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Jochen Fischer

Unternehmer, Berater & Investor

Jochen Fischer privat

„Erfolg ist kein Synonym für Kontostand“

Die Mitarbeit bei der Schülerzeitung hat ihm zur ersten eigenen Firma verholfen. Heute ist Jochen J. Fischer ein erfolgreicher Unternehmer, Berater und Investor aus Hamburg. Im Interview verrät der 55-Jährige das Geheimnis seines Erfolgs.

Als Schüler hat Fischer bei der Schülerzeitung mitgearbeitet. Um die Herausgabe der Zeitung zu finanzieren, hat er mit 15 Jahren in seiner Freizeit Werbeanzeigen verkauft – und ist auf den Geschmack gekommen. Es habe ihm nicht nur Spaß gemacht, sondern er merkte auch, dass er dafür Talent hat. „Ich dachte, was für die Schule funktioniert, funktioniert auch für die Stadt“, erinnert sich Fischer. Und so gründet er mit 18 Jahren seine erste Firma, um ein regionales Jugendmagazin herauszugeben. Fischer ist damit so erfolgreich, dass ein niederländischer Verleger auf ihn aufmerksam wird und ihm mit gerade mal 20 Jahren die Zusammenarbeit anbietet: Aus dem kleinen Verlag wird eine Druck- und Verlagsgesellschaft, die Wochenzeitungen, Anzeigenblätter, Special-Interest-Titel sowie Corporate-Publishing-Produkte herausbringt.

Das war Anfang der 1980er-Jahre. „Heute stehen an der Spitze vieler Start-up-Unternehmen junge Menschen, aber bei mir war das noch anders. Damals war das etwas Exotisches, wenn ein Student nebenbei eine eigene Firma aufbaut.“ Fischer muss lächeln, wenn er an die Zeit zurückdenkt. „Um nicht so jung auszusehen, habe ich versucht, mich älter zu machen. Meine Geschäftspartner waren ja alle zwischen 40 und 60 Jahre alt.“ Deshalb habe er seine Partner und Kunden genau studiert, habe sich dieselben konservativen Anzüge gekauft und sich eine Lesebrille aus Fensterglas zugelegt. „Gleich wirkte ich seriöser. Und ich wollte ja ernst genommen werden.“

Alter hin oder her: Der Erfolg gibt ihm recht. 15 Jahre läuft das Unternehmen gut, dann kommt der erste unternehmerische Rückschlag. Das Internet mischt die Verlagsbranche auf, die Umsätze gehen zurück. 1999 verlässt er den Verlag, orientiert sich um und setzt alles auf neue Technologien. Mit einem ehemaligen Kollegen der Schülerzeitung baut er Vectron Systems zum führenden europäischen Hersteller für Kassensysteme aus und bringt das Unternehmen an die Börse. 2007 wiederholt er das Ganze mit einer weiteren Firma. „Zwei Unternehmen an die Börse zu bekommen, ist das Highlight einer Unternehmerkarriere“, sagt Fischer.

Er ist erfolgreich. Aber er winkt dennoch ab, als er darauf angesprochen wird: „Da gibt es ganz andere, die mehr erreicht haben als ich.“ Überhaupt sei das so eine Sache mit dem Erfolg. „Für viele ist Erfolg ein Synonym für einen hohen Kontostand, für ein Leben, in dem man materiellen Reichtum angehäuft hat.“ Er definiere Erfolg aber anders, setze es gleich mit innerer Zufriedenheit. Das sei wichtiger, „als möglichst viel Geld anzuhäufen“. Geld sei für ihn nur die Basis für „maximal mögliche Freiheit und Unabhängigkeit“, aber kein Maßstab, ob jemand ein erfülltes Leben habe.

Und ist er zufrieden mit seinem Leben? Der 55-Jährige muss nicht überlegen: „definitiv.“ Er würde auch heute alles wieder genauso machen. Sein Rat an junge Menschen, die am Anfang ihrer Karriere stehen: Sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen, die gehörten zum Leben dazu. „In fast 40 Jahren Unternehmerdasein bleiben die nicht aus“, weiß Fischer und erinnert an die schwierigen Umbruchzeiten, als die Technologieblase platzte oder das Internet den Verlagen zu schaffen machte. Aber es gehe danach auch weiter. Man müsse nur wollen und machen. „Wer Erfolg haben möchte, braucht einen unbedingten Willen zum Erfolg“, sagt er. „Und man muss an sich glauben.“

Diesen unbedingten Willen zum Erfolg und das Selbstvertrauen in sich selbst hat ihm sein Großvater vorgelebt. Der war selbst Unternehmer, hatte sich eine Maschinenfabrik aufgebaut. Das Motto des Großvaters war stets: „Wenn du willst, was du kannst, dann kannst du, was du willst.“ Diesen Rat habe er sich schon früh zu Herzen genommen, sich klare Ziele gesetzt und mit aller Kraft an der Umsetzung gearbeitet.
Fischer kramt ein altes Foto hervor. Es zeigt einen jungen Mann im Trenchcoat vor dem Kensington Hotel, der neben einem Rolls-Royce steht. „Wir waren mit der Schulklasse in London. Ein Klassenkamerad hat mich fotografiert. Damals dachte ich mir, so ein Auto willst du auch einmal fahren. 30 Jahre später habe ich mir diesen Traum tatsächlich erfüllt – und natürlich ein Foto gemacht.“ Er holt auch dieses Bild hervor. Für Fischer haben beide Fotos Symbolkraft: Wenn man sich Ziele setzt und an sich glaubt, kann man alles schaffen.
Claudia Rothhammer