Schlagwortarchiv für: Geschäftsführer

Mark Gregg ist Geschäftsführer der BONAGO Incentive Marketing Group GmbH. / Foto: BONAGO

Erfolgreiche Mitarbeiterbindung durch Flexibilität und Individualisierung

Die Coronapandemie hat sämtliche Branchen in den letzten 1 ½ Jahren herausgefordert.
Herr Gregg, wie hat BONAGO diese Zeit erfolgreich überstanden?

Wir hatten das Glück, dass unsere Branche nur wenig von der Krise betroffen war. Unsere Kunden haben ihre Mitarbeiter weiterhin unterstützt, wo es ging. Das finde ich bemerkenswert. Ich muss aber auch sagen, dass wir nicht untätig waren. Wir haben letztes Jahr als eines der ersten Unternehmen Coronatests für Mitarbeiter angeboten und haben dieses Jahr das erfolgreiche Multi Flex-Ben Portal für Mitarbeiter weiterentwickelt und um neue attraktive Benefits erweitert. Das Erfolgsrezept war also, dass wir neue Chancen ergriffen haben, ohne unser Stammgeschäft zu vernachlässigen.

Sie sprechen von Flexibilität. Wie wichtig ist das in der heutigen Zeit?

Unser Beispiel zeigt, wie wichtig Flexibilität in der heutigen Zeit ist. Man muss auf unterschiedliche Einflüsse von außen reagieren und dabei stets die Sicherheit gewährleisten. Das gilt nicht nur für die Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden, sondern auch für die zu den eigenen Mitarbeitern. Jeder Mitarbeiter hat individuelle Bedürfnisse. Um die Mitarbeiter zu fördern und vor allem zu halten müssen Unternehmen auf die individuellen Wünsche eingehen können. Beispielsweise freuen sich alle über die 50€ Sachbezug. Eine Kollegin möchte jedoch ein neues E-Auto über den Arbeitgeber leasen und der andere Kollege benötigt den Kindergartenzuschuss. Die Personalabteilung im Mittelstand kann diese Individualität gar nicht leisten. Deshalb haben wir das Multi Flex-Ben Portal mit 25 Benefits entwickelt, in dem jeder Mitarbeiter seine Benefits selbst zusammenstellen kann.

Welche Rolle spielt für Sie das Gesundheitsmanagement bei der Mitarbeiterbindung?

Die Gesundheit steht bei der Mitarbeiterbindung an oberster Stelle. Das haben spätestens jetzt alle verstanden. Neben der körperlichen Gesundheit, vergessen viele aber immer noch die psychische Gesundheit. Unternehmen wollen aber langfristig von der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter profitieren. Das eine funktioniert nicht ohne das andere. Ein gutes Beispiel hierfür ist die PGB (Psychische Gefährdungsbeurteilung). Obwohl die Analyse verpflichtend ist und sogar hohe Bußgelder drohen, führen mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen diese nicht regelmäßig durch. Infolgedessen haben wir uns dazu entschieden, jedem Kunden mit Full Service im Portal die PGB für 3 Jahre zu schenken. Das ist unser Beitrag zur Mitarbeitergesundheit.

 

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„Die beste Motivation ist Emotion“

Er möchte kommende Generationen für das Thema Wirtschaft und Finanzen interessieren: Manuel Heyden. / Foto: nextmarkets

Für Finanzen und die Börse begeistert sich Manuel Heyden schon seit seiner Jugend, 2014 gründete er mit seinem Bruder Dominic den Online-Broker nextmarkets.com. Die gemeinsame Leidenschaft ist ein Grundpfeiler ihres Erfolgs

Haben Sie ein Vorbild?
Ja, Bill Gates. Zum einen, weil er mit Microsoft eine unglaubliche Gründungsleistung erbracht hat, die bis heute die Welt bestimmt. Zum anderen, weil er an seinen Zielen festgehalten hat, auch wenn er damit nicht den Konventionen entsprach. Ich denke zum Beispiel daran, dass er bereits mit 14 Jahren mit Traf-O-Data sein erstes Start-Up mit einem System zur Messung von Verkehrsströmen gründete. Auch, dass er sein Harvard-Studium abgebrochen hat, um seine Gründungsidee voranzubringen, zeugt von großer Überzeugung und großem Willen, an dem ich mir ein Beispiel nehme.

Was waren bisher die wichtigsten Schritte in Ihrer eigenen Karriere?
In meiner Gymnasialzeit begann ich mich für Finanzen und die Börse zu interessieren. Im Unterricht kamen diese Themen zwar so gut wie nicht vor, aber der Geist der New Economy erfasste mich trotzdem. Um meine ersten Ideen umzusetzen, gründete ich deshalb mit 19 mein erstes Start-Up für Online-Marketing. Die ersten Erfahrungen in der Selbstständigkeit waren für mich Gold wert. Genauso wie die zwei Jahre bei der ABN AMRO Bank, bei der ich in Frankfurt und London einen Online-Broker mit aufbaute. Mit diesem Background gründete ich 2014 das FinTech nextmarkets mit meinem Bruder Dominic, der als Ingenieur den Grundstein für die Technologie gelegt hat. Die Vision, den aktienbasierten Vermögensaufbau für eine breitere Bevölkerung zugänglich zu machen, treibt uns bis heute an.

Manuel Heyden (r.) gemeinsam mit Bruder Dominic (l.). Die Geschwister mischen mit „nextmarkets” die Trading-Branche auf. / Foto: nextmarkets

Wie schaffen Sie es dabei, sich selbst immer wieder neu zu motivieren?
Die beste Motivation ist Emotion. Meine persönliche Leidenschaft für FinTech-Innovation bringt mich dazu, immer weiter an der Verbesserung von nextmarkets zu arbeiten. Im Zusammenspiel von Finanzen und Technologie steckt viel Synergiepotential, was darauf wartet, entdeckt zu werden. Hinzu kommt, dass ich mit meinem Handeln etwas bewirken möchte, das über den persönlichen Nutzen hinausgeht und der Gemeinschaft insgesamt Vorteile bringt.

Welche Ziele setzen Sie sich für die Zukunft?
Mit Nextmarkets haben wir wichtige Zwischenziele erreicht. Dazu zählt, dass die Plattform weiter stark wächst und 2020 über eine Million Trades abgewickelt hat. Für die Zukunft steht die Expansion unseres Unternehmens in sechs weiteren europäischen Märkten an, wofür wir insgesamt 30 Millionen Euro an Investorengeldern sammeln konnten. Außerdem möchte ich eine Stiftung ins Leben rufen, die vor allem jungen Menschen das Thema „Finanzen“ näher bringt. Vieles von dem, was auf der Welt geschieht, hat wirtschaftliche Hintergründe, auch der Klimawandel. Daher ist es eine wichtige Aufgabe, kommende Generation für das Thema Wirtschaft und Finanzen zu interessieren.

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„Man kann nicht immer und überall Vollgas geben“

Karsten Schramm ist Erfinder des E-Mail-Dienstes GMX und Mitgründer der sicheren und vertraulichen Kommunikationsplattform ginlo. Das Projekt baut er seit 2020 auf und gründete die ginlo.net GmbH. / Foto: privat

Er ist der Mann, der an seinen Rechner einen der berühmtesten Internet-Dienste unseres Landes programmierte: Karsten Schramm gründete 1997 GMX – und läutete so ein neues Kommunikationszeitalter ein. Jetzt will ausgerechnet er E-Mails überflüssig machen…

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Wenn mir etwas gelingt, von dem ich persönlich überzeugt bin – erst recht, wenn Kritiker der Sache keine Chance gaben.

