Prof. Dr. Veit Etzold hat gelernt groß zu denken. Als Key-Note-Speaker berät er Unternehmen in puncto Storytelling. © Pietro Sutera

Der weiße Hai im Weltraum

Die meisten können im Leben höchstens auf eine Karriere zurückblicken, wenn überhaupt – Veit Etzold auf viele. Egal, was der 46-Jährige anpackt, er hat Erfolg damit. Ob als Bankenmanager, Bestsellerautor, Professor, Keynote-Speaker, CEO-Coach – an Veit Etzold kommt keiner im Buchladen oder in den Führungsetagen vorbei. Denn sowohl für Thriller als auch für das Führen von Unternehmen gilt: Nur mit der richtigen Story verschafft man sich Gehör. Mit Storys kennt er sich aus: 15 Bücher hat er bereits geschrieben, zehn davon landeten auf den Spiegel-Bestsellerlisten ganz weit oben.

Nicht nur mit Thrillern und blutrünstigen Mördern begeistert er seine Leser, auch mit Sachbüchern wie „Der weiße Hai im Weltraum“ und „Strategie- Planen, Erklären, Umsetzen“. Veit Etzold weiß: Kommunikation ist heute alles. Dumm nur, wenn einem keiner zuhört. Deshalb bringt er Managern bei, wie sie sich Gehör verschaffen und ihnen vom ersten bis zum letzten Satz aufmerksam zugehört wird. Dabei liest sich sein eigener Werdegang ebenfalls wie eine gute Story: nach Managerposten bei Banken 2002 Start bei der Boston Consulting Group, 2010 erfolgreiche Platzierung des ersten Thrillers „Das Große Tier“ bei einem Verlag, 2012 der Durchbruch mit „Final Cut“, 2017 Professur, 2019 Top-10-Experte laut Erfolgs-Magazin und Nummer eins in Deutschland im Bereich Marketing und Vertrieb.

Doch auch ein erfolgreicher Mann wie Etzold kennt Tiefpunkte: „Nachdem ‚Final Cut‘ sehr erfolgreich war, sackte der Nachfolger ‚Seelenangst‘ erst einmal ab. Ebenso musste ich mal wegen persönlicher Differenzen den Job wechseln und oft gelingen Dinge nicht so, wie man denkt“, räumt der 46-Jährige ein. „Das Einfachste ist, das Ganze zur Kenntnis zu nehmen, daraus zu lernen und dann aber weiterzumachen, als wäre nichts gewesen.“

Und was braucht es noch? „Mit Disziplin die Dinge auch umzusetzen. Daran scheitern die allermeisten. Die sind gut im Reden und Motzen, aber nicht im Machen“, sagt Etzold. Außerdem müsse man sich den Erfolg auch zutrauen. „Ich selbst komme aus einer normalen Familie, bin in einer vierköpfigen Familie und einer Dreizimmerwohnung aufgewachsen. Wer so eine Herkunft hat wie ich, lernt nicht, groß zu denken. Die Schule hilft da auch nicht, im Gegenteil. Das Unternehmerbild, das Schulen bieten, ist voller Abneigung und Hass. Entweder, die Eltern helfen einem beim Großdenken, was nur bei reichen Familien der Fall ist, oder man fängt selbst an, groß zu denken, so wie ich es gemacht habe. Ansonsten bleibt man klein.“

Claudia Rothhammer

© Otto Group

Wir brauchen mehr Querdenker!

Alexander Birken, Jahrgang 1964 und geboren in Hamburg, hat am 1. Januar 2017 den Vorstandsvorsitz der Otto Group übernommen. Bereits 1991 stieg Birken im Controlling-Bereich der Otto Group ein und übernahm anschließend u.a. die Verantwortung für das Beteiligungscontrolling der Otto Group im amerikanischen und asiatischen Markt, leitete Birken dann das weltweite Beteiligungscontrolling der Otto Group. Und war von 2002 bis 2004 als Chief Operating Officer der Spiegel Group in Chicago, USA, tätig. Seit 2005 war Birken Mitglied des Vorstandes der Otto Group und maßgeblich für die erfolgreiche Expansion der Otto Group Russia verantwortlich. Zudem verantwortete er operativ die Bereiche Personal, Steuerung und IT von OTTO und war als Konzern-Vorstand für die strategische Weiterentwicklung verschiedener Firmen verantwortlich. Seit dem 1. August 2012 nahm er zusätzlich die Sprecherfunktion der Einzelgesellschaft OTTO wahr. Alexander Birken ist verheiratet und Vater von vier Kindern.

Herr Birken, was bedeutet Erfolg für Sie?
Gut zuzuhören. Wir deutschen Manager sind mit dem Gen geboren worden, dass wir allen erklären können, wie die Welt funktioniert. Eines der Erfolgsgeheimnisse der Menschen, die etwa im Silicon Valley arbeiten, ist dagegen, dass sie nicht senden, sondern Fragen stellen. Die wollen lernen. Ein anderes Beispiel ist Tarek Müller, einer der Chefs von About You. Dem bin ich in seiner Anfangszeit dreimal in einer Woche am Campus in Hamburg begegnet. Beim dritten Mal habe ich ihn dann gefragt: „Tarek, was machst du hier die ganze Zeit?“ Und er hat geantwortet: „Hier sind so viele schlaue Leute, die frage ich alle aus.“ Das ist die neue Mentalität: Die Chefs können die wenigsten Antworten selbst geben, deshalb müssen sie die richtigen Fragen stellen.

Was waren bisher Ihre wichtigsten Karriere-Schritte?
Zu meinen wichtigsten Karriere-Schritte gehört sicherlich mein zweieinhalbjähriger USA-Aufenthalt bei der Spiegel Group. Tatsächlich bin ich seit Kindesbeinen an ein Optimist, aber der amerikanische Grundoptimismus hat mich nochmal extrem geprägt. Und mir viel Rüstzeug mitgegeben.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Der Kulturwandel-Prozess, der seit knapp vier Jahren in der Otto Group läuft, ist mein ganz persönliches Highlight. Wir alle befinden uns in einem gewaltigen Transformationsprozess, unsere Lebens- und Arbeitswelt ändern sich radikal. Und keiner weiß genau, was noch auf uns zukommt. Da ist es sehr beeindruckend zu erleben, wie es einem werteorientierten, eher traditionellen, großen Unternehmen gelingt, sich so zu verändern, dass es zukunftsfähig ist und leistungsfähiger wird. Gelingen kann dies einzig und allein, indem alle Kolleg*innen – auch und gerade wir im Vorstandsteam – ihre Haltung verändern, von lieb gewonnen Gewohnheiten und Verhaltensweisen Abschied nehmen und offen sind für die Zukunft der Arbeit. Wir sind hier wirklich außerordentlich gut vorangekommen und werden diesen spannenden Prozess weiter gestalten.

Was raten Sie jungen Menschen, die Erfolg haben möchten?
Sei du selbst! Wir brauchen viel mehr Querdenker – gerade in diesen Zeiten des extrem schnellen Wandels. Wir brauchen Kolleg*innen, die eine andere Sicht auf Dinge haben, kreative Ideen entwickeln, unpopuläre Meinungen vertreten. Wir brauchen diese Vielfalt, um dauerhaft innovativ zu bleiben und damit am Markt bestehen zu können. Genau das fördern wir übrigens mit dem Kulturwandel 4.0.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Ich möchte zwei nennen: Mut und Demut. Wir brauchen den Mut, etwas Neues zu wagen und dabei meist auch ein persönliches Risiko einzugehen. Dann können wir erfolgreich sein. Und wir brauchen Mut für eine neue Art von Führung. Eine Führung, die aber auch demütig anerkennt, dass Führungskräfte nicht mehr die allwissenden Bewohner von Elfenbeintürmen sind. Die erkennt, dass in allen Kolleg*innen Potenziale stecken, die zum Erfolg beitragen.

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?
Ohne soziale Kompetenzen bzw. soziales Engagement geht es im familiären, gesellschaftlichen und unternehmerischen Miteinander nicht – ganz unabhängig davon, wie erfolgreich Menschen sind. So zumindest meine Werteauffassung. Ich unterstütze beispielsweise unser Musik-Projekt „The Young ClassX“, das Kindern aus sozial benachteiligten Familien den Zugang zu Musik ermöglicht. Eines meiner Herzenshemen, weshalb es mir leichtfällt, mich hierfür zu engagieren.

 

Frank Thelen – etwas zu bewegen ist sein Antrieb Fotos: © Frank Thelen / frank.io

„Startup-DNA“

Wenn Kinder laufen lernen, fallen sie auch böse hin: Frank Thelen aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ weiß nicht nur, wie man Start-ups das Laufen beibringt. Er ist auch tief gefallen. Mit 25 Jahren stand er als Unternehmer vor dem Ruin, hat es aber zurück nach oben geschafft. Heute ist der 44-Jährige für diese schmerzhafte Erfahrung sogar dankbar. Er findet: Richtig auf die Schnauze zu fallen, tut einem Gründer gut.

Wenn Frank Thelen in der „Höhle der Löwen“ sitzt, warten die Zuschauer gebannt auf seine Einschätzung. Der 44-Jährige kennt nicht nur die Tech- und Gründerszene sehr gut, er scheint auch immer den richtigen Riecher zu haben, ob eine Geschäftsidee Potenzial hat. Dass er einmal Deutschlands bekanntester und mit sechs Staffeln dienstältester „Löwe“ werden würde, hätte der Bonner nie gedacht. Seine Eltern vermutlich auch nicht, als ihr Frank so viele Fünfer und Sechser nach Hause brachte, dass er vom Gymnasium flog und auf der Realschule landete. Hätte man ihn damals gefragt, was er sich einmal für seine Zukunft vorstellt, hätte er gesagt: „Eher was Sportliches.“ Auch wenn er leidenschaftlich gerne Skateboard fährt, hatten es ihm früher kleine Bälle angetan. „Als Kind wollte ich mal Tischtennisprofi werden, weil mich der Sport begeistert hat. Ich war auch tatsächlich ganz gut, aber für eine Profikarriere hätte es wohl nicht gereicht“, verrät Thelen.

Gereicht haben dann zumindest die schulischen Leistungen doch noch. Thelen kämpfte sich hoch, konnte studieren und entschied sich für Informatik – um es dann doch wieder abzubrechen. Er hatte nämlich mit 18 Jahren seine erste Firma gegründet, die er ausbauen wollte. Sein Unternehmen stellte ein innovatives Framework zur Herstellung von High-End-Multimedia-CD-ROMs zur Verfügung. Für Interessierte nur so viel: Es war eine schnellere und flexiblere Alternative zur beliebten Macromedia-Director-Plattform. 1996 fusionierte seine erste Firma mit Pro PC zur Marke Create Media, die einige der ersten größeren Websites in Deutschland wie zum Beispiel hallo.de oder bilder.de erstellte und betrieb. 1997 glaubten Investoren so fest an ihn und seine Fähigkeiten, dass er für seine neue Firma Twisd 1,4 Millionen D-Mark Wagniskapital bekam, um einen Linux-basierten Router zu entwickeln und zu vertreiben, der lokale Netzwerke mit dem Internet verband.

Zwei Jahre nach der Firmengründung stand Thelen mit Twisd kurz vor dem Sprung an die Börse und damit mit gerade mal 24 Jahren vor seinem vermeintlich größten Erfolg. Doch dann stürzte alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Internetblase platzte. Doch Thelen und seine Mitgründer hatten zur Überbrückung der letzten Phase vor dem Börsengang einen Kredit über zwei Millionen D-Mark aufgenommen – und dabei einen ihrer größten Fehler gemacht: Sie haben mit ihrem Privatvermögen gebürgt. Thelen stand plötzlich vor dem Ruin und vor einem riesigen Schuldenberg. „Das war mein größter Rückschlag.“ Er verkroch sich erstmal, sortierte sich neu, suchte nach Auswegen. „Ich konnte glücklicherweise einen Vergleich mit der Bank aushandeln und den Mut und die Willenskraft finden, erneut zu gründen – diesmal erfolgreich.“

Thelen geht ganz offen mit seiner Niederlage um. „Wir lernen mehr durch Schmerz als durch Glück“, gibt er zu bedenken. Und der junge Firmengründer ist gewillt, zu lernen. Zehn Jahre stottert er seine Schulden ab, Monat für Monat. Auch wenn er im Laufe der Jahre alles mit einem Schlag hätte begleichen können, er will die Erinnerung an seine schwerste Zeit nicht so schnell hinter sich lassen. Nach Twisd gründet er die Firma ip.labs, die zum Weltmarktführer für Onlinefotoservices wird: „Das war der wohl wichtigste Karriereschritt und auch einer der wichtigsten Wendepunkte in meinem Leben. Nicht nur, weil das letztendlich zum ersten größeren wirtschaftlichen Erfolg für mich wurde, sondern auch, weil ich aus einer sehr schwierigen Situation heraus erneut gegründet und mir selbst und anderen Gründern gezeigt habe: Wieder aufstehen lohnt sich!“

Thelen ist der festen Überzeugung: „Niemand hat nur Glück und Erfolg.“ Niederlagen gehörten ebenso zum Leben. Die Frage sei nur, wie man mit den Tiefpunkten umgehe. Das will er jungen Gründern mit auf den Weg geben. Auch seine Autobiografie „Startup DNA“ trägt den prägnanten Untertitel „Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern.“ Besser könnte man den 44-Jährigen nicht beschreiben. Auch er möchte die Welt verändern. „Mein größtes Vorbild ist Elon Musk, weil er visionär denkt und in fast allen relevanten Zukunftsthemen spürbar involviert ist.“ Dass die Welt vor einem großen Umbruch steht, liegt für Thelen auf der Hand: „Sämtliche Industrien werden in den kommenden Jahrzehnten durch immer wieder neue, technologische Entwicklungen disruptiert. Wer hierfür kein Verständnis hat und nicht vorausschauend handelt, wird abgehängt.“

Dass Deutschland sich selbst abgehängt hat, ist Thelens große Befürchtung. Oder, wie er es ausdrückt: „Internet, Smartphone, Cloud: Europa hat alles verpennt.“ Deshalb treibt ihn jetzt vor allem eines an: „Bisher war es immer die Begeisterung für neue Technologien und die Liebe zum Produkt, an dem ich zu dem Zeitpunkt gebaut habe. Jetzt habe ich zum ersten Mal einen Zehnjahresplan und eine Agenda: Ich möchte einen Technologie-Champion aus Europa mit aufbauen. Wir müssen unsere wirtschaftliche Lage gegenüber den USA und China stärken, damit wir auch in Zukunft noch auf Augenhöhe mit den Weltmächten verhandeln können. Wir brauchen globale Lösungen für Themen wie KI und Klimaschutz. Das spornt mich an.“ Etwas zu bewegen, das ist sein Antrieb und Motor. Das spürt man. Deshalb verwundert es auch nicht, dass er über sich selbst sagt: „Für mich bedeutet Erfolg, jeden Tag ein bisschen besser zu werden und immer wieder an neuen Herausforderungen mit den klügsten Köpfen arbeiten zu dürfen.“

Ihm sei es auch nie wichtig gewesen, einmal ein großer Firmenchef zu sein. „Ich habe schon immer aus Passion heraus gehandelt. Ich habe mich nie aktiv dazu entschieden, Gründer oder Investor zu werden, sondern habe einfach immer mit Herzblut an Produkten gearbeitet, bis daraus Unternehmen entstanden sind. Investor bin ich dann geworden, weil ich mit meinem Kapital etwas an die Start-up-Szene zurückgeben wollte.“ Jungen Gründern rät er: „Wer mit Passion und aus Leidenschaft und tiefster Überzeugung heraus ein Ziel verfolgt, kann es in meinen Augen mit harter Arbeit und Disziplin auch immer schaffen. Wer nur auf Erfolg aus ist, wird es hingegen schwierig haben.“

Claudia Rothhammer

Ljubo Brekalo ist Gründer und CEO der Charter & Share GmbH Bild: Fotos: © Ljubo Brekalo/Charter & Share GmbH

Luxus ist… wenn der Kopf und das Herz organisiert sind

Lieber ein Leben mit Leidenschaft als bequemes Laufenlassen: Auch wenn Ljubo Brekalo in die Gastronomie und Hotellerie geboren wurde, hat er sich doch seine eigene, ganz andere, Laufbahn geschaffen. Mit einer Ausbildung zum Bänker hat der Bayer den Grundstein für seine Karriere als Finanzberater und Unternehmer gelegt. Und vor rund drei Jahren brachte er dann sein neuestes Projekt auf den Weg: die CHARTER&SHARE GmbH und das Produkt „Accelerato(u)r“, das bei exklusiven Touren die Fahrt in Traumautos mit Networking vereint.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Erfolg ist, viel Liebe im eigenen Leben zu haben. Menschen zu lieben. Geliebt zu werden. Meine Arbeit zu lieben. Den Ort zu lieben, an dem ich gerade wohne.

Gab es einen materiellen Wunsch, der Sie begleitet hat und den Sie sich erfüllt haben?
Es ging immer um tolle Autos. Ich habe immer von einem Mercedes E55 AMG geträumt, den ich mir dann auch kaufte.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriereweg?
Ja, öfter. Am schlimmsten traf mich der Diebstahl eines unserer Fahrzeuge aus unserer Flotte im Jahr 2018. Es war finanziell kein Beinbruch, aber die Dreistigkeit, wie es passierte, hat mich emotional sehr beschäftigt.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?
Unternehmerisch habe ich mich zu spät um eine Strategie gekümmert. Ob ein Unternehmen wächst oder nicht, ob ich Geld verdiene oder nicht, ob ich gute Beziehungen zu meinen Kunden habe oder nicht, hängt nicht an „der Wirtschaftssituation“, sondern nur an der Strategie. Die liegt einzig und allein beim Unternehmer – niemand anderem.

