"Erfolg ist, was ich daraus mache"
Leicht hatte es der Aphoristiker und Schauspieler Fredderik Collins nicht. Der heute 60- Jährige wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Alkoholmissbrauch, Gewalt und körperlicher sowie seelischer Missbrauch waren an der Tagesordnung. Den Großteil seiner Kindheit verbrachte er zwischen seinem vierten und achtzehnten Lebensjahr im Heim. Doch statt an seinem Start ins Leben zu zerbrechen, studierte der Wahl-Bielefelder und Berliner Psychologie. Er entschied sich zusätzlich für eine Zukunft im Rettungsdienst. Mit 42 fand der lizenzierte Kommunikationstrainer dann seine zweite Bestimmung: Er studierte Schauspiel und dreht heute mit Stars wie Matthias Schweighöfer, Jan Josef Liefers und Anna Loos. Aktuell produziert Fredderik Collins seinen Podcast „Collins & Guests“ und nimmt im eigenen Studio Musik auf. Mit Freund und Kollege Tilo Garben von den MIGA-Studios in Bad Salzuflen hat er außerdem eine eigene Filmproduktionsfirma – „COLLINSmovement“ – gegründet.
Was bedeutet für Sie Erfolg?
Viele Menschen haben ein negatives Verhältnis zum Erfolg. Für sie ist Erfolg gleichbedeutend mit Dingen wie Geldanhäufung und Herzinfarkt. Aber auch ein Kind zu erziehen ist Erfolg. Ein Instrument zu spielen ist Erfolg. Eine Fastenkur durchzustehen ist Erfolg. Das Rauchen aufzuhören ist Erfolg. Weder gibt Erfolg recht, noch garantiert er das Recht auf Erfolg. Erfolg ist für mich nicht das, was andere von mir halten oder sehen, sondern das, was ich daraus mache.
Was raten Sie jungen Menschen, die Erfolg haben möchten?
Meinen Schaupiel-Sprösslingen rate ich als Coach immer, für ihren Weg alles zu geben, mit sich und anderen geduldig und nachgiebig zu sein und parallel einen bodenständigen Beruf zu erlernen. Die Filmbranche ist mörderisch und oberflächlich.
Was war ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Da ich in den Achzigern erst Psychologie studiert hatte, stand ganz klar das Interesse am Menschen im Vordergrund. Dieses erweiterte sich durch den Zivildienst im Rettungsdienst. Ich habe mein Wissen vervollständigt und mache parallel beides – neben der Kreativität. Man muss eine Vision haben. Und egal in welchem Alter man ist, man kann sich immer umentscheiden. Du kannst vom Bäcker zum Ingenieur werden.
Es hängt nur von dir ab!
Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?
In erster Linie Selbstvertrauen. Außerdem Geduld, sich nicht unterkriegen zu lassen und immer ein Ass im Ärmel zu haben.
Was war bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Um beim Schauspiel und Filmemachen zu bleiben, war eines der ersten Highlights ein Filmpreis für meinen Kurzfilm „ANMUT“, den ich zu einem Langfilm umproduzieren möchte. Ein weiteres Highlight war es, für Wolfgang Petersens Kinofilm „Vier gegen die Bank“ auserkoren worden zu sein. Es war zwar nur eine kleine Rolle, aber in einer tollen Warner-Bros.-Produktion mit vielen namhaften Kolleginnen und Kollegen. Ein weiteres Wunder erfuhr ich als Produzent beim Film „Phantomschmerz – der Fall Finn Fischer“. Ich hätte nie geglaubt, dass ich es schaffen würde, aus einem Bar-Budget von 61.000 Euro durch Sponsoring ein Gesamtwerk für rund 1,2 Millionen Euro zu machen. Das zeigt: Lass dich nicht abhalten, man kann alles erreichen, wenn man will!
Wo sehen Sie Ihre Stärken?
Ich bin ein neugieriges Kind geblieben, ein Visionär und bodenständiger Macher. Geht nicht, gibt es für mich nicht. Rückschläge stärken mich nach einer kleinen Frustphase eher, als dass sie mich resignieren lassen.
Hinter jedem starken Mann steht eine starke Frau, sagt der Volksmund. Stimmen Sie zu?
Für mich gilt: Hinter jedem Menschen steht (vielleicht) auch ein starker Mensch, welcher einem Halt gibt. An Rollenverteilungen nehme ich nicht teil. JR