Die Mischung machts: Ihr Führungsstil ist offen und teamorientiert – aber sie kann auch ohne Probleme harte Entscheidungen treffen. Foto© Victor Brott

„Stillstand ist nichts für mich!“

Sie hat ein ganz normales Privatleben, ist dreifache Mutter – und ja, es ist möglich: Gleichzeitig ist Susanna Schneeberger auch im Vorstand der SKF, einem schwedischen Konzern mit 44400 Mitarbeitern, 15 Technologiezentren und 103 Produktionsstandorten, der fast 40 globale Industriesegmente beliefert – und außerdem hat sie mehrere Posten in Aufsichtsräten inne. Die sympathische Karrierefrau ist das perfekte Beispiel, dass man beides haben kann. Und eigentlich sollte das aus Susanna Schneebergers Sicht heute auch gar nichts besonderes mehr sein…

Wer ist Ihr Vorbild?
Mir fallen drei besonders bewunderungswerte Frauen ein. Da sind zunächst Christine Lagarde und Angela Merkel – die beide mehr Einfluss und Macht haben als viele jemals für möglich gehalten haben. Und die beeindruckende Ruth Bader Ginsburg, die sowohl auf persönlicher und gesellschaftlicher Ebene, entgegen aller Erwartungen, mit Selbstvertrauen, Intelligenz, Integrität und Klasse unglaubliches erreicht hat.

Was war ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Ich wollte immer international arbeiten und hatte bereits in meiner Kindheit den starken Wunsch, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu beeinflussen und Sachen voranzutreiben. Du kannst doppelt so viel schaffen, wie du denkst, hat mir mein Vater als Motivation mit auf den Weg gegeben. Und das bin ich dann auch angegangen; zunächst mit zwei Masterabschlüssen, in International Business und European Affairs. Darauf folgten schnell erste internationale Stationen in den USA, Großbritannien, Frankreich, Schweden und Deutschland.

Was treibt Sie an?
Ich liebe es, Neues zu lernen, mich weiter zu entwickeln und mich von interessanten und kompetenten Menschen inspirieren zu lassen. Ich schätze die Dynamik, die entsteht, wenn Menschen aus verschiedenen Branchen mit unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Hintergründen zusammenfinden. Stillstand ist nichts für mich!

Wie hart ist es als Frau in einer Männer-Domäne zu bestehen?
Ich bin es inzwischen gewohnt, da ich mich bereits im Alter von 13 Jahren politisch engagiert habe und immer wieder in männlich geprägten Umgebungen tätig war. Man muss ein gesundes Maß an Selbstvertrauen haben, da man als Frau auffällt und sich häufiger beweisen muss. In vielen Situationen herrscht nämlich, oft unbewusst, Skepsis und Konkurrenzdenken. Da es heute ein viel größeres Bewusstsein an Vielfaltsthemen gibt, äußert sich dies in vielen Fällen subtiler als früher. Auch, wenn es letztlich immer um Herausforderungen geht, und die sind, egal ob Mann oder Frau, die gleichen.

Wie setzt man sich als Frau durch beziehungsweise wie erarbeitet man sich Respekt?
Mit Professionalität, Ausdauer, Ergebnissen und Führungsstärke. Ich habe das Glück gehabt, dass ich oft umgeben war von Menschen, die an mich und meine Fähigkeiten geglaubt haben und mir Chancen gegeben haben, mich zu beweisen.
Glücklicherweise habe ich eine explizite Diskriminierung nie erlebt, „Mansplaining“ und unbewusste Vorurteile, die dazu geführt haben, dass ich anders behandelt wurde, jedoch sehr wohl.

Werden Sie oft unterschätzt?
Manchmal wird meine eher offene und zumeist freundliche und teamorientierte Art, zumindest in Deutschland, als „lasche Führung“ interpretiert. Wenn es dann zur Sache kommt, merken die Leute aber ziemlich schnell, dass ich auch hart bei Entscheidungen sein kann, eine hohe Erwartungshaltung habe und vollen Einsatz verlange. Für mich ist Freundlichkeit und eine nicht-hierarchische Arbeitsweise kein Gegensatz zu Ergebnisorientierung und Führungsstärke, eher umgekehrt.

Haben Sie Ihre Optik eher den Männern angeglichen oder spielen Sie mit Ihrer Weiblichkeit?
Am Anfang meiner Karriere habe ich meistens dunkle Hosenanzüge und diskrete Blusen getragen. Die letzten 15 Jahre habe ich aber auf Farben gesetzt, Röcke oder Kleider getragen, da das einfach besser zu meiner Persönlichkeit passt.

Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau. Gilt das umgekehrt auch?
Ich glaube an starke Partnerschaften und denke, dass hinter einer starken Frau vielleicht ein noch stärkerer Mann steht als andersrum. Denn die Situation entspricht ja nicht unbedingt der Norm; ein Mann muss mit einer starken Frau umgehen können – das kann er in der Regel nur, wenn er mit sich im Reinen ist.

von Johanna Reichert

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen!

Gisbert Brunner ist Uhrenjournalist seit 1981 und Autor von rund dreißig Uhrenbüchern. Seine Beiträge zeichnen sich durch profundes Wissen und ein echtes technisches Verständnis aus, die online u. a. auf Uhrenkosmos zu finden sind. Fotos: © Lang & Heyne

Erfolgreich mit tradierter hoher Uhrmacherkunst, die heute selten geworden ist.

Gisbert Brunner über den Erfolg der Uhrenmanufaktur Lang & Heyne

Ausgewiesenen Kennern sind die Armbanduhren von Lang & Heyne selbstverständlich ein Begriff. Allerdings bleiben diese Zeitmesser mit feinen Manufakturkalibern bei vielen ein ewiger Wunschtraum. Vorzügliches ist bekanntlich rar.

Die Uhren von Lang & Heyne sind ausgesprochen selten. Per annum entstehen in Dresden weniger als 100 Exemplare. Hier heißt es geduldig zu warten, bis der bestellte Zeitmesser endlich eintrifft. Was sie für ihr gutes Geld erwarten dürfen, wissen die Kunden sehr genau. Lang & Heyne liefert nur eigens entwickelte Kaliber auf höchstem Niveau. Uhrwerke mit einer Wertschöpfung von 90 Prozent im eigenen Haus, die in kleinen Ateliers und familiärer Atmosphäre nach allen Regeln überlieferter Handwerkskunst entstehen. Umfangen von Gehäusen, welche dem Anspruch an das konventionell tickende Innenleben, mit und ohne unterschiedlichste Komplikationen, keinen Deut nachsteht. Am Handgelenk betrachtet vermitteln die Uhren die Erkenntnis, dass das Ganze weitaus mehr ist als die Summe seiner Teile.

Die Kreationen sollen überlieferten handwerklichen Kriterien genügen. Seit der Gründung 2001 bis heute musste man diese überlieferten Werte nicht preisgeben. Darunter zählen das Gewand aus angeriebenem Silber und das aus hartem Roségold gefertigte Räderwerk, ganz so wie in den alten Taschenuhren von damals. Bei der Feinbearbeitung und Assemblage duldet die kleine aber feine Manufaktur keine Kompromisse. Die Politur der Stahlteile erfolgt nach guter alter Sitte. Durch die Verwendung von Zinnplatten entsteht der berühmte schwarz wirkende Hochglanz. Bei der Teileform geht es einzig und allein um die Ästhetik und nicht um die Ökonomie bei deren Finissage. Aus diesen Gründen verbringen die Handwerker in den kleinen Ateliers oft Tage damit, bis alle Komponenten die gewünschte Perfektion erhalten haben. Erst dann kann sich ein Uhrmacher an die Montage machen. Bis zum ersten Tick-Tack bleiben alle Schritte einer Person vorbehalten.

Lang & Heyne beweist damit nicht nur ein außergewöhnlich hohes handwerkliches Geschick, sondern auch Flexibilität. Diese erlaubt es, weitere Sonderwünsche wie zum Beispiel spezielle Gravuren nach Rücksprache mit großer Freude zu erfüllen.

Dr. Dejan Hušman hat mit seinem Start-up denovoMATRIX Großes vor. Foto: © Oliver Killi

Stammzellen für alle!

Noch ist denovoMATRIX eine kleine Firma mit fünf Mitarbeitern, aber Geschäftsführer Dr. Dejan Hušman hat große Pläne: Der 31-Jährige will mit seinem Start-up dabei helfen, Stammzellen im großen Stil zu züchten. Damit könnte sein Unternehmen sehr viele Leben retten.

Was genau – für Laien erklärt – machen Sie bei denovoMATRIX?
Wir haben eine Technologie entwickelt, mit der sich Stammzellen viel leichter züchten lassen. Therapien, die mittels dieser Zellen beispielsweise Blut-, Haut- oder Augenkrankheiten heilen, sind ein Trend in der Medizin. Sie ersetzen immer häufiger klassische Medikamente. Wissenschaftler arbeiten auch daran, Organe aus Stammzellen zu drucken. Allerdings war es bisher schwierig, sie massenhaft in hoher Qualität zu züchten. Das Problem konnten wir lösen: Wir haben eine chemische Beschichtung für Laborbehältnisse entwickelt, die die Bedingungen nachbildet, in denen die Zellen im Körper wachsen.

Gab es Rückschläge?
Ja – als wir neue Teammitglieder an Bord geholt haben. An den Punkt zu kommen, dass wir zusammen gut funktionieren, hat uns Monate gekostet – viel länger als gedacht. Es dauert, bis man lernt, seine Aufgaben im Start-up selbst zu definieren, da potenziell viele Wege zum Ziel führen.

Werden Sie ab und zu von Existenzsorgen geplagt?
Unser Glück ist, dass wir denovoMATRIX in Deutschland gegründet haben und nicht in einem Land, in dem Investoren nichts davon halten, wenn sich die Gründer ein angemessenes Gehalt zahlen. Trotzdem mussten wir durch die Coronakrise den Gürtel enger schnallen und Opfer bringen, die unser Team und die Familien der Gründer mittragen mussten. Es ist toll, wie sehr uns alle unterstützen. Ich würde behaupten, wenn es zu Hause nicht passt, kann man nicht erfolgreich sein. Egal, was man beruflich macht.

Sie sind gerade Papa geworden: Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Jaja, die Work-Life-Balance… Ich muss zugeben, dass ich sehr auf meine Arbeit fokussiert bin. Meine Freundin versteht das zwar, aber ich will bewusst versuchen, jetzt auch der Familie mehr Raum zu geben.

Warum lohnt es sich, in denovoMATRIX zu investieren?
Wir haben uns in einer Marktnische positioniert, die bisher unbeachtet geblieben ist – dabei ist sie entscheidend für die Zukunft der Stammzellentherapie. Aus unserer Sicht ist es nur eine Frage der Zeit, wann der Sektor vollkommen erforscht sein wird. Dann schlägt unsere Stunde: Wir bei denovoMATRIX haben den Markt verstanden und haben die richtigen Kontakte, deshalb glauben wir an unseren Erfolg.

CeU-Mitglied Dagmar Wöhrl, der Erste Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg Dr. Peter Tschentscher und Kristina Tröger. Foto: Ulrich Tröger

Es gibt Erfolge, die sprechen für sich

Im Jahr 2015 gründete Kristina Tröger den Club europäischer Unternehmerinnen e. V., dessen Netzwerk innerhalb kürzester Zeit auf über 700 Unternehmerinnen und Frauen in oberen Führungspositionen anwuchs. Austausch auf Augenhöhe prägt das hochwertige Clubkonzept, ein unverkrampftes Miteinander, eine hochkarätige Vernetzung, auch mit Männern, die zudem bei den meisten Veranstaltungen als Gäste willkommen sind.
Mittlerweile gilt der CeU als eines der „wichtigsten Power-Netzwerke für Frauen“ (BUNTE) bzw. als „hochkarätiges Unternehmerinnen-Netzwerk“, das „Königinnen des Unternehmertums“ (Frau im Spiegel) in einem „der bundesweit renommiertesten Frauennetzwerke“ (Hamburger Abendblatt) vereint. Dazu passt, dass der Club in einer so einschneidenden Krise wie der Corona-Pandemie schnell einen Weg gefunden hat, proaktiv mit der Situation zu verfahren und gestärkt aus ihr hervorzugehen.

Noch im März 2020 startete der Club die Kampagne „CeUs für CeUs“. Die Mitglieder wurden dazu aufgerufen, bevorzugt Produkte und Dienstleistungen von Mitgliedern einzukaufen und mit Rat und Tat zu unterstützen, wo nötig. Es wurde eine Präsidentinnen-Sprechstunde eingeführt, die allen Mitgliedern für akute Fragestellungen offensteht. Und darüber hinaus startete der Club in den sozialen Netzwerken wie Instagram und Facebook die Initiative „Inside CeU’s“. Dort wurde gezeigt, wie CeU-Mitglieder den neuen Alltag im Corona-Zeitalter erleben und damit umgehen. Die Resonanz auf diese Initiativen war überaus positiv! Sie stärkten den Gemeinschaftsgeist und unterstützten mental und praktisch.

