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© oro photography Oliver Rösler

Die bescheidene Powerfrau

Unternehmerin, Politikerin, Moderatorin, TV-Löwin – Lencke Wischhusen ist vielseitig. Deutschlandweit bekannt wurde Steiner durch ihr Engagement im TV-Format „Die Höhle der Löwen“. Führungsverantwortung hat die Bremerin früh übernommen – als Geschäftsführerin des familieneigenen Verpackungsmittelunternehmens W-Pack Kunststoffe, das Anfang 2019 verkauft wurde. Politisch ist Lencke Wischhusen bei der FDP seit 2015 engagiert, sie ist Mitglied im Bundesvorstand und Vorsitzende der FDP-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft. Klingt nach einem bewegten Leben, dabei ist Wischhusen erst 34 Jahre alt und eine gute Ansprechpartnerin, wenn es um das Thema Erfolg geht. „Erfolg heißt für mich, wenn wir als Team ein gemeinsam gestecktes Ziel erreichen, ohne dass andere Menschen dafür leiden müssen“, lautet Steiners persönliche Erfolgsdefinition.

Als Kind wollte Wischhusen immer werden wie ihr Papa. „Ich war ein richtiges Papa-Kind.“ Ihr Vater, Dieter Wischhusen, kommt aus einfachen Verhältnissen, ist auf einem Bauernhof groß geworden, fuhr zur See und hat sich mit W-Pack seinen Unternehmertraum erfüllt. „Ich habe meinen Papa bewundert, wie er seinen Weg gegangen ist und das durchgezogen hat. Das fand ich immer spannend.“ „Respektvoll-wertschätzend“ bezeichnet Steiner heute die Beziehung zu ihrem Vater.

2010, nach abgeschlossenem Hochschulstudium und sechs Jahren Berufserfahrung, holt ihr Vater sie mit 24 Jahren in die Geschäftsführung der W-Pack Kunststoffe GmbH & Co. KG und der W-Pack Beteiligungs GmbH. Lencke Wischhusen trägt nun Verantwortung für gut 50 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Als Stärken, die auch für ihren Erfolg maßgeblich sind, sieht Wischhusen ihre Beharrlichkeit, ihre Fokussiertheit und die Gabe, Menschen motivieren zu können. „Für Ziele müssen immer alle an einem Strang ziehen, um gemeinsam etwas zu schaffen. Durch meinen Führungsstil schaffe ich es, dass Menschen über sich hinauswachsen und sich mehr zutrauen.“ Als kommunikativ-konsequent beschreibt Wischhusen ihren Führungsstil. Das heißt, sie nimmt ihr Team bei Veränderungen, Prozessen und Entscheidungen mit, die letzte Instanz ist aber sie. „Trotz allem lasse ich viele Freiräume und übertrage Verantwortung – unabhängig davon, ob jemand viel Erfahrung hat. Ich versuche immer, die Stärken einer Person zu erkennen und dementsprechend Verantwortungen zu übertragen.“ Das verschaffe ihr Freiraum für neue Aufgaben, Projekte und Ideen. „Ich denke, so muss eine gute Führungskraft heutzutage auch sein: teamorientiert arbeiten aber gleichzeitig eine Respektsperson sein und bereit dazu, die Verantwortung für die getroffenen Entscheidungen zu tragen.“

Außerhalb ihrer Karriere ist Lencke Wischhusen auf dem Boden geblieben, wirkt natürlich und bescheiden. Wahrer Luxus ist für die Politikerin, die Lebensmittel kaufen zu können, die sie möchte. „Ich schätze qualitativ hochwertige Lebensmittel und bin in der glücklichen Lage, mir diese einfach so aussuchen zu dürfen. Wahrer Luxus.“ Wenn der Einkauf in einem Kochabend mit der Familie endet, ist Steiner doppelt glücklich, denn gemeinsam Zeit zu verbringen und Erlebnisse zu schaffen, sei das schönste Geschenk.

