Er möchte einer der Pioniere einer neuen Richtung der Medizin sein, der Plasmamedizin. Fotos: Kim Pottkämper

„Geht nicht“ – geht bei ihm gar nicht

Dr. Carsten Mahrenholz hat mit seinem Start-up Coldplasmatech chronischen Wunden den Kampf angesagt. Der vielfach ausgezeichnete Gründer ist getrieben vom Ehrgeiz, zu beweisen, dass nichts unmöglich ist.

Was genau macht Ihre Firma?
Am einfachsten kann ich das mit Raumschiff Enterprise erklären: Da gibt es den Dermal Regenerator – ein Handgerät, dass mit blau leuchtenden Strahlen Wunden verschließt. Im Prinzip haben wir genau so etwas entwickelt. Das blaue Leuchten ist in Wirklichkeit allerdings lila und die Technologie dahinter heißt kaltes Plasma. Es handelt sich hierbei um ein aus sich selbst heraus leuchtendes Gas, das im Gegensatz zu den in der Natur vorkommenden, heißen Plasmen kalt erzeugt wird. Wenn es mit Zellen in Kontakt kommt, werden biochemische Prozesse in Gang gesetzt. Bei behandelten Wunden wird das umliegende Gewebe besser durchblutet, das Immunsystem wird angeregt und die Zellen fangen an, sich zu bewegen. Man löst also Wundheilungsprozesse aus. Das funktioniert sogar bei chronischen Wunden.
Es gibt ein weiteres, großes Problem in Krankenhäusern: multiresistente Keime – und sogar hier liefern wir die Lösung. Bakterien und Pilze, die mit kaltem Plasma in Berührung kommen, sterben ab. Unser Unternehmen hat diese Technologie natürlich nicht erfunden, aber wir haben – in Form von Wundauflagen – einen Applikator dafür gebaut. Das war der Schritt, den dieses tolle Verfahren gebraucht hat, um vielen Patienten zu helfen. Unsere Wundauflage kann das kalte Plasma großflächig erzeugen – in nur zwei Minuten Therapie. Für den Behandler ist die Anwendung einfach, er muss eigentlich nur noch auf einen Knopf drücken.

Wie ist die Aufteilung bei Ihnen und Ihrem Mitgründer Tobias Güra – gesellt sich bei Ihnen Gleich und Gleich gern oder ziehen sich eher Ihre Gegensätze an?
Ich bin froh, dass ich jemanden gefunden habe, der mich ergänzt. Ich bin der extrovertierte Stratege, der unkonventionell ist und Sachen komplett neu denkt. Aber diese Eigenschaften sind auch die Grundlagen für meine Schwächen, die wiederum die Stärken von Tobias sind. Er ist viel besser im Mirkomanagement und hat das Auge für einzelne Prozesse. Gemeinsam trauen uns die Mitarbeiter und Partner zu, dass wir die ganz großen Räder drehen.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Sobald ich weiß, dass ich ein Ziel erreichen werde, ist es für mich nur noch ein Meilenstein zum nächsten, größeren Ziel. Ich erlaube mir relativ selten Erfolgsgefühle. Aber vielleicht blicke ich ja irgendwann zurück und kann sagen, dass ich etwas zum Positiven verändern konnte. Bei aller Ernsthaftigkeit und Erfolgsdiskussion ist mir wichtig, das Spielerische zu erhalten. Neben meinem Schreibtisch steht zum Beispiel die Millennium Falcon aus Lego, die ich in Telefonkonferenzen weiterbaue.

Hatten Sie je Existenzängste?
Für mich sind Situationen, in denen andere schlottern würden, eher interessante Herausforderungen. Ich habe Spaß daran, Krisen zu lösen. Es gab mal eine Situation, die war bezeichnend: Eine meiner Freundinnen leidet unter unglaublicher Flugangst. Als wir zusammen Langstrecke geflogen sind, hatte ich sie panisch erwartet, aber sie saß völlig entspannt neben mir – sie sagte mir, der Gedanke beruhige sie, dass ich aufstehen und den Flieger landen würde, sollten beide Piloten ausfallen. Wahrscheinlich hat sie recht damit, das klingt nach mir.

Hat man Ihnen je eine gewisse Hybris unterstellt?
Nein, ich erhebe mich ja nicht über andere. Aber ich habe durchaus eine Aufgabe, bei der Selbstbewusstsein und Sicherheit gefordert sind. Ich bin überzeugt von mir und den Entscheidungen, die ich treffe – das muss ich auch sein. Mein Beruf bringt ständig Situationen mit sich, in denen ich im übertragenen Sinne vor dunklen Räumen stehe, ohne zu wissen, was mich darin erwartet. Von mir wird aber verlangt, dass ich mich dort auskenne und mir sicher bin, wie es darin aussieht, wenn ich das Licht anschalte – bisher hat das auch funktioniert, deswegen folgen mir Leute in diesen Situationen.

Haben Sie eine Freundin oder Kinder?
Ich habe verschiedene Beziehungsformen gelebt und bin jetzt bei einer beeindruckenden Frau an meiner Seite angekommen, die mich auf allen Ebenen ergänzt. Manchmal als Unterstützerin, manchmal als Gegenpart. Aktuell habe ich noch keine Kinder, aber ich freue mich schon jetzt darauf, meinem Nachwuchs die Welt zu zeigen.

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen!