Katharina Behrends, Geschäftsführerin Universal Networks International Germany
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„Frauen sollten mutiger sein“

Warum Frauen sich gegenseitig das Leben schwer machen, statt gemeinsam für mehr weibliche Führungskräfte zu kämpfen, das ist Katharina Behrends ein Rätsel. Wer ihr beim Wandern, einem ihrer liebsten Hobbys, begegnet, würde wohl nicht ahnen, dass er eine der mächtigsten Frauen des deutschen Pay-TVs vor sich hat. Sie ist weder der gefürchtete Typ Karrierezicke noch ein Männerschreck – beides wird erfolgreichen Frauen in Deutschland gern unterstellt. Im Gegenteil: Führungspersönlichkeiten wie die Geschäftsführerin von NBC Universal wünscht man sich.

 

 

Interview

Wie hart ist es für eine Frau in einer Männerdomäne zu bestehen?

Es ist ein Unterschied, ob man für ein amerikanisches Unternehmen arbeitet oder für ein Deutsches. In den USA ist man deutlich weiter und das ist die Normalität, die ich kenne. Für mich war es also nicht hart. Insbesondere nicht bei NBC Universal – weil die Hälfte meiner Kolleginnen und Vorgesetzten Frauen waren. Ich habe großartige, beeindruckende Persönlichkeiten kennengelernt, die keine Karrierezicken geworden sind.

 

Nervt es, dass jeder Reporter mit der Frage ums Eck kommt, wie es als Frau in einer Chefposition ist? Einen Mann fragt man sowas nicht.

(Lacht) Da haben Sie eigentlich recht. Aber durch den Nachholbedarf in Vorständen und Aufsichtsräten in deutschen Aktiengesellschaften ist diese Frage berechtigt. Da muss mehr passieren. Am Ende geht es um Leistung und um Führungsqualitäten, die man als Frau natürlich genauso hat wie als Mann. Mittlerweile bin ich ein großer Verfechter einer verbindlichen Quote.

 

Ist es als Quoten-Frau nicht noch schwieriger, ernst genommen zu werden?

Das habe ich auch Jahre lang so gesehen. Aber ich fürchte, wir kommen auf Dauer nicht um eine Quote herum. Wenn man Deutschland mit dem Rest von Europa vergleicht – und mit den USA sowieso – gibt es fast überall sehr viel mehr Frauen in Führungspositionen.

 

Woran liegt das?

In Deutschland scheinen sich besonders Mütter noch immer schwer zu tun Vollzeit zu arbeiten. Im Ausland wird man nie – insbesondere nicht von anderen Frauen – gefragt, warum man Vollzeit arbeitet, wenn man Kinder hat. Außerdem ist die ältere männliche Generation lieber in Männerrunden und will nicht zwingend eine Frau in ihrer Mitte. Bei den jüngeren Männern ist das zum Glück anders. Aber es geht halt relativ langsam voran.

 

Machen es sich Frauen auch gegenseitig schwer? Oft werden erfolgreiche Frauen als unsympathisch abgestempelt…

Das ist ein bisschen so. Leider. Dabei sind es ganz unterschiedliche weibliche Persönlichkeiten, die in Führungspositionen kommen. Für mich war es wichtig, dass ich wusste, was für tolle Kolleginnen da überall auf der Welt sitzen.

 

Was könnten Frauen in Deutschland besser machen?

Wir sollten uns noch besser vernetzen und konkret unterstützen. Und ich würde gern Frauen dazu ermutigen, ja zu sagen, wenn ihnen eine Gelegenheit geboten wird. Ich habe mal einen guten Tipp bekommen: Den nächst höheren Job kann man immer nur dadurch, dass man ihn macht. Frauen sollten mutiger sein und sich trauen, vor dem Vorgesetzten auszusprechen, dass sie bereit für die nächste Rolle sind.

 

Was würden Sie Ihrem jüngeren ich raten?

Gelassener sein. Die Selbstzweifel, die ich am Anfang der Karriere hatte, habe ich heute nicht mehr. Das ist etwas typisch Weibliches. Und wenn es mal schwierig wird, einfach den Job weiter gut machen und Sachen aussitzen. Auch schwierige Situationen ändern sich oft ganz von allein wieder.

 

Halten Sie als weibliche Führungskraft die Augen nach talentierten Frauen offen, die einen Schubs brauchen?

