Für den berühmtesten Werber Jean-Remy von Matt ist Erfolg die nasse Seife auf dem Boden deiner Dusche. © Yves Borgwardt

Erfolg ist eine nasse Seife.

Diesen Werber kennt ganz Deutschland: Jean-Remy von Matt, 68. Werbeslogans wie „Bild dir deine Meinung“, „Geiz ist Geil“ und „Wer hat`s erfunden? Ricola“ sind nur einige der bekannten Kampagnen, die in seiner Agentur Jung von Matt entworfen worden. Die Agentur gründete der in Belgien geborene Schweizer 1991 gemeinsam mit Holger Jung. Zahlreiche Auszeichnungen wie „Independent Agency of the Year“ bei Cannes Lions folgten.

Herr von Matt, was wollten Sie als Kind werden?
Ich wollte Bauer werden, meinte mit dem Begriff aber etwas anderes – nämlich jemanden, der baut. Also Architekt. Architekten bauen für Generationen. Darum beneide ich sie. Während die Halbwertzeit unserer Konzepte und Ideen immer kürzer wird. Jedes Tattoo-Studio schafft heute nachhaltigere Ergebnisse.

Hatten Sie ein Vorbild?
Neben den vielen sehr beeindruckenden Menschen, für die und mit denen ich in meinen 45 Jahren an der Werbefront arbeiten durfte, ist es immer noch meine radikal lösungsorientierte Mutter. Ein Cousin beschrieb sie sehr treffend mit dem Satz: Bei Edith war nichts kompliziert.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
In den 60er Jahren wurde Werbung durch einige herausragende Persönlichkeiten revolutioniert, die die ersten wirklich kreativen Kampagnen schufen. Das hat mich als Jugendlicher fasziniert, das wollte ich auch.

Fällt Ihnen eine Kampagne ein, die Sie besonders fasziniert hat?
Meine Marienerscheinung war die Kampagne, mit der Herausforderer Avis in den 60er Jahren den Marktführer Hertz angriff. Sie faszinierte mich so sehr, dass ich jeden Text bis zum letzten Wort auswendig konnte.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Das für mich wertvollste waren die ganzen Begegnungen mit herausragenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur, Sport, Politik – bis hin zum Handshake mit dem Papst.
Seit 36 Jahren arbeite ich unter anderem mit Erich Sixt zusammen und profitiere vom Scharfsinn und Bauchgefühl dieses großen Unternehmers. Als er mir vor einem Jahr das Du anbot, war das für mich mehr wert als jede Auszeichnung.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriereweg?
Die Kreativindustrie ist voller Unwägbarkeiten, so dass einem jeden Tag kleinere und jedes Jahr größere Rückschläge sicher sind. Dass man aus jedem von ihnen lernen etwas kann, macht sie leichter erträglich. Hinschmeißen war jedenfalls für mich nie eine Option. Erst recht nicht seit ich als Mitinhaber einer Agentur Verantwortung für Partner, Kolleginnen und Kollegen trage.

Was bedeutet Erfolg für Sie?
Erfolg ist die nasse Seife auf dem Boden deiner Dusche. Du musst dich krumm machen, um sie zu erreichen. Und schon rutscht sie dir aus der Hand und ist wieder etwas weiter weg.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Erfolg hat nach wie vor sehr viel mit der Begeisterungsfähigkeit für ein Thema zu tun hat. Der Rest ist dann Talent und Fleiß. Nachhaltiger Erfolg war früher einfacher. Heute, in der Agilität des digitalen Lebens, ist es wiederum einfacher, einen kurzfristigen Erfolg zu landen und dafür den berühmten 15-Minuten-Ruhm zu geniessen.

Was macht für Sie eine gute Führungskraft aus?
Am wichtigsten ist, ein Vorbild zu sein, auch was Einsatz angeht. Als wir anfingen, hatten wir vor allem ein Ziel – das beste Produkt herstellen. Doch da wir weder intelligenter noch kreativer waren als unsere Wettbewerber, half nur eins: früher im Büro und später zufrieden sein als alle anderen.

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.