Lotto King Karl – der ehrgeizige Musiker hat seine Träume in die Tat umgesetzt. Bild © Patrick Ludolph

Zufriedenheit ist der größtmögliche Erfolg

Wenn man sich mit Lotto King Karl unterhalten möchte, dann muss man Zeit mitbringen. Dabei wird es auf gar keinen Fall langweilig, denn der Mann hat schon viel erlebt und dadurch auch einiges zu erzählen. Vom Marineoffizier über „Der mit dem großen Lottogewinn“ bis hin zum heutigen erfolgreichen Musiker – natürlich mit der ganz großen Liebe zum HSV.

„Als Kind wollte ich Mittelstürmer beim HSV und Torschützenkönig der Bundesliga werden. Damals konnte ich mir keinen cooleren Job vorstellen,“ so Lotto King Karl. Mittlerweile weiß er, dass es noch andere coole Jobs gibt. „Als ich Marineoffizier war, war mir gar nicht bewusst, was für ein cooler Job das ist. Daran denkst Du in dem Moment nicht, wenn Du bei 8 Grad auf der Brücke stehst, Dir der Hagel ins Gesicht schlägt und Du manchmal mit Leuten zusammenarbeiten musst, mit denen Du Dich privat nie treffen würdest. Aber Du lernst, im Team zusammenzuhalten, durchzuhalten und Mut zu haben. Das alles ist mir erst viel später bewusst geworden. Aber das ist wichtig. Irgendwann sollte man erkennen, was man schon geschafft hat. Damit setzt dann eine gewissen Dankbarkeit ein und mit ihr auch der persönliche Erfolg.“

Doch ab wann kann man dankbar sein und ab wann hat man für sich selbst Erfolg? „Es fängt ja immer damit an, dass man gewisse Träume hat, die man erreichen möchte. Da ist es am Anfang ja schon ein Erfolg, wenn man die Miete ohne Probleme zahlen kann. Dann wird man anspruchsvoller in Bezug auf Erfolg. Man sollte sich nur immer die Fragen stellen, wie lange und wie hart man überhaupt arbeiten möchte. Oder umgekehrt: Wann reicht es? Wenn man dann ehrlich zu sich selbst ist, gelangt man automatisch an den Punkt, an dem man sagt: Ich habe mein Ziel und das, was mir wichtig war, erreicht. Damit sind wir dann wieder bei der Zufriedenheit und dem Erfolg.“

Der Weg zum Erfolg kann aber auch schwer sein. „Ich kann mich noch daran erinnern, als meine Band und ich unseren major Plattenvertrag verloren hatten. Wenn eine Plattenfirma einen rauswirft, dann geht die eigentlich davon aus, dass sich die Band auflöst. Doch das kam für uns nicht infrage. Trotzdem war die Trauer erst riesengroß. Wir saßen damals total frustriert an einer Jet-Tankstelle in Hamburg Horn mit einem Sixpack im Arm und haben uns gefragt: Was können wir denn, was diese milliardenschwere Plattenindustrie nicht kann? Und das einzige, was uns einfiel – wir können ehrlich sein und wir können härter arbeiten. Als Philosophie sicherlich toll, aber als Geschäftsgrundlage eher mittelmäßig. Und trotzdem hat es funktioniert. Das war wohl mein wichtigster Karriereschritt.“ Rückschläge und Erfolg gehören für ihn zusammen. „Das liegt in der Natur der Sache. Wichtig dabei ist es, ein gewisses Talent zu besitzen.“

Manchmal ist es auch ein Talent, das im ersten Moment gar nicht als solches gesehen wird und trotzdem zum Erfolg führt. „Vielleicht ist es am Beispiel von Dieter Bohlen gut zu erklären,“ mein Lotto. „Es ist sicher nicht beleidigend, wenn man sagt, dass Bohlen nicht der größte Musiker auf dem Planeten ist. Aber er war in der Lage, mit seiner Personality ein Geschäft zu machen. Dabei hat er immer den kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden. Er lebt davon, dass er viele Dinge einfacher macht.“ Sicherlich etwas, das helfen kann: Zu erkennen, wann es kompliziert wird und dass man es dann besser lässt. Wobei man das auf gar keinen Fall mit „aufgeben“ gleichsetzen sollte. Social Media macht es heutzutage ohnehin viel einfacher, bekannt zu werden. Für Lotto King Karl sind die sozialen Netzwerke hilfreich, allerdings auch mit Arbeit verbunden. „Wenn man es bewusst betreibt und ernst nimmt, dann kann man sich auch eine gewisse Unabhängigkeit von der Presse schaffen. „Das habe ich gemacht, als meine Zeit beim HSV zu Ende ging. Ich habe direkt meinen Abschiedsbrief bei Facebook geschrieben. Somit musste ich gar nicht darauf warten, bis mich die Presse anrief und vielleicht auch Sachen behauptete, die ich angeblich gesagt hatte.“

Dass man durch Social Media heutzutage schneller bekannt, wird ist kein Geheimnis. Der Lotto King hat da einen interessanten Vergleich. „Das ist wie damals zu Zeiten von Wolfgang Amadeus Mozart. Der musste von Hof zu Hof gehen , um sein Talent zu zeigen. Er war darauf angewiesen, dass es sich rumsprach. Heutzutage gehen Sie nicht mehr von Hof zu Hof, sondern stellen ihre Arbeit, Ihr Talent ins Netz und wenn es gut ankommt, dann geht es ab.“ Lotto King Karl ist zu einer Zeit bekannt geworden, als soziale Medien in ihrer heutigen Form noch gar nicht existierten. Er war ehrgeizig und hat für seine Träume hart gearbeitet. „Man muss sich seine Position im Leben erst einmal erarbeiten und für sich selbst sehen, wohin der eigene Blick geht. Dabei hilft es, wenn man gelassen bleibt. Zu erkennen und damit klarzukommen, dass es ein paar Dinge gibt, die man einfach nicht mehr erreichen kann. Und da sind wir wieder bei der Erfahrung, die man im Leben schon gemacht hat. Wenn man diese bewusster einsetzt, dann kann man etwas erreichen und ist zufrieden. Vielleicht ist Erfolg ein Zusammenspiel aus Dankbarkeit, Gelassenheit und Zufriedenheit.“