Außer im täglichen Business: Wo haben Sie noch gern Erfolg?
Sicherheit geben. Das Gefühl, dass uns nichts passieren kann. Dass wir geschützt und versorgt sind.

Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Wenn ich bei meiner Familie und meinen Freunden bin, möchte ich mich anwesend fühlen, lebendig und in Kontakt mit ihnen. Diese Lebendigkeit ist bei uns nur durch Planung möglich, da wir mehrere Unternehmen – auch im Ausland – haben. Wenn wir zusammen sind, dann sind wir das aber auch richtig.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?
Ich habe auch heute noch die größten Unterstützer zu Hause: meine Familie. Und ein besonders guter Freund hat sich während meiner Bankkarriere als bester Mentor gezeigt, ohne solche Menschen geht es nicht.

An welchen Orten finden Sie neue Inspiration?
Mein Prinzip:„Jeden Tag ein Glücksgefühl!“ ist völlig ortsunabhängig. Meine Aufgabe ist, mir selbst jeden Tag eine ordentliche Portion Glück zu organisieren. Durch den schönen Waldspaziergang mit meinem Hund. Ein Glas Rotwein, langsam und mit Genuss getrunken. Oder eine liebevolle Umarmung mit meinen Lieblingsmenschen.

Welche Sehnsüchte haben Sie?
Endlich wieder Musik zu machen.

Was ist ein Must-have in ihrem Beruf?
Es lebt sich besser, wenn du Prinzipien hast. Weil du dann nicht so viel rumeiern musst. Weil du nicht ständig alle Entscheidungen neu treffen musst.

Was ist für Sie Luxus?
Nichts materielles, sondern immaterielles: Wenn alles seinen Platz hat. Wenn mir die Reihenfolge klar ist. Wenn ich weiß, was kommt und ganz entspannt bin. Wenn ich weiß, was zu tun ist und was warten kann. Wenn ich nichts vergesse und an alles gedacht ist – was mir große Gelassenheit bringt. Wenn ich sehe, was wichtig ist und worum ich mich kümmern muss. Der Kopf ist organisiert. Die Hände. Und das Herz.

War Erfolg zu haben früher einfacher als heute?
Die Digitalisierung ist da und verändert merklich unseren Alltag und die Arbeitswelt. Anerkanntes Wissen und Know-how werden auf den Kopf gestellt: Das, was wir noch vor Jahren an der Schule oder Uni gelernt haben, gilt heute häufig schon als veraltet. Wer da mithalten will, muss nicht nur schnell und flexibel dazulernen, sondern braucht ein ganz neues Mindset. Ich glaube, summa summarum ist es heute schwieriger geworden, erfolgreich zu sein, denn es fehlt an der Zeit, all das zu bewältigen.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen brauchen?
Es ist nicht so sinnvoll, wenn man des Geldes wegen oder um gemocht zu werden Dinge tut, die man eigentlich nicht tun will. Es ist sinnvoll, die eigenen Wünsche und das persönliche Grundmotiv zu kennen oder genauer zu checken und strikt nach Prinzipen zu handeln, die unverrückbar sind und immer ihre Gültigkeit haben werden.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Dazulernen. Voranschreiten. Dinge verarbeiten. Etwas loslassen. Weiterkommen. Das nennt man vielleicht Entwicklung. So, wie ein Film früher entwickelt wurde. Damit aus einem Farbnegativ etwas Neues, Farbenfrohes entsteht.

Welche Rolle spielt die Herkunft beim Wunsch, erfolgreich zu sein?
Für mich keine, als Kroate habe ich vieles erreicht.

Welche Ziele setzen Sie sich für die Zukunft?
Ich möchte unser neues Produkt, die Accelerato(u)r zum Erfolg bringen. Es vereint vieles, woher ich komme, meine Leidenschaft zu Autos, savoir vivre, Networking und persönliche sowie unternehmerische Entwicklung.

Minister Bernd Buchholz (FDP) Bild © MWVATT

Aus Fehlern lernen

Dr. Bernd Buchholz, Jahrgang 1961, ist Jurist, Politiker und seit 2017 Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein. Bereits seit 1981 ist Buchholz Mitglied der FDP. Er war Landesvorsitzender der Jungen Liberalen, Mitglied im FDP-Landesvorstand, Mitglied des Landtags. Von 2009 bis 2012 war der zweifache Familienvater Vorstandsvorsitzender der Gruner + Jahr AG & Co. KG. Erfolg bedeutet für ihn, wenn er selbstgesetzte Ziele erreicht.

Herr Buchholz, was wollten Sie als Kind werden?
Bernd Buchholz: Flugkapitän, weil mich Fliegen bis heute fasziniert.

Sie sind dann doch Jurist geworden, was war dafür ausschlaggebend?
Die Vielfalt der Betätigungsmöglichkeiten.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Vorstandsvorsitzender von Gruner & Jahr und mein jetziges Amt als Wirtschaftsminister.

Was würden Sie als bisheriges Highlight Ihrer Karriere bezeichnen?
Gruner & Jahr erfolgreich durch und aus einer Wirtschaftskrise geführt zu haben.

Gab es einen materiellen Wunsch, den Sie sich zu Ihrem ersten großen Erfolg erfüllt haben?
Ein Motorrad zum Abitur.

Was sind Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Kommunikationsfähigkeit und Durchsetzungsstärke.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?
So gut wie möglich das zu machen, was zu machen ist, und nicht zu viel über Karriere nachdenken.

Wie gehen Sie mit Rückschlägen um?
Ich versuche, aus Fehlern zu lernen.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Etwas verändern zu wollen.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?
Es gab zwei wichtige Mentoren: meinen Doktorvater und den Vorstandsvorsitzenden von G+J.

Was ist Ihr Ort der Inspiration?
Mein Ferienhaus am See.

Und was bedeutet für Sie Luxus?
Zeit ist Luxus. Und liebenswerte Menschen in meiner Umgebung.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Nö.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?
Ich hatte Glück und habe hart gearbeitet dafür.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Zehn Prozent Inspiration, neunzig Prozent Transpiration.

Welche Ziele in puncto Erfolg setzen Sie sich für die Zukunft?
Erfolg bei der Landtagswahl 2022 mit der FDP.
Von Renate Kerscher

Lutz Marmor spricht als Intendant des NDR bei einer Mitarbeiterversammlung. © NDR Jann Wilken

Langfristig denken

Lutz Marmor hat eine erstklassige Karriere in öffentlichen-rechtlichen Rundfunkanstalten hingelegt: Westdeutscher Rundfunk, Ostdeutscher Rundfunk Brandenburg, Norddeutscher Rundfunk. Beim NDR ist der 65-Jährige seit 2008 Intendant – noch bis Januar 2020. Geplant war seine Medienkarriere nicht, aber der studierte Betriebswirt ist sehr froh, dass es so gekommen ist. „Mein Lebenslauf sieht im Nachhinein so geplant aus, das war aber gar nicht so. Manchmal ergibt sich etwas und man muss die Chance ergreifen“, sagt Marmor über seinen Werdegang.

„Ich war ja in der Unternehmensberatung tätig und habe für den WDR ein Konzept ausgearbeitet“, erklärt Marmor seinen ersten Berührungspunkt mit der Medienbranche. Schließlich sei er vom WDR gefragt worden, ob er das Konzept selbst umsetzen wolle. „Den WDR und überhaupt Medien fand ich total spannend. Die haben offene Türen bei mir eingerannt“, spricht Lutz Marmor über einen wichtigen Schritt in seiner Karriere.

Später folgte er dem Ruf des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg (ORB). Es war ein absolutes Highlight seiner Karriere, die Neugründung einer Rundfunkanstalt mitzuerleben. „Ich bin einen Monat vor Sendestart hingekommen, wir hatten 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und kurze Zeit später gut 500.“ Vier Jahre war Lutz Marmor beim ORB. „Die haben sich allerdings wie acht angefühlt“ – so intensiv, aber auch so schön hat er die Zeit in Erinnerung. Darin sieht Marmor auch sein Erfolgsgeheimnis: „Was ich gemacht habe, wollte ich immer bestmöglich machen. Auch mit großem zeitlichen Aufwand.“ Das ist auch sein Rat an junge Menschen. „Das versuchen, was einem liegt, aber dann auch exzellent machen und nicht halbherzig. Bei allem Ehrgeiz sollte aber das Private nicht zu kurz kommen.“

Seine Stärken beschreibt Lutz Marmor so: „Ich bin Mensch geblieben, authentisch, denke langfristig und bin ehrlich. Es bringt nichts, jemanden auszutricksen, weil man sich immer zweimal begegnet. Ich weiß fachlich sehr viel, lasse aber auch den Bauch noch entscheiden.“

Seinen Ausgleich findet der NDR-Intendant beim Sport. Früher sei er Baskenballspieler gewesen und habe sogar ein Team trainiert. „Da will man natürlich gewinnen, wobei man beim Sport auch das Verlieren lernt. Basketball ist ein Mannschaftssport und ich glaube, ich habe viel davon profitiert für mein Berufsleben.“ Doch nicht nur der Sport ist ihm Ausgleich, auch in der ehrenamtlichen Arbeit geht Marmor auf. „Das möchte ich wieder intensiver machen, wenn ich hier aufhöre.“

Von Renate Kerscher

Der Hamburger Unternehmer Ian Karan. Bild © Berit Stüven

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Vom Tellerwäscher zum Multimillionär – was abgedroschen klingt, ist doch eine treffende Zusammenfassung von Ian K. Karans Leben. Genauso gut könnte man über ihn ein ganzes Buch schreiben. Im Juni feierte der Hamburger Unternehmer und ehemalige Wirtschaftssenator seinen 80. Geburtstag.

Ian Karan ist in Ceylon geboren. Sein Start ins Leben war denkbar schlecht. Seine Mutter starb bei der Geburt, sein Vater drei Jahre später im Zweiten Weltkrieg. Mit 16 kommt er durch ein Sportstipendium nach London, 1970 zieht es ihn nach Hamburg, wo er in einem Restaurant als Tellerwäscher arbeitet. In einer Spedition findet Ian Karan Arbeit, engagiert sich, steigt auf, wird mit einer eigenen Containerfirma reich.

Es läuft gut für ihn, bis ihm ein winziges Detail zum Verhängnis wird. 1993 verkauft er seine Firma an einen englischen Konkurrenten, beauftragt die „beste Kanzlei der Stadt“ für die Kaufabwicklung. Doch die Anwälte hatten nicht festgelegt, wann der Kaufpreis an Ian Karan ausbezahlt werden sollte – der Käufer zahlt deshalb keinen Penny. „Das war mein erster und größter Rückschlag, der mir viele Lektionen erteilt hat, die mich 15 Jahre später für meinen größten Erfolg stärkten“, sagt Karan, der dem Vorfall heute sogar etwas Positives abgewinnen kann. „Überwunden habe ich diesen Rückschlag durch Beharrlichkeit und den Willen, das Unrecht zu tilgen, das mir angetan wurde. Meinem jüngeren Ich würde ich aber raten, nicht nur auf das große Bild zu schauen, sondern auch auf das Kleingedruckte“, sagt er. „Erfolg zu haben braucht Glück, und dem Glück kann man nachhelfen, indem man zielorientiert arbeitet.“ Sein Ziel war, wieder auf die Beine zu kommen. Das gelang ihm 1997 mit der Gründung seiner neuen Containerfirma Capital Lease GmbH. „Es war wichtig, dabei auf finanzkräftige Partner zu setzen. Die zu finden, war nicht einfach.“ Aber er schaffte es und arbeitete sich (wieder) von unten nach ganz oben.

Ian Karan ist heute Multimillionär, hat aber nicht vergessen, woher er kommt. Er spendet viel, für ihn ist das eine Selbstverständlichkeit. „Es ist wichtig, dass in Deutschland, wo die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird, die besserverdienenden Menschen die Minderbemittelten nicht aus den Augen verlieren. Das Leben ist nur schön, wenn auch der Schwächste mitgenommen wird und kein Anlass zu sozialem Neid erzeugt wird. Hamburg ist in dieser Hinsicht vorbildlich, mit den meisten Stiftungen pro Kopf in Deutschland“, sagt Karan. Mit seiner eigenen Stiftung trägt auch er etwas dazu bei.
Claudia Rothhammer

Oliver Staas leitet seit Juli 2019 das Radisson Blu Hotel in Berlin

Mensch bleiben und zuhören

Oliver Staas ist Gastgeber mit Leib und Seele. Er stammt aus einer Gastronomenfamilie, daher war sein Weg früh vorgezeichnet. Hoteldirektor wollte er schon als Kind werden. Bei der Radisson-Gruppe ist Staas seit 1992, dort hat er mehrere Hotels eröffnet, war als General Manager unter anderem in Riga, Moskau und St. Petersburg und leitet seit Juli 2019 das Radisson Blu Hotel Berlin. Vom Busche Verlag wurde Oliver Staas bereits zehnmal zu einem der Top 50 Hoteliers in Deutschland ernannt. In der Nachwuchsförderung hat er schon gut 15 Talente unter seine Fittiche genommen, die heute eigenständig Hotels leiten.

Herr Staas, Sie wussten schon als Kind, dass es beruflich ins Gastgewerbe gehen würde.
Oliver Staas: Ja, meine Eltern hatten einen Gaststättenbetrieb. Da war meine berufliche Richtung klar. Und als ich das Buch von Conrad Hilton gelesen habe, wollte ich Hoteldirektor werden.

Was würde Sie heute als Ihre wichtigsten Karriereschritte bezeichnen?
Jeder einzelne Schritt war wichtig. Besonders meine beruflichen Stationen im Ausland. Fremde Kulturen und Menschen verstehen zu dürfen, das hat mich sehr positiv geprägt.

Waren Ihre Stationen im Ausland das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Es gab so viele tolle Ereignisse und keines möchte ich missen. Sicherlich ein persönliches Highlight war, dass ich das Glück hatte, viele junge Kollegen zu Hoteldirektoren ausbilden zu dürfen.

Worin sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Mensch bleiben und zuhören. Teams formen und diese mitnehmen auf die Reise.

Macht das in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Ja, außerdem Offenheit und Entscheidungsfreudigkeit. Ich versuche mein Team so zu leiten: Die Vision ist das Ziel, aber den Weg bestimmt jeder Einzelne.

Wobei haben Sie außerdem gerne Erfolg?
Beim Triathlon. Ich habe zwei Ironmans hinter mir und natürlich ist das toll, sich hier immer wieder zu beweisen. Hier das Ziel zu erreichen, war meine höchste sportliche Leistung. Zumal ich erst vor acht Jahren das Schwimmen gelernt habe.

Ist der Sport Ihr Ausgleich zum Beruf?
Beim Sport komme ich immer wieder auf neue Ideen.

Zum Schluss: Was ist Ihre persönliche Definition von Erfolg?
Glücklich zu sein in dem, was ich mache.

Von Renate Kerscher

Umweltschutz liegt Andreas Thümmler am Herzen. Darum kauft er Grundstücke und forstet auf. © Andreas Thümmler

„Unternehmen sind wie kleine Kinder“

Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll – dieser Ruf eilt Andreas Thümmler voraus. Er sei ein Lebemann und Partyhengst, der tagsüber Millionendeals macht und nachts keine Sünde auslässt. „Stimmt alles“, sagt Thümmler. „Früher“. Heute ist es ruhiger um den Investmentbanker, aber gute Deals macht er immer noch gern. Thümmler gründete 1998 Corporate Finance Partners (CFP), eine europaweit führenden Beratungsgesellschaft für Unternehmensverkäufe in der Techbranche. Außerdem hat er einen Venture-Fund, ihm gehört die größte Whisky-Destillerie in Kontinentaleuropa und er pflanzt Bäume.

Als Kind wollte Andreas Thümmler Millionär werden. Der Sicherheit wegen und um keinen Stress mehr zu haben. In Sicherheit dürfte Thümmler nach mehr als 250 erfolgreichen M-&-A-, Private-Equity- und Venture-Capital-Transaktionen sein. „Das ist richtig, an dem Punkt war ich mehrfach. Aber man ist dann doch getrieben und motiviert“, sagt Thümmler über das Unternehmervirus lachend.

„Ich bin Investmentbanker, habe einen Venture-Fund am Laufen und mir gehört die größte Whisky-Destillerie in Kontinentaleuropa. Das sind schon vielfältige Aktivitäten.“ Seine drei Geschäfte versucht er miteinander zu verbinden. Bei den ersten beiden gut vorstellbar, aber wie passt die Whisky-Destillerie ins Bild? Whisky sei schon immer sein Hobby gewesen, sagt Thümmler. 2012 hat er die St. Kilian Distillers gegründet. Und jetzt kommt der Investmentbanker durch. „Ich beobachte die ökonomische Entwicklung – also was kann man mit seinem Geld machen, wie investiert man es altersgerecht?“ Seine Lösung: Whisky. Die Wertsteigerung von Single Malt Whisky liege bei zehn Prozent pro Jahr. „Statt einer Bank haben wir ein Fasslager.“ Es gibt bereits Pläne, eine eigene Währung einzuführen – den Whisky-Coin, der durch Whiskyfässer 1:1 hinterlegt ist. Zeit für Hobbys oder ein Privatleben bleibt da zugegebenermaßen kaum. „Mit Unternehmen ist es so ein bisschen wie mit kleinen Kindern, man muss immer dafür da sein“, sagt Thümmler.

