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Der mehrfache Unternehmensgründer Dr. Stefan Kloth ist im norddeutschen Raum gut vernetzt. / Foto: osteolabs GmbH

Explosive Mischung

Dr. Stefan Kloth hat sowohl BWL als auch Physik studiert und ist damit in seiner Generation ein Exot. In seinen Firmen hält es ihn nie länger als 10 Jahre. Das nächste Projekt hat er schon im Blick: einen Sprengstofftest.
Was wollten Sie als Kind werden?

Zuerst Forscher, weil ich mit 13 an „Jugend forscht“ teilgenommen habe. Mit 16, 17 wollte ich Unternehmer werden, weil ich elektronische Bausätze verkaufen wollte. Dazu ist es aber nicht gekommen, weil es dafür keinerlei Unterstützung von meinen Eltern gab.

Trotzdem haben Sie diesen Wunsch nach dem Studium verwirklicht.

Ja, obwohl ich zu Beginn des Studiums noch keinen klaren Berufswunsch hatte. Ich wählte Physik, weil man damit so viel machen kann. Erst während des letzten Teils des Studiums fühlte ich, dass ich mich selbständig machten wollte. Nur womit? Darauf hatte ich noch keine Antwort.

Deswegen haben Sie sich zunächst doch für eine Beschäftigung als Arbeitnehmer entschieden.

Genau, als Vertriebsingenieur bei Philips in Hamburg. Mich hat damals schon mehr der Vertrieb als die Technik interessiert. Seit meinem Auslandsstudium in England wusste ich, dass ich nicht in einem Labor arbeiten wollte.

Mit 25 Jahren machten Sie sich dann selbstständig und gründeten den Kontaktlinsen-Versand „Lenscare“. Wie kommt man als Vertriebsingenieur bei Philips darauf, sich mit so einer Idee selbstständig zu machen?

Herr Dr. Kloth (r.) zusammen mit Herrn Prof. Dr. Anton Eisenhauer (l., Head of Research und Gründer von osteolabs GmbH) / Foto: osteolabs GmbH

 

Ich war Kontaktlinsenträger und fand diese kleinen Plastikschalen immer so teuer. Ein teures, aber kleines Produkt, das sich gut versenden lässt – das war für mich der ideale Einstieg in den Versandhandel. Das Wort „E-Commerce“ gab es damals noch nicht.

Im Jahr 2000 standen Sie mit „Lenscare“ kurz vor dem Börsengang, als die Blase am Neuen Markt platzte. Wie sehr traf Sie der Crash?

Wir hatten erhebliche Mittel und Energie für dieses Projekt verwendet. Dann kam eine lange Rezession und die Investoren hielten uns nicht mehr die Treue. Wir sind stattdessen auf Banken und Venture Capital Geber zugegangen. Aber das war natürlich eine ganz andere Bewertung, nämlich eine richtig miese. Das heißt, es war schon auch ein tiefer Rückschritt. Später habe ich das Unternehmen verkauft. Danach hatte ich Zeit und habe Betriebswirtschaft studiert und promoviert.

Dachten Sie damals daran aufzugeben?

Ja, mit Sicherheit.

Was war Ihre Motivation, trotzdem durchzuziehen?

Zunächst mal war „Lenscare“ meine einzige Einkommensquelle und ich war relativ jung, hatte also noch kein Vermögen aufgebaut. Außerdem waren da die ganzen Mitarbeiter. Hätte ich aufgegeben, hätte das ja auch sie betroffen. Da musste ich einfach weitermachen. Ich brauchte damals mit 31 Jahren ja auch nicht viel Geld. Es gab noch keine Familie zu finanzieren.

Prof.Eisenhauer & Minister_Buchholz_ & Dr.Kloth_Bueroeroeffnung2001

Gab es einen Mentor, der Sie am Anfang Ihrer Selbstständigkeit unterstützte?

Ja, den Direktor einer Großbank in Hamburg. Der sorgte dafür, dass es mit dem Kredit immer flutschte, wenn ich zu einem seiner Sachbearbeiter ging. Er war auch Kontaktlinsenträger und fand meine Idee gut. Ich musste für die Kredite natürlich trotzdem persönlich haften. Aber immerhin bekam ich überhaupt welche.

Was würden Sie Ihrem Jüngeren Ich aus heutiger Sicht raten?

Nicht so sehr auf Berater zu hören. Ich gewichte Stimmen heute anders und reflektiere mehr, was andere Menschen sagen. Damals habe ich vieles einfach geglaubt. Woher sollte ich es mit 31 Jahren auch besser wissen? Meine Eltern waren ja keine Unternehmer. Die hatten schon die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich bei Philips gekündigt hatte.

Was hat Sie trotz der Rückschläge zu einem erfolgreichen Unternehmer gemacht?

Der Glaube ans eigene Produkt ist ganz entscheidend. Und man muss sich mit den Details auskennen, auch wenn die Firma 20, 30, 40, 50 Mitarbeiter hat. Denn kein Mitarbeiter kann mir die Verantwortung gegenüber dem Finanzamt abnehmen. Sparsamkeit ist auch wichtig. Ich sitze an einem Schreibtisch von Ikea, den wir selbst aufgebaut haben. Ich brauche keine Innenarchitekten.

Sie betreiben mit osteolabs seit 2018 eine Firma, die sich auf Schnelltests für Zuhause zur Früherkennung von Osteoporose spezialisiert hat. Wie kommt man von Kontaktlinsen zu Knochenschwund?

Durch persönliche Kontakte und durch Zufall. Ich habe mir hier im norddeutschen Raum einen Namen gemacht als jemand, der sowohl technisch als auch betriebswirtschaftlich affin ist. Damit bin ich in meiner Generation ein Exot, denn zu meinen Studienzeiten war die Kombination von Physik und BWL nicht möglich. Ich bin also gut vernetzt. Deswegen werden mir Themen angetragen, die technisch interessant sind und ich prüfe dann, was sich ökonomisch daraus machen lässt. Beim OsteoTest, der online bestellt und per Post versandt wird, kommen mir meine Erfahrungen von LensCare natürlich sehr zugute.

Welche beruflichen Pläne haben Sie für die Zukunft?

Ich bleibe nirgends länger als zehn Jahre. Wenn irgendwann die Controller kommen, um aus 90 Prozent Effizienz 99 Prozent zu machen, bin ich weg. Das finde ich furchtbar langweilig.

Also, was kommt als nächstes?

OsteoTest / Foto: osteolabs GmbH

Ein Sprengstoffspurentest, den ich mit dem Institut für organische Chemie der Universität Kiel entwickle. Da sind wir aber noch ganz am Anfang, bis zur Marktreife muss noch viel geforscht werden. Insofern passt das ganz gut zu meinen Plänen bei OsteoLabs.

Oha. Welchen Luxus gönnen Sie sich? Möbel sind’s ja nicht.

Auch keine Rolex und kein Porsche. Ich wohne hier in Kiel in der ersten Reihe mit Blick auf die Ostsee. Wenn ich schwimmen gehen möchte, bin ich sofort am Wasser. Das ist für mich Luxus. Und ich gehe gern schön essen. Wobei da ab einem gewissen Rechnungsbetrag der BWLer in mir durchkommt, der nach dem abnehmenden Grenznutzen fragt. Man kann für 300 € mit der Familie sehr schön essen, es muss nicht 500€ kosten.

Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Eine eigene Finca im Süden wäre toll. Da würde ich Wein anbauen und mit dem Trecker über meinen eigenen Weinberg fahren. Generell möchte ich aber keine Besitztümer sammeln, denn was du besitzt, besitzt dich. Es ginge mir nur um den Spaß an der Freude.

 

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„Die beste Motivation ist Emotion“

Er möchte kommende Generationen für das Thema Wirtschaft und Finanzen interessieren: Manuel Heyden. / Foto: nextmarkets

Für Finanzen und die Börse begeistert sich Manuel Heyden schon seit seiner Jugend, 2014 gründete er mit seinem Bruder Dominic den Online-Broker nextmarkets.com. Die gemeinsame Leidenschaft ist ein Grundpfeiler ihres Erfolgs

Haben Sie ein Vorbild?
Ja, Bill Gates. Zum einen, weil er mit Microsoft eine unglaubliche Gründungsleistung erbracht hat, die bis heute die Welt bestimmt. Zum anderen, weil er an seinen Zielen festgehalten hat, auch wenn er damit nicht den Konventionen entsprach. Ich denke zum Beispiel daran, dass er bereits mit 14 Jahren mit Traf-O-Data sein erstes Start-Up mit einem System zur Messung von Verkehrsströmen gründete. Auch, dass er sein Harvard-Studium abgebrochen hat, um seine Gründungsidee voranzubringen, zeugt von großer Überzeugung und großem Willen, an dem ich mir ein Beispiel nehme.

Was waren bisher die wichtigsten Schritte in Ihrer eigenen Karriere?
In meiner Gymnasialzeit begann ich mich für Finanzen und die Börse zu interessieren. Im Unterricht kamen diese Themen zwar so gut wie nicht vor, aber der Geist der New Economy erfasste mich trotzdem. Um meine ersten Ideen umzusetzen, gründete ich deshalb mit 19 mein erstes Start-Up für Online-Marketing. Die ersten Erfahrungen in der Selbstständigkeit waren für mich Gold wert. Genauso wie die zwei Jahre bei der ABN AMRO Bank, bei der ich in Frankfurt und London einen Online-Broker mit aufbaute. Mit diesem Background gründete ich 2014 das FinTech nextmarkets mit meinem Bruder Dominic, der als Ingenieur den Grundstein für die Technologie gelegt hat. Die Vision, den aktienbasierten Vermögensaufbau für eine breitere Bevölkerung zugänglich zu machen, treibt uns bis heute an.