Wie startet man ein Unternehmen wie GMX?
Man muss es einfach tun. Ich habe nicht lange geprüft, ob ich mir da zu viel vornehme, sondern meinen Rechner angeworfen und den Dienst programmiert. Mein Vorteil war, dass ich bereits Miteigentümer einer Münchner Internet-Firma war. Somit stand mir die notwendige Infrastruktur zur Verfügung.

Wie sind Sie auf die Idee zu GMX gekommen? Damals war das Internet ja tatsächlich noch „Neuland“…
Ich habe den Bedarf für einen Dienst gesehen, der E-Mail-Nutzer unabhängig von ihren Internet-Anbietern macht. Mich hat gestört, dass die großen Provider ihre Kunden damals quasi in Geiselhaft nahmen. Man konnte seine E-Mail-Konten oft nur kostenpflichtig über deren teure Einwahlpunkte nutzen.

Was hat für Sie den Reiz ausgemacht?
Das war ein klassisches Underdog-Projekt, das es auf einmal mit den ganz Großen aufgenommen hat. Die Nähe zu den Nutzern war klasse. Das extrem starke Wachstum des Projekts war eine große Herausforderung. Da hieß es jeden Tag powern -– teilweise bis zu 20 Stunden.

Ist Bauchgefühl ein entscheidender Faktor für Erfolg?
Zumindest ein wichtiger. Ist man bei einer Sache sehr engagiert und hat auch das notwendige Wissen, dann fühlt man oft instinktiv, ob eine Wahl die richtige ist.

Karsten Schramm gründete mit Eric Dolatre und Peter Köhnkow 1997 den E-Mail-Dienst GMX. 7 Foto: privat

Was war Ihre erste große Anschaffung, die Sie sich gegönnt haben, als GMX groß wurde?
Das kann ich Ihnen nicht einmal sicher sagen, weil es für mich nicht wichtig war. Später habe ich natürlich für meine Familie und mich ein Haus gebaut.

Wie schwer fiel Ihnen der Abschied von Ihrem Baby GMX?
Das war seinerzeit kurz nach dem Crash des Neuen Marktes. Ich war gerade auf Roadshow, als in England die erste Internet-Pleite die Börsen abstürzen ließ. Entsprechend musste der Börsengang von GMX abgesagt werden, was zu großer Verunsicherung bei unserem Ankerinvestor geführt hat. Es war eine schmerzliche Zeit. Ich sah meine Ziele das Unternehmen in der gegebenen Konstellation dann nicht mehr erreichbar.

Hatten Sie Angst vor dem „Danach“?
Nein. Ich habe die Zeit genutzt, erst einmal wieder aufzutanken und mich mehr um meine Familie zu kümmern. Die vorgegangenen Jahre waren schon ziemlich extrem.

Mit Brabbler wollten Sie eine sichere Alternative zu WhatsApp etablieren. Das hat leider nicht geklappt. Woran lag das?
Den Anspruch, WhatsApp oder einen der anderen großen Messenger in kurzer Zeit zu ersetzen, sollte kein Unternehmen haben – schon gar nicht mit dem Fokus auf Privatnutzer. Außerdem war ein Produkt geplant, das weit mehr sein wollte als nur ein Messenger. Brabbler hat sich zu viel vorgenommen.

Gehören Rückschläge zum Erfolg?
Rückschläge sorgen für Bodenhaftung und lassen einen das Nachdenken nicht verlernen. Sie sind Lektion, nicht Katastrophe.

Woran arbeiten Sie gerade?
Ich habe vor etwas über einem Jahr die ginlo.net GmbH gegründet, die das Dual-Messenger-Projekt ginlo entwickelt und vermarktet. Es handelt sich dabei um die Kombination von zwei Datenschutz-Verordnungs-konformen Hochsicherheits-Messengern – einer für den kommerziellen Einsatz und einer für Privatnutzer. Diese arbeiten reibungslos zusammen und haben das Potenzial, E-Mail bei der Kommunikation zwischen Organisationen und privaten Nutzern weitgehend zu ersetzen – selbst bei sensiblen Daten und inklusive Live-Audio-Video-Konferenzen. Die Anfänge dieses Projekts reichen bis 2011 zurück, dann wurde es ein Opfer der Insolvenz der Brabbler AG. Wir haben den Dienst in den vergangenen Monaten bereits stark ausgebaut und sind mit dem Schwerpunkt Business-Kunden auf einem guten Weg. Bei meiner Historie klingt das jetzt vielleicht seltsam, aber es ist an der Zeit, die Verwendung von E-Mail überflüssig zu machen. Der Komfort- und Sicherheitsgewinn wäre beachtlich….

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„Wenn ich die Grenzen nicht spüre, weiß ich, ich bin nicht weit genug gegangen“

CureVac co-founder Ingmar Hoerr / Der Pionier in der Entwicklung von RNA-Impfstoffen will vor allem eins: anderen Menschen helfen.

Seine Partner und Investoren heißen Dietmar Hopp, Bill Gates und Elon Musk. Angeblich wollte sich Donald Trump sogar den Impfstoff seines Biopharma-Unternehmen CureVac exklusiv sichern – doch Ingmar Hoerr bleibt cool. Der Biologe, der als Pionier in der Entwicklung von RNA-Impfstoffen gilt, die das entscheidende Werkzeug im Kampf gegen Corona sind, will nur eines – den Menschen helfen. Vor allem auch denen, die in wirtschaftlich unterprivilegierten Ländern leben.

Wie hat es ein kleiner Realschüler zum Gründer einer heute so erfolgreichen Firma gebracht?

Es war ein langer Weg. Aber steinige Wege zeichnen mich aus. Vielleicht hätte ich gar nicht gegründet, wenn ich mir nicht immer alles hätte erkämpfen müssen – gern abseits vom Mainstream. Der Rest meiner Kommilitonen ging zum Beispiel in die USA – und ich nach Indien. Ich habe mich irgendwie darin gesonnt, einsame Pfade zu nehmen, die andere nicht gegangen sind. Das zieht sich durch mein ganzes Leben.

Welchen Tipp haben Sie für junge Leute, die in Ihre Fußstapfen treten möchten?

Überlege es Dir genau: Gehe ich dahin, wo alle lang gehen – oder in Richtungen, die noch keiner gegangen ist? Suche das Pionierhafte. Wenn man es als junger Mensch erfolgreich schafft, sich durchzubeißen, gibt einem das unheimlichen Auftrieb, der einem hilft, in der Zukunft Probleme zu umschiffen oder zu lösen.

Sie wollten mit CureVac als Erstes einen Impfstoff gegen Tollwut entwickeln. Tollwut ist in Deutschland aber etwa so aktuell wie die Pest, kein Mensch sieht darin ein Investment, mit dem sich

Immer wollte der Technologie-Fan sein Unternehmen CureVac großmachen – und hat es geschafft. / Bild: privat

Geld verdienen lässt. Wie haben Sie sich also als Firma finanziert?

Das war schwierig. Wir waren bei allen Investoren, die man so kennt und ich hätte sie schütteln können: Kapiert doch endlich, was wir da machen. Aber die haben sich gar nicht darauf eingelassen. Wir haben uns dann entschieden, unternehmerisch zu handeln und unsere entwickelte RNA selbst an Labore und Unternehmen verkauft. Für uns war wichtig, keine komische Startup-Klitsche zu sein, sondern uns von Anfang an mit Kunden auseinanderzusetzen. Gleichzeitig konnten wir daraus lernen. Unser Hauptziel war es nicht, die Welt retten, sondern unsere Kunden zufriedenzustellen. Wir haben gedacht, unsere Stunde schlägt schon noch.