Ihre Familie und ihr Lebensgefährte sind Wischhusen heilig und nach eigener Einschätzung auch an ihrem Erfolg beteiligt: „Wenn mein Lebensgefährte nicht an mich glauben und mich unterstützen würde, würde mir meine Arbeit keinen Spaß machen. Heutzutage ist es immer noch Glück, wenn eine Frau einen Partner hat, der sie in ihrem Tun unterstützt. Das habe ich Gott sei Dank.“ Im Fall von Wischhusen steht hinter einer erfolgreichen Frau ein starker Mann.

Apropos erfolgreiche Frauen. Spielt das Geschlecht beim Weg nach oben immer noch eine Rolle? „Ich denke schon, dass Frauen auch heutzutage immer noch mit einer großen Anzahl an Vorurteilen kämpfen, und vielleicht haben sie es im ersten Schritt schwerer. Aber jeder, der an die Spitze will, muss kämpfen, egal ob Frau oder Mann“, sagt Wischhusen.

Zugleich sieht sie in diesen Startschwierigkeiten aber auch ihr Erfolgsgeheimnis: „Steine, die mir in den Weg gelegt werden, sehe ich gerne als Meilensteine. Ich lass’ mich nicht aufhalten von Gegnern oder Kritikern.“ Der Erfolg gibt ihr Recht. Immer, wenn Lencke Wischhusen wieder ein Stück ihres persönlichen Weges geschafft hat, belohnt sie sich übrigens dafür: „Ich schenke mir dann eine Kleinigkeit.“ Schmuck ist ihre Schwäche. „Ohrringe, eine Uhr oder einen Ring habe ich mir schon selbst geschenkt. Etwas Kleines, woran ich mich erfreue. Und manchmal brauche ich einfach einen Grund für Geschenke an mich selbst“, sagt die herzliche Bremerin lachend.

Von Renate Kerscher

Mit Intuition zum Erfolg

© Georg Kofler Beim Klettern bekommt Georg Kofler den Kopf frei

Ein Südtiroler, der die deutsche Medienlandschaft maßgeblich geprägt und verändert hat, ist Dr. Georg Kofler. Er hat ProSieben aufgebaut, das Teleshopping nach Deutschland geholt und Premiere saniert. Drei Projekte, die der Reihe nach für unsinnig, unnütz und unmöglich gehalten wurden. Kofler, Anfang 60, könnte sich als Privatier zurückziehen, aber danach ist ihm noch nicht. Er ist als Unternehmer aktiv, unter anderem in der Sendung „Höhle der Löwen“, und plant das nächste große Ding: die Social Chain AG. Aber der Reihe nach.

Georg Kofler kommt aus einfachen Verhältnissen. Als Kind wollte er „Bauer mit einem großen Traktor“ werden, wie er sagt. Stattdessen studiert er Publizistik und Kommunikationswissenschaft mit dem Berufsziel Journalist. Es folgt eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Trier, bevor der Generalintendant des ORF auf Kofler aufmerksam wird. „Ich hatte verschiedene Artikel veröffentlicht, über die Gerd Bacher auf mich aufmerksam wurde“, sagt Kofler. Aus der Universität holt ihn Bacher ins Fernsehgeschäft. „Das war ein entscheidender Karriereschritt, weil es mein Einstieg ins operative Fernsehgeschäft war.“

Jungen, strebsamen Menschen empfiehlt er, es ihm gleichzutun: „Mache den Job, den du gerade hast, besonders gut. Das wird anderen auffallen. Und wenn es so weit ist, sei bereit für Veränderungen. Man muss auch das Risiko auf sich nehmen, den Job zu wechseln und mobil zu sein – in geistiger, aber auch in physischer Hinsicht.“ Mobil ist er. Er sei der einzige seines Jahrgangs gewesen, der sein Südtiroler Bergdorf verlassen habe, um in die Welt hinauszuziehen. „Ohne Risiko kein Gewinn“, fasst es Kofler zusammen.

