Lotto King Karl – der ehrgeizige Musiker hat seine Träume in die Tat umgesetzt. Bild © Patrick Ludolph

Zufriedenheit ist der größtmögliche Erfolg

Wenn man sich mit Lotto King Karl unterhalten möchte, dann muss man Zeit mitbringen. Dabei wird es auf gar keinen Fall langweilig, denn der Mann hat schon viel erlebt und dadurch auch einiges zu erzählen. Vom Marineoffizier über „Der mit dem großen Lottogewinn“ bis hin zum heutigen erfolgreichen Musiker – natürlich mit der ganz großen Liebe zum HSV.

„Als Kind wollte ich Mittelstürmer beim HSV und Torschützenkönig der Bundesliga werden. Damals konnte ich mir keinen cooleren Job vorstellen,“ so Lotto King Karl. Mittlerweile weiß er, dass es noch andere coole Jobs gibt. „Als ich Marineoffizier war, war mir gar nicht bewusst, was für ein cooler Job das ist. Daran denkst Du in dem Moment nicht, wenn Du bei 8 Grad auf der Brücke stehst, Dir der Hagel ins Gesicht schlägt und Du manchmal mit Leuten zusammenarbeiten musst, mit denen Du Dich privat nie treffen würdest. Aber Du lernst, im Team zusammenzuhalten, durchzuhalten und Mut zu haben. Das alles ist mir erst viel später bewusst geworden. Aber das ist wichtig. Irgendwann sollte man erkennen, was man schon geschafft hat. Damit setzt dann eine gewissen Dankbarkeit ein und mit ihr auch der persönliche Erfolg.“

Doch ab wann kann man dankbar sein und ab wann hat man für sich selbst Erfolg? „Es fängt ja immer damit an, dass man gewisse Träume hat, die man erreichen möchte. Da ist es am Anfang ja schon ein Erfolg, wenn man die Miete ohne Probleme zahlen kann. Dann wird man anspruchsvoller in Bezug auf Erfolg. Man sollte sich nur immer die Fragen stellen, wie lange und wie hart man überhaupt arbeiten möchte. Oder umgekehrt: Wann reicht es? Wenn man dann ehrlich zu sich selbst ist, gelangt man automatisch an den Punkt, an dem man sagt: Ich habe mein Ziel und das, was mir wichtig war, erreicht. Damit sind wir dann wieder bei der Zufriedenheit und dem Erfolg.“

Der Weg zum Erfolg kann aber auch schwer sein. „Ich kann mich noch daran erinnern, als meine Band und ich unseren major Plattenvertrag verloren hatten. Wenn eine Plattenfirma einen rauswirft, dann geht die eigentlich davon aus, dass sich die Band auflöst. Doch das kam für uns nicht infrage. Trotzdem war die Trauer erst riesengroß. Wir saßen damals total frustriert an einer Jet-Tankstelle in Hamburg Horn mit einem Sixpack im Arm und haben uns gefragt: Was können wir denn, was diese milliardenschwere Plattenindustrie nicht kann? Und das einzige, was uns einfiel – wir können ehrlich sein und wir können härter arbeiten. Als Philosophie sicherlich toll, aber als Geschäftsgrundlage eher mittelmäßig. Und trotzdem hat es funktioniert. Das war wohl mein wichtigster Karriereschritt.“ Rückschläge und Erfolg gehören für ihn zusammen. „Das liegt in der Natur der Sache. Wichtig dabei ist es, ein gewisses Talent zu besitzen.“

Manchmal ist es auch ein Talent, das im ersten Moment gar nicht als solches gesehen wird und trotzdem zum Erfolg führt. „Vielleicht ist es am Beispiel von Dieter Bohlen gut zu erklären,“ mein Lotto. „Es ist sicher nicht beleidigend, wenn man sagt, dass Bohlen nicht der größte Musiker auf dem Planeten ist. Aber er war in der Lage, mit seiner Personality ein Geschäft zu machen. Dabei hat er immer den kleinsten gemeinsamen Nenner gefunden. Er lebt davon, dass er viele Dinge einfacher macht.“ Sicherlich etwas, das helfen kann: Zu erkennen, wann es kompliziert wird und dass man es dann besser lässt. Wobei man das auf gar keinen Fall mit „aufgeben“ gleichsetzen sollte. Social Media macht es heutzutage ohnehin viel einfacher, bekannt zu werden. Für Lotto King Karl sind die sozialen Netzwerke hilfreich, allerdings auch mit Arbeit verbunden. „Wenn man es bewusst betreibt und ernst nimmt, dann kann man sich auch eine gewisse Unabhängigkeit von der Presse schaffen. „Das habe ich gemacht, als meine Zeit beim HSV zu Ende ging. Ich habe direkt meinen Abschiedsbrief bei Facebook geschrieben. Somit musste ich gar nicht darauf warten, bis mich die Presse anrief und vielleicht auch Sachen behauptete, die ich angeblich gesagt hatte.“

Dass man durch Social Media heutzutage schneller bekannt, wird ist kein Geheimnis. Der Lotto King hat da einen interessanten Vergleich. „Das ist wie damals zu Zeiten von Wolfgang Amadeus Mozart. Der musste von Hof zu Hof gehen , um sein Talent zu zeigen. Er war darauf angewiesen, dass es sich rumsprach. Heutzutage gehen Sie nicht mehr von Hof zu Hof, sondern stellen ihre Arbeit, Ihr Talent ins Netz und wenn es gut ankommt, dann geht es ab.“ Lotto King Karl ist zu einer Zeit bekannt geworden, als soziale Medien in ihrer heutigen Form noch gar nicht existierten. Er war ehrgeizig und hat für seine Träume hart gearbeitet. „Man muss sich seine Position im Leben erst einmal erarbeiten und für sich selbst sehen, wohin der eigene Blick geht. Dabei hilft es, wenn man gelassen bleibt. Zu erkennen und damit klarzukommen, dass es ein paar Dinge gibt, die man einfach nicht mehr erreichen kann. Und da sind wir wieder bei der Erfahrung, die man im Leben schon gemacht hat. Wenn man diese bewusster einsetzt, dann kann man etwas erreichen und ist zufrieden. Vielleicht ist Erfolg ein Zusammenspiel aus Dankbarkeit, Gelassenheit und Zufriedenheit.“

 

Fußballtrainer Christoph Daum ist seinen Weg gegangen und macht andere gerne zu Gewinnern Bild © Christof Sage

Das Optimum anstreben, um das Maximum zu erreichen!

Christoph Daum wollte als Kind die Welt entdecken und verstehen lernen. Deshalb wollte er Forscher werden. Er ist bekanntermaßen Fußballtrainer geworden – zugegeben auf den ersten Blick etwas ganz anderes. Doch wenn man die Welt versteht, dann hat man die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen und für sie da zu sein. Das war ausschlaggebend für seinen Berufswunsch und da passt es auch wieder. „Ich wollte die Möglichkeit haben, andere Menschen dabei zu unterstützen, sich zu eigenverantwortlichen Persönlichkeiten zu entwickeln,“ meint Daum. „Es ist eine unglaubliche Befriedigung, anderen dabei zu helfen, ein Gewinner zu sein beziehungsweise zu werden. Mein Motto: Mache andere zu Gewinnern und du wirst selbst ein Gewinner sein!

Für seine eigene Entwicklung und den angestrebten persönlichen Erfolg hat Daum den harten, aber realistischen Weg gewählt. „Der wichtigste Karriereschritt für mich war die Bereitschaft, Risiken einzugehen, dabei die Komfortzone zu verlassen, ständige Bereitschaft zur Veränderung.“ Damit hat er es geschafft. Auch, wenn er als Spieler selbst keine großen Erfolge feiern konnte, als Trainer kamen sie dann. „Es ging mir immer nur darum, mir selbst zu beweisen, dass nichts unmöglich ist. Der größte Wunsch war, einer der Besten in meinem Bereich zu sein, weil dies eine unglaubliche Befriedigung, eine Bestätigung für alle Investitionen, Verzichte und Rückschläge ist.“

Dafür hat er sich und seinem Umfeld viel abverlangt. So lief er als Trainer von Bayer 04 Leverkusen mit seinen Spielern über Glasscherben. Natürlich gab es auch Rückschläge.„Rückschläge sind ein ständiger Wegbegleiter. Das zu akzeptieren, ist eine Herausforderung. Ich habe gelernt, nie bei den Umständen oder den anderen mit der Analyse zu beginnen, sondern zuerst bei sich selbst. Das Wichtige dabei: Niemals aufgeben! Immer nach Lösungen suchen. Bereit sein, hinzufallen, wieder aufzustehen und weiter zu machen.“ Rückblickend würde Daum einiges anders machen. „Aber ich habe die Dinge aus der Vergangenheit, die Teil meines Lebens sind, akzeptiert, da sie mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin.“

