Jumana Al-Sibai legte seit 2003 eine steile Karriere bei der Robert Bosch GmbH hin – heute ist sie Executive Vice President. Bild: © BDI

„Ich werde gerne mal mit meiner Sekretärin verwechselt“

Ihr Vorbild ist ihr Vater, der aus Syrien nach Deutschland kam und sich trotz unbekannter Sprache durchgekämpfte – und erfolgreicher Arzt wurde. Vielleicht hat Jumana Al-Sibai ihren Ehrgeiz von ihm. Seit 2013 klettert sie bei der Robert Bosch GmbH die Karriereleiter hinauf. Heute ist sie „Executive Vice President“ im Geschäftsbereich „Chassis Systems Control“.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriereweg?
Es lief immer recht gradlinig für mich. Was es gab, waren Situationen, die mich zum Nachdenken gebracht haben. Als ich die Stelle als Vertriebsleiterin übernahm, haben mich einige Kollegen und Kolleginnen gefragt, ob ich mir das wirklich zutraue – anstatt mir zu gratulieren. Auch nach der Geburt meiner Kinder bekam ich seltsame Sprüche zu hören wie „Eine Mutter gehört doch zu ihren Kinder“. Inzwischen habe ich mir ein dickeres Fell zugelegt!

Was treibt Sie an?
Die größte Energie ziehe ich aus meinem herausragenden Team, meinem Spaß an der Arbeit und dem Gefühl, etwas verändern zu können. Viel gibt mir auch die Tatsache, dass meine Familie stolz auf mich ist – allen voran meine Kinder!

Was raten Sie jungen Frauen, die in Ihre Fußstapfen treten möchten?
Ich coache eine Reihe von Frauen, ihnen gebe ich drei Dinge mit. Erstens: Mach Deinen Job so gut wie möglich – so, dass Du selbst mit Deiner Leistung zufrieden bist. Zweitens: Denk nicht zu viel über die nächsten Schritte nach, sondern konzentriere Dich auf Punkt eins. Drittens: Sei Du selbst, verstell Dich nicht, bleib authentisch – denn nur so wirst Du ernst genommen. Versuch vor allem nicht, ein besserer Mann zu sein.

Erleben Sie je Diskriminierung?
Ich werde gerne mal mit meiner Sekretärin verwechselt. Einmal wollte mich auch jemand bei einem Kundenbesuch losschicken, um den Beamer zu reparieren. Bewusste Diskriminierung habe ich aber noch nicht erlebt.

Hat sich in Sachen Gleichberechtigung seit dem Beginn Ihrer Karriere etwas verändert?
Das würde ich gerne noch entschiedener mit „ja“ beantworten. Immerhin ist es inzwischen normal, dass auch Vorstände Kinder haben und pünktlich gehen müssen, wenn es ein Schulfest gibt! Aber die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für engagierte Männer wie Frauen eine Herausforderung. Für mich braucht es klare Regeln, um die Sphären zu trennen. Dazu gehört, dass ich zu einer festen Zeit nach Hause komme, dass Dienstreisen ein gewisses Maß nicht überschreiten und es klar definierte Gründe gibt, warum ich während der Familienzeit den Laptop aufmache. So gelingt es mir, Balance zu halten.

Von Johanna Reichert