Auf jeden Fall. Ich ermutige. Frauen trauen sich häufig eher zu wenig zu als zu viel. Mir hat mal ein netter Kollege gesagt: „Perception is reality“ – Wahrnehmung ist Realität. Man kann noch so viel arbeiten, wenn nicht sichtbar wird, was man kann, nützt das nichts.

 

Wo sehen Sie Ihre Stärken?

Ich bin authentisch, habe einen guten Kompass, mein Blick fürs Wesentliche ist ausgeprägt und ich bin gut darin Erfolgsstrategien zu entwickeln. In der Medien-Industrie ändert sich ständig wahnsinnig viel – und wenn sich der Markt ändert, muss es das Unternehmen auch. Außerdem bin ich durchsetzungsstark – das ist lustigerweise das, was mir Männer immer sagen. Manchmal denke ich, bei einem Mann würde sowas keiner sagen. Aber bei Frauen scheint das aufzufallen.

 

Haben Männer ein Problem mit starken Frauen?

Abstrakt finden es alle toll, aber konkret vielleicht nicht immer. Es gibt noch Männer, die sich schwer tun mit einer Frau als Vorgesetzter. Ich kenne da auch ein paar Beispiele und hatte schon Machos im Team. Aber die jüngere Generation ist nicht mehr so.

 

Wie entspannen Sie privat? Mit Fernsehen?

Es wäre merkwürdig, wenn ich nicht gerne Serien und Filme ankucken würde. Ich wandere auch gerne. Es ist wichtig, dass man mal nach Außen etwas anderes sieht – oder nach innen wie beim Yoga. Man lernt dabei wie bei einer Waschmaschine die Gedanken wegzuwaschen. Außerdem bin ich seit vielen Jahren Teil eines Lesekreises, wo wir uns über inspirierende Bücher unterhalten.

Karrierekick Gefängnis

 

Wer Karriere machen möchte, muss Biss haben. Das sagt Prof. Dr. Jens Weidner, Autor des Bestsellers „Die Peperoni-Strategie. So setzen Sie Ihre natürliche Aggressivität konstruktiv ein.“ Mit Aggressionen kennt Weidner sich aus. Er arbeitete intensiv mit inhaftierten Gangschlägern in Philadelphia und behandelte zehn Jahre lang Kriminelle für die deutsche Justiz. In dieser Zeit entwickelte er das bekannte Anti-Aggressivitäts-Training (AAT®) für Gewalttäter. Heute verhilft er Führungskräften zu mehr Biss und lehrt Kriminologie und Sozialisationstheorie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg.

 Sein berufliches Leben lang beschäftigt sich Jens Weidner mit Aggressionen. Und zugegeben: Mit dieser Emotion assoziiert man vor allem Negatives, böse Jungs und Schlägertypen. Wer ihm allerdings gegenübersitzt, lernt einen sympathischen, humorvollen Gesprächspartner kennen. So verwundert es auch nicht, wenn er gesteht: „Als Kind wollte ich Pfadfinder werden und bin es auch geworden, um jeden Tag eine gute Tat zu vollbringen.“ Er sagt aber auch: „Heute habe ich diese gute Seite in mir durch einen Lieblingssatz ergänzt, der potenziellen beruflichen Gegenspielern gewidmet ist: one evil action a day keeps the psychiatrist away. Heute bin ich zu 80 % Gutmensch und zu 20 % Mephisto, ein Persönlichkeitsprofil, das für erfolgreiche Menschen extrem empfehlenswert ist, weil es Fairness, Seriosität und partielle Härte gut zusammenbringt.“

Seine Berufswahl war zufällig. Lange wusste er nicht, was er studieren könnte. Als er einen Professor kennenlernte, entschied er sich für dessen Fachgebiet und schrieb sich für ein Studium der Sozialarbeitswissenschaften mit dem Schwerpunkt Kriminologie an der Leuphana Universität in Lüneburg ein. „Kein karrieretaugliches Studium dachte ich, aber wahnsinnig interessant. Das Studium begeisterte ihn. Für ihn eine wichtige Voraussetzung für Erfolg: „Ich rate jungen Menschen: Schau Dich um, entdecke Deine Leidenschaft, entdecke, für was Du brennst. Und wenn Du das weißt, dann gib richtig Gas, werde Experte auf Deinem Gebiet!“

DAS GANZE INTERVIEW LESEN SIE IM PRINT-MAGAZIN. AB DEM 4. DEZEMBER 2020 IM HANDEL.

