Beiträge

©Myro Wulff Der „Bambi“-Preisträger Francis Fulton-Smith zählt seit den 90er-Jahren zu den meistbeschäftigten Schauspielern Deutschlands.

Der Tausendsassa

Den Berufswunsch „Schauspieler“ hatte Francis Fulton-Smith bereits im Kindesalter– auch wenn es eine Art Zweitbesetzung war. „Ursprünglich wollte ich Cowboy oder Indianer werden, da mich Western fasziniert haben. Als mein Vater mir mit fünf Jahren sagte, ,Das sind Menschen, die für Geld spielen‘, stand fest: Ich werde Schauspieler“, erinnert sich der gebürtige Münchner. Dieses Ziel verfolgte er getreu seiner Devise: „Gib immer zwei Millimeter mehr als alle anderen“. Das sollte sich auszahlen: Für seine glänzende Verkörperung des legendären ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß 2014 in dem Politthriller „Die Spiegel-Affäre“ bekam er u.a. den „Bambi“ und den „Deutschen Schauspielerpreis“ verliehen. Die Hingabe für seinen Beruf unterstreicht die Tatsache, dass Fulton-Smith als Vorbereitung für die Rolle unter ärztlicher Aufsicht 20 Kilo zugenommen hatte. „Ich stelle mich mit eiserner Disziplin ganz in den Dienst der Figuren, die ich verkörpere. Ich werfe den schützenden Brudermantel um sie und verteidige ihr Sein“, nennt Fulton-Smith eines seiner Erfolgsgeheimnisse.

Zunächst stand für den Sohn einer deutschen Fremdsprachenkorrespondentin und eines britischen Jazzmusikers aber das Abitur an. Anschließend verfolgte er konsequent seinen Berufswunsch und absolvierte an der Otto Falckenberg Schule in München seine Ausbildung zum Schauspieler. Die Zeit an der Fachakademie zählt der 53-Jährige rückblickend zu seinen wichtigsten Karriereschritten – neben den Engagements am Staatstheater Braunschweig und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. 2009 wurde Fulton-Smith von den Leserinnen der Zeitschrift „Das Neue Blatt“ für seine Rolle als Dr. Christian Kleist in der Serie „Familie Dr. Kleist“ (ARD) als „Mein Star des Jahres“ gekürt. „Meine Fähigkeit, mich in unterschiedlichste Menschen hineinzuversetzen, genau hinzusehen und hinzuhören, verleiht mir die Kraft und Konzentration für die nötige, authentische Natürlichkeit meines Spiels. Dabei nehme ich mich selbst nicht so wichtig.“

So unterschiedlich wie seine Rollen sind auch die Vorbilder von Francis Fulton-Smith: „Wenn es um den Erfolg geht, sind es Clint Eastwood und Warren Buffett.“ Der Regisseur und Schauspieler Eastwood und der Großunternehmer Buffett werden von drei weiteren Vorbildern komplettiert: „In puncto Menschlichkeit und Anmut bewundere ich Mahatma Ghandi – und auch meine beiden Töchter. Die Klarheit, mit der sie jedes noch so kleine Detail aufnehmen und die Welt entdecken, ist beeindruckend und für mich die pure Inspiration.“

Seine Kreativität nutzt Fulton-Smith nicht nur in seinem Erstberuf: Der Tausendsassa veröffentlichte 2017 sein erstes Sachbuch „Loving se Germans“, in dem der Halbbrite die Unterschiede zwischen Deutschen und Engländern beschreibt. Große Bedeutung haben für ihn auch seine Ausstellungen als Maler. Anfang Dezember 2019 beispielweise in der Galerie Walentowski in Hamburg. Das Hobby übt gleichermaßen Faszination wie auch meditative Wirkung aus.

Abseits der Künste ist er an der Firma IGESOLUTIONS Ltd. beteiligt, die ein Verfahren entwickelt hat, ohne toxische Emissionen und rückstandsfrei nicht-recycelbaren Plastikrestmüll in großen Mengen in Dieselkraftstoff umzuwandeln. Fulton-Smith engagiert sich aber nicht nur für die Umwelt: „Für mein Lebensglück bin ich sehr, sehr dankbar. Deswegen ist es mir ein Herzensanliegen, etwas davon zurückzugeben, um Gutes zu tun und andere Menschen und Projekte zu fördern und zu unterstützen“. Besonders wichtig seien ihm die Initiative „Besonderhaut“ für Kinder mit seltenen Hautkrankheiten von Dr. Nicole Inselkammer und die Deutsche Stiftung Kinderdermatologie.

Wie ist das alles mit dem Privatleben vereinbar? „Ich nutze meine Zeit optimal. Deshalb befinde ich mich immer in ,Einsteinzeit‘: Ich bin immer da, wo ich bin und wo ich bin, ist es immer richtig“, beschreibt Fulton-Smith seine Philosophie. Die Familie und er selbst sind ihm dabei heilig: „Ich nehme mir immer Zeit für meine Kinder und ich habe feste Zeiten pro Woche eingeplant, die ich ,Me-Time‘ nenne.“

Was würde Francis rückblickend seinem jüngeren Ich raten? Eine ganze Menge: „Folge deinem Herzen und halte deine Versprechen. Greife immer nach den Sternen. Sei dankbar, hilfsbereit, gütig und geduldig. Genieße das Leben und die Schönheit des Augenblicks.“ Etwas ändern würde er indes nicht: „Im Moment der Entscheidung formen wir unser Schicksal. An jeder Entscheidung reift man, lernt ständig dazu und wird so genau zu der Person, die man heute ist.“

Apropos Moment: Fulton-Smith freut sich sehr über seine ersten Erfolge als Produzent, wie kürzlich mit dem „Athen-Krimi“ oder dem Thriller „Totenfieber“ in der ARD. „Hier sind schon weitere spannende Projekte in Planung.“ Der Einzelkönner ist auch Mannschaftsspieler: „Ich habe ein Team von Spitzenkräften um mich herum, die es mir ermöglichen, meine Ressourcen optimal zu nutzen. Nicht der Kunde ist König, sondern das Team.“ Die Buchstaben T, E, A und M stünden für ihn dabei für „Together everyone achieves more – gemeinsam erreicht jeder mehr“.

Von Robert Torunsky