Statussymbole sind ihm heute auch nicht mehr wichtig. „Ich habe mir alle materiellen Wünsche erfüllt, die man so hat, wenn man aus keiner Unternehmerfamilie kommt, sondern selfmade ist. Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll waren die Begriffe, die man über mich lesen konnte.“ Seine Partyphase habe er sehr genossen. „Jetzt bin ich in die nächste Phase der Evolution eingetreten.“ Er übernimmt Verantwortung für Natur und Umwelt, kauft Grundstücke und bepflanzt sie mit Bäumen. „Soziales Engagement halte ich für extrem wichtig.“
Von Renate Kerscher

Jochen Fischer privat

„Erfolg ist kein Synonym für Kontostand“

Die Mitarbeit bei der Schülerzeitung hat ihm zur ersten eigenen Firma verholfen. Heute ist Jochen J. Fischer ein erfolgreicher Unternehmer, Berater und Investor aus Hamburg. Im Interview verrät der 55-Jährige das Geheimnis seines Erfolgs.

Als Schüler hat Fischer bei der Schülerzeitung mitgearbeitet. Um die Herausgabe der Zeitung zu finanzieren, hat er mit 15 Jahren in seiner Freizeit Werbeanzeigen verkauft – und ist auf den Geschmack gekommen. Es habe ihm nicht nur Spaß gemacht, sondern er merkte auch, dass er dafür Talent hat. „Ich dachte, was für die Schule funktioniert, funktioniert auch für die Stadt“, erinnert sich Fischer. Und so gründet er mit 18 Jahren seine erste Firma, um ein regionales Jugendmagazin herauszugeben. Fischer ist damit so erfolgreich, dass ein niederländischer Verleger auf ihn aufmerksam wird und ihm mit gerade mal 20 Jahren die Zusammenarbeit anbietet: Aus dem kleinen Verlag wird eine Druck- und Verlagsgesellschaft, die Wochenzeitungen, Anzeigenblätter, Special-Interest-Titel sowie Corporate-Publishing-Produkte herausbringt.

Das war Anfang der 1980er-Jahre. „Heute stehen an der Spitze vieler Start-up-Unternehmen junge Menschen, aber bei mir war das noch anders. Damals war das etwas Exotisches, wenn ein Student nebenbei eine eigene Firma aufbaut.“ Fischer muss lächeln, wenn er an die Zeit zurückdenkt. „Um nicht so jung auszusehen, habe ich versucht, mich älter zu machen. Meine Geschäftspartner waren ja alle zwischen 40 und 60 Jahre alt.“ Deshalb habe er seine Partner und Kunden genau studiert, habe sich dieselben konservativen Anzüge gekauft und sich eine Lesebrille aus Fensterglas zugelegt. „Gleich wirkte ich seriöser. Und ich wollte ja ernst genommen werden.“

Alter hin oder her: Der Erfolg gibt ihm recht. 15 Jahre läuft das Unternehmen gut, dann kommt der erste unternehmerische Rückschlag. Das Internet mischt die Verlagsbranche auf, die Umsätze gehen zurück. 1999 verlässt er den Verlag, orientiert sich um und setzt alles auf neue Technologien. Mit einem ehemaligen Kollegen der Schülerzeitung baut er Vectron Systems zum führenden europäischen Hersteller für Kassensysteme aus und bringt das Unternehmen an die Börse. 2007 wiederholt er das Ganze mit einer weiteren Firma. „Zwei Unternehmen an die Börse zu bekommen, ist das Highlight einer Unternehmerkarriere“, sagt Fischer.

Er ist erfolgreich. Aber er winkt dennoch ab, als er darauf angesprochen wird: „Da gibt es ganz andere, die mehr erreicht haben als ich.“ Überhaupt sei das so eine Sache mit dem Erfolg. „Für viele ist Erfolg ein Synonym für einen hohen Kontostand, für ein Leben, in dem man materiellen Reichtum angehäuft hat.“ Er definiere Erfolg aber anders, setze es gleich mit innerer Zufriedenheit. Das sei wichtiger, „als möglichst viel Geld anzuhäufen“. Geld sei für ihn nur die Basis für „maximal mögliche Freiheit und Unabhängigkeit“, aber kein Maßstab, ob jemand ein erfülltes Leben habe.

Und ist er zufrieden mit seinem Leben? Der 55-Jährige muss nicht überlegen: „definitiv.“ Er würde auch heute alles wieder genauso machen. Sein Rat an junge Menschen, die am Anfang ihrer Karriere stehen: Sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen, die gehörten zum Leben dazu. „In fast 40 Jahren Unternehmerdasein bleiben die nicht aus“, weiß Fischer und erinnert an die schwierigen Umbruchzeiten, als die Technologieblase platzte oder das Internet den Verlagen zu schaffen machte. Aber es gehe danach auch weiter. Man müsse nur wollen und machen. „Wer Erfolg haben möchte, braucht einen unbedingten Willen zum Erfolg“, sagt er. „Und man muss an sich glauben.“

Diesen unbedingten Willen zum Erfolg und das Selbstvertrauen in sich selbst hat ihm sein Großvater vorgelebt. Der war selbst Unternehmer, hatte sich eine Maschinenfabrik aufgebaut. Das Motto des Großvaters war stets: „Wenn du willst, was du kannst, dann kannst du, was du willst.“ Diesen Rat habe er sich schon früh zu Herzen genommen, sich klare Ziele gesetzt und mit aller Kraft an der Umsetzung gearbeitet.
Fischer kramt ein altes Foto hervor. Es zeigt einen jungen Mann im Trenchcoat vor dem Kensington Hotel, der neben einem Rolls-Royce steht. „Wir waren mit der Schulklasse in London. Ein Klassenkamerad hat mich fotografiert. Damals dachte ich mir, so ein Auto willst du auch einmal fahren. 30 Jahre später habe ich mir diesen Traum tatsächlich erfüllt – und natürlich ein Foto gemacht.“ Er holt auch dieses Bild hervor. Für Fischer haben beide Fotos Symbolkraft: Wenn man sich Ziele setzt und an sich glaubt, kann man alles schaffen.
Claudia Rothhammer

PD Dr. med. Christian Weißenberger ist Leiter des Zentrums für Strahlentherapie Freiburg. © Zentrum für Strahlentherapie Freiburg

Erfolgreich Gesundheitsbewusstsein schaffen

Er gilt als einer der wichtigsten Krebsexperten Deutschlands und macht gemeinsam mit zahlreichen Prominenten auf die Bedeutung der Krebsprävention aufmerksam. Für PD Dr. med. Christian Weißenberger heißt Erfolg vor allem, kranken Menschen helfen zu können.

Dass Gesundheit ein hohes Gut ist, muss man Christian Weißenberger nicht erklären. Der bundesweit bekannte Leiter des Zentrums für Strahlentherapie in Freiburg im Breisgau setzt sich seit Langem für ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein seiner Landsleute ein und feilt stets an neuen Therapiemöglichkeiten. „Persönlich erfolgreich zu sein heißt für mich, Dinge zu erreichen, ohne mir untreu zu werden“, erklärt Weißenberger. „Als Arzt geht es in dem Fall konkret darum, seinen Patienten die bestmögliche Therapie zu bieten – die zuverlässig und schonend und auch für alle Patienten bezahlbar ist.“

Wie man erfolgreich handelt, musste Christian Weißenberger bereits als 17-jähriger Gymnasiast lernen – und das nicht nur auf der Schulbank. Er und sein Bruder mussten nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters dessen Landwirtschaftsunternehmen übernehmen. Ein Sprung ins Ungewisse, der jedoch durch Fleiß und eine gesunde Selbsteinschätzung gelang: „In dieser Zeit habe ich gelernt, dass so manches gute Geschäft gerade dasjenige ist, das nicht zustande kommt“, blickt Christian Weißenberger zurück. „Egal ob es sich um Kunden oder um Patienten handelt: Wenn die Chemie zwischen den Beteiligten letztendlich nicht stimmt, sollte man es lieber lassen.“

Neben der Patientenbetreuung und der Forschung liegt dem 54-jährigen Mediziner der „Freiburg Health Day“ besonders am Herzen, den er 2016 aus der Taufe gehoben hat. Alljährlich geht es da an mehreren Standorten in Freiburg bei Sportveranstaltungen, Vorträgen und Showauftritten ausschließlich um das Thema Gesundheit. Unterstützt wird der „Freiburg Health Day“ von prominenten Sportlern wie der Olympiasiegerin Heike Drechsler oder von Schauspielern und Influencern wie Thorsten Nindel („Lindenstraße“), Patrick G. Boll („Berlin – Tag und Nacht“) oder Model und „Bachelor“-Kandidatin Dany Michalski. „Wenn ich da mit all diesen tollen Menschen auf der Bühne stehe und sehe, mit wie viel Freude die da alle mitmachen, dann ist das schon ein absolutes Highlight!“, freut sich Weißenberger.

Er ist der Gründer des Start-ups „Sension“ und des „Autism Glass Project“ an der Stanford University

Der Deutsche, der auszog, um die Welt besser zu machen

Er ist zwar mies in der Schule, programmiert dafür aber schon mit 13 Jahren seine erste App. Mit 14 arbeitet Catalin Voss als iPhone Entwickler, verdient sein erstes Geld; mit 15 macht er ein Praktikum im Silicon Valley mit dem Erfinder des Macintosh, Steve Capps. Zurück in Deutschland hat er nur noch ein Ziel – er will an der Eliteuni Stanford Informatik studieren. Mit 18 Jahren entwickelt Catalin in Stanford eine App für die Datenbrille Google Glass, mit der autistische Kinder üben können, die Emotionen ihres Gegenübers zu erkennen. Bald danach schließt Catalin sich in Kenia zwei lokalen Unternehmern an. Zusammen wollen sie Ladenbesitzer mit künstlicher Intelligenz ausstatten. Das Projekt wurde 2018 von Mastercard aufgekauft.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Die Welt ein Stück besser zu machen. Je größer das Stück, desto größer der Erfolg.

Und was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Sie sind immerhin erst 24 Jahre alt.
Ich habe relativ früh entdeckt, dass auch Menschen, die wir als besonders erfolgreich und darum so unnahbar ansehen, in der Regel doch ganz normale Menschen sind. Und man diese Menschen um Unterstützung bitten kann. Ein paar dieser sehr erfolgreichen Menschen, unter anderen Terry Winograd, Steve Capps, Shea Tate-Di Donna, haben – aus welchem Grund auch immer – an mich geglaubt und mir wichtige Türen geöffnet. So ziemlich alles, was man in meiner bisherigen Karriere Erfolg nennen kann, habe ich ihnen zu verdanken.

Was treibt Sie an?
Ich glaube tatsächlich, dass wir die Welt verbessern können. Und wenn nicht ich, mit all meinen Ressourcen, wer dann?

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?
Erfolg verpflichtet, Eigentum verpflichtet, Wissen verpflichtet… Ich halte soziales Engagement für enorm wichtig. Wenn man ein Unternehmen in einem Land aufbaut, in dem es kein funktionierendes Sozialsystem gibt, möchte ich mit meinen Möglichkeiten dafür sorgen, dass die Gesellschaft und die Infrastruktur an dem individuellen Erfolg teilhaben können.

Hat Ihnen jemand zu Beginn gesagt, Sie seien verrückt?
In Deutschland eigentlich alle, denen ich mit 15 oder 16 Jahren erzählte, dass ich ins Silicon Valley ziehen wolle, um in Stanford für 60000 US-Dollar Studiengeld pro Jahr zu studieren, ohne die geringste Idee zu haben, wie ich das Geld zusammen bekommen sollte. Vor meinem Studium hatte ich mir die 60000 US-Dollar für das erste Jahr angespart. Dann kam die Griechenlandkrise, der Euro brach ein, die 60000 US-Dollar waren über Nacht nur noch 40000 wert und ich dachte, das wars mit dem Studieren. Gott sei Dank öffneten sich andere Türen.

War das Ihr heftigster Rückschlag oder gab es noch einen härteren?
Da gab es einige… Das Unternehmen, das ich in meinem ersten Jahr in Stanford gegründet habe, habe ich auf Umsatzbasis hochgezogen. Ein paar Monate nachdem wir soweit waren, Leute einzustellen, die keine Studenten mehr waren, beging einer unserer wichtigsten Kunden Vertragsbruch. Uns fielen vertraglich garantierte Umsätze weg. Da hatte ich als 18-Jähriger gerade einen Familienvater überzeugt, umzuziehen, um zu uns ins Boot zu springen, und konnte ihn auf einmal nicht mehr bezahlen. Das war hart. Es war das erste Mal, dass ich mit so etwas konfrontiert war. Aus dieser Episode habe ich gelernt, dass Geld nicht existiert, solange es nicht auf dem Konto ist, und dass ich mit mehr Puffer wirtschaften muss.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie anders machen?
Ich mache jeden Tag viele Fehler. Ich treffe manchmal die falschen technischen Entscheidungen, was mich und andere dann viel Zeit kostet, oder fange aussichtslose Projekte an. Vor eineinhalb Jahren wollte ich zum Beispiel die Welt mithilfe von Drohnen und dem Geruchssinn von Honigbienen von Landmienen befreien. Das war ein Fehlgriff.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die ein erfolgreicher Mensch braucht?
Es gibt im Englischen ein Wort dafür, das wir so im Deutschen nicht haben: Resourcefulness. Mit dem Begriff ist die Fähigkeit gemeint, Sachen zu bekommen, die nicht auf der Menükarte des Lebens stehen, indem man Ressourcen anzapft, an die man nicht selbstverständlich rankommt, und aus dem, was man hat, das Maximum herauszuziehen vermag.

Was ist ein Must-have in ihrem Beruf?
Ich kann kaum Worte dafür finden, wie wichtig es mir ist, einen guten Businesspartner oder eine gute Businesspartnerin an meiner Seite zu haben. Eine Person, die die gleiche Euphorie empfindet, wenn es funktioniert, und die mit mir leidet, wenn alles den Bach runtergeht.

Welche Rolle spielen sozialer Status und Herkunft beim Erfolg?
Es wäre ignorant und arrogant, zu behaupten, dass das in meiner Geschichte keine Rolle gespielt hätte. Meine Eltern sind Akademiker und gaben mir schon als Kind viele Chancen, meine eigenartigen Interessen zu verfolgen.

Retten Sie irgendwann die Welt?
Im Moment spielen wir Lotto mit unserem Planeten. Leider habe ich noch keine App- oder KI-Idee, die CO2 aus der Luft saugt, so sehr ich mir das auch wünsche.
Von Johanna Reichert

Mit Intuition zum Erfolg

© Georg Kofler Beim Klettern bekommt Georg Kofler den Kopf frei

Ein Südtiroler, der die deutsche Medienlandschaft maßgeblich geprägt und verändert hat, ist Dr. Georg Kofler. Er hat ProSieben aufgebaut, das Teleshopping nach Deutschland geholt und Premiere saniert. Drei Projekte, die der Reihe nach für unsinnig, unnütz und unmöglich gehalten wurden. Kofler, Anfang 60, könnte sich als Privatier zurückziehen, aber danach ist ihm noch nicht. Er ist als Unternehmer aktiv, unter anderem in der Sendung „Höhle der Löwen“, und plant das nächste große Ding: die Social Chain AG. Aber der Reihe nach.

Georg Kofler kommt aus einfachen Verhältnissen. Als Kind wollte er „Bauer mit einem großen Traktor“ werden, wie er sagt. Stattdessen studiert er Publizistik und Kommunikationswissenschaft mit dem Berufsziel Journalist. Es folgt eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier, bevor der Generalintendant des ORF auf Kofler aufmerksam wird. „Ich hatte verschiedene Artikel veröffentlicht, über die Gerd Bacher auf mich aufmerksam wurde“, sagt Kofler. Aus der Universität holt ihn Bacher ins Fernsehgeschäft. „Das war ein entscheidender Karriereschritt, weil es mein Einstieg ins operative Fernsehgeschäft war.“

Jungen, strebsamen Menschen empfiehlt er, es ihm gleichzutun: „Mache den Job, den du gerade hast, besonders gut. Das wird anderen auffallen. Und wenn es so weit ist, sei bereit für Veränderungen. Man muss auch das Risiko auf sich nehmen, den Job zu wechseln und mobil zu sein – in geistiger, aber auch in physischer Hinsicht.“ Mobil ist er. Er sei der einzige seines Jahrgangs gewesen, der sein Südtiroler Bergdorf verlassen habe, um in die Welt hinauszuziehen. „Ohne Risiko kein Gewinn“, fasst es Kofler zusammen.

