritt ist von Leichtigkeit und Lebensfreude geprägt. So ist es kein Zufall, dass er klar sagt:

„Wer erfolgreich sein will, muss mit Freude bei der Sache sein.“

Erfolgreiche Menschen brennen für ihre Arbeit, ihr Unternehmen, ihr Projekt. Dieses Fakt und der Wunsch, etwas Sinnbringendes zu tun, führen ihn zu seinem logischen nächsten Schritt. Sein Buch „Das Steiner Prinzip“ wird 2015 rasch zum Bestseller, gefolgt von seinem zweiten Buch, dem „12-Wochen-Plan“. Parallel zu seiner Autorentätigkeit entwickelt er Low-Carb-Lebensmittel. Nicht nur wollte er schon als Kind Koch werden. Er sieht das auch pragmatisch, frei nach dem Motto: Wenn der einseitige Lebensmittelmarkt keine wohlschmeckende Lösung zum Abnehmen zu bieten hat, entwickelt er eben sein eigenes kohlenhydratarmes Brot. So entstand mit seinem Freund, einem Bäckermeister, eine proteinreiche Variante, die er nun über seine 2020 gegründete STEINERfood GmbH vertreibt.

Seine Arbeit als Lebensmittelunternehmer sei in gewisser Weise gar nicht so anders als die eines Leistungssportlers. „Du fängst klein an und steckst all deine Energie rein und nach und nach stellen sich die Erfolge ein,“ fasst er diesen Tatbestand zusammen. À propos Energie. Woher nimmt er all diese Energie?

Nach wie vor findet der ehemalige Leistungssportler Ausgleich in der Bewegung, sei es beim Radfahren, Gewichtheben oder Bergwandern. Matthias Steiner liebt es aber auch, einfach Zeit in seinem Garten zu verbringen und seine Bienen gedeihen zu sehen. Bei allem Erfolg ist er bescheiden und bodenständig geblieben. Er schöpft Freude aus den einfachen Dingen wie fließendem Wasser und einem ruhigen Zuhause. Matthias Steiner weiß eben, wie man sich aufs Wesentliche konzentriert – ein unverzichtbares Talent für erfolgreiche Menschen.

 

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„Ich musste meine geliebte Sportart früher aufgeben, weil ich mich verbrannt habe“

Sven Hannawald strebt heute nicht mehr nach sportlichem Erfolg, sondern vor allem nach einem Leben in Balance. / Foto: HONKPHOTO

2002 schrieb Sven Hannawald Sportgeschichte. Er war der erste, der alle vier Skispringen der Vierschanzentournee gewinnen konnte. Ein Erfolg, der ein Leben verändern kann. Auch das Leben von Sven Hannawald sollte sich ändern. Allerdings nicht wegen der zahlreichen sportlichen Erfolge bei Olympischen Spielen und diversen Weltmeisterschaften. Das, was sein Leben zwangsläufig verändert hat kam 2004.

Hannawald durchlebte ein Burnout und brauchte Jahre, um dahin zu kommen, wo er jetzt ist. Ein Leben in Balance. „Ich habe viel zu spät erkannt, dass ich nicht 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche an Skispringen denken muss. Ich hätte auch etwas von dem, was ich reingesteckt habe, weglassen können und es hätte meine Leistung sicherlich nicht wesentlich beeinträchtigt. Aber damals habe ich geglaubt – je mehr ich mache, desto besser werde ich. Das war der Weg, den ich mir vorgenommen hatte. Und am Ende hat er mir zwei Seiten aufgezeigt: Den Erfolg, den ich damit errungen habe aber auch meinen Körper, den ich damit kaputt gemacht hatte.“

Die Sehnsucht ist immer mal wieder da, Große Olympiaschanze / Foto: privat

Hannawald begann mit 7 Jahren das Skispringen. Das Erzgebirge ist eine Wintersportregion. Hier regierte damals nicht der Fußball. Als er das erste Mal ein Skispringen im Fernsehen sah, war es für ihn ein Match. Es war die Faszination, mit zwei Skiern durch die Luft zu fliegen. Schon gleich zu Beginn merkte er auch, dass er ein gewisses Mehrtalent als andere hatte. Es fiel ihm leicht, weit zu springen. „Erfolg hieß für mich schon damals, so weit zu springen, wie es mir möglich ist. Dabei war es mir egal, wenn ich dann mal gestürzt bin und nur fünfter wurde. Für mich war es dennoch ein Erfolg, weil ich das erreicht hatte, was ich mir persönlich vorgenommen hatte.“ Sven Hannawald sagt von sich selbst, dass er so gestrickt sei. Es war von Anfang an das innere Gefühl, das ihn über Jahre gleitet hat, was er zu tun und zu lassen hat. Und er gibt zu, dass dieses Gefühl ihn auch in die Sackgasse geführt hat.

Hannawald 2002 bei der Vierschanzentournee mit Zugspitze im Hintergrund. / Foto: Thomas Kohl

„Alles, was ich anfange, möchte ich auch so professionell und perfekt wie möglich machen. Ich war als Kind schon so. Es gab für mich nichts anderes. Deshalb bin ich auch die extremen Wege gegangen. Ich kann es nicht nachvollziehen, nur Spaß bei der Sache zu haben. Mit 12 Jahren bin ich von zu Hause weg und auf die Kinder- und Jugendsportschule gegangen. Ich hatte Heimweh, mir haben meine Eltern gefehlt. Aber mir war das Skispringen wichtiger. Deswegen war es für mich auch ok, den härteren Weg zu gehen. Wenn ich gesprungen bin, dann war das mein Leben. Ich habe gelernt, früh zu akzeptieren, dass es auch Punkte für den Erfolg gibt, die weh tun.“

Der Startschuss für die großen Erfolge fiel in der Saison 1997/98.
2. Bei der Vierschanzentournee. Silber bei der Skiflug-WM in Oberstdorf und im Mannschaftsspringen bei den Olympischen Spielen in Nagano 1998. Auch bei der nordischen Ski-WM 1999 in Ramsau gewann er im Einzelwettbewerb von der Großschanze Silber hinter Martin Schmitt. Beim Mannschaftsspringen von der Großschanze gab es dann die Gold Medaille.

Erstmals Skiflugweltmeister wurde er 2000 im norwegischen Vikersund.
Die Saison 2001/02 sollte dann die erfolgreichste in seiner Karriere werden. Hannawald gewann als erster Skispringer alle vier Teilwettbewerbe der Vierschanzentournee in einer Saison. „Natürlich waren das auch

Sven Hannawald feiert nach seinem letzten Sprung bei der ersten Station des Vierschanzen-Skisprungturniers im süddeutschen Oberstdorf 2001 den ersten Wettbewerb in Oberstdorf. / Foto: Christof Stache

die wichtigsten Punkte meiner Karriere. Es waren die Momente, die man auch genießen kann, ganz oben zu stehen.“ Gleichzeitig gab ihm dieser Erfolg auch wieder den Glauben an sein Tun zurück. „Diese Momente nehmen einem auch jeden Zweifel. Denn dann sieht man auch den Weg, den man bis dahin gemacht hat.

Du darfst den Glauben nie verlieren. Die Tournee zu gewinnen, war so ein Moment. Ein Glaube, an den ich mich seit Kindheit an – über fast zwei Jahrzehnte – geklammert hatte.“
Doch diese Leistung und der damit verbundene Druck kostete enorm viel Energie. Hannawald trainierte noch intensiver – sowohl psychisch als auch physisch. Und so trug diese Leistung sicherlich auch etwas zu seinem Burnout bei.

Burnout – Es ist ein schleichender Prozess. Man nimmt vielleicht kleine Veränderungen bei sich wahr aber man denkt nicht weiter darüber nach und unternimmt auch nichts, um es zu ändern. Hannawald weiß, dass es von einem selbst kommen muss. „Mit meinem Perfektionismus und meinem Ehrgeiz bin ich einfach schwer zu stoppen. Deshalb habe ich auch viel zu spät auf die Zeichen reagiert. Als es mir ganz schlecht ging, half auch kein zweiwöchiger Urlaub mehr. Es waren einfach zu tiefe Risse, die ich mir selbst zugefügt hatte.“

Weil er den Adrinalinpush braucht, kam nach dem Skispringen der Radrennsport. / Foto: privat

Nach der Diagnose Burnout folgten mehrere Wochen Klinikaufenthalt. Am Ende stand dann der sportliche Abgang 2005. „Ich musste meine geliebte Sportart früher aufgeben, weil ich mich verbrannt hatte. Ich musste erst einmal lernen, damit umzugehen – das zu akzeptieren. Vor allem, weil der Kopf schneller frisch ist als der Körper. Gedanklich hatte ich mich schon wieder mit dem Skispringen beschäftigt. Aber der Körper wollte noch nicht mehr.“
Die sportlichen Erfolge haben Hannawald zwar einerseits seinen Traum vom Fliegen genommen aber anderseits auch gezeigt, wie man im Leben landet. Diesen „Sprung“ hat er auch in seiner Biografie „Mein Leben – mein Absturz – meine Landung im Leben“ beschrieben. Ihm ist es wichtig, seine Erfahrungen weiterzugeben.
2016 gründete er mit Sven Ehricht zusammen eine Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt „Corporate Health und Sportlervermarktung. In Workshops und Seminaren berichtet Hannawald über seine Erfahrungen und gibt Tipps für Stressmanagement und nachhaltige Burnout-Prävention.

Gerade in der heutigen Zeit, in der alles so schnell gehen muss, ist es wichtig, auf sich zu achten. „Das Dauergeziehe an einem macht uns krank – doch das muss man erst einmal lernen.“ Hannawald betont, dass er in den Seminaren seine Erfahrung nur als Beispiel aufführen und keine Vorschriften machen kann. „Allerdings wissen die Seminarteilnehmer, was ich gemacht und erreicht habe und dass die Erfolge nicht durch frühes Schlafengehen gekommen sind. Es ist egal, welchen Beruf man hat. Es gilt immer das Gleiche: Man muss auf seine persönlichen Pausen achten. Natürlich kann ich niemandem vorschreiben, wann er Pausen zu machen hat, denn am Ende muss die Arbeit immer erledigt werden. Vor allem, wenn man Erfolg haben möchte. Aber es muss die Balance stimmen.“
Hannawald hat gelernt, auf sich zu achten, auf seinen Körper zu hören und eine gewisse Balance im Leben zu finden. Ruhe und Entspannung findet der heute 46-jährige bei seiner Familie.

„Der Sport hat so lange, so viel Platz in meinem Leben eingenommen. Nach dem Skispringen, kam der Rennsport, weil ich den Adrinalinpush gebraucht hatte. Damals hatte ich keine Zeit für eine Familie. Ich war jemand, der sich nicht hätte binden können. In einem Interview habe ich mal gesagt, dass Familie erst kommt, wenn ich ganz aufgehört habe. Jetzt

bin ich soweit, dass ich gelernt habe, mit der neuen Familie den beruflichen Weg zu integrieren. Ich versuche jeden Tag, das bestmöglich zu managen.“

Sven Hannawald ist schon lange wieder im Leben angekommen. Er hat große sportliche Erfolge feiern können, er hat erfahren müssen, wie es ist, wenn der Perfektionismus und Ehrgeiz nach seinem persönlichen Erfolg einen krank machen kann und er hat den größten Erfolg feiern können, in dem er daraus gelernt hat. „Ich habe gelernt, meiner Stimme wieder zu vertrauen und meinen Weg zu gehen. Aber mit Bedacht. Weil es am Ende auch mein Lebensweg ist.“

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„Jeder sollte versuchen, das Beste zu geben“

 

Peter Merck Geschäftsführer Golf Lounge Hamburg Billwerder / Kommunikationstalent trifft Organisationsfreude: Peter Merck wollte schon als Kind die Olympischen Spiele planen. Heute betreibt er die „Golf Lounge” – Ein Ort, der neben Golf-Trainingsanlage auch EventLocation ist. / Foto: Golf Lounge

In Hamburg betreibt Peter Merck das Golf Lounge Resort. Uns hat der 54-Jährige erzählt, wie seine Begeisterung für Sport ihn antreibt und was die lila Kuh damit zu hat.

Was war ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Ich wollte schon als Kind die Olmypischen Spiele organisieren. Da kam damals schon meine Leidenschaft für Organisation und für den Sport durch. Als ich mein Wirtschaftsstudium abgeschlossen hatte, wollte ich diesen Strang wieder aufnehmen. Ich habe mich gefragt: Welche Sportarten sind in Deutschland ausbaufähig? Am Anfang bin ich natürlich über Fußball gestolpert, aber da hat keiner auf mich gewartet. Also habe ich weiter geguckt und bin beim Golf gelandet. Das war eine analytische Abwägung, nichts Emotionales.

Woher hat man als Kind den Traum, eine Olympiade zu organisieren?
Ich habe einfach immer Spaß am Organisieren gehabt. Bei einem Kindergeburtstag hatte sich mal jemand die lila Kuh von Milka gewünscht. Alle anderen haben natürlich Schokolade geschenkt. Ich bin zum Bauern um die Ecke gegangen und habe gefragt, ob ich eine Kuh ausleihen und sie als lila Milka Kuh präsentieren kann.

Heute managen Sie Ihr eigenes Golf-Unternehmen. Ihre Golf Lounge in Hamburg zieht gerade an einen neuen Standort. Bisher war es eine dreistöckige Driving Range, Ihr neues Golf Lounge Resort hat einen richtigen Golfplatz. Ein großer Schritt?
Kommt drauf an, wie man es sieht. Die alte Golf Lounge wurde als innerstädtische Trainingsanlage gebaut, für Golfer und Leute, die Golfen lernen wollen. Wir haben aber relativ schnell gemerkt, dass wir auch eine tolle Event-Location sind, mit der wir Unternehmen eine Plattform für Gespräche oder Weiterbildungen bieten können. Im Grunde genommen machen wir jetzt das Gleiche, bloß in groß: Wir bieten wieder Golf an und lassen im Umfeld sehr viele Events laufen.

Ihre Kunden können also auf gewisse Art bei ihnen in den Tag rein leben. Das ja auch Ihre persönliche Definition von Glück, oder?
Ja. Ich schöpfe meine Kraft aus der Natur und den Momenten, die ich in ihr verbringe, egal ob auf dem Land, auf dem Wasser oder in den Bergen.

Dabei hat man als Unternehmer gerade dafür eher wenig Zeit. Wie kriegen Sie Wunsch und Wirklichkeit unter einen Hut?
Ich bin auf der einen Seite sehr ehrgeizig und ungeduldig, weil ich meine Projekte durchbekommen möchte. Andererseits habe ich eine Familie, die mich auffordert, mir Freiräume zu nehmen und am Familienleben teilzunehmen.

Welche weiteren Eigenschaften zeichnen Sie aus?
Mich zeichnet aus, dass ich neugierig bin, dass ich Dinge von unterschiedlichen Blickwinkeln angucke. Ich versuche, immer über den Tellerrand zu schauen. Und es ist für mich wichtig, klare Entscheidungen zu treffen und dafür im Zweifel auch meinen Kopf hinzuhalten.

Dürfen Ihre Mitarbeiter Sie kritisieren?
Absolut! Natürlich ist für mich im Unternehmen Loyalität ist wichtig. Aber ich schätze eine offene Kultur, in der mein Team klar artikuliert, was ihm gefällt und was nicht. Bevor wir große, weitreichende Entscheidungen treffen, versuche ich, jedem zuhören und abzuwägen.

War es für Sie eine Option, beruflich bei dem von Ihren Vorfahren gegründeten Chemie- und Pharma-Konzern Merck einzusteigen?
Nein. Ich fände es nicht klug, die eigene Familie in irgendwelche Positionen zu protegieren. Es ist viel sinnvoller, sich zurückzunehmen und ein operatives Management marschieren zu lassen. Man muss auch überlegen, wo man seine Stärken hat. Ich bin nicht der geborene Analytiker. Ich bin eher jemand, der Menschen zusammenführt und der auf der Ebene der Kommunikation viel bewegen kann.

Gibt es ein Familien-Credo, das Sie leben?
Für mich ist es wichtig, dass wir über die Familie schon im Kindesalter versuchen, Werte zu vermitteln. Dazu gehört ua. Respekt, Toleranz, Verantwortung und eine gewisse Gelassenheit. Das sind Dinge, die nicht von heute auf morgen kommen. Das ist ein langer Prozess. Ich versuche meinen Kindern zu erklären, dass wir eine Vorbildfunktion haben und dass man diese nicht erst als Erwachsener übernimmt, sondern dass das schon in den Kinderschuhen anfängt. Jeder sollte versuchen, sein Bestes zu geben.

Sie engagieren sich auch ehrenamtlich. Wie bringen Sie sich wo ein?

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„Die beste Motivation ist Emotion“

Er möchte kommende Generationen für das Thema Wirtschaft und Finanzen interessieren: Manuel Heyden. / Foto: nextmarkets

Für Finanzen und die Börse begeistert sich Manuel Heyden schon seit seiner Jugend, 2014 gründete er mit seinem Bruder Dominic den Online-Broker nextmarkets.com. Die gemeinsame Leidenschaft ist ein Grundpfeiler ihres Erfolgs

Haben Sie ein Vorbild?
Ja, Bill Gates. Zum einen, weil er mit Microsoft eine unglaubliche Gründungsleistung erbracht hat, die bis heute die Welt bestimmt. Zum anderen, weil er an seinen Zielen festgehalten hat, auch wenn er damit nicht den Konventionen entsprach. Ich denke zum Beispiel daran, dass er bereits mit 14 Jahren mit Traf-O-Data sein erstes Start-Up mit einem System zur Messung von Verkehrsströmen gründete. Auch, dass er sein Harvard-Studium abgebrochen hat, um seine Gründungsidee voranzubringen, zeugt von großer Überzeugung und großem Willen, an dem ich mir ein Beispiel nehme.