Und natürlich ging CeU auch mit voller Kraft seine Digitalisierung an. Die erste von vielen virtuellen Veranstaltung fand bereits im April 2020 statt. Diese sind mittlerweile fester Bestandteil des Clubprogramms. Zudem wurden neue digitale Formate entwickelt wie beispielsweise CeU Headlines, in deren Rahmen führende Köpfe zu Themen sprechen, die brandaktuell in den Medien diskutiert werden. Mit diesem innovativen Veranstaltungsformat, das CeU in dieser Form und Tagesaktualität mit klassischen analogen Veranstaltungen niemals hätte anbieten können, ist es gelungen, die Vorteile der virtuellen Plattformen optimal zu nutzen, und in dieser schwierigen Situation einen Mehrwert zu generieren.

Das Beispiel des CeU zeigt, wie wichtig es gerade in Krisen ist, sich schnell auf die neue Situation einzustellen und die sich ergebenden Chancen mit innovativen Ansätzen zu nutzen: idealerweise als Teil einer großen und starken Gemeinschaft wie dem Netzwerk des Clubs. Das ist die beste Basis um am Ende gestärkt aus einer solchen Krise hervorzugehen.

Mehr Informationen erhalten Sie unter www.ceu-hamburg.eu

Tim Niedernolte ist TV-Moderator beim ZDF („hallo deutschland“), Buchautor und Keynotespeaker. © Julia Baumgart photography

RESPEKT – DIE KRAFT DIE ALLES VERÄNDERT

Respekt und Erfolg sind eng miteinander verknüpft. Wenn Respekt im Vordergrund steht, betrachten wir die Menschen, denen wir begegnen, mit anderen Augen. Wir nehmen ihre individuellen Stärken und ihre Bedeutung für das große Ganze in den Blick. Dadurch entsteht ein anderes Miteinander. Unserem Gegenüber zu zeigen: Du wirst gesehen, du bist wichtig; gut, dass du da bist – das verändert alles! Denn jeder sehnt sich nach Anerkennung und Beachtung, egal, welche Aufgabe er oder sie hat. Spürbare Wertschätzung und ein sorgsamer Umgang miteinander führen dazu, dass Menschen sich wohl fühlen. Und das setzt ungeahnte Kräfte frei. So entsteht gemeinsamer Erfolg. Gerade in Krisenzeiten ist Respekt ein entscheidender (Erfolgs-) Faktor.

ZEHN IMPULSE

1. Respekt fängt immer bei mir selbst an. Wenn ich mich nicht einmal selbst mit all meinen Bedürfnissen respektiere und auch das, was ich (nicht) habe, (nicht) kann und (nicht) bin – wie sollen meine Respekt-Ressourcen dann für die Menschen in meinem Umfeld reichen?

2. Wenn ich respektvoll leben will, darf es mir nicht egal sein, was den anderen bewegt und was um mich herum passiert.

3. Respekt sieht den Menschen so, wie er ist.

4. Respekt heißt, andere Meinungen – sofern sie nicht menschenverachtend sind – wahrzunehmen und stehen lassen zu können. Die eigene Sichtweise ist weder die
einzig existierende noch muss sie die einzig wahre sein.

5. Respekt erfordert Mut! Es gilt aufzustehen und zu sagen, was dran ist. Und es gilt liebevolle Zeichen zu setzen.

6. Respekt wird sichtbar, indem wir einem anderen Menschen etwas Gutes tun. Einfach so. Mitten im Alltag. Weil sie oder er es verdient hat. Es sind die Kleinigkeiten, die den Unterschied machen.

7. Respektvoll leben heißt dankbar sein. Nicht immer, nicht für alles und jeden – aber viel öfter und bewusster, als wir es meistens tun.

8. Respekt bedeutet: Vertrauen schenken und an jemanden glauben; manchmal sogar stellvertretend für denjenigen selbst.

9. Achtsam reden, unseren Mitmenschen zugewandt sein, hinhören und mitfühlen – das sorgt für frische Luft in unserer Gesellschaft und hilft, den Gestank von Respektlosigkeit zu bekämpfen.

10. Respekt hat immer Luft nach oben. Entscheidend ist, was Sie selbst daraus machen …

BUCHTIPP:

Tim Niedernolte
Respekt!
Die Kraft, die alles verändert – auch mich selbst
ISBN 978-3-96340-132-9

Mit 16 Jahren gründete Josef Brunner sein erstes Unternehmen. © Josef Brunner privat

„Scheitern ist keine Option“

3.000 Mark haben Josef Brunners Eltern in ihren Sohn investiert – er wollte einen Computer zum Programmieren haben. Das Geld war knapp, aber der Junior wurde unterstützt. Daraufhin beendete Brunner die Schule und gründete mit 16 Jahren sein erstes Unternehmen. Über zwanzig Jahre später hat Brunner zig Unternehmen gegründet und gewinnbringend weiterverkauft. Das Investment seiner Eltern war gut angelegt. Doch was treibt einen 16-Jährigen dazu, schon so früh zu gründen?

„Mein Antrieb war der Schmerz. Meine Eltern waren selbstständige Bäcker und wurden damals von Backshops und Supermärkten wegdisrupiert. Daraus ist ein Schmerz entstanden, meine Eltern scheitern zu sehen“, sagt Brunner. Das war sein Antrieb, zu starten. Die Armut und der Schmerz sind tatsächlich etwas, das sich gerade Tech-Unternehmer teilen, wenn es ums Starten geht. „Das Ganze positiv kanalisiert, gibt einem die Energie, immer noch einen Schritt weiterzugehen und härter zu arbeiten“, erklärt Brunner.

Josef Brunner hatte schon sehr früh die Passion zum Programmieren entwickelt. Darum waren seine ersten beiden Unternehmen wohl auch auf IT-Sicherheit spezialisiert. „Das war damals ein Markt, den es noch gar nicht gab. Dementsprechend hatte ich keine Konkurrenz, konnte mich austoben und mein Hobby monetarisieren.“ Das war eine sehr glückliche Fügung für den Jungunternehmer, weil das Timing einfach passte. „Ich hatte wahnsinnig viel Glück.“

Mit 16 Jahren startete Brunner als Unternehmer. Dafür hat er seine Schullaufbahn frühzeitig beendet. „Mit 18 konnte ich meinen Eltern ein Haus kaufen. Das ist für mich immer noch das schönste, weil sie da heute noch drin wohnen und ich ihnen die 3.000 Mark verzinst zurückgeben konnte.“ Den Eltern ein Zuhause zu geben – nachdem sie ziemlich hart getroffen wurden.

Josef Brunner schwimmt auf der Erfolgswelle. Oberflächlich betrachtet. „Rückschläge gibt es jeden Tag“, sagt Brunner – und moniert zugleich, dass oft eine überromantisierte Start-up-Welt konstruiert werde. „Das ist total irreführend bei der Betrachtung der neuen Unternehmergeneration.“ Für ihn sei es schön, dass sich viele junge Leute für die Selbstständigkeit entscheiden würden, aber nachdem medial immer nur das Positive am Unternehmertum ausgebreitet werde, hätten seiner Meinung nach viele keine Vorstellung, worauf sie sich tatsächlich einlassen.

Darum ist Josef Brunner auch als Mentor aktiv und begleitet Menschen in die Selbstständigkeit. „Es gibt diesen “Make it or break it“-Moment im Unternehmertum. Da muss man entscheiden, ob das Ziel es einem wert ist, eine Bibliothek an Narben am Rücken zu sammeln.“ Brunner spricht von Rückschlägen, die einen verändern – auch charakterlich. Aber Rückschläge formen eben auch den Unternehmer. „Ich finde die gut, weil dadurch viel Energie freigesetzt wird. Aber man muss schon so ehrlich sein, dass nicht alles Sonnenschein ist.“

Wenn die Sonne bei Brunner gerade nicht scheint, geht er in die Berge zum Krafttanken. Der Unternehmer wandert gerne, egal zu welcher Jahreszeit und nach Möglichkeit jedes Wochenende. „Je weniger Menschen unterwegs sind, desto besser.“ In den Bergen, bei langen Touren, findet er Inspiration und Erdung zugleich. „Wenn ich im Winter irgendwo in den Bergen bin, dann merke ich, dass die Welt da draußen sehr, sehr hart ist. Das rückt die Sachen wieder in die richtige Perspektive.“

Apropos Perspektive – die Weitsicht hat Brunner manchmal gefehlt. Darum hat er sich gerne an die Hand nehmen lassen. „Ich hatte drei wichtige Mentoren, die mich letztendlich dahin geführt haben, wo ich heute bin. Sonst hätte es vielleicht auch ganz anders ausgehen können.“ Tom Noonan habe ihm den Schubs gegeben, sich mehr Marketing und Vertriebs-Know-how anzueignen, und ihm gezeigt, wie wichtig Firmenkultur und ein Wertesystem sind. John Chambers habe seinen Fokus auf Markttransformationen gelegt.
Von Renate Kerscher

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen!

ai Figge (l.) und Andreas Lüning (r.) entwickelten vor 35 Jahren die erste kommerzielle Antivirensoftware der Welt – sie teilen sich heute den Vorstand von G DATA. Foto: G Data

35 Jahre IT-Sicherheit made in Bochum

In einer Gartenlaube entwickelten Andreas Lüning und Kai Figge vor 35 Jahren die erste kommerzielle Antivirensoftware der Welt entwickelt und das Unternehmen G Data auf die Beine gestellt. Durch ständige Anpassung an eine sich rasant verändernde Branche spielen die beiden Freunde im Bereich der Cyber Security heute ganz vorne mit.

Alles begann mit einer 3,5-Zoll-Diskette und zwei Viren, die Andreas Lüning darauf fand. 1987 war das. Kurzerhand schrieb der damalige Student einen Code, um die Viren zu beseitigen und erzählte seinem späteren Geschäftspartner Kai Figge davon. Der wiederum erkannte das Potenzial von Lünings Werk. Fortan trafen sich die beiden in einer Bochumer Gartenlaube, um gemeinsam an einem Programm zu tüfteln. Kurz darauf der große Hit: Das AntiVirenKit, das erste kommerzielle Antivirenprogramm der Welt, war geboren. Seitdem schreibt das Duo aus dem Ruhrgebiet mit G Data seine Erfolgsgeschichte unaufhörlich fort, wenngleich das nicht immer einfach war, und ist heute Teil eines kompetenten Hotspots von IT-Sicherheitsfirmen am Standort Bochum.

„Uns stand das Wasser schon ein paar Mal bis zum Hals“, sagt Andreas Lüning. „Da muss man die Ruhe bewahren.“ Der Grund für manche Unwägbarkeit lag in der rasanten Entwicklung der IT-Branche. Der Erfolgszug von PC und Internet, von iPhone und Co, Lüning und Figge haben alles hautnah miterlebt und sich immer wieder anpassen müssen: In den 1990er-Jahren machten sie viel in Software. Mitte der 2000er beerdigten sie ihre langjährigen Erfolgsschlager PowerRoute, der sich seit der Massentauglichkeit von GPS-Navis überholt hatte, PowerInfo, Logox und DaViDeo. Dann konzentrierten sie sich wieder voll und ganz auf Cyber Security. Und seit 2015 bieten sie neben Antivirensoftware auch IT-Security-Dienstleistungen an. Aus der Gründung von 1987 ist mittlerweile G Data CyberDefense geworden, eine Aktiengesellschaft mit 500 Mitarbeitern, über den ganzen Globus verteilten Niederlassungen und jährlichen Umsätzen im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Den Vorstand teilen sich Figge und Lüning nach wie vor.

Mit dem Begriff Karriere kann Andreas Lüning trotzdem wenig anfangen. „Wann wird man denn erwachsen?“, fragt er lachend. „Mit 19 haben wir komische Programme an Leute verkauft, die diese unbedingt haben wollten. Irgendwann kamen Mitarbeiter dazu, irgendwann ist es eine GmbH geworden und irgendwann eine Aktiengesellschaft. Aber ich bin ja immer noch der Alte“, sagt er. Der Gedanke, dass ihn neue Mitarbeiter vielleicht nur als alten Mann kennen, der im obersten Stock sitzt und irgendwas mit C – also CEO, CTO oder CFO – vor dem Namen trägt, lasse ihn erschrecken.