Risikobereit war und ist Georg Kofler immer. Dafür stehen auch die drei großen Highlights seiner bisherigen Karriere: die Gründung von ProSieben, die Einführung von Teleshopping in Deutschland und die Sanierung von Premiere – drei Projekte, die Branchenexperten für unmöglich gehalten haben. Statt auf Berater zu hören und langwierige Analysen durchzuführen, hat Kofler einfach gemacht. „Und immer, wenn ich etwas gemacht habe, gab es diesen Chor an Zweiflern und Skeptikern, der einen innovativen Unternehmer oft begleitet. Da braucht man schon auch Entschlossenheit und Risikobereitschaft.“

Nur einmal hätte er in der Retrospektive gerne bedachter gehandelt – beim Kofler Energies Club, den er als ADAC der Energieeffizienz positionieren wollte. Doch die Verbraucher wollten das Angebot partout nicht annehmen und so musste Kofler nach nur zwei Monaten den Stecker ziehen. „Hier hätte ich mir mehr Zeit lassen sollen, um Marktforschung zu betreiben. Andererseits ist das gegen mein Temperament. Wenn ich eine Entscheidung getroffen hab, will ich mit vollem Einsatz einsteigen.“ Und: „Beim Aussteigen erfordert es für Unternehmer manchmal mehr Mut als beim Einsteigen.“

Das macht seiner Meinung nach auch einen guten Unternehmer und Chef aus: Risikobereitschaft. „Man muss schnelle Entscheidungen treffen und zuverlässig gegenüber Mitarbeitern und Geschäftspartnern sein.“ Außerdem empfiehlt er jeder Führungskraft eine Portion gute Laune. „Niemand will mit griesgrämigen Leuten zusammenarbeiten. Gerade gegenüber Mitarbeitern soll man ein gut gelaunter Chef sein.“ Seine Mitarbeiter sieht Kofler gerne als unternehmerische Partner. Darum beteiligt er sie auch häufiger an Unternehmen. „Ich pflege einen unternehmerischen Führungsstil. Das heißt, ich übertrage Mitarbeitern Verantwortung, frage aber trotzdem nach, wie es so läuft. Eine gewisse Kontrolle muss auch sein.“

Wenn er den Kopf frei bekommen will für neue Ideen, geht er klettern in Südtirol. „Richtig abschalten kann ich nur in der Natur mit möglichst viel Anstrengung. Da ist Klettern genau das Richtige.“ Im Fels ist er von Schwierigkeitsgrad 4 bis 6- unterwegs, in der Halle darf es gerne schwieriger sein.

Koflers Erfolgsgeheimnis? Sein Bauchgefühl. „Wenn ich so meine wichtigsten Firmen sehe, dann war es eher intuitiv und aus dem Bauch heraus ohne langwierige Analysen und langes, bedächtiges Abwägen.“ Jedem Unternehmensberater stellen sich dabei doch die Haare auf. „Deswegen sind die Unternehmensberater ja keine Unternehmer, sondern Berater“, sagt Kofler lachend. Entscheidungen dürfen auch intuitiv getroffen werden. „Sonst könnte ja jeder erfolgreich sein, wenn man die Zukunft genau berechnen könnte.“

Apropos Zukunft – Koflers Zukunft ist die Social Chain AG. Darin werden alle Arten von Social Media mit E-Commerce verknüpft. „Das wird mein neues ProSieben“, schwärmt Georg Kofler. Er ist siegessicher mit der Social Chain AG, aber ein kleiner Nervenkitzel ist doch dabei: „Es gibt immer die Möglichkeit des Scheiterns. Das ist ja das Spannende am Unternehmerleben, dass man nicht weiß, wie es ausgeht. Ich glaube, das Leben eines Unternehmers ist eine sehr spannende und aufregende Lebensform. Kein Tag ist wie der andere bei mir. Dafür bin ich dankbar.“

Von Renate Kerscher

Ein Hauch von Cary Grant

Er brachte als Programmdirektor Stefan Raab zu Pro Sieben und versetzte als EndemolChef Deutschland ins Big-Brother-Fieber. Heute kümmert sich Borris Brandt als Director
Entertainment bei Aida um das gesamte Unterhaltungsprogramm für die Kreuzfahrten der Clubschiff-Flotte. Denn Borris Brandt liebt es einfach, zu unterhalten.

Er wisse zwar nicht mehr, wie der Film hieß, den er damals als Kind im Fernsehen gesehen hat. Aber zwei Dinge wusste Borris Brandt ganz genau, während er den Menschen auf der
Mattscheibe zusah: Der gutaussehende Schauspieler, der die Hauptrolle hatte und all die hübschen Frauen abbekam, hieß Cary Grant – und das, was der da auf dem Bildschirm tat,
das wollte er als Erwachsener auch tun. „Werbekaufmann sein. Flotte Sprüche, schöne Frauen, viel Geld und wenig Arbeit! So zumindest war es bei Cary Grant in diesem Film, den
ich damals sah. Die Erkenntnis, wie falsch der Eindruck im Gegensatz zur Realität war, habe ich erst viel später gewonnen, aber das führte dann zu meiner beruflichen
Weiterentwicklung“, sagt der erfolgreiche Medienunternehmer lachend.

Der gebürtige Hamburger und Sohn des bekannten Schauspielers und Michael-DouglasSynchronsprechers Volker Brandt begab sich also zunächst auf die Spuren von Cary Grants
Filmcharakter und machte eine Ausbildung als Werbekaufmann. Zu Beginn seiner Karriere im Jahr 1985 war er Filialleiter in einem Schallplattenladen, danach folgten Anstellungen als
Werbeleiter bei der Teldec Schallplatten GmbH und von 1991 bis 1995 als Etatdirektor bei der Economia Werbeagentur in Hamburg. Dort war Brandt verantwortlich für das Marketing
von Buena Vista Home Video, Jam FM und einer Reihe von Handelsunternehmen im Bekleidungsbereich.

Einem kurzen Intermezzo als Marketingleiter bei der 20th Century Fox folgte schließlich die berufliche Erfahrung, die ihn wohl am meisten geprägt hat: die Stelle des Programmdirektors
von Pro Sieben. Unter Brandts Ägide erreichte der Privatsender die höchsten Quoten seiner Geschichte, außerdem war er maßgeblich dafür verantwortlich, dass Stefan Raab vom
Musiksender Viva zu dem Münchner Sender wechselte – der Rest ist deutsche Fernsehgeschichte. Brandt war außerdem der erste Programmdirektor der Welt, der vom
niederländischen Medienunternehmen Endemol dessen späteres Erfolgsformat „Big Brother“ gekauft hat. Das führte zu Konflikten mit dem Pro-Sieben-Vorstand und mündete
schließlich in seiner Entlassung. Brandt sagt dazu heute: „Kurz vor dem Höhepunkt meiner Pro-Sieben-Zeit wurde ich von einem neuen Vorstand gefeuert, weil er weder von Formaten noch von der Entwicklung der Gesellschaft und deren Sehverhalten auch nur den Hauch einer Ahnung hatte. Ich habe mir von der Abfindung als Trost erst einmal einen Jaguar
gekauft und bin um den Starnberger See gefahren. Und dann habe ich bei Endemol angefangen. Wie heißt es so schön: Eine Tür zu – eine Tür auf!

Als „Big Brother“ nicht zu Pro Sieben kam, ging Brandt den umgekehrten Weg zu „Big Brother“: 2001 übernahm er die Geschäftsführung von Endemol Deutschland und später die
Präsidentschaft der Endemol Deutschland Holding. Dort brachte er das Format erneut auf den Bildschirm und zeichnete bis 2008 für zahlreiche ambitionierte und kommerziell
erfolgreiche Formate verantwortlich.

Seit 2011 ist Borris Brandt hauptberuflich in seiner Geburtsstadt Hamburg Director Entertainment bei Aida. Unter seiner Führung entsteht das umfangreiche
Unterhaltungsprogramm für die Kreuzfahrtschiffe. Für Brandt ist es der ihn am meisten erfüllende Job seit seinen glorreichen Zeiten bei Pro Sieben: „Egal ob im Fernsehen oder auf
der Aida: Es ist eine tolle Erfahrung, zu wissen, dass ich tatsächlich Dinge bewegen, entscheiden und damit Millionen Menschen glücklich machen kann.“ Einige Maximen habe
er im Laufe seiner langjährigen Karriere dabei für sich entwickelt: „Systematisch an die Aufgaben gehen. Seine Ziele klar definieren, bevor man anfängt. Dranbleiben in guten und
miesen Zeiten, wie in einer Ehe. Und immer wissen, wann Schluss ist.“ Und: „Erfolgreich zu sein erfordert wie zu allen Zeiten vor allem, besser, fleißiger und mutiger zu sein als alle
anderen.“

Ruhe und Inspiration findet Borris Brandt in seinem Haus an der französischen Atlantikküste und im Kreis der Familie und seiner vier Hunde. Luxus bedeutet für ihn als Erfolgsmenschen
mehr von etwas zu haben, als was man eigentlich braucht. „Und großes Glück kommt nur zu demjenigen, der eine Tür dafür offen hält.“

Ein Chef zum Anfassen

Christoph Vilanek hatte dieses Jahr gleich zweimal Grund zum Feiern: Zum einen ist er seit zehn Jahren Vorstandsvorsitzender der freenet AG, zum anderen feierte das Unternehmen selbst seinen 20. Geburtstag. Der gebürtige Österreicher, Chef von rund 4000 Mitarbeitern, ist als zugewandt und bodenständig bekannt. Er hat das „Du“ im Unternehmen durchgängig etabliert, führt einen eigenen Blog. Der 51-Jährige hat auch eine Möglichkeit gefunden, wie ihm Mitarbeiter anonym Fragen stellen können, die er persönlich beantwortet. Und er redet nicht gerne um den heißen Brei herum, sondern nennt die Dinge beim Namen. Ein idealer Gesprächspartner also, wenn es um die Frage geht: Wie wird man erfolgreich?

Herr Vilanek, von einer Karriere wie der Ihren träumen viele. War das immer schon Ihr Ziel?
Christoph Vilanek: Als Kind wollte ich eigentlich Formel-1-Rennfahrer werden, weil Österreicher in dem Sport ziemlich erfolgreich waren. Niki Lauda hat nie Ruhe gegeben, weder als Mensch noch als Unternehmer oder als Sportler. Der Mann ist brennend aus seinem Auto geborgen worden und ein paar Wochen später wieder Rennen gefahren. Das ist schon einmalig.

Statt Formel 1 ist es dann doch ein BWL-Studium geworden. Nach Ihrem Abschluss haben Sie beim Verlag Time-Life International angefangen, sind Geschäftsführer beim Online-Modehandel boo.com geworden, waren für ein paar Jahre bei McKinsey und debitel, bevor sie zu freenet gewechselt sind. Was waren für Sie die wichtigsten Karriereschritte?
Die Rückschläge! Denn nur dann nimmt man sich Zeit, neu nachzudenken, und überlegt gezielt, wie man ohne Netz und doppelten Boden neu an Themen herangehen kann. Nach dem Studium und zehn Jahren Karriere habe ich für gut drei Jahre bei McKinsey gearbeitet. Diese Zeit war für mich am Ende die entscheidende, weil ich nach zehn Jahren autodidaktischer Karriere quasi nochmal die „Schulbank drücken“ musste. Ich habe bei McKinsey wahnsinnig schnell viel gelernt – oder besser gesagt lernen müssen.

Gab es weitere Hürden, die Sie überwinden mussten?
Oh ja! 1998 wurde ich vom Eigentümer meines damaligen Arbeitgebers, heute würde man sagen, hochkant gefeuert. Ich hatte seine Meinung in einer fachlichen Diskussion total falsch eingeschätzt und er präsentierte mir dafür die Rechnung. Heute würde ich sagen, das war jugendlicher Leichtsinn, aber es hat mich definitiv geprägt.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute raten?
Nicht verbissen sein, nicht eifern, nicht nach oben schielen – einfach machen, selbstbewusst sein. Und an das berüchtigte Quäntchen Glück glauben, denn ohne das wird es nicht gehen. Mich fragen unsere Trainees oft: „Wie macht man Karriere?“ Meine Antwort ist immer dieselbe: „Fragen stellen. Ihr müsst immer fragen, wissbegierig sein, Aufmerksamkeit zeigen.“ Es ist für mich ganz erstaunlich, dass die jungen Leute von Networking sprechen und von eigenen Connections, aber vergessen, dass eine gut gestellte Frage beim Gegenüber mehr Wohlgefühle und Dopamin freisetzt als viele schlaue Bemerkungen.

Für viele ist ein Mentor das entscheidende „Quäntchen Glück“. Wer hat Sie auf Ihrem Weg unterstützt?
Ich könnte einige Leute nennen, deren Einfluss ganz wesentlich war. Besonders eindrucksvoll war zum einen ein Gespräch darüber, warum es nur ein Prinzip der Führung gibt, das Lob, und zum anderen der Aufruf eines Kollegen in der Beratung, doch meine Gedanken einer „intellektuellen Disziplin“ zu unterwerfen. Und natürlich Prof. Dr. Helmut Thoma, „Mr. RTL“. Er hat mich im Mai 2009 zum Vorstandsvorsitzenden der freenet AG gemacht.

War die Ernennung Ihr persönliches Karrierehighlight?
Ja, es fühlte sich einfach wie eine Belohnung an – für die eine oder andere Enttäuschung und Entbehrung vorher. An diesem Tag war ich richtig stolz auf das Erreichte. Vor lauter Freude hatte ich vergessen, meine Frau anzurufen und abends auf dem Nachhauseweg – nach unzähligen SMS und Gratulationsvoicemails – rief ich sie an, und wir sind beide in Tränen ausgebrochen. Da war schon spürbar, dass ich mir im Vorfeld über Jahre selbst Druck aufgebaut habe, der dann plötzlich abfiel.

Sind Sie glücklich?
Ich habe regelmäßig Momente eines totalen Glücksgefühls. Das sind meistens einzelne Augenblicke oder ein paar Minuten. Ich kann nicht sagen, woran ich dieses Gefühl festmache. Ich spreche zum Beispiel oft spontan Leute an und freue mich dann, dass ich nicht der Chef oder CEO bin, sondern einfach der Christoph.

Claudia Rothhammer

Fußball und Kickern sind Claassens Leidenschaft. Zweimal war er bereits Präsident eines Fußballclubs – bei Hannover 96 und bei RCD Mallorca. Fotos: © Syntellix AG

Erfolgreich mit harter und strukturierter Arbeit

Prof. Utz Claassen ist ein Macher, ein Entrepreneur und Stehaufmännchen. Claassen schwimmt gerne auf der Erfolgswelle, bis sie ihn vom Brett reißt. Dann steht er auf und surft die nächste Welle. Sein Abitur macht er mit 17 Jahren mit dem Notendurchschnitt von 0,7. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und zwischenzeitlich auch der Medizin steigt er bei McKinsey ein und wechselt dann zu Ford, später zu Volkswagen. 1994 wird er Finanzvorstand und Vertreter des Präsidenten bei Seat. Es folgt der Posten des Vorstandsvorsitzenden bei Sartorius und 2003 schließlich bei EnBW. Heute steht Claassen an der Spitze des Medizintechnikherstellers Syntellix, den er 2008 gegründet hat.

Mit Erfolg, aber auch Widrigkeiten kennt er sich aus. Claassen hat viel durch in seiner beruflichen Laufbahn. Er polarisiert. Wenn Claassen auf Fragen antwortet, dann nie wie aus der Pistole geschossen. Er denkt intensiv nach, wägt ab, seine Wortwahl ist wohlüberlegt und freundlich.

Darin sieht er auch eine der Stärken, die für seinen Erfolg maßgeblich sind: „Ich kann mich vernünftig artikulieren.“ Außerdem habe er Kampfgeist, sei fleißig und bringe eine hohe Einsatzbereitschaft mit. Mit diesen Stärken kann er seinen selbstgestellten Ansprüchen gerecht werden und seine Ziele als Topmanager erreichen. Topmanager ist Claassens Berufsbezeichnung. Seit er 17 Jahre alt war, war ihm seine Berufswahl klar. „Ich wollte und will gestalten, verändern und verbessern. Das kann man als Topmanager.“ Als Kind hatte er verschiedene Berufe auf dem Zettel: Statiker, weil der Onkel einer war; Apotheker, weil der Menschen gesund macht; als Gymnasiast wollte er Gehirnchirurg werden, als Kind schwebte ihm eine Karriere als Fußballprofi vor.

Das mit dem Fußballprofi hat nicht geklappt, aber dafür war er zeitweise Fußballpräsident. 1997 für 74 Tage bei Hannover 96. Er wollte sanieren, stieß auf Widerstand, wurde bedroht, zog sich schließlich zurück. Seit 2010 war er Investor bei RCD Mallorca und hatte dort verschiedenen Posten inne – auch wieder als Präsident. Fußball ist eine Herzensangelegenheit für Claassen. Hier kommt er kurz ins Schwärmen, wird dann aber wieder sachlich. „Ein realisierter Traum oder eine genutzte Gelegenheit können sich im Nachhinein als wenig vorteilhaft herausstellen“, sagt er. Ob er irgendetwas nachtrauert? „Nein, es lohnt sich nicht, einer Sache nachzutrauern, weil sich die Vergangenheit nicht ändern lässt. Ärger und Angst sind schlechte Berater.“

Er muss es wissen. Claassen sieht stets das Positive in der jeweiligen Situation. „Jeder einzelne Schritt meiner Karriere war wichtig, weil er mir immer etwas anderes gebracht hat. Und zwar den Eintritt in eine neue Welt mit neuen Perspektiven.“ Trotzdem benennt er durchaus Highlights seiner Karriere. „Karrieretechnisch und medial war meine Position als EnBW-Chef ein Highlight, als ich 38.000 Mitarbeiter hatte. Von der Intensität her war die Seat-Sanierung mein Highlight.“ Auch den emotionalsten Moment seiner Laufbahn als Topmanager teilt Claassen: „2013, als Syntellix den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft erhalten hat, hatte ich mich vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um mich um meine sterbende Mutter zu kümmern. Nur für einen Abend habe ich sie mit der Frau eines Freundes allein gelassen, als ich den Preis in Empfang genommen habe.“ Darum werde er den Preis immer mit seiner Mutter in Verbindung bringen, den er ihr als Zeichen seiner Wertschätzung mit nach Hause gebracht, gezeigt und gewidmet habe.