Für ihn gibt es kein Erfolgsgeheimnis. Christoph Daum ist seinen Weg gegangen. Nicht immer den leichten, aber für ihn befriedigenden. „Man sollte realistisch träumen und bereit sein, ans Limit zu gehen. Der Erfolg stellt sich zuerst im Kopf ein, dann im Herzen und danach im Leben. Beginne mit 200% bei allem, was Du kannst, was Du willst, was Du tust, damit es wird.“
Daniela Fuß

Als Student durfte er einmal probesitzen – Jahre später erfüllte er sich den Traum einen DeLorean zu kaufen. Bild © Isabella Vosmikova 1997

Der steinige Weg zum Gipfel

Der Kreis der deutschen Oscarpreisträger ist überschaubar. Volker Engel gehört zu diesem erlesenen Kreis. Er hat 1997 für den Film „Independence Day“ den Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ erhalten – mit 32 Jahren. In Bremerhaven geboren, lebt und arbeitet Engel gemeinsam mit seiner Frau Gesa, einer deutschen Filmproduzentin, seit Jahrzehnten in Los Angeles als Visual-Effects-Supervisor und Filmproduzent.

Es gibt Menschen, die wissen schon als Kind, was sie werden wollen. Und nicht nur das, sie ziehen ihr Ding dann auch durch. Volker Engel gehört dazu. „Nachdem ich mit sechs Jahren Disneys ‚Dschungelbuch‘ gesehen hatte, wollte ich Disney-Zeichner werden. Als ich dann mit 13 Jahren den ersten Star-Wars-Film sah, wollte ich visuelle Effekte machen und neue Welten kreieren. Das war der Grundstein“, spricht Engel über die Filme, die seine Leidenschaft entfacht haben. Was lag da näher, als sich mit 14 Jahren – vom Konfirmationsgeld – eine Super-8-Kamera zu kaufen und mit Filmtricks zu experimentieren? Seinen Eltern ist er für diese Freiheit dankbar. Unterstützung erhält Volker Engel auch in der Schule. Sein Kunstlehrer der Oberstufe unterstützt ihn stark dabei, eine künstlerisch orientierte Ausbildung zu machen. Also geht Volker Engel an die Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart und macht 1989 sein Diplom als Grafikdesigner mit Schwerpunkt Trickfilm.

Dann kreuzen sich Engels Wege mit denen des Mannes, der später sein langjähriger Mentor werden soll: Roland Emmerich. Eine Begegnung, für die er heute noch dankbar ist: „Er hat mir durch seine Filmprojekte über mindestens zwei Jahrzehnte eine Plattform geschaffen, auf der ich mich kreativ entfalten konnte. Das war eine spannende Zusammenarbeit, wie ich sie jedem nur wünschen kann.“

Als er gerade mal 23 Jahre alt ist, heuert ihn Regisseur Roland Emmerich als Visual Effects Supervisor für seinen Film „Moon 44“ an. 1995 kommt er auf Emmerichs Einladung nach Los Angeles und wirkt an „Independence Day“ mit. Der Blockbuster wird 1997 für die visuellen Effekte mit einem Oscar ausgezeichnet – das persönliche Highlight seiner Karriere. „Es war mein erstes Filmprojekt in den USA in meinem Beruf als Visual Effects Supervisor und hat mir deshalb so viel bedeutet, weil man dafür von seinen Kollegen aus der Branche nominiert wird.“

Ganz einfach war sein Schritt in die USA nicht, wie Engel sich erinnert. „Es war eine große Herausforderung, als sehr junger Mensch 1995 in die USA zu kommen und in einer fremden Sprache die Leitung eines 300-köpfigen Departments zu übernehmen – inklusive der Verantwortung für ein zweistelliges Millionen-Budget.“ Allerdings konnte er sich damit auch einen Wunsch erfüllen: einen DeLorean. „Während meines Studiums brachte ich einmal meinen alten Opel Ascona zur Reparatur und sah auf dem Hof der Werkstatt einen DeLorean. Er stand zum Verkauf und sollte 50.000 Mark kosten. Ich lebte damals von 300 Mark BAföG im Monat“, sagt Engel lachend. Aber zumindest drinsitzen durfte er kurz. Jahre später bot sich ihm in den USA eine ähnliche Gelegenheit und er hat sich für 15.000 Dollar seinen Autotraum erfüllt.