Kai Figge bezeichnet die zurückliegenden 35 Jahre als dynamischen Prozess. Dennoch hat sich vieles verändert. „Die Welt ist gerade im IT-Bereich viel schneller und komplexer geworden, genau wie die Vertriebs- und Marketingorganisation“, sagt Figge. „Und auch die Mitarbeiterführung funktioniert heute nicht mehr so wie vor dreißig Jahren“, ergänzt sein Geschäftspartner Lüning. Ab einer gewissen Größe komme man nicht mehr umher, Verantwortung abzugeben und müsse das Unternehmen so aufstellen, dass es sich auch selbst organisieren könne. „Als Führungskraft muss man heute viel zuhören und intensiv auf die Menschen eingehen, um zu erkennen, wie sie untereinander agieren und kommunizieren“, sagt Lüning. Da wiederum hakt Figge ein. Man müsse sich die Dinge, die unbewusst laufen, bewusst machen und reflektieren, ist er sich sicher.

Die beiden G Data-Vorstände ergänzen sich perfekt. Das ist wohl auch ein Grund für den jahrzehntelangen Erfolg des gemeinsamen Projekts. Andreas Lüning ist der technisch orientiertere und verantwortet deshalb primär diesen Bereich, dazu das Marketing. Kai Figge kümmert sich um die Finanzen, das Personal, den Vertrieb und die Organisation. Gemeinsam haben sie aus ihrem Gartenlaubenprojekt eines der führenden Unternehmen für Sicherheitstechnologien gemacht. Heute ist G Data der einzige Hersteller von B2B-Sicherheitslösungen, der aus Deutschland kommt und ausschließlich in Deutschland eigene Forschung und Entwicklung betreibt. In Bochum entstehen, auch dank des einzigartigen Netzwerkes vor Ort, moderne Sicherheitslösungen, die auf künstlicher Intelligenz und Graphentechnologie basieren.

Da die G Data-Geschichte seit jeher auch eine Geschichte der Anpassung an einen sich rasant entwickelnden Markt ist, lässt sich die Zukunft schwer voraussagen. „Es ist schwierig, im IT-Bereich weiter als drei bis fünf Jahre nach vorne zu blicken. Das ist Glaskugellesen“, sagt Lüning. Bei einem ist sich Kai Figge aber sicher: „Wir sind in der Vergangenheit auf viele Züge aufgesprungen, die durch Innovationen dann relativ schnell wieder abgefahren waren. Deshalb haben wir uns irgendwann dazu entschieden, uns wieder voll auf Cyber Security zu fokussieren. Das Thema bleibt uns auf Lebenszeit und darüber hinaus erhalten.“
Von Jonas Raab

Er möchte einer der Pioniere einer neuen Richtung der Medizin sein, der Plasmamedizin. Fotos: Kim Pottkämper

„Geht nicht“ – geht bei ihm gar nicht

Dr. Carsten Mahrenholz hat mit seinem Start-up Coldplasmatech chronischen Wunden den Kampf angesagt. Der vielfach ausgezeichnete Gründer ist getrieben vom Ehrgeiz, zu beweisen, dass nichts unmöglich ist.

Was genau macht Ihre Firma?
Am einfachsten kann ich das mit Raumschiff Enterprise erklären: Da gibt es den Dermal Regenerator – ein Handgerät, dass mit blau leuchtenden Strahlen Wunden verschließt. Im Prinzip haben wir genau so etwas entwickelt. Das blaue Leuchten ist in Wirklichkeit allerdings lila und die Technologie dahinter heißt kaltes Plasma. Es handelt sich hierbei um ein aus sich selbst heraus leuchtendes Gas, das im Gegensatz zu den in der Natur vorkommenden, heißen Plasmen kalt erzeugt wird. Wenn es mit Zellen in Kontakt kommt, werden biochemische Prozesse in Gang gesetzt. Bei behandelten Wunden wird das umliegende Gewebe besser durchblutet, das Immunsystem wird angeregt und die Zellen fangen an, sich zu bewegen. Man löst also Wundheilungsprozesse aus. Das funktioniert sogar bei chronischen Wunden.
Es gibt ein weiteres, großes Problem in Krankenhäusern: multiresistente Keime – und sogar hier liefern wir die Lösung. Bakterien und Pilze, die mit kaltem Plasma in Berührung kommen, sterben ab. Unser Unternehmen hat diese Technologie natürlich nicht erfunden, aber wir haben – in Form von Wundauflagen – einen Applikator dafür gebaut. Das war der Schritt, den dieses tolle Verfahren gebraucht hat, um vielen Patienten zu helfen. Unsere Wundauflage kann das kalte Plasma großflächig erzeugen – in nur zwei Minuten Therapie. Für den Behandler ist die Anwendung einfach, er muss eigentlich nur noch auf einen Knopf drücken.

Wie ist die Aufteilung bei Ihnen und Ihrem Mitgründer Tobias Güra – gesellt sich bei Ihnen Gleich und Gleich gern oder ziehen sich eher Ihre Gegensätze an?
Ich bin froh, dass ich jemanden gefunden habe, der mich ergänzt. Ich bin der extrovertierte Stratege, der unkonventionell ist und Sachen komplett neu denkt. Aber diese Eigenschaften sind auch die Grundlagen für meine Schwächen, die wiederum die Stärken von Tobias sind. Er ist viel besser im Mirkomanagement und hat das Auge für einzelne Prozesse. Gemeinsam trauen uns die Mitarbeiter und Partner zu, dass wir die ganz großen Räder drehen.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Sobald ich weiß, dass ich ein Ziel erreichen werde, ist es für mich nur noch ein Meilenstein zum nächsten, größeren Ziel. Ich erlaube mir relativ selten Erfolgsgefühle. Aber vielleicht blicke ich ja irgendwann zurück und kann sagen, dass ich etwas zum Positiven verändern konnte. Bei aller Ernsthaftigkeit und Erfolgsdiskussion ist mir wichtig, das Spielerische zu erhalten. Neben meinem Schreibtisch steht zum Beispiel die Millennium Falcon aus Lego, die ich in Telefonkonferenzen weiterbaue.

Hatten Sie je Existenzängste?
Für mich sind Situationen, in denen andere schlottern würden, eher interessante Herausforderungen. Ich habe Spaß daran, Krisen zu lösen. Es gab mal eine Situation, die war bezeichnend: Eine meiner Freundinnen leidet unter unglaublicher Flugangst. Als wir zusammen Langstrecke geflogen sind, hatte ich sie panisch erwartet, aber sie saß völlig entspannt neben mir – sie sagte mir, der Gedanke beruhige sie, dass ich aufstehen und den Flieger landen würde, sollten beide Piloten ausfallen. Wahrscheinlich hat sie recht damit, das klingt nach mir.

Hat man Ihnen je eine gewisse Hybris unterstellt?
Nein, ich erhebe mich ja nicht über andere. Aber ich habe durchaus eine Aufgabe, bei der Selbstbewusstsein und Sicherheit gefordert sind. Ich bin überzeugt von mir und den Entscheidungen, die ich treffe – das muss ich auch sein. Mein Beruf bringt ständig Situationen mit sich, in denen ich im übertragenen Sinne vor dunklen Räumen stehe, ohne zu wissen, was mich darin erwartet. Von mir wird aber verlangt, dass ich mich dort auskenne und mir sicher bin, wie es darin aussieht, wenn ich das Licht anschalte – bisher hat das auch funktioniert, deswegen folgen mir Leute in diesen Situationen.

Haben Sie eine Freundin oder Kinder?
Ich habe verschiedene Beziehungsformen gelebt und bin jetzt bei einer beeindruckenden Frau an meiner Seite angekommen, die mich auf allen Ebenen ergänzt. Manchmal als Unterstützerin, manchmal als Gegenpart. Aktuell habe ich noch keine Kinder, aber ich freue mich schon jetzt darauf, meinem Nachwuchs die Welt zu zeigen.

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Die Coronakrise hat viele in Bedrängnis gebracht. Um die Politik auf die Notsituation der Busbranche aufmerksam zu machen, hat Julien Figur im Mai 2020 eine Busdemo in Hamburg organisiert. Hier sieht man Julien Figur beim Einweisen von Reisebussen. Es waren 150 Busse. Foto: © Constantijn Gubbel bei der Demo in Hamburg dabei.

Einfach losfahren

Mit „Hanse Mondial“ einfach losfahren mit wenig Aufwand – das verspricht Firmengründer Julien Figur seinen Kunden. Zusammen mit seinem Bruder Chris und zwei Freunden, Emmanuel Stover und Tobias Warnecke, lenkt er die Full-Service-Mobilitätsagentur für europaweite Buslogistik sicher und souverän. Auch in schwierigen Zeiten bleibt der 33-Jährige ruhig am Firmensteuer: Obwohl die gesamte Branche wegen Corona in Schieflage geriet, steht die Ampel für die Hamburger Agentur weiterhin auf Erfolgskurs.

Das Coronavirus hat den Alltag aller drastisch verändert, sogar ganze Wirtschaftszweige in die Knie gezwungen. Die Reisebranche wurde durch das Virus an die Wand gefahren. Eine schwierige Zeit auch für Julien Figur. Er nutzte die Zeit, ins Team zu investieren, Prozesse und Strukturen aufzusetzen. Auch sein Netzwerk baute er aus. Denn statt eine eigene Busflotte aufzubauen, setzt „Hanse Mondial“ auf ein bundesweites Netzwerk aus über 1.000 Bus- und Reiseunternehmen, deren Reisebusse und Limousinen er im Auftrag seiner Kunden mietet und einsetzt. Egal, ob jemand komplexe Touren und Routen, regelmäßige Transfers und Shuttlefahrten oder einfache Transfers von A nach B braucht, egal, ob es sich um fünfzig Personen oder 50.000 handelt – Julien Figur und sein Team kümmern sich darum, dass am gewünschten Tag alle pünktlich, sicher und bequem ihr Ziel erreichen. Und auch noch nachhaltig. Gerade das ist Julien Figur wichtig. Denn das Coronavirus zwinge uns zum Umdenken, sagt er.

„Wir müssen nachhaltiger leben und unsere Einstellungen überdenken.“

Unser aller Ziel müsse sein, der nächsten Generation die Erde wohlbehalten zu übergeben. „Aber dafür müssen wir uns und unser gesellschaftliches Verhalten tatsächlich ändern.“

Mobilität, Reisen und Umweltschutz, passt das überhaupt zusammen? Für den 33-Jährigen keine Frage: Wer statt ins Auto in den Reisebus steigt, um von A nach B zu kommen, ist klimaschonend unterwegs, belastet die Erde im Vergleich zum Pkw mit nur einem Viertel an CO2-Ausstoß pro Kilometer. Deshalb will Julien Figur noch viel mehr Menschen dazu bewegen, auf den Reisebus umzusteigen. Im Gespräch mit ihm wird deutlich, wie sehr ihn das Thema Nachhaltigkeit umtreibt. Während des Lockdowns hat er den Podcast „Mobilität der Zukunft“ gestartet. In dem Podcast diskutieren Experten, Meinungsführer und Unternehmer darüber, wie sich Mobilität im Hinblick auf Digitalisierung und Umweltschutz verändern wird. Mit dabei waren bereits Interviewgäste wie z. B. Nachhaltigkeitsaktivist Marc Buckley, Zukunftsforscher Dr. Stefan Carsten und CDU-Politiker Dr. Christoph Ploß. „Die Zukunft sieht in meinen Augen so aus, dass der Mobilitätsmix im urbanen und ländlichen Raum digital und on demand über das Smartphone buchbar sein wird. Die Buslogistik der Zukunft ist autonom“, ist Julien Figur überzeugt. Und genau diese Vision treibt ihn an.

Inspiriert hat ihn sein früherer Chef, ein Visionär. „Von ihm habe ich unglaublich viel gelernt“, sagt Julien Figur. In die Firma kam er eher zufällig. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er berufsbegleitend BWL und heuerte bei einem Unternehmen an, dass Busse vermietet. Für ihn goldrichtig, wie sich herausstellte. Er konnte viele Erfahrungen sammeln und eigenverantwortlich arbeiten. „Allerdings habe ich schon in der 8. Klasse immer gesagt, ich will später mein eigener Chef werden“, erinnert sich Julien Figur. Im USA-Urlaub kam er zur Ruhe, dachte viel nach. Am Sandstrand von Florida trifft er eine Entscheidung: „Ich mache mich selbstständig.“ Er wollte nicht wie sein Vater in einem „Konzerndschungel gefangen die Karriereleiter hochklettern“. Sein Vater habe zwar in den Augen vieler Menschen Erfolg gehabt, aber „er war nie wirklich frei“. Aber gerade das ist für Julien Figur die Definition von Erfolg: Freiheit, zum Beispiel die Freiheit, eigene Ideen und Visionen umzusetzen.

Er sagt: „Erfolg messe ich nicht an der Größe eines Hauses, an der Anzahl schneller Autos oder anhand des Bankkontos.“
Von Claudia Rothhammer

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen.

Leidenschaft ist alles!

Violinistin Julia Fischer gilt als eines der größten musikalischen Talente unserer Zeit.

