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Mit seinen Computerspielen Millionen Menschen Freude bereiten – dieses Gefühl liebt der Unternehmer Heiko Hubertz. / Foto: privat

„Mein Erfolgsgeheimnis ist ein Tick Wahnsinn“

Gerade baut Heiko Hubertz wieder eine Computerspiele-Firma auf, die er zum Erfolg führen will. Diesmal will er den US-Markt erobern. Auch mit Bigpoint, das Unternehmen, das er zu einem der größten Spiele-Giganten Europas machte, startete er diesen Versuch, konnte im Silicon Valley aber nicht punkten. Nun will es der 46-Jährige nochmal wissen. Nur das Valley sieht ihn nicht wieder…
Warum fasziniert Sie Gaming so?

Auf der einen Seite reizt mich, dass ich das Business verstanden habe und auf der anderen liebe ich den Reiz, den jedes neue Spiel bedeutet. Wir wissen vorher ja nie, ob es ein Erfolg wird – und dann das Gefühl zu haben, dass man Millionen Menschen Freude bereitet, ist einfach geil. Ich wüsste nicht, was ich Besseres machen könnte.

Sie haben mit Bigpoint auch finanziell den großen Wurf gelandet. Warum gründen Sie immer wieder neue Gaming-Firmen?

Warum spielt Bayern München nächstes Jahr schon wieder in der Bundesliga? Ich glaube, es gibt Menschen – und dazu zähle ich –, die es einfach toll finden, Erfolg zu haben. Und ein Unternehmen zu verkaufen, wenn es läuft, gehört für mich dazu. Dann habe ich wieder Platz im Kopf für das nächste Abenteuer.

Also fiel es Ihnen nicht schwer, sich von Ihrem Baby Bigpoint zu trennen?

Es war ja nicht wie bei einem plötzlichen Unfalltod, sondern ein Prozess. Sobald man den ersten Investor aufnimmt, weiß man, dass er sein Geld vervielfachen will – und zwar über den Verkauf. Für mich war klar, dass ich dann mit aussteige.

Haben Sie danach sofort wieder losgelegt?

Damals bin ich erst mal auf Weltreise gegangen und dachte, jetzt genießt Du das Leben und gründest irgendwann eine Familie. Das habe ich aber nicht mal ein Jahr ausgehalten…

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriere-Weg?

Immer wieder. Der Schlimmste war sicherlich, als ich 2012 über 100 Mitarbeiter entlassen musste. Aber ich habe weitergemacht und einen Teil der Leute später in meiner neuen Firma wieder eingestellt.

Kann man Erfolg steuern?

Das Unternehmen „Bigpoint“ machte der 46-Jährige zu einem der größten Spiele-Giganten Europas. / Foto: privat

Definitiv. Wer nicht bereit ist, über Grenzen zu gehen und Sachen zu opfern, und ich betone hier bewusst das Wort opfern, wird keinen Erfolg haben. Wenn ich nicht jeden Tag trainiere, dann werde ich keine Top-Sportler – und wenn ich nicht jeden Tag im Büro bereit bin, Entscheidungen zu treffen und harte Arbeit reinzustecken, wird das auch nichts. Egal wie viel Glück und Talent ich habe.

Was haben Sie persönlich für den Erfolg geopfert?

Viel Freizeit. Ich konnte mir nie vorstellen, was Menschen machen, die um 18 Uhr nach Hause gehen. Fernsehen? Fußball spielen? Glück ist mit dem Tüchtigen, deshalb wollte ich lieber bis 22 Uhr im Büro sitzen. Das ist heute noch so, aber ich habe jetzt auch eine kleine Tochter, die ich ins Bett bringen möchte…

Gibt es etwas, worauf Sie trotz aller Opfer achten?

Ich nehme Recovery-Phasen sehr ernst. Wenn ich nicht genug Schlaf bekomme, bin ich einfach nicht in der Lage, ausgeglichen zu reagieren und gute Entscheidung zu treffen. Ich arbeite zwar auch am Wochenende, schlafe aber dann auch sehr lange.

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Ich arbeite gern gegen Ziele. Das heißt aber nicht, dass ich mich morgens hinsetze und mir ein Ziel überlege, das wäre mir zu strukturiert. Stattdessen habe ich immer ganz viele Ziele gleichzeitig, die ich zu bestimmten Zeitpunkten erreicht haben will. Mit diesem psychologischen Trick motiviere ich mich.

Setzen Sie sich auch private Ziele – wie am Wochenende mal das Handy auszuschalten?

„Mut haben und machen!“ – so lautet das Geheimnis des erfolgreichen Unternehmers. / Foto: privat

Ich setze mir nur realistische Ziele (lacht). Aber ich bin zum Beispiel ein leidenschaftlicher Golfer. Ich nehme mir jedes Jahr mit meinem Trainer etwas vor, um daran zu arbeiten – Schwung, Handicap oder eine bestimmte Platzierung bei einem Turnier. Im Urlaub trage ich mir genau im Terminkalender ein, was wir wann machen wollen, damit wir nichts wegen mangelnder Koordination verpassen. Ich kann mich nicht gut treiben lassen.