Wie viele Stunden haben Sie, Herr Hoerr am Tag gearbeitet? Sie hatten ein Unternehmen zu führen, Sie hatten Ihre Forschung und parallel dazu Meetings mit potenziellen Investoren…

Sehr viele. Der Spirit hatte mich total durchdrungen. Ich habe alles persönlich genommen. Wenn ich abgeblitzt bin bei Investoren, dann war das ein Anti-Ingmar-Hoerr-Ergebnis. Ich war CureVac. Auf der anderen Seite war mir irgendwann klar, dass ich delegieren muss. Ich habe mir einen DIN A 4-Zettel genommen, mich in die Mitte geschrieben und darum einen Stern gemacht. Was für Fähigkeiten brauche ich, die mich komplettieren? Mir war klar: Ich bin kein Finanztyp und kein Wissenschaftler. Ich bin Gründer. Die guten Leute, die die eigenen Schwächen kompensieren, damit man sich auf seine Stärken fokussieren kann, sind sicher einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Firma.

Gründungsfoto / Bild: privat

Wie bekommt man eigentlich einen Termin bei einem Investor wie Bill Gates?

Man fängt immer klein an und darf nicht zu versessen darauf sein, von heute auf Morgen mit Elan Musk, Bill Gates oder Dietmar Hopp zusammen zu kommen. Man muss Netzwerke gründen. Deswegen sage ich auch jedem Gründer: Geht ungerichtet auf Messen und Gründerkonferenzen und redet mit irgendwelchen Leuten. In einen Small Talk bei einer Konferenz zu kommen, halte ich für viel wertvoller, als vorne ans Pult zu gehen, wo Bill Gates spricht. Den wird man nicht kriegen, weil tausend Leute das Gleiche vorhaben, deshalb bleibt man besser am hintersten Tisch und guckt auf den, der neben einem sitzt. Diese Leute sind die Wichtigeren. Ich glaube, dass jeder von uns über höchstens fünf Kontakte Bill Gates kennt. Man sollte darauf vertrauen, dass das Glück einem begegnet, wenn man sich öffnet und locker bleibt.

Wie pflegen Sie Ihr Netzwerk, Herr Hoerr?

Man darf da nicht zu ungestüm sein. Die wichtigen Leute sind umgeben von Menschen, die unbedingt etwas wollen. Ich glaube, man muss sich um den Menschen an sich kümmern und darf dabei nicht immer eine Agenda im Hinterstübchen haben. Die Persönlichkeit muss sich erst öffnen – und dann entstehen freundschaftliche Verhältnisse, in denen man sich immer wieder sieht oder einen E-Mail-Austausch hat. Man muss sich den Luxus leisten, das Netzwerk zu pflegen. Und dann bekommt man auch seine Audienz bei Bill Gates.

In Ihrem Fall in einem Heizungskeller in Paris…

Das war schon ein bisschen merkwürdig. In unserem digitalen Zeitalter wollte er ein Print-Handout. Mit diesem Ausdruck sind wir dann in den Keller eines Hotels geführt worden. Wir dachten, da will uns jemand veraschen. Aber Bill Gates saß da – direkt im Heizungskeller an einem Tisch. Ich habe natürlich einen Pitch gemacht, aber er wollte den ganzen Einführungskram gar nicht wissen und ist sofort auf Seite 13 oder 14 gesprungen, direkt zu den Daten. Wir sind mühsam hinterhergehoppelt. Und die ganze Zeit hat er keine Mine verzogen. Wir haben erst Tage später erfahren, dass er mitmacht.

Sie wurden im März 2020 durch eine Hirnblutung in dem Moment aus dem Alltag gerissen, als der Startschuss für den Corona-Impfstoff ertönte: Wie hat es sich angefühlt, im großen

CureVac The RNA Printer® V2.0 Tübingen Die besondere Technologie macht den Impfstoff CureVac auch für ärmere Länder attraktiv. / Bild: CuraVac

Moment Ihrer Firma nicht dabei zu sein?

Ich hatte riesige Probleme mit mir selbst, deswegen habe ich das gar nicht so mitgekriegt. Mit hat erst im Juni gedämmert, was draußen los ist. Ich war im Delir und damit quasi in meinem eigenen Lockdown. CureVac konnte nicht auf mich warten. Ich war ein Schatten meiner selbst und hatte große Gedächtnisprobleme. So jemand kann keine Firma leiten.

Was hat Ihnen die Kraft gegeben, sich wieder ins Leben zurück zu kämpfen?

Ich habe immer gekämpft. Nur ging es dieses Mal nicht um irgendwelche Projekte, sondern um mich. Als ich noch nicht reden konnte, habe ich meine Frau lautlos angeschrien: „Ich muss was machen, ich muss kämpfen, das geht so nicht.“ Die Ärzte sagen, dass ich eine ganz geringe Chance zu überleben hatte, sie wundern sich wirklich, dass ich es geschafft habe. Aber ich habe meine ganze Energie darauf verwendet.

Ihre Prioritäten haben sich bestimmt verschoben, oder?

Nicht nur meine Prioritäten, sondern auch mein Lebensziel. Ich wollte immer CureVac groß machen und bin dabei fast draufgegangen. Mein Fokus liegt jetzt auf meiner Familie und mir. Wir holen nach, was wir jahrelang nicht gemacht haben. Ich war nie daheim, sondern auf der ganzen Welt unterwegs. Jetzt für meine sieben Jahre alten Zwillinge da zu sein, ist ein ganz wesentlicher Punkt. Ich freue mich, dass ich das noch rechtzeitig realisiert habe – und nicht erst, wenn meine Söhne in die Pubertät kommen und fragen: Wo war denn der Vater?

Viele Unternehmer denken, Work-Life-Balance ist eher ein Erfolgs-Verhinderer…

Es braucht immer die Grenzerfahrung. Wenn ich die Grenzen nicht spüre, dann weiß ich, ich bin noch nicht weit genug gegangen. Man muss dahin, wo es wehtut. Ich mache gerade Reha-Sport, da ist es genauso – sonst bringt es nichts….

 

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Frank S. Jorga – Co-CEO und Gründer WebID Solutions GmbH / Foto: WebID Solutions GmbH

Wenn du Gründergeist in dir hast, dann gründe

Er gründete mit seinem Bruder 1986 im jugendlichen Alter von 17 Jahren sein erstes Unternehmen, um die Digitalisierung in Deutschland voranzutreiben. Frank S. Jorga und sein Bruder Sven beschäftigten sich mit Videoanimation, benötigten für eine Sekunde Film fünf Stunden Rechnerzeit und waren damit damals technisch ziemlich weit vorn. Als ersten Kunden konnten sie immerhin Fielmann gewinnen.

Später lernte er im Silicon Valley, kehrte nach Deutschland zurück und entwickelte noch später die allseits bekannte Video-Identifikation, die heute bei der Online-Eröffnung von Bankkonten oder Online-Brokern wie Trade Republic zum Einsatz kommt. Als gebürtiger Lübecker ist Frank Jorga mit seiner Heimat im Norden verbunden und hat Standorte in Kiel, Hamburg und Berlin eröffnet. Sein Hochsicherheits-Video-Call-Center befindet sich in Solingen. Zuletzt gelang ihm der Einstieg vom Finanzinvestor AnaCap zur weltweiten Expansion. Frank S. Jorga führt seinen eigenen Podcast, in dem er mit Persönlichkeiten aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen zu aktuellen Streitthemen aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Technologie und Kultur in spannende Pro-Kontra-Diskussionen geht.

