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Die Welt durch eine Linse

Mut ist, wenn man sich Dinge traut, die andere für Wahnsinn halten. So wie Nanna Heitmann. Die junge deutsch-russische Fotografin, deren Schwerpunkt auf Dokumentationen liegt, gehört zu den großen Nachwuchshoffnungen der Fotografie. Sie reist gern – auch im Winter durch Sibirien. Mit gerade mal 25 Jahren hat sie es mit ihren Bildern bereits in die renommiertesten Medien geschafft, darunter die New York Times, den Stern und das Time Magazine, und hat schon zahlreiche Preise abgestaubt. Nannas persönliches Karrierehighlight: 2019 wurde sie von der legendären Fotoagentur „Magnum“ zum nominierten Mitglied ernannt. „Auf alle Legenden zu treffen, deren Fotografie mich seit meiner Kindheit in den Bann zieht, war sehr aufregend und zugleich einschüchternd“, gibt sie zu. Sonst lässt sie sich aber von wenig beeindrucken.

Du bist schon sehr jung sehr erfolgreich, wer ist Dein Vorbild?

Meine Großmutter, die als Übersetzerin in einer reinen Männerwelt in der ganzen Sowjetunion unterwegs war. Ihre Arbeit ermöglichte es ihr, viel zu reisen, sogar bis hinter den eisernen Vorhang.

Was bedeutet für Dich überhaupt Erfolg?

Das Wort löst bei mir eher negative Assoziationen aus. In unserer Gesellschaft scheint beruflicher Erfolg den Wert eines Menschen zu definieren. Einmal wurde ich mit einem Produkt verglichen, bei dem jeder gespannt darauf wartet, was als nächstes auf den Markt kommt. Das löst viel Unbehagen und Druck aus, der sehr präsent in unserer Branche und auch in unserer Gesellschaft ist. Jemand, der sich dafür entscheidet, ein einfaches Leben zu führen, ist vielleicht sogar erfolgreicher als ein toller Manager, Künstler… Daher versuche ich, Erfolg eher mit Freiheit- und Unabhängigkeitsbestreben zu verknüpfen.

Was ist Dein Erfolgsgeheimnis?

An Geschichten zu arbeiten, die mich wirklich faszinieren.

Geduld, Hartnäckigkeit und viel Arbeit.

Welche Opfer bringst Du für Deinen Traumberuf?

Ich sehe meine Freunde und Familie viel zu selten…

Was wolltest Du werden, als Du ein Kind warst?

Seitdem ich zwölf Jahre alt war, habe ich begeistert fotografiert. Einmal reiste ich mit meiner Familie in die USA. Wir besuchten einen befreundeten Fotografen meiner Mutter. Er sah mich begeistert mit einer winzigen Kamera fotografieren und schenkte mir sein altes Objektiv. Seitdem habe ich nichts anderes mehr in Erwägung gezogen. Manchmal träume ich vielleicht davon, in einem Wanderzirkus zu jonglieren oder auf einer Farm weit in den Bergen zu leben, aber ohne die Fotografie könnte ich gerade einfach nicht leben. Raus zu gehen und zu fotografieren durchflutet meinen Körper jedes Mal erneut mit großer Euphorie, Neugierde und einer positiven Anspannung.

Sind Deine Reisen manchmal gefährlich?

Sicherlich schwebt eine Gefahr mit, wenn man als Frau alleine unterwegs ist. Gleichzeitig trifft man aber auch auf unglaublich viele Leute, die sich rührend um einen kümmern. Am meisten Respekt habe ich vor der Kälte in Sibirien, wo ich diesen Winter wieder hinmöchte.

In welche außergewöhnliche Situation bist Du auf Deinen Reisen schon geraten? 

Wir wollten mal im Winter in Sibirien am Jenissei trampen. Zwei Tage haben wir auf ein Auto gewartet. Zwischendurch wurden wir bei einer einsamen, älteren Dame im Dorf einquartiert.

Wie vereinbarst Du Beruf und Privatleben – Dein Beruf ist nicht gerade familienfreundlich…

Ich habe keine Kinder und den geduldigsten Freund auf Erden, der versteht, wie wichtig es ist, frei zu sein.

Wovon träumst Du?

Die Begeisterung für die Fotografie niemals zu verlieren. Ewige Liebe, nicht vor dem Computer sitzen zu müssen und von einem kleinen Häuschen in den Bergen.

Von Johanna Reichert

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