Neben seiner Mutter war Ferdinand Piëch eine wichtige Person in Claassens Leben. Dessen Tod am 25. August 2019 hat den Topmanager getroffen. „Die Person auf der Welt, die ich außerhalb der Familie am meisten respektiert habe und respektiere, der ich am meisten zu verdanken habe, die mir die meisten wichtigen Referenzpunkte, Förderungen, Forderungen, Herausforderungen, Lehren und Einsichten mitgegeben hat, ist Ferdinand Piëch. Sein kürzliches Ableben ist ein unfassbarer Verlust für unsere Wirtschaft und Gesellschaft gewesen, den viele wahrscheinlich nicht einmal richtig verstanden haben“, sagt Claassen über seinen Mentor.

Heute hat Claassen selbst Mentor-Qualitäten. Jungen Menschen, die ins Topmanagement wollen, gibt Utz Claassen folgenden Tipp mit auf dem Weg: „Sich nicht von der Leichtigkeit des Seins verführen lassen. Mit harter und strukturierter Arbeit kann man die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass das berufliche Glück kommt. Daran habe ich mich immer gehalten.“ Gleichzeitig gibt Claassen aber zu, dass dieser Beruf mit dem Privatleben nicht immer einfach zu vereinbaren sei. „Ich habe zu viel Fokus auf meinem beruflichen Einsatz. Und extrem wenig Freizeit.“ Er könnte sich vorwerfen, zu wenig Freizeit und Privatleben zu haben. „Ich bin privat glücklich, aber objektiv betrachtet habe ich habe ich viel zu wenig Zeit für private Dinge.“ Ein Schicksal, das viele erfolgreiche Menschen mit Claassen teilen. Trotzdem nimmt er sich hin und wieder eine Auszeit. Zum Beispiel, um Tischfußball spielen, zu Hause am eigenen Kickertisch, aber auch auf Turnieren.

Gerne würde Utz Claassen mal einen ganzen Tag „offline“ sein. „Das wäre Luxus für mich.“ Allerdings sei das derzeit unvorstellbar und mit seiner unternehmerischen Verantwortung nicht zu vereinbaren. Verantwortungsgefühl ist ein Must-have in seinem Beruf. „Wer unternehmerisch tätig ist und Personalverantwortung trägt, muss rund um die Uhr Verantwortungsgefühl haben“, sagt Claassen. Verantwortungsgefühl mache seiner Meinung nach auch eine gute Führungskraft aus. „Und Führungsfähigkeit im Umgang mit Menschen. Nicht jeder, der ein guter Fachmann ist, ist auch eine gute Führungskraft.“ Seinen eigenen Führungsstil beschreibt Claassen so: „Jeder ist so frei, wie er gut ist.“

Über Statussymbole spricht Utz Claassen nicht so gerne. Er möchte seine finanziellen Möglichkeiten auch nicht mit seiner offenkundigen Leidenschaft für Autos in Verbindung bringen und bleibt vage, wenn es um seinen privaten Fuhrpark geht. Ein Bentley? „Ich lebe in starken Loyalitäten, und es versteht sich von selbst: Wenn ich ein Fahrzeug käuflich erworben habe, dann eines, das ich mit dem Konzept Piëch-Engineering in Verbindung bringe und das mich auch über meine Arbeitszeit im Volkswagen-Konzern hinaus mit Herrn Piëch verbindet, wann immer ich es fahre.“
Von Renate Kerscher

© Liqui Moly GmbH

Nicht schwätzen, sondern schaffen

Als Unternehmer mit ausgeprägter sozialer Ader ist Ernst Prost einem breiten Publikum bekannt geworden. Im Jahr 2011 war er der Firmenchef mit den meisten Talkshow-Auftritten. Dabei setzte er sich für Themen wie Mindestlohn, einen höheren Spitzensteuersatz oder die Einführung einer Vermögenssteuer ein. Mittlerweile macht sich der im Februar 1957 in Altötting geborene Prost zwar wieder rar in den Medien, an seinen Ansichten hat sich jedoch ebenso wenig geändert wie an seinem Elan. Auch nach dem Verkauf seiner Unternehmensanteile am Schmiermittelhersteller Liqui Moly und den Meguin Mineralölwerken wirkt er als Geschäftsführer beider Unternehmen. Seine Beschäftigten betrachtet er als „Mitunternehmer“.

Wer war oder ist Ihr Vorbild?
Mutter Teresa, weil sie sich für die Ärmsten der Armen eingesetzt hat.

Was war ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Die Tatsache, dass mich keine Bank und auch kein anderer Betrieb genommen hat. Deshalb bin ich Kfz-Mechaniker geworden.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Lehre mit Gesellenbrief, Verkaufsleiter, Marketingchef, Geschäftsführer, Unternehmer und jetzt wieder Geschäftsführer. Jeder Schritt hat Sinn gemacht und war der Vorläufer für den nächsten Schritt.

Was betrachten Sie als Highlight Ihrer Karriere?
Unternehmer sein zu dürfen, mich selbstständig gemacht zu haben, mit allem, was an Würde und Bürde dazugehört.

Apropos Bürde: Wie ist Ihr Unternehmerdasein mit dem Privatleben zu vereinbaren?
Ganz hervorragend. Mein Beruf ist mein Leben und mein Leben ist mein Beruf. Da gibt es nichts zu trennen, das ist eins. Dafür bin ich sehr dankbar.

Aber es gibt bestimmt einen Ausgleich zur täglichen Arbeit?
Ausgleich brauche ich nicht. Die Arbeit als solche ist meine Inspiration. Anregende Orte? Die Natur, die Dusche und das Klo. Dort entstehen Ideen.

Gab es einen materiellen Wunsch, der Sie am Anfang bis zum ersten großen Erfolg begleitet hat? Wenn ja, welchen und wann haben Sie ihn sich erfüllt?
Das war ein eigenes Motorrad, damit ich mir meine Freiheit erfahren kann. Mit 20 Jahren hat es geklappt.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Ich bin zäh, fleißig und liebe die Arbeit – und vor allem liebe ich die Menschen.

Gibt es Menschen, die Sie als eine Art Mentor auf Ihrem Weg unterstützt haben?
Drei Personen waren es: me, myself and I. Im Ernst: Ich habe wie ein Schwamm aufgesaugt, was immer es zu lernen gab, und davon profitiert. Viele gute Leute haben mich inspiriert und geleitet. Auch heute noch.

Was bedeutet Unglück für Sie?
Wenn ich zusehen muss, wie andere Menschen leiden, und nicht helfen kann.

Und was ist Ihre Definition von Glück und Luxus?
Glück ist für mich schon die Abwesenheit von Unglück. Luxus ist einfach nur, Zeit und Muße für den guten alten Müßiggang zu haben.

Gab es einen markanten Wendepunkt in Ihrer beruflichen Karriere?
Es gab einen Tag, an dem eine Firma, in der ich als Angestellter arbeitete, sehr viele Leute entlassen hat. Ich habe mir damals geschworen, dass ich – sofern ich jemals in eine Position gelange, in der ich dies verhindern kann – alles dafür tun werde, dass so etwas nicht passiert. Weil es für alle Beteiligten schrecklich war.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Erstens der blanke Ehrgeiz und zweitens, etwas zu leisten, womit anderen Menschen gedient ist.

Ist das Wohlergehen anderer also ein wichtiger roter Faden in Ihrem beruflichen Leben?
Ja, ich gönne allen, wirklich allen Menschen den Erfolg. Wir haben ja nicht zu viele Millionäre in Deutschland, sondern zu wenige. Umgekehrt haben wir zu viele Arme. Beruflicher Erfolg bedeutet immer, soziale Anerkennung zu erhalten, Geld zu verdienen und durch Steuern und Sozialversicherungsabgaben dem Gemeinwohl zu dienen. Je mehr erfolgreiche Menschen in einem Land wohnen und je mehr Millionäre es gibt, desto besser geht es allen. Deshalb müssen wir Leistung fördern und nicht den sozialen Neid schüren und Erfolg als etwas sehr, sehr Positives im Sinne von Sozialstaatlichkeit definieren.

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht der soziale Status beziehungsweise die Herkunft bei dem Wunsch, erfolgreich zu sein?
Naja, beim Wunsch weniger, aber bei den Möglichkeiten sehr wohl. Jeder will wohl nach oben, Erfolg haben und ein angenehmes Leben führen. Und logisch gelingt das Kindern aus wohlhabenden und bildungsaffinen Familien eher als Kindern, die in kritischen Verhältnissen aufwachsen. Hier muss der Staat mit einem umfassenden und weitreichenden Bildungssystem die Unterstützung geben, die Kinder brauchen, um einen erfolgreichen Lebensweg zu gehen.

Was betrachten Sie abgesehen davon als die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Weitsicht, Verständnis, Schaffenskraft und die Fähigkeit, etwas für andere Menschen zu tun. Man kann es auch Nächstenliebe nennen.

Spielt Sozialkompetenz also eine immer bedeutendere Rolle?
Wenn die Menschheit nicht am skrupellosen Egoismus zugrunde gehen will, dann sollten wir in der Disziplin soziales Engagement genauso wie beim Schutz unserer Umwelt gewaltig zulegen. Wir müssen generell besser aufpassen – auf die Natur, auf die Mitmenschen und auf unseren Planeten.

Was raten Sie mit Ihrer gesammelten Lebenserfahrung jungen Menschen, die erfolgreich werden wollen?
Jungen Menschen rate ich zweierlei: hart zu arbeiten, dadurch Verantwortung für andere zu übernehmen und zugleich das Leben zu genießen.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Weniger Fehler. Weniger Menschen verletzen. Noch mehr Gutes tun und noch mehr Motorrad fahren.

Nachdem Sie nun erfolgreich sind: Was ist heute Ihr Antrieb, jeden Tag weiterzumachen?
Die Freude am Schaffen, am Erschaffen. Meine Kreativität in Ergebnisse umsetzen zu können. Der Firma und den Menschen, die von dieser Firma abhängen, zu dienen. Dazu gehören meine Mitunternehmer genauso wie meine Kunden und Lieferanten. Und natürlich der Spaß an der Freude.

Glauben Sie, Erfolg zu haben ist heute einfacher als früher?
Klar ist es heute einfacher, Erfolg zu haben. Die letzten zwei Generationen sind doch schon in eine Erfolgsgeschichte hineingeboren worden. Wie hat denn Erfolg im Mittelalter oder noch vor 100 Jahren ausgesehen? Nicht verhungern, nicht erschlagen werden und nicht von der Obrigkeit niedergemacht werden. Unser Erfolg besteht aus Freiheit, Demokratie, der sozialen Marktwirtschaft, einem vernünftigen Bildungs- und Ausbildungssystem und dem Wahnsinnsgeschenk des Friedens. Daraus kann jeder etwas machen. Aber man muss es schon auch wollen und mit ganzer Kraft dafür arbeiten.

Können Sie abschließend Ihr Erfolgsgeheimnis in wenigen Worten zusammenfassen?
Nicht verbissen, aber zielgerichtet arbeiten. Verantwortung für andere übernehmen und zugleich das Leben genießen. Nicht stur sein, aber hartnäckig bleiben. Gründlich nachdenken, klug entscheiden und dann auch wirklich tatkräftig umsetzen, was zu tun ist. Nicht schwätzen, sondern schaffen!

 

Der Geschäftsarchitekt

Dominik Matyka spricht fünf Sprachen, studierte internationale Betriebswirtschaft in Wien, London und St. Gallen und promovierte an der TU Berlin. Außerdem gründete er bereits mehrere Unternehmen und verkaufte sie gewinnbringend. Eigentlich könnte er sich entspannt zurücklehnen. Stattdessen ist er 2018 als Chief Advisor bei der Digitalkonferenz DMEXCO eingestiegen und greift jungen Start-ups finanziell unter die Arme. Dabei ist er selbst erst 36.

Engel gibt es: Angel Investors nennt man Menschen, die Existenzgründer nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Know-how und Kontakten unterstützen. Aber unter einem Unternehmensengel stellt man sich einen weißhaarigen Mann vor, der das Berufsleben als Manager oder Unternehmer hinter sich hat. Matyka hingegen ist jung, dynamisch, erfrischend anders eben. Trotzdem hat der 36-Jährige Erfahrung, wenn es darum geht, aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen zu entwickeln.

„Als Kind wollte ich eigentlich Innenarchitekt werden“, verrät der Berliner. Die Kreativität im Job ist geblieben, das Bauen auch. Nur die Branche ist eine andere, wie er selbst sagt: „Ich baue Unternehmen und Businessmodelle und finanziere Firmen, die innovative und kreative Lösungen entwickeln. Ich fühle mich als Digital Business Architect.“ Wie gut er als „Geschäftsarchitekt“ ist, hat er mit seinem dritten und 2008 von ihm selbst gegründeten Unternehmen bewiesen: der datengetriebenen Native-Advertising-Plattform Plista. Er etablierte sie in über 20 Ländern und verkaufte sie Anfang 2014 an WPP. „Das war ein erster wichtiger Meilenstein und gleichzeitig Basis für Stufe zwei. Zusammen mit fünf Partnern haben wir 2016 die Cavalry Ventures gegründet, einen Fonds, der in hoffnungsvolle junge Unternehmen investiert.“

Was er jungen Start-up-Gründern grundsätzlich rät: „Selbstdisziplin, den Glauben an sich selbst und den unbedingten Fokus auf die jeweilige Aufgabe.“ Entsprechend voll ist sein Terminkalender: „Ich arbeite diszipliniert, analytisch, verfüge über ein großes Netzwerk und bemühe mich, Entwicklungen vorauszusehen.“ Er orientiert sich dabei an seinem Vater: „Er hat mir vieles vorgelebt: preußische Tugenden wie Disziplin und harte Arbeit im Beruf einerseits, andererseits den großen Stellenwert von Familie im Privaten.“ So verwundert es auch nicht, dass er den Tag am liebsten mit einem Familienfrühstück beginnt. Seinem kleinen Sohn verdankt Matyka übrigens seine neueste Geschäftsidee: eine portable Babywippe.

Von Claudia Rothhammer

Mit Playboy-Gründer Hugh Hefner durfte Florian Boitin, Chefredakteur des deutschen Playboys, eines der letzten großen Interviews führen. Fotos: frei zur Verwendung

„Nehmt keinen Ratschlag an“

Florian Boitin, am 20.04.1967 in München geboren als Florian Christoph Oesterhelt, ist seit 2009 Chefredakteur des deutschen Playboy. Er ist Vater von drei Kindern, Mitglied beim FC Bayern, studierter Kommunikations-Designer, Journalist und Unternehmer. So verantwortete er als Chefredakteur u.a. die Magazine MAXIM, MAXIM FASHION, GRIP – das Motormagazin und MAX.
Ab Dezember 2019 erscheint Playboy Deutschland in der Kouneli Media GmbH, mit Myriam Karsch und Florian Boitin als gleichberechtigte geschäftsführende Gesellschafter.

Was waren Ihre größten Erfolge und Misserfolge?
Simone Thomalla auf den Titel des deutschen Playboy zu packen (immerhin die erfolgreichste Ausgabe der letzten 10 Jahre), das letzte Playboy-Interview mit Playboy-Gründer Hugh Hefner vor seinem Tod geführt zu haben und wegen einer Playboy-Anfrage an Helene Fischer auf dem Titel des Yello-Blattes „Frau Aktuell“ zu landen. Größter Misserfolg? Ein Interview mit dem italienischen Film-Komponisten Ennio Morricone veröffentlicht zu haben, dass so in der Form nie stattgefunden hat

Was wollten Sie als Kind werden?
Erst wollte ich Winnetou werden, dann Karl-Heinz Rummenigge und später Beatle. Ein Indianer, der Fußball spielen kann und die Mädchen zum Kreischen bringt? Wer würde das nicht wollen.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Die tägliche Lektüre des Sportteils der Süddeutschen Zeitung. Ich konnte mir als Jugendlicher nicht vorstellen, dass es einen noch cooleren Job geben könnte, als den des Sportreporters. Kostenlos ins Stadion, beste Plätze und auf Du und Du mit Franz Beckenbauer. Wahnsinn.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Meine größte Stärke ist vielleicht, dass es mir zumeist gelingt, unterschätzt zu werden.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriere-Weg?
Morgens um 9 Uhr ins Verleger-Büro bestellt, um wenig später mit der Kündigung in der Hand zum Aufzug geleitet zu werden, zählt sicher nicht zu den schillerndsten Momenten meiner beruflichen Laufbahn.

Was raten Sie jungen Menschen die Erfolg haben möchten?
Nehmt keinen Ratschlag an. Auch diesen nicht.

Was treibt Sie beruflich voran?
Die Lust am Machen.