 

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere? Und warum?
Das Highlight meiner bisherigen Laufbahn war, als mir die Lösung zweier Probleme gelang, die mich beruflich schon lange beschäftigt hatten: Inmitten des beginnenden Online-Zeitalters musste man immer noch mit seinem Ausweisdokument persönlich erscheinen, wenn es um Identifikationen im hochsicheren Bereich ging. Und für eine rechtsgültige Unterschrift musste man einen Papiervertrag handschriftlich unterzeichnen. Diese „Offline-Einschränkungen“ wollte ich abbauen. Deshalb habe ich nach Feierabend, viele Nächte lang, aus technologischer und rechtlicher Sicht an einer Lösung gearbeitet. Eines Tages war es soweit. Ich hatte einen theoretischen Ansatz entwickelt, der meines Wissens weltweit ein Novum darstellte. Danach begannen die nächsten Schritte: Unternehmensgründung, Patentanmeldung und vieles mehr.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Meine Stärke ist mein breites Know-how, das ich bereits vor der Gründung meines Unternehmens im Rahmen von Studium und Beruf erworben habe. So bin ich nicht nur Volljurist und Betriebswirtschaftler, sondern habe auch Expertise in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Vertrieb. Alles zusammengenommen hat aus WebID ein erfolgreiches Unternehmen werden lassen. Ich war sicher nicht der erste, der die Idee hatte, Online-Identifikation anzubieten, oder elektronische Unterschriften für die breite Masse anbieten wollte. Aber dank meiner Kenntnisse entstanden tragfähige und rechtssichere Lösungen. Und es entwickelte sich ein Unternehmen, das profitabel arbeitet und ohne Investor groß geworden ist.

Was raten Sie einem (jungen) Menschen der Erfolg haben möchte?

Drei Dinge würde ich nennen:
1. Wenn du Gründergeist in dir hast, dann gründe.
2. Such dir Gründer, die zu dir passen. Eure Zielrichtung muss fachlich UND kulturell identisch sein.
3. Fokussiere dich nicht auf soziales Ansehen oder Geld, sondern darauf, was du mit Leidenschaft machen möchtest.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
WebID steht für ein erfolgreiches Unternehmen „made in Germany“. Diese Erfolgsgeschichte möchte ich weiter ausbauen. Ich mag mein Heimatland und möchte deshalb dazu beitragen, dass

Die Brüder Sven Jorga (links), CTO von WebID, und Frank S. Jorga (rechts), CEO von WebID, gehörten zum Gründerteam von WebID.

Deutschland vorankommt und die Innovationen unseres Wirtschaftsstandorts international Verbreitung finden.
Dazu soll auch WebID beitragen. Zunächst ist es unser Ziel, WebID zum Unicorn zu machen, und danach zu einer globalen Marke.

An welchen Orten finden Sie neue Inspiration? Woraus schöpfen Sie Kraft bzw. was ist Ihr Ausgleich zur täglichen Arbeit?
Die Insel Hiddensee ist ein magischer Ort für mich. Dort habe ich viele Ideen entwickelt und es werden dort sicherlich auch noch weitere entstehen. Leider bin ich viel zu selten auf der Insel, wo es so entspannend ist. Niemand interessiert sich für Business, sondern nur dafür, wo es den nächsten Fisch gibt. Außerdem bin ich ein enthusiastischer Kinogänger und Film-Fan. Ich gehe durchaus auch alleine in die Spätvorstellung, um einen Film zu sehen. Filme ermöglichen es einem, andere Themen einzublenden.

Was ist ein Must-Have in ihrem Beruf?

Ganz klar: Leidenschaft für sein Business.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?

Ein starker Wille, Dinge neu zu denken und zu verändern, gepaart mit der Überzeugung, dass sich 99,9 % aller Herausforderungen meistern lassen. Mit dieser Herangehensweise konnte ich einen Umstand verändern, der bis dato allgemein als unveränderbar galt: Die Notwendigkeit, sich persönlich mit einem Ausweis zu identifizieren und Verträge handschriftlich zu unterzeichnen. All das ist heute nicht mehr notwendig. Die Menschen müssen nicht mehr durch die Gegend laufen, um ihre Identität nachzuweisen. Außerdem sparen wir tonnenweise Papier.

Was, glauben Sie, ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Wer Erfolg haben möchte, braucht eine ganz klare Struktur. Außerdem ist ein starker Um- und Durchsetzungswillen notwendig. Dazu kommt eine Vision, Leidenschaft und ein Quäntchen Glück.

Was macht in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Zunächst muss dir klar sein: Du hast schon verloren, wenn du versuchst, der beliebteste Mensch im Unternehmen zu sein. Außerdem sollte eine gute Führungskraft keine übermäßige Kontrolle ausüben. Das gängelt die Mitarbeiter und erstickt die Motivation. Wichtig ist außerdem die Fähigkeit, passende Mitarbeiter für das Unternehmen auszuwählen und Talente zu fördern. Nicht zuletzt sollten moderne Führungskräfte in der Lage sein, Verantwortung abzugeben und Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen.

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Die eigene Leidenschaft als Motor nutzen

Schon als Kind wollte er Menschen helfen und genau das tut er jetzt. Seit 2013 führen Sebastian Bär und sein Bruder Christof Bär das Familienschuhunternehmen BÄR GmbH, das der Vater 1982 gegründet hat. Er ist hauptverantwortlich für die erfolgreiche Zweitmarke Joe Nimble.
Sebastian Bär selbst ist Marathonläufer und erlitt einen Ermüdungsbruch im Vorfuß und besuchte viele Ärzte. Nichts brachte etwas bis er bei einer Internetrecherche auf Lee Saxby stieß. Mit Unterstützung des weltweit renommierten Lauftechnik-Trainers und Experten für natürliche Bewegungsabläufe und Biomechanik kam Bär wieder auf die Beine. Aus diesem Erlebnis entstand die Idee für die neue Marke Joe Nimble – nach dem englischen Adjektiv „nimble“ für beweglich und aktiv. Seit rund zehn Jahren verfolgt Firmengründer Sebastian Bär dabei eine Mission: Läufer sollen ihren Sport dauerhaft schmerzfrei ausüben können.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, ambitionierte Ziele zu erreichen und damit die bisherigen Grenzen des Machbaren zu verschieben. Auch Scheitern kann Erfolg bedeuten, nämlich dann, wenn ich aus der neuen Situation etwas für das zukünftige Vorgehen lerne. Das Schönste am Erfolg: Er vergrößert sich, wenn man ihn teilt. Zum Beispiel im Team: Bei „Joe Nimble“ feiern wir fast täglich kleine Erfolge: Wenn wir positives Feedback direkt von Kunden persönlich an uns gerichtet bekommen oder uns über den Fortschritt spannender Projekte gemeinsam freuen.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Zur Aufbesserung meines Taschengeldes habe ich immer wieder an den Wochenenden auf Verbrauchermessen Schuhe verkauft. Das war ein Knochenjob. Faszinierend und für mich prägend war, immer wieder von Kunden – teilweise sehr emotional – danach zu hören, dass sie aufgrund unserer Schuhe endlich wieder laufen konnten oder keine Schmerzen mehr hatten. Da dachte ich mir: „Das ist grandios, das will ich der ganzen Welt zugänglich machen!“.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Der prägendste Karriereschritt war, als mir die Verantwortung der BÄR-Tochtergesellschaft in Japan übertragen und ich vor Ort eingesetzt wurde. Das war schon mehr als ein Sprung ins kalte Wasser. Durch diese Verantwortung und die vielen Herausforderungen habe ich jedoch viel Nützliches gelernt. Das Business vor Ort war unglaublich hart und die Kultur kam mir fast vor, als sei ich auf einem anderen Planeten gelandet. Sich bemühen und auf die Menschen einlassen, die Sprache zu lernen, um den lokalen Blickwinkel auf das Geschäft besser zu verstehen, hat mir schließlich Türen geöffnet. Demut und Höflichkeit sind sehr präsente Eigenschaften der japanischen Gesellschaft, die ich sehr bewundere.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Als ich den ersten Prototypen des von mir entwickelten Laufschuhkonzeptes aus der Sohlenmontage genommen und ausgeleistet habe und das Ergebnis deutlich besser war, als ich es mir zu diesem Zeitpunkt erhoffen durfte, da war das fast wie die Freude über ein neugeborenes Baby.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Für mich gehören zum Erfolg Disziplin, Durchhaltevermögen und ein unbedingter Wille, etwas Großes zu schaffen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriereweg und wie haben Sie diese überwunden?
Ja, deutlich mehr als ich mir wünsche…Aber auch das gehört zum Erfolg dazu. Ich habe daher gelernt, diese zu relativieren und mir zu sagen: „Morgen, nächste Woche, nächsten Monat sieht es schon ganz anders aus.“ Das hat sich immer bewahrheitet.

