© Liqui Moly GmbH

Nicht schwätzen, sondern schaffen

Als Unternehmer mit ausgeprägter sozialer Ader ist Ernst Prost einem breiten Publikum bekannt geworden. Im Jahr 2011 war er der Firmenchef mit den meisten Talkshow-Auftritten. Dabei setzte er sich für Themen wie Mindestlohn, einen höheren Spitzensteuersatz oder die Einführung einer Vermögenssteuer ein. Mittlerweile macht sich der im Februar 1957 in Altötting geborene Prost zwar wieder rar in den Medien, an seinen Ansichten hat sich jedoch ebenso wenig geändert wie an seinem Elan. Auch nach dem Verkauf seiner Unternehmensanteile am Schmiermittelhersteller Liqui Moly und den Meguin Mineralölwerken wirkt er als Geschäftsführer beider Unternehmen. Seine Beschäftigten betrachtet er als „Mitunternehmer“.

Wer war oder ist Ihr Vorbild?
Mutter Teresa, weil sie sich für die Ärmsten der Armen eingesetzt hat.

Was war ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Die Tatsache, dass mich keine Bank und auch kein anderer Betrieb genommen hat. Deshalb bin ich Kfz-Mechaniker geworden.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Lehre mit Gesellenbrief, Verkaufsleiter, Marketingchef, Geschäftsführer, Unternehmer und jetzt wieder Geschäftsführer. Jeder Schritt hat Sinn gemacht und war der Vorläufer für den nächsten Schritt.

Was betrachten Sie als Highlight Ihrer Karriere?
Unternehmer sein zu dürfen, mich selbstständig gemacht zu haben, mit allem, was an Würde und Bürde dazugehört.

Apropos Bürde: Wie ist Ihr Unternehmerdasein mit dem Privatleben zu vereinbaren?
Ganz hervorragend. Mein Beruf ist mein Leben und mein Leben ist mein Beruf. Da gibt es nichts zu trennen, das ist eins. Dafür bin ich sehr dankbar.

Aber es gibt bestimmt einen Ausgleich zur täglichen Arbeit?
Ausgleich brauche ich nicht. Die Arbeit als solche ist meine Inspiration. Anregende Orte? Die Natur, die Dusche und das Klo. Dort entstehen Ideen.

Gab es einen materiellen Wunsch, der Sie am Anfang bis zum ersten großen Erfolg begleitet hat? Wenn ja, welchen und wann haben Sie ihn sich erfüllt?
Das war ein eigenes Motorrad, damit ich mir meine Freiheit erfahren kann. Mit 20 Jahren hat es geklappt.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Ich bin zäh, fleißig und liebe die Arbeit – und vor allem liebe ich die Menschen.

Gibt es Menschen, die Sie als eine Art Mentor auf Ihrem Weg unterstützt haben?
Drei Personen waren es: me, myself and I. Im Ernst: Ich habe wie ein Schwamm aufgesaugt, was immer es zu lernen gab, und davon profitiert. Viele gute Leute haben mich inspiriert und geleitet. Auch heute noch.

Was bedeutet Unglück für Sie?
Wenn ich zusehen muss, wie andere Menschen leiden, und nicht helfen kann.

Und was ist Ihre Definition von Glück und Luxus?
Glück ist für mich schon die Abwesenheit von Unglück. Luxus ist einfach nur, Zeit und Muße für den guten alten Müßiggang zu haben.

Gab es einen markanten Wendepunkt in Ihrer beruflichen Karriere?
Es gab einen Tag, an dem eine Firma, in der ich als Angestellter arbeitete, sehr viele Leute entlassen hat. Ich habe mir damals geschworen, dass ich – sofern ich jemals in eine Position gelange, in der ich dies verhindern kann – alles dafür tun werde, dass so etwas nicht passiert. Weil es für alle Beteiligten schrecklich war.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Erstens der blanke Ehrgeiz und zweitens, etwas zu leisten, womit anderen Menschen gedient ist.