Was waren bisher die wichtigsten Schritte in Ihrer eigenen Karriere?
In meiner Gymnasialzeit begann ich mich für Finanzen und die Börse zu interessieren. Im Unterricht kamen diese Themen zwar so gut wie nicht vor, aber der Geist der New Economy erfasste mich trotzdem. Um meine ersten Ideen umzusetzen, gründete ich deshalb mit 19 mein erstes Start-Up für Online-Marketing. Die ersten Erfahrungen in der Selbstständigkeit waren für mich Gold wert. Genauso wie die zwei Jahre bei der ABN AMRO Bank, bei der ich in Frankfurt und London einen Online-Broker mit aufbaute. Mit diesem Background gründete ich 2014 das FinTech nextmarkets mit meinem Bruder Dominic, der als Ingenieur den Grundstein für die Technologie gelegt hat. Die Vision, den aktienbasierten Vermögensaufbau für eine breitere Bevölkerung zugänglich zu machen, treibt uns bis heute an.

Manuel Heyden (r.) gemeinsam mit Bruder Dominic (l.). Die Geschwister mischen mit „nextmarkets” die Trading-Branche auf. / Foto: nextmarkets

Wie schaffen Sie es dabei, sich selbst immer wieder neu zu motivieren?
Die beste Motivation ist Emotion. Meine persönliche Leidenschaft für FinTech-Innovation bringt mich dazu, immer weiter an der Verbesserung von nextmarkets zu arbeiten. Im Zusammenspiel von Finanzen und Technologie steckt viel Synergiepotential, was darauf wartet, entdeckt zu werden. Hinzu kommt, dass ich mit meinem Handeln etwas bewirken möchte, das über den persönlichen Nutzen hinausgeht und der Gemeinschaft insgesamt Vorteile bringt.

Welche Ziele setzen Sie sich für die Zukunft?
Mit Nextmarkets haben wir wichtige Zwischenziele erreicht. Dazu zählt, dass die Plattform weiter stark wächst und 2020 über eine Million Trades abgewickelt hat. Für die Zukunft steht die Expansion unseres Unternehmens in sechs weiteren europäischen Märkten an, wofür wir insgesamt 30 Millionen Euro an Investorengeldern sammeln konnten. Außerdem möchte ich eine Stiftung ins Leben rufen, die vor allem jungen Menschen das Thema „Finanzen“ näher bringt. Vieles von dem, was auf der Welt geschieht, hat wirtschaftliche Hintergründe, auch der Klimawandel. Daher ist es eine wichtige Aufgabe, kommende Generation für das Thema Wirtschaft und Finanzen zu interessieren.

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Vegane Sneaker

Sie stehen mit ihrer Marke „Monaco Ducks“ für Nachhaltigkeit, Fairness und Slow Fashion: Gründer Julian Hermsdorf (r.) und Carl Warkentin. / Foto: Monaco Ducks

Monaco Ducks ist das erste klimaneutrale Designer Sneaker Label. Bei der Herstellung der handgefertigten Schuhe kommen Materialien wie Loden, nachhaltiges und zertifiziertes Leder oder eine vegane Lederalternative zum Einsatz. Den beiden Gründern Julian Hermsdorf und Carl Warkentin geht es darum, dass man Design, Lifestyle und Qualität ohne schlechtes Gewissen erleben kann.

Wie ist die Idee entstanden?
Wir haben die Idee im Studium gegründet, sind aber erst mal beide beruflich andere Wege eingeschlagen. Es hat als Hobby begonnen. Wir waren auf der Suche nach nachhaltig und fair produzierten Produkten, zu einem fairen Preis und mit einem hohen Anspruch an Qualität, Komfort und Design. Paradoxerweise gab es das nicht auf dem Markt, daher haben wir es selbst produziert.

Ist bisher alles gelaufen, wie geplant?
Wir sind seit 2017 auf dem Markt. Nicht nur in den letzten zwei Jahren mit Covid 19, sondern generell läuft es im Startup nie wie geplant. Aber das macht uns aus, wir kommen nicht aus der Modeindustrie und gehen Dinge anders an als etablierte Marken.

Wie hoch war zu Beginn das persönliche Risiko?
Sehr hoch. Die ersten Jahre haben wir eigenes Geld investiert und ohne Gehalt gearbeitet.

Die Gründer sind sich einig: Man kann nur langfristig wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn man sich dem neuen Wertesystem anpasst. / Foto: Monaco Ducks

Was ist eure Vision?
Wir stehen für echte Nachhaltigkeit, Fairness, Slow Fashion ohne Kompromisse im Design, Lifestyle oder Qualität zu machen. Wir möchten hier weiter als Vorbild vorangehen.

Wie schwierig ist es, dafür die richtigen Investoren zu finden?
Geld am Markt gibt es genug. Uns ist wichtig, dass die Investoren zu uns passen und unsere Vision unterstützen. Im besten Fall gibt es auch einen strategischen Fit und der neue Partner kann uns auch inhaltlich voranbringen.

Warum lohnt es sich in Monaco Ducks zu investieren?
Wir sind first-mover im wachsenden Nachhaltigkeitsmarkt. Und wir gehen in Sachen Nachhaltigkeit und Innovation immer einen Schritt weiter als andere es kommunizieren. Wir sind davon überzeugt, dass der Return on Invest so für die Investoren, Mitarbeiter, Kunden, Umwelt und Gesellschaft gleichermaßen vorhanden ist.

Monaco Ducks” schafft nachhaltige Sneaker-Mode, ohne Kompromisse im Design oder der Qualität zu machen. / Foto: Monaco Ducks

Mit welchen Kleinigkeiten kann man die Welt besser machen?
Da gibt es viele! Wichtig ist es, sich zu informieren. Nachhaltigkeit ist zwar inzwischen als Thema in der Gesellschaft angekommen. Doch das kommuniziert auch jedes Unternehmen heutzutage. Für den Konsumenten ist es schwer, sich ein Bild davon zu machen, was wirklich nachhaltig ist und was nicht. Wenn Fast Fashion Unternehmen recycelte Mode anbieten, sollte man hinterfragen, wie viel davon wirklich recycelt ist und ob Fast Fashion überhaupt nachhaltig sein kann. So ist auch ein veganer Sneaker nicht automatisch nachhaltig. Am einfachsten und vielleicht wichtigsten ist jedoch, den Konsum einfach einzuschränken.

Was muss sich noch ändern, um die Umwelt zu retten?
Unserer Auffassung nach muss v.a. die Wirtschaft eine Vorbildfunktion einnehmen. Es kann kein Wert mehr darin liegen, immer schneller und weiter zu wachsen. Alle Stakeholder, egal ob Gesellschaft, Gesellschafter, Umwelt, Kunden oder Mitarbeiter werden das künftig nicht mehr schätzen. Das Wertesystem ändert sich. Wir glauben, man kann langfristig nur wirtschaftlich erfolgreich sein, wenn man sich dem neuen Wertesystem anpasst. Neue Startup Unternehmen tun sich damit sicherlich leichter als große, etablierte Unternehmen.

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„Man kann nicht immer und überall Vollgas geben“

Karsten Schramm ist Erfinder des E-Mail-Dienstes GMX und Mitgründer der sicheren und vertraulichen Kommunikationsplattform ginlo. Das Projekt baut er seit 2020 auf und gründete die ginlo.net GmbH. / Foto: privat

Er ist der Mann, der an seinen Rechner einen der berühmtesten Internet-Dienste unseres Landes programmierte: Karsten Schramm gründete 1997 GMX – und läutete so ein neues Kommunikationszeitalter ein. Jetzt will ausgerechnet er E-Mails überflüssig machen…

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Wenn mir etwas gelingt, von dem ich persönlich überzeugt bin – erst recht, wenn Kritiker der Sache keine Chance gaben.

Wie startet man ein Unternehmen wie GMX?
Man muss es einfach tun. Ich habe nicht lange geprüft, ob ich mir da zu viel vornehme, sondern meinen Rechner angeworfen und den Dienst programmiert. Mein Vorteil war, dass ich bereits Miteigentümer einer Münchner Internet-Firma war. Somit stand mir die notwendige Infrastruktur zur Verfügung.

Wie sind Sie auf die Idee zu GMX gekommen? Damals war das Internet ja tatsächlich noch „Neuland“…
Ich habe den Bedarf für einen Dienst gesehen, der E-Mail-Nutzer unabhängig von ihren Internet-Anbietern macht. Mich hat gestört, dass die großen Provider ihre Kunden damals quasi in Geiselhaft nahmen. Man konnte seine E-Mail-Konten oft nur kostenpflichtig über deren teure Einwahlpunkte nutzen.

Was hat für Sie den Reiz ausgemacht?
Das war ein klassisches Underdog-Projekt, das es auf einmal mit den ganz Großen aufgenommen hat. Die Nähe zu den Nutzern war klasse. Das extrem starke Wachstum des Projekts war eine große Herausforderung. Da hieß es jeden Tag powern -– teilweise bis zu 20 Stunden.

Ist Bauchgefühl ein entscheidender Faktor für Erfolg?
Zumindest ein wichtiger. Ist man bei einer Sache sehr engagiert und hat auch das notwendige Wissen, dann fühlt man oft instinktiv, ob eine Wahl die richtige ist.

Karsten Schramm gründete mit Eric Dolatre und Peter Köhnkow 1997 den E-Mail-Dienst GMX. 7 Foto: privat

Was war Ihre erste große Anschaffung, die Sie sich gegönnt haben, als GMX groß wurde?
Das kann ich Ihnen nicht einmal sicher sagen, weil es für mich nicht wichtig war. Später habe ich natürlich für meine Familie und mich ein Haus gebaut.

Wie schwer fiel Ihnen der Abschied von Ihrem Baby GMX?
Das war seinerzeit kurz nach dem Crash des Neuen Marktes. Ich war gerade auf Roadshow, als in England die erste Internet-Pleite die Börsen abstürzen ließ. Entsprechend musste der Börsengang von GMX abgesagt werden, was zu großer Verunsicherung bei unserem Ankerinvestor geführt hat. Es war eine schmerzliche Zeit. Ich sah meine Ziele das Unternehmen in der gegebenen Konstellation dann nicht mehr erreichbar.

Hatten Sie Angst vor dem „Danach“?
Nein. Ich habe die Zeit genutzt, erst einmal wieder aufzutanken und mich mehr um meine Familie zu kümmern. Die vorgegangenen Jahre waren schon ziemlich extrem.

Mit Brabbler wollten Sie eine sichere Alternative zu WhatsApp etablieren. Das hat leider nicht geklappt. Woran lag das?
Den Anspruch, WhatsApp oder einen der anderen großen Messenger in kurzer Zeit zu ersetzen, sollte kein Unternehmen haben – schon gar nicht mit dem Fokus auf Privatnutzer. Außerdem war ein Produkt geplant, das weit mehr sein wollte als nur ein Messenger. Brabbler hat sich zu viel vorgenommen.

Gehören Rückschläge zum Erfolg?
Rückschläge sorgen für Bodenhaftung und lassen einen das Nachdenken nicht verlernen. Sie sind Lektion, nicht Katastrophe.

Woran arbeiten Sie gerade?
Ich habe vor etwas über einem Jahr die ginlo.net GmbH gegründet, die das Dual-Messenger-Projekt ginlo entwickelt und vermarktet. Es handelt sich dabei um die Kombination von zwei Datenschutz-Verordnungs-konformen Hochsicherheits-Messengern – einer für den kommerziellen Einsatz und einer für Privatnutzer. Diese arbeiten reibungslos zusammen und haben das Potenzial, E-Mail bei der Kommunikation zwischen Organisationen und privaten Nutzern weitgehend zu ersetzen – selbst bei sensiblen Daten und inklusive Live-Audio-Video-Konferenzen. Die Anfänge dieses Projekts reichen bis 2011 zurück, dann wurde es ein Opfer der Insolvenz der Brabbler AG. Wir haben den Dienst in den vergangenen Monaten bereits stark ausgebaut und sind mit dem Schwerpunkt Business-Kunden auf einem guten Weg. Bei meiner Historie klingt das jetzt vielleicht seltsam, aber es ist an der Zeit, die Verwendung von E-Mail überflüssig zu machen. Der Komfort- und Sicherheitsgewinn wäre beachtlich….

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von “Secrets of Success” nachlesen.

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„Wenn ich die Grenzen nicht spüre, weiß ich, ich bin nicht weit genug gegangen“

CureVac co-founder Ingmar Hoerr / Der Pionier in der Entwicklung von RNA-Impfstoffen will vor allem eins: anderen Menschen helfen.

Seine Partner und Investoren heißen Dietmar Hopp, Bill Gates und Elon Musk. Angeblich wollte sich Donald Trump sogar den Impfstoff seines Biopharma-Unternehmen CureVac exklusiv sichern – doch Ingmar Hoerr bleibt cool. Der Biologe, der als Pionier in der Entwicklung von RNA-Impfstoffen gilt, die das entscheidende Werkzeug im Kampf gegen Corona sind, will nur eines – den Menschen helfen. Vor allem auch denen, die in wirtschaftlich unterprivilegierten Ländern leben.

Wie hat es ein kleiner Realschüler zum Gründer einer heute so erfolgreichen Firma gebracht?

Es war ein langer Weg. Aber steinige Wege zeichnen mich aus. Vielleicht hätte ich gar nicht gegründet, wenn ich mir nicht immer alles hätte erkämpfen müssen – gern abseits vom Mainstream. Der Rest meiner Kommilitonen ging zum Beispiel in die USA – und ich nach Indien. Ich habe mich irgendwie darin gesonnt, einsame Pfade zu nehmen, die andere nicht gegangen sind. Das zieht sich durch mein ganzes Leben.

Welchen Tipp haben Sie für junge Leute, die in Ihre Fußstapfen treten möchten?

Überlege es Dir genau: Gehe ich dahin, wo alle lang gehen – oder in Richtungen, die noch keiner gegangen ist? Suche das Pionierhafte. Wenn man es als junger Mensch erfolgreich schafft, sich durchzubeißen, gibt einem das unheimlichen Auftrieb, der einem hilft, in der Zukunft Probleme zu umschiffen oder zu lösen.

Sie wollten mit CureVac als Erstes einen Impfstoff gegen Tollwut entwickeln. Tollwut ist in Deutschland aber etwa so aktuell wie die Pest, kein Mensch sieht darin ein Investment, mit dem sich

Immer wollte der Technologie-Fan sein Unternehmen CureVac großmachen – und hat es geschafft. / Bild: privat

Geld verdienen lässt. Wie haben Sie sich also als Firma finanziert?

Das war schwierig. Wir waren bei allen Investoren, die man so kennt und ich hätte sie schütteln können: Kapiert doch endlich, was wir da machen. Aber die haben sich gar nicht darauf eingelassen. Wir haben uns dann entschieden, unternehmerisch zu handeln und unsere entwickelte RNA selbst an Labore und Unternehmen verkauft. Für uns war wichtig, keine komische Startup-Klitsche zu sein, sondern uns von Anfang an mit Kunden auseinanderzusetzen. Gleichzeitig konnten wir daraus lernen. Unser Hauptziel war es nicht, die Welt retten, sondern unsere Kunden zufriedenzustellen. Wir haben gedacht, unsere Stunde schlägt schon noch.

Wie viele Stunden haben Sie, Herr Hoerr am Tag gearbeitet? Sie hatten ein Unternehmen zu führen, Sie hatten Ihre Forschung und parallel dazu Meetings mit potenziellen Investoren…

Sehr viele. Der Spirit hatte mich total durchdrungen. Ich habe alles persönlich genommen. Wenn ich abgeblitzt bin bei Investoren, dann war das ein Anti-Ingmar-Hoerr-Ergebnis. Ich war CureVac. Auf der anderen Seite war mir irgendwann klar, dass ich delegieren muss. Ich habe mir einen DIN A 4-Zettel genommen, mich in die Mitte geschrieben und darum einen Stern gemacht. Was für Fähigkeiten brauche ich, die mich komplettieren? Mir war klar: Ich bin kein Finanztyp und kein Wissenschaftler. Ich bin Gründer. Die guten Leute, die die eigenen Schwächen kompensieren, damit man sich auf seine Stärken fokussieren kann, sind sicher einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Firma.

Gründungsfoto / Bild: privat

Wie bekommt man eigentlich einen Termin bei einem Investor wie Bill Gates?

Man fängt immer klein an und darf nicht zu versessen darauf sein, von heute auf Morgen mit Elan Musk, Bill Gates oder Dietmar Hopp zusammen zu kommen. Man muss Netzwerke gründen. Deswegen sage ich auch jedem Gründer: Geht ungerichtet auf Messen und Gründerkonferenzen und redet mit irgendwelchen Leuten. In einen Small Talk bei einer Konferenz zu kommen, halte ich für viel wertvoller, als vorne ans Pult zu gehen, wo Bill Gates spricht. Den wird man nicht kriegen, weil tausend Leute das Gleiche vorhaben, deshalb bleibt man besser am hintersten Tisch und guckt auf den, der neben einem sitzt. Diese Leute sind die Wichtigeren. Ich glaube, dass jeder von uns über höchstens fünf Kontakte Bill Gates kennt. Man sollte darauf vertrauen, dass das Glück einem begegnet, wenn man sich öffnet und locker bleibt.