Was war die größte Schwierigkeit, die Sie auf Ihrem Weg zum Erfolg überwinden mussten?
Es hat mich aus familiären und wirtschaftlichen Gründen unglaublich viel Mut gekostet, unserem Beirat den Vorschlag zu machen, dass ich die Marke Joe Nimble“ völlig neu ausrichten möchte, räumlich getrennt und mit einem komplett neuen Team. Ich bin dann als One-Man-Show in einen Co-Working Space gezogen und hab mich am ersten Tag gefragt, was in aller Welt ich hier eigentlich tue… In vielen Bereichen fehlte mir Unterstützung – ich musste operativ neu anfangen und in vielen Bereichen schnell dazu lernen, da vieles bis dahin außerhalb meiner Verantwortung gelegen hatte.

Was raten Sie einem (jungen) Menschen, der Erfolg haben möchte?
Niemals den Mut verlieren. Die eigene Leidenschaft, das was einen antreibt, ernst nehmen und als Motor nutzen.

Wobei haben Sie außerdem gerne Erfolg?
Ich möchte gern ein guter Vater und Ehemann sein. Hierbei stelle ich mir jedoch immer wieder die Frage, wie man im familiären Bereich den Erfolg eigentlich misst – schließlich ist die Definition so individuell wie die Menschen. Da ich in meiner Freizeit sehr gerne laufe, habe ich bei Marathons und Trail-Läufen gerne Erfolg – die Ziele sind dabei immer je nach Situation unterschiedlich: Mal ist es eine Position im Lauf und mal eine zeitliche Verbesserung. Im Ziel ist das Erreichte dann immer eine unheimliche Befriedigung für den Aufwand die Monate davor.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Tatsächlich schöpfe ich die meiste Energie daraus, wenn Kunden uns schildern, wie unsere Schuhe ihr Leben, ihren Sport oder ihre körperlichen Leiden verbessert haben. Das ist meine größte Freude und Motivation, jeden Tag.

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?
Ganz ehrlich: Ich denke 24/7/365 an Schuhe. Ich träume sogar nachts davon. Ob das gut ist, weiß ich nicht. Meine Familie ist sich dessen bewusst und akzeptiert es, was eine unglaubliche Unterstützung ist. Dennoch habe ich oft Gewissensbisse. Meine Trainingsläufe lege ich daher in die ganz frühen Morgenstunden, oft bei tiefer Dunkelheit, um nicht noch mehr Zeit vom Familienleben abzuziehen.

 

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?
Mein Vater, der Unternehmensgründer unserer Muttergesellschaft „BÄR Schuhe“, ist mir eine große Stütze. Das konnte ich jedoch vor allem in den ersten Jahren nicht immer so annehmen. Erst rückblickend erkenne ich, dass er wirklich immer (!) das Beste für uns wollte und nach diesen Maximen gehandelt hat.

 

 

 

In welchen Orten finden Sie neue Inspiration?
Beim Laufen! Wenn ich Probleme nicht lösen kann, wenn die Last zu groß wird, wenn der Kopf nicht mehr kann, dann gehe ich laufen. Das hilft immer!

Was ist für Sie Luxus?
Einen Tag mit meinen Kindern und meiner Frau in der Natur beim Wandern zu verbringen ist für mich das größte Glück.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Nein, absolut gar nichts. Denn alles, was ich erlebt habe – im Guten wie im Schlechten, hat mich zu dem gemacht, was ich bin und dorthin geführt, wo ich stehe.

Was ist heute Ihr Antrieb jeden Tag weiter zu machen, nachdem Sie nun erfolgreich sind?
Die Welt und die Herausforderungen im Business verändern sich so rasant, dass das Erreichte schnell überholt sein kann. Ich hätte mir vor fünf Jahren nicht vorstellen können, welch eine Vielzahl an Produkten wir heute erfolgreich vertreiben – und ich bin heute schon gespannt, wie das in weiteren fünf Jahren aussehen wird.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?
The harder you work, the luckier you get.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Mut, Leidenschaft und Disziplin – zu jeweils gleichen Teilen.

Welche Ziele in puncto Erfolg setzen Sie sich für die Zukunft?
Ich möchte in meinem Handeln demütig bleiben.

Weitere Informationen zu den Schuhen finden Sie unter www.joe-nimble.com

Dr. Dejan Hušman hat mit seinem Start-up denovoMATRIX Großes vor. Foto: © Oliver Killi

Stammzellen für alle!

Noch ist denovoMATRIX eine kleine Firma mit fünf Mitarbeitern, aber Geschäftsführer Dr. Dejan Hušman hat große Pläne: Der 31-Jährige will mit seinem Start-up dabei helfen, Stammzellen im großen Stil zu züchten. Damit könnte sein Unternehmen sehr viele Leben retten.

Was genau – für Laien erklärt – machen Sie bei denovoMATRIX?
Wir haben eine Technologie entwickelt, mit der sich Stammzellen viel leichter züchten lassen. Therapien, die mittels dieser Zellen beispielsweise Blut-, Haut- oder Augenkrankheiten heilen, sind ein Trend in der Medizin. Sie ersetzen immer häufiger klassische Medikamente. Wissenschaftler arbeiten auch daran, Organe aus Stammzellen zu drucken. Allerdings war es bisher schwierig, sie massenhaft in hoher Qualität zu züchten. Das Problem konnten wir lösen: Wir haben eine chemische Beschichtung für Laborbehältnisse entwickelt, die die Bedingungen nachbildet, in denen die Zellen im Körper wachsen.

Gab es Rückschläge?
Ja – als wir neue Teammitglieder an Bord geholt haben. An den Punkt zu kommen, dass wir zusammen gut funktionieren, hat uns Monate gekostet – viel länger als gedacht. Es dauert, bis man lernt, seine Aufgaben im Start-up selbst zu definieren, da potenziell viele Wege zum Ziel führen.

Werden Sie ab und zu von Existenzsorgen geplagt?
Unser Glück ist, dass wir denovoMATRIX in Deutschland gegründet haben und nicht in einem Land, in dem Investoren nichts davon halten, wenn sich die Gründer ein angemessenes Gehalt zahlen. Trotzdem mussten wir durch die Coronakrise den Gürtel enger schnallen und Opfer bringen, die unser Team und die Familien der Gründer mittragen mussten. Es ist toll, wie sehr uns alle unterstützen. Ich würde behaupten, wenn es zu Hause nicht passt, kann man nicht erfolgreich sein. Egal, was man beruflich macht.