Manuel Heyden (r.) gemeinsam mit Bruder Dominic (l.). Die Geschwister mischen mit „nextmarkets” die Trading-Branche auf. / Foto: nextmarkets

Wie schaffen Sie es dabei, sich selbst immer wieder neu zu motivieren?
Die beste Motivation ist Emotion. Meine persönliche Leidenschaft für FinTech-Innovation bringt mich dazu, immer weiter an der Verbesserung von nextmarkets zu arbeiten. Im Zusammenspiel von Finanzen und Technologie steckt viel Synergiepotential, was darauf wartet, entdeckt zu werden. Hinzu kommt, dass ich mit meinem Handeln etwas bewirken möchte, das über den persönlichen Nutzen hinausgeht und der Gemeinschaft insgesamt Vorteile bringt.

Welche Ziele setzen Sie sich für die Zukunft?
Mit Nextmarkets haben wir wichtige Zwischenziele erreicht. Dazu zählt, dass die Plattform weiter stark wächst und 2020 über eine Million Trades abgewickelt hat. Für die Zukunft steht die Expansion unseres Unternehmens in sechs weiteren europäischen Märkten an, wofür wir insgesamt 30 Millionen Euro an Investorengeldern sammeln konnten. Außerdem möchte ich eine Stiftung ins Leben rufen, die vor allem jungen Menschen das Thema „Finanzen“ näher bringt. Vieles von dem, was auf der Welt geschieht, hat wirtschaftliche Hintergründe, auch der Klimawandel. Daher ist es eine wichtige Aufgabe, kommende Generation für das Thema Wirtschaft und Finanzen zu interessieren.

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„Man kann nicht immer und überall Vollgas geben“

Karsten Schramm ist Erfinder des E-Mail-Dienstes GMX und Mitgründer der sicheren und vertraulichen Kommunikationsplattform ginlo. Das Projekt baut er seit 2020 auf und gründete die ginlo.net GmbH. / Foto: privat

Er ist der Mann, der an seinen Rechner einen der berühmtesten Internet-Dienste unseres Landes programmierte: Karsten Schramm gründete 1997 GMX – und läutete so ein neues Kommunikationszeitalter ein. Jetzt will ausgerechnet er E-Mails überflüssig machen…

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Wenn mir etwas gelingt, von dem ich persönlich überzeugt bin – erst recht, wenn Kritiker der Sache keine Chance gaben.

Wie startet man ein Unternehmen wie GMX?
Man muss es einfach tun. Ich habe nicht lange geprüft, ob ich mir da zu viel vornehme, sondern meinen Rechner angeworfen und den Dienst programmiert. Mein Vorteil war, dass ich bereits Miteigentümer einer Münchner Internet-Firma war. Somit stand mir die notwendige Infrastruktur zur Verfügung.

Wie sind Sie auf die Idee zu GMX gekommen? Damals war das Internet ja tatsächlich noch „Neuland“…
Ich habe den Bedarf für einen Dienst gesehen, der E-Mail-Nutzer unabhängig von ihren Internet-Anbietern macht. Mich hat gestört, dass die großen Provider ihre Kunden damals quasi in Geiselhaft nahmen. Man konnte seine E-Mail-Konten oft nur kostenpflichtig über deren teure Einwahlpunkte nutzen.

Was hat für Sie den Reiz ausgemacht?
Das war ein klassisches Underdog-Projekt, das es auf einmal mit den ganz Großen aufgenommen hat. Die Nähe zu den Nutzern war klasse. Das extrem starke Wachstum des Projekts war eine große Herausforderung. Da hieß es jeden Tag powern -– teilweise bis zu 20 Stunden.

Ist Bauchgefühl ein entscheidender Faktor für Erfolg?
Zumindest ein wichtiger. Ist man bei einer Sache sehr engagiert und hat auch das notwendige Wissen, dann fühlt man oft instinktiv, ob eine Wahl die richtige ist.

Karsten Schramm gründete mit Eric Dolatre und Peter Köhnkow 1997 den E-Mail-Dienst GMX. 7 Foto: privat

Was war Ihre erste große Anschaffung, die Sie sich gegönnt haben, als GMX groß wurde?
Das kann ich Ihnen nicht einmal sicher sagen, weil es für mich nicht wichtig war. Später habe ich natürlich für meine Familie und mich ein Haus gebaut.

Wie schwer fiel Ihnen der Abschied von Ihrem Baby GMX?
Das war seinerzeit kurz nach dem Crash des Neuen Marktes. Ich war gerade auf Roadshow, als in England die erste Internet-Pleite die Börsen abstürzen ließ. Entsprechend musste der Börsengang von GMX abgesagt werden, was zu großer Verunsicherung bei unserem Ankerinvestor geführt hat. Es war eine schmerzliche Zeit. Ich sah meine Ziele das Unternehmen in der gegebenen Konstellation dann nicht mehr erreichbar.

Hatten Sie Angst vor dem „Danach“?
Nein. Ich habe die Zeit genutzt, erst einmal wieder aufzutanken und mich mehr um meine Familie zu kümmern. Die vorgegangenen Jahre waren schon ziemlich extrem.

Mit Brabbler wollten Sie eine sichere Alternative zu WhatsApp etablieren. Das hat leider nicht geklappt. Woran lag das?
Den Anspruch, WhatsApp oder einen der anderen großen Messenger in kurzer Zeit zu ersetzen, sollte kein Unternehmen haben – schon gar nicht mit dem Fokus auf Privatnutzer. Außerdem war ein Produkt geplant, das weit mehr sein wollte als nur ein Messenger. Brabbler hat sich zu viel vorgenommen.

Gehören Rückschläge zum Erfolg?
Rückschläge sorgen für Bodenhaftung und lassen einen das Nachdenken nicht verlernen. Sie sind Lektion, nicht Katastrophe.

Woran arbeiten Sie gerade?
Ich habe vor etwas über einem Jahr die ginlo.net GmbH gegründet, die das Dual-Messenger-Projekt ginlo entwickelt und vermarktet. Es handelt sich dabei um die Kombination von zwei Datenschutz-Verordnungs-konformen Hochsicherheits-Messengern – einer für den kommerziellen Einsatz und einer für Privatnutzer. Diese arbeiten reibungslos zusammen und haben das Potenzial, E-Mail bei der Kommunikation zwischen Organisationen und privaten Nutzern weitgehend zu ersetzen – selbst bei sensiblen Daten und inklusive Live-Audio-Video-Konferenzen. Die Anfänge dieses Projekts reichen bis 2011 zurück, dann wurde es ein Opfer der Insolvenz der Brabbler AG. Wir haben den Dienst in den vergangenen Monaten bereits stark ausgebaut und sind mit dem Schwerpunkt Business-Kunden auf einem guten Weg. Bei meiner Historie klingt das jetzt vielleicht seltsam, aber es ist an der Zeit, die Verwendung von E-Mail überflüssig zu machen. Der Komfort- und Sicherheitsgewinn wäre beachtlich….

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„Wenn ich die Grenzen nicht spüre, weiß ich, ich bin nicht weit genug gegangen“

CureVac co-founder Ingmar Hoerr / Der Pionier in der Entwicklung von RNA-Impfstoffen will vor allem eins: anderen Menschen helfen.

Seine Partner und Investoren heißen Dietmar Hopp, Bill Gates und Elon Musk. Angeblich wollte sich Donald Trump sogar den Impfstoff seines Biopharma-Unternehmen CureVac exklusiv sichern – doch Ingmar Hoerr bleibt cool. Der Biologe, der als Pionier in der Entwicklung von RNA-Impfstoffen gilt, die das entscheidende Werkzeug im Kampf gegen Corona sind, will nur eines – den Menschen helfen. Vor allem auch denen, die in wirtschaftlich unterprivilegierten Ländern leben.

Wie hat es ein kleiner Realschüler zum Gründer einer heute so erfolgreichen Firma gebracht?

Es war ein langer Weg. Aber steinige Wege zeichnen mich aus. Vielleicht hätte ich gar nicht gegründet, wenn ich mir nicht immer alles hätte erkämpfen müssen – gern abseits vom Mainstream. Der Rest meiner Kommilitonen ging zum Beispiel in die USA – und ich nach Indien. Ich habe mich irgendwie darin gesonnt, einsame Pfade zu nehmen, die andere nicht gegangen sind. Das zieht sich durch mein ganzes Leben.

Welchen Tipp haben Sie für junge Leute, die in Ihre Fußstapfen treten möchten?

Überlege es Dir genau: Gehe ich dahin, wo alle lang gehen – oder in Richtungen, die noch keiner gegangen ist? Suche das Pionierhafte. Wenn man es als junger Mensch erfolgreich schafft, sich durchzubeißen, gibt einem das unheimlichen Auftrieb, der einem hilft, in der Zukunft Probleme zu umschiffen oder zu lösen.

Sie wollten mit CureVac als Erstes einen Impfstoff gegen Tollwut entwickeln. Tollwut ist in Deutschland aber etwa so aktuell wie die Pest, kein Mensch sieht darin ein Investment, mit dem sich

Immer wollte der Technologie-Fan sein Unternehmen CureVac großmachen – und hat es geschafft. / Bild: privat

Geld verdienen lässt. Wie haben Sie sich also als Firma finanziert?

