Prof. Dr. Marion Kiechle

Prof. Dr. Marion Kiechle ; Direktorin der Frauenklinik
Foto: Eckert / Heddergott

Wer Karriere machen will, darf sich nicht verstecken

Mit einer Freundin hat sie den Bestseller „Tag für Tag jünger“ geschrieben. Doch nicht nur wegen ihrer Anti-Aging-Strategien ist Marion Kiechle für Frauen interessant: Die Gynäkologin hat sich auch der Krebsforschung verschrieben und könnte mit ihrer Arbeit vielen Frauen helfen – Frauen wie Angelina Jolie, die eine Veranlagung für Brustkrebs in sich tragen und in ständiger Angst leben.

Kiechle zählt zu den Top-Brustkrebsspezialisten Deutschlands – und sie war die erste Frau hierzulande, die auf einen Gynäkologie-Lehrstuhl berufen wurde. Die 59-Jährige blickt auf eine beachtliche Karriere in der Medizin zurück. „Dabei ist bei uns in der Familie weit und breit kein Arzt vorhanden.“ Dafür aber eine Mutter, die ihrer Tochter von klein auf Mut zusprach. „Meine Mutter ist heute 81. Sie hat zwar ein gutes Abitur gemacht, durfte aber nicht studieren, da man davon ausging, dass sie eh mal heiratet. Dabei wäre sie gerne Apothekerin geworden.“ Ihre Mutter legte großen Wert auf Bildung, sie habe ihr immer geraten: „Mach dich nicht abhängig von einem Mann. Verdien dein eigenes Geld.“

Nach einem Praktikum im Krankenhaus schrieb sich Kiechle für Medizin an der Uni Freiburg ein. Es folgten Promotion und Habilitation. Aus ihren hochgesteckten Zielen hat sie nie ein Geheimnis gemacht. Ganz im Gegenteil: „Wenn man Karriere machen will, sollte man das auch nach außen kommunizieren, insbesondere den Menschen, die einem weiterhelfen und begleiten können.“ Das rät sie insbesondere jungen Frauen. Gerade die seien in Bewerbungsgesprächen meist bescheidener und zurückhaltender als ihre männlichen Kollegen. „Dabei hat Karriere so gar nichts mit Familienplanung zu tun. Kinder kann man nicht planen.“ Schon allein die Frage, wann man den richtigen Mann für die Familiengründung finde, könne keine Frau wissen. Sie selbst habe ihre große Liebe erst mit 46 Jahren getroffen – gemeint ist Sportkommentator Marcel Reif.

In Bayern kennt man Kiechle aber vor allem an der Seite eines anderen Mannes: Ministerpräsident Markus Söder. Er ernannte die Direktorin der Frauenklinik München 2018 zur Wissenschaftsministerin. Sieben Monate später – nach einer Wahlniederlage – war ihr Ausflug in die Politik zu Ende. Am nächsten Tag hat sie ihre Arbeit als Klinikdirektorin und ihre Forschungsarbeiten wieder aufgenommen. Sie wirkt zufrieden und mit sich im Reinen. „Niederlagen dürfen einen nicht aus dem Konzept bringen“, sagt sie. „Man darf sie vor allem nicht persönlich nehmen.“

Claudia Rothhammer