Sie sind gerade Papa geworden: Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Jaja, die Work-Life-Balance… Ich muss zugeben, dass ich sehr auf meine Arbeit fokussiert bin. Meine Freundin versteht das zwar, aber ich will bewusst versuchen, jetzt auch der Familie mehr Raum zu geben.

Warum lohnt es sich, in denovoMATRIX zu investieren?
Wir haben uns in einer Marktnische positioniert, die bisher unbeachtet geblieben ist – dabei ist sie entscheidend für die Zukunft der Stammzellentherapie. Aus unserer Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, wann der Sektor vollkommen erforscht sein wird. Dann schlägt unsere Stunde: Wir bei denovoMATRIX haben den Markt verstanden und haben die richtigen Kontakte, deshalb glauben wir an unseren Erfolg.

Mit 16 Jahren gründete Josef Brunner sein erstes Unternehmen. © Josef Brunner privat

„Scheitern ist keine Option“

3.000 Mark haben Josef Brunners Eltern in ihren Sohn investiert – er wollte einen Computer zum Programmieren haben. Das Geld war knapp, aber der Junior wurde unterstützt. Daraufhin beendete Brunner die Schule und gründete mit 16 Jahren sein erstes Unternehmen. Über zwanzig Jahre später hat Brunner zig Unternehmen gegründet und gewinnbringend weiterverkauft. Das Investment seiner Eltern war gut angelegt. Doch was treibt einen 16-Jährigen dazu, schon so früh zu gründen?

„Mein Antrieb war der Schmerz. Meine Eltern waren selbstständige Bäcker und wurden damals von Backshops und Supermärkten wegdisrupiert. Daraus ist ein Schmerz entstanden, meine Eltern scheitern zu sehen“, sagt Brunner. Das war sein Antrieb, zu starten. Die Armut und der Schmerz sind tatsächlich etwas, das sich gerade Tech-Unternehmer teilen, wenn es ums Starten geht. „Das Ganze positiv kanalisiert, gibt einem die Energie, immer noch einen Schritt weiterzugehen und härter zu arbeiten“, erklärt Brunner.

Josef Brunner hatte schon sehr früh die Passion zum Programmieren entwickelt. Darum waren seine ersten beiden Unternehmen wohl auch auf IT-Sicherheit spezialisiert. „Das war damals ein Markt, den es noch gar nicht gab. Dementsprechend hatte ich keine Konkurrenz, konnte mich austoben und mein Hobby monetarisieren.“ Das war eine sehr glückliche Fügung für den Jungunternehmer, weil das Timing einfach passte. „Ich hatte wahnsinnig viel Glück.“

Mit 16 Jahren startete Brunner als Unternehmer. Dafür hat er seine Schullaufbahn frühzeitig beendet. „Mit 18 konnte ich meinen Eltern ein Haus kaufen. Das ist für mich immer noch das schönste, weil sie da heute noch drin wohnen und ich ihnen die 3.000 Mark verzinst zurückgeben konnte.“ Den Eltern ein Zuhause zu geben – nachdem sie ziemlich hart getroffen wurden.

Josef Brunner schwimmt auf der Erfolgswelle. Oberflächlich betrachtet. „Rückschläge gibt es jeden Tag“, sagt Brunner – und moniert zugleich, dass oft eine überromantisierte Start-up-Welt konstruiert werde. „Das ist total irreführend bei der Betrachtung der neuen Unternehmergeneration.“ Für ihn sei es schön, dass sich viele junge Leute für die Selbstständigkeit entscheiden würden, aber nachdem medial immer nur das Positive am Unternehmertum ausgebreitet werde, hätten seiner Meinung nach viele keine Vorstellung, worauf sie sich tatsächlich einlassen.

Darum ist Josef Brunner auch als Mentor aktiv und begleitet Menschen in die Selbstständigkeit. „Es gibt diesen “Make it or break it“-Moment im Unternehmertum. Da muss man entscheiden, ob das Ziel es einem wert ist, eine Bibliothek an Narben am Rücken zu sammeln.“ Brunner spricht von Rückschlägen, die einen verändern – auch charakterlich. Aber Rückschläge formen eben auch den Unternehmer. „Ich finde die gut, weil dadurch viel Energie freigesetzt wird. Aber man muss schon so ehrlich sein, dass nicht alles Sonnenschein ist.“

Wenn die Sonne bei Brunner gerade nicht scheint, geht er in die Berge zum Krafttanken. Der Unternehmer wandert gerne, egal zu welcher Jahreszeit und nach Möglichkeit jedes Wochenende. „Je weniger Menschen unterwegs sind, desto besser.“ In den Bergen, bei langen Touren, findet er Inspiration und Erdung zugleich. „Wenn ich im Winter irgendwo in den Bergen bin, dann merke ich, dass die Welt da draußen sehr, sehr hart ist. Das rückt die Sachen wieder in die richtige Perspektive.“

Apropos Perspektive – die Weitsicht hat Brunner manchmal gefehlt. Darum hat er sich gerne an die Hand nehmen lassen. „Ich hatte drei wichtige Mentoren, die mich letztendlich dahin geführt haben, wo ich heute bin. Sonst hätte es vielleicht auch ganz anders ausgehen können.“ Tom Noonan habe ihm den Schubs gegeben, sich mehr Marketing und Vertriebs-Know-how anzueignen, und ihm gezeigt, wie wichtig Firmenkultur und ein Wertesystem sind. John Chambers habe seinen Fokus auf Markttransformationen gelegt.
Von Renate Kerscher

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen!

ai Figge (l.) und Andreas Lüning (r.) entwickelten vor 35 Jahren die erste kommerzielle Antivirensoftware der Welt – sie teilen sich heute den Vorstand von G DATA. Foto: G Data

35 Jahre IT-Sicherheit made in Bochum

In einer Gartenlaube entwickelten Andreas Lüning und Kai Figge vor 35 Jahren die erste kommerzielle Antivirensoftware der Welt entwickelt und das Unternehmen G Data auf die Beine gestellt. Durch ständige Anpassung an eine sich rasant verändernde Branche spielen die beiden Freunde im Bereich der Cyber Security heute ganz vorne mit.

Alles begann mit einer 3,5-Zoll-Diskette und zwei Viren, die Andreas Lüning darauf fand. 1987 war das. Kurzerhand schrieb der damalige Student einen Code, um die Viren zu beseitigen und erzählte seinem späteren Geschäftspartner Kai Figge davon. Der wiederum erkannte das Potenzial von Lünings Werk. Fortan trafen sich die beiden in einer Bochumer Gartenlaube, um gemeinsam an einem Programm zu tüfteln. Kurz darauf der große Hit: Das AntiVirenKit, das erste kommerzielle Antivirenprogramm der Welt, war geboren. Seitdem schreibt das Duo aus dem Ruhrgebiet mit G Data seine Erfolgsgeschichte unaufhörlich fort, wenngleich das nicht immer einfach war, und ist heute Teil eines kompetenten Hotspots von IT-Sicherheitsfirmen am Standort Bochum.

„Uns stand das Wasser schon ein paar Mal bis zum Hals“, sagt Andreas Lüning. „Da muss man die Ruhe bewahren.“ Der Grund für manche Unwägbarkeit lag in der rasanten Entwicklung der IT-Branche. Der Erfolgszug von PC und Internet, von iPhone und Co, Lüning und Figge haben alles hautnah miterlebt und sich immer wieder anpassen müssen: In den 1990er-Jahren machten sie viel in Software. Mitte der 2000er beerdigten sie ihre langjährigen Erfolgsschlager PowerRoute, der sich seit der Massentauglichkeit von GPS-Navis überholt hatte, PowerInfo, Logox und DaViDeo. Dann konzentrierten sie sich wieder voll und ganz auf Cyber Security. Und seit 2015 bieten sie neben Antivirensoftware auch IT-Security-Dienstleistungen an. Aus der Gründung von 1987 ist mittlerweile G Data CyberDefense geworden, eine Aktiengesellschaft mit 500 Mitarbeitern, über den ganzen Globus verteilten Niederlassungen und jährlichen Umsätzen im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Den Vorstand teilen sich Figge und Lüning nach wie vor.

Mit dem Begriff Karriere kann Andreas Lüning trotzdem wenig anfangen. „Wann wird man denn erwachsen?“, fragt er lachend. „Mit 19 haben wir komische Programme an Leute verkauft, die diese unbedingt haben wollten. Irgendwann kamen Mitarbeiter dazu, irgendwann ist es eine GmbH geworden und irgendwann eine Aktiengesellschaft. Aber ich bin ja immer noch der Alte“, sagt er. Der Gedanke, dass ihn neue Mitarbeiter vielleicht nur als alten Mann kennen, der im obersten Stock sitzt und irgendwas mit C – also CEO, CTO oder CFO – vor dem Namen trägt, lasse ihn erschrecken.

Kai Figge bezeichnet die zurückliegenden 35 Jahre als dynamischen Prozess. Dennoch hat sich vieles verändert. „Die Welt ist gerade im IT-Bereich viel schneller und komplexer geworden, genau wie die Vertriebs- und Marketingorganisation“, sagt Figge. „Und auch die Mitarbeiterführung funktioniert heute nicht mehr so wie vor dreißig Jahren“, ergänzt sein Geschäftspartner Lüning. Ab einer gewissen Größe komme man nicht mehr umher, Verantwortung abzugeben und müsse das Unternehmen so aufstellen, dass es sich auch selbst organisieren könne. „Als Führungskraft muss man heute viel zuhören und intensiv auf die Menschen eingehen, um zu erkennen, wie sie untereinander agieren und kommunizieren“, sagt Lüning. Da wiederum hakt Figge ein. Man müsse sich die Dinge, die unbewusst laufen, bewusst machen und reflektieren, ist er sich sicher.

Die beiden G Data-Vorstände ergänzen sich perfekt. Das ist wohl auch ein Grund für den jahrzehntelangen Erfolg des gemeinsamen Projekts. Andreas Lüning ist der technisch orientiertere und verantwortet deshalb primär diesen Bereich, dazu das Marketing. Kai Figge kümmert sich um die Finanzen, das Personal, den Vertrieb und die Organisation. Gemeinsam haben sie aus ihrem Gartenlaubenprojekt eines der führenden Unternehmen für Sicherheitstechnologien gemacht. Heute ist G Data der einzige Hersteller von B2B-Sicherheitslösungen, der aus Deutschland kommt und ausschließlich in Deutschland eigene Forschung und Entwicklung betreibt. In Bochum entstehen, auch dank des einzigartigen Netzwerkes vor Ort, moderne Sicherheitslösungen, die auf künstlicher Intelligenz und Graphentechnologie basieren.

Da die G Data-Geschichte seit jeher auch eine Geschichte der Anpassung an einen sich rasant entwickelnden Markt ist, lässt sich die Zukunft schwer voraussagen. „Es ist schwierig, im IT-Bereich weiter als drei bis fünf Jahre nach vorne zu blicken. Das ist Glaskugellesen“, sagt Lüning. Bei einem ist sich Kai Figge aber sicher: „Wir sind in der Vergangenheit auf viele Züge aufgesprungen, die durch Innovationen dann relativ schnell wieder abgefahren waren. Deshalb haben wir uns irgendwann dazu entschieden, uns wieder voll auf Cyber Security zu fokussieren. Das Thema bleibt uns auf Lebenszeit und darüber hinaus erhalten.“
Von Jonas Raab

Oliver Holy fertigt und vertreibt mit ClassiCon GmbH hochwertige Designmöbel.© Henning Bock für ClassiCon

Was nicht passt, wird passend gemacht!

„Wenn es einem gutgeht, soll es anderen auch gutgehen“. Nach dieser Philosophie führt Oliver Holy auch ClassiCon. Oliver Holy ist Geschäftsführer und Alleininhaber der Münchener ClassiCon GmbH, mit der er klassische und zeitgenössische Designmöbel fertigt. Der älteste Entwurf in der Kollektion stammt aus dem Jahr 1908. Der 47-Jährige stammt aus einer Familie von Modeunternehmern; sein Vater und sein Onkel haben gemeinsam dem Metzinger Bekleidungshersteller Hugo Boss zu Weltruhm verholfen. Nach seinem Jura-Studium an der LMU in München beginnt er 1999 ein Trainee-Programm bei ClassiCon. Nachdem er sämtliche Firmenbereiche kennengelernt hat, wird Holy im Jahr 2001 Geschäftsführer und wenig später Alleininhaber.

Wie definieren Sie Erfolg?
Erfolg lässt sich für mich nicht nur am Umsatz und am Gewinn messen, sondern setzt sich aus verschiedenen Faktoren zusammen: Erfolg ist, auf das richtige Produkt oder den richtigen Designer zu setzen, Handwerker und Zulieferer fair zu behandeln und am Ende des Tages trotz allen kommerziellen Drucks noch mit sich selbst im Reinen zu sein.

Sie sind der Urenkel von Hugo Ferdinand Boss, dem Gründer der weltbekannten Modemarke Hugo Boss. Statt für Fashion haben Sie sich für zeitgenössisches Möbeldesign entschieden. Warum keine Bekleidung?
Ich liebe Mode über alles, habe mich aber von kleinauf mehr für Möbel, Design und Architektur interessiert. Ich habe mir schon als kleiner Junge überlegt, wie ich mein Kinderzimmer effektiver gestalten könnte; besonders im Hinblick auf meine Bedürfnisse als Rollstuhlfahrer. Dieser Gestaltungsdrang ist mit den Jahren immer stärker geworden.

Sie sitzen seit Ihrem 8. Lebensjahr im Rollstuhl. Inwieweit hat Sie dies während Ihrer beruflichen Karriere geprägt?
Ich kann gewisse Dinge viel schneller als andere akzeptieren und mich schneller auf neue Herausforderungen einstellen. Ich habe schon früh gelernt, nach Lösungen zu suchen und nicht aufzugeben. Man muss mit den Mitteln arbeiten, die einem zur Verfügung stehen und sollte versuchen, seine Zeit bestmöglich zu nutzen. Sicher habe ich durch den Rollstuhl eine andere Sicht auf die Welt und bin möglicherweise viel erkundungsfreudiger, als ich es vielleicht ohne ihn wäre.

Was würden Sie noch als Ihre persönlichen Stärken ansehen?
Gegenfrage: Was ist wichtiger – sich seiner Stärken oder seiner Schwächen bewusst zu sein? Meine Stärke ist sicherlich, dass ich gut mit Menschen umgehen kann und mit offenen Augen durch die Welt gehe. Außerdem kann ich meinem Bauchgefühl zu einhundert Prozent vertrauen, oftmals auch gegen den Rat aller anderen. Wenn ich von einer Sache überzeugt bin, führe ich sie zum Erfolg….
Von Thomas Clausen

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.