Erfolg ist für Volker Engel das Ergebnis harter Arbeit. „Dafür braucht man eine enorme Ausdauer und darf sich nicht mit Menschen umgeben, die ständig etwas zu nörgeln haben.“ Er selbst sei hartnäckig – wie ein Langstreckenläufer, sagen seine Mitarbeiter. Für junge, ambitionierte Menschen hat Volker Engel einen Erfolgstipp parat: „Man muss sich klarmachen, dass tatsächlich der Weg das Ziel ist und dass es, bei allem Spaß, den man bei der Arbeit haben wird, ein steiniger Weg zum Gipfel ist. Zwar genießt man die Aussicht von dort eine Weile, aber der Weg zum nächsten Gipfel wird wieder hart und steinig sein, nur diesmal auf eine andere Art. Man kommt von Mal zu Mal besser damit klar, weil man schon mental darauf vorbereitet ist.“

Als Chef seiner eigenen Produktionsfirma Uncharted Territory, die er 1999 mit seinem guten Freund und Kollegen Marc Weigert gründete, hat er den Weg vom einen zum nächsten Gipfel schon unzählige Male beschritten.
hat er den Weg vom einen zum nächsten Gipfel schon unzählige Male beschritten. Mit einem guten Team sei das natürlich einfacher. Seinen Mitarbeitern versucht er, als Kollege auf Augenhöhe zu begegnen. „Viele Mitarbeiter brauchen eine Weile, um sich daran zu gewöhnen.“ Um mit ihnen als Kollegen umgehen zu können, ist ein guter Informationsaustausch nötig: „Ich habe zu oft Kollegen in meinem Beruf erlebt, die das Informationsdefizit von Mitarbeitern ausnutzten, um dadurch ihre Überlegenheit zur Schau zu stellen.“

Außerhalb seiner Firma ist Volker Engel gern sportlich aktiv. Sein Ausgleich zur Arbeit sei Ausdauersport, Yoga und Pilates – zusammen mit seiner Frau Gesa. Auch sie ist im Filmgeschäft tätig. So kann er Privatleben und Beruf gut verbinden. „Meine Frau Gesa ist Produzentin und wir arbeiten gemeinsam an unseren Projekten. Dabei arbeiten wir immer wieder eng mit guten Freunden, wie zum Beispiel Cornelia Funke, zusammen, denn Arbeitszeit ist auch Lebenszeit“, sagt Engel.
Von Renate Kerscher

Bekannt wurde er vor allem durch das Buch „Dieses bescheuerte Herz“ und den gleichnamigen Film Bild © melanie-koravitsch.com

Jeder Profi war mal Anfänger

Einer, der weiß, wie Erfolg geht, ist Lars Amend. Nicht zuletzt als Autor von „It’s All Good“, einem Ratgeber über Erfolg, Glück und Persönlichkeitsentwicklung. Der Schriftsteller hat elf Bücher in elf Jahren veröffentlicht. Bekannt wurde Amend vor allem durch sein Buch und den gleichnamigen Film „Dieses bescheuerte Herz“. Als Schriftsteller ist Lars Amend eher ein „Spätberufener“: Er begann erst mit 29 Jahren, zu schreiben.

„Nach der Schule bin ich ohne Plan nach London gezogen, um in der Musikbranche zu arbeiten. Dort habe ich gelernt, in einem fremden Land klarzukommen, ohne jemanden zu kennen und ohne viel Geld zu verdienen. Zehn Jahre später kam mein erstes Buch auf den Markt, das sofort ein Platz-1-Spiegel-Bestseller wurde“, erzählt Amend. Diese Erfahrung habe ihm gezeigt, dass man keine Angst vorm Scheitern haben darf, sondern es einfach probieren muss. Darin sieht er auch den Schlüssel zu seinem Erfolg: „Go your own way! – Hör auf dein Herz, zieh dein Ding durch und mache nichts, um anderen zu gefallen. Lass dich von Menschen, die deinen Weg schon gegangen sind, ruhig inspirieren, aber werde dein eigener Rockstar.