Schon als Kind wusste sie, dass Musik ihr Leben bestimmen würde. Auch wenn Julia Fischer sich heute nicht mehr ganz sicher ist, ob sie früher nicht vielleicht doch auch mal gejammert hat, wenn sie Geige üben musste. Aber das Gefühl, etwas verpasst zu haben, seien es nun Verabredungen zum Spielen oder später heiße Partys, hat sie rückblickend nicht. Ihr Erfolgsgeheimnis? „Vermutlich, dass ich nie nach Erfolg strebte“, antwortet die heute 37-Jährige. Dabei spielte sie bereits mit 20 Jahren in der legendären Carnegie Hall in New York, mit 23 Jahren wurde sie die jüngste Professorin Deutschlands und ihre Aufnahme von Bachs Konzerten ist das meistverkaufte klassische Debüt in der iTunes-Geschichte. Heute veröffentlicht sie neue Werke allerdings nur noch auf ihrer eigenen Plattform, dem „JF Club“ – oder auf Vinyl wie die Sonaten von Eugène Ysaÿe, die Anfang 2021 erscheinen. Vinyl ist für sie einfach „ein zukunftsweisenderes Medium als die CD.“ Trotzdem hat die Violinistin noch einen ganzen Stapel davon zu Hause – die sie aber so gut wie nie hört, das ist ihr zu passiv: „In der Regel mache ich Musik selber.“ Sofort gute Laune macht Julia Fischer übrigens der Donauwalzer von Johann Strauss.

Inspiration zieht die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes am Bande aus Gesprächen mit Kollegen, aus der Arbeit mit Studenten oder mit den kleinen Mitgliedern der von ihr gegründeten Kindersinfoniker und aus Konzerten – von denen sie im Jahr etwa 50 mit rund 30 verschiedenen Programmen gibt. Leidenschaft und Besessenheit treiben sie jeden Tag zu neuen Höchstleistungen und neuen Erfolgen an. Mit der Musik Schluss zu machen, das wäre völlig undenkbar für Julia Fischer – ein Ende der internationalen Bühnen-Karriere allerdings nicht: „Ich spiele sehr gerne in München und hier in meiner Umgebung. Auf das interkontinentale Reisen kann ich gut verzichten.“

von Johanna Reichert

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.

Sie ist aus der Klassikszene nicht mehr wegzudenken: Opernsängerin Eva Lind. © Jens van Zoes

„Immer 110 Prozent geben“

Eine kristallklare Stimme und eine sympathische Ausstrahlung: Eva Lind zählt zu den bekanntesten klassischen Sängerinnen unserer Zeit. Die gebürtige Innsbruckerin stand von Mailand bis New York auf allen großen Bühnen der Welt. Auch aus dem TV ist ihr Gesicht nicht mehr wegzudenken.

Im zarten Alter von drei Jahren wusste Eva Lind schon, was sie später einmal werden will: Opernsängerin. Gemeinsam mit ihren Eltern sah sie damals die Übertragung der Oper „Carmen“ im TV. Da war es um sie geschehen. Ein paar Jahre später – vier an der Zahl – bekam die kleine Eva von ihrer Großmutter eine Langspielplatte mit der Gesamtaufnahme der berühmten „Zauberflöte“ geschenkt. „Wenn niemand zu Hause war, habe ich alle Partien mitgesungen, vom Sarastro bis zur Königin der Nacht“, verrät sie. Dass sie mit 19 Jahren – ihr Gesangsstudium am Tiroler Landeskonservatorium hatte sie da bereits abgeschlossen – ihr Debüt an der Wiener Staatsoper in ebendieser Rolle als „Königin der Nacht“ feiern durfte, bezeichnet Eva Lind als „Traum“, der in Erfüllung ging. Es war der Start in eine steile Karriere.

Seither ist Eva Lind aus der Klassikszene nicht mehr wegzudenken. In den renommiertesten Opernhäusern der Welt stand sie schon auf der Bühne: In Paris, London, New York, Berlin, München, Stuttgart, Zürich, Mailand, Madrid, Buenos Aires, Tokyo oder Shanghai bezauberte sie das anspruchsvolle Publikum in den Paraderollen der Operngeschichte. Dazu moderierte sie in mittlerweile knapp zwei Jahrzehnten schier unzählige TV-Formate im österreichischen und deutschen Fernsehen.

Doch wie erreicht man all das? Eva Linds ganz persönliche Erfolgsformel hat mehrere Komponenten: „Die Stimme wurde mir geschenkt. Dann sind aber natürlich auch Fleiß und Ausdauer ungeheuer wichtig sowie, auf dem Boden zu bleiben und sich realistisch einschätzen zu können“, sagt sie. Besonders wichtig sei allerdings, unbeirrt den Weg einzuschlagen, von dem man selbst überzeugt sei, erklärt sie weiter und fasst ihr Erfolgsrezept schließlich mit einem Zitat von Philosoph Augustinus Aurelius zusammen: „In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.“

Diese Begeisterung für klassische Musik war für Eva Lind seit Kindheitstagen Antrieb – und ist es bis heute geblieben. Für ihre Karriere musste die 54-Jährige viel investieren. „Auch wenn man abends strahlend auf der Bühne steht, ist Operngesang körperliche Schwerstarbeit und man muss viele Entbehrungen in Kauf nehmen: stundenlanges Üben, keine Discobesuche als Teenager, vor dem Auftritt keine Schokolade“, verrät sie und lacht. Rückblickend würde sie vielleicht etwas weniger Zeit ins Proben investieren und das Leben mehr genießen, denn Zeit für die wichtigen Dinge im Leben ist für Eva Lind ein Luxus. Auf der anderen Seite: Zu den wichtigsten Dingen in Eva Linds Leben zählt eben die Musik. „Wenn man Musik liebt, dann verschwimmen die Grenzen zwischen Hobby und Beruf“, sagt sie.

Neue Inspiration schöpft Eva Lind in ihrem Garten. Den habe sie gerade in letzter Zeit als Refugium neu entdeckt, verrät sie. „Die körperliche Arbeit, zum Beispiel beim Rasenmähen, Heckenschneiden oder Kartoffelernten macht mir riesigen Spaß, erdet mich und gibt mir neue Kraft.“ Daneben reist sie gerne. Die Welt – vor allem aber Afrika – mit all ihren Facetten zu entdecken, ist Eva Linds große Leidenschaft neben der Musik. „Wenn ich könnte, würde ich mich permanent auf Weltreise befinden. Aber dann steht auch schon wieder die Apfelernte im Garten an“, scherzt sie.
Von Jonas Raab

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.

Sein Arbeitsplatz sind die Wälder Brandenburgs

Christian Wegner wollte Lehrer werden. Daraus ist nichts geworden. Stattdessen hat er „momox“ gegründet, eine An- und Verkaufsbörse für gebrauchte Bücher. Mittlerweile hat der 41-Jährige die Anteile an seinem Unternehmen, das auf 1500 Mitarbeiter und 250 Millionen Euro Umsatz gewachsen war, extrem erfolgreich verkauft und ist an etwas – noch geheimen – Neuen dran.

Wie startet man ein Unternehmen wie Ihres?
Ich brauche eine Vision, um etwas zu starten. Eine Vision ist für mich ein Film, den man immer und immer wieder im Kopf abspult und der starke Emotionen in einem weckt. Ich sage bewusst „Film“, weil das nicht so esoterisch besetzt ist wie „Traum“.

Worum gehts in Ihrem persönlichen Film?
In meiner Vision dreht sich alles um die Verwertung nicht mehr benötigter Dinge. Ich will dazu beitragen, dass so viele Dinge wie möglich, die derzeit irgendwo verstauben, wieder in den Warenkreislauf gelangen. Ich will erreichen, dass eines Tages genauso viele Sachen gebraucht wie neu gekauft werden und dass möglichst viele Menschen vom Handel damit leben können. Das treibt mich an. Die Angebote, die es gibt, sprechen noch immer nicht genug Menschen an. Das will ich ändern. Ein bisschen ist mir das mit „momox“ bereits gelungen. Aber es gibt natürlich nicht nur Bücher, die irgendwo nutzlos rumliegen. Die meiste Arbeit liegt daher noch vor mir. Sicher gibt es spannendere und größere Filme. Aber das ist eben meiner.

Wie schwer fiel Ihnen der Abschied von Ihrem Baby „momox“?
Schwerer als ich dachte, leichter als man im Allgemeinen denken würde.

Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Es war notwendig, weil ich gemerkt habe, dass ich mich in einer Sackgasse befinde. Ich konnte mich nicht mehr verwirklichen, meine Ideen waren nicht mehr gefragt. Aber es war eine tolle Zeit für mich und ich habe unendlich viel gelernt.

Hatten Sie Angst vor dem „Danach“?
Nein, das „Danach“ war mein nächstes Zwischenziel.

Sie gründen gerade eine neue Firma, können Sie schon ein bisschen was verraten?
Erst einmal noch nicht. Wenn ich etwas mache, das nicht funktioniert, lerne ich, dass es so nicht geht und dass ich es anders probieren muss, was dann wiederum ein Schritt nach vorn ist. Aber natürlich ist mir sowas peinlich und unangenehm, weil es stigmatisierend ist. Deshalb lege ich erst einmal los und posaune es nicht rum. Gerade wenn man schon einmal Früchte geerntet hat wie ich, ist die Erwartung, dass man ein kleiner Zauberer ist, bei dem immer alles klappt. Das ist natürlich Quatsch. Aber ich spiele das Spiel mit und versuche, alles was nicht klappt, zu verbergen.

Alles hat angefangen, weil Sie dringend ein bisschen Geld brauchten und sie online Bücher weiterverkauften. Heute haben Sie reichlich Polster. Wie ist Ihr Verhältnis zu Luxus und Vermögen?
Wenn man kein Geld hat, dann will man unbedingt welches haben. Ist man dann reich, stellt man fest, dass sich nicht wirklich viel ändert. Wenn man sich alles leisten kann, wird es wieder langweilig. Plötzlich fängt man dann an, Second Hand zu shoppen und einen Kleinwagen zu kaufen. Am Ende kommt dann irgendwie jeder, der viel Geld hat, zu dem Schluss, dass Geld aber schon auch gut ist und dass es wichtig ist als Brennstoff für Dinge, die man noch vorhat. Ein Unternehmen kann oft schneller mit Geld wachsen als ohne.

Was war Ihre erste große Anschaffung, die Sie sich gegönnt haben?
Ein gebrauchter Mercedes AMG C63. Das Auto hat sechs Monate gehalten, bevor ich es mit 120 km/h gegen die Leitplanke gesetzt habe. Ich hatte einen Schutzengel. Das Auto hatte keinen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Weg zum Erfolg?
Linearität gibt es nicht. Ständig klappen Dinge nicht. Ständig geht was schief. Ständig gibt es Probleme, die man lösen muss. Das ist Tagesgeschäft. Das gehört dazu.

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Er revolutioniert mit seiner Plattform „Appinio“ die Marktforschung: Jonathan Kurfess. Fotos: © Karsten Eichhorn

Revolution der Marktforschung

Jonathan Kurfess ist einer von „30 unter 30“, die unsere Zukunft gestalten. Das sagt das Forbes-Magazin. Keine Frage: Der 30-jährige Hamburger hat das Potenzial dazu, die Marktforschung zu revolutionieren. Er kann Unternehmen in wenigen Stunden sagen, wie ihre Zielgruppen ticken. Vorbei die Zeiten, in denen man drei Monate auf ein Ergebnis warten musste. Mit seiner Plattform „Appinio“ erreicht er sogar Zielgruppen, die für klassische Marktforschung kaum noch erreichbar sind: zum Beispiel Millennials.

Wer etwas verkaufen möchte, muss wissen, wie seine Zielgruppe tickt. „Leider ist Marktforschung nicht nur extrem wichtig, sondern auch unverhältnismäßig aufwendig und teuer“, sagt Jonathan Kurfess und denkt dabei an seine Zeit bei einem großen Konsumgüterhersteller. Während er BWL studierte, arbeitete er berufsbegleitend im Marketing. Und hier dauerte es oft Monate, bis ein Marktforschungsinstitut Ergebnisse lieferte, auf deren Basis Entscheidungen getroffen werden. „Ein sehr langsames und träges System“, fand er. Mit 22 Jahren kam er auf die Idee, eine digitale Plattform zu entwickeln, die Marktforschung automatisiert und digitalisiert und somit auch schneller und günstiger ist.

Doch für seine Idee interessierte sich niemand in der Firma. Nach seinem Bachelorabschluss kündigt er, meldet sich arbeitslos. „Das war ein krasser Schritt für mich.“ Ein Jahr gibt er sich Zeit. Mit einem Freund, dem jetzigem CTO, entwickelt er die Plattform in einer kleinen Abstellkammer in Hamburg. Anfangs wird er noch von Marketingprofis belächelt, wenn er die Plattform auf Events vorstellt. Heute, sechs Jahre später, hat er über 700 Firmen in seiner Kundendatei. „Die Hälfte der DAX-Konzerne nutzen Appinio“, freut sich Jonathan Kurfess über seinen Erfolg.

