CHRISTIAN BECKER, DAVID LÖWE


Geschäftsideen, die die Welt besser machen

Fahrrad-Rahmen aus dem 3-D-Drucker, umweltfreundliche Produkte für die Hausarbeit, nachhaltiges Handy-Equipment und CO2-freie Kurierfahrten: Wir stellen fünf Unternehmen vor, die ausgezogen sind, um die Umwelt zu retten.

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Nach der Geburt meiner Tochter wollte ich Teil der Lösung sein!

In einem früheren Leben war David Löwe erfolgreicher PR-Mann, heute will er die Welt – oder zumindest unsere Wohnungen – von Plastik befreien. Gemeinsam mit Gleichgesinnten gründete er im Herbst 2019 das Start-up EVERDROP. Seitdem wurden mehr als acht Millionen Einwegflaschen Reinigungsmittel dank Tabs, die sich mit Wasser in eine Putzlösung verwandeln, gespart.

Wie ist die Idee zu everdrop entstanden?

Meine Mitgründer und ich waren auf der Suche nach einer Idee, mit der wir den Alltag in unserer Gesellschaft ein bisschen nachhaltiger machen können. Also haben wir uns in unseren eigenen vier Wänden umgeschaut – und das Problem, das uns da ins Auge sprang, kennt wohl jeder: Ein Putzmittelschrank voller Einwegplastikflaschen, die nicht nur völlig unnötig für Müll sorgen, sondern in den meisten Fällen auch noch eine ästhetische Folter sind. So kamen wir auf die Idee, Tabs zu produzieren, die man selbst zu Hause in immer wieder verwendbaren, stylischen Flaschen auflöst.

Wie konntet ihr etwas entwickeln, bei dem die großen Konzerne nicht von der Stelle kommen?

Innovationen entstehen meist in kleineren Organisationen. Weil sie schneller, agiler, risikobereiter sind. In Konzernen gibt es häufig viele Gremien und Management-Strukturen mit einer hohen Grund-Skepsis gegenüber Veränderungen. Da kommen solche Ideen meist nicht durch.

Hat euch jemand für verrückt erklärt?

Dass wir als kleines Unternehmen die großen Player herausfordern, das haben natürlich viele als verrückt angesehen. Wir haben uns davon aber nicht verunsichern lassen und bis heute nicht eine Sekunde daran gezweifelt, dass wir auf der richtigen Spur sind.

Ist bei everdrop immer alles so gelaufen wie geplant?

Natürlich hatten auch wir mal Momente, in denen es nicht so vorwärtsging, wie wir uns das gewünscht hätten. Denn wenn man als junge Firma frischen Wind in eine so traditionelle Branche wie den Reinigungsmittelmarkt bringt, dann begegnen einem so einige Hürden.

Wichtig ist es auch, die Misserfolge offen zu kommunizieren.

Wie groß war das persönliche finanzielle und berufliche Risiko?

Das war schon nicht ohne: Wir haben sichere Jobs mit gutem Gehalt für everdrop aufgegeben. Als Familienväter war das für uns ein Risiko – vor allem weil wir mit unseren eigenen Ersparnissen gestartet sind.

Welche Visionen gibt es für die Zukunft von everdrop?

Wenn man sich den Haushalt anschaut, gibt es noch sehr viel Entwicklungspotenzial, nach nachhaltigeren Lösungen zu suchen. So arbeiten wir an Weiterentwicklungen und komplett neuen Produkten, die dazu beitragen sollen, den Alltag ein bisschen sauberer zu machen.

Du kommst eigentlich aus der konsumorientierten Medienbranche. Gab es eine Art „Erweckungsmoment“?

Ja, den gab es. Mir wurde irgendwann immer klarer, dass reiner Konsum die Probleme der Welt verschlimmert. Der Klimawandel und die Vermüllung unserer Umwelt sind immer mehr in meinen Fokus gerückt. Ich begann zu meditieren, mich vegan zu ernähren und insgesamt mehr Achtsamkeit in meinen Alltag zu bringen. Durch die Geburt meine

Beschreibe deinen grünen Lifestyle …

Ich ernähre mich nahezu vegan, kaufe, wann immer es geht, unverpackt und fahre innerhalb Deutschlands nur mit dem Zug. In der Stadt bin ich auf dem Fahrrad unterwegs und wenn es mal ein Auto sein muss, dann mache ich Carsharing. Bei Kaufentscheidungen stelle ich mir immer zuerst die Frage, ob ich das wirklich benötige. Aber auch ich bin natürlich nicht perfekt und bei manchen Punkten noch nicht so nachhaltig, wie ich es gerne wäre. So geht es, denke ich, den meisten von uns.

Was bedeutet für dich Erfolg?

Wenn ich es schaffe, meinem beruflichen und privaten Handeln einen Sinn zu verleihen. Daher finde ich es auch großartig, mit everdrop einen positiven Impact zu haben, etwa dass unsere Produkte bisher schon weit über sieben Millionen Einweg-Plastikflaschen eingespart haben.

Und das Tolle ist: Je erfolgreicher wir sind, desto größer ist unser positiver Impact.

Was müssen aus deiner Sicht Geschäftspartner mitbringen, damit es miteinander klappt?

Wir sollten das gleiche Werte-Set mitbringen und uns persönlich gut verstehen. Auf fachlicher Ebene sollten wir uns ergänzen, uns aber auch regelmäßig gegenseitig herausfordern und Dinge infrage stellen.

Was ist ein Must-have in deinem Beruf?

Ein großartiges Team, auf das man sich verlassen kann – wir sind heute über 150 „Drops“ – und das ein gemeinsames Ziel verfolgt. Was mir persönlich superwichtig ist: täglich Sport, gesunde Ernährung, acht Stunden Schlaf. Natürlich klappt das nicht immer, aber ich versuche es.

Was ist dein Erfolgsgeheimnis?

Egal ob beruflich oder privat:

Ich widme mich den Dingen, die mich begeistern, und umgebe mich mit Menschen, die mich inspirieren.

Ich versuche, komplett im Hier und Jetzt zu leben und so achtsam wie möglich zu sein. Unser Alltag ist oft so hektisch und schnelllebig, da lohnt es sich auch mal, einen Blick nach innen zu werfen.