„Es tut uns gut, auch Sachen allein zu machen“

Vier Alben, acht goldene und drei Platinschallplatten, dazu mehr als 150 Millionen Audio- und Videostreams: Glasperlenspiel ist eine der bekanntesten Elektro-Pop-Bands Deutschlands. Privat sind Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg übrigens sogar noch länger als beruflich ein Paar – nämlich schon zwölf Jahre, ein Musikduo sind sie erst seit 2010. Trotz des Erfolgs ist es der Sängerin wichtig, sich nicht komplett im „Wir“ zu verlieren. Deshalb findet sie es ganz gut, auch mal ein Interview allein zu geben…

Carolin Niemczyk und Daniel Grunenberg sind nicht nur ein musikalisches Paar – sondern seit 12 Jahren auch privat Credit: Universal Music

Wann hast Du gedacht: Jetzt haben wir es wirklich geschafft?

Es gab ein paar Schlüsselmomente, in denen ich den Tränen sehr nahe war. Beispielsweise als wir das erste Mal, nach dem der Song „Geiles Leben“ rauskam, auf der Bühne standen und wirklich alle Menschen mitgesungen haben.

 

Was ist Euer Erfolgsgeheimnis?

Bis jetzt, dass wir so gut wie immer das gemacht haben, worauf wir Bock hatten.

 

Wie sehr trifft Dich Kritik? Gerade Musikkritiker und Fans können ja sehr hart sein…

Ich versuche, das immer von mir fernzuhalten und nicht zu viele Kommentare zu lesen. Ich bin ein Fan konstruktiver Kritik, aber mit gemeinen Dingen komm ich meist nicht so gut klar. Ich bin da oft sensibel und die Worte bleiben leider eine Zeitlang – wenn auch nur unterbewusst – im Kopf gespeichert.

 

Hattet Ihr je Existenzängste?

Es lief natürlich nicht immer super. Wir wissen, wie es ist, mit wenig Geld in Berlin zu leben und sich dort etwas aufzubauen. Wir haben immer versucht, das, was wir verdient haben, wieder in unsere Musik zu investieren.

 

Wie lief Euer erster Liveauftritt als Duo?

Eigentlich war es ganz furchtbar. An diesem Abend lief wirklich alles schief: Ich war erkältet und technische Probleme gab es auch. Wir haben nicht überzeugt. Es konnte also nur besser werden…

 

Habt Ihr je ans Aufhören gedacht?

Ans Aufhören nicht, aber ich habe an eine Pause gedacht… Ich glaube, dass es manchmal ganz guttut, sich auch in anderen Dingen auszuprobieren und vielleicht mal Abstand zu dem, was wir seit zehn Jahren machen, zu gewinnen, um dann wieder frisch zu starten. Durch Corona wurde uns die Entscheidung ein kleines bisschen abgenommen und wir haben gemerkt, wie es ist, die Bühne über einen längeren Zeitraum zu vermissen…

 

Was macht Euch aus – beruflich und auch als Paar?

Wir ergänzen uns gut, weil wir sehr unterschiedlich sind. Auf der einen Seite gibt es aus diesem Grund immer wieder Streitpunkte, auf der anderen Seite ist es toll, dass Daniel eher der technische Part ist, unsere Produktionen macht und rational denkt. Ich bin eher der gefühlsbetonte, träumerische Part. Was uns verbindet, ist die Musik und die Kreativität.

AB 4. DEZEMBER 2020 KÖNNEN SIE DAS GANZE INTERVIEW IM PRINT-MAGAZIN NACHLESEN.

Dennis Diekmeier ist ein echter Familienmensch. Mit seiner Frau hat er vier gemeinsame Kinder: Delani, Dion, Dalina und Divia

„Ich habe mich nie kleinkriegen lassen.“

Man merkt sofort: Dennis Diekmeier ist ein positiver Mensch. Er lacht viel, ist ein Familienmensch, steht im Guinness-Buch der Rekorde, hat einen Kultstatus inne und ist trotzdem kein bisschen abgehoben. Deshalb definiert er Erfolg auch etwas anders. „Aus fußballersicher Sicht ist Erfolg natürlich ein Sieg. Doch es sind auch die vermeidlich kleinen Dinge, die ich als Erfolg werte. Vor Kurzem habe ich mit meiner Tochter Mathe geübt. Als sie mit einer guten Note nach Hause kam, war es nicht nur für sie ein Erfolg. Auch für mich.