Wahrer Erfolg hat für Lars Amend nichts mit Geld, schnellen Autos oder großen Häusern zu tun – sondern mit Seelenfrieden. „Wenn du im Innen ruhst, brauchst du keine Bestätigung in Form von Erfolg im Außen mehr. Anders gesagt: Wenn du nichts brauchst, um glücklich zu sein, kann dir dieses Glück auch nicht mehr weggenommen werden. Das ist die höchstmögliche Form von Erfolg, da er durch nichts zerstört werden kann.“

Amend ist allerdings nicht so besonnen und in sich ruhend zur Welt gekommen. Darum hat er sich von seinem ersten Geld, das er mit Anfang 20 beim Radio verdient hat, einen Anzug von Helmut Lang gekauft – für knapp 2000 Euro. „Ich wollte eben dazugehören.“ Heute bedeuten ihm Statussymbole nichts mehr und er ist davon auch nicht beeindruckt. Den Helmut-Lang-Anzug hat er allerdings immer noch. „Ein zeitloser Klassiker.“

Was ihn heute wirklich beeindruckt sind Weltstars wie etwa Paulo Coelho und Rudolf Schenker von der Rockband The Scorpions, mit denen er zusammenarbeiten durfte. „Zeit mit zwei weltweit erfolgreichen Superstars zu verbringen, die auf allen Ebenen den puren Erfolg verkörpern, kann man mit keinem Geld der Welt bezahlen“, schwärmt er noch heute von diesem Karrierehighlight. Ein weiteres solches Highlight war natürlich auch die Verfilmung seines Buches „Dieses bescheuerte Herz“, die zu einem der erfolgreichsten deutschen Kinofilme der letzten Jahre wurde. „Das war schon auch ganz geil.“

Lars Amend scheint auf einer nicht endenden Erfolgswelle zu surfen. Rückschläge? Gab’s immer wieder. „Ein Verleger hat mir einmal aus Eitelkeit und gekränktem Ego ziemlich große Knüppel vor die Beine geworfen und mir das Leben ganz bewusst schwer gemacht. Damals hat mich diese Ungerechtigkeit sehr belastet. Heute weiß ich, dass dies mein Weg sein sollte, um eine wichtige Lektion zu lernen“, stellt Amend fest. Darum ist Durchhaltevermögen eine wichtige Eigenschaft von erfolgreichen Menschen. „Es sind selten die Besten ganz oben, sondern die, die nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden sind und es erneut probiert haben, oft über viele Jahre.“

Die Stärken für seinen eigenen Erfolg sieht Amend in seiner Authentizität und in seiner Empathie. „Ich höre gut zu und sehe genau hin.“ Gerade seine Empathie hat auch zu einem markanten Wendepunkt seiner Karriere beigetragen. „Als emphatischer Mensch habe ich einen starken Zugang zu meinen Gefühlen. Als ich jedoch verstanden habe, dass man Entscheidungen, die im Geschäftsleben getroffen werden, niemals persönlich nehmen darf, hat sich mein beruflicher Erfolg auf einen Schlag verdreifacht.“

Gerne lässt er junge Menschen an seinem Erfolg teilhaben und gibt Tipps für deren Karrieren. Besonders hilfreich ist laut Amend der Gedanke, dass jeder Profi einmal ein Anfänger war, der vielleicht für seine Vision ausgelacht wurde. „Das gehört alles dazu.“

Ein großes Thema, das erfolgreiche Menschen umtreibt, ist die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben – gerade weil Zeit eine endliche Ressource ist. Für Lars Amend ist das kein Thema. „Da gibt es bei mir keine Trennung. Eine Work-Life-Balance gibt es bei mir nicht. Bei mir ist alles Life. Ich liebe meine Arbeit, weswegen ich auch keinen Urlaub von meinem Leben brauche.“ Der Mann scheint mit sich und seinem Leben absolut im Reinen zu sein. Ruhe findet er in der täglichen Meditation. „Diese Insel der Kraft, die in mir verborgen liegt und zu der ich immer reisen kann, ist ein großes Geschenk. Ich wünschte, jeder Mensch würde zu dieser Erkenntnis kommen.“
Von Renate Kerscher

Der Hamburger Unternehmer Ian Karan. Bild © Berit Stüven

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Vom Tellerwäscher zum Multimillionär – was abgedroschen klingt, ist doch eine treffende Zusammenfassung von Ian K. Karans Leben. Genauso gut könnte man über ihn ein ganzes Buch schreiben. Im Juni feierte der Hamburger Unternehmer und ehemalige Wirtschaftssenator seinen 80. Geburtstag.

Ian Karan ist in Ceylon geboren. Sein Start ins Leben war denkbar schlecht. Seine Mutter starb bei der Geburt, sein Vater drei Jahre später im Zweiten Weltkrieg. Mit 16 kommt er durch ein Sportstipendium nach London, 1970 zieht es ihn nach Hamburg, wo er in einem Restaurant als Tellerwäscher arbeitet. In einer Spedition findet Ian Karan Arbeit, engagiert sich, steigt auf, wird mit einer eigenen Containerfirma reich.

