Wöhrl privat – Unternehmer und Investor Hans Rudolf Wöhrl

Nie die Neugier verloren

Auch nach über 50 Jahren als erfolgreicher Unternehmer hat Hans Rudolf Wöhrl noch Lust darauf, neue Geschäftsideen zu entwickeln. Aktuell ist er in etwa 30 Firmen engagiert und offenbar gibt es keine Branche, für die er sich nicht interessiert. Natürlich bringt man den Namen des 72-Jährigen in erster Linie mit dem gleichnamigen Modehaus in Verbindung. Zudem weiß man, dass Wöhrl sich von Jugend an für die Luftfahrt begeisterte und auch in diesem Bereich unternehmerische Maßstäbe gesetzt hat. Doch bis heute ist er offen für Neues, kann sich für Biogetränke genauso begeistern wie für Gründerideen aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“, bei der seine Frau Dagmar Wöhrl als Investorin in der „Löwen“-Jury sitzt.
Kaufmännisches Gespür kann man nicht erlernen, man hat es oder man hat es nicht. Hans Rudolf Wöhrl wurde es zweifellos in die Wiege gelegt. „Kaufmann, also das Fortführen der Familientradition, stand immer ganz oben auf meiner Wunschliste“, erzählt er. Dabei hätte er durchaus weitere Interessen gehabt: „Medizin, also Arzt, hätte mich auch gereizt, aber dazu war ich in der Schule zu schlecht.“

Die beste Schule war für Wöhrl sowieso das Leben. Das spielte sich in dem Modehaus seiner Eltern ab, wo der kleine Hans Rudolf viel Zeit verbrachte. Letztendlich war dies ausschlaggebend für seine Berufswahl. „In den Geschäften meiner Eltern fühlte ich mich immer zu Hause. Deshalb habe ich auch eine Lehre als Einzelhandelskaufmann erfolgreich absolviert und damit waren meine Weichen gestellt“, sagt er im Rückblick.

Allerdings stellte sich schnell heraus, dass Stillstand für Wöhrl kein Thema ist. Also backte er nicht kleine Brötchen als Berufsanfänger, sondern wurde umgehend selbst zum Gründer. Schon als Lehrling, gerade 18 Jahre alt, machte er sich in Nürnberg mit The CARNABY Shops selbstständig. Zu kaufen gab es dort junge Mode – und damit traf Wöhrl den Nerv der Zeit. „Es war ein extrem erfolgreiches Start-up. Aufgebaut haben mein Bruder und ich dieses Geschäft mit ganz wenig Geld, aber mit vielen Ideen und Fleiß. Wir hatten keine Investoren, keine Bank und vielleicht wurde es gerade deswegen eine echte Erfolgsstory“, erinnert er sich und stellt die These auf, dass Mangel nicht selten Kreativität und Energie fördert: „Not macht erfinderisch, Wohlstand macht träge.

Obwohl es nur der Beginn von Wöhrls facettenreicher Unternehmerkarriere war, nimmt diese erste Gründung immer noch eine besondere Stellung ein. „The CARNABY Shops war 30 Jahre super erfolgreich und auf das erste ,Kind‘ ist man natürlich immer besonders stolz“, sagt er, wenn er nach dem persönlichen Highlight seines Berufslebens gefragt wird. Dann kommen ihm umgehend auch seine Erfolge in der Luftfahrtbranche in den Sinn: „Der Aufbau des NFD, heute EUROWINGS, war nicht weniger spannend und eine der wenigen Neugründungen im Luftverkehr, die dauerhaft überlebt haben. Die Sanierungen von Deutsche BA, gexx und LTU waren extrem spannend und zweifellos die wirtschaftlichen Leuchtturmprojekte.“ Doch von der persönlichen Warte aus reicht letztlich nichts an die Bedeutung des Familienunternehmens heran: „Die Weiterentwicklung nach dem Kauf der Firma Wöhrl im Jahr 1970 von fünf auf 40 Filialen im Jahr 2002 war unterm Strich der dauerhafteste Erfolg.“

