Außergewöhnlich schnell und schön

Außergewöhnliche Outfits sind sein Markenzeichen. Aber er ist auch außergewöhnlich schön. So schön, dass Papis Loveday lange als schönstes männliches Model mit dunkler Hautfarbe galt. Dabei wollte er eigentlich nie den Laufsteg erobern, sondern 400-Meter-Bahnen.

© privat

Das Leben schreibt die außergewöhnlichsten Geschichten, so wie im Fall von Loveday. Er wurde vor 42 Jahren in Dakar geboren, wuchs mit sechs Geschwistern und 19 Halbgeschwistern im Senegal auf. Als Kind hätte er sich viele Berufe vorstellen können. Einmal wollte er wie sein Vater Arzt werden, ein anderes Mal in die Fußstapfen seiner Mutter treten, die – für die damalige Zeit außergewöhnlich – nicht nur Mutter war, sondern auch Diplomatin. Aber er hätte auch gerne das Talent seiner Brüder geerbt, die gut Fußball spielten.

Loveday war zwar ein außergewöhnlicher Sportler, aber nicht am Ball. Dafür war er schnell wie der Blitz. Sein Talent verhalf ihm zu einem Sportstipendium, das ihn nach Paris führte. Auch wenn Paris als Modehauptstadt gilt, war der junge Mann aus dem Senegal noch meilenweit weg von den Catwalks dieser Welt. Vielmehr nahm er ein Informatikstudium auf, paukte den Vorlesungsstoff und arbeitete hart an seiner Ausdauer. Beides nahm Loveday ernst. „Wenn du ein Stipendium hast, wird von dir erwartet, dass du auch lieferst. Wenn du nicht lieferst, ist es vorbei.“ Er wollte keinesfalls versagen und zurück, sonst hätte er seine Familie von Paris aus nicht mehr finanziell unterstützen können. Also lernte er fleißig. Aber am Ende stolperte er nicht über eine Informatikprüfung, sondern ausgerechnet beim Training. Er verletzte sich schwer am Rücken. Von einem auf den anderen Tag war sein Traum von der Karriere als Profisportler vorbei. „Ich war am Ende meines Lebens.“

Der Tiefpunkt wurde zur Chance: Beim Training für die Leichtathletik-WM hatte ein Fotograf Aufnahmen von ihm gemacht und sie an eine Modelagentur weitergeleitet. Die waren von dem schönen jungen Mann aus dem Senegal hin und weg. Aber Loveday wollte davon erst gar nichts wissen. „Ich habe mich nie als schön empfunden“, gesteht er. So lehnte er das Angebot der Modelagentur erst einmal ab. „Als es hieß, ich könnte mit dem Geld meine Eltern unterstützen, wurde ich hellhörig und habe gefragt, was ich verdienen kann. Als ich die Summe hörte, war ich dabei.“ Und zwar sowas von dabei: Loveday startete mit Höchstgeschwindigkeit in sein neues Leben, wurde das Gesicht der weltweiten Benetton-Werbekampagne. Er fand Gefallen an seinem neuen Job, bemühte sich, schnell zu lernen und immer besser zu werden. Mit der Leidenschaft und mit dem Engagement, mit dem er damals an seiner Sportkarriere gefeilt hatte, stürzte er sich nun ins Modelbusiness – und schaffte es bis ganz nach oben.

Dennoch lief auf dem Weg hinauf in den Modelolymp nicht alles glatt. Der heute 42-Jährige erinnert sich: „Ich spreche sehr gut Französisch und Italienisch. Auf Castings tat ich so, als ob ich nichts verstehe – und bekam dadurch auch unschöne Einblicke ins Geschäft. Ein Castingdirektor fragte auf Italienisch seine Assistentin: ‚Wer hat denn diesen Schwarzen geschickt? Danach haben wir doch gar nicht gefragt.‘ Ein anderes Mal hieß es: Der ist viel zu dunkel.“ Loveday versuchte, diese Rückschläge und Vorbehalte nicht an sich ranzulassen. Und er wusste: Die Zeiten können sich auch ändern. „Prada war lange Jahre das rassistischste Label ever. Inzwischen werben sie auch mit Schwarzen, weil sie wissen, dass sie sonst viele Kunden verlieren würden.“ So liberal die Modebranche geworden ist, so intolerant werden die Deutschen – und die Hasskommentare im Netz immer mehr. „Als ich vor zehn Jahren nach Deutschland gezogen bin, erschien mir die Gesellschaft liberaler. Ich habe zunehmend mit rassistischen Anfeindungen zu tun. Ich sehne mich zurück nach einem Land ohne AfD und Rassismus.“

Und was war das größte Highlight seiner Karriere? Lovedays Antwort überrascht: „Der Jurorenstuhl bei ‚Austria’s‘ Next Topmodel. Nach meiner jahrelangen internationalen Karriere als Topmodel war es für mich ein Meilenstein, in einem fremden Land in einer fremden Sprache ein entscheidender Teil einer großen TV-Show zu sein. Damals konnte ich noch nicht so gut deutsch wie heute. Dass ich trotzdem gefragt wurde, bedeutet mir viel.“ Er machte seinen Job sogar so gut, dass er der erste Juror und Runway-Coach ist, der bei dem weltweiten TV-Format „Topmodel“ die Show in drei Ländern mitgestaltet: in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Und das als Schwarzer. Darauf bin ich sehr stolz.“

Hinter dem schönen Gesicht sitzt aber auch ein heller Kopf. Loveday ist erfolgreicher Unternehmer, er hat eine eigene Champagnermarke. Er hat es von ganz unten nach ganz oben geschafft. „Auch wenn man, wie ich, aus einfachen Verhältnissen kommt, kann man es schaffen. Es ist nicht unmöglich, wenn auch ungleich schwerer.“ Wichtig sei nur, eine Vision zu haben und sich auf den Weg zu machen, Schritt für Schritt. Auch ein 400-Meter-Lauf beginnt mit dem ersten Schritt.

Claudia Rothhammer

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