Ist das Wohlergehen anderer also ein wichtiger roter Faden in Ihrem beruflichen Leben?
Ja, ich gönne allen, wirklich allen Menschen den Erfolg. Wir haben ja nicht zu viele Millionäre in Deutschland, sondern zu wenige. Umgekehrt haben wir zu viele Arme. Beruflicher Erfolg bedeutet immer, soziale Anerkennung zu erhalten, Geld zu verdienen und durch Steuern und Sozialversicherungsabgaben dem Gemeinwohl zu dienen. Je mehr erfolgreiche Menschen in einem Land wohnen und je mehr Millionäre es gibt, desto besser geht es allen. Deshalb müssen wir Leistung fördern und nicht den sozialen Neid schüren und Erfolg als etwas sehr, sehr Positives im Sinne von Sozialstaatlichkeit definieren.

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht der soziale Status beziehungsweise die Herkunft bei dem Wunsch, erfolgreich zu sein?
Naja, beim Wunsch weniger, aber bei den Möglichkeiten sehr wohl. Jeder will wohl nach oben, Erfolg haben und ein angenehmes Leben führen. Und logisch gelingt das Kindern aus wohlhabenden und bildungsaffinen Familien eher als Kindern, die in kritischen Verhältnissen aufwachsen. Hier muss der Staat mit einem umfassenden und weitreichenden Bildungssystem die Unterstützung geben, die Kinder brauchen, um einen erfolgreichen Lebensweg zu gehen.

Was betrachten Sie abgesehen davon als die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Weitsicht, Verständnis, Schaffenskraft und die Fähigkeit, etwas für andere Menschen zu tun. Man kann es auch Nächstenliebe nennen.

Spielt Sozialkompetenz also eine immer bedeutendere Rolle?
Wenn die Menschheit nicht am skrupellosen Egoismus zugrunde gehen will, dann sollten wir in der Disziplin soziales Engagement genauso wie beim Schutz unserer Umwelt gewaltig zulegen. Wir müssen generell besser aufpassen – auf die Natur, auf die Mitmenschen und auf unseren Planeten.

Was raten Sie mit Ihrer gesammelten Lebenserfahrung jungen Menschen, die erfolgreich werden wollen?
Jungen Menschen rate ich zweierlei: hart zu arbeiten, dadurch Verantwortung für andere zu übernehmen und zugleich das Leben zu genießen.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Weniger Fehler. Weniger Menschen verletzen. Noch mehr Gutes tun und noch mehr Motorrad fahren.

Nachdem Sie nun erfolgreich sind: Was ist heute Ihr Antrieb, jeden Tag weiterzumachen?
Die Freude am Schaffen, am Erschaffen. Meine Kreativität in Ergebnisse umsetzen zu können. Der Firma und den Menschen, die von dieser Firma abhängen, zu dienen. Dazu gehören meine Mitunternehmer genauso wie meine Kunden und Lieferanten. Und natürlich der Spaß an der Freude.

Glauben Sie, Erfolg zu haben ist heute einfacher als früher?
Klar ist es heute einfacher, Erfolg zu haben. Die letzten zwei Generationen sind doch schon in eine Erfolgsgeschichte hineingeboren worden. Wie hat denn Erfolg im Mittelalter oder noch vor 100 Jahren ausgesehen? Nicht verhungern, nicht erschlagen werden und nicht von der Obrigkeit niedergemacht werden. Unser Erfolg besteht aus Freiheit, Demokratie, der sozialen Marktwirtschaft, einem vernünftigen Bildungs- und Ausbildungssystem und dem Wahnsinnsgeschenk des Friedens. Daraus kann jeder etwas machen. Aber man muss es schon auch wollen und mit ganzer Kraft dafür arbeiten.

Können Sie abschließend Ihr Erfolgsgeheimnis in wenigen Worten zusammenfassen?
Nicht verbissen, aber zielgerichtet arbeiten. Verantwortung für andere übernehmen und zugleich das Leben genießen. Nicht stur sein, aber hartnäckig bleiben. Gründlich nachdenken, klug entscheiden und dann auch wirklich tatkräftig umsetzen, was zu tun ist. Nicht schwätzen, sondern schaffen!