Das war schwierig. Wir waren bei allen Investoren, die man so kennt und ich hätte sie schütteln können: Kapiert doch endlich, was wir da machen. Aber die haben sich gar nicht darauf eingelassen. Wir haben uns dann entschieden, unternehmerisch zu handeln und unsere entwickelte RNA selbst an Labore und Unternehmen verkauft. Für uns war wichtig, keine komische Startup-Klitsche zu sein, sondern uns von Anfang an mit Kunden auseinanderzusetzen. Gleichzeitig konnten wir daraus lernen. Unser Hauptziel war es nicht, die Welt retten, sondern unsere Kunden zufriedenzustellen. Wir haben gedacht, unsere Stunde schlägt schon noch.

Wie viele Stunden haben Sie, Herr Hoerr am Tag gearbeitet? Sie hatten ein Unternehmen zu führen, Sie hatten Ihre Forschung und parallel dazu Meetings mit potenziellen Investoren…

Sehr viele. Der Spirit hatte mich total durchdrungen. Ich habe alles persönlich genommen. Wenn ich abgeblitzt bin bei Investoren, dann war das ein Anti-Ingmar-Hoerr-Ergebnis. Ich war CureVac. Auf der anderen Seite war mir irgendwann klar, dass ich delegieren muss. Ich habe mir einen DIN A 4-Zettel genommen, mich in die Mitte geschrieben und darum einen Stern gemacht. Was für Fähigkeiten brauche ich, die mich komplettieren? Mir war klar: Ich bin kein Finanztyp und kein Wissenschaftler. Ich bin Gründer. Die guten Leute, die die eigenen Schwächen kompensieren, damit man sich auf seine Stärken fokussieren kann, sind sicher einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren der Firma.

Gründungsfoto / Bild: privat

Wie bekommt man eigentlich einen Termin bei einem Investor wie Bill Gates?

Man fängt immer klein an und darf nicht zu versessen darauf sein, von heute auf Morgen mit Elan Musk, Bill Gates oder Dietmar Hopp zusammen zu kommen. Man muss Netzwerke gründen. Deswegen sage ich auch jedem Gründer: Geht ungerichtet auf Messen und Gründerkonferenzen und redet mit irgendwelchen Leuten. In einen Small Talk bei einer Konferenz zu kommen, halte ich für viel wertvoller, als vorne ans Pult zu gehen, wo Bill Gates spricht. Den wird man nicht kriegen, weil tausend Leute das Gleiche vorhaben, deshalb bleibt man besser am hintersten Tisch und guckt auf den, der neben einem sitzt. Diese Leute sind die Wichtigeren. Ich glaube, dass jeder von uns über höchstens fünf Kontakte Bill Gates kennt. Man sollte darauf vertrauen, dass das Glück einem begegnet, wenn man sich öffnet und locker bleibt.

Wie pflegen Sie Ihr Netzwerk, Herr Hoerr?

Man darf da nicht zu ungestüm sein. Die wichtigen Leute sind umgeben von Menschen, die unbedingt etwas wollen. Ich glaube, man muss sich um den Menschen an sich kümmern und darf dabei nicht immer eine Agenda im Hinterstübchen haben. Die Persönlichkeit muss sich erst öffnen – und dann entstehen freundschaftliche Verhältnisse, in denen man sich immer wieder sieht oder einen E-Mail-Austausch hat. Man muss sich den Luxus leisten, das Netzwerk zu pflegen. Und dann bekommt man auch seine Audienz bei Bill Gates.

In Ihrem Fall in einem Heizungskeller in Paris…

Das war schon ein bisschen merkwürdig. In unserem digitalen Zeitalter wollte er ein Print-Handout. Mit diesem Ausdruck sind wir dann in den Keller eines Hotels geführt worden. Wir dachten, da will uns jemand veraschen. Aber Bill Gates saß da – direkt im Heizungskeller an einem Tisch. Ich habe natürlich einen Pitch gemacht, aber er wollte den ganzen Einführungskram gar nicht wissen und ist sofort auf Seite 13 oder 14 gesprungen, direkt zu den Daten. Wir sind mühsam hinterhergehoppelt. Und die ganze Zeit hat er keine Mine verzogen. Wir haben erst Tage später erfahren, dass er mitmacht.

Sie wurden im März 2020 durch eine Hirnblutung in dem Moment aus dem Alltag gerissen, als der Startschuss für den Corona-Impfstoff ertönte: Wie hat es sich angefühlt, im großen

CureVac The RNA Printer® V2.0 Tübingen Die besondere Technologie macht den Impfstoff CureVac auch für ärmere Länder attraktiv. / Bild: CuraVac

Moment Ihrer Firma nicht dabei zu sein?

Ich hatte riesige Probleme mit mir selbst, deswegen habe ich das gar nicht so mitgekriegt. Mit hat erst im Juni gedämmert, was draußen los ist. Ich war im Delir und damit quasi in meinem eigenen Lockdown. CureVac konnte nicht auf mich warten. Ich war ein Schatten meiner selbst und hatte große Gedächtnisprobleme. So jemand kann keine Firma leiten.

Was hat Ihnen die Kraft gegeben, sich wieder ins Leben zurück zu kämpfen?

Ich habe immer gekämpft. Nur ging es dieses Mal nicht um irgendwelche Projekte, sondern um mich. Als ich noch nicht reden konnte, habe ich meine Frau lautlos angeschrien: „Ich muss was machen, ich muss kämpfen, das geht so nicht.“ Die Ärzte sagen, dass ich eine ganz geringe Chance zu überleben hatte, sie wundern sich wirklich, dass ich es geschafft habe. Aber ich habe meine ganze Energie darauf verwendet.

Ihre Prioritäten haben sich bestimmt verschoben, oder?

Nicht nur meine Prioritäten, sondern auch mein Lebensziel. Ich wollte immer CureVac groß machen und bin dabei fast draufgegangen. Mein Fokus liegt jetzt auf meiner Familie und mir. Wir holen nach, was wir jahrelang nicht gemacht haben. Ich war nie daheim, sondern auf der ganzen Welt unterwegs. Jetzt für meine sieben Jahre alten Zwillinge da zu sein, ist ein ganz wesentlicher Punkt. Ich freue mich, dass ich das noch rechtzeitig realisiert habe – und nicht erst, wenn meine Söhne in die Pubertät kommen und fragen: Wo war denn der Vater?

Viele Unternehmer denken, Work-Life-Balance ist eher ein Erfolgs-Verhinderer…

Es braucht immer die Grenzerfahrung. Wenn ich die Grenzen nicht spüre, dann weiß ich, ich bin noch nicht weit genug gegangen. Man muss dahin, wo es wehtut. Ich mache gerade Reha-Sport, da ist es genauso – sonst bringt es nichts….

 

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Frank S. Jorga – Co-CEO und Gründer WebID Solutions GmbH / Foto: WebID Solutions GmbH

Wenn du Gründergeist in dir hast, dann gründe

Er gründete mit seinem Bruder 1986 im jugendlichen Alter von 17 Jahren sein erstes Unternehmen, um die Digitalisierung in Deutschland voranzutreiben. Frank S. Jorga und sein Bruder Sven beschäftigten sich mit Videoanimation, benötigten für eine Sekunde Film fünf Stunden Rechnerzeit und waren damit damals technisch ziemlich weit vorn. Als ersten Kunden konnten sie immerhin Fielmann gewinnen.

Später lernte er im Silicon Valley, kehrte nach Deutschland zurück und entwickelte noch später die allseits bekannte Video-Identifikation, die heute bei der Online-Eröffnung von Bankkonten oder Online-Brokern wie Trade Republic zum Einsatz kommt. Als gebürtiger Lübecker ist Frank Jorga mit seiner Heimat im Norden verbunden und hat Standorte in Kiel, Hamburg und Berlin eröffnet. Sein Hochsicherheits-Video-Call-Center befindet sich in Solingen. Zuletzt gelang ihm der Einstieg vom Finanzinvestor AnaCap zur weltweiten Expansion. Frank S. Jorga führt seinen eigenen Podcast, in dem er mit Persönlichkeiten aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen zu aktuellen Streitthemen aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft, Technologie und Kultur in spannende Pro-Kontra-Diskussionen geht.

 

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere? Und warum?
Das Highlight meiner bisherigen Laufbahn war, als mir die Lösung zweier Probleme gelang, die mich beruflich schon lange beschäftigt hatten: Inmitten des beginnenden Online-Zeitalters musste man immer noch mit seinem Ausweisdokument persönlich erscheinen, wenn es um Identifikationen im hochsicheren Bereich ging. Und für eine rechtsgültige Unterschrift musste man einen Papiervertrag handschriftlich unterzeichnen. Diese „Offline-Einschränkungen“ wollte ich abbauen. Deshalb habe ich nach Feierabend, viele Nächte lang, aus technologischer und rechtlicher Sicht an einer Lösung gearbeitet. Eines Tages war es soweit. Ich hatte einen theoretischen Ansatz entwickelt, der meines Wissens weltweit ein Novum darstellte. Danach begannen die nächsten Schritte: Unternehmensgründung, Patentanmeldung und vieles mehr.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Meine Stärke ist mein breites Know-how, das ich bereits vor der Gründung meines Unternehmens im Rahmen von Studium und Beruf erworben habe. So bin ich nicht nur Volljurist und Betriebswirtschaftler, sondern habe auch Expertise in den Bereichen Finanzdienstleistungen und Vertrieb. Alles zusammengenommen hat aus WebID ein erfolgreiches Unternehmen werden lassen. Ich war sicher nicht der erste, der die Idee hatte, Online-Identifikation anzubieten, oder elektronische Unterschriften für die breite Masse anbieten wollte. Aber dank meiner Kenntnisse entstanden tragfähige und rechtssichere Lösungen. Und es entwickelte sich ein Unternehmen, das profitabel arbeitet und ohne Investor groß geworden ist.