Risikobereit war und ist Georg Kofler immer. Dafür stehen auch die drei großen Highlights seiner bisherigen Karriere: die Gründung von ProSieben, die Einführung von Teleshopping in Deutschland und die Sanierung von Premiere – drei Projekte, die Branchenexperten für unmöglich gehalten haben. Statt auf Berater zu hören und langwierige Analysen durchzuführen, hat Kofler einfach gemacht. „Und immer, wenn ich etwas gemacht habe, gab es diesen Chor an Zweiflern und Skeptikern, der einen innovativen Unternehmer oft begleitet. Da braucht man schon auch Entschlossenheit und Risikobereitschaft.“

Nur einmal hätte er in der Retrospektive gerne bedachter gehandelt – beim Kofler Energies Club, den er als ADAC der Energieeffizienz positionieren wollte. Doch die Verbraucher wollten das Angebot partout nicht annehmen und so musste Kofler nach nur zwei Monaten den Stecker ziehen. „Hier hätte ich mir mehr Zeit lassen sollen, um Marktforschung zu betreiben. Andererseits ist das gegen mein Temperament. Wenn ich eine Entscheidung getroffen hab, will ich mit vollem Einsatz einsteigen.“ Und: „Beim Aussteigen erfordert es für Unternehmer manchmal mehr Mut als beim Einsteigen.“

Das macht seiner Meinung nach auch einen guten Unternehmer und Chef aus: Risikobereitschaft. „Man muss schnelle Entscheidungen treffen und zuverlässig gegenüber Mitarbeitern und Geschäftspartnern sein.“ Außerdem empfiehlt er jeder Führungskraft eine Portion gute Laune. „Niemand will mit griesgrämigen Leuten zusammenarbeiten. Gerade gegenüber Mitarbeitern soll man ein gut gelaunter Chef sein.“ Seine Mitarbeiter sieht Kofler gerne als unternehmerische Partner. Darum beteiligt er sie auch häufiger an Unternehmen. „Ich pflege einen unternehmerischen Führungsstil. Das heißt, ich übertrage Mitarbeitern Verantwortung, frage aber trotzdem nach, wie es so läuft. Eine gewisse Kontrolle muss auch sein.“

Wenn er den Kopf frei bekommen will für neue Ideen, geht er klettern in Südtirol. „Richtig abschalten kann ich nur in der Natur mit möglichst viel Anstrengung. Da ist Klettern genau das Richtige.“ Im Fels ist er von Schwierigkeitsgrad 4 bis 6- unterwegs, in der Halle darf es gerne schwieriger sein.

Koflers Erfolgsgeheimnis? Sein Bauchgefühl. „Wenn ich so meine wichtigsten Firmen sehe, dann war es eher intuitiv und aus dem Bauch heraus ohne langwierige Analysen und langes, bedächtiges Abwägen.“ Jedem Unternehmensberater stellen sich dabei doch die Haare auf. „Deswegen sind die Unternehmensberater ja keine Unternehmer, sondern Berater“, sagt Kofler lachend. Entscheidungen dürfen auch intuitiv getroffen werden. „Sonst könnte ja jeder erfolgreich sein, wenn man die Zukunft genau berechnen könnte.“

Apropos Zukunft – Koflers Zukunft ist die Social Chain AG. Darin werden alle Arten von Social Media mit E-Commerce verknüpft. „Das wird mein neues ProSieben“, schwärmt Georg Kofler. Er ist siegessicher mit der Social Chain AG, aber ein kleiner Nervenkitzel ist doch dabei: „Es gibt immer die Möglichkeit des Scheiterns. Das ist ja das Spannende am Unternehmerleben, dass man nicht weiß, wie es ausgeht. Ich glaube, das Leben eines Unternehmers ist eine sehr spannende und aufregende Lebensform. Kein Tag ist wie der andere bei mir. Dafür bin ich dankbar.“

Von Renate Kerscher