© Liqui Moly GmbH

Nicht schwätzen, sondern schaffen

Als Unternehmer mit ausgeprägter sozialer Ader ist Ernst Prost einem breiten Publikum bekannt geworden. Im Jahr 2011 war er der Firmenchef mit den meisten Talkshow-Auftritten. Dabei setzte er sich für Themen wie Mindestlohn, einen höheren Spitzensteuersatz oder die Einführung einer Vermögenssteuer ein. Mittlerweile macht sich der im Februar 1957 in Altötting geborene Prost zwar wieder rar in den Medien, an seinen Ansichten hat sich jedoch ebenso wenig geändert wie an seinem Elan. Auch nach dem Verkauf seiner Unternehmensanteile am Schmiermittelhersteller Liqui Moly und den Meguin Mineralölwerken wirkt er als Geschäftsführer beider Unternehmen. Seine Beschäftigten betrachtet er als „Mitunternehmer“.

Wer war oder ist Ihr Vorbild?
Mutter Teresa, weil sie sich für die Ärmsten der Armen eingesetzt hat.

Was war ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Die Tatsache, dass mich keine Bank und auch kein anderer Betrieb genommen hat. Deshalb bin ich Kfz-Mechaniker geworden.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Lehre mit Gesellenbrief, Verkaufsleiter, Marketingchef, Geschäftsführer, Unternehmer und jetzt wieder Geschäftsführer. Jeder Schritt hat Sinn gemacht und war der Vorläufer für den nächsten Schritt.

Was betrachten Sie als Highlight Ihrer Karriere?
Unternehmer sein zu dürfen, mich selbstständig gemacht zu haben, mit allem, was an Würde und Bürde dazugehört.

Apropos Bürde: Wie ist Ihr Unternehmerdasein mit dem Privatleben zu vereinbaren?
Ganz hervorragend. Mein Beruf ist mein Leben und mein Leben ist mein Beruf. Da gibt es nichts zu trennen, das ist eins. Dafür bin ich sehr dankbar.

Aber es gibt bestimmt einen Ausgleich zur täglichen Arbeit?
Ausgleich brauche ich nicht. Die Arbeit als solche ist meine Inspiration. Anregende Orte? Die Natur, die Dusche und das Klo. Dort entstehen Ideen.

Gab es einen materiellen Wunsch, der Sie am Anfang bis zum ersten großen Erfolg begleitet hat? Wenn ja, welchen und wann haben Sie ihn sich erfüllt?
Das war ein eigenes Motorrad, damit ich mir meine Freiheit erfahren kann. Mit 20 Jahren hat es geklappt.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Ich bin zäh, fleißig und liebe die Arbeit – und vor allem liebe ich die Menschen.

Gibt es Menschen, die Sie als eine Art Mentor auf Ihrem Weg unterstützt haben?
Drei Personen waren es: me, myself and I. Im Ernst: Ich habe wie ein Schwamm aufgesaugt, was immer es zu lernen gab, und davon profitiert. Viele gute Leute haben mich inspiriert und geleitet. Auch heute noch.

Was bedeutet Unglück für Sie?
Wenn ich zusehen muss, wie andere Menschen leiden, und nicht helfen kann.

Und was ist Ihre Definition von Glück und Luxus?
Glück ist für mich schon die Abwesenheit von Unglück. Luxus ist einfach nur, Zeit und Muße für den guten alten Müßiggang zu haben.

Gab es einen markanten Wendepunkt in Ihrer beruflichen Karriere?
Es gab einen Tag, an dem eine Firma, in der ich als Angestellter arbeitete, sehr viele Leute entlassen hat. Ich habe mir damals geschworen, dass ich – sofern ich jemals in eine Position gelange, in der ich dies verhindern kann – alles dafür tun werde, dass so etwas nicht passiert. Weil es für alle Beteiligten schrecklich war.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Erstens der blanke Ehrgeiz und zweitens, etwas zu leisten, womit anderen Menschen gedient ist.

Ist das Wohlergehen anderer also ein wichtiger roter Faden in Ihrem beruflichen Leben?
Ja, ich gönne allen, wirklich allen Menschen den Erfolg. Wir haben ja nicht zu viele Millionäre in Deutschland, sondern zu wenige. Umgekehrt haben wir zu viele Arme. Beruflicher Erfolg bedeutet immer, soziale Anerkennung zu erhalten, Geld zu verdienen und durch Steuern und Sozialversicherungsabgaben dem Gemeinwohl zu dienen. Je mehr erfolgreiche Menschen in einem Land wohnen und je mehr Millionäre es gibt, desto besser geht es allen. Deshalb müssen wir Leistung fördern und nicht den sozialen Neid schüren und Erfolg als etwas sehr, sehr Positives im Sinne von Sozialstaatlichkeit definieren.

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht der soziale Status beziehungsweise die Herkunft bei dem Wunsch, erfolgreich zu sein?
Naja, beim Wunsch weniger, aber bei den Möglichkeiten sehr wohl. Jeder will wohl nach oben, Erfolg haben und ein angenehmes Leben führen. Und logisch gelingt das Kindern aus wohlhabenden und bildungsaffinen Familien eher als Kindern, die in kritischen Verhältnissen aufwachsen. Hier muss der Staat mit einem umfassenden und weitreichenden Bildungssystem die Unterstützung geben, die Kinder brauchen, um einen erfolgreichen Lebensweg zu gehen.

Was betrachten Sie abgesehen davon als die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Weitsicht, Verständnis, Schaffenskraft und die Fähigkeit, etwas für andere Menschen zu tun. Man kann es auch Nächstenliebe nennen.

Spielt Sozialkompetenz also eine immer bedeutendere Rolle?
Wenn die Menschheit nicht am skrupellosen Egoismus zugrunde gehen will, dann sollten wir in der Disziplin soziales Engagement genauso wie beim Schutz unserer Umwelt gewaltig zulegen. Wir müssen generell besser aufpassen – auf die Natur, auf die Mitmenschen und auf unseren Planeten.

Was raten Sie mit Ihrer gesammelten Lebenserfahrung jungen Menschen, die erfolgreich werden wollen?
Jungen Menschen rate ich zweierlei: hart zu arbeiten, dadurch Verantwortung für andere zu übernehmen und zugleich das Leben zu genießen.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Weniger Fehler. Weniger Menschen verletzen. Noch mehr Gutes tun und noch mehr Motorrad fahren.

Nachdem Sie nun erfolgreich sind: Was ist heute Ihr Antrieb, jeden Tag weiterzumachen?
Die Freude am Schaffen, am Erschaffen. Meine Kreativität in Ergebnisse umsetzen zu können. Der Firma und den Menschen, die von dieser Firma abhängen, zu dienen. Dazu gehören meine Mitunternehmer genauso wie meine Kunden und Lieferanten. Und natürlich der Spaß an der Freude.

Glauben Sie, Erfolg zu haben ist heute einfacher als früher?
Klar ist es heute einfacher, Erfolg zu haben. Die letzten zwei Generationen sind doch schon in eine Erfolgsgeschichte hineingeboren worden. Wie hat denn Erfolg im Mittelalter oder noch vor 100 Jahren ausgesehen? Nicht verhungern, nicht erschlagen werden und nicht von der Obrigkeit niedergemacht werden. Unser Erfolg besteht aus Freiheit, Demokratie, der sozialen Marktwirtschaft, einem vernünftigen Bildungs- und Ausbildungssystem und dem Wahnsinnsgeschenk des Friedens. Daraus kann jeder etwas machen. Aber man muss es schon auch wollen und mit ganzer Kraft dafür arbeiten.

Können Sie abschließend Ihr Erfolgsgeheimnis in wenigen Worten zusammenfassen?
Nicht verbissen, aber zielgerichtet arbeiten. Verantwortung für andere übernehmen und zugleich das Leben genießen. Nicht stur sein, aber hartnäckig bleiben. Gründlich nachdenken, klug entscheiden und dann auch wirklich tatkräftig umsetzen, was zu tun ist. Nicht schwätzen, sondern schaffen!