Was raten Sie einem (jungen) Menschen der Erfolg haben möchte?

Drei Dinge würde ich nennen:
1. Wenn du Gründergeist in dir hast, dann gründe.
2. Such dir Gründer, die zu dir passen. Eure Zielrichtung muss fachlich UND kulturell identisch sein.
3. Fokussiere dich nicht auf soziales Ansehen oder Geld, sondern darauf, was du mit Leidenschaft machen möchtest.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
WebID steht für ein erfolgreiches Unternehmen „made in Germany“. Diese Erfolgsgeschichte möchte ich weiter ausbauen. Ich mag mein Heimatland und möchte deshalb dazu beitragen, dass

Die Brüder Sven Jorga (links), CTO von WebID, und Frank S. Jorga (rechts), CEO von WebID, gehörten zum Gründerteam von WebID.

Deutschland vorankommt und die Innovationen unseres Wirtschaftsstandorts international Verbreitung finden.
Dazu soll auch WebID beitragen. Zunächst ist es unser Ziel, WebID zum Unicorn zu machen, und danach zu einer globalen Marke.

An welchen Orten finden Sie neue Inspiration? Woraus schöpfen Sie Kraft bzw. was ist Ihr Ausgleich zur täglichen Arbeit?
Die Insel Hiddensee ist ein magischer Ort für mich. Dort habe ich viele Ideen entwickelt und es werden dort sicherlich auch noch weitere entstehen. Leider bin ich viel zu selten auf der Insel, wo es so entspannend ist. Niemand interessiert sich für Business, sondern nur dafür, wo es den nächsten Fisch gibt. Außerdem bin ich ein enthusiastischer Kinogänger und Film-Fan. Ich gehe durchaus auch alleine in die Spätvorstellung, um einen Film zu sehen. Filme ermöglichen es einem, andere Themen einzublenden.

Was ist ein Must-Have in ihrem Beruf?

Ganz klar: Leidenschaft für sein Business.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?

Ein starker Wille, Dinge neu zu denken und zu verändern, gepaart mit der Überzeugung, dass sich 99,9 % aller Herausforderungen meistern lassen. Mit dieser Herangehensweise konnte ich einen Umstand verändern, der bis dato allgemein als unveränderbar galt: Die Notwendigkeit, sich persönlich mit einem Ausweis zu identifizieren und Verträge handschriftlich zu unterzeichnen. All das ist heute nicht mehr notwendig. Die Menschen müssen nicht mehr durch die Gegend laufen, um ihre Identität nachzuweisen. Außerdem sparen wir tonnenweise Papier.

Was, glauben Sie, ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Wer Erfolg haben möchte, braucht eine ganz klare Struktur. Außerdem ist ein starker Um- und Durchsetzungswillen notwendig. Dazu kommt eine Vision, Leidenschaft und ein Quäntchen Glück.

Was macht in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Zunächst muss dir klar sein: Du hast schon verloren, wenn du versuchst, der beliebteste Mensch im Unternehmen zu sein. Außerdem sollte eine gute Führungskraft keine übermäßige Kontrolle ausüben. Das gängelt die Mitarbeiter und erstickt die Motivation. Wichtig ist außerdem die Fähigkeit, passende Mitarbeiter für das Unternehmen auszuwählen und Talente zu fördern. Nicht zuletzt sollten moderne Führungskräfte in der Lage sein, Verantwortung abzugeben und Mitarbeitern Verantwortung zu übertragen.

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Die eigene Leidenschaft als Motor nutzen

Schon als Kind wollte er Menschen helfen und genau das tut er jetzt. Seit 2013 führen Sebastian Bär und sein Bruder Christof Bär das Familienschuhunternehmen BÄR GmbH, das der Vater 1982 gegründet hat. Er ist hauptverantwortlich für die erfolgreiche Zweitmarke Joe Nimble.
Sebastian Bär selbst ist Marathonläufer und erlitt einen Ermüdungsbruch im Vorfuß und besuchte viele Ärzte. Nichts brachte etwas bis er bei einer Internetrecherche auf Lee Saxby stieß. Mit Unterstützung des weltweit renommierten Lauftechnik-Trainers und Experten für natürliche Bewegungsabläufe und Biomechanik kam Bär wieder auf die Beine. Aus diesem Erlebnis entstand die Idee für die neue Marke Joe Nimble – nach dem englischen Adjektiv „nimble“ für beweglich und aktiv. Seit rund zehn Jahren verfolgt Firmengründer Sebastian Bär dabei eine Mission: Läufer sollen ihren Sport dauerhaft schmerzfrei ausüben können.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, ambitionierte Ziele zu erreichen und damit die bisherigen Grenzen des Machbaren zu verschieben. Auch Scheitern kann Erfolg bedeuten, nämlich dann, wenn ich aus der neuen Situation etwas für das zukünftige Vorgehen lerne. Das Schönste am Erfolg: Er vergrößert sich, wenn man ihn teilt. Zum Beispiel im Team: Bei „Joe Nimble“ feiern wir fast täglich kleine Erfolge: Wenn wir positives Feedback direkt von Kunden persönlich an uns gerichtet bekommen oder uns über den Fortschritt spannender Projekte gemeinsam freuen.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Zur Aufbesserung meines Taschengeldes habe ich immer wieder an den Wochenenden auf Verbrauchermessen Schuhe verkauft. Das war ein Knochenjob. Faszinierend und für mich prägend war, immer wieder von Kunden – teilweise sehr emotional – danach zu hören, dass sie aufgrund unserer Schuhe endlich wieder laufen konnten oder keine Schmerzen mehr hatten. Da dachte ich mir: „Das ist grandios, das will ich der ganzen Welt zugänglich machen!“.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Der prägendste Karriereschritt war, als mir die Verantwortung der BÄR-Tochtergesellschaft in Japan übertragen und ich vor Ort eingesetzt wurde. Das war schon mehr als ein Sprung ins kalte Wasser. Durch diese Verantwortung und die vielen Herausforderungen habe ich jedoch viel Nützliches gelernt. Das Business vor Ort war unglaublich hart und die Kultur kam mir fast vor, als sei ich auf einem anderen Planeten gelandet. Sich bemühen und auf die Menschen einlassen, die Sprache zu lernen, um den lokalen Blickwinkel auf das Geschäft besser zu verstehen, hat mir schließlich Türen geöffnet. Demut und Höflichkeit sind sehr präsente Eigenschaften der japanischen Gesellschaft, die ich sehr bewundere.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Als ich den ersten Prototypen des von mir entwickelten Laufschuhkonzeptes aus der Sohlenmontage genommen und ausgeleistet habe und das Ergebnis deutlich besser war, als ich es mir zu diesem Zeitpunkt erhoffen durfte, da war das fast wie die Freude über ein neugeborenes Baby.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Für mich gehören zum Erfolg Disziplin, Durchhaltevermögen und ein unbedingter Wille, etwas Großes zu schaffen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriereweg und wie haben Sie diese überwunden?
Ja, deutlich mehr als ich mir wünsche…Aber auch das gehört zum Erfolg dazu. Ich habe daher gelernt, diese zu relativieren und mir zu sagen: „Morgen, nächste Woche, nächsten Monat sieht es schon ganz anders aus.“ Das hat sich immer bewahrheitet.

Was war die größte Schwierigkeit, die Sie auf Ihrem Weg zum Erfolg überwinden mussten?
Es hat mich aus familiären und wirtschaftlichen Gründen unglaublich viel Mut gekostet, unserem Beirat den Vorschlag zu machen, dass ich die Marke Joe Nimble“ völlig neu ausrichten möchte, räumlich getrennt und mit einem komplett neuen Team. Ich bin dann als One-Man-Show in einen Co-Working Space gezogen und hab mich am ersten Tag gefragt, was in aller Welt ich hier eigentlich tue… In vielen Bereichen fehlte mir Unterstützung – ich musste operativ neu anfangen und in vielen Bereichen schnell dazu lernen, da vieles bis dahin außerhalb meiner Verantwortung gelegen hatte.

Was raten Sie einem (jungen) Menschen, der Erfolg haben möchte?
Niemals den Mut verlieren. Die eigene Leidenschaft, das was einen antreibt, ernst nehmen und als Motor nutzen.

Wobei haben Sie außerdem gerne Erfolg?
Ich möchte gern ein guter Vater und Ehemann sein. Hierbei stelle ich mir jedoch immer wieder die Frage, wie man im familiären Bereich den Erfolg eigentlich misst – schließlich ist die Definition so individuell wie die Menschen. Da ich in meiner Freizeit sehr gerne laufe, habe ich bei Marathons und Trail-Läufen gerne Erfolg – die Ziele sind dabei immer je nach Situation unterschiedlich: Mal ist es eine Position im Lauf und mal eine zeitliche Verbesserung. Im Ziel ist das Erreichte dann immer eine unheimliche Befriedigung für den Aufwand die Monate davor.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Tatsächlich schöpfe ich die meiste Energie daraus, wenn Kunden uns schildern, wie unsere Schuhe ihr Leben, ihren Sport oder ihre körperlichen Leiden verbessert haben. Das ist meine größte Freude und Motivation, jeden Tag.

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?
Ganz ehrlich: Ich denke 24/7/365 an Schuhe. Ich träume sogar nachts davon. Ob das gut ist, weiß ich nicht. Meine Familie ist sich dessen bewusst und akzeptiert es, was eine unglaubliche Unterstützung ist. Dennoch habe ich oft Gewissensbisse. Meine Trainingsläufe lege ich daher in die ganz frühen Morgenstunden, oft bei tiefer Dunkelheit, um nicht noch mehr Zeit vom Familienleben abzuziehen.