Haben Sie eine lustige „Anekdote“ aus Ihrem Erfolgsleben?
Noch nicht lange her. Ich traf im Aufzug eine Praktikantin, eine ehemalige, wie ich dachte. Nach kurzem Plausch fragte ich sie, wo sie denn aktuell beschäftigt sei? Da sah sie mich vollkommen irritiert an und meinte, na bei Dir. Wir setzen die Aufzugfahrt schweigend fort.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Demut.

Business Division Head bei der Allianz Asset Management GmbH

„Nutella-Brote im Bett“

Anna Sophie Herken ist Business Division Head bei der Allianz Asset Management GmbH und Mitglied verschiedener Aufsichtsräte in China, USA und Europa. Von 2016 bis 2018 war sie CFO bei Hasso Plattner Capital und von 2011 bis 2016 Geschäftsführerin der Hertie School of Governance in Berlin. Zuvor hatte sie Führungspositionen unter anderem bei der Weltbank und bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London inne und arbeitete für das Deutsche Wirtschaftsministerium. Anna ist Juristin und hat einen MBA an der Cambridge University absolviert. Sie ist Deutsche und Schwedin und verbrachte den Großteil ihrer Karriere außerhalb von Deutschland.

Bei so vielen Stationen, wo hatten Sie Ihrer Meinung nach am meisten Erfolg?
Ich kann gar nicht sagen wo ich Erfolg oder Misserfolg bzw. Glück oder Pech hatte, am Ende ist aus jeder Situation etwas Gutes entstanden und ich bin dankbar für alles.

Und was bedeutet Erfolg für Sie?
Die Freiheit, das tun zu dürfen, was mir Spaß macht und dabei etwas bewegen zu können.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Ich will etwas bewegen und immer wieder lernen und Neues entwickeln.

Gab es einen materiellen Wunsch, der Sie bis zum ersten Erfolg begleitet hat?
Materielle Faktoren waren nie mein Treiber, sondern der Wille, etwas verändern und verbessern zu können.

Wo sehen Sie Ihre Stärken?
Nicht zu stillende Neugier und Furchtlosigkeit.

Was raten Sie jungen Menschen, die Erfolg haben möchten?
Keine Angst haben und neuen Möglichkeiten, mit Freude und Offenheit zu begegnen

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?
Nicht immer einfach, aber ich liebe meine Familie und meinen Beruf und irgendwie funktioniert`s.

Was ist für Sie Luxus?
Mit meinen Kindern, am Sonntagmorgen, Nutella-Brote im Bett zu essen.

Wenn Sie nicht das geworden wären, was Sie heute sind, dann wären Sie?
Professorin im Bereich Medizin und in der Forschung aktiv. Später wäre ich zu „Ärzte ohne Grenzen“ gegangen.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Offenheit und Neugier für Menschen, Ideen und Entwicklungen.

Was macht in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Sich zurücknehmen zu können und zuzuhören.

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?
Sehr wichtig. Ich engagiere mich nicht nur in den Aufsichtsräten von sozialen Organisationen, sondern auch im Alltag. Das ist eine Selbstverständlichkeit und es erweitert die Wahrnehmung für das was wirklich wichtig im Leben ist.
Franziska Mansen

Matthias Dickmann hilft als Meridian-Therapeut den Menschen.

Arbeit muss Spaß machen

Matthias Dickmanns Lebensweg ist bewegt. Er hat im Finanz- und Immobilienwesen gearbeitet, war Vorstandvorsitzender seiner eigenen AG und konnte sich schon in jungen Jahren materiellen Luxus leisten. Heute arbeitet Dickmann als Meridian-Therapeut. Dort, wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt, hat Matthias Dickmann mit seinen alternativen Heilmethoden schon vielen Menschen geholfen.

Herr Dickmann, was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Matthias Dickmann: Die Arbeit muss Spaß machen, einen Sinn haben und mir ein Gefühl der Zufriedenheit geben mit dem, was ich tue.

Was sehen für Sie als Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Der Sprung vom Finanzwesen in die Heilung. Es war an der Zeit für Veränderungen.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Ich sehe die Krankheit als Weg, nicht als großes Unheil. Mein Motto: Verändere dein Leben, sonst verändert es dich.

Was würden Sie mit Ihrer heutigen Lebenserfahrung Ihrem jüngeren Ich raten?
Gehe einfach deinen Weg und gib nie auf, wenn du ein Ziel hast, das dich glücklich macht. Egal, wie schwer es wird.

Was treibt Sie weiter voran?
Die Dankbarkeit und Wertschätzung meiner Patienten. Und meine Freizeit, zum Energietanken. Und vor allem meine drei Kinder. Max, mein ältester Sohn, ist jetzt 20 Jahre alt und der jüngste Stearmanflieger von Deutschland. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und genau das macht Menschen glücklich.

Welche Begebenheit aus Ihrem Erfolgsleben ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ich wurde 2015 von einer verzweifelten Mutter um Hilfe gebeten, da ihre Anfang-20-jährige Tochter Mandy einen Krebs hatte, der zum Tod führt. Meine Aufgabe war nicht zu heilen. Ich habe von Anfang an ehrlich mit Mandy darüber gesprochen. Ich versprach ihr, mehr Lebensqualität zu schenken, damit sie jeden Tag genießen kann. Wir haben uns zweieinhalb Jahre lang jeden Monat für vier Tage an der Nordsee getroffen. Und ich würde behaupten, dass wir in dieser Zeit viel Spaß und unvergessliche Momente hatten – auch dank Carmen Geiss und Sven Martinek. Carmen hatte von Mandy gehört, sie haben viel telefoniert und daraus ist eine Freundschaft entstanden. Ihr wurden knapp drei Jahre geschenkt, die sie jede Sekunde voller Freude am Leben genießen konnte.

Das ist eine bewegende Geschichte. Hat sich dadurch Ihre Definition von Luxus verändert?
Luxus bedeutet für mich, Dinge zu besitzen, die man für kein Geld der Welt kaufen kann:
Gesundheit, Liebe, Zeit.

Von Renate Kerscher

Einmal im Jahr läuft Axel Gränitz eine Alpenüberquerung – sein Ausgleich zum Beruf. © Axel Gränitz

Mut zu anderen Wegen

Axel Gränitz zählt sich nicht zu den Managern, die sich für unersetzlich halten. Ganz im Gegenteil. Darum hat er seine Woche klar in Berufs- und Privatleben gegliedert. Beruflich ist er ein Tausendsassa, der die Vielfalt liebt: Gebäudemanagement, Seniorenbetreuung, Reisen, Private Equity, Logistik- und Finanzdienstleistungen sind nur einige der Branchen, in denen er schon aktiv war. „Darin sehe ich meine Stärke. Ich habe immer wieder die Branche gewechselt und dadurch mehr hinterfragt als Brancheninsider“, spricht Gränitz den Kern seines Erfolgs an. Studiert hat der Münchner Politikwissenschaften, aktuell ist er Präsident und CEO der Polygon Group.

Herr Gränitz, Sie haben beruflich viel erlebt. Was war, was ist ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Axel Gränitz: Vieles im Leben waren Zufälle. Es gab auch immer wieder Rückschläge, die mich veranlasst haben, meine Komfortzone zu verlassen. Im Nachhinein war es genau richtig so.

Sehen Sie darin den Ursprung Ihres Erfolgs?
Zunächst einmal ist Erfolg für jeden Menschen etwas anderes. Für mich ist Erfolg, zu dem, was ich mache eine Rückbestätigung zu bekommen und für mich selbst auch Zufriedenheit zu finden.

Wie schaffen Sie es denn, Ihr Berufsleben mit dem Privatleben zu vereinbaren?
Ich bin seit 30 Jahre immer irgendwo in der Welt unterwegs und so gut wie nie zu Hause. Ein großes Erfolgsrezept ist für mich, dass ich unter der Woche arbeite wie ein Tier, aber die Wochenenden heilig sind. Von Freitag 19 Uhr bis Montag 7 Uhr gehe ich an kein Telefon und setze am Wochenende die Prioritäten auf meine Familie und den Freundeskreis.

Aber muss nicht gerade ein Unternehmer oder ein Manager immer erreichbar und verfügbar sein?
Das glaube ich nicht. Ich denke, ein guter Manager ist der, der seine Arbeit in der vorgegebenen Zeit schafft. Schlechte Manager sind diejenigen, die sich selbst ständig Arbeit machen und sich für unersetzlich halten.

Macht diese Einstellung eine gute Führungskraft aus?
Auch. Eine gute Führungskraft muss meiner Meinung nach emphatisch sein und auf Leute zugehen können. Wichtig ist die Balance zwischen einer klaren Zielvorgabe und die Empathie zu haben, eine Person zu würdigen.

Leiten Sie nach dieser Maßgabe auch Ihr Team?
Ich habe Leute, denen ich Aufgabengebiete gegeben habe, und gehe davon aus, dass sie die Entscheidung selbst treffen. Wenn man Führungskräfte unter sich hat, die versuchen, die Entscheidung auf einen selbst abzuwälzen, dann hat man sie eigentlich schon falsch ausgesucht. Wir arbeiten viel im Team, ich möchte Meinungen hören, aber wenn ich das Gefühl habe, jetzt muss eine Entscheidung getroffen werden, dann treffe ich sie auch – manchmal auch ein falsche. Aber oft ist es besser, eine Entscheidung zu treffen als keine zu treffen.

Gibt es denn Entscheidungen, die Sie aus heutiger Sicht gerne zurücknehmen würden?
Ehrlich gesagt nicht. Ich hatte natürlich persönliche Enttäuschungen und Rückschläge. Im Nachhinein machte das aber immer Sinn, weil es mich unweigerlich dazu geführt hat, dass ich zum Beispiel den Beruf gewechselt und eine bessere Position bekommen habe. Das Leben ist ein Marathon und kein Sprint.

Wo schöpfen Sie nach einem Rückschlag oder einer Enttäuschung neue Kraft?
Da gibt es zwei Dinge. Ich liebe den Tegernsee, dort habe ich mein Boot und die Kombination aus Bergen und See ist für mich wie zwei Wochen Urlaub.
Außerdem laufe ich jedes Jahr eine Alpenüberquerung. Dort kann ich komplett abschalten, bin mit mir und der Natur im Einklang und komme an meine persönlichen Grenzen.

Warum eine Alpenüberquerung?
Ich habe das mal verschenkt und nicht damit gerechnet, dass ich mitlaufen muss. Inzwischen habe ich es schon fünfmal gemacht. 200 Kilometer über den Alpenkamm, jeden Tag acht bis zehn Stunden laufen.

Das spricht auf jeden Fall für Ihr Durchhaltevermögen. Gehört das auch zu den Must-haves in Ihrem Beruf?
Durchaus. Ich halte es aber auch für wichtig, sich ein Ziel zu definieren und dann die Flexibilität zu haben, mit einer gewissen Vernunft die Ziele zu verändern. Das Schlimmste ist Starrköpfigkeit.

Zum Schluss noch: Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Eine Mischung aus Intuition, dem Riecher für das Richtige und dem Mut, andere Wege zu gehen.
Von Renate Kerscher

 

Wöhrl privat – Unternehmer und Investor Hans Rudolf Wöhrl

Nie die Neugier verloren

Auch nach über 50 Jahren als erfolgreicher Unternehmer hat Hans Rudolf Wöhrl noch Lust darauf, neue Geschäftsideen zu entwickeln. Aktuell ist er in etwa 30 Firmen engagiert und offenbar gibt es keine Branche, für die er sich nicht interessiert. Natürlich bringt man den Namen des 72-Jährigen in erster Linie mit dem gleichnamigen Modehaus in Verbindung. Zudem weiß man, dass Wöhrl sich von Jugend an für die Luftfahrt begeisterte und auch in diesem Bereich unternehmerische Maßstäbe gesetzt hat. Doch bis heute ist er offen für Neues, kann sich für Biogetränke genauso begeistern wie für Gründerideen aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“, bei der seine Frau Dagmar Wöhrl als Investorin in der „Löwen“-Jury sitzt.
Kaufmännisches Gespür kann man nicht erlernen, man hat es oder man hat es nicht. Hans Rudolf Wöhrl wurde es zweifellos in die Wiege gelegt. „Kaufmann, also das Fortführen der Familientradition, stand immer ganz oben auf meiner Wunschliste“, erzählt er. Dabei hätte er durchaus weitere Interessen gehabt: „Medizin, also Arzt, hätte mich auch gereizt, aber dazu war ich in der Schule zu schlecht.“

Die beste Schule war für Wöhrl sowieso das Leben. Das spielte sich in dem Modehaus seiner Eltern ab, wo der kleine Hans Rudolf viel Zeit verbrachte. Letztendlich war dies ausschlaggebend für seine Berufswahl. „In den Geschäften meiner Eltern fühlte ich mich immer zu Hause. Deshalb habe ich auch eine Lehre als Einzelhandelskaufmann erfolgreich absolviert und damit waren meine Weichen gestellt“, sagt er im Rückblick.

Allerdings stellte sich schnell heraus, dass Stillstand für Wöhrl kein Thema ist. Also backte er nicht kleine Brötchen als Berufsanfänger, sondern wurde umgehend selbst zum Gründer. Schon als Lehrling, gerade 18 Jahre alt, machte er sich in Nürnberg mit The CARNABY Shops selbstständig. Zu kaufen gab es dort junge Mode – und damit traf Wöhrl den Nerv der Zeit. „Es war ein extrem erfolgreiches Start-up. Aufgebaut haben mein Bruder und ich dieses Geschäft mit ganz wenig Geld, aber mit vielen Ideen und Fleiß. Wir hatten keine Investoren, keine Bank und vielleicht wurde es gerade deswegen eine echte Erfolgsstory“, erinnert er sich und stellt die These auf, dass Mangel nicht selten Kreativität und Energie fördert: „Not macht erfinderisch, Wohlstand macht träge.

Obwohl es nur der Beginn von Wöhrls facettenreicher Unternehmerkarriere war, nimmt diese erste Gründung immer noch eine besondere Stellung ein. „The CARNABY Shops war 30 Jahre super erfolgreich und auf das erste ,Kind‘ ist man natürlich immer besonders stolz“, sagt er, wenn er nach dem persönlichen Highlight seines Berufslebens gefragt wird. Dann kommen ihm umgehend auch seine Erfolge in der Luftfahrtbranche in den Sinn: „Der Aufbau des NFD, heute EUROWINGS, war nicht weniger spannend und eine der wenigen Neugründungen im Luftverkehr, die dauerhaft überlebt haben. Die Sanierungen von Deutsche BA, gexx und LTU waren extrem spannend und zweifellos die wirtschaftlichen Leuchtturmprojekte.“ Doch von der persönlichen Warte aus reicht letztlich nichts an die Bedeutung des Familienunternehmens heran: „Die Weiterentwicklung nach dem Kauf der Firma Wöhrl im Jahr 1970 von fünf auf 40 Filialen im Jahr 2002 war unterm Strich der dauerhafteste Erfolg.“

Ein besonderes Rezept für diesen Erfolg hat Hans Rudolf Wöhrl offenbar nicht. Fragt man ihn nämlich nach seinen Stärken, nennt er lediglich die Freude an der Arbeit und die Fähigkeit als Teamplayer – eigentlich simple Dinge, aber doch entscheidende Faktoren, um sich über Jahrzehnte unternehmerisch behaupten zu können. Weitaus ausführlicher äußert er sich über Rückschläge auf seinem Weg: „Davon gab es jede Menge und manche waren sehr schmerzhaft. Doch wer Angst vor Rückschlägen hat, wird nie Neuland betreten und nie ein erfolgreicher Unternehmer.“ Es darf also ruhig einmal etwas schiefgehen; solange man daraus lernt und die gemachten Fehler nicht wiederholt, sieht Wöhrl kein Problem darin. Diese Mentalität vermisst er hierzulande: „In Deutschland drückt man jemandem nach einem missglückten Start sofort den Stempel ,Loser‘ auf. Doch das ist grundverkehrt, im Gegenteil: Bei uns gibt es das geflügelte Wort ,Manchmal gewinnt man, manchmal lernt man dazu‘. Fehler machen uns stärker!“ Zur Verdeutlichung wählt Wöhrl einen Vergleich aus der Welt des Sports: „Das ist wie beim Hochsprung. Egal wie gut man ist, irgendwann reißt man die Latte. Doch ein Sportler analysiert seinen Fehler, lernt daraus und bei einem der nächsten Versuche klappt es dann. Nicht anders ist es im Berufsleben.“

Ansonsten spielt der Sport keine allzu große Rolle im Leben des Unternehmers, zumindest, was die Quantität anbelangt. „Mein einziger Sport ist es, jede Woche zwei Stunden zu schwimmen“, erzählt Wöhrl. Diese kurze Zeiteinheit kann es jedoch durchaus in sich haben: „Dabei kommen mir, ebenso wie bei meinen regelmäßigen Spaziergängen durch den Schlosspark in Reichenschwand, die besten Ideen.“

Als weitaus wichtigere Triebfeder aber bezeichnet er seine Neugier und räumt ein, dass diese bisweilen fast zu groß ist. „Manchmal zündle ich an zu vielen Stellen gleichzeitig und dann muss auch mal improvisiert werden. Dann bekommt ein Mitarbeiter auch mal eine Aufgabe, die eine Nummer zu groß erscheint.“ Als Problem sieht Wöhrl dies nicht: „Das sind die Chancen für die Guten. Dass mein engster Führungskreis mit mir, teilweise seit Jahrzehnten, eine verschworene Gemeinschaft bildet, spricht dafür, dass ein Touch Chaos durchaus produktiv sein kann.“

So redet einer, der mit seinem Team derzeit bei rund 30 Firmen engagiert ist. „Wir helfen teilweise aktiv beim Aufbau mit“, beschreibt Wöhrl seine Rolle dort und schwärmt: „Am meisten Freude macht mir dabei die Beteiligung an Kloster Kitchen, einem Unternehmen für Biogetränke mit frischen Ingwerstücken, die den einzigartigen Geschmack garantieren. Von ihnen gibt es die erste Limo zum Schütteln und den besten Ingwerdrink, den ich kenne.“ Aber auch die Beteiligungen aus dem TV-Format „Die Höhle der Löwen“ entwickeln sich nach Ansicht des Unternehmers sehr gut.