Wie pflegen Sie Ihr Netzwerk, Herr Hoerr?

Man darf da nicht zu ungestüm sein. Die wichtigen Leute sind umgeben von Menschen, die unbedingt etwas wollen. Ich glaube, man muss sich um den Menschen an sich kümmern und darf dabei nicht immer eine Agenda im Hinterstübchen haben. Die Persönlichkeit muss sich erst öffnen – und dann entstehen freundschaftliche Verhältnisse, in denen man sich immer wieder sieht oder einen E-Mail-Austausch hat. Man muss sich den Luxus leisten, das Netzwerk zu pflegen. Und dann bekommt man auch seine Audienz bei Bill Gates.

In Ihrem Fall in einem Heizungskeller in Paris…

Das war schon ein bisschen merkwürdig. In unserem digitalen Zeitalter wollte er ein Print-Handout. Mit diesem Ausdruck sind wir dann in den Keller eines Hotels geführt worden. Wir dachten, da will uns jemand veraschen. Aber Bill Gates saß da – direkt im Heizungskeller an einem Tisch. Ich habe natürlich einen Pitch gemacht, aber er wollte den ganzen Einführungskram gar nicht wissen und ist sofort auf Seite 13 oder 14 gesprungen, direkt zu den Daten. Wir sind mühsam hinterhergehoppelt. Und die ganze Zeit hat er keine Mine verzogen. Wir haben erst Tage später erfahren, dass er mitmacht.

Sie wurden im März 2020 durch eine Hirnblutung in dem Moment aus dem Alltag gerissen, als der Startschuss für den Corona-Impfstoff ertönte: Wie hat es sich angefühlt, im großen

CureVac The RNA Printer® V2.0 Tübingen Die besondere Technologie macht den Impfstoff CureVac auch für ärmere Länder attraktiv. / Bild: CuraVac

Moment Ihrer Firma nicht dabei zu sein?

Ich hatte riesige Probleme mit mir selbst, deswegen habe ich das gar nicht so mitgekriegt. Mit hat erst im Juni gedämmert, was draußen los ist. Ich war im Delir und damit quasi in meinem eigenen Lockdown. CureVac konnte nicht auf mich warten. Ich war ein Schatten meiner selbst und hatte große Gedächtnisprobleme. So jemand kann keine Firma leiten.

Was hat Ihnen die Kraft gegeben, sich wieder ins Leben zurück zu kämpfen?

Ich habe immer gekämpft. Nur ging es dieses Mal nicht um irgendwelche Projekte, sondern um mich. Als ich noch nicht reden konnte, habe ich meine Frau lautlos angeschrien: „Ich muss was machen, ich muss kämpfen, das geht so nicht.“ Die Ärzte sagen, dass ich eine ganz geringe Chance zu überleben hatte, sie wundern sich wirklich, dass ich es geschafft habe. Aber ich habe meine ganze Energie darauf verwendet.

Ihre Prioritäten haben sich bestimmt verschoben, oder?

Nicht nur meine Prioritäten, sondern auch mein Lebensziel. Ich wollte immer CureVac groß machen und bin dabei fast draufgegangen. Mein Fokus liegt jetzt auf meiner Familie und mir. Wir holen nach, was wir jahrelang nicht gemacht haben. Ich war nie daheim, sondern auf der ganzen Welt unterwegs. Jetzt für meine sieben Jahre alten Zwillinge da zu sein, ist ein ganz wesentlicher Punkt. Ich freue mich, dass ich das noch rechtzeitig realisiert habe – und nicht erst, wenn meine Söhne in die Pubertät kommen und fragen: Wo war denn der Vater?

Viele Unternehmer denken, Work-Life-Balance ist eher ein Erfolgs-Verhinderer…

Es braucht immer die Grenzerfahrung. Wenn ich die Grenzen nicht spüre, dann weiß ich, ich bin noch nicht weit genug gegangen. Man muss dahin, wo es wehtut. Ich mache gerade Reha-Sport, da ist es genauso – sonst bringt es nichts….

 

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von “Secrets of Success” nachlesen.

 

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Gründer und Geschäfstführer Japheth Ergaw Bild: ALZOE

ALZOE, Naturkosmetik mit Seele

Immer schön natürlich bleiben, so könnte man die Idee zu ALZOE in aller Kürze zusammenfassen. „Denn wir finden, wahre Naturkosmetik sollte mehr können, als ein gutes Image zu genießen.“
Die Naturkosmetik-Manufaktur ALZOE mit dem Sitz in Karlsruhe steht für 100% zertifizierte Naturkosmetik aus Deutschland. Unsere Verbundenheit zur Naturkosmetik spiegelt sich auch in unseren Produkten wider: Wir stehen für 100% vegane, nachhaltige Qualitätsprodukte mit ausgewählten Bio-Rohstoffen auf Pflanzenbasis sowie natürlichen Düften. Das grüne Unternehmen wurde im Februar 2020 von Jungunternehmer Japheth Ergaw gegründet. Wir durften ihn für das Magazin „Secrets of Success“ interviewen.

Wie ist die Idee entstanden?

Die Idee, eine Naturkosmetikmarke zu gründen, ist sehr lange gereift. Unser Credo war stets und ist bis heute: 100% Natur – ohne, wie dies in der Branche leider üblich ist, den kleinen Spielraum zu nutzen, den einem der Gesetzgeber lässt.
Mit Hilfe der Erfahrung und Expertise einer Mitarbeiterin, die früher in einer großen Industriekosmetikfirma tätig war und schon immer Nachhaltigkeit gelebt hat, ist letztlich mit viel Liebe und Zeit ALZOE entstanden.

Ist alles gelaufen, wie geplant oder welche Überraschungen gab es?

Es ist nicht alles gelaufen wie geplant. Wir haben zu Beginn viele Fehler gemacht, aber sind dadurch gewachsen. Dieser Prozess hat viel Zeit in Anspruch genommen. Wir wollten mit ALZOE erst dann an den Start gehen, wenn wir alle Prozesse durchlaufen haben und keine Abstriche mehr machen müssen. Wir hatten eine Entwicklungszeit von knapp 2 Jahren; diese Zeit haben wir uns genommen. Wir wissen, dass nicht viele Firmen sich das leisten können, weil sie schnell ins Wirtschaften und auch ins Geld verdienen kommen müssen. Glücklicherweise haben wir noch andere Standbeine. ALZOE ist für uns eine Herzensangelegenheit. Das, was wir auf diesem Weg gelernt haben, macht unsere Marke jetzt aus.

Wie groß war das persönliche finanzielle und berufliche Risiko?

Glücklicherweise nicht so groß, da ALZOE ein drittes bzw. viertes Standbein ist. Wir sehen ALZOE, wie gesagt, als Herzensangelegenheit und sind mit unserer Muttergesellschaft in anderen Branchen aktiv. Wir können „unser Baby“ in Ruhe wachsen lassen und das macht uns aus. Man merkt der Marke hoffentlich an, dass wir sie mit Liebe und Leidenschaft kreiert haben und Gott sei Dank nicht alles auf eine Karte setzen mussten. Das ist für ein Startup natürlich eine schöne und komfortable Ausgangslage. Wir sind sehr froh und dankbar, so arbeiten zu können.

Welches Ziel verfolgen Sie?

Bild: ALZOE

Wir wollen unsere Manufaktur deutschlandweit, irgendwann vielleicht sogar europaweit, ausdehnen. Wir möchten uns dabei aber in erster Linie immer selbst treu bleiben – das, was uns von vielen anderen unterscheidet, nämlich, dass wir vom eigentlichen Produkt bis zur Verpackung eine 100%ige Naturkosmetikmarke sein wollen, soll unser „Gesicht“ bleiben. Wir möchten informativ sein, die Menschen zum Beispiel mit unseren Blogbeiträgen zum Nachdenken anregen und auch unsere Produktpalette weiter ausbauen.
Transparenz und Loyalität zu unseren Produkten ist uns wichtig. Wir sind stolz darauf, dass wir in unserem Produktionsstandort Wiernsheim ein eigenes Labor haben und egal, wie stark wir wachsen sollten, wir möchten weiterhin sowohl im eigenen Haus als auch handmade produzieren.

Wie schwierig ist es, die richtigen Investoren zu finden? Was müssen diese außer Geld noch mitbringen?

Für uns glücklicherweise nicht so schwierig, da wir diese in Form unserer Muttergesellschaft gefunden haben: Sie war und ist Geldgeberin und stellt uns auch weiterhin die finanziellen Mittel zur Verfügung, die wir benötigen. Wir mussten nicht auf Investorensuche gehen und konnten die Gründung „in house“ abwickeln. Etwas anders als beim klassischen Startup.

Was braucht Ihre Firma, um weiter wachsen zu können?

Wir wollen in den Einzelhandel verstärkt rein und hoffen, dass das die wirtschaftliche Lage zulässt. Wir möchten nach vorne schauen und möchten uns da in den jeweiligen Stores platzieren. Ebenso suchen wir immer nach weitere Kooperationspartnern, die die gleichen Werte und Ziele haben.

Aus Fehlern lernt man: Was war bisher der größte Fehlgriff?

Einen großen Fehlgriff gab es nicht. Dafür aber viele kleine Fehler. Das liegt vor allem auch daran, dass wir zunächst branchenfremd waren und vieles in den zwei Jahren der Entwicklungsphase von der Pike auf lernen mussten. Mittlerweile sind wir sehr gut aufgestellt und können alles selbst umsetzen. Wir sind nun, nach einem umfassenden Prozess, auch in der Lage, zum Ende diesen Jahres eine eigene Naturkosmetikzertifizierung zu erstellen sowie das hauseigene Labor zu zertifizieren. Hier sind vor allem in der Anfangszeit viele Fehler passiert. Wir haben andere Standards als der Fremdzertifizierer, der uns aktuell noch zertifiziert und freuen uns über die Möglichkeit, nun in unserem eigenen Labor zum Beispiel die Rohstoffe testen zu können, die wir verarbeiten. Wir müssen uns nicht mehr nur auf Prüfberichte verlassen, sondern können immer nochmal selbst testen. Das gibt uns und unseren Kunden ein gutes Gefühl, weil wir halten können, was wir versprechen.

Welche Visionen gibt es für die Zukunft?

Wir wollen mit einem gesunden Wachstum nach vorne schauen und uns nur im positiven verändern. Unsere Nachhaltigkeit, Transparenz und Authentizität wollen wir stets beibehalten.

Mit welchen Kleinigkeiten kann man Tag für Tag die Welt ein bisschen besser machen?

Mein Credo: Jeden Tag stehe ich mit einem Lachen auf, bin zuvorkommend und versuche, dieses Lächeln auf den Lippen den ganzen Tag zu bewahren. Nächstenliebe und Freundlichkeit sind die Werte, die mir sehr wichtig sind und die ich auch lebe.

Beschreiben Sie Ihren grünen Lifestyle…

Ich bediene vielleicht rein äußerlich nicht das Klischee eines Menschen mit einem grünen Lifestyle. Aber ich glaube, dass sich die Definition dessen in den letzten 10 Jahren auch deutlich verändert hat. Das stelle ich auch fest, wenn ich unsere Kunden anschaue. Auch sie bedienen meist nicht die „klassischen grünen Klischees“.
Ich definieren ihn für mich so, dass ich mich mit der Natur (und auch der Naturkosmetik) befasse, mich gerne in ihr aufhalte und sie in ihrer Schönheit und Vielfalt mehr und mehr schätzen und zu bewahren lerne. Dazu gehört zum Beispiel auch, Dinge und Prozesse zu hinterfragen. Grüner Lifestyle bedeutet für mich nicht nur der Einkauf im Bioladen, sondern eine ganzheitliche Umstellung, die meist nicht von heute auf morgen kommt, sondern schrittweise erfolgt.

Hat sich bei den Leuten im Kopf etwas getan im Vergleich zu vor ein paar Jahren?

Wir stellen fest, dass „green thinking“ in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist und viele Menschen sich damit befassen. Wir haben eine sehr diverse Zielgruppe, die sich gerne mit diesem Thema befasst. Es ist definitiv im Trend „grün“ zu denken und zu handeln, sich um die Umwelt zu kümmern und zu sorgen.

Was muss sich noch ändern, um die Umwelt zu retten?

Das ist natürlich eine schwierige Frage! Ich glaube, wenn jeder zunächst einmal sprichwörtlich vor der eigenen Haustüre kehrt, ist schon viel gewonnen.
Wer die Welt verändern möchte, sollte immer bei sich selbst anfangen!

Bild: ALZOE

Wovon sollte man definitiv die Finger lassen?

Ich glaube, man kann und sollte vor allem in der Kosmetik von den meisten Dingen die Finger lassen, die nicht aus der Natur kommen. Die Natur gibt uns das, was wir Menschen brauchen, auch das, was unsere Haut braucht. Wir schauen auf das, was wir ihn ihr finden können – das reicht. Man sieht das z.B. in unseren Produkten. Gerade wenn man jahrelang keine Naturkosmetik verwendet hat, sollte man seiner Haut jedoch etwas Zeit geben, um sich umzustellen und an die Natur zu gewöhnen. Viele steigen schon nach den ersten Versuchen wieder aus, weil sie sich schnelle Resultate erhoffen oder weil die Haut erst wieder lernen muss, ihre ureigenen Prozesse auszuführen. Ist die Umstellung erst einmal geschafft, sind unsere Kunden dann sehr zufrieden.

Was wünschen Sie sich von den Menschen für die Zukunft?

Mehr (Nächsten)Liebe, mehr Vernunft, mehr Rücksicht, mehr Loyalität und Transparenz – wir sollten einander und unsere Umwelt wertschätzen.

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Gesundheit und ein stabiles & schönes Familienleben – so bin ich aufgewachsen, so wurde ich erzogen. Alles andere ist nice to have, aber nicht mein Hauptfokus.

Was wollten Sie als Kind werden? Und warum?

Ich wollte schon immer Unternehmer werden – genau wie mein Vater, zu dem ich schon immer aufgeschaut habe und dies bis heute tue. Ich bin sehr dankbar, ebenfalls diesen Weg einschlagen und in seine Fußstapfen treten zu können.

Wer ist ihr größtes Vorbild?

Nach der letzten Frage wohl keine Überraschung – mein Vater. Was und wie ich lebe und das, was ich gelernt habe, habe ich zu großen Teilen meinem Vater und natürlich meiner Mutter zu verdanken. Schon als Kind haben mein Bruder und ich zu meinem Vater aufgeschaut und ihn uns zum Vorbild genommen. Er ist nicht nur mein Vater, sondern auch Mentor und best buddy!

Wo sehen Sie die Stärken Ihres Start-ups, die für den Erfolg maßgeblich sind?

Wir sind eine 100% Manufaktur. Dies spiegelt sich im Produkt, als auch in der Verpackung wider. Ebenso zeigt sich das auch in unserem Team. Wer sich selbst auf die Fahne schreibt, aus Überzeugung anders sein zu wollen als andere Naturkosmetikhersteller, muss von Werten angetrieben sein, die weit über den „gesetzlich zugelassenen Rahmen“ hinausgehen. Für mich sind dies vor allem Leitwerte wie Toleranz, Ehrlichkeit, Menschlichkeit, Treue, Zusammenhalt, Geradlinigkeit und Zuverlässigkeit. All dies spiegelt sich auch in der Art, dieses Start-Up-Unternehmen zu führen, wider. Ich arbeite eng und auf Augenhöhe mit meinen Mitarbeitern und Kollegen zusammen und gebe ihnen viel Raum für die Umsetzung ihrer kreativen Ideen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Weg? Wenn ja, wie haben Sie die überwunden?

Es gab kleinere Rückschläge, die uns jedoch stärker gemacht haben. Durch die Fehler haben wir einiges gelernt und sind da wo wir jetzt stehen.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?

Schon von Anfang an waren dies vor allem unsere Mitarbeiter. Wir haben ein sehr wertvolles Team, für das ich dankbar bin. Wir sind offen, haben flache Hierarchien, jeder kann seine Meinung sagen. Uns verbindet ein meist freundschaftliches Verhältnis.
Daneben natürlich unsere Familien und Freunde, die bisher immer mit wertvollen Ratschlägen und Feedback an unserer Seite standen.

Was ist ein Must-Have in ihrem Beruf?

Ganz klar – mein Handy. Ohne dieses komme ich nicht durch den Alltag. Oft müssen schnelle Entscheidungen gefällt werden und da ist es natürlich essentiell, erreichbar zu sein. Diese ständige Erreichbarkeit ist natürlich in meinem Beruf Fluch und Segen zugleich.

Was ist für Sie Luxus?

Zeit. Mit meiner Lebensgefährtin, mit Freunden und mit meiner Familie – das ist mein höchstes Gut und der größte Luxus. Je älter ich werde, desto mehr lerne ich zu schätzen, was es bedeutet, Zeit zu haben und sie sich zu nehmen. Zu letzterem muss ich mich manchmal disziplinieren.