Was wollten Sie als Kind werden?

Manager von Coca Cola. Mein Vater arbeitete als Angestellter im öffentlichen Dienst und war in der Gewerkschaft. Meine Weltauffassung war schon als Kind völlig contraire. Meine Mutter sagte deshalb immer, ich würde mal Manager von Coca-Cola – das war das Sinnbild des Kapitalismus. Das fand ich toll – auch wenn ich nie dort gelandet bin. Aber ein großer Fan der USA bin ich noch immer, obwohl ich nach wie vor in Deutschland lebe.

Wäre nicht das Silicon Valley für Sie der Place to be?

Das war auch mein großer Wunsch. Es hängt mir bis heute nach, dass ich es da unten nicht geschafft habe. Bigpoint habe ich zwar gut verkauft, aber das US-Business war bei Weitem nicht so erfolgreich, wie wir uns das vorgestellt haben. Ich war seitdem noch ein paar Mal in San Francisco, fühle mich da aber nicht mehr wohl, weil es für mich mit einer Niederlage verbunden ist.

Wollen Sie es trotzdem wieder versuchen?

Absolut. Mit meiner neuesten Firma werde ich den amerikanischen Markt als Erstes angehen. Ich will noch mal probieren, in den USA Erfolg zu haben – ins Valley gehe ich aber nicht wieder zurück. Dort hätte ich nicht genügend Energie, weil mich die Erinnerung bedrücken würde.

Und wie sind Sie eigentlich Unternehmen geworden?

Ich habe an einer privaten Fachhochschule in Hamburg studiert. Mehr oder weniger. Dann bot mir eine finnische Firma an, die IT-Leitung hier in Deutschland zu übernehmen. Ich hatte dort einen Chef, der mich überall mitreinschauen ließ. Und da ich dachte, wenn das die freie Wirtschaft ist, kann ich das auch. Also habe ich gekündigt und meine erste eigene Firma gegründet.

Hatten Sie Eigenkapital?

Nein, nur erste Kunden. Bis heute behalte ich mir eine gewisse Naivität – mit voller Absicht. Ich rate auch jedem: Gründe so jung wie möglich. Je mehr du die Risiken verstehst, desto mehr Angst hast du davor. Je mehr Du zu verlieren hast, desto schwieriger wird es. Du wirst dann nicht die mutigen Entscheidungen treffen, die für einen Unternehmer dazugehören. Auch meine aktuelle Firma habe ich nur gegründet, weil ich naiv war: Wir beschäftigen uns mit künstlicher Intelligenz, davon hatte ich vorher keine Ahnung. Sogar heute verstehe ich noch relativ wenig, dabei habe ich schon 30 Mitarbeiter. Die verstehen die Materie aber zum Glück. Im Nachhinein, jetzt, wo sich alles ein Bild ergibt, merke ich erst, wie verrückt ich war, zu glauben, dass das, was wir da machen, überhaupt geht. Naivität gehört eben dazu. Gerade wir Deutschen haben immer viel zu viel Angst zu scheitern.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Auch privat setzt sich der leidenschaftliche Golfer realistische Ziele / Foto: privat

Mut haben und machen. Vielleicht ist es auch ein Tick Wahnsinn, den ich habe. Wenn ich meiner Freundin sage, wie viel Geld ich in die Firma pumpen muss, um unsere Ziele zu erreichen, schlägtsie die Hände über dem Kopf zusammen. Dabei ist ja noch nichts sicher, ich hoffe nur, dass es funktioniert. Es ist wie beim Bungee-Jumping. Einfach Hopp und Sprung.

Verlangt es einer Frau viel ab, Ihre Partnerin zu sein?

Ich hatte immer nur Langzeitbeziehung. Die Frauen verstehen, wie ich bin. Ich verstehe aber auch umgekehrt, dass es nervt, wenn ich ständig am Handy rumtippe. Ich habe durchaus gute Eigenschaften, allerdings glaube ich, dass es trotzdem nicht einfach mit mir ist. Aber mit welchem Unternehmer ist es schon einfach…

Ist Erfolg ist eine Gemeinschaftsleistung?

Definitiv. Mein Erfolg hing auch immer mit der jeweiligen Frau an meiner Seite zusammen. Wenn ich ständig zu Hause Streitereien hätte, könnte ich mich nicht auf die Firma fokussieren. Ich weiß aber genau, dass man sich auf mich freut, wenn ich heimkomme. Das ist mir extrem wichtig.

 

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Seien Sie gespannt, welche spannende Persönlichkeit in den nächsten Tagen folgt! Alle anderen Interviews finden Sie hier.

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