Denn entscheidend war, mit ihr gemeinsam daran gearbeitet zu haben,“ sagt der vierfache Vater. Diekmeier wollte schon als Kind Fußballprofi werden. Sein Talent wurde schnell erkannt und er hat hart an seinem Traum gearbeitet. Dazu kam noch die „Faszination Stadion“. Jedes Mal, wenn er mit seinem Vater im Stadion war – vorzugsweise beim HSV – gab ihm das den Rest. „Das hat mich immer wieder umgehauen. Diese Stimmung, die vielen Menschen. Ich hatte nur noch Fußball und den Wunsch, Profi zu werden, im Kopf. Was natürlich meine Lehrer zu der Zeit nicht so toll fanden“, erinnert sich Diekmeier lachend.

Mit seinem gesunden Ehrgeiz und starken Willen ging es für ihn Schritt für Schritt Richtung Erfolg. Mit 14 Jahren wechselte er in die Jugendabteilung von Werder Bremen, ein paar Jahre später spielte er bereits in der 2. Mannschaft. 2008 dann der EM-Titel mit der deutschen U19-Nationalmannschaft. „Das war mein wichtigster Karriereschritt. Nicht nur der Turniersieg. Ich wurde auch mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet. Das war der Startschuss.“ Diekmeier wechselte zum 1. FC Nürnberg, ehe er 2010 beim HSV unterschrieb. Dort blieb er bis 2018 und erlangte bei den Hamburgern Kultstatus. Nicht etwa, weil er sein Team von Sieg zu Sieg schoss. Im Gegenteil. In seiner Position als Rechtsverteidiger konnte sich seine Mannschaft auf ihn verlassen. Allerdings schaffte es Diekmeier in elf Jahren als Profi und 293 Spielen nicht, auch nur ein einziges Tor zu schießen.

DAS GANZE INTERVIEW LESEN SIE IM PRINT-MAGAZIN. AB DEM 4. DEZEMBER 2020 IM HANDEL.

 

„Gar keine Zuschauer, das ist auch Mist“

Seit über 20 Jahren ist Caroline Link im Filmgeschäft erfolgreich. Die 1964 in Bad Nauheim geborene Wahlmünchnerin studierte an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen Regie. Bekannt ist sie insbesondere für den Kinofilm „Nirgendwo in Afrika“, der 2001 einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ erhielt. Ihr neuester Film „Der Junge muss an die frische Luft“ (2018) wurde unter anderem mit dem Deutschen Comedypreis für die „erfolgreichste Kinokomödie“ ausgezeichnet. Wir haben mit ihr über ihre Erfolge und die Herausforderung gesprochen, denen sie sich als Regisseurin stellen muss.

Agentur Baganz/ Soeren Bauer Events 

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolgreich bin ich als Regisseurin, wenn ich ehrlich sagen kann, ich habe mein Ziel erreicht. Mit zunehmendem Alter merke ich, dass mir die Wertschätzung meiner Arbeit am wichtigsten ist. Gute Zuschauerzahlen und Geld alleine machen nicht wirklich zufrieden, aber gar keine Zuschauer, das ist natürlich auch Mist! (lacht)

Was wollten Sie als Kind werden?

Als junge Erwachsene war meine Antwort darauf: „Irgendwas mit Kindern.“ Tatsächlich haben mich Kinderschicksale schon immer sehr interessiert, vor allem dann, wenn die Kinder eine Herausforderung zu bestehen haben.

Was war für Sie ausschlaggebend bei der Berufswahl?

Als junge Frau hätte ich mir das gar nicht zugetraut. Zuerst war ich Assistentin, dann habe ich es gewagt, mich an der Filmhochschule zu bewerben. Es erschien mir verlockend, eine ganze filmische Geschichte selbst zu gestalten.

Was waren wichtige Schritte in Ihrer Karriere?

Nach dem Oscar wurden mir große Projekte angeboten. Ich wollte sie nicht, weil ich gespürt habe, dass ich sie nicht gut machen würde. Nicht weil sie zu groß waren, sondern weil sie von etwas erzählten, was mit mir nichts zu tun hatte. Nach dem Oscar nicht nach Amerika zu gehen, war sicher ebenfalls eine wesentliche Entscheidung.