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Der DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie geht seinen eigenen Weg und hat ein sehr klares Bild von dem, was er machen möchte. / Foto: © GES / Markus Gilliar

LANGFRISTIG ERFOLG ZU HABEN, IST HEUTE VIEL SCHWERER

Oliver Bierhoff ist Fußball-Europameister und hat mit dem ersten Golden Goal in der Geschichte das entscheidende Tor bei der EM 1996 in England geschossen. 2004 übernahm er nach seiner aktiven Profikarriere den Posten des Managers beim DFB. „Ich habe den Posten übernommen, obwohl ich zu der Zeit Zweifel hatte, weil er gar nicht in meine damalige Lebensplanung passte. Aber diese Chance war gleichzeitig faszinierend, weil sie dem entsprach, woran ich glaube: Etwas bewegen und gestalten zu können. Mein Engagement war eigentlich auch nur für zwei Jahre vorgesehen“, so der heute 53-Jährige. Bierhoff ist nach wie vor beim DFB – mittlerweile als Direktor Nationalmannschaften und Akademie.

Er ist jemand, der sich gerne von erfolgreichen Menschen inspirieren lässt. Nicht unbedingt wirtschaftlich erfolgreich, sondern Personen, die etwas bewegt haben. Allerdings will er niemanden kopieren. Er geht seinen eigenen Weg und hat ein sehr klares Bild von dem, was er machen möchte. Trotz einer erfolgreichen Zeit im Profifußball hat er als Kind gar nicht von einer Profikarriere geträumt. „An sich hatte ich immer gedacht, dass ich studiere und nebenher hochklassig Fußball im Amateurbereich spielen werde. Dann wurde ich mit 17 Jahren Jugendnationalspieler. Einer meiner Vorteile war, im Westen Deutschlands aufgewachsen zu sein, wo es eine reiche Fußballtradition und viele Vereine gibt. Somit waren meine Chancen größer, einen Profivertrag zu bekommen.“ Allerdings waren seine ersten Profijahre in Deutschland, u. a. beim HSV und bei Borussia Mönchengladbach, eher durchwachsen.

Sein Durchbruch kam in Italien. Er begann in der Serie B bei Ascoli Calcio und wechselte 1995 in die Serie A zu Udinese Calcio. 1998 wurde er Torschützenkönig in Italien. Zu dem Zeitpunkt war er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. „Der Schritt nach Italien war für mich der wichtigste meiner Karriere. Weg aus Deutschland, sich erst einmal allein durchboxen. Das war

Direktor Oliver Bierhoff und Manuel Neuer beim Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Herzogenaurach / Foto: © GES / Markus Gilliar

eine Herausforderung. Meine Stärken sind Ausdauer und Disziplin. Zudem bin ich sehr kritikfähig“, so Bierhoff. Diese Eigenschaft kommt ihm gerade in seinem Job beim DFB zugute. „Ich bin jemand, der Kritik annimmt, der sich mithilfe von Kritik selbst aufbaut, statt sich von ihr herunterziehen zu lassen. Ich kann mit ihr sehr gut leben. Zumal ich Kritik nicht persönlich nehme. Ich lasse mich nicht verwirren und mich nicht von meinen Zielen und Haltungen abbringen. Die Wertigkeit von Dingen und Situationen definiere ich für mich selbst und nicht über Außenstehende.“

So auch in seinem Job als Direktor des DFB. „Als ich 2004 den Job als Manager des DFB angenommen hatte, war mir die Dimension dessen gar nicht so bewusst. Aber das Projekt mit der WM im eigenen Land war einfach zu spannend“, erzählt Bierhoff. Über die Jahre hat er viel Kritik einstecken müssen und er weiß auch, dass er polarisiert. „Man wirft mir oft Diplomatie vor, dass ich beide Seiten der Medaille betrachte und versuche, einen Mittelweg zu finden. Aber ich übernehme auch Verantwortung und habe den Mut, Dinge anzugehen. Ich bin immer meinen Weg gegangen, auch wenn er vielleicht etwas anders aussah, als der, den andere im Sinn hatten.

Ich war der Erste, der den DFB richtig für die Werbung geöffnet und die Nationalmannschaft damit strukturell nach vorne getrieben hat. Dafür habe ich viel einstecken müssen. aber ich habe diesen Weg gewählt, weil ich von ihm überzeugt war und weil er der richtige ist.“

Kritik von außen gab es auch um die WM 2018. U. a. wurde dem DFB zu wenig Fannähe vorgeworfen, wofür Bierhoff mitverantwortlich gemacht wurde. „Ich nehme Dinge, die passieren, nicht leichtfertig hin, sondern hinterfrage immer wieder unsere Ziele und Maßnahmen, die wir ergreifen.“ Deshalb ist es ihm auch wichtig, neu zu justieren. „Ich wünsche mir, dass der DFB wieder zur Ruhe kommt und dass wir der umarmende und fürsorgliche Verband sind, der wir auch für viele Menschen sein können und müssen. Mit unglaublich erfolgreichen

v.l. Oliver Bierhoff, Hansi Flick (Deutschland) beim Training der deutschen Fussball-Nationalmannschaft in Stuttgart / Foto: © GES / Markus Gilliar

Nationalmannschaften, sowohl der Männer als auch der Frauen.“ Zudem möchte er weitere Projekte zu Ende bringen, die er mit der DFB-Akademie und dem Campus maßgeblich angestoßen hat. „Natürlich verspüre ich auch den Druck und ich verfluche ihn manchmal. Aber dann genieße ich es auch wieder, Entscheidungen treffen und etwas Neues gestalten zu können.“

Bierhoff ist der Meinung, dass es heute viel schwieriger ist, langfristig Erfolg zu haben. „Die Nebengeräusche sind durch die sozialen Medien allgemein viel schneller und intensiver. Man steht sofort im Fokus, wenn etwas passiert. Ich empfinde die Kritik an meiner Person nicht immer gerecht und das enttäuscht mich auch. Aber ich arbeite mit ihr und an mir.

Ich schaffe es, gut zu trennen und zu relativieren. Das hat mir schon oft während meiner Karriere geholfen. Sonst ist es unmöglich, zur Ruhe zu kommen und sich auf seine Aufgaben und Ziele zu fokussieren.“ Oliver Bierhoff war schon immer ein Teamplayer. Doch er weiß auch, dass es einsamer wird, je höher man steigt. Am Ende geht man seinen Weg allein. Deshalb hat er sich auch immer seine Eigenständigkeit bewahrt. Für ihn ist Erfolg, wenn man seine eigenen Fähigkeiten voll ausschöpft, um Dinge zu erreichen.

 

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Frank S. Jorga – Co-CEO und Gründer WebID Solutions GmbH / Foto: WebID Solutions GmbH

Wenn du Gründergeist in dir hast, dann gründe

Er gründete mit seinem Bruder 1986 im jugendlichen Alter von 17 Jahren sein erstes Unternehmen, um die Digitalisierung in Deutschland voranzutreiben. Frank S. Jorga und sein Bruder Sven beschäftigten sich mit Videoanimation, benötigten für eine Sekunde Film fünf Stunden Rechnerzeit und waren damit damals technisch ziemlich weit vorn. Als ersten Kunden konnten sie immerhin Fielmann gewinnen.

Später lernte er im Silicon Valley, kehrte nach Deutschland zurück und entwickelte noch später die allseits bekannte Video-Identifikation, die heute bei der Online-Eröffnung von Bankkonten oder Online-Brokern wie Trade Republic zum Einsatz kommt. Als gebürtiger Lübecker ist Frank Jorga mit seiner Heimat im Norden verbunden und hat Standorte in Kiel, Hamburg und Berlin eröffnet. Sein Hochsicherheits-Video-Call-Center befindet sich in Solingen. Zuletzt gelang ihm der Einstieg vom Finanzinvestor AnaCap zur weltweiten Expansion. Frank S. Jorga führt seinen eigenen Podcast, in dem er mit Persönlichkeiten aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen zu aktuellen Streitthemen aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Technologie und Kultur in spannende Pro-Kontra-Diskussionen geht.

 

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere? Und warum?
Das Highlight meiner bisherigen Laufbahn war, als mir die Lösung zweier Probleme gelang, die mich beruflich schon lange beschäftigt hatten: Inmitten des beginnenden Online-Zeitalters musste man immer noch mit seinem Ausweisdokument persönlich erscheinen, wenn es um Identifikationen im hochsicheren Bereich ging. Und für eine rechtsgültige Unterschrift musste man einen Papiervertrag handschriftlich unterzeichnen. Diese „Offline-Einschränkungen“ wollte ich abbauen. Deshalb habe ich nach Feierabend, viele Nächte lang, aus technologischer und rechtlicher Sicht an einer Lösung gearbeitet. Eines Tages war es soweit. Ich hatte einen theoretischen Ansatz entwickelt, der meines Wissens weltweit ein Novum darstellte. Danach begannen die nächsten Schritte: Unternehmensgründung, Patentanmeldung und vieles mehr.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Meine Stärke ist mein breites Know-how, das ich bereits vor der Gründung meines Unternehmens im Rahmen von Studium und Beruf erworben habe. So bin ich nicht nur Volljurist und Betriebswirtschaftler, sondern habe auch Expertise in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Vertrieb. Alles zusammengenommen hat aus WebID ein erfolgreiches Unternehmen werden lassen. Ich war sicher nicht der erste, der die Idee hatte, Online-Identifikation anzubieten, oder elektronische Unterschriften für die breite Masse anbieten wollte. Aber dank meiner Kenntnisse entstanden tragfähige und rechtssichere Lösungen. Und es entwickelte sich ein Unternehmen, das profitabel arbeitet und ohne Investor groß geworden ist.

Was raten Sie einem (jungen) Menschen der Erfolg haben möchte?

Drei Dinge würde ich nennen:
1. Wenn du Gründergeist in dir hast, dann gründe.
2. Such dir Gründer, die zu dir passen. Eure Zielrichtung muss fachlich UND kulturell identisch sein.
3. Fokussiere dich nicht auf soziales Ansehen oder Geld, sondern darauf, was du mit Leidenschaft machen möchtest.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
WebID steht für ein erfolgreiches Unternehmen „made in Germany“. Diese Erfolgsgeschichte möchte ich weiter ausbauen. Ich mag mein Heimatland und möchte deshalb dazu beitragen, dass

Die Brüder Sven Jorga (links), CTO von WebID, und Frank S. Jorga (rechts), CEO von WebID, gehörten zum Gründerteam von WebID.

Deutschland vorankommt und die Innovationen unseres Wirtschaftsstandorts international Verbreitung finden.
Dazu soll auch WebID beitragen. Zunächst ist es unser Ziel, WebID zum Unicorn zu machen, und danach zu einer globalen Marke.

An welchen Orten finden Sie neue Inspiration? Woraus schöpfen Sie Kraft bzw. was ist Ihr Ausgleich zur täglichen Arbeit?
Die Insel Hiddensee ist ein magischer Ort für mich. Dort habe ich viele Ideen entwickelt und es werden dort sicherlich auch noch weitere entstehen. Leider bin ich viel zu selten auf der Insel, wo es so entspannend ist. Niemand interessiert sich für Business, sondern nur dafür, wo es den nächsten Fisch gibt. Außerdem bin ich ein enthusiastischer Kinogänger und Film-Fan. Ich gehe durchaus auch alleine in die Spätvorstellung, um einen Film zu sehen. Filme ermöglichen es einem, andere Themen einzublenden.

Was ist ein Must-Have in ihrem Beruf?

Ganz klar: Leidenschaft für sein Business.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?

Ein starker Wille, Dinge neu zu denken und zu verändern, gepaart mit der Überzeugung, dass sich 99,9 % aller Herausforderungen meistern lassen. Mit dieser Herangehensweise konnte ich einen Umstand verändern, der bis dato allgemein als unveränderbar galt: Die Notwendigkeit, sich persönlich mit einem Ausweis zu identifizieren und Verträge handschriftlich zu unterzeichnen. All das ist heute nicht mehr notwendig. Die Menschen müssen nicht mehr durch die Gegend laufen, um ihre Identität nachzuweisen. Außerdem sparen wir tonnenweise Papier.

Was, glauben Sie, ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Wer Erfolg haben möchte, braucht eine ganz klare Struktur. Außerdem ist ein starker Um- und Durchsetzungswillen notwendig. Dazu kommt eine Vision, Leidenschaft und ein Quäntchen Glück.

Was macht in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Zunächst muss dir klar sein: Du hast schon verloren, wenn du versuchst, der beliebteste Mensch im Unternehmen zu sein. Außerdem sollte eine gute Führungskraft keine übermäßige Kontrolle ausüben. Das gängelt die Mitarbeiter und erstickt die Motivation. Wichtig ist außerdem die Fähigkeit, passende Mitarbeiter für das Unternehmen auszuwählen und Talente zu fördern. Nicht zuletzt sollten moderne Führungskräfte in der Lage sein, Verantwortung abzugeben und Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen.

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Erfolg ist für mich, Platz in meinem Terminkalender freizuräumen

Er ist Deutschlands Vordenker, wenn es darum geht „Die besten Mitarbeiter zu finden und zu
halten“. Prof. Dr. Jörg Knoblauch ist geschäftsführender Gesellschafter eines mittelständischen Unternehmens, vielfach ausgezeichnet z. B. als das bestgeführte Kleinunternehmen Deutschlands mit dem „Best Factory Award“ und hat 2002 mit seiner Firma den Ludwig-Erhard-Preis-Wettbewerb gewonnen.

Auch als Buchautor ist er sehr erfolgreich. Nach seinem Studium der Betriebswirtschaft in den USA, gründete er 1987 die Firma tempus, um „die christliche Variante eines Zeitplaners” zu etablieren. Nun ist der Unternehmer und Referent überall in Deutschland unterwegs und zeigt in seinen Vorträgen, dass Erfolg keine Wunschvorstellung bleiben muss und wie Firmen pragmatisch und konstruktiv zum Erfolg gebracht werden können.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Weltliche Erfolge kommen und gehen. Wirklicher Erfolg muss einen Ewigkeitswert haben. Dazu gehört es, Frieden zu schließen mit Menschen – und mit Gott.

Was wollten Sie als Kind werden und warum?
Unternehmer! Ich wollte nicht die Logomotive fahren, wie die anderen Jungs, ich hätte lieber die Ticketpreise festgelegt und die Fahrzeiten optimiert. Vor allem aber wollte ich selbst über meine Zeit und Tätigkeit bestimmen und mir keine sinnlosen Beschäftigungen vorschreiben lassen. Davon gab es im Kindergarten leider eine ganze Menge. Die Kindergartenzeit war eine Qual – für alle Beteiligten. Eines Tages schrieb die Kindergärtnerin frustriert einen Zettel, klebte ihn mir auf und sagte: Deine Mutti soll das lesen. Auf dem Zettel stand: „Behaltet das Kind zu Hause! Es kann keinen Zweizeiler memorieren und keine fünf Buntstifte auseinanderhalten!“

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Wenn du zwei linke Hände hast, dann bleibt nur das Studium …

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriere-Schritte?
Mein Auslandsstudium in den USA. Aufgewachsen in einem beschaulichen schwäbischen Örtchen kam ich in dieses Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Das Gefühl der Freiheit, das ich hier kennen- und lieben gelernt habe, hat mir noch einmal bestätigt, dass ich nicht für die Enge eines Nine-to-five-Jobs geschaffen bin. Heute mache ich zum Beispiel Innovationsreisen für mittelständische Unternehmer ins Silicon Valley, aber auch nach China und Israel. Nicht denkbar ohne mein Studium in den USA.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Vor einigen Jahren: Speaker bei der Daimler Europa-Konferenz in Salzburg. Vor so vielen einflussreichen Menschen zu sprechen und zu erleben, wie sie sich mitreißen lassen, ist schon ein tolles Gefühl. Heute: Ich leite Mastermind-Gruppen in ganz Deutschland. Mittelständische Unternehmer treffen sich mehrfach jährlich zur kollegialen Beratung.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Ich bin hartnäckig, zäh und kann mich durchbeißen. Ich kann allerdings auch loslassen, ohne Verbitterung. An einer guten Idee dranzubleiben, auch wenn es anstrengend wird, aber auch bereit zu sein, loszulassen, wenn es Zeit ist, einen anderen Weg weiterzugehen – das hat sich bei mir als gute Kombination erwiesen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriere-Weg?
Ja und Nein. Mir hat es immer Spaß gemacht, Dinge aufzubauen und gleichzeitig Menschen zu fördern. Am Ende solcher Prozesse stand dann manchmal aber eine Trennung oder Abspaltung – weil der Mentor nicht mehr notwendig war oder plötzlich als Last empfunden wurde. Das schmerzt auf der persönlichen Ebene. Aber ich kann mich gut auf die sachliche Ebene konzentrieren und mich darüber freuen, dass Unternehmungen und Projekte, die von mir aufgebaut wurden, bis heute erfolgreich weitergeführt werden – wenn auch ohne mich.

Was war die größte Schwierigkeit, die Sie auf Ihrem Weg zum Erfolg überwinden mussten?
Ich habe ein Ingenieurstudium begonnen und auch erfolgreich beendet – um dann noch einmal komplett von vorne anzufangen, weil mir klar geworden war, dass ich falsche Schwerpunkte gesetzt hatte: Ich wollte ja nicht in die Entwicklungsabteilung, sondern in die Unternehmensleitung. Ich wollte nicht mit Zahlen arbeiten, sondern mit Menschen.

Was würden Sie Ihrem Jüngeren Ich raten, der Erfolg haben möchte?
Finde heraus, wo dein Herz schlägt, was deine Stärken sind – und umgib dich mit den richtigen Leuten.