 

Wer hat Sie auf Ihrem Weg am meisten unterstützt?
Mein Vater, der Unternehmensgründer unserer Muttergesellschaft „BÄR Schuhe“, ist mir eine große Stütze. Das konnte ich jedoch vor allem in den ersten Jahren nicht immer so annehmen. Erst rückblickend erkenne ich, dass er wirklich immer (!) das Beste für uns wollte und nach diesen Maximen gehandelt hat.

 

 

 

In welchen Orten finden Sie neue Inspiration?
Beim Laufen! Wenn ich Probleme nicht lösen kann, wenn die Last zu groß wird, wenn der Kopf nicht mehr kann, dann gehe ich laufen. Das hilft immer!

Was ist für Sie Luxus?
Einen Tag mit meinen Kindern und meiner Frau in der Natur beim Wandern zu verbringen ist für mich das größte Glück.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Nein, absolut gar nichts. Denn alles, was ich erlebt habe – im Guten wie im Schlechten, hat mich zu dem gemacht, was ich bin und dorthin geführt, wo ich stehe.

Was ist heute Ihr Antrieb jeden Tag weiter zu machen, nachdem Sie nun erfolgreich sind?
Die Welt und die Herausforderungen im Business verändern sich so rasant, dass das Erreichte schnell überholt sein kann. Ich hätte mir vor fünf Jahren nicht vorstellen können, welch eine Vielzahl an Produkten wir heute erfolgreich vertreiben – und ich bin heute schon gespannt, wie das in weiteren fünf Jahren aussehen wird.

Können Sie Ihr Erfolgsgeheimnis für uns zusammenfassen?
The harder you work, the luckier you get.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Mut, Leidenschaft und Disziplin – zu jeweils gleichen Teilen.

Welche Ziele in puncto Erfolg setzen Sie sich für die Zukunft?
Ich möchte in meinem Handeln demütig bleiben.

Weitere Informationen zu den Schuhen finden Sie unter www.joe-nimble.com

Mit 16 Jahren gründete Josef Brunner sein erstes Unternehmen. © Josef Brunner privat

„Scheitern ist keine Option“

3.000 Mark haben Josef Brunners Eltern in ihren Sohn investiert – er wollte einen Computer zum Programmieren haben. Das Geld war knapp, aber der Junior wurde unterstützt. Daraufhin beendete Brunner die Schule und gründete mit 16 Jahren sein erstes Unternehmen. Über zwanzig Jahre später hat Brunner zig Unternehmen gegründet und gewinnbringend weiterverkauft. Das Investment seiner Eltern war gut angelegt. Doch was treibt einen 16-Jährigen dazu, schon so früh zu gründen?

„Mein Antrieb war der Schmerz. Meine Eltern waren selbstständige Bäcker und wurden damals von Backshops und Supermärkten wegdisrupiert. Daraus ist ein Schmerz entstanden, meine Eltern scheitern zu sehen“, sagt Brunner. Das war sein Antrieb, zu starten. Die Armut und der Schmerz sind tatsächlich etwas, das sich gerade Tech-Unternehmer teilen, wenn es ums Starten geht. „Das Ganze positiv kanalisiert, gibt einem die Energie, immer noch einen Schritt weiterzugehen und härter zu arbeiten“, erklärt Brunner.

Josef Brunner hatte schon sehr früh die Passion zum Programmieren entwickelt. Darum waren seine ersten beiden Unternehmen wohl auch auf IT-Sicherheit spezialisiert. „Das war damals ein Markt, den es noch gar nicht gab. Dementsprechend hatte ich keine Konkurrenz, konnte mich austoben und mein Hobby monetarisieren.“ Das war eine sehr glückliche Fügung für den Jungunternehmer, weil das Timing einfach passte. „Ich hatte wahnsinnig viel Glück.“

Mit 16 Jahren startete Brunner als Unternehmer. Dafür hat er seine Schullaufbahn frühzeitig beendet. „Mit 18 konnte ich meinen Eltern ein Haus kaufen. Das ist für mich immer noch das schönste, weil sie da heute noch drin wohnen und ich ihnen die 3.000 Mark verzinst zurückgeben konnte.“ Den Eltern ein Zuhause zu geben – nachdem sie ziemlich hart getroffen wurden.

Josef Brunner schwimmt auf der Erfolgswelle. Oberflächlich betrachtet. „Rückschläge gibt es jeden Tag“, sagt Brunner – und moniert zugleich, dass oft eine überromantisierte Start-up-Welt konstruiert werde. „Das ist total irreführend bei der Betrachtung der neuen Unternehmergeneration.“ Für ihn sei es schön, dass sich viele junge Leute für die Selbstständigkeit entscheiden würden, aber nachdem medial immer nur das Positive am Unternehmertum ausgebreitet werde, hätten seiner Meinung nach viele keine Vorstellung, worauf sie sich tatsächlich einlassen.

Darum ist Josef Brunner auch als Mentor aktiv und begleitet Menschen in die Selbstständigkeit. „Es gibt diesen “Make it or break it“-Moment im Unternehmertum. Da muss man entscheiden, ob das Ziel es einem wert ist, eine Bibliothek an Narben am Rücken zu sammeln.“ Brunner spricht von Rückschlägen, die einen verändern – auch charakterlich. Aber Rückschläge formen eben auch den Unternehmer. „Ich finde die gut, weil dadurch viel Energie freigesetzt wird. Aber man muss schon so ehrlich sein, dass nicht alles Sonnenschein ist.“

Wenn die Sonne bei Brunner gerade nicht scheint, geht er in die Berge zum Krafttanken. Der Unternehmer wandert gerne, egal zu welcher Jahreszeit und nach Möglichkeit jedes Wochenende. „Je weniger Menschen unterwegs sind, desto besser.“ In den Bergen, bei langen Touren, findet er Inspiration und Erdung zugleich. „Wenn ich im Winter irgendwo in den Bergen bin, dann merke ich, dass die Welt da draußen sehr, sehr hart ist. Das rückt die Sachen wieder in die richtige Perspektive.“

Apropos Perspektive – die Weitsicht hat Brunner manchmal gefehlt. Darum hat er sich gerne an die Hand nehmen lassen. „Ich hatte drei wichtige Mentoren, die mich letztendlich dahin geführt haben, wo ich heute bin. Sonst hätte es vielleicht auch ganz anders ausgehen können.“ Tom Noonan habe ihm den Schubs gegeben, sich mehr Marketing und Vertriebs-Know-how anzueignen, und ihm gezeigt, wie wichtig Firmenkultur und ein Wertesystem sind. John Chambers habe seinen Fokus auf Markttransformationen gelegt.
Von Renate Kerscher

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen!

Er möchte einer der Pioniere einer neuen Richtung der Medizin sein, der Plasmamedizin. Fotos: Kim Pottkämper

„Geht nicht“ – geht bei ihm gar nicht

Dr. Carsten Mahrenholz hat mit seinem Start-up Coldplasmatech chronischen Wunden den Kampf angesagt. Der vielfach ausgezeichnete Gründer ist getrieben vom Ehrgeiz, zu beweisen, dass nichts unmöglich ist.

Was genau macht Ihre Firma?
Am einfachsten kann ich das mit Raumschiff Enterprise erklären: Da gibt es den Dermal Regenerator – ein Handgerät, dass mit blau leuchtenden Strahlen Wunden verschließt. Im Prinzip haben wir genau so etwas entwickelt. Das blaue Leuchten ist in Wirklichkeit allerdings lila und die Technologie dahinter heißt kaltes Plasma. Es handelt sich hierbei um ein aus sich selbst heraus leuchtendes Gas, das im Gegensatz zu den in der Natur vorkommenden, heißen Plasmen kalt erzeugt wird. Wenn es mit Zellen in Kontakt kommt, werden biochemische Prozesse in Gang gesetzt. Bei behandelten Wunden wird das umliegende Gewebe besser durchblutet, das Immunsystem wird angeregt und die Zellen fangen an, sich zu bewegen. Man löst also Wundheilungsprozesse aus. Das funktioniert sogar bei chronischen Wunden.
Es gibt ein weiteres, großes Problem in Krankenhäusern: multiresistente Keime – und sogar hier liefern wir die Lösung. Bakterien und Pilze, die mit kaltem Plasma in Berührung kommen, sterben ab. Unser Unternehmen hat diese Technologie natürlich nicht erfunden, aber wir haben – in Form von Wundauflagen – einen Applikator dafür gebaut. Das war der Schritt, den dieses tolle Verfahren gebraucht hat, um vielen Patienten zu helfen. Unsere Wundauflage kann das kalte Plasma großflächig erzeugen – in nur zwei Minuten Therapie. Für den Behandler ist die Anwendung einfach, er muss eigentlich nur noch auf einen Knopf drücken.

Wie ist die Aufteilung bei Ihnen und Ihrem Mitgründer Tobias Güra – gesellt sich bei Ihnen Gleich und Gleich gern oder ziehen sich eher Ihre Gegensätze an?
Ich bin froh, dass ich jemanden gefunden habe, der mich ergänzt. Ich bin der extrovertierte Stratege, der unkonventionell ist und Sachen komplett neu denkt. Aber diese Eigenschaften sind auch die Grundlagen für meine Schwächen, die wiederum die Stärken von Tobias sind. Er ist viel besser im Mirkomanagement und hat das Auge für einzelne Prozesse. Gemeinsam trauen uns die Mitarbeiter und Partner zu, dass wir die ganz großen Räder drehen.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Sobald ich weiß, dass ich ein Ziel erreichen werde, ist es für mich nur noch ein Meilenstein zum nächsten, größeren Ziel. Ich erlaube mir relativ selten Erfolgsgefühle. Aber vielleicht blicke ich ja irgendwann zurück und kann sagen, dass ich etwas zum Positiven verändern konnte. Bei aller Ernsthaftigkeit und Erfolgsdiskussion ist mir wichtig, das Spielerische zu erhalten. Neben meinem Schreibtisch steht zum Beispiel die Millennium Falcon aus Lego, die ich in Telefonkonferenzen weiterbaue.

