GODO RÖBEN


Ich setzte auf die rechte Gehirnhälfte – also aufs Bauchgefühl und Empathie

Er ist ein Magier der Food-Industrie. Aus einer Fleischerei-Kette hat Godo Röben erst die Marke Rügenwalder Mühle geschaffen – und dann aus einer Firma, die berühmt für Wurstprodukte war, ein Unternehmen, das kulinarisch auch Vegetarier und Veganer glücklich macht und deshalb heute 60 Prozent des Umsatzes fleischlos generiert. Heute ist der Vordenker selbstständig und zaubert für Unternehmen als Aufsichtsrat, Beirat und Berater neue Ideen aus dem Hut.

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Was bedeutet für Sie Erfolg?

Erfolg ist eine Säule im Leben, die viel Spaß machen kann. Aber keine Säule, die, falls sie mal wegfällt, das ganze Leben zum Wackeln bringt.

Was wollten Sie als Kind werden?

Bierkutscher – weil meine Eltern einen Getränkegroßhandel hatten und ich von klein auf bei der Belieferung der Kneipen meiner Heimatstadt vorne mit im Lkw saß. Heute könnte ich mir vorstellen, dass es schön wäre, Archäologe zu sein. Nicht, dass ich davon Ahnung habe, aber ich hätte gern mein Leben lang weiter draußen im Sand gespielt, meine Neugier gestillt, die Welt kennengelernt und am Ende des Tages dafür auch noch Geld bekommen.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?

Ich kann mir nur vorstellen, für ein Produkt zu arbeiten, das man mit Genuss verzehren kann. Und da mein Bruder mir den Bierkutscher-Job weggeschnappt hat, blieb für mich die Wurst.

Was war die größte Schwierigkeit, die Sie für Ihren Erfolg überwinden mussten?

400 Kollegen und die Inhaber der Rügenwalder Mühle davon zu überzeugen, dass die „andere Seite“ – also die der Menschen, die weniger Fleisch und Wurst aus Tieren essen wollen – recht hat, und es absolut Sinn macht, wenn wir alle mindestens 50 Prozent weniger Tiere essen.

Welche Rückschläge mussten Sie auf Ihrem Karriereweg verdauen?

Ganz aktuell: nach 25 Jahren und großen Erfolgen aufgrund eines Generationenwechsels nicht mehr für die wunderbare Marke Rügenwalder Mühle verantwortlich sein zu dürfen. Überwunden habe ich das aber relativ schnell, ich wollte schon immer selbstständig sein und habe jetzt die Chance, den Markt der Alternativen Proteine in über zehn Firmen als Aufsichtsrat, Beirat oder Berater voranzubringen. Dazu darf ich als Vorstand des Verbandes der Alternativen Proteine und als Beirat des niedersächsischen Wissenschaftsministeriums beim Thema Ernährung der Zukunft meine Erfahrung mit einbringen. Somit habe ich jetzt die Chance, ein viel größeres Rad in diesem wichtigen Bereich der Ernährung zu drehen.

Wobei haben Sie – außer im Beruf – gern Erfolg?

In jeglichen Diskussionen. Da bin ich, wenn ich meinem Umfeld so zuhöre, sehr rechthaberisch.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?

Ewige Neugier und der Drang, alles verbessern zu wollen. Das, was ist, kann niemals perfekt sein. Und das, was kommt, ist auch nur ein Stückchen besser.

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?

Indem ich die Grenzen verwische. Beispielsweise lese ich schon mein ganzes Berufsleben lang vier bis fünf Stunden täglich alles über Ernährung, technischen Fortschritt und gesellschaftlichen Wandel. So kann es sein, dass ich während der Arbeitszeit durch Rezepte in der Brigitte blättere, durch Berlin schlendere und mir Restaurants angucke, mir die schönsten Ernährungsseiten im Netz ansehe … Und am Sonntag lese ich dann den Vegconomist oder Bücher über die Bevölkerungsexplosion und diskutiere mit meiner Familie und meinen Freunden oder ich arbeite einfach zwei bis drei Stunden, weil ich gerade Lust dazu habe.

Was ist Ihr Ausgleich zum Alltag?

Ich gehe jeden Tag 30 Minuten mit meinem Hund joggen. Gerade wenn ich eine größere Aufgabe oder zu wenig Power habe, bringt mir diese Sauerstoffdusche in der Natur eine Menge Kraft. Gerne darf es auch regnen oder schneien. Danach ein, zwei Gänge in der Sauna und ich habe wieder viele neue Gedanken und Lösungen.

Welche Sehnsüchte haben Sie?

Ich bin mal drei Monate allein durch die USA gereist, von Hawaii bis Key West. So eine Tour würde ich gern auch einmal rund um die Welt machen. Dann aber für unbegrenzte Zeit – und nicht allein, sondern mit meiner Frau.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Der Glaube an den gesunden Menschenverstand und Vertrauen auf das Bauchgefühl.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen brauchen?

Die rechte Gehirnhälfte ist wichtiger als die linke Hälfte. In dieser Welt, in der jeder an alle Informationen kommt, bringen reine Daten, Zahlen und Fakten keinen Vorteil. Nur die Menschen, die sie mit Ihrer rechten Gehirnhälfte verarbeiten, werden auf Dauer erfolgreich sein.

Emotionale Intelligenz, Empathie, Kreativität – das sind die Dinge, die uns von Maschinen, Robotern und der künstlichen Intelligenz unterscheiden.

Und von denen, die nur ihre linke Hälfte nutzen.

Wie leiten Sie ihr Team?

Wir besprechen Ziele, die wir langfristig erreichen wollen. Wie man dort hinkommt, bleibt jedem/jeder selbst überlassen. Aber trotzdem versuche ich überall meine Hilfe anzubieten. Am Ende muss es ja auch jemanden geben, der entscheidet. Meine Mitarbeiter haben das immer Godo-kratie genannt.