Als Student durfte er einmal probesitzen – Jahre später erfüllte er sich den Traum einen DeLorean zu kaufen. Bild © Isabella Vosmikova 1997

Der steinige Weg zum Gipfel

Der Kreis der deutschen Oscarpreisträger ist überschaubar. Volker Engel gehört zu diesem erlesenen Kreis. Er hat 1997 für den Film „Independence Day“ den Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ erhalten – mit 32 Jahren. In Bremerhaven geboren, lebt und arbeitet Engel gemeinsam mit seiner Frau Gesa, einer deutschen Filmproduzentin, seit Jahrzehnten in Los Angeles als Visual-Effects-Supervisor und Filmproduzent.

Es gibt Menschen, die wissen schon als Kind, was sie werden wollen. Und nicht nur das, sie ziehen ihr Ding dann auch durch. Volker Engel gehört dazu. „Nachdem ich mit sechs Jahren Disneys ‚Dschungelbuch‘ gesehen hatte, wollte ich Disney-Zeichner werden. Als ich dann mit 13 Jahren den ersten Star-Wars-Film sah, wollte ich visuelle Effekte machen und neue Welten kreieren. Das war der Grundstein“, spricht Engel über die Filme, die seine Leidenschaft entfacht haben. Was lag da näher, als sich mit 14 Jahren – vom Konfirmationsgeld – eine Super-8-Kamera zu kaufen und mit Filmtricks zu experimentieren? Seinen Eltern ist er für diese Freiheit dankbar. Unterstützung erhält Volker Engel auch in der Schule. Sein Kunstlehrer der Oberstufe unterstützt ihn stark dabei, eine künstlerisch orientierte Ausbildung zu machen. Also geht Volker Engel an die Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und macht 1989 sein Diplom als Grafikdesigner mit Schwerpunkt Trickfilm.

Dann kreuzen sich Engels Wege mit denen des Mannes, der später sein langjähriger Mentor werden soll: Roland Emmerich. Eine Begegnung, für die er heute noch dankbar ist: „Er hat mir durch seine Filmprojekte über mindestens zwei Jahrzehnte eine Plattform geschaffen, auf der ich mich kreativ entfalten konnte. Das war eine spannende Zusammenarbeit, wie ich sie jedem nur wünschen kann.“

Als er gerade mal 23 Jahre alt ist, heuert ihn Regisseur Roland Emmerich als Visual Effects Supervisor für seinen Film „Moon 44“ an. 1995 kommt er auf Emmerichs Einladung nach Los Angeles und wirkt an „Independence Day“ mit. Der Blockbuster wird 1997 für die visuellen Effekte mit einem Oscar ausgezeichnet – das persönliche Highlight seiner Karriere. „Es war mein erstes Filmprojekt in den USA in meinem Beruf als Visual Effects Supervisor und hat mir deshalb so viel bedeutet, weil man dafür von seinen Kollegen aus der Branche nominiert wird.“

Ganz einfach war sein Schritt in die USA nicht, wie Engel sich erinnert. „Es war eine große Herausforderung, als sehr junger Mensch 1995 in die USA zu kommen und in einer fremden Sprache die Leitung eines 300-köpfigen Departments zu übernehmen – inklusive der Verantwortung für ein zweistelliges Millionen-Budget.“ Allerdings konnte er sich damit auch einen Wunsch erfüllen: einen DeLorean. „Während meines Studiums brachte ich einmal meinen alten Opel Ascona zur Reparatur und sah auf dem Hof der Werkstatt einen DeLorean. Er stand zum Verkauf und sollte 50.000 Mark kosten. Ich lebte damals von 300 Mark BAföG im Monat“, sagt Engel lachend. Aber zumindest drinsitzen durfte er kurz. Jahre später bot sich ihm in den USA eine ähnliche Gelegenheit und er hat sich für 15.000 Dollar seinen Autotraum erfüllt.

Erfolg ist für Volker Engel das Ergebnis harter Arbeit. „Dafür braucht man eine enorme Ausdauer und darf sich nicht mit Menschen umgeben, die ständig etwas zu nörgeln haben.“ Er selbst sei hartnäckig – wie ein Langstreckenläufer, sagen seine Mitarbeiter. Für junge, ambitionierte Menschen hat Volker Engel einen Erfolgstipp parat: „Man muss sich klarmachen, dass tatsächlich der Weg das Ziel ist und dass es, bei allem Spaß, den man bei der Arbeit haben wird, ein steiniger Weg zum Gipfel ist. Zwar genießt man die Aussicht von dort eine Weile, aber der Weg zum nächsten Gipfel wird wieder hart und steinig sein, nur diesmal auf eine andere Art. Man kommt von Mal zu Mal besser damit klar, weil man schon mental darauf vorbereitet ist.“

Als Chef seiner eigenen Produktionsfirma Uncharted Territory, die er 1999 mit seinem guten Freund und Kollegen Marc Weigert gründete, hat er den Weg vom einen zum nächsten Gipfel schon unzählige Male beschritten.
hat er den Weg vom einen zum nächsten Gipfel schon unzählige Male beschritten. Mit einem guten Team sei das natürlich einfacher. Seinen Mitarbeitern versucht er, als Kollege auf Augenhöhe zu begegnen. „Viele Mitarbeiter brauchen eine Weile, um sich daran zu gewöhnen.“ Um mit ihnen als Kollegen umgehen zu können, ist ein guter Informationsaustausch nötig: „Ich habe zu oft Kollegen in meinem Beruf erlebt, die das Informationsdefizit von Mitarbeitern ausnutzten, um dadurch ihre Überlegenheit zur Schau zu stellen.“

Außerhalb seiner Firma ist Volker Engel gern sportlich aktiv. Sein Ausgleich zur Arbeit sei Ausdauersport, Yoga und Pilates – zusammen mit seiner Frau Gesa. Auch sie ist im Filmgeschäft tätig. So kann er Privatleben und Beruf gut verbinden. „Meine Frau Gesa ist Produzentin und wir arbeiten gemeinsam an unseren Projekten. Dabei arbeiten wir immer wieder eng mit guten Freunden, wie zum Beispiel Cornelia Funke, zusammen, denn Arbeitszeit ist auch Lebenszeit“, sagt Engel.
Von Renate Kerscher