Mit 16 Jahren gründete Josef Brunner sein erstes Unternehmen. © Josef Brunner privat

„Scheitern ist keine Option“

3.000 Mark haben Josef Brunners Eltern in ihren Sohn investiert – er wollte einen Computer zum Programmieren haben. Das Geld war knapp, aber der Junior wurde unterstützt. Daraufhin beendete Brunner die Schule und gründete mit 16 Jahren sein erstes Unternehmen. Über zwanzig Jahre später hat Brunner zig Unternehmen gegründet und gewinnbringend weiterverkauft. Das Investment seiner Eltern war gut angelegt. Doch was treibt einen 16-Jährigen dazu, schon so früh zu gründen?

„Mein Antrieb war der Schmerz. Meine Eltern waren selbstständige Bäcker und wurden damals von Backshops und Supermärkten wegdisrupiert. Daraus ist ein Schmerz entstanden, meine Eltern scheitern zu sehen“, sagt Brunner. Das war sein Antrieb, zu starten. Die Armut und der Schmerz sind tatsächlich etwas, das sich gerade Tech-Unternehmer teilen, wenn es ums Starten geht. „Das Ganze positiv kanalisiert, gibt einem die Energie, immer noch einen Schritt weiterzugehen und härter zu arbeiten“, erklärt Brunner.

Josef Brunner hatte schon sehr früh die Passion zum Programmieren entwickelt. Darum waren seine ersten beiden Unternehmen wohl auch auf IT-Sicherheit spezialisiert. „Das war damals ein Markt, den es noch gar nicht gab. Dementsprechend hatte ich keine Konkurrenz, konnte mich austoben und mein Hobby monetarisieren.“ Das war eine sehr glückliche Fügung für den Jungunternehmer, weil das Timing einfach passte. „Ich hatte wahnsinnig viel Glück.“

Mit 16 Jahren startete Brunner als Unternehmer. Dafür hat er seine Schullaufbahn frühzeitig beendet. „Mit 18 konnte ich meinen Eltern ein Haus kaufen. Das ist für mich immer noch das schönste, weil sie da heute noch drin wohnen und ich ihnen die 3.000 Mark verzinst zurückgeben konnte.“ Den Eltern ein Zuhause zu geben – nachdem sie ziemlich hart getroffen wurden.

Josef Brunner schwimmt auf der Erfolgswelle. Oberflächlich betrachtet. „Rückschläge gibt es jeden Tag“, sagt Brunner – und moniert zugleich, dass oft eine überromantisierte Start-up-Welt konstruiert werde. „Das ist total irreführend bei der Betrachtung der neuen Unternehmergeneration.“ Für ihn sei es schön, dass sich viele junge Leute für die Selbstständigkeit entscheiden würden, aber nachdem medial immer nur das Positive am Unternehmertum ausgebreitet werde, hätten seiner Meinung nach viele keine Vorstellung, worauf sie sich tatsächlich einlassen.

Darum ist Josef Brunner auch als Mentor aktiv und begleitet Menschen in die Selbstständigkeit. „Es gibt diesen “Make it or break it“-Moment im Unternehmertum. Da muss man entscheiden, ob das Ziel es einem wert ist, eine Bibliothek an Narben am Rücken zu sammeln.“ Brunner spricht von Rückschlägen, die einen verändern – auch charakterlich. Aber Rückschläge formen eben auch den Unternehmer. „Ich finde die gut, weil dadurch viel Energie freigesetzt wird. Aber man muss schon so ehrlich sein, dass nicht alles Sonnenschein ist.“

Wenn die Sonne bei Brunner gerade nicht scheint, geht er in die Berge zum Krafttanken. Der Unternehmer wandert gerne, egal zu welcher Jahreszeit und nach Möglichkeit jedes Wochenende. „Je weniger Menschen unterwegs sind, desto besser.“ In den Bergen, bei langen Touren, findet er Inspiration und Erdung zugleich. „Wenn ich im Winter irgendwo in den Bergen bin, dann merke ich, dass die Welt da draußen sehr, sehr hart ist. Das rückt die Sachen wieder in die richtige Perspektive.“

Apropos Perspektive – die Weitsicht hat Brunner manchmal gefehlt. Darum hat er sich gerne an die Hand nehmen lassen. „Ich hatte drei wichtige Mentoren, die mich letztendlich dahin geführt haben, wo ich heute bin. Sonst hätte es vielleicht auch ganz anders ausgehen können.“ Tom Noonan habe ihm den Schubs gegeben, sich mehr Marketing und Vertriebs-Know-how anzueignen, und ihm gezeigt, wie wichtig Firmenkultur und ein Wertesystem sind. John Chambers habe seinen Fokus auf Markttransformationen gelegt.
Von Renate Kerscher

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