Dr. Silvia Bentzinger ist die Geschäftsführerin der Marke Seidensticker. Fotos: © Seidensticker

Raus aus der Frauenfalle:
Bloß nicht der Perfektion nachrennen!

2300 Mitarbeiter, 10 Millionen produzierte Teile jährlich und rund 180 Millionen Euro Umsatz: Dr. Silvia Bentzinger ist CEO der berühmten Hemden- und Blusenmarke Seidensticker. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zählt innerhalb der Unternehmensgruppe zu den wichtigsten Themen – rund 75 Prozent der Belegschaft sind weiblich.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Sich selbst treu bleiben. Viele Frauen scheitern daran, weil sie der Illusion von Perfektion nachrennen: Perfekte Geschäftsfrau, perfektes Aussehen, perfekte Mutter, die jeden Kuchen selbst backt, perfekte Gastgeberin, perfekte Ehefrau. Letztlich kommt es darauf an, loszulassen und seinen eigenen Weg zu finden.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriereweg?
Covid-19 ist die größte Herausforderung meiner Karriere. Ich erinnere mich aber auch daran, dass es nicht leicht war, nach der Geburt meiner beiden Kinder beruflich wieder Fuß zu fassen, auch wenn meine Kinder natürlich nicht als Rückschläge zu bezeichnen sind! Es ist zunächst ein kräftezehrender Spagat, morgens am Verhandlungstisch zu sitzen und später am Wickeltisch oder am Fußballplatz zu stehen. Zwei völlig verschiedene Welten, zwischen denen man pendeln muss. Es braucht etwas Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Was raten Sie einer jungen Frau, die in Ihre Fußstapfen treten möchte?
Ich werde oft von Frauen am Ende der Elternzeit gefragt: „Kann ich das überhaupt?“ Ja, natürlich. Ich versuche, ihnen Mut zu machen. Wichtig ist: Wer von allen geliebt werden will, ist als Führungskraft nicht geeignet. Daneben zählt: Gegenseitige Unterstützung ist oft der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb rate ich allen Frauen, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen – privat und beruflich.

Wie besteht man als Frau in einer Männerdomäne?
Ich kann nur raten, nicht locker zu lassen und immer wieder gute Ideen einzubringen. Auch, wenn man manchmal zurückstehen und abwarten muss. Sich für Situationen, die zum Beispiel die Kinder betreffen, zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen, halte ich für völlig falsch.

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.