Langjährige Freunde und Geschäftspartner: 2009 stieg Benjamin Heindl (re.) bei IServ ein. Bilder: © Alexandra Siering

Der Chef, der das Leergut sortiert

Vor zwanzig Jahren, als Jörg Ludwig noch die Schulbank drückte, entwickelte er einen Schulserver, räumte damit bei „Jugend forscht“ ab und stellte anschließend das Unternehmen IServ auf die Beine, das seither kontinuierlich wächst. Corona ließ dieses Wachstum explodieren.

Herr Ludwig, wie haben Sie Ihre Leidenschaft fürs Programmieren entdeckt?
Technik hat mich schon immer fasziniert. Als ich in der dritten Klasse war, habe ich einen alten Heimcomputer von meinem Opa geschenkt bekommen, angefangen zu programmieren und mich dazu entschieden, dass ich Informatiker werden will.

 

Woher weiß ein Drittklässler, wie man programmiert?
Ich habe mir ein Buch aus der Bücherei geholt und mich da reingefuchst. Ich hatte außerdem das Glück, dass meine Mutter Informatik studiert hat. Die hat mir ein paar Tipps gegeben. Heute geht man ins Internet und findet Anleitungen. Damals war das schwieriger. Zusammen mit ein paar Kumpels habe ich versucht, Spiele zu programmieren. Aber das war natürlich superrudimentär im Vergleich zu 3D-Spielen von heute.

Programmieren Sie heute immer noch selbst?
In den ersten zehn Jahren von IServ war ich alleine für das Programmieren verantwortlich, nebenbei aber auch für Vertrieb, Marketing, Support und Schulungen. Jetzt geht es um Organisation, Personal und Strategie. Meine tägliche Arbeit hat sich langsam vom eigenen Handeln hin zum Management verschoben.

Vermissen Sie es, selbst Hand anzulegen?
Tatsächlich schon. Das Schöne am Programmieren ist, dass ich am Ende des Tages ein Ergebnis sehe. Jetzt schicke ich zehn E-Mails raus und bekomme vielleicht zwei Wochen später eine Rückmeldung. Ich führe unheimlich viele Gespräche, bei denen man nie genau weiß, was sich daraus entwickelt. Ich stelle mich dieser Herausforderung auch gern, aber am Ende des Tages mit einem konkreten Ergebnis nach Hause zu gehen, fehlt mir schon. Aber: Ich sortiere in der Firma gerne das Leergut ein. Da kann ich in Ruhe mal zehn Minuten Flaschen sortieren und sehe hinterher ein Ergebnis. Das ist immer ganz nett.

Was macht in Ihren Augen ein gelungenes Management aus – wie leiten Sie Ihr Team?
Ich versuche, die Mitarbeiter für meine Ziele zu gewinnen und lasse sie selbst die richtigen Lösungen finden. Ich gebe lediglich meine Vision vor, bei der Umsetzung lasse ich den Programmierern freie Hand. Man kann nicht alles selbst machen. Muss man auch gar nicht. Andere Leute können andere Dinge auch wesentlich besser als ich. Ich versuche, meinen Mitarbeitern viel Wertschätzung zu zeigen und Verantwortung zu übermitteln. Man muss den Leuten dann aber auch zugestehen, dass mal Sachen schiefgehen. Ich habe den Vorteil, dass mein Team superengagiert ist und sich sehr viel Mühe gibt. Da klappen Sachen dann eben auch.

Das klingt, als wäre IServ ein ziemlich eingeschworener Haufen, oder?
Ja. Wir frühstücken jeden Morgen zusammen und treffen uns auch außerhalb der Arbeitszeiten zu Spieleabenden. Ich würde mal ganz platt sagen: Ich stelle die Leute in der Regel nach Sympathie ein, weniger nach fachlicher Qualifikation. Natürlich muss am Ende beides zusammenspielen, aber ein klarer Lebenslauf ist für mich nicht entscheidend. Ich will Leute, die für das Thema brennen und Bock darauf haben. Ob sie im Studium die besten Noten hatten, spielt für mich keine Rolle.

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.