Von Claudia Rothhammer

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Hat schon einen beeindruckenden Weg hinter sich: Westenergie AG Vorstandsmitglied Katherina Reiche. Foto © Westenergie AG

Gewiss kein „Samtpfötchen“

Früher stellvertretende Bundestagsfraktionsvorsitzende der CDU/CSU, Staatssekretärin in zwei Ministerien und Hauptgeschäftsführerin beim Verband kommunaler Unternehmen, nun Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG und Vorsitzende im Nationalen Wasserstoffrat: Seit mehr als zwei Jahrzehnten mischt Powerfrau Katherina Reiche Männerdomänen auf. Dabei ist sie stets Familienmensch geblieben – und genau das ist Teil ihres Erfolgsrezept.

Ohne das iPhone geht bei Katherina Reiche nichts. Denn jemand, der die Geschicke des größten deutschen Verteilnetzbetreibers mit mehr als 15 Standorten leitet und sich dazu in verschiedenen Räten der Bundesregierung engagiert, ist viel unterwegs. „Ich verbringe viel Zeit im Auto. Ohne mein iPhone kann ich nicht arbeiten. Ich kommuniziere viel über SMS und WhatsApp. Übrigens nicht nur beruflich, sondern ich organisiere auch unsere Familie via Smartphone“, verrät Reiche. Doch die dreifache Mutter organisiert die Familie nicht nur, sie lebt die Familie. Im heimischen Brandenburg macht der Tausendsassa seinen Kopf frei für neue Ideen und tankt Energie.

Stichwort Energie: Die begleitet Reiche schon seit Jahrzehnten: Erst während ihres Studiums der Chemie, dann in ihren politischen Betätigungsfeldern und jetzt als Vorstandsvorsitzende bei der Westenergie AG sowieso. „Wer nicht für ein Thema brennt, kann schwerlich Erfolg haben“, sagt sie. Umso mehr erfüllt es die 47-Jährige mit Stolz, dass sie in ihrer Funktion nun einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende leisten kann. Dieses soziale Gewissen, gepaart mit dem Gespür für aktuelle Entwicklungen, ist Reiches Antrieb, Erfolgsrezept und Ziel zugleich. Denn: „Erfolg geht immer einher mit Verantwortung.“
Von Jonas Raab

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Lukas Mielke gründete bereits als Elftklässler sein erstes Unternehmen. Foto: privat

Ein Höhenflug muss nichts Schlechtes sein

2010 galt Lukas Mielke als Deutschlands jüngster Unternehmer. In der elften Klasse gründete er seine erste Firma, vertrieb Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel. Mit 18 Jahren hatte er 40 Mitarbeiter und den Traum von einer Weltumsegelung. Heute – mit 29 Jahren – hat der Berliner sein Unternehmen längst gewinnbringend verkauft und unterstützt als Investor Startups mit seinem Wissen.

Sie waren extrem jung, als Sie Ihre erste Million verdienten. Hatten Sie irgendwann einen Höhenflug?
Ja, aber ein Höhenflug, der nicht mit Arroganz einhergeht, kann auch zu irrsinnigen und abwegigen Gedankengängen führen, die wiederum in revolutionären Geschäftsideen münden.

Was war Ihre erste große Anschaffung?
Zu Schulzeiten wollte ich immer ein BMW-Cabrio haben. Das habe ich mir gekauft und schnell zu Schrott gefahren. Heute zählt für mich mehr die Möglichkeit, etwas kaufen zu können, wann immer ich möchte.

Wo liegt unternehmerisch Ihr Ziel?
An etwas Großem teilzuhaben, das für die Gesellschaft von Nutzen ist. Deshalb investiere ich in innovative Startups. Neben der finanziellen Beteiligung gibt mir das die Möglichkeit, an vielen verschiedenen Visionen mitzuarbeiten. Das ist eine unglaublich erfüllende Tätigkeit.

Mussten Sie Rückschläge einstecken?
Es gab Zeiten, da führte auch das hundertste Kundengespräch nicht zum Abschluss, der beste Mitarbeiter hat die Firma verlassen und der Kontostand wurde immer niedriger. Einmal hätte mich ein falsch kalkuliertes Geschäftsmodell fast meine Existenz gekostet. Aber auf jeden Rückschlag folgt irgendwann Erfolg.

Von Johanna Reichert

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Dr. Silvia Bentzinger ist die Geschäftsführerin der Marke Seidensticker. Fotos: © Seidensticker

Raus aus der Frauenfalle:
Bloß nicht der Perfektion nachrennen!

2300 Mitarbeiter, 10 Millionen produzierte Teile jährlich und rund 180 Millionen Euro Umsatz: Dr. Silvia Bentzinger ist CEO der berühmten Hemden- und Blusenmarke Seidensticker. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zählt innerhalb der Unternehmensgruppe zu den wichtigsten Themen – rund 75 Prozent der Belegschaft sind weiblich.

Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
Sich selbst treu bleiben. Viele Frauen scheitern daran, weil sie der Illusion von Perfektion nachrennen: Perfekte Geschäftsfrau, perfektes Aussehen, perfekte Mutter, die jeden Kuchen selbst backt, perfekte Gastgeberin, perfekte Ehefrau. Letztlich kommt es darauf an, loszulassen und seinen eigenen Weg zu finden.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriereweg?
Covid-19 ist die größte Herausforderung meiner Karriere. Ich erinnere mich aber auch daran, dass es nicht leicht war, nach der Geburt meiner beiden Kinder beruflich wieder Fuß zu fassen, auch wenn meine Kinder natürlich nicht als Rückschläge zu bezeichnen sind! Es ist zunächst ein kräftezehrender Spagat, morgens am Verhandlungstisch zu sitzen und später am Wickeltisch oder am Fußballplatz zu stehen. Zwei völlig verschiedene Welten, zwischen denen man pendeln muss. Es braucht etwas Zeit, sich daran zu gewöhnen.

Was raten Sie einer jungen Frau, die in Ihre Fußstapfen treten möchte?
Ich werde oft von Frauen am Ende der Elternzeit gefragt: „Kann ich das überhaupt?“ Ja, natürlich. Ich versuche, ihnen Mut zu machen. Wichtig ist: Wer von allen geliebt werden will, ist als Führungskraft nicht geeignet. Daneben zählt: Gegenseitige Unterstützung ist oft der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb rate ich allen Frauen, sich ein gutes Netzwerk aufzubauen – privat und beruflich.

Wie besteht man als Frau in einer Männerdomäne?
Ich kann nur raten, nicht locker zu lassen und immer wieder gute Ideen einzubringen. Auch, wenn man manchmal zurückstehen und abwarten muss. Sich für Situationen, die zum Beispiel die Kinder betreffen, zu rechtfertigen oder gar zu entschuldigen, halte ich für völlig falsch.

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Langjährige Freunde und Geschäftspartner: 2009 stieg Benjamin Heindl (re.) bei IServ ein. Bilder: © Alexandra Siering

Der Chef, der das Leergut sortiert

Vor zwanzig Jahren, als Jörg Ludwig noch die Schulbank drückte, entwickelte er einen Schulserver, räumte damit bei „Jugend forscht“ ab und stellte anschließend das Unternehmen IServ auf die Beine, das seither kontinuierlich wächst. Corona ließ dieses Wachstum explodieren.

Herr Ludwig, wie haben Sie Ihre Leidenschaft fürs Programmieren entdeckt?
Technik hat mich schon immer fasziniert. Als ich in der dritten Klasse war, habe ich einen alten Heimcomputer von meinem Opa geschenkt bekommen, angefangen zu programmieren und mich dazu entschieden, dass ich Informatiker werden will.

 

Woher weiß ein Drittklässler, wie man programmiert?
Ich habe mir ein Buch aus der Bücherei geholt und mich da reingefuchst. Ich hatte außerdem das Glück, dass meine Mutter Informatik studiert hat. Die hat mir ein paar Tipps gegeben. Heute geht man ins Internet und findet Anleitungen. Damals war das schwieriger. Zusammen mit ein paar Kumpels habe ich versucht, Spiele zu programmieren. Aber das war natürlich superrudimentär im Vergleich zu 3D-Spielen von heute.

Programmieren Sie heute immer noch selbst?
In den ersten zehn Jahren von IServ war ich alleine für das Programmieren verantwortlich, nebenbei aber auch für Vertrieb, Marketing, Support und Schulungen. Jetzt geht es um Organisation, Personal und Strategie. Meine tägliche Arbeit hat sich langsam vom eigenen Handeln hin zum Management verschoben.

Vermissen Sie es, selbst Hand anzulegen?
Tatsächlich schon. Das Schöne am Programmieren ist, dass ich am Ende des Tages ein Ergebnis sehe. Jetzt schicke ich zehn E-Mails raus und bekomme vielleicht zwei Wochen später eine Rückmeldung. Ich führe unheimlich viele Gespräche, bei denen man nie genau weiß, was sich daraus entwickelt. Ich stelle mich dieser Herausforderung auch gern, aber am Ende des Tages mit einem konkreten Ergebnis nach Hause zu gehen, fehlt mir schon. Aber: Ich sortiere in der Firma gerne das Leergut ein. Da kann ich in Ruhe mal zehn Minuten Flaschen sortieren und sehe hinterher ein Ergebnis. Das ist immer ganz nett.

Was macht in Ihren Augen ein gelungenes Management aus – wie leiten Sie Ihr Team?
Ich versuche, die Mitarbeiter für meine Ziele zu gewinnen und lasse sie selbst die richtigen Lösungen finden. Ich gebe lediglich meine Vision vor, bei der Umsetzung lasse ich den Programmierern freie Hand. Man kann nicht alles selbst machen. Muss man auch gar nicht. Andere Leute können andere Dinge auch wesentlich besser als ich. Ich versuche, meinen Mitarbeitern viel Wertschätzung zu zeigen und Verantwortung zu übermitteln. Man muss den Leuten dann aber auch zugestehen, dass mal Sachen schiefgehen. Ich habe den Vorteil, dass mein Team superengagiert ist und sich sehr viel Mühe gibt. Da klappen Sachen dann eben auch.

Das klingt, als wäre IServ ein ziemlich eingeschworener Haufen, oder?
Ja. Wir frühstücken jeden Morgen zusammen und treffen uns auch außerhalb der Arbeitszeiten zu Spieleabenden. Ich würde mal ganz platt sagen: Ich stelle die Leute in der Regel nach Sympathie ein, weniger nach fachlicher Qualifikation. Natürlich muss am Ende beides zusammenspielen, aber ein klarer Lebenslauf ist für mich nicht entscheidend. Ich will Leute, die für das Thema brennen und Bock darauf haben. Ob sie im Studium die besten Noten hatten, spielt für mich keine Rolle.

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.

Er macht Pflege(n) leichter

Unsere Gesellschaft wird immer älter – das macht Pflege zu einem zentralen Zukunftsthema. Dr. Alexander König will mit den Assistenz-Systemen seines Start-ups Reactive Robotics das Leben der Patienten und auch der Pflegenden erleichtern. Der 41-jährige Gründer hat in Amerika studiert und war als Postdoktorand sogar an der renommierten Harvard Medical School tätig. Da ist es logisch, dass sein nächstes Ziel ist, auch den US-Markt zu überzeugen.

Wie genau funktionieren Ihre Assistenz-Roboter?
Wir wollen Pflegekräfte und Therapeutinnen in Ihrer Arbeit unterstützen. Dafür haben wir eine Art Exoskelett – eine äußere Stützstruktur – erfunden, die robotisch-assistierte Frühmobilisierung ermöglicht. Die Patienten können in einem speziell entwickelten Intensivbett eine Gangtherapie machen, ohne das Bett verlassen zu müssen. Studien zeigen, dass sich die Liegezeit und das Risiko von Sekundär-Komplikationen dadurch verringert. Bisher wäre diese Therapie aber bei Schwerbetroffenen manuell nur mit hohem Personalaufwand und hoher körperlicher Belastung für die Pflegekraft möglich gewesen. Durch unser System kann sie jetzt durch nur eine Person und ohne großen Kraftaufwand umgesetzt werden.

Was sind die größten Schwierigkeiten in Ihrer Branche?
Bis man ein Produkt in der Realität ausprobieren kann, können Jahre vergehen. Wir haben fast fünf Jahre gearbeitet, bevor wir den ersten Patienten therapieren konnten. Das Medizinproduktegesetz erlaubt Tests mit einem unfertigen, nicht zertifizierten Produkt nur in extrem begrenzten Umfang, also entwickeln die meisten Firmen zu Ende und stellen sich dann erst dem Markt und der Realität. Bis dahin muss man durchhalten.

