Bei ihren Mitarbeiter:innen ist sie bekannt für ihr offenes Ohr und die pragmatischen Lösungsansätze: Geschäftsführerin von „Aldiana Club Resorts“ Stefanie Brandes. / Foto: Aldiana GmbH

„Aufgeben gilt nicht“

Hinter ihr liegen beruflich die mit Abstand härtesten Jahre ihres Lebens: Erst musste Stefanie Brandes, die Geschäftsführerin des Premium Clubanbieters Aldiana, ihre Firma durch Turbulenzen steuern, die die Pleite eines Gesellschafters ausgelöst hat – und dann kam direkt im Anschluss Corona. Geschlafen hat sie schon seit Sommer 2019 kaum mehr ruhig, aber die Leidenschaft, für Aldiana zu kämpfen, brennt nach wie vor in ihr.

Was bedeutet für Sie genau Erfolg?

Erfolg ist für mich, die gesteckten Ziele zu erreichen und dabei das Beste gegeben zu haben. Dabei geht es mir aber nicht nur um harte Fakten wie Umsatz oder Qualität, sondern auch um die „weichen Ziele“. Bin ich zufrieden? Wie begeistert sind die Mitarbeiter_innen und Gäste? Und das Wichtigste: Den Erfolg auch im Team zu feiern und sich darüber zu freuen. Der Applaus der Kollegen spornt für die Zukunft an.

Was bedeutete die Thomas-Cook-Pleite für Aldiana?

Die Thomas-Cook-Insolvenz war definitiv existenzgefährdend für uns. Nicht wegen der gesellschaftlichen Minderheitsanteile, die Thomas Cook hielt, sondern vielmehr wegen des operativen Alltags. Von heute auf morgen hatten wir kein Buchungssystem, keinen Flugeinkauf und keinen Transferservice in einigen Zielgebieten mehr. Außerdem mussten wir kurzfristig auch neue Büroräume für die Aldiana-Zentrale suchen, da wir bis dato im Thomas-Cook-Gebäude ansässig waren. Die Situation hat uns über Nacht erwischt. In weniger als zwei Monaten haben wir ein eigenes Buchungssystem aufgebaut und in vielen Nacht- und Wochenendstunden Gäste manuell wieder auf ihre ursprünglichen Flüge eingebucht. Das war sehr anstrengend, hat aber auch Kräfte in den Teams freigesetzt, die ich so noch nie gesehen habe. Wir hätten uns allerdings nicht vorstellen können, dass es noch schlimmer kommen kann. Bis Anfang Februar 2020 waren wir im Krisen-Modus, dann hatten wir so weit wieder alles im Griff – und im März ging Corona los.

Haben Sie in den letzten knapp drei Jahren überhaupt ein einziges Mal gut geschlafen?

Ihr Führungsstil mag unkonventionell sein, hat ihr Unternehmen aber tapfer durch die Krisen gebracht. / Foto: privat

Offen gesprochen, war die Zeit sehr herausfordernd und hat viel Energie und Nerven gekostet. Das hat zahlreiche schlaflose Nächte nach sich gezogen. Ich fühle mich verantwortlich für mein Team und nehme das ernst. Deshalb fiel und fällt mir das Abschalten schwer. Es beschäftigt mich auch heute noch sehr intensiv.

Wie reagiert man als Geschäftsführerin am besten auf eine Hiobsbotschaft?

Zunächst einmal mit Ruhe. Ich funktioniere dann. Wichtig ist, die Lage so schnell wie möglich zu analysieren, die Fakten zusammenzutragen und ein Krisenteam zusammenzustellen. Bei mir werden die Knie immer erst weich, wenn alles zu meiner Zufriedenheit gelöst ist.

Was haben Sie aus den beiden direkt aufeinander folgenden – wirklich existenzbedrohenden – Krisen gelernt?

Aufgeben gilt nicht und es gibt oft noch Lösungen, die man im ersten Moment nicht sieht. Ganz entscheidend sind die Menschen um dich herum. Es müssen wirklich alle mitziehen, sonst hast Du keine Chance. Ich bin mächtig stolz darauf, was jeder Einzelne in der Aldiana-Familie geleistet hat. Beeindruckt hat mich auch, wie wir gegenseitig auf uns aufgepasst, uns geholfen haben und wie jeder für jeden eingesprungen ist. Aber es wird auch Zeit, dass möglichst bald wieder eine Art von Normalität eintritt, da die Akkus mittlerweile schon sehr leer sind…

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Beim Reiten kommt die Unternehmerin zur Ruhe und findet Inspiration in der Natur. / Foto: privat

Ich habe gelernt, meinen Weg zu gehen, der an der einen oder anderen Stelle als Geschäftsführung auch sehr unkonventionell ist, weil ich mich nicht über meinen Titel identifiziere, sondern über meine Leistung. Ich brauche zum Beispiel keine VIP-Behandlung, wenn ich in einen unserer Aldiana-Clubs komme. Laut meiner engsten Mitarbeiter_innen bin ich ein Mensch, der sehr gut zuhören kann und sehr gute Antennen hat. Kommunikation und Transparenz ist mir sehr wichtig, so dass möglichst effizient gearbeitet werden kann. Darüber hinaus schätzen die Kollegen_innen meine pragmatischen Lösungsansätze und dass man mir oft an der Nasenspitze ansieht, ob ich etwas gut oder schlecht finde.

Was unterscheidet Ihren Führungsstil eventuell von dem männlicher Kollegen?

Hier sind wir schnell bei Klischees. Es gibt unterschiedliche Führungsstile. Ob man diese immer nur an dem Thema Mann oder Frau festmachen kann, bezweifele ich. Wichtig für mich ist es, dass mich Menschen respektieren, weil ich die Dinge so tue, wie ich sie tue. Ich denke, ich kann gut motivieren. Fordern und fördern ist mein Thema. Ich musste aber zum Beispiel auch lernen, die Weichmacher aus meiner Sprache zu entfernen und klar zu kommunizieren, was ich will. Am Anfang habe ich sehr häufig den Konjunktiv verwendet – ein Fehler, den viele Frauen machen…

Wo oder wobei finden Sie Ruhe und Inspiration?

Ich liebe die Natur und in der Corona-Zeit habe ich das Spazierengehen für mich entdeckt. Wenn ich die Gelegenheit habe, dann reite ich im Gelände oder spiele Golf – zugegeben noch im Anfängermodus. Und ich habe meine Begeisterung für die Musik wiedergefunden. Zum Leidwesen meiner Nachbarn lerne ich jetzt Saxofon.

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Seien Sie gespannt, welche spannende Persönlichkeit in den nächsten Tagen folgt! Alle anderen Interviews finden Sie hier.

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