Die Coronakrise hat viele in Bedrängnis gebracht. Um die Politik auf die Notsituation der Busbranche aufmerksam zu machen, hat Julien Figur im Mai 2020 eine Busdemo in Hamburg organisiert. Hier sieht man Julien Figur beim Einweisen von Reisebussen. Es waren 150 Busse. Foto: © Constantijn Gubbel bei der Demo in Hamburg dabei.

Einfach losfahren

Mit „Hanse Mondial“ einfach losfahren mit wenig Aufwand – das verspricht Firmengründer Julien Figur seinen Kunden. Zusammen mit seinem Bruder Chris und zwei Freunden, Emmanuel Stover und Tobias Warnecke, lenkt er die Full-Service-Mobilitätsagentur für europaweite Buslogistik sicher und souverän. Auch in schwierigen Zeiten bleibt der 33-Jährige ruhig am Firmensteuer: Obwohl die gesamte Branche wegen Corona in Schieflage geriet, steht die Ampel für die Hamburger Agentur weiterhin auf Erfolgskurs.

Das Coronavirus hat den Alltag aller drastisch verändert, sogar ganze Wirtschaftszweige in die Knie gezwungen. Die Reisebranche wurde durch das Virus an die Wand gefahren. Eine schwierige Zeit auch für Julien Figur. Er nutzte die Zeit, ins Team zu investieren, Prozesse und Strukturen aufzusetzen. Auch sein Netzwerk baute er aus. Denn statt eine eigene Busflotte aufzubauen, setzt „Hanse Mondial“ auf ein bundesweites Netzwerk aus über 1.000 Bus- und Reiseunternehmen, deren Reisebusse und Limousinen er im Auftrag seiner Kunden mietet und einsetzt. Egal, ob jemand komplexe Touren und Routen, regelmäßige Transfers und Shuttlefahrten oder einfache Transfers von A nach B braucht, egal, ob es sich um fünfzig Personen oder 50.000 handelt – Julien Figur und sein Team kümmern sich darum, dass am gewünschten Tag alle pünktlich, sicher und bequem ihr Ziel erreichen. Und auch noch nachhaltig. Gerade das ist Julien Figur wichtig. Denn das Coronavirus zwinge uns zum Umdenken, sagt er.

„Wir müssen nachhaltiger leben und unsere Einstellungen überdenken.“

Unser aller Ziel müsse sein, der nächsten Generation die Erde wohlbehalten zu übergeben. „Aber dafür müssen wir uns und unser gesellschaftliches Verhalten tatsächlich ändern.“

Mobilität, Reisen und Umweltschutz, passt das überhaupt zusammen? Für den 33-Jährigen keine Frage: Wer statt ins Auto in den Reisebus steigt, um von A nach B zu kommen, ist klimaschonend unterwegs, belastet die Erde im Vergleich zum Pkw mit nur einem Viertel an CO2-Ausstoß pro Kilometer. Deshalb will Julien Figur noch viel mehr Menschen dazu bewegen, auf den Reisebus umzusteigen. Im Gespräch mit ihm wird deutlich, wie sehr ihn das Thema Nachhaltigkeit umtreibt. Während des Lockdowns hat er den Podcast „Mobilität der Zukunft“ gestartet. In dem Podcast diskutieren Experten, Meinungsführer und Unternehmer darüber, wie sich Mobilität im Hinblick auf Digitalisierung und Umweltschutz verändern wird. Mit dabei waren bereits Interviewgäste wie z. B. Nachhaltigkeitsaktivist Marc Buckley, Zukunftsforscher Dr. Stefan Carsten und CDU-Politiker Dr. Christoph Ploß. „Die Zukunft sieht in meinen Augen so aus, dass der Mobilitätsmix im urbanen und ländlichen Raum digital und on demand über das Smartphone buchbar sein wird. Die Buslogistik der Zukunft ist autonom“, ist Julien Figur überzeugt. Und genau diese Vision treibt ihn an.

Inspiriert hat ihn sein früherer Chef, ein Visionär. „Von ihm habe ich unglaublich viel gelernt“, sagt Julien Figur. In die Firma kam er eher zufällig. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er berufsbegleitend BWL und heuerte bei einem Unternehmen an, dass Busse vermietet. Für ihn goldrichtig, wie sich herausstellte. Er konnte viele Erfahrungen sammeln und eigenverantwortlich arbeiten. „Allerdings habe ich schon in der 8. Klasse immer gesagt, ich will später mein eigener Chef werden“, erinnert sich Julien Figur. Im USA-Urlaub kam er zur Ruhe, dachte viel nach. Am Sandstrand von Florida trifft er eine Entscheidung: „Ich mache mich selbstständig.“ Er wollte nicht wie sein Vater in einem „Konzerndschungel gefangen die Karriereleiter hochklettern“. Sein Vater habe zwar in den Augen vieler Menschen Erfolg gehabt, aber „er war nie wirklich frei“. Aber gerade das ist für Julien Figur die Definition von Erfolg: Freiheit, zum Beispiel die Freiheit, eigene Ideen und Visionen umzusetzen.

Er sagt: „Erfolg messe ich nicht an der Größe eines Hauses, an der Anzahl schneller Autos oder anhand des Bankkontos.“
Von Claudia Rothhammer

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen.