©Verena Ecker

„Eine klare Zielsetzung haben“

Helmut Zierl ist als erfolgreicher Schauspieler aus dem deutschen Fernsehen nicht wegzudenken. Er flimmert seit über dreißig Jahren über die Mattscheibe und spielt in einer großen Produktion nach der nächsten mit. In über hundert Filmen und Serien ist Zierl seit 1982 zu sehen gewesen – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Herr Zierl, Sie sind schon hunderte Male in fremde Charaktere geschlüpft – an welcher Rolle sind Sie am meisten gewachsen?
Diese Rolle liegt gar nicht lange zurück. Ich habe 160-mal den Willy Loman in Arthur Millers „Tod eines Handlungsreisenden“ gespielt. Ein erfolgloser Vater, der seinen beiden Söhnen großen Erfolg vorgaukelt und an dieser Lebenslüge zerbricht. Ein menschliches Schicksal, das auch im realen Leben oft vorkommt. Ich wachse immer wieder daran, mich in menschliche Tragödien hineinzuversetzen. Das gilt natürlich auch für positiv besetzte Rollen.

Wollten Sie schon immer Schauspieler werden, um in fremde Rollen schlüpfen zu können?
Mich haben im Religionsunterricht die Geschichten interessiert. Ich war auch gerne Konfirmand. Ich fühlte mich berufen, anderen zu helfen. Daher wollte ich gerne Pastor oder Sozialarbeiter werden.

Warum dann doch Schauspieler?
Irgendwann entstand in mir der Wunsch, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, mich in andere hineinzuversetzen. Unterschiedliche Charaktere zu prägen, ist für mich bis heute eine große Herausforderung.

Apropos Herausforderung, gab es Rückschläge auf ihrem Karriereweg?
Die einzigen Rückschläge, an die ich mich erinnere, waren Begegnungen mit Regisseuren, die ich im Nachhinein als Sadisten bezeichnen würde. Nur durch viel Selbstbewusstsein und den Glauben an mich selbst konnte ich solche Tiefen überwinden.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Ich spiele meine Rollen sehr authentisch und ich habe von Anfang an gespürt, dass ich als Sympathieträger vom Publikum angenommen wurde.

Was sehen Sie rückblickend als Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Der erste Karriereschritt war von der Schauspielschule ins feste Engagement nach Hannover. Von da an kam der große Karrieresprung ans Hamburger Thalia Theater, und anschließend im Fernsehbusiness bis heute Fuß gefasst zu haben, war der dritte Karriereschritt.

War das der Wendepunkt Ihrer Karriere?
Der Entschluss, mich vom Theater abzuwenden, kostete mich viel Überwindung, weil ich damit eine sichere Einnahmequelle aufgab. Ich habe mich dann anfänglich durchs Synchronisieren über Wasser gehalten. In meinem Beruf sind Begegnungen oder Beziehungen sehr wichtig. Die „richtigen Leute“ kennenzulernen, war am Anfang sehr schwierig.

Welchen Tipp würden Sie heute Ihrem jüngeren Ich mit auf den Weg geben?
Meinem jüngeren Ich würde ich raten, den Anspruch zu verfolgen, seine Träume zu verwirklichen. Und jedem Berufseinsteiger kann ich nur empfehlen, an sich zu glauben und eine klare Zielsetzung für sich zu haben.

Gab es jemanden, der Sie auf Ihrem Weg unterstützt hat?
Ganz am Anfang haben meine Eltern mich sehr unterstützt. Mein Vater verdiente als Polizeibeamter nicht viel Geld. Trotzdem hat er mir die teure Schauspielschule finanziert. Ohne die Hilfe meiner Eltern wäre ich gleich am Anfang gescheitert.

An welchen Orten tanken Sie Kraft für neue Projekte und Rollen?
Früher habe ich auf Reisen meine Energie geholt. Heute komme ich am besten zu Hause in Lütjensee und in meinem Domizil in Südfrankreich zur Ruhe. Dort schöpfe ich Kraft.

Das Reisen ist Ihre Leidenschaft. Gibt es ein berufliches Reiseziel, dass Ihnen in Erinnerung geblieben ist?
Weil ich ein Leben lang unter entsetzlichem Fernweh litt, war 1984 die Hauptrolle in dem Sechsteiler „Flug in die Hölle“, der sechs Monate lang in Australien gedreht wurde, ein absolutes Highlight.
Von Renate Kerscher

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.