Ein besonderes Rezept für diesen Erfolg hat Hans Rudolf Wöhrl offenbar nicht. Fragt man ihn nämlich nach seinen Stärken, nennt er lediglich die Freude an der Arbeit und die Fähigkeit als Teamplayer – eigentlich simple Dinge, aber doch entscheidende Faktoren, um sich über Jahrzehnte unternehmerisch behaupten zu können. Weitaus ausführlicher äußert er sich über Rückschläge auf seinem Weg: „Davon gab es jede Menge und manche waren sehr schmerzhaft. Doch wer Angst vor Rückschlägen hat, wird nie Neuland betreten und nie ein erfolgreicher Unternehmer.“ Es darf also ruhig einmal etwas schiefgehen; solange man daraus lernt und die gemachten Fehler nicht wiederholt, sieht Wöhrl kein Problem darin. Diese Mentalität vermisst er hierzulande: „In Deutschland drückt man jemandem nach einem missglückten Start sofort den Stempel ,Loser‘ auf. Doch das ist grundverkehrt, im Gegenteil: Bei uns gibt es das geflügelte Wort ,Manchmal gewinnt man, manchmal lernt man dazu‘. Fehler machen uns stärker!“ Zur Verdeutlichung wählt Wöhrl einen Vergleich aus der Welt des Sports: „Das ist wie beim Hochsprung. Egal wie gut man ist, irgendwann reißt man die Latte. Doch ein Sportler analysiert seinen Fehler, lernt daraus und bei einem der nächsten Versuche klappt es dann. Nicht anders ist es im Berufsleben.“

Ansonsten spielt der Sport keine allzu große Rolle im Leben des Unternehmers, zumindest, was die Quantität anbelangt. „Mein einziger Sport ist es, jede Woche zwei Stunden zu schwimmen“, erzählt Wöhrl. Diese kurze Zeiteinheit kann es jedoch durchaus in sich haben: „Dabei kommen mir, ebenso wie bei meinen regelmäßigen Spaziergängen durch den Schlosspark in Reichenschwand, die besten Ideen.“

Als weitaus wichtigere Triebfeder aber bezeichnet er seine Neugier und räumt ein, dass diese bisweilen fast zu groß ist. „Manchmal zündle ich an zu vielen Stellen gleichzeitig und dann muss auch mal improvisiert werden. Dann bekommt ein Mitarbeiter auch mal eine Aufgabe, die eine Nummer zu groß erscheint.“ Als Problem sieht Wöhrl dies nicht: „Das sind die Chancen für die Guten. Dass mein engster Führungskreis mit mir, teilweise seit Jahrzehnten, eine verschworene Gemeinschaft bildet, spricht dafür, dass ein Touch Chaos durchaus produktiv sein kann.“

So redet einer, der mit seinem Team derzeit bei rund 30 Firmen engagiert ist. „Wir helfen teilweise aktiv beim Aufbau mit“, beschreibt Wöhrl seine Rolle dort und schwärmt: „Am meisten Freude macht mir dabei die Beteiligung an Kloster Kitchen, einem Unternehmen für Biogetränke mit frischen Ingwerstücken, die den einzigartigen Geschmack garantieren. Von ihnen gibt es die erste Limo zum Schütteln und den besten Ingwerdrink, den ich kenne.“ Aber auch die Beteiligungen aus dem TV-Format „Die Höhle der Löwen“ entwickeln sich nach Ansicht des Unternehmers sehr gut.

Ihnen rät Wöhrl, nicht bei Sport, Hobbys, Freunden oder Urlaub einen Ausgleich zu suchen, sondern Erfüllung im Job – und es ansonsten so zu machen wie er: „Für mich sind die Aufgabe, die Menschen, das Produkt und nicht der Gewinn Fokus meines Tuns. Wenn man alles richtig macht, dann stimmt am Ende auch die Kasse. Wer dem Geld hinterherläuft, verliert das Wesentliche aus den Augen.“

Von Rainer Wendl