Der Geschäftsarchitekt

Dominik Matyka spricht fünf Sprachen, studierte internationale Betriebswirtschaft in Wien, London und St. Gallen und promovierte an der TU Berlin. Außerdem gründete er bereits mehrere Unternehmen und verkaufte sie gewinnbringend. Eigentlich könnte er sich entspannt zurücklehnen. Stattdessen ist er 2018 als Chief Advisor bei der Digitalkonferenz DMEXCO eingestiegen und greift jungen Start-ups finanziell unter die Arme. Dabei ist er selbst erst 36.

Engel gibt es: Angel Investors nennt man Menschen, die Existenzgründer nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Know-how und Kontakten unterstützen. Aber unter einem Unternehmensengel stellt man sich einen weißhaarigen Mann vor, der das Berufsleben als Manager oder Unternehmer hinter sich hat. Matyka hingegen ist jung, dynamisch, erfrischend anders eben. Trotzdem hat der 36-Jährige Erfahrung, wenn es darum geht, aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen zu entwickeln.

„Als Kind wollte ich eigentlich Innenarchitekt werden“, verrät der Berliner. Die Kreativität im Job ist geblieben, das Bauen auch. Nur die Branche ist eine andere, wie er selbst sagt: „Ich baue Unternehmen und Businessmodelle und finanziere Firmen, die innovative und kreative Lösungen entwickeln. Ich fühle mich als Digital Business Architect.“ Wie gut er als „Geschäftsarchitekt“ ist, hat er mit seinem dritten und 2008 von ihm selbst gegründeten Unternehmen bewiesen: der datengetriebenen Native-Advertising-Plattform Plista. Er etablierte sie in über 20 Ländern und verkaufte sie Anfang 2014 an WPP. „Das war ein erster wichtiger Meilenstein und gleichzeitig Basis für Stufe zwei. Zusammen mit fünf Partnern haben wir 2016 die Cavalry Ventures gegründet, einen Fonds, der in hoffnungsvolle junge Unternehmen investiert.“

Was er jungen Start-up-Gründern grundsätzlich rät: „Selbstdisziplin, den Glauben an sich selbst und den unbedingten Fokus auf die jeweilige Aufgabe.“ Entsprechend voll ist sein Terminkalender: „Ich arbeite diszipliniert, analytisch, verfüge über ein großes Netzwerk und bemühe mich, Entwicklungen vorauszusehen.“ Er orientiert sich dabei an seinem Vater: „Er hat mir vieles vorgelebt: preußische Tugenden wie Disziplin und harte Arbeit im Beruf einerseits, andererseits den großen Stellenwert von Familie im Privaten.“ So verwundert es auch nicht, dass er den Tag am liebsten mit einem Familienfrühstück beginnt. Seinem kleinen Sohn verdankt Matyka übrigens seine neueste Geschäftsidee: eine portable Babywippe.

Von Claudia Rothhammer