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Vor zehn Jahren hat Carsten Öztan seine Zahnklinik Ost in Berlin gegründet. Seitdem wächst das Unternehmen ununterbrochen. Foto: Nicole Schnittfincke

„Sie werden doch wohl nicht…“

Seit zehn Jahren wächst Carsten Öztans Zahnklinik Ost unaufhörlich. Der Berliner weiß genau, welche Charakterzüge Unternehmer brauchen, um Widrigkeiten zu meistern und langfristig erfolgreich zu sein.

„Sie werden doch wohl nicht in die Türkenklinik gehen?“ Mit perfiden Aussagen wie dieser machte manch Berliner Zahnarzt vor rund zehn Jahren bei seinen Patienten gegen Carsten Öztan mobil. Der hatte zusammen mit seinem Bruder Jürgen gerade die Zahnklinik Ost gegründet – ein Dorn im Auge mancher Berufskollegen. „Mit Migrationshintergrund muss man immer ein Stück besser sein als andere. Es gelten andere Maßstäbe. Eigentlich bin ich immer Deutscher, aber wenn jemandem etwas missfällt, dann bin ich sofort der Türke“, sagt Ötzan. Sonderlich gestört haben ihn solche Schmähungen, so schlimm und aus der Zeit gefallen sie auch waren, nie. Ganz im Gegenteil: Für ihn waren sie Ansporn, noch mehr dafür zu tun, mit seinem jungen Unternehmen noch schneller zu wachsen. „Wenn das Umfeld nicht versucht hätte, mir solche Steine in den Weg zu legen, könnte es gut sein, dass ich es bei einer Klinik belassen hätte.“ Hat er aber nicht. Mittlerweile sind es drei Kliniken, aufgeteilt unter den beiden Brüdern.

Als Unternehmer müsse man eben psychisch stabil, belastbar und mutig sein, um auch Widrigkeiten zu überstehen, ist sich Öztan sicher. Gerade in den Jahren nach der Klinikgründung, als Öztan das rasante Wachstum seines jungen Unternehmens finanziell nicht immer kompensieren konnte, waren diese Charaktereigenschaften gefragt. Am wichtigsten dabei: Ruhe bewahren. „Ich glaube, das hat man einfach oder man hat es nicht. Wenn ein Banker einem vorrechnet, dass Hunderttausende Euro fehlen, ist es natürlich schwer, ruhig zu bleiben. Aber meine Lebenseinstellung ist: Am Ende wird sowieso alles gut. Das ist schwer zu erklären, aber extrem hilfreich“, sagt der 44-Jährige.

Wenn Öztan von zurückliegenden Herausforderungen, vor allem aber von Meilensteinen und Erfolgen der Zahnklinik Ost spricht, dann immer im Plural. Zum einen, weil er das Unternehmen lange zusammen mit seinem Bruder Jürgen führte, zum anderen, weil es in den Kliniken trotz jährlichem Wachstum von rund 20 Prozent sehr familiär zugeht. „Da ist viel mehr Vertrauensbasis als in anderen Firmen. Die Personen, die seit der Firmengründung dabei sind, sind mittlerweile auch alle in Führungspositionen. Die stehen mir alle sehr nahe. Deshalb spreche ich auch immer von wir.“ Dieses Wir und die Verantwortung für die Belegschaft treiben den Berliner, der seine Stärken vor allem im Zwischenmenschlichen verortet, täglich an.

Carsten Öztans Tage sind lang. „So richtig abschalten kann ich nie. Ich arbeite eigentlich immer, wenn ich wach bin“, sagt er lachend. Seine Freundin könne ein Lied davon singen. „Auch wenn man heute mit Smartphones viel flexibler ist und schneller reagieren kann als früher, zur Ruhe kommt man damit natürlich viel schwieriger. Wenn dann wieder mal die wöchentliche Bildschirmzeit aufploppt, erschrecke ich oft.“ Etwas Ausgleich findet Öztan in seinen Hobbys, für die er sich bewusst Zeit freischaufelt.

Seit einem Marketingkniff im Rahmen der dritten Zahnklinik-Ost-Eröffnung – Öztan stieg damals für einen Box-Showkampf gegen Arthur Abraham in den Ring – boxt der Berliner mit Leidenschaft. Bis zu fünf Mal pro Woche, meist frühmorgens um 5 Uhr. Daneben fotografiert er, spielt Golf und ist gerne in der Natur unterwegs – mit dem Boot oder der Angelrute. Im Gegensatz zum Berufsleben ist er in seiner Freizeit nicht sonderlich erfolgsorientiert. „Beim Angeln geht es mir gar nicht darum, etwas zu fangen. Darin bin ich auch wirklich miserabel. Es geht mir vielmehr darum, ein paar Stunden alleine dazusitzen, ohne dass mich jemand anspricht.“

Luxus bedeutet für Öztan innere Zufriedenheit, ein sorgenfreies Leben und keine getroffene Entscheidung zu bereuen, auch wenn man im Nachhinein weiß, wie man es hätte besser machen können. „Diese Erfahrungen gehören dazu und prägen einen am Ende positiv“, ist er sich sicher. Viel wichtiger sei es für Unternehmer, durch ein Alleinstellungsmerkmal einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu haben. Öztans zahnärztliches Spezialgebiet ist das Setzen von Implantaten. Auch das – die Freiheit, sich im Berufsalltag voll auf seine Stärken und Vorlieben konzentrieren zu können – bezeichnet er als Luxus. „Das gleicht dann auch den ganzen Stress gut aus. Ich habe alles, was mich glücklich macht.“

Von Jonas Raab

Angela Nelissen und Christiane Haasis lieben Teamarbeit und machen JobSharing in der Führungsebene. Foto: Unilever

Jobsharing im Chefsessel

Christiane Haasis und Angela Nelissen – kurz: CHAN – betreiben Jobsharing auf höchster Ebene und haben so die perfekte Balance zwischen ihren persönlichen, beruflichen und sozialen Lebensbereichen gefunden. Die beiden sind Chefinnen der Eis- und Teesparte von Unilever. Gearbeitet wird jeweils zu 60 Prozent. Und das nicht, weil sie es müssen, sondern
weil sich CHAN schon vor über zehn Jahren für Jobsharing entschieden und es gemeinsam perfektioniert haben. In der Praxis läuft das so: Die Wochentage sind aufgeteilt, Montag bis Mittwoch ist Christiane Haasis im Büro, Mittwoch bis Freitag Angela Nelissen. Corona hat das ein bisschen durcheinandergewirbelt – aber Flexibilität und Agilität sind für die beiden Tagesgeschäft.

Als Haasis und Nelissen das Jobsharing für sich starten wollten, mussten die beiden Frauen ihren Chef erst davon überzeugen. Jobsharing in Führungspositionen ist ein eher ungewöhnliches Modell. Die beiden durchliefen eine klassische Unilever-Karriere, als sie bei der Marke Dove erstmals zusammentrafen, Nelissen als Markenverantwortliche und Haasis als Operative Chefin für West- & Osteuropa. „Wir waren oft gemeinsam unterwegs, um unsere Pläne von Polen bis Portugal mit den jeweiligen Länderteams umzusetzen. Nach weiteren Stationen im Marketing kreuzten sich dann unsere Wege wieder vor etwa zehn Jahren. Gemeinsam entwickelten wir das Jobsharingmodell für und mit Unilever und führen gemeinsam sehr erfolgreich eine große Business Unit als Vice President für DACH“, erklärt Haasis.

Die Beförderung zum Vice President Refreshment stellt für CHAN auch das bisherige Highlight ihrer Karriere dar. Auf der einen Seite sei die Aufgabe und operative Führung dieser Business Unit mit so einem großen Team sehr herausfordernd gewesen. „Auf der anderen Seite war das ein klares Zeichen pro Jobsharing und zwar intern wie auch extern. Damit hat das Thema Jobsharing nochmal richtig Fahrt aufgenommen“, sagen Haasis und Nelissen. Viele Firmen, u. a. Xing und Microsoft, hätten die beiden daraufhin gebeten, als Keynote Speaker von ihren Erfahrungen zu berichten und das Thema einer breiteren Gruppe von Topmanagern, Topmanagerinnen und Firmen vorzustellen. „Wir lieben Teamarbeit“, sagt Haasis – für sie eine wichtige Eigenschaft, um erfolgreich zu sein. „Zusammen mit ganz unterschiedlichen Individuen eine Vision zu entwickeln und diese dann gemeinsam umzusetzen, das ist unsere Stärke.“ Talent Diversity ist dabei mehr als ein Buzzword für die beiden Frauen.

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Weiß, wie Frauen und Männer noch schöner werden: Schönheitschirurg Dr. Bruce Reith. © Hojabr Riahi

Die Gelegenheit beim Schopfe packen

Seine Partys in München sind legendär. Nicht nur, weil Dr. Bruce Reith jedes Jahr seinen 38. Geburtstag feiert, sondern weil bei ihm die Schönen, Reichen und Intellektuellen feiern. „Wer exzessiv arbeitet, darf auch exzessiv feiern“, sagt der Gastgeber in einem Interview mit Frank Elstner. Der Schönheitsdoc ist beruflich tatsächlich immer auf Achse. Schließlich hat er einige Beauty-Kliniken aufgebaut, in denen er regelmäßig Menschen zu mehr Schönheit verhilft. Vor allem wegen seiner Fingerfertigkeiten bei Schönheitseingriffen und Haartransplantationen ist Bruce Reith gefragt. Aber nicht nur die Promis lieben ihn dafür, auch die Fachwelt setzt auf seine Expertise.

Bruce Reith ist wahnsinnig erfolgreich. Ob am Bodensee, in Düsseldorf, München oder Berlin: Der Schönheitschirurg hat einige namhafte Kliniken mitaufgebaut oder ist daran beteiligt. Mit Promis, den Reichen und Schönen ist er per Du. Nicht nur mit deutschen VIPs, sondern auch mit Hollywoodstars. Klar, dass er den Erfolg auch in vollen Zügen genießt. Aber mit gutem Recht, wie er sagt: „Ich habe mir alles hart erarbeitet, habe nichts dem Zufall überlassen. Denn: Nichts kommt über Nacht. Man muss Chancen erkennen und nutzen.“

Die Gelegenheit beim Schopfe packen, heißt es. Dabei sah es anfangs nicht danach aus, dass Bruce Reith mal Spezialist für Haartransplantation, Fettabsaugung und minimalinvasive Behandlungen werden könnte. Was allerdings früh deutlich wurde: Er ist sehr intelligent. Im Bundeswettbewerb Mathematik gewann er den zweiten Preis. Mit 19 Jahren machte er an der Börse mit Devisenspekulationen seine erste Million. Aber Bruce Reith ist nicht nur ein Meister der Analyse, sondern hat auch ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Deshalb fühlt er sich in Gegenwart von Investmentbankern und Spekulanten nicht wohl, wie er sagt. Er schwenkt auf Medizin um, verdient nebenbei „auf ehrliche Art und Weise“ Geld mit typischen Studentenjobs. Aus seiner Studienzeit bleiben ihm zwei Uniabschlüsse, einer in Medizin und einer in Public Health, und die Erkenntnis: Man sollte den Blick auf Wertschöpfung richten, nicht auf Geldschöpfung.

Als Arzt zieht es ihn zur Ästhetischen Chirurgie. So ausgeprägt wie seine Intelligenz ist auch sein Sinn für Ästhetik. Er hat den gewissen Blick dafür. „Ich liebe alles, was schön ist. Vor allem Frauen“, sagt Bruce Reith und lächelt. Seine Freundinnen sind in der Tat immer bildhübsch. Er gibt aber auch zu: „Ich hätte mit dieser Vorliebe aber genauso gut Kunsthändler werden können.“ Zum Glück für seine vielen Patienten ist er aber bei der Chirurgie geblieben, hat bei dem Besten der Besten gelernt und alle Hebel in Bewegung gesetzt, um überhaupt bei ihm arbeiten zu dürfen. „Er ist der Mozart der Chirurgie“, sagt Bruce Reith über seinen Lehrmeister Ivo Pitanguy. Zweieinhalb Jahre war Bruce Reith bei ihm in Rio de Janeiro und hat weit mehr gelernt als chirurgische Techniken. Das Fellowship habe ihn verändert. Die Menschen in Brasilien seien zwar arm, aber nicht unglücklich. „Ich habe gelernt, dass man kein Geld braucht, um glücklich zu sein. Auch das Aussehen ist nicht wichtig, sondern das Gefühl in dir.
Das macht dich glücklich.“ Seitdem definiert Bruce Reith Erfolg für sich neu: „Erfolg macht nicht glücklich. Wenn man aber glücklich ist, ist man auch erfolgreich.“

Von Claudia Rothhammer

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Angelika Schindler-Obenhaus ist Chief Operating Officer bei der GERRY WEBER International AG. © GERRY WEBER

Diese Frau gehört ganz sicher nicht nur in die Küche

Disziplin, Innovation, Stabilität, Erdung – und Penetranz, das sind die Stärken, die Angelika Schindler-Obenhaus stetig die Karriereleiter nach oben steigen ließen. Die 57-Jährige hat kürzlich in den Vorstand der Gerry Weber International AG gewechselt und ist nun als Chief Operating Officer für die wichtigsten Bereiche des Unternehmens verantwortlich: Design, Produktion, Beschaffung und Marketing.