Ihnen rät Wöhrl, nicht bei Sport, Hobbys, Freunden oder Urlaub einen Ausgleich zu suchen, sondern Erfüllung im Job – und es ansonsten so zu machen wie er: „Für mich sind die Aufgabe, die Menschen, das Produkt und nicht der Gewinn Fokus meines Tuns. Wenn man alles richtig macht, dann stimmt am Ende auch die Kasse. Wer dem Geld hinterherläuft, verliert das Wesentliche aus den Augen.“

Von Rainer Wendl

© MJK

Für Erfolg gibt es keine Gebrauchsanweisung

Sein berufliches Vorbild ist Virgin-Gründer Richard Branson, musikalisch bewundert Martin J. Krug die Rolling Stones. Sein Markenzeichen: Neugierde an völlig unterschiedlichen Themen und Herausforderungen.

Scheinbar unlösbare Probleme hinterfragt der Unternehmer, der sich sowohl als Filmproduzent als auch Marketingexperte einen Namen gemacht hat, geht er mutig oft als Querdenker an. Seine Erfolgsrezepte sind „Selbstvertrauen und eine Menge Arbeitseinsatz. Dinge ohne, Gebrauchsanweisung’ angehen. Ideen entwickeln und konsequent umsetzen.“ So hat der Wahl-Münchner die wichtigsten Herausforderungen seiner Karriere gemeistert – wie erstmal die Bank von seiner beruflichen Vision zu überzeugen und später, zum Beispiel das weltweite Merchandising für Mercedes in der Formel 1 und DTM oder das Kanzler-Portrait des ” Goldenen Schröders fürs Bundeskanzleramt.

. Ausruhen auf Erfolgen kommt für Martin J. Krug nicht infrage: „Letztlich bin ich Dienstleister und freue mich wie zum Beispiel ein Fußballer über ein geschossenes Tor. Juhu & Jubel. Jedoch alles in dem Bewusstsein, dass nach dem Spiel vor dem Spiel ist“, sagt er.

Auch soziales Engagement ist für Martin J. Krug ein wichtiger Pfeiler seines Lebens: 2002 gründete Krug zum Beispiel Power-Child e. V., einen Verein, der sich präventiv gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen einsetzt. „Ohne Nächstenliebe und soziale Verantwortung macht das Leben wenig Sinn. Nicht immer gleich die Welt retten wollen. Oft sind es auch kleine Dinge, die für andere große Bedeutung haben“, erklärt er.
Aber so entspannt der Filmproduzent auf den roten Teppichen wirkt – auch er erlebt Herausforderungen: „Der Job ist nicht selten eine spannende Abenteuerreise, auch manchmal unter bedrohlichen Gewitterwolken.“ Sein Rezept gegen Rückschläge? „Jägermeister“, antwortet er lachend. „Nein, im Ernst – nicht verdrängen. Shit happens, so what. Rein in die lästige Herausforderung. Der Weg ist das Ziel.“

Glück ist für Martin J. Krug nicht in erster Linie beruflicher Erfolg, sondern „die Kombination aus Gesundheit, Zufriedenheit, Liebe, Familie und einem coolen Job.“ In genau definierter Reihenfolge: „Zuerst das Wohl der Familie und dann der Job. Klar, verbringt man in der Regel mehr Zeit in seinem Leben mit dem Job als mit der Familie. Dennoch gibt es bei mir klare Prioritäten. Der Job ist ja teilweise eine zwingende Notwendigkeit, die Familie jedoch das wunderbare Lebenselixier.“ Dazu passt eines seiner nächsten Projekte: das Kinderbuch, das er Tochter Lilly widmet, fertig zu schreiben. Und sein nächster Film.

„Erfolg kommt nur mit der Extrameile“

Was wollten Sie als Kind werden?

Mit drei Jahren bekam ich einen Kassettenrecorder geschenkt und nahm ein „Interview als Reporter“ auf. Natürlich wusste ich damals noch nicht wirklich, was ein Journalist macht. Aber die Leute in Radio und TV haben mich damals offenbar beeindruckt.

Hat ihr Wunsch von damals im weitesten Sinne etwas mit Ihrem heutigen Schaffen zu tun?

Ich bin in der Tat Journalist geworden! Das bin ich bis heute, mit Leidenschaft. Allerdings ist meine Tätigkeit als Unternehmer in den letzten zwölf Jahren stark in den Vordergrund getreten. Meine Firma bietet Content Marketing an, also Unternehmensjournalismus.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriere-Schritte?

Ich hatte das Glück, direkt nach dem Abitur in den Journalismus zu stolpern. Ich war einige Jahre als BILD-Reporter in verschiedenen Städten unterwegs. Das war wirklich sehr lehrreich – unglaublich, mit wie vielen verschiedenen Menschen ich dort in Berührung gekommen bin. Ich habe zwei Bundespräsidenten und drei Kanzler interviewt, den DalaiLama getroffen und mir die Sorgen von Sozialhilfeempfängern angehört. Ich bin Showstars begegnet und habe für sterbenskranke Kinder mit Krankenkassen gekämpft. Diese Bandbreite an Schicksalen von arm bis reich hat mich stark geprägt. Vor allem meine Zeit als Polizeireporter hat mir gezeigt, wie hart das Leben zuschlagen und wie schnell es vorbei sein kann. Das macht nachhaltig demütig und dankbar.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?

Es ist toll zu spüren, wenn jahrelange harte Arbeit belohnt wird. Ich habe Anfang 2019 meine Firma TESTROOM an den größten deutschen Digitalvermarkter Ströer verkauft. Es ist natürlich sehr befriedigend, wenn auch andere nach intensiver Begutachtung feststellen, welchen Wert man geschaffen hat. Ich bin schon sehr stolz, was die Mannschaft da aufgebaut hat.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?

Es ist wohl der lange Atem in Kombination mit Flexibilität. Viele Dinge funktionieren einfach nicht sofort oder nicht so, wie man sie sich vorgestellt hat. Oder gar nicht. Ich versuche, mich jederzeit auf neue Gegebenheiten einzustellen. Dabei muss man sich selbst permanent in Frage stellen. Selbstbewusstsein und Vertrauen ist gut. Selbstverliebtheit führt in den Untergang. Entscheidend ist das Durchhaltevermögen. Für mich war es nie eine Option, schnell aufzugeben. Ich gehe dann die Extrameile, hier trennt sich definitiv die Spreu vom Weizen. Erfolg kommt nur mit der Extrameile. In den ersten Jahren meiner Unternehmertätigkeit habe ich mir kein Gehalt ausgezahlt, um die Ausgaben wie Gehälter und Miete etc. bewältigen zu können. Da haben wir vom Gehalt meiner Frau Nikki gelebt. Auch als es nach guten Jahren dann eine Delle im Geschäftsbetrieb gab, habe ich finanziell temporär einen massiven Schritt zurück gemacht. Und gleichzeitig noch mehr gearbeitet. Jeder kann mal zwölf bis 14 Stunden sechs Tage die Woche arbeiten. Aber dies über einen langen Zeitraum von Monaten oder Jahren durchzuhalten, da lernt man sich neu kennen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriere-Weg? Wenn ja, wie haben Sie die überwunden?

Oh ja! Neben den vielen kleinen gab es auch einen richtig großen Rückschlag. Mit meiner Firma hatte ich mich lange auf Suchmaschinenoptimierung, SEO, spezialisiert. Wir waren von Google abhängig. Dann kam der Tag, als die Suchmaschine die Spielregeln, den Algorithmus, änderte. Ich war mit meiner Familie gerade im Urlaub, als mich mein damaliger Partner anrief und mir die Hiobsbotschaft mitteilte. Das war eine doppelte Strafe, nichts tun zu können, die eigene Firma am Abgrund und gleichzeitig die Herausforderung, der Familie nicht die letzten Urlaubstage zu verderben.

Du lächelst blinzelnd in die Sonne, schleckst Vanilleeis mit deinen Lieben und im Kopf hämmert es nur – was jetzt?

Freunde, Berater, Finanzexperten sagten mir damals: Das war es, mach‘ dicht. Das schaffst Du nicht. Insolvenz drohte. Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich trotzig reagiere, wenn ich die drohende „Schmach“ einer Pleite verzweifelt versuchte abzuwenden. Oder ob es der Mut zum Risiko wäre, dennoch nicht aufzugeben. Es war auf jeden Fall kloppehart. Und man ist ganz alleine mit der Entscheidung. Hilfe ohne Gegenleistung? Gibt es nicht. Jedenfalls keinen Blanko-Kredit für strauchelnde Mittelständler. Die Banken boten uns zwar eine Kreditlinie an. Aber nur mit persönlicher Absicherung von meinem Partner und mir. Da hilft auch keine GmbH. Alles sprach dagegen, gutes Geld dem schlechten hinterher zu werfen. Ich hatte aber das unbedingte Gefühl, es schaffen zu können. Ich bin meinem Partner unendlich dankbar, denn er vertraute mir, wir gingen „all-in“ und sicherten den Kredit persönlich ab. Wir mussten uns von einem Teil der Belegschaft trennen. Doch statt Kündigungen setzten wir auf Auflösungen mit Abfindung. Eigentlich ein Wahnsinn in so einer Situation.

Solche Phasen kann man in der Rückschau immer schön als lehrreich bezeichnen. In der Situation selbst gibt es neben der Arbeit nichts anderes mehr. Keine Freunde, keine Freude. Machen. Durchhalten. Das geht nicht ohne Resilienz. Man muss gut auf sich hören, um in solchen Phasen nicht wirklich richtig krank zu werden.

Wir haben es gut hinbekommen. Und ja, natürlich gehört auch Glück dazu, das Geschäftsmodell zu ändern, die guten Leute im Team zu halten und neue zahlende Kunden zu finden.

Was würden Sie Ihrem Jüngeren Ich raten?

Vor ein paar Jahren hätte ich noch gesagt: Nüscht, mach‘ weiter so. Heute würde ich mir raten, möglichst frühzeitig kontinuierlich an der Weiterbildung dranzubleiben. Und vor allem: in das eigene Netzwerk zu investieren, das ist unheimlich wichtig. Das habe ich etwas spät erkannt.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?

Anfang des Jahres habe ich meine Firma größtenteils verkauft. Dann haben wir meine Firma mit der Content Fleet GmbH, einer Ströer-Tochter, verschmolzen. An diesem Konstrukt bin ich weiterhin als geschäftsführender Gesellschafter beteiligt. Die jetzt laufende Postmerger-Integration ist für mich sehr wichtig. Ich bin nicht so der Exit-Typ, verspüre keinen Fluchtimpuls. Ich möchte den gemeinsamen Erfolg gern stabilisieren und dem Team helfen, im Content Marketing nachhaltig und noch profitabler aufgestellt zu sein. Es ist großartig zu sehen, wenn Synergien nicht nur im Mantra herbeigebetet werden, sondern tatsächlich greifen. Content Fleet hat jetzt 140 festangestellte Mitarbeiter, wir binden unsere Services stark an den Ströer-Konzern. Wir bieten integriertes Content Marketing wie keine zweite Agentur: Vom Plakat bis in den E-Commerce-Shop. Das macht wirklich Spaß.

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?

Definitiv keine Plattitüde: Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau und ich so wunderbar harmonieren. Wir unterstützen uns gegenseitig. Und das nicht nur morgens am Frühstückstisch. Wir teilen auch den Schreibtisch, sitzen tatsächlich seit vielen Jahren auch im Job nebeneinander. Wir haben uns vor 22 Jahren bei Axel Springer in der Redaktion von Computerbild kennengelernt.

Wir ernten natürlich immer wieder ungläubige Blicke: wie schafft ihr das, euch permanent zu sehen? Für uns gibt es nichts Anderes – twentyfourseven. Das hat den unglaublichen Vorteil, dass man abends nicht mehr erklären muss, warum Kollege Heinz heute so nervig war und wer Heinz überhaupt ist. Wir teilen sowohl berufliche als auch private Erfolge und Niederlagen. Nikki hat mir auch den überlebensnotwendigen Halt gegeben, als wir – nicht ich – in den beruflichen Abgrund geschaut haben.

An welchen Orten finden Sie neue Inspiration?

An möglichst vielen fremden und neuen Orten. Überall auf der Welt gibt es etwas zu entdecken. Ich bin eher der Forscher als der Farmer. Noch so eine Eigenschaft, die ich mit meiner Frau teile. Zusammen haben wir über 65 Ländern der Welt bereist und werden nicht müde. Wir sind auf aktiven Vulkanen spazieren gegangen, sind in allen Weltmeeren getaucht, unter anderem mit Wahlhaien und dem Weißen Hai. Wir sind aus dem Flugzeug gesprungen und haben uns, etwas sehr waghalsig, über den Rand der Victoria Wasserfälle in Sambia gehängt. Wir müssen aber nicht Angkor Wat in Kambodscha besuchen oder in Peru auf Macchu Pichu blicken, um inspiriert zu werden, auch die kleine Ostseepension oder die Sauna im Fitness-Studio um die Ecke bieten Ruhe und Raum für neue Gedanken. Es sind häufig die kleinen Fluchten, die die Gedanken beflügeln.

Was ist für Sie Luxus?

Kann es eine andere Antwort geben als: Zeit? Vor allem Zeit zu zweit. Und Zeit in Verbindung mit Freiheit und Gesundheit. Mehr geht nicht.

Welche Ziele in puncto Erfolg setzen Sie sich für die Zukunft?

In der nächsten Zeit geht es darum, die Agentur erfolgreich auszubauen. Langfristig: Gesund und neugierig bleiben. Und weiterhin etwas vom eigenen Erfolg zurückgeben. Wir haben uns bisher immer an karitativen Initiativen anderer beteiligt. Von Regenwald über Ozean bis Patenschaften oder Brunnen bohren in Kambodscha. Wer weiß, vielleicht gibt es ja auf einer der nächsten Reisen eine Inspiration für eine eigene Initiative.

© gekkogroup

Gastgeber aus Leidenschaft

Geboren und aufgewachsen in Frankfurt am Main, konnte Micky Rosen schon früh von seinen Eltern lernen, die ebenfalls als Gastronomen im Frankfurter Bahnhofsviertel tätig waren. Nach seinem Abitur absolvierte er eine Lehre zum Hotelkaufmann im Frankfurter Hotel Intercontinental und übernahm später sechs Jahre lang das gleichzeitige Management für fünf Hotels. 2001 gründete er mit seinem heutigen Geschäftspartner Alex Urseanu die Gekko Group, die mit Häusern wie dem Roomers in Frankfurt und Baden-Baden, dem Berliner Provocateur oder dem Berliner The Bristol zu den innovativsten Marken der Hotellerie und Gastronomie in Deutschland zählt. 2018 wurden die beiden Macher mit dem begehrten „Hotelier des Jahres“- Award ausgezeichnet.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Jeden Tag das zu tun, was man voller Leidenschaft tun möchte und von Menschen umgeben zu sein, die man liebt und schätzt. Damit noch Geld zu verdienen, ist das Höchste, was man erreichen kann.

Schon Ihre Eltern waren Gastronomen. Was war der wichtigste Rat, den Sie erhalten haben? Immer authentisch zu sein und alles mit Herzblut umzusetzen.

Was ist die größte Herausforderung, ein international so angesehenes Haus wie das Roomers zu führen?
Das wir nicht mehr an allen Orten gleichzeitig sein können. Die Seele des Hauses wird aber vor allem durch unsere Philosophie des Gastgeberdaseins nachhaltig geprägt.

Was sind Ihre Stärken?
Man sagt mir ein sehr gutes Gespür für Trends und Design nach.

Gab es berufliche Rückschläge, aus denen Sie gelernt haben?
Rückschläge sind ein Teil des Lebens. Wenn man tut, was man liebt und zu 100 Prozent davon überzeugt ist, kann es langfristig nur ein Erfolg werden. Man sollte an sich und seine Visionen glauben, sich nicht davon abbringen lassen. Das Roomers in Frankfurt eröffnete zum Beispiel mitten in der Finanzkrise; damals gab es am Konzept große Zweifel von allen Seiten. Aber wir sind unserer Idee treu geblieben und feiern heute 10-jähriges Jubiläum, mit zwei weiteren Häusern in München und Baden-Baden und einem neuen Projekt, dem Roomers ParkView, welches 2020 ebenfalls in Frankfurt eröffnet.

Was inspiriert Sie bei der Arbeit?

Mich inspirieren die Menschen, die mich täglich umgegeben. Sei es meine Familie und Freunde, unsere Mitarbeiter oder Geschäftspartner. Und darüber hinaus das Reisen oder zum Beispiel zuletzt meine Zeit beim „Burning Man“-Festival.