Hatten Sie je Existenzängste?
Für mich sind Situationen, in denen andere schlottern würden, eher interessante Herausforderungen. Ich habe Spaß daran, Krisen zu lösen. Es gab mal eine Situation, die war bezeichnend: Eine meiner Freundinnen leidet unter unglaublicher Flugangst. Als wir zusammen Langstrecke geflogen sind, hatte ich sie panisch erwartet, aber sie saß völlig entspannt neben mir – sie sagte mir, der Gedanke beruhige sie, dass ich aufstehen und den Flieger landen würde, sollten beide Piloten ausfallen. Wahrscheinlich hat sie recht damit, das klingt nach mir.

Hat man Ihnen je eine gewisse Hybris unterstellt?
Nein, ich erhebe mich ja nicht über andere. Aber ich habe durchaus eine Aufgabe, bei der Selbstbewusstsein und Sicherheit gefordert sind. Ich bin überzeugt von mir und den Entscheidungen, die ich treffe – das muss ich auch sein. Mein Beruf bringt ständig Situationen mit sich, in denen ich im übertragenen Sinne vor dunklen Räumen stehe, ohne zu wissen, was mich darin erwartet. Von mir wird aber verlangt, dass ich mich dort auskenne und mir sicher bin, wie es darin aussieht, wenn ich das Licht anschalte – bisher hat das auch funktioniert, deswegen folgen mir Leute in diesen Situationen.

Haben Sie eine Freundin oder Kinder?
Ich habe verschiedene Beziehungsformen gelebt und bin jetzt bei einer beeindruckenden Frau an meiner Seite angekommen, die mich auf allen Ebenen ergänzt. Manchmal als Unterstützerin, manchmal als Gegenpart. Aktuell habe ich noch keine Kinder, aber ich freue mich schon jetzt darauf, meinem Nachwuchs die Welt zu zeigen.

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen!

Die Coronakrise hat viele in Bedrängnis gebracht. Um die Politik auf die Notsituation der Busbranche aufmerksam zu machen, hat Julien Figur im Mai 2020 eine Busdemo in Hamburg organisiert. Hier sieht man Julien Figur beim Einweisen von Reisebussen. Es waren 150 Busse. Foto: © Constantijn Gubbel bei der Demo in Hamburg dabei.

Einfach losfahren

Mit „Hanse Mondial“ einfach losfahren mit wenig Aufwand – das verspricht Firmengründer Julien Figur seinen Kunden. Zusammen mit seinem Bruder Chris und zwei Freunden, Emmanuel Stover und Tobias Warnecke, lenkt er die Full-Service-Mobilitätsagentur für europaweite Buslogistik sicher und souverän. Auch in schwierigen Zeiten bleibt der 33-Jährige ruhig am Firmensteuer: Obwohl die gesamte Branche wegen Corona in Schieflage geriet, steht die Ampel für die Hamburger Agentur weiterhin auf Erfolgskurs.

Das Coronavirus hat den Alltag aller drastisch verändert, sogar ganze Wirtschaftszweige in die Knie gezwungen. Die Reisebranche wurde durch das Virus an die Wand gefahren. Eine schwierige Zeit auch für Julien Figur. Er nutzte die Zeit, ins Team zu investieren, Prozesse und Strukturen aufzusetzen. Auch sein Netzwerk baute er aus. Denn statt eine eigene Busflotte aufzubauen, setzt „Hanse Mondial“ auf ein bundesweites Netzwerk aus über 1.000 Bus- und Reiseunternehmen, deren Reisebusse und Limousinen er im Auftrag seiner Kunden mietet und einsetzt. Egal, ob jemand komplexe Touren und Routen, regelmäßige Transfers und Shuttlefahrten oder einfache Transfers von A nach B braucht, egal, ob es sich um fünfzig Personen oder 50.000 handelt – Julien Figur und sein Team kümmern sich darum, dass am gewünschten Tag alle pünktlich, sicher und bequem ihr Ziel erreichen. Und auch noch nachhaltig. Gerade das ist Julien Figur wichtig. Denn das Coronavirus zwinge uns zum Umdenken, sagt er.

„Wir müssen nachhaltiger leben und unsere Einstellungen überdenken.“

Unser aller Ziel müsse sein, der nächsten Generation die Erde wohlbehalten zu übergeben. „Aber dafür müssen wir uns und unser gesellschaftliches Verhalten tatsächlich ändern.“

Mobilität, Reisen und Umweltschutz, passt das überhaupt zusammen? Für den 33-Jährigen keine Frage: Wer statt ins Auto in den Reisebus steigt, um von A nach B zu kommen, ist klimaschonend unterwegs, belastet die Erde im Vergleich zum Pkw mit nur einem Viertel an CO2-Ausstoß pro Kilometer. Deshalb will Julien Figur noch viel mehr Menschen dazu bewegen, auf den Reisebus umzusteigen. Im Gespräch mit ihm wird deutlich, wie sehr ihn das Thema Nachhaltigkeit umtreibt. Während des Lockdowns hat er den Podcast „Mobilität der Zukunft“ gestartet. In dem Podcast diskutieren Experten, Meinungsführer und Unternehmer darüber, wie sich Mobilität im Hinblick auf Digitalisierung und Umweltschutz verändern wird. Mit dabei waren bereits Interviewgäste wie z. B. Nachhaltigkeitsaktivist Marc Buckley, Zukunftsforscher Dr. Stefan Carsten und CDU-Politiker Dr. Christoph Ploß. „Die Zukunft sieht in meinen Augen so aus, dass der Mobilitätsmix im urbanen und ländlichen Raum digital und on demand über das Smartphone buchbar sein wird. Die Buslogistik der Zukunft ist autonom“, ist Julien Figur überzeugt. Und genau diese Vision treibt ihn an.

Inspiriert hat ihn sein früherer Chef, ein Visionär. „Von ihm habe ich unglaublich viel gelernt“, sagt Julien Figur. In die Firma kam er eher zufällig. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er berufsbegleitend BWL und heuerte bei einem Unternehmen an, dass Busse vermietet. Für ihn goldrichtig, wie sich herausstellte. Er konnte viele Erfahrungen sammeln und eigenverantwortlich arbeiten. „Allerdings habe ich schon in der 8. Klasse immer gesagt, ich will später mein eigener Chef werden“, erinnert sich Julien Figur. Im USA-Urlaub kam er zur Ruhe, dachte viel nach. Am Sandstrand von Florida trifft er eine Entscheidung: „Ich mache mich selbstständig.“ Er wollte nicht wie sein Vater in einem „Konzerndschungel gefangen die Karriereleiter hochklettern“. Sein Vater habe zwar in den Augen vieler Menschen Erfolg gehabt, aber „er war nie wirklich frei“. Aber gerade das ist für Julien Figur die Definition von Erfolg: Freiheit, zum Beispiel die Freiheit, eigene Ideen und Visionen umzusetzen.

Er sagt: „Erfolg messe ich nicht an der Größe eines Hauses, an der Anzahl schneller Autos oder anhand des Bankkontos.“
Von Claudia Rothhammer

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Sein Arbeitsplatz sind die Wälder Brandenburgs

Christian Wegner wollte Lehrer werden. Daraus ist nichts geworden. Stattdessen hat er „momox“ gegründet, eine An- und Verkaufsbörse für gebrauchte Bücher. Mittlerweile hat der 41-Jährige die Anteile an seinem Unternehmen, das auf 1500 Mitarbeiter und 250 Millionen Euro Umsatz gewachsen war, extrem erfolgreich verkauft und ist an etwas – noch geheimen – Neuen dran.

Wie startet man ein Unternehmen wie Ihres?
Ich brauche eine Vision, um etwas zu starten. Eine Vision ist für mich ein Film, den man immer und immer wieder im Kopf abspult und der starke Emotionen in einem weckt. Ich sage bewusst „Film“, weil das nicht so esoterisch besetzt ist wie „Traum“.

Worum gehts in Ihrem persönlichen Film?
In meiner Vision dreht sich alles um die Verwertung nicht mehr benötigter Dinge. Ich will dazu beitragen, dass so viele Dinge wie möglich, die derzeit irgendwo verstauben, wieder in den Warenkreislauf gelangen. Ich will erreichen, dass eines Tages genauso viele Sachen gebraucht wie neu gekauft werden und dass möglichst viele Menschen vom Handel damit leben können. Das treibt mich an. Die Angebote, die es gibt, sprechen noch immer nicht genug Menschen an. Das will ich ändern. Ein bisschen ist mir das mit „momox“ bereits gelungen. Aber es gibt natürlich nicht nur Bücher, die irgendwo nutzlos rumliegen. Die meiste Arbeit liegt daher noch vor mir. Sicher gibt es spannendere und größere Filme. Aber das ist eben meiner.

Wie schwer fiel Ihnen der Abschied von Ihrem Baby „momox“?
Schwerer als ich dachte, leichter als man im Allgemeinen denken würde.

Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Es war notwendig, weil ich gemerkt habe, dass ich mich in einer Sackgasse befinde. Ich konnte mich nicht mehr verwirklichen, meine Ideen waren nicht mehr gefragt. Aber es war eine tolle Zeit für mich und ich habe unendlich viel gelernt.

Hatten Sie Angst vor dem „Danach“?
Nein, das „Danach“ war mein nächstes Zwischenziel.

Sie gründen gerade eine neue Firma, können Sie schon ein bisschen was verraten?
Erst einmal noch nicht. Wenn ich etwas mache, das nicht funktioniert, lerne ich, dass es so nicht geht und dass ich es anders probieren muss, was dann wiederum ein Schritt nach vorn ist. Aber natürlich ist mir sowas peinlich und unangenehm, weil es stigmatisierend ist. Deshalb lege ich erst einmal los und posaune es nicht rum. Gerade wenn man schon einmal Früchte geerntet hat wie ich, ist die Erwartung, dass man ein kleiner Zauberer ist, bei dem immer alles klappt. Das ist natürlich Quatsch. Aber ich spiele das Spiel mit und versuche, alles was nicht klappt, zu verbergen.

Alles hat angefangen, weil Sie dringend ein bisschen Geld brauchten und sie online Bücher weiterverkauften. Heute haben Sie reichlich Polster. Wie ist Ihr Verhältnis zu Luxus und Vermögen?
Wenn man kein Geld hat, dann will man unbedingt welches haben. Ist man dann reich, stellt man fest, dass sich nicht wirklich viel ändert. Wenn man sich alles leisten kann, wird es wieder langweilig. Plötzlich fängt man dann an, Second Hand zu shoppen und einen Kleinwagen zu kaufen. Am Ende kommt dann irgendwie jeder, der viel Geld hat, zu dem Schluss, dass Geld aber schon auch gut ist und dass es wichtig ist als Brennstoff für Dinge, die man noch vorhat. Ein Unternehmen kann oft schneller mit Geld wachsen als ohne.

Was war Ihre erste große Anschaffung, die Sie sich gegönnt haben?
Ein gebrauchter Mercedes AMG C63. Das Auto hat sechs Monate gehalten, bevor ich es mit 120 km/h gegen die Leitplanke gesetzt habe. Ich hatte einen Schutzengel. Das Auto hatte keinen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Weg zum Erfolg?
Linearität gibt es nicht. Ständig klappen Dinge nicht. Ständig geht was schief. Ständig gibt es Probleme, die man lösen muss. Das ist Tagesgeschäft. Das gehört dazu.

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Der erste Gründer

Thomas Hoppe gründet 2012 sein Start-up „Schülerkarriere“, das Absolventen und Firmen vernetzen soll. Dem damals 21-Jährigen wird als Erstem der Investitionszuschuss für Wagniskapital der Bundesregierung bewilligt, sein junges Unternehmen avanciert zum Vorzeigeobjekt. Immerhin: Die Idee hielt, was sie versprach. „Schülerkarriere“ ist mittlerweile profitabel und greift auf ein riesiges Netzwerk aus rund 4500 Schulen mit mehr als 3,5 Millionen Schülern zurück. Thomas Hoppe ist heute selbst nebenbei Investor – und Dozent an der Fachhochschule des Mittelstands in Hannover.

Wie fanden Ihre Eltern die Idee, ein Start-up zu gründen, statt irgendwo anzuheuern?
Sie haben es erst als Hobby abgetan und nicht gedacht, dass man davon wirklich leben kann. Nachdem die ersten größeren Kunden wie Siemens kamen und wir einige Zeit überlebt haben, waren sie stolz auf mich und unterstützen mich seitdem tatkräftig.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?
Informiere dich genau über die Mitgründer und die Investoren. Lasse dir Versprechungen schriftlich geben – der ehrliche Kaufmann ist anscheinend eine aussterbende Art. Zudem würde ich mir raten, den Spagat zwischen Arbeit und Privatem besser zu managen. Die Zeit verfliegt doch sehr schnell. Wollten Sie an irgendeinem Punkt aufgeben?
Wir haben leider mehrfach auf falsches Personal gesetzt. Das hat die Firma zwei, drei Mal an den finanziellen Abgrund gebracht. Es gab eine Zeit, in der ich mir selbst über Monate kein Gehalt zahlen konnte und zusätzlich Geld in die Firma einlegen musste, um die Miete und die Gehälter der Angestellten zu bezahlen. Da habe ich schon etwas gezweifelt. Rückblickend war diese Zeit aber eine wichtige Erfahrung, die mir hilft, erfolgreiche Momente umso mehr wert zu schätzen…

 

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Viele kennen ihn aus der VOX-Sendung „Die Höhle der Löwen“: Orthomol Gründer Nils Glagau Credit_OrthomolGmbH

Mit Biss zum Erfolg

Lebenswege von erfolgreichen Menschen sind selten schnurgerade. Es gibt Kurven, Abzweigungen und manchmal auch Sackgassen. Nils Glagau studierte Ethnologie in Bonn und verbrachte verschiedene Forschungsaufenthalte in Mittelamerika und Tibet. Zu Hause gab es das Familienunternehmen Orthomol – ein Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln. Nach dem frühen Tod des Vaters steigt er 2009 wie selbstverständlich ins Unternehmen ein und übernimmt Verantwortung für 400 Mitarbeiter. Heute peilt Orthomol über 100 Mio. Euro Jahresumsatz an. Zudem ist Glagau gefragter Start-up-Investor und „Löwe“ bei der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“.

Die plötzlich Unternehmensübernahme war für Nils Glagau ein markanter Wendepunkt in seiner Karriere. „Nach dem Tod meines Vaters waren da auf einmal über 400 Mitarbeiter, das Unternehmen und die Verantwortung für die Zukunft vieler Familien. In diese Aufgabe musste ich hineinwachsen. Aber mithilfe hoch identifizierter und fachkompetenter Orthomoler fiel dies nicht schwer. Und so lernte ich alle Abteilungen und Abläufe sehr schnell kennen.“

Orthomol mit Sitz in Langenfeld, NRW, ist auf Nahrungsergänzungsmittel mit Mikronährstoffkombinationen spezialisiert. Das Geschäftsmodell war für Glagau zum Zeitpunkt der Übernahme kein böhmisches Dorf. Er schnupperte noch zu Lebzeiten seines Vaters ins Familienbusiness, verfolgte aber zunächst andere berufliche Pläne. Erfahrungen, die ihm heute helfen: „Nach dem Studium und verschiedenen Auslandsaufenthalten habe ich in Bonn eine Bar, einen Kulturtreffpunkt, ins Leben gerufen, um meine Leidenschaft für Mexiko ins Rheinland zu bringen. Dort habe ich viel gelernt – über Unternehmertum, Mitarbeiterführung, das Selbstständigsein, die Fokussierung auf Kunden und die Interaktion mit ihnen.“

Ein Unternehmen zu führen, geht nicht ohne familiäre Unterstützung oder einen Mentor. Für Glagau ist es die Familie, die ihn nicht nur unterstützt, sondern auch viel Verständnis aufbringt, „vor allem, wenn ich doch länger im Büro bleibe oder viele Termine wahrnehmen muss.“ Jederzeit verlassen kann sich Nils Glagau auch auf sein Team bei Orthomol. „Zudem habe ich externe Partner an meiner Seite als starkes Netzwerk, auf das ich bei spezifischen Fragen zugehen kann“, sagt er…

Das ganze Interview können Sie ab 4. Dezember 2020 in der Print Ausgabe von “Secrets of Success” lesen.

Walter Gunz gründete 1979 mit zwei Partnern den Elektronikmarkt „Media Markt“.

„Der Kopf allein kennt keinen Wert“

Er hat aus dem Nichts ein Imperium erschaffen – weil er seine Ideale leben wollte. Media-Markt-Gründer Walter Gunz ist im Kern seines Wesens vor allem Philosoph und Menschenfreund. Dass er außerdem ein Händchen fürs Geschäft hat, machte den heute 74-Jährigen zur Unternehmer Legende. Doch für seine Karriere musste er auch große Opfer bringen.

 

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Erfolg ist das Glück, dass aus dem rechten Handeln etwas Dauerhaftes erfolgt, das einen Wert hat. Und Erfolg ist für mich auch, wenn sich bei einem wie mir, der nicht aus einer reichen Familie kommt und der sein letztes Geld für seinen ersten Media Markt zusammengekratzt hat, materieller Erfolg einstellt. Weil er gemeinsam mit anderen Menschen über viele Jahre richtig gehandelt hat.

 

Was war Ihr letztes großes Erfolgserlebnis?

Dass mich mein junger Hund, dieses sensible, feine, sehr zurückhaltende Wesen, so bedingungslos als Leader liebend anerkannt hat. Das ist nicht selbstverständlich.

 

Wie startet man ein Unternehmen wie Media Markt?

Jeder Handlung geht eine Vision voraus. Ich war vorher bei Karstadt. Da war man eher eine Nummer. Deshalb hatte ich die Vision, mit Menschen zusammen etwas zu erschaffen, bei dem jeder Einzelne mit Freude, ohne dass man viel regulieren muss, Verantwortung übernimmt. So eine Vision wird dann das Ziel. Man muss sich immer drei Fragen stellen: Kann ich? Darf ich? Soll ich? Kann ich – habe ich die Leute, habe ich das Geld und verstehe ich fachlich etwas davon? Darf ich – ist das ethisch zu verantworten, ist das anständig? Und dann kommt die Frage, die sich die wenigsten stellen: Soll ich – will ich das wirklich, ist das für mich vorgesehen? Nur was man gerne tut, wird gut.

 

Kann man Erfolg steuern?