Wenn man von etwas wirklich überzeugt ist, darf man sich von nichts und niemandem aufhalten lassen“ – das ist der Rat der erfolgreichen Geschäftsfrau an junge, weibliche Talente, die in ihre Fußstapfen treten möchten. So hat sie es auch selbst gehalten. Obwohl sie von männlichen Vorgesetzten eigentlich immer gefördert wurde, gab es auch bei Angelika Schindler-Obenhaus Momente, in denen sie sich als Eindringling in eine Männerdomäne fühlte. Zum Beispiel, als sie nach ihrer Berufung in den Vorstand der KATAG AG – nach eigenen Angaben Europas größter Fashion-Dienstleister – als „Quotenfrau“ betitelt wurde. Oder viele Jahre zuvor, bei ihrer Prüfung zur Handelsassistentin als erste Frau im „Herrenausstatter“: „Ich bekam vom damaligen Spartenleiter zu hören, dass Frauen ja normalerweise eher in die Küche und ins Bett gehören“, erinnert sich Angelika Schindler-Obenhaus. Gebremst hat sie dieser Moment der Diskriminierung aber nicht, zu groß war ihr Antrieb – die Leidenschaft für Menschen und Fashion. Heute sei die Situation deutlich besser als zu Beginn ihrer Karriere: „Frauen bieten sich heute viel mehr Möglichkeiten, wenn sie es wollen.“ Auch, weil sie gelernt hätten, besser zu netzwerken. Nur, dass weibliche Führungskräfte – im Gegensatz zu den männlichen Kollegen – noch immer gefragt werden, wie sie es denn schafften, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, das ärgert die Karrierefrau.

Von Johanna Reichert

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Für Ihren Traum, an den Olympischen Spielen in Tokio teilzunehmen, trainiert sie hart. © Alina Reh/privat

„Ich will wissen, wie schnell ich sein kann“

Ihren ersten Laufwettbewerb absolvierte Alina Reh schon als Fünfjährige, mit 17 wurde die Langstreckenläuferin zum ersten Mal Deutsche Meisterin. Ihre Stärken sind Ausdauer und ein ständiger Bewegungsdrang. Für das nächste große Ziel, die Olympischen Spielen in Tokio, trainiert die 23-Jährige 12 bis 14 Mal die Woche.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Wenn man etwas erreicht hat, auf das man lange und akribisch mit viel Disziplin hingearbeitet hat. Das Ergebnis gibt Zufriedenheit und Glücksgefühle. Dann ergibt alles Sinn, was man tut.

Was wollten Sie als Kind werden?
Verkäuferin im Supermarkt meiner Mutter. Ich habe schon während meiner Grundschulzeit dort geholfen. Die Arbeit hat mir immer Freude gemacht und ich unterstütze auch heute meine Mutter in meiner Freizeit.

Haben Sie manchmal das Gefühl, etwas zu verpassen – bei Ihnen heißt es ja, gesunde Ernährung und Training statt Party-Nächte und Katerfrühstück…
Nee, Partys waren zum Glück noch nie meins. Im Gegenteil. Ich gehe früh schlafen und stehe gerne früh auf – ich bin eher ein Morgenmensch. Zum strukturierten Training gehört auch die Regeneration, die mir nicht immer so einfach fällt. Ich würde gerne neben dem Laufen öfter Wandern und Rennradfahren gehen, aber dies passt leider selten in meinen Plan.

Was würden Sie einem jungen Menschen raten, der Profi-Sportler werden möchte?
Zum Profi- Sport kann ich nur raten, wenn man absolute Leidenschaft mitbringt. Man muss zielstrebig sein und seine Scheuklappen aufsetzten, was oftmals sehr egoistisch ist. Ambitionierter Hobbysport in einer Mannschaft oder mit Freunden ist auch richtig schön und liegt manchen besser als die Profi-Karriere. Sich gegen das Profiwerden zu entscheiden, obwohl man viel Talent mitbringt, zeigt auch Stärke!

Von Johanna Reichert

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.

 

Erfolg ist wenn man das tut, was man mit Freude macht!

Warum Kulturschaffende zu unser aller Erfolg beitragen: Jürgen Hunke ist ein ehrlicher und gradliniger Mensch, der als Kind „irgendwas“ mit Sport machen wollte. 42 Jahre war er selbstständig als Unternehmer, Buchautor, Galerist und ist inzwischen Inhaber der Hamburger Kammerspiele.

Hunke: „Es war mehr als ein Zufall, dass ich im Jahre 1993 gefragt wurde, ob ich einem der schönsten Privattheater Deutschlands, den Hamburger Kammerspielen, organisatorisch bzw. finanziell privat helfen könnte.“ Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt nie Kontakt mit den organisatorischen und kaufmännischen Gepflogenheiten eines Theaters.

Doch Jürgen Hunke sagt: „Kultur ist für unser Land mit unserer Vergangenheit aber auch für die Zukunft ein wichtiger Baustein für unsere Gesellschaft. Gerade bei Theatern und der Literatur ist es wichtig, Hintergründe zu erklären. Die Vielfältigkeit der Kultur trägt dazu bei.“

Nach einigen Gesprächen, ließ Jürgen Hunke sich überzeugen, durch einige Privatdarlehen die Insolvenz des Theaters abzuwenden. Nach kurzer Zeit gab es für den erfolgreichen Unternehmer nur zwei Möglichkeiten: das Theater selbst zu übernehmen oder das gegebene Geld abzuschreiben.

Jürgen Hunke, der schon immer ungewöhnliche Dinge in seinem Leben gemacht hat, entschied sich für den ersten Weg. Er sagt „Der richtige Zeitpunkt entscheidet darüber, ob man Erfolg hat oder nicht!“. Trotz der schwierigen finanziellen Situation eines Privattheaters, führt Jürgen Hunke die Hamburger Kammerspiele mit viel Freude und Engagement.

Gerade jetzt zur Corona-Pandemie können wir erleben, wie schwer es die Künstler, Schauspieler und auch die Theater haben. Nach mehrmaligen Scheitern von ehemaligen Inhabern, hat er all seine Erfahrungen aus seinem Leben in andere Bereiche übernommen und den Versuch gewagt. Er hat die Herausforderung angenommen das Haus funktionsfähig zu halten.

Er sagt „Rückblickend gesehen darf ich feststellen, dass es ein guter Schritt war, das Theater zu übernehmen.“, denn „Man sollte sein Leben mit Disziplin und Verantwortung führen und immer wieder neue Herausforderungen annehmen.“

von Vanessa Behrend

Auf dem Sprung zum Superstar

Eishockey ist für die Amerikaner nicht nur irgendein Sport, sondern eine Leidenschaft – wie bei uns Fußball. Dass sich ein Deutscher in den USA in die Profi-Liga kämpfen kann, ist höchst selten. Moritz Seider aus Zell an der Mosel hat es trotzdem geschafft.

Gerade mal 19 Jahre alt, ist das Ausnahmetalent aus Rheinland-Pfalz auf dem Weg nach ganz oben: Seit Juli 2019 spielt Moritz bei den Detroit Red Wings. Er gilt als die vielleicht vielversprechendste deutsche Eishockey-Hoffnung, Druck empfindet Seider deshalb aber nicht: „Ich sehe das sehr entspannt, die Meinung von Außenstehenden ist mir nicht wichtig.“ Er habe eben gern Erfolg – bei allem, auch jenseits der Eisfläche.

Sein Neustart in den USA läuft gut an, schließlich hat Moritz sein ganzes Leben darauf hingearbeitet. Schon im ersten Profijahr gewann er mit den Adlern Mannheim die Deutsche Meisterschaft und wurde zum DEL-Rookie des Jahres, also zum besten Newcomer der Deutschen Eishockey-Liga, gewählt. Außerdem war Moritz als jüngster deutscher Spieler bei der Weltmeisterschaft in der Slowakei dabei und erzielte gleich bei der Auftaktpartie seinen ersten Treffer im Nationaltrikot.

Die große Stärke von Moritz? „Meine Ruhe führt hoffentlich dazu, meine Jungs mitzuziehen und zum Schluss den Sieg zu holen.“ Mit Niederlagen hat er gelernt zu leben: „Das gehört leider zum Sport dazu, es geht nur darum wieder aufzustehen.“ Das Geheimnis seines Erfolges? „Der tägliche Drang immer noch besser zu werden! Ich will Perfektion und habe mich – einfach gesagt – dem Sport verschrieben. Man darf aber nie den Spaß verlieren.“

In den USA sind viele Eishockey-Profis Superstars. Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren, läuft der Junge aus der Kleinstadt aber nicht: „Warum sollte ich mich über andere stellen, die wahrscheinlich deutlich härter arbeiten und wesentlich mehr zur Gesellschaft beitragen?“ Für ihn ist es Luxus, wenn die Familie glücklich und gesund ist, Materielles interessiert ihn nicht besonders, Moritz hat aus seiner Sicht schon alles, das was er sich wünscht: eine aussichtsreiche Karriere auf dem Eis. Na ja, er hat fast alles – denn noch ist er Single. Einfach wird es aber wohl nicht, rauszufinden, ob ein Mädchen es ernst meint oder nur den coolen Eishockeystar Daten will. Das ist Moritz durchaus bewusst. Aber: „Ich will mich mit so was nicht zu sehr beschäftigen, sondern einfach ein tolles Mädel kennenlernen.“ Und erst mal liegt sein Fokus sowieso woanders: Moritz will die Liga aufmischen – sein erklärtes Ziel ist der große Durchbruch in der NHL.

 

Er gilt als König des Trash – Uwe Boll ist Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor. Fotos: © Lichtwerker.ruhr

„Integer bleiben“

Von einigen Kritikern ist er als „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ verrufen. Über seine Filme gibt es Verrisse en masse und die Goldene Himbeere hat er auch schon bekommen. Aber eben auch den Preis für den besten internationalen Film auf dem New York International Independent Film & Video Festival. Uwe Boll (Jahrgang 1965) polarisiert. Auch, weil er unbequem und systemkritisch ist. Allen Unkenrufen zum Trotz ist Boll ein sehr erfolgreicher Filmemacher von bisher 32 Filmen und vor allem ein findiger Geschäftsmann, wenn es um die Finanzierung und Vermarktung von Filmen geht. Boll ist ein Dickkopf und Macher, der sich nicht unterkriegen lässt und gerne dicke Bretter bohrt.

Herr Boll, Sie haben nicht immer den einfachsten Weg in Ihrer Karriere gewählt und scharen eine Traube an Kritikern hinter sich. Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich raten?
Ich war zu ungeduldig und zu undiplomatisch. Man kann seine Ziele auch erreichen, ohne so viel verbrannte Erde zu hinterlassen wie ich. Trotzdem muss man eben auch in der Lage sein, Widerstände zu umgehen und gegebenenfalls zu brechen.

Sind Sie auf viele Widerstände gestoßen?
Hunderte! Aber man muss seinen Weg gehen, integer bleiben und seine Ziele nicht aus den Augen verlieren. Und guter Rotwein hilft…

Was würden Sie als Ihre wichtigsten Karriereschritte bezeichnen?
Dass ich selber in der Finanzbranche Fuß gefasst habe, um unabhängig von der Filmförderung international Filme machen zu können. Außerdem habe ich ab 25 internationale Spielfilme in Englisch für den Weltmarkt gedreht. Das war ein extrem wichtiger Schritt, ohne den meine Karriere extrem kurz geworden wäre. Nach meinem letzten deutschen Film (Das erste Semester, 1996) brauchte ich vier Jahre für diesen Schritt.

Sie können heute auf 32 Filme zurückblicken und haben sich 2018 offiziell zurückgezogen. Treibt Sie beruflich noch etwas an?
Ich habe jetzt drei Jahre keinen Film gedreht und es Zeit, wieder loszulegen. Es gibt einige Geschichten, die ich gerne erzählen will. DEUTSCHLAND IM WINTER ein Politthriller wird mein nächster Film werden, der erzählt was passiert, wenn die RECHTEN Deutschland wieder regieren.

Von Renate Kerscher

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.

Professor Dr. Mark Obermanns Blick ist stets nach vorne gerichtet. Fotos: © Obermann

In Etappen zum Erfolg

Dass Professor Dr. Mark Obermann heute Ärztlicher Direktor der Asklepios Kliniken Schildautal in Seesen und Direktor des dazugehörigen Zentrums für Neurologie ist, verdankt er neben seiner Qualifikation und seinem Fleiß auch einer Entscheidung, die er schon vor Jahren traf.