Wobei haben Sie außerdem gerne Erfolg?
Ein ganz persönlicher Erfolg ist für mich, wenn es mir gelingt, Platz in meinem Terminkalender freizuräumen für Gebetszeiten und gemeinsame Stunden mit gleichgesinnten Unternehmern.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Ich arbeite leidenschaftlich gern und ich liebe es, mit meinem tollen Team Ideen umzusetzen. Das hält mich jung. Außerdem will ich immer besser werden und von anderen lernen. Benchmarking spielt eine große Rolle in meinem Leben.

Was ist ein Must-Have in Ihrem Beruf?
Man muss auch mit schwierigen Persönlichkeiten auskommen können.

Was ist für Sie Luxus?
Gesund aufstehen und arbeiten zu können ist Luxus und Glück pur. Jeder Tag ist ein Geschenk.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?
Ora et labora (bete und arbeite).

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Fleiß, Ehrlichkeit, Bescheidenheit und Demut.

Welche Ziele in puncto Erfolg setzen Sie sich für die Zukunft?
Ich habe noch zwei Bücher im Kopf und freue mich über die vielen Projekte, die wir in meinem Unternehmen umsetzen. Aber ich bin jetzt über 70. Es braucht dann auch Zeit, sich aufs Sterben vorzubereiten.

Seien Sie gespannt, welche spannende Persönlichkeit in den nächsten Tagen folgt! Alle anderen Interviews finden Sie hier.

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Die eigene Leidenschaft als Motor nutzen

Schon als Kind wollte er Menschen helfen und genau das tut er jetzt. Seit 2013 führen Sebastian Bär und sein Bruder Christof Bär das Familienschuhunternehmen BÄR GmbH, das der Vater 1982 gegründet hat. Er ist hauptverantwortlich für die erfolgreiche Zweitmarke Joe Nimble.
Sebastian Bär selbst ist Marathonläufer und erlitt einen Ermüdungsbruch im Vorfuß und besuchte viele Ärzte. Nichts brachte etwas bis er bei einer Internetrecherche auf Lee Saxby stieß. Mit Unterstützung des weltweit renommierten Lauftechnik-Trainers und Experten für natürliche Bewegungsabläufe und Biomechanik kam Bär wieder auf die Beine. Aus diesem Erlebnis entstand die Idee für die neue Marke Joe Nimble – nach dem englischen Adjektiv „nimble“ für beweglich und aktiv. Seit rund zehn Jahren verfolgt Firmengründer Sebastian Bär dabei eine Mission: Läufer sollen ihren Sport dauerhaft schmerzfrei ausüben können.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, ambitionierte Ziele zu erreichen und damit die bisherigen Grenzen des Machbaren zu verschieben. Auch Scheitern kann Erfolg bedeuten, nämlich dann, wenn ich aus der neuen Situation etwas für das zukünftige Vorgehen lerne. Das Schönste am Erfolg: Er vergrößert sich, wenn man ihn teilt. Zum Beispiel im Team: Bei „Joe Nimble“ feiern wir fast täglich kleine Erfolge: Wenn wir positives Feedback direkt von Kunden persönlich an uns gerichtet bekommen oder uns über den Fortschritt spannender Projekte gemeinsam freuen.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Zur Aufbesserung meines Taschengeldes habe ich immer wieder an den Wochenenden auf Verbrauchermessen Schuhe verkauft. Das war ein Knochenjob. Faszinierend und für mich prägend war, immer wieder von Kunden – teilweise sehr emotional – danach zu hören, dass sie aufgrund unserer Schuhe endlich wieder laufen konnten oder keine Schmerzen mehr hatten. Da dachte ich mir: „Das ist grandios, das will ich der ganzen Welt zugänglich machen!“.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Der prägendste Karriereschritt war, als mir die Verantwortung der BÄR-Tochtergesellschaft in Japan übertragen und ich vor Ort eingesetzt wurde. Das war schon mehr als ein Sprung ins kalte Wasser. Durch diese Verantwortung und die vielen Herausforderungen habe ich jedoch viel Nützliches gelernt. Das Business vor Ort war unglaublich hart und die Kultur kam mir fast vor, als sei ich auf einem anderen Planeten gelandet. Sich bemühen und auf die Menschen einlassen, die Sprache zu lernen, um den lokalen Blickwinkel auf das Geschäft besser zu verstehen, hat mir schließlich Türen geöffnet. Demut und Höflichkeit sind sehr präsente Eigenschaften der japanischen Gesellschaft, die ich sehr bewundere.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Als ich den ersten Prototypen des von mir entwickelten Laufschuhkonzeptes aus der Sohlenmontage genommen und ausgeleistet habe und das Ergebnis deutlich besser war, als ich es mir zu diesem Zeitpunkt erhoffen durfte, da war das fast wie die Freude über ein neugeborenes Baby.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Für mich gehören zum Erfolg Disziplin, Durchhaltevermögen und ein unbedingter Wille, etwas Großes zu schaffen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriereweg und wie haben Sie diese überwunden?
Ja, deutlich mehr als ich mir wünsche…Aber auch das gehört zum Erfolg dazu. Ich habe daher gelernt, diese zu relativieren und mir zu sagen: „Morgen, nächste Woche, nächsten Monat sieht es schon ganz anders aus.“ Das hat sich immer bewahrheitet.

Was war die größte Schwierigkeit, die Sie auf Ihrem Weg zum Erfolg überwinden mussten?
Es hat mich aus familiären und wirtschaftlichen Gründen unglaublich viel Mut gekostet, unserem Beirat den Vorschlag zu machen, dass ich die Marke Joe Nimble“ völlig neu ausrichten möchte, räumlich getrennt und mit einem komplett neuen Team. Ich bin dann als One-Man-Show in einen Co-Working Space gezogen und hab mich am ersten Tag gefragt, was in aller Welt ich hier eigentlich tue… In vielen Bereichen fehlte mir Unterstützung – ich musste operativ neu anfangen und in vielen Bereichen schnell dazu lernen, da vieles bis dahin außerhalb meiner Verantwortung gelegen hatte.

Was raten Sie einem (jungen) Menschen, der Erfolg haben möchte?
Niemals den Mut verlieren. Die eigene Leidenschaft, das was einen antreibt, ernst nehmen und als Motor nutzen.

Wobei haben Sie außerdem gerne Erfolg?
Ich möchte gern ein guter Vater und Ehemann sein. Hierbei stelle ich mir jedoch immer wieder die Frage, wie man im familiären Bereich den Erfolg eigentlich misst – schließlich ist die Definition so individuell wie die Menschen. Da ich in meiner Freizeit sehr gerne laufe, habe ich bei Marathons und Trail-Läufen gerne Erfolg – die Ziele sind dabei immer je nach Situation unterschiedlich: Mal ist es eine Position im Lauf und mal eine zeitliche Verbesserung. Im Ziel ist das Erreichte dann immer eine unheimliche Befriedigung für den Aufwand die Monate davor.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Tatsächlich schöpfe ich die meiste Energie daraus, wenn Kunden uns schildern, wie unsere Schuhe ihr Leben, ihren Sport oder ihre körperlichen Leiden verbessert haben. Das ist meine größte Freude und Motivation, jeden Tag.

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?
Ganz ehrlich: Ich denke 24/7/365 an Schuhe. Ich träume sogar nachts davon. Ob das gut ist, weiß ich nicht. Meine Familie ist sich dessen bewusst und akzeptiert es, was eine unglaubliche Unterstützung ist. Dennoch habe ich oft Gewissensbisse. Meine Trainingsläufe lege ich daher in die ganz frühen Morgenstunden, oft bei tiefer Dunkelheit, um nicht noch mehr Zeit vom Familienleben abzuziehen.

 

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?
Mein Vater, der Unternehmensgründer unserer Muttergesellschaft „BÄR Schuhe“, ist mir eine große Stütze. Das konnte ich jedoch vor allem in den ersten Jahren nicht immer so annehmen. Erst rückblickend erkenne ich, dass er wirklich immer (!) das Beste für uns wollte und nach diesen Maximen gehandelt hat.

 

 

 

In welchen Orten finden Sie neue Inspiration?
Beim Laufen! Wenn ich Probleme nicht lösen kann, wenn die Last zu groß wird, wenn der Kopf nicht mehr kann, dann gehe ich laufen. Das hilft immer!

Was ist für Sie Luxus?
Einen Tag mit meinen Kindern und meiner Frau in der Natur beim Wandern zu verbringen ist für mich das größte Glück.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Nein, absolut gar nichts. Denn alles, was ich erlebt habe – im Guten wie im Schlechten, hat mich zu dem gemacht, was ich bin und dorthin geführt, wo ich stehe.

Was ist heute Ihr Antrieb jeden Tag weiter zu machen, nachdem Sie nun erfolgreich sind?
Die Welt und die Herausforderungen im Business verändern sich so rasant, dass das Erreichte schnell überholt sein kann. Ich hätte mir vor fünf Jahren nicht vorstellen können, welch eine Vielzahl an Produkten wir heute erfolgreich vertreiben – und ich bin heute schon gespannt, wie das in weiteren fünf Jahren aussehen wird.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?
The harder you work, the luckier you get.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Mut, Leidenschaft und Disziplin – zu jeweils gleichen Teilen.

Welche Ziele in puncto Erfolg setzen Sie sich für die Zukunft?
Ich möchte in meinem Handeln demütig bleiben.

Weitere Informationen zu den Schuhen finden Sie unter www.joe-nimble.com

Gisbert Brunner ist Uhrenjournalist seit 1981 und Autor von rund dreißig Uhrenbüchern. Seine Beiträge zeichnen sich durch profundes Wissen und ein echtes technisches Verständnis aus, die online u. a. auf Uhrenkosmos zu finden sind. Fotos: © Lang & Heyne

Erfolgreich mit tradierter hoher Uhrmacherkunst, die heute selten geworden ist.

Gisbert Brunner über den Erfolg der Uhrenmanufaktur Lang & Heyne

Ausgewiesenen Kennern sind die Armbanduhren von Lang & Heyne selbstverständlich ein Begriff. Allerdings bleiben diese Zeitmesser mit feinen Manufakturkalibern bei vielen ein ewiger Wunschtraum. Vorzügliches ist bekanntlich rar.

Die Uhren von Lang & Heyne sind ausgesprochen selten. Per annum entstehen in Dresden weniger als 100 Exemplare. Hier heißt es geduldig zu warten, bis der bestellte Zeitmesser endlich eintrifft. Was sie für ihr gutes Geld erwarten dürfen, wissen die Kunden sehr genau. Lang & Heyne liefert nur eigens entwickelte Kaliber auf höchstem Niveau. Uhrwerke mit einer Wertschöpfung von 90 Prozent im eigenen Haus, die in kleinen Ateliers und familiärer Atmosphäre nach allen Regeln überlieferter Handwerkskunst entstehen. Umfangen von Gehäusen, welche dem Anspruch an das konventionell tickende Innenleben, mit und ohne unterschiedlichste Komplikationen, keinen Deut nachsteht. Am Handgelenk betrachtet vermitteln die Uhren die Erkenntnis, dass das Ganze weitaus mehr ist als die Summe seiner Teile.

Die Kreationen sollen überlieferten handwerklichen Kriterien genügen. Seit der Gründung 2001 bis heute musste man diese überlieferten Werte nicht preisgeben. Darunter zählen das Gewand aus angeriebenem Silber und das aus hartem Roségold gefertigte Räderwerk, ganz so wie in den alten Taschenuhren von damals. Bei der Feinbearbeitung und Assemblage duldet die kleine aber feine Manufaktur keine Kompromisse. Die Politur der Stahlteile erfolgt nach guter alter Sitte. Durch die Verwendung von Zinnplatten entsteht der berühmte schwarz wirkende Hochglanz. Bei der Teileform geht es einzig und allein um die Ästhetik und nicht um die Ökonomie bei deren Finissage. Aus diesen Gründen verbringen die Handwerker in den kleinen Ateliers oft Tage damit, bis alle Komponenten die gewünschte Perfektion erhalten haben. Erst dann kann sich ein Uhrmacher an die Montage machen. Bis zum ersten Tick-Tack bleiben alle Schritte einer Person vorbehalten.

Lang & Heyne beweist damit nicht nur ein außergewöhnlich hohes handwerkliches Geschick, sondern auch Flexibilität. Diese erlaubt es, weitere Sonderwünsche wie zum Beispiel spezielle Gravuren nach Rücksprache mit großer Freude zu erfüllen.

Dr. Dejan Hušman hat mit seinem Start-up denovoMATRIX Großes vor. Foto: © Oliver Killi

Stammzellen für alle!

Noch ist denovoMATRIX eine kleine Firma mit fünf Mitarbeitern, aber Geschäftsführer Dr. Dejan Hušman hat große Pläne: Der 31-Jährige will mit seinem Start-up dabei helfen, Stammzellen im großen Stil zu züchten. Damit könnte sein Unternehmen sehr viele Leben retten.

Was genau – für Laien erklärt – machen Sie bei denovoMATRIX?
Wir haben eine Technologie entwickelt, mit der sich Stammzellen viel leichter züchten lassen. Therapien, die mittels dieser Zellen beispielsweise Blut-, Haut- oder Augenkrankheiten heilen, sind ein Trend in der Medizin. Sie ersetzen immer häufiger klassische Medikamente. Wissenschaftler arbeiten auch daran, Organe aus Stammzellen zu drucken. Allerdings war es bisher schwierig, sie massenhaft in hoher Qualität zu züchten. Das Problem konnten wir lösen: Wir haben eine chemische Beschichtung für Laborbehältnisse entwickelt, die die Bedingungen nachbildet, in denen die Zellen im Körper wachsen.

Gab es Rückschläge?
Ja – als wir neue Teammitglieder an Bord geholt haben. An den Punkt zu kommen, dass wir zusammen gut funktionieren, hat uns Monate gekostet – viel länger als gedacht. Es dauert, bis man lernt, seine Aufgaben im Start-up selbst zu definieren, da potenziell viele Wege zum Ziel führen.

Werden Sie ab und zu von Existenzsorgen geplagt?
Unser Glück ist, dass wir denovoMATRIX in Deutschland gegründet haben und nicht in einem Land, in dem Investoren nichts davon halten, wenn sich die Gründer ein angemessenes Gehalt zahlen. Trotzdem mussten wir durch die Coronakrise den Gürtel enger schnallen und Opfer bringen, die unser Team und die Familien der Gründer mittragen mussten. Es ist toll, wie sehr uns alle unterstützen. Ich würde behaupten, wenn es zu Hause nicht passt, kann man nicht erfolgreich sein. Egal, was man beruflich macht.

Sie sind gerade Papa geworden: Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Jaja, die Work-Life-Balance… Ich muss zugeben, dass ich sehr auf meine Arbeit fokussiert bin. Meine Freundin versteht das zwar, aber ich will bewusst versuchen, jetzt auch der Familie mehr Raum zu geben.

Warum lohnt es sich, in denovoMATRIX zu investieren?
Wir haben uns in einer Marktnische positioniert, die bisher unbeachtet geblieben ist – dabei ist sie entscheidend für die Zukunft der Stammzellentherapie. Aus unserer Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, wann der Sektor vollkommen erforscht sein wird. Dann schlägt unsere Stunde: Wir bei denovoMATRIX haben den Markt verstanden und haben die richtigen Kontakte, deshalb glauben wir an unseren Erfolg.

Mit 16 Jahren gründete Josef Brunner sein erstes Unternehmen. © Josef Brunner privat

„Scheitern ist keine Option“

3.000 Mark haben Josef Brunners Eltern in ihren Sohn investiert – er wollte einen Computer zum Programmieren haben. Das Geld war knapp, aber der Junior wurde unterstützt. Daraufhin beendete Brunner die Schule und gründete mit 16 Jahren sein erstes Unternehmen. Über zwanzig Jahre später hat Brunner zig Unternehmen gegründet und gewinnbringend weiterverkauft. Das Investment seiner Eltern war gut angelegt. Doch was treibt einen 16-Jährigen dazu, schon so früh zu gründen?

„Mein Antrieb war der Schmerz. Meine Eltern waren selbstständige Bäcker und wurden damals von Backshops und Supermärkten wegdisrupiert. Daraus ist ein Schmerz entstanden, meine Eltern scheitern zu sehen“, sagt Brunner. Das war sein Antrieb, zu starten. Die Armut und der Schmerz sind tatsächlich etwas, das sich gerade Tech-Unternehmer teilen, wenn es ums Starten geht. „Das Ganze positiv kanalisiert, gibt einem die Energie, immer noch einen Schritt weiterzugehen und härter zu arbeiten“, erklärt Brunner.

Josef Brunner hatte schon sehr früh die Passion zum Programmieren entwickelt. Darum waren seine ersten beiden Unternehmen wohl auch auf IT-Sicherheit spezialisiert. „Das war damals ein Markt, den es noch gar nicht gab. Dementsprechend hatte ich keine Konkurrenz, konnte mich austoben und mein Hobby monetarisieren.“ Das war eine sehr glückliche Fügung für den Jungunternehmer, weil das Timing einfach passte. „Ich hatte wahnsinnig viel Glück.“

Mit 16 Jahren startete Brunner als Unternehmer. Dafür hat er seine Schullaufbahn frühzeitig beendet. „Mit 18 konnte ich meinen Eltern ein Haus kaufen. Das ist für mich immer noch das schönste, weil sie da heute noch drin wohnen und ich ihnen die 3.000 Mark verzinst zurückgeben konnte.“ Den Eltern ein Zuhause zu geben – nachdem sie ziemlich hart getroffen wurden.

