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Dr. Carmen Köhler

Analog-Astronautin & Unternehmerin

Nach der Friseurausbildung folgte das Mathematikstudium, dann der Doktortitel in Physik – nun ist sie Analog-Astronautin: Dr. Carmen Köhler. / Foto: © Florian Voggeneder

“Ich will Abenteuer leben”

Waschen, föhnen, legen – das hätte der berufliche Alltag von Dr. Carmen Köhler werden können. Ihre Karriere begann mit einer Ausbildung im Friseur-Salon. Heute hat die gebürtige Berlinerin einen Doktortitel in Physik und eine eigene Firma, die sich mit Wetter- und Erdbeobachtungsdaten beschäftigt. Außerdem wurde die 41-Jährige vom Österreichischen Weltraum Forum als Analog Astronautin ausgewählt. Für eine Mars-Mission ist sie bereits bestens gewappnet, nur mit dem Flug ins All hat es bisher nicht geklappt. Aber das kann ja noch kommen.
Was genau macht eine Analog Astronautin?

Ich forsche auf der Erde für Erkenntnisse, die später bei astronautischen Missionen benötigt werden. Wir trainieren Problem-Situationen und proben neue Arbeitsabläufe, die bei einem Flug zum Mond oder zum Mars wichtig werden könnten – auf einem anderen Himmelskörper kann man das ja nicht. Eine Reise zum Mars dauert acht Monate, dann wäre man ein Jahr dort und reist wieder acht Monate zurück. In der Kommunikation rechnen wir im Durchschnitt mit einer Verzögerung von zehn Minuten in jede Richtung. Da kann man nicht mal eben um Hilfe bitten.

Was passiert bei so einer Übung?

Ich hatte bisher zwei Missionen in Mars-ähnlichen Gebieten auf der Erde. Einmal im Oman – und einmal am Kaunertaler Gletscher. Dort ist mir etwas sehr Lustiges und auch ein bisschen Peinliches passiert: Am ersten Tag waren die Medien dabei. Ich trug einen etwa 50 Kilo schweren Raumanzugsimulator – allein den anzuziehen dauert zwei Stunden. Durch die Sonne, die an diesem Tag sehr stark schien, schmolz allerdings das Eis. Ich versank immer mehr und fünf Reporter haben mich dann wieder rausgezogen. Die Schuhe habe ich dabei auch noch verloren. Die waren mir zu groß, weil damals noch alles auf Männer ausgelegt war. Das sah ziemlich witzig aus – wie man auch den Abendnachrichten entnehmen konnte. Auf dem Mars hätte ich so nicht überlebt…

Warum wollten Sie unbedingt Astronautin werden?

Der große Traum der 41-Jährigen Dr. Carmen Köhler: Einmal zum Mond fliegen. / Foto: © Florian Voggeneder

Ich durfte als Kind nach der Schule oft mit meiner Mama Raumschiff Enterprise und MacGyver im Fernsehen sehen. Für mich war ein Astronaut immer wie ein MacGyver auf der Enterprise. Man muss irgendwie alles können. Man muss sozial sein, man muss sich selbst Blut abnehmen können, man ist Ingenieur, man fliegt ins Weltall… Diese Kombination hat mich total fasziniert, deshalb wollte ich Astronautin werden, traute mir das aber nicht zu. Ich hatte aber noch eine zweite Leidenschaft: Mit drei oder vier Jahren habe ich mir schon selbst den Pony geschnitten – und zwar gerade. Mit zehn Jahren durfte ich dann auch schon bei Mama an die Haare. Ich habe dann eine Ausbildung zur Friseurin gemacht und wollte Maskenbildnerin werden.

Wie kam es nach der Ausbildung zur drastischen Kehrtwendung?

Ich hatte einen Kunden, der war BWL-Professor. Bei einem dieser typischen Friseur-Gespräche, die man eben so führt, fragte er mich, was ich gerade lese. Das war ein Buch über einen mathematischen Beweis. Ab da hat er mir immer mathematische Probleme mitgebracht. Nach der Friseurausbildung habe ich dank der Unterstützung meines Umfelds gemerkt, dass ich einfach probieren muss Mathematik zu studieren, weil ich das für mich und meinen Kopf brauchte. Ich schneide aber auch heute noch immer sehr gern Haare…

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Wenn sie gerade nicht Mars-Missionen simuliert, leitet die gebürtige Berlinerin ihre eigene Firma, die sich mit Wetter- und Erdbeobachtungsdaten beschäftigt / Foto: © Florian Voggeneder

Abenteuer leben zu können. Erfolg ist für mich die Mischung aus Glücklichsein, meine Interessen weiterentwickeln und Geld dabei verdienen, mit dem ich mir meine geliebten Bücher und Equipment wie Gleitschirme leisten kann. Das hängt alles zusammen. Mein Erfolgsgeheimnis ist, wenn ich denn überhaupt eines habe, dass ich etwas verfolge, was mir Spaß macht. Nur dann ist man auch gut darin. Mich treibt an, dass es noch wahnsinnig viel gibt, was ich nicht weiß und vieles, das ich noch ausprobieren will.

Sie klingen so furchtlos. Gibt es etwas, das Ihnen Angst macht?

Unwissenheit. Wenn man etwas nicht weiß, kann man damit nicht umgehen.

Wovon träumen Sie?

Ich habe eine Mond-Sehnsucht. Einmal zum Mond zu fliegen ist mein Traum.

Was ist ein Must-have in ihrem Beruf?

Als Mathematikerin und Programmiererin ist eine Frustrationstoleranz sehr wichtig. Es dauert oft lange, eine fehlerfreie Lösung zu finden. Aber ich liebe es zu programmieren: Wenn der Code richtig ist, dann läuft das Programm. Wenn nicht, dann nicht.

Ist es für Ihren Partner manchmal schwer, an der Seite einer so energiegeladenen und erfolgreichen Frau zu bestehen?

Das Erfolgsgeheimnis von Dr. Köhler ist, dass sie nur etwas verfolgt, was ihr Spaß macht. „Nur dann ist man auch gut darin”, so die Doktorin der Physik. / Foto: © Claudia Stix

Wir ergänzen uns gut und sind uns sehr ähnlich. Er ist auch Analog-Astronaut und kennt es nicht anders. Außerdem will er selbst auch ins All.

Was wäre, wenn der Traum bei einem klappt und beim anderen nicht?

Wir sind da ganz entspannt und freuen uns für den anderen. Ich hoffe, dass es bei ihm klappt.

Passen Work-Life-Balance und Erfolg eigentlich zusammen?

Wenn man nur Sachen macht, die einem Spaß machen, hat man das Thema nicht. Aber das Zeit-Management muss man im Auge behalten.

Kann man denn beides haben – eine Karriere als Astronautin und eine Familie?

Absolut! In Amerika sieht man das gut. Da ist das normal. Und man muss schließlich in jedem Beruf sehen, wer sich um die Kinder kümmert.

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