Nach acht Jahren in Japan, kam Littbarski 2010 nach Deutschland zurück – zum Vfl Wolfsburg. © VfL Wolfsburg

Früher hätte sogar Messi schlechte Karten gehabt

Pierre Littbarski war einer der ersten ausländischen Profifußballer in der japanischen J-League. Ursprünglich wollte Littbarski nur sechs Monate bleiben. Am Ende war er insgesamt acht Jahre im Land des Lächelns, das zu seiner zweiten Heimat wurde.

In Japan konnte er viele Erfolge feiern – sowohl als Spieler als auch als Trainer. Der private Erfolg ist seine Ehefrau, die er dort kennengelernt hat. „Wenn man bedenkt, dass ich zuerst gar nicht dorthin wollte“, erzählt Littbarski, „Ich kannte weder das Land noch die Sprache, wusste nicht, wie die Leute sind. Aber ein ehemaliger Mitspieler von mir, der beim Aufbau der neugegründeten J-League mithalf, bequatschte mich regelrecht und meinte, dass ich dort genau hinpassen würde. Für mich war eigentlich klar, dass ich meinen Koffer für sechs Monate packen, das Geld mitnehmen und dann wieder nach Hause fahren würde.“ Doch dann kam alles anders.
Das Land hat ihn verändert, wie er selbst sagt. Er fand dort eine neue Heimat und Menschen, die ihn sofort begeisterten. „Wie die Menschen dort leben und denken, das ist genau meine Herangehensweise. Sie zeigen Respekt, sie können zuhören, sie sind hilfsbereit. Wenn sie von Dingen überzeugt sind, dann versuchen sie, sie auch sofort umzusetzen.“ So ist Littbarski auch stets seine Ziele angegangen.

Heute kann er auf wirklich viele Erfolge in seinem Leben zurückblicken. Nicht zuletzt auf den WM-Titel, den er mit der deutschen Nationalmannschaft 1990 gewann.
Für ihn waren aber nicht nur die Siege, die am Ende standen, ein Erfolg. „Es ist die Herangehensweise, die mir in dem Moment wichtig ist. Wenn dann am Ende der Erfolg steht, das Ziel, das ich mir gesetzt hatte, dann bin ich zufrieden. Für mich bedeutet der Weg schon Erfolg.“ Fast hätte er den Weg dorthin gar nicht erst starten können. Dabei war sein Leben schon mit fünf Jahren entschieden, wie der heute 60-Jährige lachend erzählt. „Ich wollte immer Fußballer werden. Schule habe ich nur nebenher gemacht. Aber ich war zu klein. Ich kann mich noch an eine Situation erinnern, als ich bei einer Auswahl einmal beobachtet wurde. Nachher sagte der Konditionstrainer: ‚Ey, der is viel zu kleen. Gib dem erst mal ne Butterschnitte, damit der en bisschen wächst.‘ Zu der Zeit hätte sogar Messi schlechte Karten gehabt, denn damals zählte eher Masse als Klasse. Mit 18 habe ich gedacht, dass der Zug abgefahren wäre. Notgedrungen musste ich in die Fußstapfen meines Vaters treten und begann eine Lehre als Finanzbeamter. Es war eher aus der Verzweiflung heraus“, meint Littbarski. Der Zufall wollte es dann so, dass der junge Littbarksi bei den Deutschen A-Jugendmeisterschaften groß aufspielte. Auf dem Weg ins Finale schmissen sie den FC aus dem Wettbewerb und Littbarski fiel dem Manager des 1. FC Köln auf. Der rief den damaligen Cheftrainer Hennes Weisweiler an und nach kurzer Zeit verpflichteten die Kölner den jungen Littbarski. „Ich kam als gefühlte Nr. 26 in der Rangliste dahin. Aber es war meine einzige Chance.“ Und er biss sich mit seiner Art dort durch. Er war nie mit sich zufrieden. Hat nicht aufgehört, an sich zu arbeiten, und dann war da noch seine Spielweise, mit der er schnell die Kölner Fans und Medien begeisterte. „Mir wurde nachgesagt, ich spiele wie die Südamerikaner. Ich habe mit wahnsinnig viel Leidenschaft gespielt. Manchmal hatte ich mich in den ersten siebzig Minuten so verausgabt, dass ich die letzten zwanzig Minuten nicht mehr konnte. Aber ich habe nie aufgegeben.“ Nicht nur sein „südamerikanischer“ Einsatz auf dem Rasen hat die Fans damals überzeugt. Littbarski hatte Humor, den er auch immer wieder dort einsetzte, wo er die Leute nicht nur zum Lachen brachte, sondern auch half, Brücken zu bauen. „Ich habe oft im Training Späße gemacht, wenn ich merkte, dass die Jungs gar keine Lust hatten, zu laufen, und unser Konditionstrainer sich den Mund fusselig geredet hat. Dadurch ist es mir gelungen, sie dazu zu bringen, mitzumachen und alles zu geben. Humor ist ein wichtiger Transporteur für Kommentare, Informationen und Anleitungen. Er löst auch Barrieren auf. Wenn man mit Humor an manche Dinge herangeht, dann ist das die Basis, auf der sich andere Sachen einfacher vermitteln lassen“, meint Littbarski und ergänzt:“

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.