Josef Brunner schwimmt auf der Erfolgswelle. Oberflächlich betrachtet. „Rückschläge gibt es jeden Tag“, sagt Brunner – und moniert zugleich, dass oft eine überromantisierte Start-up-Welt konstruiert werde. „Das ist total irreführend bei der Betrachtung der neuen Unternehmergeneration.“ Für ihn sei es schön, dass sich viele junge Leute für die Selbstständigkeit entscheiden würden, aber nachdem medial immer nur das Positive am Unternehmertum ausgebreitet werde, hätten seiner Meinung nach viele keine Vorstellung, worauf sie sich tatsächlich einlassen.

Darum ist Josef Brunner auch als Mentor aktiv und begleitet Menschen in die Selbstständigkeit. „Es gibt diesen “Make it or break it“-Moment im Unternehmertum. Da muss man entscheiden, ob das Ziel es einem wert ist, eine Bibliothek an Narben am Rücken zu sammeln.“ Brunner spricht von Rückschlägen, die einen verändern – auch charakterlich. Aber Rückschläge formen eben auch den Unternehmer. „Ich finde die gut, weil dadurch viel Energie freigesetzt wird. Aber man muss schon so ehrlich sein, dass nicht alles Sonnenschein ist.“

Wenn die Sonne bei Brunner gerade nicht scheint, geht er in die Berge zum Krafttanken. Der Unternehmer wandert gerne, egal zu welcher Jahreszeit und nach Möglichkeit jedes Wochenende. „Je weniger Menschen unterwegs sind, desto besser.“ In den Bergen, bei langen Touren, findet er Inspiration und Erdung zugleich. „Wenn ich im Winter irgendwo in den Bergen bin, dann merke ich, dass die Welt da draußen sehr, sehr hart ist. Das rückt die Sachen wieder in die richtige Perspektive.“

Apropos Perspektive – die Weitsicht hat Brunner manchmal gefehlt. Darum hat er sich gerne an die Hand nehmen lassen. „Ich hatte drei wichtige Mentoren, die mich letztendlich dahin geführt haben, wo ich heute bin. Sonst hätte es vielleicht auch ganz anders ausgehen können.“ Tom Noonan habe ihm den Schubs gegeben, sich mehr Marketing und Vertriebs-Know-how anzueignen, und ihm gezeigt, wie wichtig Firmenkultur und ein Wertesystem sind. John Chambers habe seinen Fokus auf Markttransformationen gelegt.
Von Renate Kerscher

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen!

ai Figge (l.) und Andreas Lüning (r.) entwickelten vor 35 Jahren die erste kommerzielle Antivirensoftware der Welt – sie teilen sich heute den Vorstand von G DATA. Foto: G Data

35 Jahre IT-Sicherheit made in Bochum

In einer Gartenlaube entwickelten Andreas Lüning und Kai Figge vor 35 Jahren die erste kommerzielle Antivirensoftware der Welt entwickelt und das Unternehmen G Data auf die Beine gestellt. Durch ständige Anpassung an eine sich rasant verändernde Branche spielen die beiden Freunde im Bereich der Cyber Security heute ganz vorne mit.

Alles begann mit einer 3,5-Zoll-Diskette und zwei Viren, die Andreas Lüning darauf fand. 1987 war das. Kurzerhand schrieb der damalige Student einen Code, um die Viren zu beseitigen und erzählte seinem späteren Geschäftspartner Kai Figge davon. Der wiederum erkannte das Potenzial von Lünings Werk. Fortan trafen sich die beiden in einer Bochumer Gartenlaube, um gemeinsam an einem Programm zu tüfteln. Kurz darauf der große Hit: Das AntiVirenKit, das erste kommerzielle Antivirenprogramm der Welt, war geboren. Seitdem schreibt das Duo aus dem Ruhrgebiet mit G Data seine Erfolgsgeschichte unaufhörlich fort, wenngleich das nicht immer einfach war, und ist heute Teil eines kompetenten Hotspots von IT-Sicherheitsfirmen am Standort Bochum.

„Uns stand das Wasser schon ein paar Mal bis zum Hals“, sagt Andreas Lüning. „Da muss man die Ruhe bewahren.“ Der Grund für manche Unwägbarkeit lag in der rasanten Entwicklung der IT-Branche. Der Erfolgszug von PC und Internet, von iPhone und Co, Lüning und Figge haben alles hautnah miterlebt und sich immer wieder anpassen müssen: In den 1990er-Jahren machten sie viel in Software. Mitte der 2000er beerdigten sie ihre langjährigen Erfolgsschlager PowerRoute, der sich seit der Massentauglichkeit von GPS-Navis überholt hatte, PowerInfo, Logox und DaViDeo. Dann konzentrierten sie sich wieder voll und ganz auf Cyber Security. Und seit 2015 bieten sie neben Antivirensoftware auch IT-Security-Dienstleistungen an. Aus der Gründung von 1987 ist mittlerweile G Data CyberDefense geworden, eine Aktiengesellschaft mit 500 Mitarbeitern, über den ganzen Globus verteilten Niederlassungen und jährlichen Umsätzen im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Den Vorstand teilen sich Figge und Lüning nach wie vor.

Mit dem Begriff Karriere kann Andreas Lüning trotzdem wenig anfangen. „Wann wird man denn erwachsen?“, fragt er lachend. „Mit 19 haben wir komische Programme an Leute verkauft, die diese unbedingt haben wollten. Irgendwann kamen Mitarbeiter dazu, irgendwann ist es eine GmbH geworden und irgendwann eine Aktiengesellschaft. Aber ich bin ja immer noch der Alte“, sagt er. Der Gedanke, dass ihn neue Mitarbeiter vielleicht nur als alten Mann kennen, der im obersten Stock sitzt und irgendwas mit C – also CEO, CTO oder CFO – vor dem Namen trägt, lasse ihn erschrecken.

Kai Figge bezeichnet die zurückliegenden 35 Jahre als dynamischen Prozess. Dennoch hat sich vieles verändert. „Die Welt ist gerade im IT-Bereich viel schneller und komplexer geworden, genau wie die Vertriebs- und Marketingorganisation“, sagt Figge. „Und auch die Mitarbeiterführung funktioniert heute nicht mehr so wie vor dreißig Jahren“, ergänzt sein Geschäftspartner Lüning. Ab einer gewissen Größe komme man nicht mehr umher, Verantwortung abzugeben und müsse das Unternehmen so aufstellen, dass es sich auch selbst organisieren könne. „Als Führungskraft muss man heute viel zuhören und intensiv auf die Menschen eingehen, um zu erkennen, wie sie untereinander agieren und kommunizieren“, sagt Lüning. Da wiederum hakt Figge ein. Man müsse sich die Dinge, die unbewusst laufen, bewusst machen und reflektieren, ist er sich sicher.

Die beiden G Data-Vorstände ergänzen sich perfekt. Das ist wohl auch ein Grund für den jahrzehntelangen Erfolg des gemeinsamen Projekts. Andreas Lüning ist der technisch orientiertere und verantwortet deshalb primär diesen Bereich, dazu das Marketing. Kai Figge kümmert sich um die Finanzen, das Personal, den Vertrieb und die Organisation. Gemeinsam haben sie aus ihrem Gartenlaubenprojekt eines der führenden Unternehmen für Sicherheitstechnologien gemacht. Heute ist G Data der einzige Hersteller von B2B-Sicherheitslösungen, der aus Deutschland kommt und ausschließlich in Deutschland eigene Forschung und Entwicklung betreibt. In Bochum entstehen, auch dank des einzigartigen Netzwerkes vor Ort, moderne Sicherheitslösungen, die auf künstlicher Intelligenz und Graphentechnologie basieren.

Da die G Data-Geschichte seit jeher auch eine Geschichte der Anpassung an einen sich rasant entwickelnden Markt ist, lässt sich die Zukunft schwer voraussagen. „Es ist schwierig, im IT-Bereich weiter als drei bis fünf Jahre nach vorne zu blicken. Das ist Glaskugellesen“, sagt Lüning. Bei einem ist sich Kai Figge aber sicher: „Wir sind in der Vergangenheit auf viele Züge aufgesprungen, die durch Innovationen dann relativ schnell wieder abgefahren waren. Deshalb haben wir uns irgendwann dazu entschieden, uns wieder voll auf Cyber Security zu fokussieren. Das Thema bleibt uns auf Lebenszeit und darüber hinaus erhalten.“
Von Jonas Raab

Er möchte einer der Pioniere einer neuen Richtung der Medizin sein, der Plasmamedizin. Fotos: Kim Pottkämper

„Geht nicht“ – geht bei ihm gar nicht

Dr. Carsten Mahrenholz hat mit seinem Start-up Coldplasmatech chronischen Wunden den Kampf angesagt. Der vielfach ausgezeichnete Gründer ist getrieben vom Ehrgeiz, zu beweisen, dass nichts unmöglich ist.

Was genau macht Ihre Firma?
Am einfachsten kann ich das mit Raumschiff Enterprise erklären: Da gibt es den Dermal Regenerator – ein Handgerät, dass mit blau leuchtenden Strahlen Wunden verschließt. Im Prinzip haben wir genau so etwas entwickelt. Das blaue Leuchten ist in Wirklichkeit allerdings lila und die Technologie dahinter heißt kaltes Plasma. Es handelt sich hierbei um ein aus sich selbst heraus leuchtendes Gas, das im Gegensatz zu den in der Natur vorkommenden, heißen Plasmen kalt erzeugt wird. Wenn es mit Zellen in Kontakt kommt, werden biochemische Prozesse in Gang gesetzt. Bei behandelten Wunden wird das umliegende Gewebe besser durchblutet, das Immunsystem wird angeregt und die Zellen fangen an, sich zu bewegen. Man löst also Wundheilungsprozesse aus. Das funktioniert sogar bei chronischen Wunden.
Es gibt ein weiteres, großes Problem in Krankenhäusern: multiresistente Keime – und sogar hier liefern wir die Lösung. Bakterien und Pilze, die mit kaltem Plasma in Berührung kommen, sterben ab. Unser Unternehmen hat diese Technologie natürlich nicht erfunden, aber wir haben – in Form von Wundauflagen – einen Applikator dafür gebaut. Das war der Schritt, den dieses tolle Verfahren gebraucht hat, um vielen Patienten zu helfen. Unsere Wundauflage kann das kalte Plasma großflächig erzeugen – in nur zwei Minuten Therapie. Für den Behandler ist die Anwendung einfach, er muss eigentlich nur noch auf einen Knopf drücken.

Wie ist die Aufteilung bei Ihnen und Ihrem Mitgründer Tobias Güra – gesellt sich bei Ihnen Gleich und Gleich gern oder ziehen sich eher Ihre Gegensätze an?
Ich bin froh, dass ich jemanden gefunden habe, der mich ergänzt. Ich bin der extrovertierte Stratege, der unkonventionell ist und Sachen komplett neu denkt. Aber diese Eigenschaften sind auch die Grundlagen für meine Schwächen, die wiederum die Stärken von Tobias sind. Er ist viel besser im Mirkomanagement und hat das Auge für einzelne Prozesse. Gemeinsam trauen uns die Mitarbeiter und Partner zu, dass wir die ganz großen Räder drehen.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Sobald ich weiß, dass ich ein Ziel erreichen werde, ist es für mich nur noch ein Meilenstein zum nächsten, größeren Ziel. Ich erlaube mir relativ selten Erfolgsgefühle. Aber vielleicht blicke ich ja irgendwann zurück und kann sagen, dass ich etwas zum Positiven verändern konnte. Bei aller Ernsthaftigkeit und Erfolgsdiskussion ist mir wichtig, das Spielerische zu erhalten. Neben meinem Schreibtisch steht zum Beispiel die Millennium Falcon aus Lego, die ich in Telefonkonferenzen weiterbaue.

Hatten Sie je Existenzängste?
Für mich sind Situationen, in denen andere schlottern würden, eher interessante Herausforderungen. Ich habe Spaß daran, Krisen zu lösen. Es gab mal eine Situation, die war bezeichnend: Eine meiner Freundinnen leidet unter unglaublicher Flugangst. Als wir zusammen Langstrecke geflogen sind, hatte ich sie panisch erwartet, aber sie saß völlig entspannt neben mir – sie sagte mir, der Gedanke beruhige sie, dass ich aufstehen und den Flieger landen würde, sollten beide Piloten ausfallen. Wahrscheinlich hat sie recht damit, das klingt nach mir.

Hat man Ihnen je eine gewisse Hybris unterstellt?
Nein, ich erhebe mich ja nicht über andere. Aber ich habe durchaus eine Aufgabe, bei der Selbstbewusstsein und Sicherheit gefordert sind. Ich bin überzeugt von mir und den Entscheidungen, die ich treffe – das muss ich auch sein. Mein Beruf bringt ständig Situationen mit sich, in denen ich im übertragenen Sinne vor dunklen Räumen stehe, ohne zu wissen, was mich darin erwartet. Von mir wird aber verlangt, dass ich mich dort auskenne und mir sicher bin, wie es darin aussieht, wenn ich das Licht anschalte – bisher hat das auch funktioniert, deswegen folgen mir Leute in diesen Situationen.

Haben Sie eine Freundin oder Kinder?
Ich habe verschiedene Beziehungsformen gelebt und bin jetzt bei einer beeindruckenden Frau an meiner Seite angekommen, die mich auf allen Ebenen ergänzt. Manchmal als Unterstützerin, manchmal als Gegenpart. Aktuell habe ich noch keine Kinder, aber ich freue mich schon jetzt darauf, meinem Nachwuchs die Welt zu zeigen.

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen!

Die Coronakrise hat viele in Bedrängnis gebracht. Um die Politik auf die Notsituation der Busbranche aufmerksam zu machen, hat Julien Figur im Mai 2020 eine Busdemo in Hamburg organisiert. Hier sieht man Julien Figur beim Einweisen von Reisebussen. Es waren 150 Busse. Foto: © Constantijn Gubbel bei der Demo in Hamburg dabei.

Einfach losfahren

Mit „Hanse Mondial“ einfach losfahren mit wenig Aufwand – das verspricht Firmengründer Julien Figur seinen Kunden. Zusammen mit seinem Bruder Chris und zwei Freunden, Emmanuel Stover und Tobias Warnecke, lenkt er die Full-Service-Mobilitätsagentur für europaweite Buslogistik sicher und souverän. Auch in schwierigen Zeiten bleibt der 33-Jährige ruhig am Firmensteuer: Obwohl die gesamte Branche wegen Corona in Schieflage geriet, steht die Ampel für die Hamburger Agentur weiterhin auf Erfolgskurs.

Das Coronavirus hat den Alltag aller drastisch verändert, sogar ganze Wirtschaftszweige in die Knie gezwungen. Die Reisebranche wurde durch das Virus an die Wand gefahren. Eine schwierige Zeit auch für Julien Figur. Er nutzte die Zeit, ins Team zu investieren, Prozesse und Strukturen aufzusetzen. Auch sein Netzwerk baute er aus. Denn statt eine eigene Busflotte aufzubauen, setzt „Hanse Mondial“ auf ein bundesweites Netzwerk aus über 1.000 Bus- und Reiseunternehmen, deren Reisebusse und Limousinen er im Auftrag seiner Kunden mietet und einsetzt. Egal, ob jemand komplexe Touren und Routen, regelmäßige Transfers und Shuttlefahrten oder einfache Transfers von A nach B braucht, egal, ob es sich um fünfzig Personen oder 50.000 handelt – Julien Figur und sein Team kümmern sich darum, dass am gewünschten Tag alle pünktlich, sicher und bequem ihr Ziel erreichen. Und auch noch nachhaltig. Gerade das ist Julien Figur wichtig. Denn das Coronavirus zwinge uns zum Umdenken, sagt er.

„Wir müssen nachhaltiger leben und unsere Einstellungen überdenken.“

Unser aller Ziel müsse sein, der nächsten Generation die Erde wohlbehalten zu übergeben. „Aber dafür müssen wir uns und unser gesellschaftliches Verhalten tatsächlich ändern.“

Mobilität, Reisen und Umweltschutz, passt das überhaupt zusammen? Für den 33-Jährigen keine Frage: Wer statt ins Auto in den Reisebus steigt, um von A nach B zu kommen, ist klimaschonend unterwegs, belastet die Erde im Vergleich zum Pkw mit nur einem Viertel an CO2-Ausstoß pro Kilometer. Deshalb will Julien Figur noch viel mehr Menschen dazu bewegen, auf den Reisebus umzusteigen. Im Gespräch mit ihm wird deutlich, wie sehr ihn das Thema Nachhaltigkeit umtreibt. Während des Lockdowns hat er den Podcast „Mobilität der Zukunft“ gestartet. In dem Podcast diskutieren Experten, Meinungsführer und Unternehmer darüber, wie sich Mobilität im Hinblick auf Digitalisierung und Umweltschutz verändern wird. Mit dabei waren bereits Interviewgäste wie z. B. Nachhaltigkeitsaktivist Marc Buckley, Zukunftsforscher Dr. Stefan Carsten und CDU-Politiker Dr. Christoph Ploß. „Die Zukunft sieht in meinen Augen so aus, dass der Mobilitätsmix im urbanen und ländlichen Raum digital und on demand über das Smartphone buchbar sein wird. Die Buslogistik der Zukunft ist autonom“, ist Julien Figur überzeugt. Und genau diese Vision treibt ihn an.

