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Eduard von Anhalt “Movie meets Media” im Hotel Adlon in Berlin Foto: BrauerPhotos / O.Walterscheid

Umgangsformen und Manieren

Wer an zwischenmenschliche Umgangsformen denkt muss sich nicht verkrampfen, sondern einfach nur das tun was er von anderen erwartet. Im Grunde haben Umgangsformen und Manieren vor allem mit Ästhetik zutun.

Im 18. Jahrhundert schrieb der aufgeklärte Schriftsteller Adolph von Knigge „Über den Umgang mit Menschen“, wobei es ihm darum ging zu verhindern, dass junge aufstrebende Menschen aus unteren Schichten sich ihre Zukunft durch falsches Auftreten und schlechte Manieren verbauen. Von den fürstlichen Höfen mit ihren strengen Zeremoniellen, waren zu Knigges Zeiten, vor allem höfische Essmanieren in die Bürgerhäuser und Industriellenhaushalte geschwappt. Plötzlich gab es ein feines Menü mit mehreren Gängen. Auf dem Tisch mit einer Tischdecke lagen plötzlich links und rechts von einem Teller; Messer, Gabel und Löffel. Statt wie bisher nur mit einem Messer Brot und Fleisch zu zerteilen und in den Mund zu stopfte, war jetzt absolut verpönt mit den bloßen Fingern zu essen. Nun wurde gespeist und auch auf die Körperhaltung bei Tisch streng geachtet. Wer das nicht beherrschte gehörte nicht zu den besseren Kreisen und mit ihm konnte man sich nicht sehen lassen, da half es auch nicht, selbst wenn er nach der neusten Mode gekleidet war.

Auch heutzutage beginnt jede zwischenmenschliche Beziehung mit dem Moment des persönlichen Kennenlernens. Zum Beispiel möchte der zukünftige Arbeitgeber – auch wenn Zeugnisse und Beurteilungen noch so gut waren – sich von dem zukünftigen leitenden Angestellten ein eigenes Bild machen. Da steht man sich zum ersten Mal gegenüber, mustert sich und dann ist es am zukünftigen Chef, zuerst die Hand auszustrecken. Der mögliche zukünftige Arbeitgeber hat sich Zeit genommen, er lädt Sie in ein feines Restaurant in der Innenstadt ein. Die Limousine steht bereit, der Chauffeur öffnet seinem Boss die Tür zum rechten Sitz im Fond und sie öffnen die Tür auf der anderen Seite und setzen sich entspannt daneben. Schon beginnt sich ein lockeres Gespräch über aktuelle Neuigkeiten und Nebensächlichkeiten zu entwickeln.

Im Restaurant folgen sie ihm an den Tisch, sie warten bis sich ihr Gastgeber gesetzt hat und ihnen den Platz neben sich oder gegenüber angeboten hat. Jetzt kommt der schlimmste Fehler den ein aufstrebender Arbeitnehmer machen kann, er stützt seine Ellenbogen auf den Tisch und noch schlimmer, er legt den ganzen Unterarm zwischen sich und Teller und das auch noch während er isst. Zusätzlich spricht er auch noch mit vollem Mund. Das wäre das Ende seiner Karriere, zumindest bei einer Firma oder bei einem Konzern, bei dem es zukünftig auch um Verhandlungen auf höchster Ebene geht.

Nur Mut, Sie selber finden Ihre Manieren verbesserungswürdig und Sie sind ein Ästhet. Selbst an den Königshöfen geht es recht unterschiedlich zu. Das spanische Hofzeremoniell hatte immer den Ruf das strengste zu sein. Aber auch dort hat man sich auf die vielen bürgerlichen Tischgäste eingestellt. Allerdings erst wenn König und Königin sich hinsetzen, dürfen sich auch die Gäste setzen. Und eins muss man unbedingt beherzigen: beim Essen gehören die Hände nur bis zu den Handgelenken auf den Tisch und Gabel, Messer und Löffel bitte nur am Griff und nicht darunter anfassen.

Über die überraschenden lockeren Tischsitten beim Galadinner im Buckingham Palace, anlässlich seines Staatsbesuchs in England, soll sich sogar der amerikanische Präsident gewundert haben. Zum Hauptgang gab es gebratenes Perlhuhn und nachdem seine Tischdame die Queen, das Brustfleisch gegessen hatte, trennte sie die Extremitäten vom Gerippe, ergriff die Keule und begann diese entspannt abzunagen. Mr. Trump machte es ihr begeistert nach, doch statt auf die anschließende Fingerbowle zum Waschen der Finger zu warten, wischte dieser seine fettigen Finger an der Serviette ab. Gottseidank nur eine lässliche Sünde und absolut keine Staatsaffäre!
Eduard von Anhalt