Man kann ihn nicht planen oder machen, aber wenn man die drei Fragen mit ja beantwortet hat und man an sich und die Idee glaubt, stimmen die Voraussetzungen. Jesus hat gesagt „es geschieht dir, wie du geglaubt hast“, er sagte nicht „wie du verdient hast“. Aber selbst, wenn das alles zutrifft, ist der Erfolg kein Automat. Ich hatte genügend Misserfolge, auch bei Dingen, an die ich geglaubt habe.

 

Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie es ganz nach oben geschafft haben?

Vielleicht nach zehn Jahren. Als wir die Metro-Kaufhof-Gruppe reingeholt haben – was eigentlich die erste Fehlentscheidung war. Wir dachten, das könnte eine Win-Win-Situation werden, weil wir wussten, dass wir ins Ausland müssen, wenn wir weiter wachsen wollen. Die Kultur im Konzern war aber eine ganz andere als unsere.

 

Wie schlimm fühlt es sich an, wenn die eigene Vision den Bach runtergeht?

Den Bach ist sie erst runtergegangen, nachdem wir drei Gründer nicht mehr da waren. Dann sind die „grauen Männer“ aus „Momo“ gekommen, Menschen, die ihrem Ego verhaftet sind und kontrollieren wollen. Diesen Prozess konnten wir, als wir noch präsent waren, verhindern. Die großen wirtschaftlichen Erfolge, die es bis zu unserem Ausscheiden gab – und wohlgemerkt nicht mehr danach – haben uns den Rücken gestärkt. Nach unserem Weggang ist das Unternehmen energetisch, geistig, inhaltlich und wirtschaftlich abgeschmiert zu einem Unternehmen wie jedes andere. Wenn einem Dinge entgleiten, die man in Liebe abgegeben hat, ist das schlimm…

Das ganze Interview können Sie im Print Magazin Secrets of Success lesen. Dieses ist ab dem 4. Dezember 2020 im Handel.

 

Frank Thelen – etwas zu bewegen ist sein Antrieb Fotos: © Frank Thelen / frank.io

„Startup-DNA“

Wenn Kinder laufen lernen, fallen sie auch böse hin: Frank Thelen aus der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ weiß nicht nur, wie man Start-ups das Laufen beibringt. Er ist auch tief gefallen. Mit 25 Jahren stand er als Unternehmer vor dem Ruin, hat es aber zurück nach oben geschafft. Heute ist der 44-Jährige für diese schmerzhafte Erfahrung sogar dankbar. Er findet: Richtig auf die Schnauze zu fallen, tut einem Gründer gut.

Wenn Frank Thelen in der „Höhle der Löwen“ sitzt, warten die Zuschauer gebannt auf seine Einschätzung. Der 44-Jährige kennt nicht nur die Tech- und Gründerszene sehr gut, er scheint auch immer den richtigen Riecher zu haben, ob eine Geschäftsidee Potenzial hat. Dass er einmal Deutschlands bekanntester und mit sechs Staffeln dienstältester „Löwe“ werden würde, hätte der Bonner nie gedacht. Seine Eltern vermutlich auch nicht, als ihr Frank so viele Fünfer und Sechser nach Hause brachte, dass er vom Gymnasium flog und auf der Realschule landete. Hätte man ihn damals gefragt, was er sich einmal für seine Zukunft vorstellt, hätte er gesagt: „Eher was Sportliches.“ Auch wenn er leidenschaftlich gerne Skateboard fährt, hatten es ihm früher kleine Bälle angetan. „Als Kind wollte ich mal Tischtennisprofi werden, weil mich der Sport begeistert hat. Ich war auch tatsächlich ganz gut, aber für eine Profikarriere hätte es wohl nicht gereicht“, verrät Thelen.

Gereicht haben dann zumindest die schulischen Leistungen doch noch. Thelen kämpfte sich hoch, konnte studieren und entschied sich für Informatik – um es dann doch wieder abzubrechen. Er hatte nämlich mit 18 Jahren seine erste Firma gegründet, die er ausbauen wollte. Sein Unternehmen stellte ein innovatives Framework zur Herstellung von High-End-Multimedia-CD-ROMs zur Verfügung. Für Interessierte nur so viel: Es war eine schnellere und flexiblere Alternative zur beliebten Macromedia-Director-Plattform. 1996 fusionierte seine erste Firma mit Pro PC zur Marke Create Media, die einige der ersten größeren Websites in Deutschland wie zum Beispiel hallo.de oder bilder.de erstellte und betrieb. 1997 glaubten Investoren so fest an ihn und seine Fähigkeiten, dass er für seine neue Firma Twisd 1,4 Millionen D-Mark Wagniskapital bekam, um einen Linux-basierten Router zu entwickeln und zu vertreiben, der lokale Netzwerke mit dem Internet verband.

Zwei Jahre nach der Firmengründung stand Thelen mit Twisd kurz vor dem Sprung an die Börse und damit mit gerade mal 24 Jahren vor seinem vermeintlich größten Erfolg. Doch dann stürzte alles wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Internetblase platzte. Doch Thelen und seine Mitgründer hatten zur Überbrückung der letzten Phase vor dem Börsengang einen Kredit über zwei Millionen D-Mark aufgenommen – und dabei einen ihrer größten Fehler gemacht: Sie haben mit ihrem Privatvermögen gebürgt. Thelen stand plötzlich vor dem Ruin und vor einem riesigen Schuldenberg. „Das war mein größter Rückschlag.“ Er verkroch sich erstmal, sortierte sich neu, suchte nach Auswegen. „Ich konnte glücklicherweise einen Vergleich mit der Bank aushandeln und den Mut und die Willenskraft finden, erneut zu gründen – diesmal erfolgreich.“

Thelen geht ganz offen mit seiner Niederlage um. „Wir lernen mehr durch Schmerz als durch Glück“, gibt er zu bedenken. Und der junge Firmengründer ist gewillt, zu lernen. Zehn Jahre stottert er seine Schulden ab, Monat für Monat. Auch wenn er im Laufe der Jahre alles mit einem Schlag hätte begleichen können, er will die Erinnerung an seine schwerste Zeit nicht so schnell hinter sich lassen. Nach Twisd gründet er die Firma ip.labs, die zum Weltmarktführer für Onlinefotoservices wird: „Das war der wohl wichtigste Karriereschritt und auch einer der wichtigsten Wendepunkte in meinem Leben. Nicht nur, weil das letztendlich zum ersten größeren wirtschaftlichen Erfolg für mich wurde, sondern auch, weil ich aus einer sehr schwierigen Situation heraus erneut gegründet und mir selbst und anderen Gründern gezeigt habe: Wieder aufstehen lohnt sich!“

Thelen ist der festen Überzeugung: „Niemand hat nur Glück und Erfolg.“ Niederlagen gehörten ebenso zum Leben. Die Frage sei nur, wie man mit den Tiefpunkten umgehe. Das will er jungen Gründern mit auf den Weg geben. Auch seine Autobiografie „Startup DNA“ trägt den prägnanten Untertitel „Hinfallen, aufstehen, die Welt verändern.“ Besser könnte man den 44-Jährigen nicht beschreiben. Auch er möchte die Welt verändern. „Mein größtes Vorbild ist Elon Musk, weil er visionär denkt und in fast allen relevanten Zukunftsthemen spürbar involviert ist.“ Dass die Welt vor einem großen Umbruch steht, liegt für Thelen auf der Hand: „Sämtliche Industrien werden in den kommenden Jahrzehnten durch immer wieder neue, technologische Entwicklungen disruptiert. Wer hierfür kein Verständnis hat und nicht vorausschauend handelt, wird abgehängt.“

Dass Deutschland sich selbst abgehängt hat, ist Thelens große Befürchtung. Oder, wie er es ausdrückt: „Internet, Smartphone, Cloud: Europa hat alles verpennt.“ Deshalb treibt ihn jetzt vor allem eines an: „Bisher war es immer die Begeisterung für neue Technologien und die Liebe zum Produkt, an dem ich zu dem Zeitpunkt gebaut habe. Jetzt habe ich zum ersten Mal einen Zehnjahresplan und eine Agenda: Ich möchte einen Technologie-Champion aus Europa mit aufbauen. Wir müssen unsere wirtschaftliche Lage gegenüber den USA und China stärken, damit wir auch in Zukunft noch auf Augenhöhe mit den Weltmächten verhandeln können. Wir brauchen globale Lösungen für Themen wie KI und Klimaschutz. Das spornt mich an.“ Etwas zu bewegen, das ist sein Antrieb und Motor. Das spürt man. Deshalb verwundert es auch nicht, dass er über sich selbst sagt: „Für mich bedeutet Erfolg, jeden Tag ein bisschen besser zu werden und immer wieder an neuen Herausforderungen mit den klügsten Köpfen arbeiten zu dürfen.“

Ihm sei es auch nie wichtig gewesen, einmal ein großer Firmenchef zu sein. „Ich habe schon immer aus Passion heraus gehandelt. Ich habe mich nie aktiv dazu entschieden, Gründer oder Investor zu werden, sondern habe einfach immer mit Herzblut an Produkten gearbeitet, bis daraus Unternehmen entstanden sind. Investor bin ich dann geworden, weil ich mit meinem Kapital etwas an die Start-up-Szene zurückgeben wollte.“ Jungen Gründern rät er: „Wer mit Passion und aus Leidenschaft und tiefster Überzeugung heraus ein Ziel verfolgt, kann es in meinen Augen mit harter Arbeit und Disziplin auch immer schaffen. Wer nur auf Erfolg aus ist, wird es hingegen schwierig haben.“

Claudia Rothhammer