Inspiriert hat ihn sein früherer Chef, ein Visionär. „Von ihm habe ich unglaublich viel gelernt“, sagt Julien Figur. In die Firma kam er eher zufällig. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er berufsbegleitend BWL und heuerte bei einem Unternehmen an, dass Busse vermietet. Für ihn goldrichtig, wie sich herausstellte. Er konnte viele Erfahrungen sammeln und eigenverantwortlich arbeiten. „Allerdings habe ich schon in der 8. Klasse immer gesagt, ich will später mein eigener Chef werden“, erinnert sich Julien Figur. Im USA-Urlaub kam er zur Ruhe, dachte viel nach. Am Sandstrand von Florida trifft er eine Entscheidung: „Ich mache mich selbstständig.“ Er wollte nicht wie sein Vater in einem „Konzerndschungel gefangen die Karriereleiter hochklettern“. Sein Vater habe zwar in den Augen vieler Menschen Erfolg gehabt, aber „er war nie wirklich frei“. Aber gerade das ist für Julien Figur die Definition von Erfolg: Freiheit, zum Beispiel die Freiheit, eigene Ideen und Visionen umzusetzen.

Er sagt: „Erfolg messe ich nicht an der Größe eines Hauses, an der Anzahl schneller Autos oder anhand des Bankkontos.“
Von Claudia Rothhammer

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen.

Sein Arbeitsplatz sind die Wälder Brandenburgs

Christian Wegner wollte Lehrer werden. Daraus ist nichts geworden. Stattdessen hat er „momox“ gegründet, eine An- und Verkaufsbörse für gebrauchte Bücher. Mittlerweile hat der 41-Jährige die Anteile an seinem Unternehmen, das auf 1500 Mitarbeiter und 250 Millionen Euro Umsatz gewachsen war, extrem erfolgreich verkauft und ist an etwas – noch geheimen – Neuen dran.

Wie startet man ein Unternehmen wie Ihres?
Ich brauche eine Vision, um etwas zu starten. Eine Vision ist für mich ein Film, den man immer und immer wieder im Kopf abspult und der starke Emotionen in einem weckt. Ich sage bewusst „Film“, weil das nicht so esoterisch besetzt ist wie „Traum“.

Worum gehts in Ihrem persönlichen Film?
In meiner Vision dreht sich alles um die Verwertung nicht mehr benötigter Dinge. Ich will dazu beitragen, dass so viele Dinge wie möglich, die derzeit irgendwo verstauben, wieder in den Warenkreislauf gelangen. Ich will erreichen, dass eines Tages genauso viele Sachen gebraucht wie neu gekauft werden und dass möglichst viele Menschen vom Handel damit leben können. Das treibt mich an. Die Angebote, die es gibt, sprechen noch immer nicht genug Menschen an. Das will ich ändern. Ein bisschen ist mir das mit „momox“ bereits gelungen. Aber es gibt natürlich nicht nur Bücher, die irgendwo nutzlos rumliegen. Die meiste Arbeit liegt daher noch vor mir. Sicher gibt es spannendere und größere Filme. Aber das ist eben meiner.

Wie schwer fiel Ihnen der Abschied von Ihrem Baby „momox“?
Schwerer als ich dachte, leichter als man im Allgemeinen denken würde.

Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Es war notwendig, weil ich gemerkt habe, dass ich mich in einer Sackgasse befinde. Ich konnte mich nicht mehr verwirklichen, meine Ideen waren nicht mehr gefragt. Aber es war eine tolle Zeit für mich und ich habe unendlich viel gelernt.

Hatten Sie Angst vor dem „Danach“?
Nein, das „Danach“ war mein nächstes Zwischenziel.

Sie gründen gerade eine neue Firma, können Sie schon ein bisschen was verraten?
Erst einmal noch nicht. Wenn ich etwas mache, das nicht funktioniert, lerne ich, dass es so nicht geht und dass ich es anders probieren muss, was dann wiederum ein Schritt nach vorn ist. Aber natürlich ist mir sowas peinlich und unangenehm, weil es stigmatisierend ist. Deshalb lege ich erst einmal los und posaune es nicht rum. Gerade wenn man schon einmal Früchte geerntet hat wie ich, ist die Erwartung, dass man ein kleiner Zauberer ist, bei dem immer alles klappt. Das ist natürlich Quatsch. Aber ich spiele das Spiel mit und versuche, alles was nicht klappt, zu verbergen.

Alles hat angefangen, weil Sie dringend ein bisschen Geld brauchten und sie online Bücher weiterverkauften. Heute haben Sie reichlich Polster. Wie ist Ihr Verhältnis zu Luxus und Vermögen?
Wenn man kein Geld hat, dann will man unbedingt welches haben. Ist man dann reich, stellt man fest, dass sich nicht wirklich viel ändert. Wenn man sich alles leisten kann, wird es wieder langweilig. Plötzlich fängt man dann an, Second Hand zu shoppen und einen Kleinwagen zu kaufen. Am Ende kommt dann irgendwie jeder, der viel Geld hat, zu dem Schluss, dass Geld aber schon auch gut ist und dass es wichtig ist als Brennstoff für Dinge, die man noch vorhat. Ein Unternehmen kann oft schneller mit Geld wachsen als ohne.

Was war Ihre erste große Anschaffung, die Sie sich gegönnt haben?
Ein gebrauchter Mercedes AMG C63. Das Auto hat sechs Monate gehalten, bevor ich es mit 120 km/h gegen die Leitplanke gesetzt habe. Ich hatte einen Schutzengel. Das Auto hatte keinen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Weg zum Erfolg?
Linearität gibt es nicht. Ständig klappen Dinge nicht. Ständig geht was schief. Ständig gibt es Probleme, die man lösen muss. Das ist Tagesgeschäft. Das gehört dazu.

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Er revolutioniert mit seiner Plattform „Appinio“ die Marktforschung: Jonathan Kurfess. Fotos: © Karsten Eichhorn

Revolution der Marktforschung

Jonathan Kurfess ist einer von „30 unter 30“, die unsere Zukunft gestalten. Das sagt das Forbes-Magazin. Keine Frage: Der 30-jährige Hamburger hat das Potenzial dazu, die Marktforschung zu revolutionieren. Er kann Unternehmen in wenigen Stunden sagen, wie ihre Zielgruppen ticken. Vorbei die Zeiten, in denen man drei Monate auf ein Ergebnis warten musste. Mit seiner Plattform „Appinio“ erreicht er sogar Zielgruppen, die für klassische Marktforschung kaum noch erreichbar sind: zum Beispiel Millennials.

Wer etwas verkaufen möchte, muss wissen, wie seine Zielgruppe tickt. „Leider ist Marktforschung nicht nur extrem wichtig, sondern auch unverhältnismäßig aufwendig und teuer“, sagt Jonathan Kurfess und denkt dabei an seine Zeit bei einem großen Konsumgüterhersteller. Während er BWL studierte, arbeitete er berufsbegleitend im Marketing. Und hier dauerte es oft Monate, bis ein Marktforschungsinstitut Ergebnisse lieferte, auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden. „Ein sehr langsames und träges System“, fand er. Mit 22 Jahren kam er auf die Idee, eine digitale Plattform zu entwickeln, die Marktforschung automatisiert und digitalisiert und somit auch schneller und günstiger ist.

Doch für seine Idee interessierte sich niemand in der Firma. Nach seinem Bachelorabschluss kündigt er, meldet sich arbeitslos. „Das war ein krasser Schritt für mich.“ Ein Jahr gibt er sich Zeit. Mit einem Freund, dem jetzigem CTO, entwickelt er die Plattform in einer kleinen Abstellkammer in Hamburg. Anfangs wird er noch von Marketingprofis belächelt, wenn er die Plattform auf Events vorstellt. Heute, sechs Jahre später, hat er über 700 Firmen in seiner Kundendatei. „Die Hälfte der DAX-Konzerne nutzen Appinio“, freut sich Jonathan Kurfess über seinen Erfolg.

Von Claudia Rothhammer

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Lukas Mielke gründete bereits als Elftklässler sein erstes Unternehmen. Foto: privat

Ein Höhenflug muss nichts Schlechtes sein

2010 galt Lukas Mielke als Deutschlands jüngster Unternehmer. In der elften Klasse gründete er seine erste Firma, vertrieb Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel. Mit 18 Jahren hatte er 40 Mitarbeiter und den Traum von einer Weltumsegelung. Heute – mit 29 Jahren – hat der Berliner sein Unternehmen längst gewinnbringend verkauft und unterstützt als Investor Startups mit seinem Wissen.

Sie waren extrem jung, als Sie Ihre erste Million verdienten. Hatten Sie irgendwann einen Höhenflug?
Ja, aber ein Höhenflug, der nicht mit Arroganz einhergeht, kann auch zu irrsinnigen und abwegigen Gedankengängen führen, die wiederum in revolutionären Geschäftsideen münden.

Was war Ihre erste große Anschaffung?
Zu Schulzeiten wollte ich immer ein BMW-Cabrio haben. Das habe ich mir gekauft und schnell zu Schrott gefahren. Heute zählt für mich mehr die Möglichkeit, etwas kaufen zu können, wann immer ich möchte.

Wo liegt unternehmerisch Ihr Ziel?
An etwas Großem teilzuhaben, das für die Gesellschaft von Nutzen ist. Deshalb investiere ich in innovative Startups. Neben der finanziellen Beteiligung gibt mir das die Möglichkeit, an vielen verschiedenen Visionen mitzuarbeiten. Das ist eine unglaublich erfüllende Tätigkeit.

Mussten Sie Rückschläge einstecken?
Es gab Zeiten, da führte auch das hundertste Kundengespräch nicht zum Abschluss, der beste Mitarbeiter hat die Firma verlassen und der Kontostand wurde immer niedriger. Einmal hätte mich ein falsch kalkuliertes Geschäftsmodell fast meine Existenz gekostet. Aber auf jeden Rückschlag folgt irgendwann Erfolg.

Von Johanna Reichert

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Langjährige Freunde und Geschäftspartner: 2009 stieg Benjamin Heindl (re.) bei IServ ein. Bilder: © Alexandra Siering

Der Chef, der das Leergut sortiert

Vor zwanzig Jahren, als Jörg Ludwig noch die Schulbank drückte, entwickelte er einen Schulserver, räumte damit bei „Jugend forscht“ ab und stellte anschließend das Unternehmen IServ auf die Beine, das seither kontinuierlich wächst. Corona ließ dieses Wachstum explodieren.

Herr Ludwig, wie haben Sie Ihre Leidenschaft fürs Programmieren entdeckt?
Technik hat mich schon immer fasziniert. Als ich in der dritten Klasse war, habe ich einen alten Heimcomputer von meinem Opa geschenkt bekommen, angefangen zu programmieren und mich dazu entschieden, dass ich Informatiker werden will.

 

Woher weiß ein Drittklässler, wie man programmiert?
Ich habe mir ein Buch aus der Bücherei geholt und mich da reingefuchst. Ich hatte außerdem das Glück, dass meine Mutter Informatik studiert hat. Die hat mir ein paar Tipps gegeben. Heute geht man ins Internet und findet Anleitungen. Damals war das schwieriger. Zusammen mit ein paar Kumpels habe ich versucht, Spiele zu programmieren. Aber das war natürlich superrudimentär im Vergleich zu 3D-Spielen von heute.

Programmieren Sie heute immer noch selbst?
In den ersten zehn Jahren von IServ war ich alleine für das Programmieren verantwortlich, nebenbei aber auch für Vertrieb, Marketing, Support und Schulungen. Jetzt geht es um Organisation, Personal und Strategie. Meine tägliche Arbeit hat sich langsam vom eigenen Handeln hin zum Management verschoben.

Vermissen Sie es, selbst Hand anzulegen?
Tatsächlich schon. Das Schöne am Programmieren ist, dass ich am Ende des Tages ein Ergebnis sehe. Jetzt schicke ich zehn E-Mails raus und bekomme vielleicht zwei Wochen später eine Rückmeldung. Ich führe unheimlich viele Gespräche, bei denen man nie genau weiß, was sich daraus entwickelt. Ich stelle mich dieser Herausforderung auch gern, aber am Ende des Tages mit einem konkreten Ergebnis nach Hause zu gehen, fehlt mir schon. Aber: Ich sortiere in der Firma gerne das Leergut ein. Da kann ich in Ruhe mal zehn Minuten Flaschen sortieren und sehe hinterher ein Ergebnis. Das ist immer ganz nett.

Was macht in Ihren Augen ein gelungenes Management aus – wie leiten Sie Ihr Team?
Ich versuche, die Mitarbeiter für meine Ziele zu gewinnen und lasse sie selbst die richtigen Lösungen finden. Ich gebe lediglich meine Vision vor, bei der Umsetzung lasse ich den Programmierern freie Hand. Man kann nicht alles selbst machen. Muss man auch gar nicht. Andere Leute können andere Dinge auch wesentlich besser als ich. Ich versuche, meinen Mitarbeitern viel Wertschätzung zu zeigen und Verantwortung zu übermitteln. Man muss den Leuten dann aber auch zugestehen, dass mal Sachen schiefgehen. Ich habe den Vorteil, dass mein Team superengagiert ist und sich sehr viel Mühe gibt. Da klappen Sachen dann eben auch.

Das klingt, als wäre IServ ein ziemlich eingeschworener Haufen, oder?
Ja. Wir frühstücken jeden Morgen zusammen und treffen uns auch außerhalb der Arbeitszeiten zu Spieleabenden. Ich würde mal ganz platt sagen: Ich stelle die Leute in der Regel nach Sympathie ein, weniger nach fachlicher Qualifikation. Natürlich muss am Ende beides zusammenspielen, aber ein klarer Lebenslauf ist für mich nicht entscheidend. Ich will Leute, die für das Thema brennen und Bock darauf haben. Ob sie im Studium die besten Noten hatten, spielt für mich keine Rolle.

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Er macht Pflege(n) leichter

Unsere Gesellschaft wird immer älter – das macht Pflege zu einem zentralen Zukunftsthema. Dr. Alexander König will mit den Assistenz-Systemen seines Start-ups Reactive Robotics das Leben der Patienten und auch der Pflegenden erleichtern. Der 41-jährige Gründer hat in Amerika studiert und war als Postdoktorand sogar an der renommierten Harvard Medical School tätig. Da ist es logisch, dass sein nächstes Ziel ist, auch den US-Markt zu überzeugen.

Wie genau funktionieren Ihre Assistenz-Roboter?
Wir wollen Pflegekräfte und Therapeutinnen in Ihrer Arbeit unterstützen. Dafür haben wir eine Art Exoskelett – eine äußere Stützstruktur – erfunden, die robotisch-assistierte Frühmobilisierung ermöglicht. Die Patienten können in einem speziell entwickelten Intensivbett eine Gangtherapie machen, ohne das Bett verlassen zu müssen. Studien zeigen, dass sich die Liegezeit und das Risiko von Sekundär-Komplikationen dadurch verringert. Bisher wäre diese Therapie aber bei Schwerbetroffenen manuell nur mit hohem Personalaufwand und hoher körperlicher Belastung für die Pflegekraft möglich gewesen. Durch unser System kann sie jetzt durch nur eine Person und ohne großen Kraftaufwand umgesetzt werden.

Was sind die größten Schwierigkeiten in Ihrer Branche?
Bis man ein Produkt in der Realität ausprobieren kann, können Jahre vergehen. Wir haben fast fünf Jahre gearbeitet, bevor wir den ersten Patienten therapieren konnten. Das Medizinproduktegesetz erlaubt Tests mit einem unfertigen, nicht zertifizierten Produkt nur in extrem begrenzten Umfang, also entwickeln die meisten Firmen zu Ende und stellen sich dann erst dem Markt und der Realität. Bis dahin muss man durchhalten.

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Vor zehn Jahren hat Carsten Öztan seine Zahnklinik Ost in Berlin gegründet. Seitdem wächst das Unternehmen ununterbrochen. Foto: Nicole Schnittfincke

„Sie werden doch wohl nicht…“

Seit zehn Jahren wächst Carsten Öztans Zahnklinik Ost unaufhörlich. Der Berliner weiß genau, welche Charakterzüge Unternehmer brauchen, um Widrigkeiten zu meistern und langfristig erfolgreich zu sein.

„Sie werden doch wohl nicht in die Türkenklinik gehen?“ Mit perfiden Aussagen wie dieser machte manch Berliner Zahnarzt vor rund zehn Jahren bei seinen Patienten gegen Carsten Öztan mobil. Der hatte zusammen mit seinem Bruder Jürgen gerade die Zahnklinik Ost gegründet – ein Dorn im Auge mancher Berufskollegen. „Mit Migrationshintergrund muss man immer ein Stück besser sein als andere. Es gelten andere Maßstäbe. Eigentlich bin ich immer Deutscher, aber wenn jemandem etwas missfällt, dann bin ich sofort der Türke“, sagt Ötzan. Sonderlich gestört haben ihn solche Schmähungen, so schlimm und aus der Zeit gefallen sie auch waren, nie. Ganz im Gegenteil: Für ihn waren sie Ansporn, noch mehr dafür zu tun, mit seinem jungen Unternehmen noch schneller zu wachsen. „Wenn das Umfeld nicht versucht hätte, mir solche Steine in den Weg zu legen, könnte es gut sein, dass ich es bei einer Klinik belassen hätte.“ Hat er aber nicht. Mittlerweile sind es drei Kliniken, aufgeteilt unter den beiden Brüdern.