Womit belohnen Sie sich für Ihren Erfolg?

Meine Belohnungen sind Zeit und das Reisen mit meiner Familie und Freunden.

Von Thomas Clausen

Galerist und Verlagskaufmann Jürgen Hunke hier bei der Speakers Night im Radisson Blu, Hamburg. © Martin Brinckmann / Speakers Night

Ein Hauch von Fernost in Hamburg

Dieser Mann ist ein wahrer Individualist. Zu sehen ist das deutlich: so trägt er beispielsweise nur rot, schwarz und weiß. Er besitzt eine der größten Buddha-Sammlungen Deutschlands, ist Inhaber der Hamburger Kammerspiele, Galerist und vor allem eins – erfolgreicher Unternehmer. Jürgen Hunke der Gründer und Erfinder eines deutschen Spezial-Vertriebs, der jungen Leuten Altersvorsorge-Produkte anbot. Zur Jahrtausendwende verkaufte er das Unternehmen und macht seitdem nur noch das, was ihm Freude bereitet.

Wir treffen ihn im Block House, in der Nähe seiner Mikado-Galerie am Mittelweg. Er ist hier Stammgast, kennt den Gründer und Inhaber Eugen Block gut. Seine Bestellung: ein vegetarischer Teller mit Grillgemüse, gedünstetem Spinat und einer Ofenkartoffel. Der 76-Jährige achtet sehr auf seine Gesundheit: “Neulich fand man bei Tests in der Charité in Berlin heraus, dass mein körperliches Alter gerade einmal 48 Jahre beträgt.“ Sein Geheimrezept neben einer gesunden Ernährung? „Ich stehe jeden Morgen um fünf Uhr auf, werde anschließend zwei Stunden massiert und gehe in die Dampfsauna.“ Diese Kontinuität beizubehalten ist auch etwas, was er jungen Menschen rät, die erfolgreich sein möchten: „Nach Ritualen leben, möglichst früh aufstehen und das jeden Tag.“ Sofort fragt man sich, wie soll das im Alltag gelingen? „Bei Veranstaltungen bin ich immer als Erster da, denn dann kann ich auch als Erster gehen. Dadurch halte ich meine Rituale immer ein“, sagt Hunke. Das Wichtigste seien für ihn aber immer Ehrlichkeit und Gradlinigkeit. Diese beiden Eigenschaften zählen zu den Stärken des Unternehmers: „Ich kann mich für Dinge ehrlich begeistern und andere dann ebenfalls überzeugen.“

Hunke gestaltet sein Leben seit dem Jahr 2000 so, wie es ihm gefällt. Davor arbeitete er 42 Jahre als selbständiger Unternehmer in den Bereichen Marketing und Unternehmensberatung. Was für ihn Erfolg bedeutet? „In erster Linie Unabhängigkeit!“ Für ihn gehört zur steilen Karriere aber auch eine gewisse Portion Glück: „Der richtige Zeitpunkt entscheidet darüber, ob man Erfolg hat oder nicht“.

Als Kind, wollte er „irgendetwas mit Sport“ machen: „Sportreporter hätte mich interessiert.“ Stattdessen wurde er erfolgreicher Unternehmer. Mit dem Sport hat es aber trotzdem geklappt: Seine Leidenschaft gehört dem HSV, den er als Präsident und im Aufsichtsrat unterstützte.

Doch wie wurde eigentlich aus dem kleinen Jungen aus Gütersloh ein erfolgreicher Unternehmer? Nach der Schule wollte Jürgen Hunke zunächst nach Australien. Mit 18 Jahren war man damals noch nicht volljährig, sondern erst mit 21, also brauchte er die Erlaubnis seiner Eltern. „Meine Mutter war traurig, dass ich nach Australien wollte. Das konnte ich natürlich verstehen. Doch ich wollte es unbedingt“, erinnert sich Hunke. Letztendlich unterschrieben seine Eltern die Einverständniserklärung und es fehlten nur noch letzte Gesundheitschecks im Auswanderungslager in Bremen. Kein so schönes Erlebnis: „Ein Zahnarzt meinte, er müsste mir einen Backenzahn ziehen. Sonst würde ich nicht ausreisen können. Das wollte ich nicht. Nach über einer Stunde Diskussion, habe ich mich dann gegen Australien entschieden.“ Jürgen Hunkes Weg führte ihn dann statt ans anderes Ende der Welt an eine Werbefachschule in Hannover. Aber: „Ich habe nebenbei immer gearbeitet und schnell gemerkt, dass mir auch das Verkaufen liegt.“ Also probierte er sein Talent erstmal bei Markenprodukten aus. Mit Erfolg!

Diese Zeit und das Gelernte von der Werbefachschule inspirierten Jürgen Hunke. Mit nur 26 Jahren entwickelte er seine Idee zur Selbstständigkeit: „An der Werbefachschule habe ich gelernt, was einen Markenartikel ausmacht. Ein Markenartikel zeichnet sich dadurch aus, dass es kein Argument gibt, es nicht zu kaufen und dass es das beste Preis-/Leistungsverhältnis hat“, erklärt Hunke. Seine Idee: dieses Prinzip auf Versicherungen übertragen. 42 Jahre ist er mit der Zeus Vermittlungsgesellschaft mbH selbstständig, kurbelte den gesamten Versicherungsmarkt mit seinen Ideen an.

Am 31.12.1999 verkauft Jürgen Hunke sein Unternehmen: „Damals verabschiedete ich mich bei einer großen Feier. Um Mitternacht zauberte mich Hans Klok aus dem Saal nach draußen, wo ich in ein Auto stieg und direkt zum Flughafen in Frankfurt fuhr. Ich gönnte mir eine viermonatige Auszeit auf Koh Samui.“ Seine Leidenschaft für den asiatischen Kontinent ist nicht zu übersehen. Egal, ob seine Mikado Galerien in Hamburg, Berlin und Timmendorf, das „Haus der Harmonie“, oder seine Wohnhäuser – das asiatische Flair spiegelt sich überall wider. Aktuell beschäftigt sich Hunke vorwiegend mit dem Import und Verkauf asiatischer Kunstwerke und dem Schreiben und Verlegen von Büchern. Sein Wunsch für die Zukunft? „Niemand soll mehr hungern müssen. Das sollte das Mindeste sein. Wer mehr hat, sollte auch mehr geben und das in allen Bereichen.“ Sein Antrieb, jeden Tag neue Ziele in Angriff zu nehmen, ist die pure Liebe am Leben: „Ich möchte noch ein bisschen leben und meine Kinder, Enkelkinder und Freunde weiterhin sehen. Und noch ein bisschen verreisen.“ In Asien gibt es schließlich noch so viele wunderbare Flecken zu entdecken…

“Seien Sie authentisch”

Im Jahr 2010 gründete Mark Gregg die BONAGO Incentive Marketing Group GmbH in München. Als Vice President der Incentive Marketing Association Europe befasst er sich seit mittlerweile mehr als zehn Jahren mit innovativen Incentives für Mitarbeiter, Kunden und Verbraucher. Zusammen mit seinem Team aus Belohnungsexperten unterstützt er seither branchenübergreifend Firmen aller Größenklassen bei Herausforderungen im Personal- und Marketingbereich.

Was ist bislang das Hightlight Ihrer Karriere?

© Bonago

Ich wollte schon immer Themen vorantreiben und etwas (er)schaffen, weshalb die Gründung von BONAGO im Jahr 2010 etwas ganz Besonderes für mich war und ist. In diesem Zusammenhang habe ich mich sehr über den diesjährigen „Spirit of IMA“-Award gefreut, einer Auszeichnung der globalen Incentive Marketing Association für die Verdienste, das Thema und damit einhergehende Entwicklungen zu fördern und zu kommunizieren. Eine für mich sehr schöne Anerkennung.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten? Und was raten Sie jungen Menschen, die Erfolg haben möchten?

Der konkrete Rat an mich selbst wäre: „Sei mutig und mache Dich früher selbstständig!“
Allgemein gesprochen würde ich jedem, der erfolgreich sein möchte, empfehlen nur das zu tun, wofür er sich begeistern kann. Wenn man sich mit Leidenschaft und Engagement einer Aufgabe widmet, wird man irgendwann Erfolg haben.

Was ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen brauchen?

LESEN SIE DAS GANZE INTREVIEW IN DER PRINT-AUSGABE.

Tim Werner, Gottfried Zmeck
Semi Final Round of Judging for the 44th International EMMY Awards / Get Together im BMW Haus am Kurfürstendamm in Berlin am 04.07.2016
© API Michael Tinnefeld Agency People Image (c.) Michael Tinnefeld

Erfolgreich in der Nische

Gottfried Zmeck und Tim Werner sind in einer Mediennische erfolgreich: Pay-TV für Heimatfilme, Schlager und romantische Filme. Zmeck hat den Kanal 1999 gegründet und ausgebaut, Werner kam 2008 dazu. Zum 1. Oktober 2019 hat sich Zmeck in den Aufsichtsrat zurückgezogen und Werner die Führung des Senders überlassen.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Gottfried Zmeck: Erfolg ist wichtig, aber nicht zu jedem Preis. Preis und Anstrengung müssen im Verhältnis zum Ergebnis stehen.
Tim Werner: Etwas mehr als das gesteckte Ziel zu erreichen, ist für mich Erfolg. Die Ziele sollte man dabei weder zu hoch noch zu niedrig stecken.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere? Und warum?
Gottfried Zmeck: Ein Highlight für mich war die Gründung des eigenen Unternehmens und fünf Jahre später die Tilgung der letzten Kreditrate.
Tim Werner: Ein Highlight war die Gründung von Romance TV Polska, den wir zu einem der erfolgreichsten Sender für Frauen in Polen gemacht haben.

Was raten Sie einem (jungen) Menschen, der Erfolg haben möchte?
Gottfried Zmeck: Man braucht immer Glück, um Erfolg zu haben, und außerdem Menschen, die einem helfen. Das Umfeld ist wichtig. Man wird es nie alleine schaffen.
Tim Werner: Ehrlich, glaubwürdig und authentisch bleiben. Erfolg ja, aber nicht um jeden Preis.

Was ist ein Must-have in Ihrem Beruf?
Gottfried Zmeck: Durchhaltevermögen, Neugier und Bescheidenheit – Letzteres ist gerade in der Medienwelt extrem wichtig.
Tim Werner: Wenn man ein Unternehmen mit 30 bis 40 Mitarbeitern leitet, ist Motivationsfähigkeit sehr wichtig.

Was macht in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Gottfried Zmeck: Das Schlüsselwort ist Motivation. Eine Führungskraft muss sich selbst motivieren, aber auch das Team. Dann wird man erstaunt sein, welche Leistungen Mitarbeiter erbringen.
Tim Werner: Neben Motivation halte ich Lob für sehr wichtig. Ich habe festgestellt, dass man nicht genug loben kann. Positives Feedback ist ein sehr hohes Gut.
Gottfried Zmeck: Lob ist wichtig, aber auch Kritik. Sie gibt Mitarbeitern das Gefühl, dass sie erstgenommen werden.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?
Gottfried Zmeck: Tüchtig sein, vernünftige Ziele setzen und nicht so selbstherrlich sein und denken, dass man es ohne die Hilfe anderer Menschen schaffen würde.
Tim Werner: Ich verfüge noch nicht über den unternehmerischen Erfolg eines Herrn Zmeck, aber wenn ich eines bei ihm lernen durfte, dann ist es Risikobereitschaft, die für den Erfolg einfach notwendig ist.

Von Renate Kerscher

Zwischen Lausbubigkeit und Zielstrebigkeit

Simon Brunke verkaufte schon mit 13 Jahren gewinnbringend Ü-Ei-Figuren auf dem Flohmarkt © Exporo AG

Simon Brunke ist Mitbegründer und CEO der Exporo AG. Der gebürtige Hamburger studierte zunächst europäische Unternehmensführung, absolvierte unter anderem Praktika bei Daimler und Axel Springer und gründete bereits 2004 sein erstes Unternehmen, die Aeris GmbH & Co KG. Sein erster Exit folgte 2011 mit der wika AG, wo er als Gründer und Finanzvorstand von 2007 an tätig war. Seit 2014 baute er gemeinsam mit Björn Maronde, Tim Bütecke und Julian Oertzen die Exporo AG auf, Deutschlands führende Plattform für digitale Immobilieninvestments. Mittlerweile hat Exporo über 190 Mitarbeiter – und befindet sich weiterhin im stetigen Wachstum.

Herr Brunke, was wollten Sie als Kind werden?
Simon Brunke: Begeistert haben mich in meiner Kindheit Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga und Dagobert Duck. Eine Mischung aus Eigenständigkeit und Freiheit, Lausbubigkeit und Zielstrebigkeit.

Ihr größtes Vorbild ist?
Mein Vater – seine Grundeinstellung zum Leben hat mich schon immer inspiriert und motiviert. Sowohl in guten als auch in schlechteren Phasen hat er immer positiv gedacht und das Beste aus jeder Situation gemacht. Er hat zwar viel gearbeitet, doch er war immer für die Familie da. Ich hatte viele Freiheiten, aber auch meine Pflichten: Abends spät ins Bett war ok, trotzdem war morgens Rasenmähen angesagt.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Schon mit 13 Jahren habe ich auf Flohmärkten jeden Monat mit Überraschungseier-Figuren gehandelt und während meines BWL-Studiums 2004 meine erste Firma gegründet. Ich war nie angestellt, die Rolle als selbstständiger Unternehmer ist mir sozusagen in die Wiege gelegt worden und hat mir von  Kindheit an große Freude bereitet.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Während meines Studiums gründete ich einen klassischen Maklervertrieb, der auf circa 500 Mitarbeiter anwuchs. 2011 verkaufte ich meine Anteile, 2013 schied ich als Vorstand aus. Die Ineffizienzen des klassischen Vertriebs – egal ob Immobilien, Versicherungen oder andere Produkte – waren unübersehbar, das Potenzial von Fintech-Unternehmen hingegen sehr groß. Mit der Gründung von Exporo im Jahr 2014 verband ich beides: Zusammen mit meinen Mitgründern entwickelten wir eine Plattform für digitale Immobilieninvestments, die es jedem ermöglicht, wie ein Großanleger in professionelle Immobilien zu investieren.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Optimismus, Einsatzbereitschaft und Leidenschaft. Vor allem aber meine absolute Überzeugung und Begeisterung für das, woran wir als Firma jeden Tag arbeiten.

Was raten Sie jungen Menschen, die Erfolg haben möchten?
Ich glaube, dass es wichtig ist, eine eigene Idee zu haben und sich zu trauen, diese einfach mal umzusetzen. Eine solche Idee muss das Potenzial haben, ganze Märkte und Industrien zu ändern und dementsprechend auch das Nutzerverhalten.

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?
In meinen Augen muss es möglich sein, das Privates und Berufliches in Einklang zu bringen. Mir persönlich hilft Sport dabei, und natürlich Familie und gute Freunde. Geht es mir privat gut, kann ich beruflich gut performen. Performe ich beruflich, hat das wieder einen positiven Effekt auf mein Privatleben.

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?
Mein Vater und mein Professor, Herr. Dr. Müller-Siebers, haben mich dabei unterstützt, meinen eigenen Weg zu gehen. Und dieser führte schon früh in die Selbstständigkeit, sodass auch das Stehen auf eigenen Beinen mich gefördert und gestärkt hat.

Haben Sie eine lustige Anekdote aus Ihrem Erfolgsleben?
Bei einem Vortrag vor vier Jahren kam aus dem Publikum – alles Vertreter von offenen und geschlossenen Fonds – folgender Kommentar: „Simon, es ist ja eine lustige Idee von euch, digital mit Kleinanlegern eine bis zwei Millionen Euro pro Immobilie einzusammeln. Aber für uns würde sich das nicht lohnen, wir machen immer mindestens 20 Millionen Euro pro Immobilie. Spielt ihr mal ruhig weiter.“ Mittlerweile haben wir bewiesen, wie gut es tatsächlich funktioniert, und etliche Branchenvertreter der „alte Finanzwelt“ möchten über uns Tech, Marketing und Know-how einkaufen.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Für mich war es lehrreich, zu erfahren, wie gut bestimmte Dinge funktionieren, wenn man sie vernünftig übergibt und seinen Mitarbeitern vertraut. Zu denken, man muss in einem Unternehmen alles selbst machen oder kontrollieren, ist aus meiner Sicht ein großer Fehler.

Wie leiten Sie Ihr Team?
Ich glaube an ein „Führen durch Vorbild“ und an den Teamgeist. Daran arbeite ich täglich. Wir pflegen ein starkes Miteinander bei Exporo. Die Hierarchien sind bewusst flach. Ich bin ein großer Freund davon, Dinge gemeinsam zu machen und demokratisch zu arbeiten.

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?
Bei allem Blick auf Wachstum und Zukunft des Unternehmens verlieren wir bei Exporo gesellschaftliche Verantwortung und soziales Engagement nicht aus den Augen. Seit vielen Jahren verfolgen meine Vorstandskollegen und ich deshalb privat verschiedene Hilfsprojekte. Doch auch in die Unternehmenspraxis unserer Plattform ist das freiwillige Engagement längst eingebunden: So hat Exporo in den vergangenen Jahren mit diversen Aktionen beträchtliche Summen Geld eingesammelt und für den guten Zweck gespendet.

 

Von AS