Walter Gunz gründete 1979 mit zwei Partnern den Elektronikmarkt „Media Markt“.

„Der Kopf allein kennt keinen Wert“

Er hat aus dem Nichts ein Imperium erschaffen – weil er seine Ideale leben wollte. Media-Markt-Gründer Walter Gunz ist im Kern seines Wesens vor allem Philosoph und Menschenfreund. Dass er außerdem ein Händchen fürs Geschäft hat, machte den heute 74-Jährigen zur Unternehmer Legende. Doch für seine Karriere musste er auch große Opfer bringen.

 

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Erfolg ist das Glück, dass aus dem rechten Handeln etwas Dauerhaftes erfolgt, das einen Wert hat. Und Erfolg ist für mich auch, wenn sich bei einem wie mir, der nicht aus einer reichen Familie kommt und der sein letztes Geld für seinen ersten Media Markt zusammengekratzt hat, materieller Erfolg einstellt. Weil er gemeinsam mit anderen Menschen über viele Jahre richtig gehandelt hat.

 

Was war Ihr letztes großes Erfolgserlebnis?

Dass mich mein junger Hund, dieses sensible, feine, sehr zurückhaltende Wesen, so bedingungslos als Leader liebend anerkannt hat. Das ist nicht selbstverständlich.

 

Wie startet man ein Unternehmen wie Media Markt?

Jeder Handlung geht eine Vision voraus. Ich war vorher bei Karstadt. Da war man eher eine Nummer. Deshalb hatte ich die Vision, mit Menschen zusammen etwas zu erschaffen, bei dem jeder Einzelne mit Freude, ohne dass man viel regulieren muss, Verantwortung übernimmt. So eine Vision wird dann das Ziel. Man muss sich immer drei Fragen stellen: Kann ich? Darf ich? Soll ich? Kann ich – habe ich die Leute, habe ich das Geld und verstehe ich fachlich etwas davon? Darf ich – ist das ethisch zu verantworten, ist das anständig? Und dann kommt die Frage, die sich die wenigsten stellen: Soll ich – will ich das wirklich, ist das für mich vorgesehen? Nur was man gerne tut, wird gut.

 

Kann man Erfolg steuern?

Man kann ihn nicht planen oder machen, aber wenn man die drei Fragen mit ja beantwortet hat und man an sich und die Idee glaubt, stimmen die Voraussetzungen. Jesus hat gesagt „es geschieht dir, wie du geglaubt hast“, er sagte nicht „wie du verdient hast“. Aber selbst, wenn das alles zutrifft, ist der Erfolg kein Automat. Ich hatte genügend Misserfolge, auch bei Dingen, an die ich geglaubt habe.

 

Wann wurde Ihnen bewusst, dass Sie es ganz nach oben geschafft haben?

Vielleicht nach zehn Jahren. Als wir die Metro-Kaufhof-Gruppe reingeholt haben – was eigentlich die erste Fehlentscheidung war. Wir dachten, das könnte eine Win-Win-Situation werden, weil wir wussten, dass wir ins Ausland müssen, wenn wir weiter wachsen wollen. Die Kultur im Konzern war aber eine ganz andere als unsere.

 

Wie schlimm fühlt es sich an, wenn die eigene Vision den Bach runtergeht?

Den Bach ist sie erst runtergegangen, nachdem wir drei Gründer nicht mehr da waren. Dann sind die „grauen Männer“ aus „Momo“ gekommen, Menschen, die ihrem Ego verhaftet sind und kontrollieren wollen. Diesen Prozess konnten wir, als wir noch präsent waren, verhindern. Die großen wirtschaftlichen Erfolge, die es bis zu unserem Ausscheiden gab – und wohlgemerkt nicht mehr danach – haben uns den Rücken gestärkt. Nach unserem Weggang ist das Unternehmen energetisch, geistig, inhaltlich und wirtschaftlich abgeschmiert zu einem Unternehmen wie jedes andere. Wenn einem Dinge entgleiten, die man in Liebe abgegeben hat, ist das schlimm…

Das ganze Interview können Sie im Print Magazin Secrets of Success lesen. Dieses ist ab dem 4. Dezember 2020 im Handel.