Als Unternehmer müsse man eben psychisch stabil, belastbar und mutig sein, um auch Widrigkeiten zu überstehen, ist sich Öztan sicher. Gerade in den Jahren nach der Klinikgründung, als Öztan das rasante Wachstum seines jungen Unternehmens finanziell nicht immer kompensieren konnte, waren diese Charaktereigenschaften gefragt. Am wichtigsten dabei: Ruhe bewahren. „Ich glaube, das hat man einfach oder man hat es nicht. Wenn ein Banker einem vorrechnet, dass Hunderttausende Euro fehlen, ist es natürlich schwer, ruhig zu bleiben. Aber meine Lebenseinstellung ist: Am Ende wird sowieso alles gut. Das ist schwer zu erklären, aber extrem hilfreich“, sagt der 44-Jährige.

Wenn Öztan von zurückliegenden Herausforderungen, vor allem aber von Meilensteinen und Erfolgen der Zahnklinik Ost spricht, dann immer im Plural. Zum einen, weil er das Unternehmen lange zusammen mit seinem Bruder Jürgen führte, zum anderen, weil es in den Kliniken trotz jährlichem Wachstum von rund 20 Prozent sehr familiär zugeht. „Da ist viel mehr Vertrauensbasis als in anderen Firmen. Die Personen, die seit der Firmengründung dabei sind, sind mittlerweile auch alle in Führungspositionen. Die stehen mir alle sehr nahe. Deshalb spreche ich auch immer von wir.“ Dieses Wir und die Verantwortung für die Belegschaft treiben den Berliner, der seine Stärken vor allem im Zwischenmenschlichen verortet, täglich an.

Carsten Öztans Tage sind lang. „So richtig abschalten kann ich nie. Ich arbeite eigentlich immer, wenn ich wach bin“, sagt er lachend. Seine Freundin könne ein Lied davon singen. „Auch wenn man heute mit Smartphones viel flexibler ist und schneller reagieren kann als früher, zur Ruhe kommt man damit natürlich viel schwieriger. Wenn dann wieder mal die wöchentliche Bildschirmzeit aufploppt, erschrecke ich oft.“ Etwas Ausgleich findet Öztan in seinen Hobbys, für die er sich bewusst Zeit freischaufelt.

Seit einem Marketingkniff im Rahmen der dritten Zahnklinik-Ost-Eröffnung – Öztan stieg damals für einen Box-Showkampf gegen Arthur Abraham in den Ring – boxt der Berliner mit Leidenschaft. Bis zu fünf Mal pro Woche, meist frühmorgens um 5 Uhr. Daneben fotografiert er, spielt Golf und ist gerne in der Natur unterwegs – mit dem Boot oder der Angelrute. Im Gegensatz zum Berufsleben ist er in seiner Freizeit nicht sonderlich erfolgsorientiert. „Beim Angeln geht es mir gar nicht darum, etwas zu fangen. Darin bin ich auch wirklich miserabel. Es geht mir vielmehr darum, ein paar Stunden alleine dazusitzen, ohne dass mich jemand anspricht.“

Luxus bedeutet für Öztan innere Zufriedenheit, ein sorgenfreies Leben und keine getroffene Entscheidung zu bereuen, auch wenn man im Nachhinein weiß, wie man es hätte besser machen können. „Diese Erfahrungen gehören dazu und prägen einen am Ende positiv“, ist er sich sicher. Viel wichtiger sei es für Unternehmer, durch ein Alleinstellungsmerkmal einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben. Öztans zahnärztliches Spezialgebiet ist das Setzen von Implantaten. Auch das – die Freiheit, sich im Berufsalltag voll auf seine Stärken und Vorlieben konzentrieren zu können – bezeichnet er als Luxus. „Das gleicht dann auch den ganzen Stress gut aus. Ich habe alles, was mich glücklich macht.“

Von Jonas Raab

Erfolg ist wenn man das tut, was man mit Freude macht!

Warum Kulturschaffende zu unser aller Erfolg beitragen: Jürgen Hunke ist ein ehrlicher und gradliniger Mensch, der als Kind „irgendwas“ mit Sport machen wollte. 42 Jahre war er selbstständig als Unternehmer, Buchautor, Galerist und ist inzwischen Inhaber der Hamburger Kammerspiele.

Hunke: „Es war mehr als ein Zufall, dass ich im Jahre 1993 gefragt wurde, ob ich einem der schönsten Privattheater Deutschlands, den Hamburger Kammerspielen, organisatorisch bzw. finanziell privat helfen könnte.“ Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nie Kontakt mit den organisatorischen und kaufmännischen Gepflogenheiten eines Theaters.

Doch Jürgen Hunke sagt: „Kultur ist für unser Land mit unserer Vergangenheit aber auch für die Zukunft ein wichtiger Baustein für unsere Gesellschaft. Gerade bei Theatern und der Literatur ist es wichtig, Hintergründe zu erklären. Die Vielfältigkeit der Kultur trägt dazu bei.“

Nach einigen Gesprächen, ließ Jürgen Hunke sich überzeugen, durch einige Privatdarlehen die Insolvenz des Theaters abzuwenden. Nach kurzer Zeit gab es für den erfolgreichen Unternehmer nur zwei Möglichkeiten: das Theater selbst zu übernehmen oder das gegebene Geld abzuschreiben.

Jürgen Hunke, der schon immer ungewöhnliche Dinge in seinem Leben gemacht hat, entschied sich für den ersten Weg. Er sagt „Der richtige Zeitpunkt entscheidet darüber, ob man Erfolg hat oder nicht!“. Trotz der schwierigen finanziellen Situation eines Privattheaters, führt Jürgen Hunke die Hamburger Kammerspiele mit viel Freude und Engagement.

Gerade jetzt zur Corona-Pandemie können wir erleben, wie schwer es die Künstler, Schauspieler und auch die Theater haben. Nach mehrmaligen Scheitern von ehemaligen Inhabern, hat er all seine Erfahrungen aus seinem Leben in andere Bereiche übernommen und den Versuch gewagt. Er hat die Herausforderung angenommen das Haus funktionsfähig zu halten.

Er sagt „Rückblickend gesehen darf ich feststellen, dass es ein guter Schritt war, das Theater zu übernehmen.“, denn „Man sollte sein Leben mit Disziplin und Verantwortung führen und immer wieder neue Herausforderungen annehmen.“

von Vanessa Behrend

Hatte schon immer einen Faible für Digitales: Userlane Gründer Hartmut Hahn Foto © Userlane GmbH

Der Krisen-Meisterer

Computer waren immer schon die Leidenschaft von Hartmut Hahn. Vor vier Jahren gründete er deshalb Userlane – eine Firma, die dafür sorgen will, dass wirklich jeder seine Software auch anwenden kann. Heute hat der 39-Jährige bereits siebzig Mitarbeiter, Tendenz drastisch steigend. Dass bei einem so jungen und schnell wachsenden Unternehmen nicht immer alles läuft wie ursprünglich geplant, stresst ihn nicht – der Unternehmer ist Stress gewöhnt. Sein Abitur machte der gebürtige Niederbayer 2001 zur Dotcomkrise, zur Finanzkrise 2007 war er fertig mit dem Studium und suchte einen Job — und pünktlich zur Coronakrise ist er nun dabei, mit Userlane international zu expandieren.

 

Wie sind Sie auf die Idee zu Userlane gekommen?
Ich war schon als Kind begeistert von allem, was digital war, und habe – unter Bedenken meiner Eltern – einen Großteil meiner Freizeit vor dem Bildschirm verbracht. Mit dieser Begeisterung für Digitales bin ich dann auch ins Berufsleben gestartet und war zunehmend enttäuscht davon, wie frustrierend die Arbeit mit komplexer Software sein kann. Die Anzahl der Anwendungen, mit denen man sich auskennen muss, steigt ständig, alles verändert sich laufend und die Bedienbarkeit lässt meistens zu wünschen übrig. Im Großen und Ganzen schien es mir, dass meine Kollegen und mich vieles eher behindert hat, statt uns produktiver zu machen. Die Idee von Userlane ist aus diesem Problem heraus entstanden – wir wollten das Arbeiten mit Technologie einfacher, effektiver und motivierender machen, indem wir jedem Menschen bei jeder Software genau die Hilfe geben, die er gerade braucht.

Wie startet man ein Unternehmen wie Ihres?
Ein Unternehmen zu starten, ist theoretisch einfach: Ein Problem finden und lösen, für das die Menschen bereit sind, Geld zu bezahlen. Für mich ist aber eine andere Sache entscheidend: Wie begeistert bin ich von dem Problem, das ich lösen möchte? Die Antwort macht den Unterschied, ob ich nach Rückschlägen aufgebe oder nach Lösungen suche – und im Endeffekt ist Erfolg dann nur eine Frage der Zeit und ob man lange genug durchhält, bis es klappt.

Wie viel Mut braucht es, heute ein Unternehmen zu gründen?
Für mich fühlt es sich riskanter an, nicht zu gründen und Jahre meines Lebens in einem Unternehmen an etwas zu arbeiten, mit dem ich mich nicht identifiziere und dessen Sinn ich nicht teile. Wenn man sich bewusst macht, dass alles in der eigenen Verantwortung liegt, gibt einem das sehr viel Freiheit – es gibt keine Ausreden, etwas nicht zu ändern, wenn es einem nicht passt.

Ist Userlane einer der Gewinner der Coronakrise?
Nein. Auch wenn wir als digitales Unternehmen in den letzten Monaten stärker an Umsatz und Mitarbeitern zugelegt haben, spüren wir die impliziten Kosten der Krise. Emotional, weil ich spüre, dass die anfängliche Homeoffice-Euphorie nachlässt und unseren Mitarbeitern der soziale Austausch fehlt, und strukturell, weil wir einiges – wie die Eröffnung eines Office in den USA – verschieben mussten.

Sie haben gerade in einer Finanzierungsrunde zehn Millionen eingesammelt. Wie investieren Sie die?
Die Basis von Userlane sind die Menschen, die mit uns arbeiten. Daher investieren wir in erster Linie in neue Mitarbeiter – einerseits, um unser Produkt weiterzuentwickeln, und andererseits, um neue Märkte zu erschließen.

Von Johanna Reichert

Das ganze Interview finden Sie in der Printausgabe von Secrets of Success.

Inhaber und Geschäftsführer der K-motion-Häuser Mathias Kemme mit Geschäftspartner Christof Gläser.

„Kino machen ist kein Beruf, sondern Leidenschaft“

Magische Kinomomente gehören für Kinobetreiber Mathias Kemme zum täglichen Geschäft. Als Inhaber und Geschäftsführer der K-motion-Häuser bringt er spannende Blockbuster und feine Arthouse-Filme auf die Leinwände in 15 Standorten und zaubert Filmfans ein Lächeln ins Gesicht. Ein Job, der glücklich macht!

Mit dem Disney-Klassiker „Das Dschungelbuch“ fing alles an. Zusammen mit seinen Eltern und seinem Bruder tauchte Mathias Kemme 1967 zum ersten Mal in die wunderbare Welt des Filmes ein und verliebte sich sofort in die einzigartige Magie des Kinos. Begeistert vom Popocornduft und dem Flimmern auf der Leinwand wurde mit diesem Erlebnis der Grundstein für seinen Traumberuf gelegt.

Für den heute 56-jährigen Geschäftsführer hat die Faszination zum Film nichts von seinem Glanz verloren. Ein Grund, warum Mathias Kemme zusammen mit seinem Geschäftspartner Christof Gläser und einem achtköpfigen Team auf innovative Ideen in seinen Kinostandorten setzt. „Der Glaube ans Kino gibt uns in jedem Bereich Antrieb. Sei es bei der Vermarktung unserer Häuser oder der fortlaufenden Suche nach geeigneten Bauprojekten und Grundstücken für neue Standorte. Kino zu leben, beinhaltet mehr als nur das Genießen von großartigen Filmen.“

Der Weg zum Erfolg führte Mathias Kemme über verschiedene Stationen, die jedoch immer mit dem Thema Kino verbunden waren. Ob im Immobilienmanagement für eine Multiplexkette oder als Förderer von vielversprechenden Filmprojekten: Kino spielt im Leben des gebürtigen Westafrikaners eine wichtige Rolle.

„Kino machen ist kein Beruf, sondern Leidenschaft“, sagt Kemme, der 2008 die laufenden Geschäfte der K-motion Kinobetriebe federführend übernahm. „Man lässt sich auf jeden Film ein und möchte die Freude am Film mit den Kinogästen teilen. Egal, ob es sich um millionenschwere Produktionen wie James Bond oder deutlich kleinere Projekte aus dem europäischen Raum handelt. Das Geheimnis liegt in der Art, Filme zu betrachten und jedes Projekt mit gleicher Sorgfalt auszuwerten. Diese Herangehensweise federt auch Rückschläge und nachhaltige Umbrüche in der Branche ab.“

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Michael Hoffmann ist im Niedersächsischen Oldenburg aufgewachsen und absolvierte ein Masterstudium in Leadership & Organisationsentwicklung an der Universität Bremen. Hier ist er zu sehen mit seinen Klienten Etienne und Stefan Effenberg. Foto © Acorado Sports GmbH

Wille schlägt Talent

Michael Hoffmann startete bereits mit 27 Jahren seine Manager-Laufbahn. Doch ein Job war dem gebürtigen Bremer nie genug – so wurde er Vorstandsvorsitzender beim Bremer Luftfahrtcluster, Repräsentant der Amerikanischen Stadt Savannah und Vorstandsmitglied des Branchenverbandes Bremen Digital Media.

2016 gründete er die Acorado Sports GmbH und baute diese in kürzester Zeit zu einer interdisziplinären Sport-Agentur aus. Seit 2018 ist er zudem Mitglied der Geschäftsleitung bei einem weltweit führenden Aktienunternehmen mit über 45.000 Mitarbeitern. Das ist aber noch lange nicht das Ende seines Weges. Für Secrets of Success haben wir mit ihm über seine Erfolgsgeschichte gesprochen.

Fragt man Michael Hoffmann nach seinem Verständnis von Erfolg ist seine Antwort klar: „Die Anerkennung, für die ich Leistung erbracht habe.“ Er wusste schon früh, dass er erfolgreich sein möchte. Als sein Großvater plötzlich starb, merkte er, wie gerne er ihm gezeigt hätte, was er alles erreichen kann. „Für mich war die Wertschätzung durch meinen Großvater sehr wichtig.

Mir ist damals klargeworden, dass man nicht so viel Zeit hat. Man muss Gas geben, damit zumindest die eigenen Eltern den Erfolg miterleben.“, so Hoffmann. Das tat er dann auch. Mit 17 Jahren wurde er bereits Vorsitzender der Jugendvertretung bei Airbus und sprach im Arbeitskampf vor tausenden Menschen im TV. Dort traf er auf den damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder, der ihn mit seiner Begeisterungsfähigkeit und seinem Willen inspirierte. Der junge Hoffmann nahm sich diese Zielstrebigkeit zu Herzen und startete als Unternehmer mit dem Bremer Start-Up CeBeNetwork durch. „Wir haben es damals von einem kleinen Entwicklungslieferanten von Airbus unter die Top 3 der Deutschen Zulieferer geschafft.“, erklärt er. Innerhalb von vier Jahren stieg die Mitarbeiterzahl von 15 auf über 450 stetig an. Genauso erfolgreich ging es für Hoffmann weiter: „Einer der wichtigsten Schritte war definitiv die Aufgabe als Vorstandsvorsitzender für das Luft- und Raumfahrtcluster in Bremen.

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Mark Gregg ist Geschäftsführer der BONAGO Incentive Marketing Group GmbH. © BONAGO

Erfolgreich durch die Krise steuern

Viele Unternehmen standen kurz vor der Insolvenz. Wie hat BONAGO es denn geschafft, trotz der Krise keinen Einbruch zu erleiden?

Das Erfolgsrezept war, dass wir uns auf neue Wege und neue Möglichkeiten eingelassen haben. Das war für uns möglich, da unser Geschäftsmodell dies hergibt. Andere hatten da deutlich größere Schwierigkeiten. Wir haben unser klassisches Portfolio, bestehend aus Mitarbeiterbenefits und Kundenincentives während der Krise durch Corona-Tests erweitert. Wir sind Experten für Mitarbeiterbelohnung und dazu gehört auch ein gutes Health Management System. Corona-Tests können sehr hilfreich sein, um den Mitarbeitern die Angst und die Unsicherheit zu nehmen. Bei meinem Team hat es funktioniert.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Corona-Tests für Unternehmen anzubieten?

Das war tatsächlich reiner Zufall. Aber wie man so schön sagt: Das Glück ist mit den Tüchtigen.
Im ersten Schritt haben wir Tests für unsere Mitarbeiter eingekauft, da wir auch einen Fall im Unternehmen hatten. Das hat so gut funktioniert, dass wir das auch anderen Unternehmen zur Verfügung stellen wollten. Das Ziel ist, den Mitarbeitern in diesen unruhigen Zeiten ein bisschen Sicherheit zu bieten.

Was würden Sie anderen Unternehmen empfehlen, damit ein zweiter (regionaler) Lockdown abgewendet werden kann?

Wenn Verdachtsfälle auftreten, sollten Unternehmen aber auch Testmöglichkeiten bereitstellen. Durch Tests im Unternehmen können Mitarbeiter effizient und ohne Zeitverlust auf das Virus getestet werden. Die Zahlen steigen in den kalten Monaten an und Unternehmen müssen sich und ihre Mitarbeiter schützen. Auch bei BONAGO gab es einen Corona-Fall und wir waren froh, dass wir Testmöglichkeiten zur Verfügung hatten. Wir konnten direkt alle Mitarbeiter testen und zum Glück waren die anderen Tests negativ.

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