Er hatte schon immer eine starke Neigung zur Exzentrik: Regisseur und Autor Oskar Roehler. / Foto: © Gerald von Foris

„Mein Erfolgsgeheimnis ist mein Fanatismus.“

Er ist der Unbeugsame unter den deutschen Filmemachern. Der, der seine Meinung sagt – selbst wenn sie unbequem sein mag. In Deutschland hat Oskar Roehler längst Kultstatus, doch mit seinem letzten Film “Enfant terrible”, einem Porträt über Regielegende Rainer Werner Fassbinder, hat es der Regisseur auch ins offizielle Programm beim Filmfest in Cannes geschafft. Roehlers erträumter Ritterschlag. Oder zumindest fast. Auch als Autor ist er sehr erfolgreich. Mit seinem neusten Roman „Der Mangel“ macht er seine persönliche Tragödie zu einem Lehrstück über die frühe Bundesrepublik. Dieser Roman erzählt von der Kehrseite des Wirtschaftswunders – und von der Rettung durch Kunst.
Ihr großer Traum war es, beim Filmfestival in Cannes für einen Beitrag gefeiert zu werden. 2020 wäre es so weit gewesen – aber dann hat das wegen der Pandemie alles im sehr abgespeckten Rahmen stattgefunden. Hat es Sie trotzdem ein bisschen befriedigt?

Das war jetzt wirklich ein Pech. Wenn dieses Festival stattgefunden hätte, dann wäre ich in Deutschland mit Lorbeerkranz durch die Gegend gelaufen und alle wären auf die Knie gegangen. Aber diese Genugtuung ist halt leider nicht passiert. Es hat zwar jeder erfahren, aber wenn die Presse keine Bilder kriegt und es keinen roten Teppich gibt, kann man nicht viel erwarten. Aber der Festivalchef hat den wunderbaren Satz formuliert “You are now in the family.” Man wird meine nächsten Filme also wahrnehmen…

Also ist die Goldene Palme von Cannes nach wie vor das Ziel? Oder eher ein Oscar?

Ich wollte immer Kunst machen und da ist mir die Palme viel wichtiger als Hollywood. Ich war ein paar Mal eingeladen, in Amerika einen Film zu drehen, aber es hat nie geklappt. Ich habe dazu eine herrliche Anekdote. Mir ist mal ein Manuskript vorgelegt worden, aber ich konnte mir nicht vorstellen, einen Film über zwei schwule Cowboys in den Bergen zu machen und habe abgesagt. Jahre sind vergangen und ich habe das Ganze vergessen. Dann ging ich mit meiner Frau ins Kino und nach zehn Minuten merke ich, dass ich die Geschichte kenne. Der Film „Brokeback Mountain“ wurde ein Welterfolg – und ich habe ihn nicht gemacht.

Haben Sie Ihre Entscheidung bereut?

Gott sei Dank habe ich ihn nicht gedreht. So genial wie Ang Lee hätte ich es nicht hinbekommen. Ich glaube einfach, der mag selbst auch lieber Jungs… Außerdem habe ich Probleme damit, wenn ich mit Leuten zu tun habe, die ihnen in der Hierarchie untergeordnete Leute schlecht behandeln. Das erlebt man in Hollywood oft. Ich habe keinen Bock darauf, in so einem Umfeld zu arbeiten.

Was bedeutet für Sie Erfolg?

De facto war es immer der Ruhm, der mich interessiert hat. Ich wollte berühmt werden. Ich habe mir immer gesagt, ich bin etwas total Besonderes – im Guten wie im Schlechten. Ich hatte immer schon eine sehr starke Neigung zur Exzentrik. Ich bin einfach nicht Mainstream genug und habe noch immer den gleichen Status – den des Außenseiters, der einfach keine Lust hat, sich unterzuordnen. Der Filmakademie zum Beispiel. Da bin ich jetzt aufgetreten.

Wie angepasst muss man für Erfolg sein?

Seine Filme sind weltweit bekannt. Auch als Autor ist er neben seinen Regie-Tätigkeiten sehr erfolgreich. / Foto: © Gerald von Foris

Ich glaube, das ist nicht unbedingt ein Kriterium. Man kann sich gut durchmogeln durch diese schrecklich banale Filmlandschaft. Ich war habe meine Filme in alle wichtigen Länder verkauft. Diese Art von Erfolg war mir aber nie so wichtig. Dafür habe ich mir, als ich neu in Berlin war, die Nase platt gedrückt draußen an der Pariser Bar, wo Fassbinder und andere illustre Erscheinungen gefeiert haben. Da wollte ich dabei sein.

Wie wichtig ist Glück?

Ich hatte zwei wahnsinnig wichtige Sachen in meinem Leben, die mir widerfahren sind. Als es mir damals sehr schlecht ging bei meinem Vater, einem Alkoholiker, tauchte wie ein Sendbote des Himmels eines Tages ein Mann in blauer Livree auf und sagte zu mir, er sei der Fahrer meines Großvaters. Dann sind wir mit der Limousine ins Kempinski gefahren und dort erwarteten meine Großeltern mich bereits. Ich konnte mich gar nicht mehr an sie erinnern. Am nächsten Tag haben sie sich die Wohnung angeguckt, in der ich mit meinem Vater wohnte, mich unter den Arm gepackt und gesagt: Zu deinem Vater, da lassen wir dich nicht mehr zurück. Meine Großmutter hat mir für meinen ersten Film auch 20 000 Mark gegeben. Für meinen Zweiten bin ich dann Klinken putzen gegangen, aber keine Sau wollte mir Geld geben. Dann starb meine Mutter und ich habe über meinen Großvater eine ganze Stange Geld geerbt. Plötzlich konnte ich den Film aus der Portokasse bezahlen. So hatte ich nie mehr so richtig Geldsorgen in größerem Maße.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Fanatismus. Das Durchfechten gegen alle Widerstände. Als ich ein Jahr lang Klinken geputzt habe und nur abgelehnt worden bin, war es schwer nicht aufzugeben. Und dann kam die Kohle – und ich habe den Film wahnsinnig gut verkauft damals. Ich habe ein Vielfaches von dem wiederbekommen, was ich reingesteckt habe. Das war das Allerbeste daran.

Schauen Sie selbst im Kino nur künstlerisch wertvolle Filme oder darf es auch mal ein Bond-Streifen sein?

Nicht unbedingt James Bond, aber zum Beispiel Spider-Man. Ich gucke mir auch gern Horrorfilme an. Eigentlich gehe ich nur in Filme, die mir Spaß machen und das ist garantiert nicht klassisches Intellektuellen-Kino.

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