Ihr bisheriges Karriere-Highlight?

Der Oscar für „Nirgendwo in Afrika“ war natürlich ein Highlight, keine Frage. Aber ebenso hat mich der Deutsche Filmpreis für meine Regie für „Im Winter ein Jahr“ gefreut. Der Film hatte relativ wenig Zuschauer und es hat mich sehr glücklich gemacht, dass meine Arbeit dennoch gewürdigt wurde.

Was waren die größten Herausforderungen für Sie?

Es ist mir sehr schwer gefallen, mich von meinem kleinen Kind für Monate zu verabschieden und in die Welt hinauszuziehen, um Filme zu drehen. Am Drehort hätte ich ständig das Gefühl gehabt, sie kommt zu kurz. Mein Lebenspartner Dominik hat unsere Tochter komplett betreut. Als ich in Marokko gedreht habe, waren das immerhin vier Monate am Stück. Gott sei Dank konnte er sich dafür die Zeit nehmen. Ich empfinde den Regieberuf schon als ziemlich familienfeindlich. Man ist einfach zu oft weg.

Von Franziska Mansen

Kick-Starter

Lea Schüller – Die Sturmhoffnung der DFB-Frauen ©privat

Der Traum von der deutschen Fußballnationalmannschaft – viele haben ihn, aber nur für ganz wenige wird er Realität. Lea Schüller hat es geschafft. Die Kickerin des SGS Essen ist eine der großen Hoffnungsträgerinnen des deutschen Sturms. Mit sieben Jahren sah sie die Europameisterschaft der Herren – und seitdem war ihr klar: Sie muss auf den Platz. Heute ist die 22-Jährige genau dort – und extrem torgefährlich. In 19 Spielen hat sie bereits zehn Tore für die deutschen Fußballfrauen geschossen.

Wie diszipliniert musst Du sein?
Nun, Disziplin gehört mit Sicherheit auch dazu, aber ich bin der Meinung, wenn man ein Ziel verfolgt, das man sich selbst gesetzt hat, dann ist automatisch die Motivation und der Wille da, es auch zu erreichen.

Hast du manchmal das Gefühl, etwas zu verpassen – gesunde Ernährung und Training statt Partynächte und Katerfrühstück gegen Mittag?
Manchmal bin ich schon traurig darüber, wenn ich meinen Freunden absagen muss, aber an sich habe ich nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Ich gehe wahrscheinlich seltener weg als andere Studenten, aber ich muss nicht ganz drauf verzichten. Genauso ist es bei der Ernährung auch. Ich achte schon drauf, was ich esse, aber ich esse gerne gesund und wenn ich Lust auf Pizza habe, dann esse ich die auch.

Wer hat Dich am meisten unterstützt?
Meine Eltern – und das tun sie bis jetzt. Sie sind bei jedem Spiel dabei und ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie am Spielfeldrand sehe.

Wann hast Du gedacht: Jetzt habe ich es geschafft?
Ich glaube „geschafft“ ist der falsche Begriff. Mein Ziel, in der Bundesliga zu spielen, hatte ich irgendwann erreicht. Genauso wie das Ziel, in der Nationalmannschaft zu spielen. Aber es gibt immer neue Ziele, die es zu erreichen gilt.

Du stehst noch am Anfang Deiner Karriere. Hast Du trotzdem einen Plan für danach?
Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen und würde gerne in der Automobilbranche Fuß fassen. Das ist zumindest mein jetziger Stand.

Welche Erfolgsziele hast Du Dir noch gesetzt?
In der Champions League spielen. Die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Dann die Europameisterschaft.

Wie gehst du mir Kritik am Frauenfußball um?
Trifft mich in keinster Weise.

Was ist das Tolle daran, ein weiblicher Fußballprofi zu sein?
Man wird nicht von jedem erkannt. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich erkannt werde oder Fans im Stadion eine Unterschrift wollen oder jemand sagt, dass ich ein Vorbild bin. Aber ich kann auch ganz normal in der Stadt rumlaufen, ohne erkannt zu werden, wie es beispielsweise bei den Männern der Fall ist.

von Johanna Reichert

In der Printausgabe finden Sie dieses Interview auf Seite 120.

Secrets of Success – Das Print Magazin

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Wir wünschen viel Spaß beim Lesen.