Umweltfreundlich verpackt – der Nachhälter ist aus einer biologisch abbaubaren Folie hergestellt, Grünkunft

Die Welt ist im Wandel. Nachhaltigkeit und grüner Lifestyle sind die neuen Schlagworte unserer Gesellschaft. Wir stellen drei Firmen vor, die im Großen – wie im Kleinen – einen wertvollen Beitrag leisten, um den Planeten zu retten.

Schluss mit Plastik!

Im bayerischen Rott hat das Start-up Grünkunft den Heiligen Gral gefunden. Der Betrieb mit 17 Mitarbeitern produziert Ersatzverpackungen aus landwirtschaftlichen Abfällen. Das berühmteste Produkt ist der Nachhälter – ein Beutel, der den klassischen Nusspralinen- oder Pastatüten zum Verwechseln ähnlich sieht – nur dass er aus einer biologisch abbaubaren Folie ist. In nur zwei Jahren ist das Unternehmen von einem Concept Store, der umweltfreundlich verpackte Biolebensmittel verkaufte, zum großen Hoffnungsträger für das Gewissen umweltbewusster Konsumenten gewachsen. Aktuell ist Grünkunft auf der Suche nach einer noch größeren Produktions- und Lagerfläche – das ist dann der dritte Standort. Christoph Kleber (38), der das Unternehmen mit seiner Frau Edna (34) 2017 gründete, bedient allerdings keines der üblichen Ökoklischees. Er ist ein Weltverbesserer mit wirtschaftlichem Background, der Architektur und BWL studiert hat und zuletzt in der Handelsnetzwerkentwicklung eines Automobilkonzerns tätig war.

Wo steht Grünkunft gerade?
Grünkunft ist die Pionierin plastikfreier Verpackung. Aktuell bringen wir zusätzlich zum Nachhälter viele weitere alternative Verpackungslösungen, allesamt hergestellt aus landwirtschaftlichen Abfällen, auf den europäischen Markt. Branchenübergreifend unterstützen wir Unternehmen dabei, ihre Produkte von Plastikverpackungen zu befreien. Wir kooperieren in der Automobil, Kosmetik- und Textilindustrie bereits mit mehreren internationalen Konzernen und wollen deren Portfolio gemeinsam in eine wegweisende, plastikfreie Zukunft lenken. Wir entwickeln uns vom plastikfreien Food Supplier gerade zum Systemdienstleister und Großhändler für nachhaltige Verpackungslösungen, nicht nur für Lebensmittel, sondern für alle Bereiche, in denen Plastik ersetzt werden kann.

Wie konnten Sie überhaupt etwas entwickeln, bei dem die großen Konzerne bis heute scheinbar nicht weiterkommen?
Das ist eine berechtigte Frage, die ich Ihnen nicht beantworten kann. Letztendlich waren die technischen Hürden ja überwindbar, wie wir erfolgreich bewiesen haben. Der Anfang war allerdings hart. Da wir noch relativ jung waren, haben wir tatsächlich einen Totalverlust riskiert. Gestört hat uns das nie, wir waren uns unserer Sache sicher und besessen von dem Gedanken, unsere Idee voranzutreiben.

Hat Sie jemand für verrückt erklärt?
Viele sogar! Wir hatten mit den unterschiedlichsten Reaktionen gerechnet, die Bandbreite war jedoch noch viel größer als erwartet. Interessanterweise sind die Menschen, die uns früher belächelt haben, genau die, die heute damit angeben, uns zu kennen.

Wie sieht es mit dem wirtschaftlichen Erfolg bei Grünkunft aus?
Wir haben uns in den ersten rund drei Jahren sehr gut behauptet. 2019 konnten wir mehr als 100 Prozent Umsatzwachstum verzeichnen, für kommendes Jahr rechnen wir mit einem Vielfachen davon.

Ist es schwierig, die richtigen Investoren zu finden?
Nein, praktisch wöchentlich klopfen welche an unsere Tür. Es muss vor allem auf persönlicher Ebene stimmen und die Person oder Institution zu unserer Vision passen. Wer nur wirtschaftliche Interessen verfolgt, ist bei uns falsch.

Wo sehen Sie die Stärken Ihres Start-ups?
Fokus ist alles. Wir haben uns von Anfang an auf eine Problemstellung konzentriert und dafür einzigartige Lösungen entwickelt. Einige Unternehmer glauben, möglichst viele verschiedene Leistungen oder Produkte anbieten zu müssen, aber das Gegenteil ist meistens richtig. Man muss nicht alles können – im Gegenteil: Um Erfolg zu haben, reicht es, wenn du eine einzige Sache richtig gut kannst.

Haben die Menschen heute ein stärkeres ökologischen Bewusstsein – im Vergleich zu vor ein paar Jahren?
Definitiv. Bei der Eröffnung unseres Concept Stores in Wasserburg Anfang 2018 war bei vielen die Problematik mit dem Plastik noch nicht im Bewusstsein verankert. Ereignisse und Bewegungen wie Fridays for Future haben dazu beigetragen, dass die Situation jetzt eine ganz andere ist. Heute ist es in vielen Erdteilen schon verpönt, Plastiktüten zu benutzen.

Was muss sich noch ändern, damit wir die Umwelt wirklich retten?
Es gibt sehr vieles, was noch getan werden muss. Verpackung und Abfallvermeidung ist eine sehr wichtige Facette davon, jedoch nicht die einzige. Individual- und globaler Warenverkehr gehören zu den Bereichen mit dem größten Einsparpotenzial bei Energieverbrauch und Emissionen. Es gibt bereits zahlreiche vielversprechende Innovationen für eine grüne Wende. Jetzt liegt es an uns, diese Chancen zu nutzen. Gerade jetzt, während der Coronakrise, müssen wir die Chance nutzen, unser Handeln im Sinne einer enkeltauglichen Zukunft neu auszurichten.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Sich selbst immer wieder zu übertreffen, das ist wahrer Erfolg…

Das ganze Interview können Sie im Print-Magazin nachlesen. Secrets of Success kommt am 4. Dezember 2020 in den Handel.