Allein Professor Dr. Mark Obermanns Curriculum Vitae ist länger als so manche Bewerbung. Das Kapitel Studium endet mit einer Professur an der Universität Duisburg-Essen, das der beruflichen Laufbahn schließt unter anderem mit dem Titel des Ärztlichen Direktors der Asklepios Kliniken Schildautal in Seesen. Und auf den folgenden Seiten tummeln sich schier unzählige Zusatzbezeichnungen, Stipendien, Preise, Kooperationen oder veröffentlichte Studien. Sein Tag scheint 48 Stunden zu haben.

Angesichts dieses Pensums und der Fülle an erbrachten Leistungen verwundert es nicht, dass es Mark Obermann schwerfällt, ein Karrierehighlight auszumachen. „Da gab es viele“, sagt er und überlegt kurz. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie ich in meinem damals noch sehr kleinen Wohnzimmer einen Freudentanz aufgeführt habe, als meine erste Forschungsarbeit in einem sehr angesehenen Journal publiziert wurde.“

Erfolgserlebnisse wie dieses, aber auch das Wohl seiner Patienten und wissenschaftliche Neugier sind Mark Obermanns Antrieb. „Ich gehe sehr offen auf neue Sachen zu“, erklärt er. Dazu gehöre auch, Verbesserungsvorschläge und Kritik anzunehmen und sie schließlich auch umzusetzen. „Ich bin sehr direkt und ehrlich im Umgang. Das hat manchmal auch Nachteile, aber viel öfter hat mich das nach vorne gebracht“, erklärt er.

Dass Mark Obermann heute da steht, wo er steht, verdankt er auch einer persönlichen Schlüsselentscheidung: Nach seinem Studium in Köln schlug er ein Angebot in der Domstadt aus, um am Universitätsklinikum Essen als Assistenzarzt anzuheuern. Dort bekam er später die Gelegenheit, als Oberarzt das Schwindelzentrum Essen aufzubauen. „So ging dann die Karriere weiter. Wenn ich mich damals anders entschieden hätte, wäre es auch anders gelaufen“, sagt er rückblickend.

Von Jonas Raab

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.

Film- und Fernsehunternehmerin Susanne Porsche ist Trägerin des Bundesverdienstkreuzes.

„Ich gebe einfach nicht auf!“

Prof. Susanne Porsche ist als Film- und Fernsehunternehmerin seit über zwanzig Jahren eine feste und erfolgreiche Größe im Mediengeschäft.

Mit einem klaren Ziel vor Augen machte sie sich bereits mit 27 Jahren selbstständig.

„Mein Vater war mein großes Vorbild. Auch er war selbstständig und von ihm wusste ich, dass man als Selbstständige dann selbst und ständig arbeitet. Auch am Wochenende. So habe ich es von Beginn an gemacht. In den ersten Jahren wollte und konnte ich keinen Urlaub nehmen“, weiß sie aus ihren Anfängen zu berichten. Susanne Porsche gründete mehrere Produktionsfirmen, wie 1990 die MPS mediaproductions oder 2007 die summerset GmbH. 2010 übernahm sie die Neue Münchner Fernsehproduktion. Dabei hatte sie ursprünglich Ärztin werden und in die Krebsforschung gehen wollen. Das Medizinstudium begann sie zwar, doch schon bald entdeckte sie ihre Faszination für die Medienlandschaft. Nach einem Vorsprechen wurde sie als Moderatorin engagiert. „Ich muss sagen, dass viele glückliche Umstände meinen Weg geprägt haben, wobei sehr schnell für mich feststand, dass ich Produzentin werden möchte.“ Bis dahin folgten allerdings noch viele Schritte. Sie arbeitete als Regieassistentin, Regisseurin und Redakteurin. „Ich habe alles gemacht und immer Learning by Doing. Ich weiß aber, dass ich damals einfach immer im richtigen Moment am richtigen Platz war.“

Doch allein das perfekte Timing hat aus Susanne Porsche nicht die Erfolgsfrau gemacht, die sie heute ist. Angesprochen auf ihre Stärken kommt die prompte Antwort: „Ich gebe einfach nicht auf! Außerdem bin ich mutig, habe Humor und ich bin ziemlich fleißig, auch wenn das früher nicht sehr angesagt war.“

Seit 1980 ist die heute 68-Jährige als selbstständige Produzentin aktiv. Seit einigen Jahren investiert Susanne Porsche auch in Start-up-Unternehmen. „Das ist für mich Berufung. Ich investiere Geld und möchte, dass es auch fließt. Gleichzeitig treibt mich das aber auch beruflich an. Wenn ich den jungen Menschen mein Wissen vermitteln kann, dann ist das auch ein Erfolg.“

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success nachlesen.

Hatte schon immer einen Faible für Digitales: Userlane Gründer Hartmut Hahn Foto © Userlane GmbH

Der Krisen-Meisterer

Computer waren immer schon die Leidenschaft von Hartmut Hahn. Vor vier Jahren gründete er deshalb Userlane – eine Firma, die dafür sorgen will, dass wirklich jeder seine Software auch anwenden kann. Heute hat der 39-Jährige bereits siebzig Mitarbeiter, Tendenz drastisch steigend. Dass bei einem so jungen und schnell wachsenden Unternehmen nicht immer alles läuft wie ursprünglich geplant, stresst ihn nicht – der Unternehmer ist Stress gewöhnt. Sein Abitur machte der gebürtige Niederbayer 2001 zur Dotcomkrise, zur Finanzkrise 2007 war er fertig mit dem Studium und suchte einen Job — und pünktlich zur Coronakrise ist er nun dabei, mit Userlane international zu expandieren.

 

Wie sind Sie auf die Idee zu Userlane gekommen?
Ich war schon als Kind begeistert von allem, was digital war, und habe – unter Bedenken meiner Eltern – einen Großteil meiner Freizeit vor dem Bildschirm verbracht. Mit dieser Begeisterung für Digitales bin ich dann auch ins Berufsleben gestartet und war zunehmend enttäuscht davon, wie frustrierend die Arbeit mit komplexer Software sein kann. Die Anzahl der Anwendungen, mit denen man sich auskennen muss, steigt ständig, alles verändert sich laufend und die Bedienbarkeit lässt meistens zu wünschen übrig. Im Großen und Ganzen schien es mir, dass meine Kollegen und mich vieles eher behindert hat, statt uns produktiver zu machen. Die Idee von Userlane ist aus diesem Problem heraus entstanden – wir wollten das Arbeiten mit Technologie einfacher, effektiver und motivierender machen, indem wir jedem Menschen bei jeder Software genau die Hilfe geben, die er gerade braucht.

Wie startet man ein Unternehmen wie Ihres?
Ein Unternehmen zu starten, ist theoretisch einfach: Ein Problem finden und lösen, für das die Menschen bereit sind, Geld zu bezahlen. Für mich ist aber eine andere Sache entscheidend: Wie begeistert bin ich von dem Problem, das ich lösen möchte? Die Antwort macht den Unterschied, ob ich nach Rückschlägen aufgebe oder nach Lösungen suche – und im Endeffekt ist Erfolg dann nur eine Frage der Zeit und ob man lange genug durchhält, bis es klappt.

Wie viel Mut braucht es, heute ein Unternehmen zu gründen?
Für mich fühlt es sich riskanter an, nicht zu gründen und Jahre meines Lebens in einem Unternehmen an etwas zu arbeiten, mit dem ich mich nicht identifiziere und dessen Sinn ich nicht teile. Wenn man sich bewusst macht, dass alles in der eigenen Verantwortung liegt, gibt einem das sehr viel Freiheit – es gibt keine Ausreden, etwas nicht zu ändern, wenn es einem nicht passt.

Ist Userlane einer der Gewinner der Coronakrise?
Nein. Auch wenn wir als digitales Unternehmen in den letzten Monaten stärker an Umsatz und Mitarbeitern zugelegt haben, spüren wir die impliziten Kosten der Krise. Emotional, weil ich spüre, dass die anfängliche Homeoffice-Euphorie nachlässt und unseren Mitarbeitern der soziale Austausch fehlt, und strukturell, weil wir einiges – wie die Eröffnung eines Office in den USA – verschieben mussten.

Sie haben gerade in einer Finanzierungsrunde zehn Millionen eingesammelt. Wie investieren Sie die?
Die Basis von Userlane sind die Menschen, die mit uns arbeiten. Daher investieren wir in erster Linie in neue Mitarbeiter – einerseits, um unser Produkt weiterzuentwickeln, und andererseits, um neue Märkte zu erschließen.

Von Johanna Reichert

Das ganze Interview finden Sie in der Printausgabe von Secrets of Success.

Der Hangar II bei Paderborn ist bekannt für seine Legenden der Luftfahrt. Dort kann man auch eine Pilatus P3-05 „Brazil Lady” bestaunen. Max Schwarz darf sie sogar regelmäßig fliegen. Bild: privat

Über den Wolken schweben

Wer hätte gedacht, dass große Fluglinien plötzlich ums Überleben kämpfen? Max Schwarz aus Paderborn will trotzdem Pilot werden. Er kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen. Der 21-Jährige lässt sich von der Weltuntergangsstimmung in der Branche nicht beirren und hat mit der Ausbildung zum Berufspiloten begonnen. In etwa einem Jahr hat er die Lizenz in der Tasche. Dann will er sich selbstständig machen – und Manager*innen, Geschäftsleute, VIPs und viele weitere erfolgreiche Menschen an ihren Wunschort fliegen.

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit selbst. Die Welt von oben sehen, mühelos durch den Himmel gleiten und die unendliche Freiheit genießen. Aber durch Corona fühlen sich viele Menschen nicht mehr wohl in den großen Fliegern, meiden sie. Stattdessen steigen die Nachfragen für Privatflüge. Auch Max Schwarz wurde schon mehrmals gefragt, ob er nicht so einen Privatflug übernehmen könnte. „Das darf ich nur mit einer Berufspilotenlizenz, deshalb jetzt die weitere Ausbildung“, sagt der 21-Jährige. „Ich glaube, dass die Nachfrage nach Privatflügen weiterhin steigen wird. Wer vor Corona Business oder First Class geflogen ist, bevorzugt jetzt den Privatjet.

Wer mit Max Schwarz fliegt, vertraut sich einem jungen, aber sehr talentierten Flieger an. Mit 21 Jahren kann er bereits 400 Flugstunden vorweisen. Für sein Alter ungewöhnlich viele, andererseits ist Max Schwarz in eine Familie hineingeboren, die seit drei Generationen die Flugleidenschaft gepackt hat und immer wieder Piloten hervorbringt. Die Leidenschaft ist auch auf Max Schwarz übergesprungen. Mit acht Jahren, platziert auf drei Sitzkissen in Opas Flugzeug, durfte er zum ersten Mal das Steuer im Flugzeug halten. Seine fliegerische Ausbildung begann er mit 13. Er begann mit Segelflug, später kam Motorflug und die Kunstflugberechtigung für Segel- und Motorflugzeuge dazu. Inzwischen fördert ein Paderborner Oldtimerclub dieses junge Talent und vertraut ihm die alten historischen Flugzeuge für Rundflüge und Vorführungen an.

Umso erstaunlicher, dass er nach dem Abitur ernsthaft darüber nachgedacht hatte, Wirtschaftsingenieurswesen zu studieren. „Was Bodenständiges eben“, sagt er. Dabei fühlt er sich in der Luft am wohlsten. Zum Glück hat er es sich doch noch überlegt und sich für den Berufspilotenschein entschieden. „Erfolg hat für mich gar nicht so viel mit Geld zu tun. Vielmehr hat es damit zu tun, ob ich glücklich bin. In der Luft bin ich glücklich“, sagt er. Schließlich kam er zu dem Entschluss: Warum etwas studieren, was vielleicht nie so glücklich machen kann wie Fliegen? Außerdem könne er sich keinen Beruf vorstellen, wo er sich so frei fühlen könnte. Über den Wolken ist die Freiheit ja bekanntlich grenzenlos – und der Blick auf die unendliche Weite ist laut Max Schwarz einfach unbeschreiblich schön.

Dass sein Traum vom selbstständigen Berufspiloten auch platzen könnte, daran denkt er nicht. „Nein. Ich zieh das jetzt durch und ich bin mir sicher, dass das auch klappt und der richtige Weg für mich ist. Denn Fliegen ist genau mein Ding. Das ist das, was ich unbedingt machen möchte. Dafür kämpfe ich auch, tue alles, um beruflich in die Luft zu kommen“, sagt Max Schwarz.

Von Claudia Rothhammer

Das ganze Interview können Sie in der Printausgabe von Secrets of Success lesen.