Henry Maske

Box-Legende

Henry Maske – der „Gentlemanboxer“ ist heute Unternehmer. © Valentin Schütt_Sevenmiles

Wie viel bist Du bereit zu geben?

Box-Legende Henry Maske: Sieger in 31 von 32 Profikämpfen, Olympiasieger, zehnfacher Weltmeister – was für eine Bilanz! Henry Maske (55) kann auf eine der außergewöhnlichsten Karrieren des Boxsports zurückblicken. Da fast zehn Jahre nach seiner einzigen Niederlage sein einstiger Bezwinger Virgil Hill nochmals Weltmeister wurde, fühlte er sich herausgefordert. Henry Maske wagte ein Comeback – für nur einen Kampf. Virgil Hill, den er als Profi nicht besiegen konnte, schickte er als pausierender „Rentner“ endlich als Verlierer nach Hause. Ein Sieg, mit dem keiner rechnete. Außer Maske selbst. Denn er wusste, was er bereit war, dafür zu geben: Alles.

 

Sie haben früh mit dem Boxen begonnen. War Boxer zu werden Ihr Kindheitstraum?

Nein, das war Zufall. Ich war sechs Jahre und ein Schulkamerad hat mich gefragt, ob ich ihn zum Boxen begleite. Das war viel früher, als sich ein Trainer das vielleicht gewünscht hätte, weil man erst ab zehn Jahren Wettkämpfe machen kann. Der andere war nach etwa zwei Wochen wieder weg – und ich dann nach 26 Jahren. Ich habe mit großer Hartnäckigkeit und Ausdauer das Recht eingefordert, dabei bleiben zu dürfen. Wenn man als Sechsjähriger dreimal die Woche zum Sport geht, ist das nicht wenig.

Wie wichtig ist es für eine Sportler-Karriere möglichst früh zu beginnen?

Für mich war es sehr gut. Ich gehöre nicht zu den Talentierten. Es gibt Menschen, die fangen etwas an und erreichen schnell ein gewisses Niveau – und dann gibt es einen Großteil, bei dem man das Gefühl hat, Freunde werden die mit dieser Sportart nicht auf Anhieb, die brauchen, wenn überhaupt deutlich länger, um eine gewisse Qualität zu erreichen. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Durch das, dass ich aber früh begonnen habe, hat man mir wohl zu Recht nachgesagt, ich sei technisch hochversiert.

Was waren Ihre wichtigsten Karriereschritte?

Meine ersten Kämpfe. Als Kind geht es beim Sport darum, sich mit anderen zu messen, man will Erfolge. Wenn das auf Dauer nicht passiert, kann man – und so war es auch bei mir – die Ausdauer verlieren. Mit neun Jahren wollte ich aufhören, aber mein Trainer hat es geschafft, dass ich schon vier Monate vor meinem zehnten Geburtstag meine ersten beiden Wettkämpfe machen durfte. Das waren die ersten Momente, die wirklich wichtig waren.

Sie wurden in der ehemaligen DDR geboren, was glauben Sie, wie hätte sich Ihre Karriere ohne den Mauerfall entwickelt?

Dann wäre ich wahrscheinlich noch eine Zeit lang Amateur-Boxer gewesen und hätte parallel mein Sportstudium abgeschlossen. Danach wäre ich wohl Box-Trainer bei uns in Frankfurt/Oder geworden und wäre vielleicht heute der Spitzentrainer.

Wie hat sich Ihre Karriere durch den Mauerfall konkret verändert?

Mein Trainer Manfred Wolke und ich hatten den Mut eine für uns fremde, völlig neue Welt zu erobern. Wir haben 1990 relativ schnell einen Vertrag als Profiboxer unterschrieben. Die Sporthalle, die Manfred Wolke, damals für uns geschaffen hat, stellt aus heutiger Sicht von den Möglichkeiten eine große Lächerlichkeit dar. Wir haben dort aber einen Großteil meiner Profi-Karriere verbracht. Zwei Sandsäcke, ein Plattform-Ball, das sind die, die so federn, ein Boxring, eine Kraftecke, eine Videoecke, eine Dusche, eine Toilette, eine Umkleide und einen Flur – alles auf 70 Quadratmetern. Es war recht spartanisch, man roch sehr schnell, dass da gearbeitet wurde. Das alles machte uns aber auch eisern. Es war spartanisch, aber für uns war es genug.

Was sind die Stärken, die für Ihren Erfolg wichtig waren?

Mein Trainer hat mir mit 17 Jahren auf eine für mich sehr schmerzhafte Art die Frage gestellt, die sich eigentlich jeder stellen müsste: Ist das, was Du tust das, was Du tun willst. Ich sollte mir bewusst sein, dass vieles von dem, was auf mich zukommen würde nicht so toll und angenehm werden würde. Wer einen langen, erfolgreichen Weg gehen will, der sollte sich klar darüber werden, wie weit die Leistungsbereitschaft geht.

Wie fühlt es sich eigentlich an, vor 18 Millionen Zuschauern zu boxen?

Man wächst da rein. Außerdem sind gar nicht so viele in der Halle. Aber 13500 Zuschauer sind auch ganz schön. Es ist ein beeindruckendes Gefühl, wenn man so eine volle Halle sieht. Aber die Person, die einem gegenübersteht, ist fordernd genug, um einem keine Zeit zu lassen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie viele Menschen einem da zugucken.

Heute machen Sie etwas ganz anderes: Sie haben mehrere McDonald’s- Filialen. Wie kam es dazu?

Ich habe gutes Geld verdient und hatte nicht den unbedingten Druck, mir etwas Neues suchen zu müssen. Irgendwann im Zuge meiner Sportler-Karriere hatte ich meinen ursprünglichen Plan Trainer zu werden ad Acta gelegt. Letztlich war es Zufall. Ich habe jemanden kennengelernt, parallel das Buch über Ray Kroc, dem Begründer von McDonald’s als Franchise- Unternehmen gelesen und es hörte sich für mich so an, als ob auch ich das machen könnte. Ich wäre bei weitem nicht der erste Quereinsteiger. Die Realität beweist, dass es so ist. Am 1.April 2000 habe ich mit der ersten Filiale gestartet.