"Man lernt im Schmerz"
Gute Pointen sind sein Tagesgeschäft! Schauspieler, Moderator und Comedian Ralf Schmitz sorgt mit viel Improvisationstalent und temporeichen Anekdoten bei seinem Publikum für zahllose Lacher. Doch hinter den komischen Momenten, die auf der Bühne so einfach und unbeschwert wirken, verbergen sich zahlreiche Jahre an Erfahrungen, persönliche Erkenntnisse sowie jede Menge verworfener Ideen.
Wie definieren Sie Erfolg?
Für mich bedeutet Erfolg, selbst gesteckte Ziele zu erreichen und die Talente umzusetzen, die in einem schlummern. Ich glaube, es ist wesentlich, dass man als Künstler – in welcher Form auch immer – seine Plattform findet und sich auf dieser präsentiert. Ob als Sänger, Schauspieler oder Comedian: Es ist essenziell. Alles andere ist zweitrangig und kommt danach.
Sie haben das Glück, Ihren Beruf in vielfältiger Form als Schauspieler, Moderator oder Comedian auszuleben. Wo sehen Sie Ihre Stärken, die für diesen Erfolg maßgeblich sind?
Authentizität ist entscheidend. Wenn Menschen versuchen sich zu verstellen, um jemand zu sein, der sie denken sein zu müssen, wird es brenzlig. Es kommt ein Punkt, wo dieser Zustand einfach anstrengend und erschöpfend wird.
Sinnvoller ist es, bei sich zu bleiben und die daraus entstehenden Stärken zu mobilisieren.
Ob das eine Stärke von mir ist, weiß ich nicht. Aber über die Jahre lernte ich, dass es wichtig ist, sich diese Einsicht zu bewahren. Nicht, dass ich eine Wahl gehabt hätte, denn ich bin, wie ich bin. Zudem sollte man spontan, zügig, mit Neugier und einer Portion Bereitschaft sowie Fleiß die Dinge angehen, denke ich. Ein guter Freund sagte mal zu mir: „Wenn man ein Ass aus dem Ärmel schütteln will, muss man vorher eines hineinstecken.“ Da ist was dran.
Halten Sie es für gut, dass Sie auf dem bisherigen Weg Ihrer Karriere Fehler selbst gemacht und somit Erfahrungen gesammelt haben? Oder hätten Sie es lieber gehabt, jemand hätte Sie gewarnt?
Wenn Sie mich das in der Situation gefragt hätten, hätte ich den Fehler wohl lieber nicht gemacht. Aber die Erfahrung ist, dass uns Fehler stärker machen und entscheidend für unsere Entwicklung sind. Unsere Fehltritte zeigen uns, wer wir sind und was wir als Mensch wollen. Im Nachgang möchte ich die eine oder andere Entscheidung nicht missen.
Neben einigen Fehlern gab es sicherlich auch positive Wendepunkte. Welche blieben Ihnen in Erinnerung?
Zum Glück gab es die! Ich habe am Anfang eine Gesang-Tanz-Schauspielausbildung gemacht, die ich mir selbst zusammenstellte. In dieser Zeit fragte ein Freund, ob ich bei einem Kabarett-Theater mitspielen will. Das war im Rückblick ein ganz wesentlicher Punkt, denn bei dieser Aufführung entdeckte mich jemand, der auf der Suche nach neuen Künstlern für ein Impro-Theater in Bonn war. Das hat mich von der ersten Sekunde abgeholt und ich fand es einfach toll. Wiederum hat mich dort mein heutiger Manager entdeckt, der zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem passenden Künstler für ein anderes Projekt war. Aus diesem entstand wiederum die Comedy-Show „Die dreisten Drei“. Dies war der Wendepunkt für alles Weitere. Aus dieser kleinen Sache eines Sketches im Kabarett entwickelte sich somit alles, wofür ich heute noch sehr dankbar bin.
Sicherlich auch für Ihr kommendes Programm „Schmitzfindigkeiten“, mit dem Sie ab Herbst touren. Wie kann sich der Zuschauer den Entstehungsprozess der Sketche, Gags und Impro-Ideen vorstellen?
Ein gutes Programm läuft ungefähr zwei Jahre. Während dieser Zeit werden Ideen für neue Gags und Sketche gesammelt, die mir auf der laufenden Tour einfallen oder von erlebten Geschehnissen inspiriert werden. Meist entstehen in dieser Zeit die besten Ideen, die aber auch gern wieder verfliegen. Konkreter arbeite ich an den Sachen in den sechs Monaten vor der neuen Tour, und in den letzten sechs Wochen probe ich alles mit meinem Regisseur und zeige es Freunden. Feedback von ihnen ist mir sehr wichtig, um konkrete Anhaltspunkte zu bekommen, was gut oder schlecht ist. Da bleibt es nicht aus, Dinge umzuschreiben oder neu zu proben.
Ist es für Sie sehr unangenehm, wenn Witze ihre Wirkung im Publikum verfehlen?
Wenn sie einen Beruf wählen, in dem die Leute zum Lachen gebracht werden sollen, aber dies nicht passiert, ist es das Schlimmste, was passieren kann. Ganz klar: Ziel verfehlt! Es klingt hart und so fühlt es sich auch an. In solchen Momenten merke ich aber auch direkt, wo der Fehler lag. Entweder habe ich Witze falsch eingeleitet oder die Pointe wurde nicht verstanden. Aber ich weiß, es liegt wohl an mir. Zum Glück gehört in der Improvisation das Scheitern dazu und ist Teil der Nummer.
Wenn das Publikum erlebt, wie etwas misslingt, kann aus der Not eine Tugend gemacht werden, was wiederum zum Erfolg werden kann.
Kurz gesagt: Man lernt im Schmerz!
Gibt es für Sie ein Ziel, in welcher Stadt oder an welchem Ort Sie noch spielen wollen?
Wie zuvor erwähnt, ich komme vom Theater, und diese Verbindung zu kleineren Spielstätten will ich beibehalten. Diese Bandbreite zu bedienen und in kleinen als auch großen Hallen zu spielen, finde ich bereichernd. Was die Zuschauerzahl oder Größe einer Spielstätte betrifft, habe ich kein Ziel. Es wäre beeindruckend ein Stadion zu bespielen und es bringt auch Freude. Aber die Menschenmenge ist kein Maßstab, sondern dass die Zuschauer Teil eines wirklich guten Abends sind. CJ