Es läuft gut für ihn, bis ihm ein winziges Detail zum Verhängnis wird. 1993 verkauft er seine Firma an einen englischen Konkurrenten, beauftragt die „beste Kanzlei der Stadt“ für die Kaufabwicklung. Doch die Anwälte hatten nicht festgelegt, wann der Kaufpreis an Ian Karan ausbezahlt werden sollte – der Käufer zahlt deshalb keinen Penny. „Das war mein erster und größter Rückschlag, der mir viele Lektionen erteilt hat, die mich 15 Jahre später für meinen größten Erfolg stärkten“, sagt Karan, der dem Vorfall heute sogar etwas Positives abgewinnen kann. „Überwunden habe ich diesen Rückschlag durch Beharrlichkeit und den Willen, das Unrecht zu tilgen, das mir angetan wurde. Meinem jüngeren Ich würde ich aber raten, nicht nur auf das große Bild zu schauen, sondern auch auf das Kleingedruckte“, sagt er. „Erfolg zu haben braucht Glück, und dem Glück kann man nachhelfen, indem man zielorientiert arbeitet.“ Sein Ziel war, wieder auf die Beine zu kommen. Das gelang ihm 1997 mit der Gründung seiner neuen Containerfirma Capital Lease GmbH. „Es war wichtig, dabei auf finanzkräftige Partner zu setzen. Die zu finden, war nicht einfach.“ Aber er schaffte es und arbeitete sich (wieder) von unten nach ganz oben.

Ian Karan ist heute Multimillionär, hat aber nicht vergessen, woher er kommt. Er spendet viel, für ihn ist das eine Selbstverständlichkeit. „Es ist wichtig, dass in Deutschland, wo die Kluft zwischen Arm und Reich größer wird, die besserverdienenden Menschen die Minderbemittelten nicht aus den Augen verlieren. Das Leben ist nur schön, wenn auch der Schwächste mitgenommen wird und kein Anlass zu sozialem Neid erzeugt wird. Hamburg ist in dieser Hinsicht vorbildlich, mit den meisten Stiftungen pro Kopf in Deutschland“, sagt Karan. Mit seiner eigenen Stiftung trägt auch er etwas dazu bei.
Claudia Rothhammer

Oliver Staas leitet seit Juli 2019 das Radisson Blu Hotel in Berlin

Mensch bleiben und zuhören

Oliver Staas ist Gastgeber mit Leib und Seele. Er stammt aus einer Gastronomenfamilie, daher war sein Weg früh vorgezeichnet. Hoteldirektor wollte er schon als Kind werden. Bei der Radisson-Gruppe ist Staas seit 1992, dort hat er mehrere Hotels eröffnet, war als General Manager unter anderem in Riga, Moskau und St. Petersburg und leitet seit Juli 2019 das Radisson Blu Hotel Berlin. Vom Busche Verlag wurde Oliver Staas bereits zehnmal zu einem der Top 50 Hoteliers in Deutschland ernannt. In der Nachwuchsförderung hat er schon gut 15 Talente unter seine Fittiche genommen, die heute eigenständig Hotels leiten.

Herr Staas, Sie wussten schon als Kind, dass es beruflich ins Gastgewerbe gehen würde.
Oliver Staas: Ja, meine Eltern hatten einen Gaststättenbetrieb. Da war meine berufliche Richtung klar. Und als ich das Buch von Conrad Hilton gelesen habe, wollte ich Hoteldirektor werden.

Was würde Sie heute als Ihre wichtigsten Karriereschritte bezeichnen?
Jeder einzelne Schritt war wichtig. Besonders meine beruflichen Stationen im Ausland. Fremde Kulturen und Menschen verstehen zu dürfen, das hat mich sehr positiv geprägt.

Waren Ihre Stationen im Ausland das persönliche Highlight Ihrer Karriere?
Es gab so viele tolle Ereignisse und keines möchte ich missen. Sicherlich ein persönliches Highlight war, dass ich das Glück hatte, viele junge Kollegen zu Hoteldirektoren ausbilden zu dürfen.

Worin sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Mensch bleiben und zuhören. Teams formen und diese mitnehmen auf die Reise.

Macht das in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Ja, außerdem Offenheit und Entscheidungsfreudigkeit. Ich versuche mein Team so zu leiten: Die Vision ist das Ziel, aber den Weg bestimmt jeder Einzelne.

Wobei haben Sie außerdem gerne Erfolg?
Beim Triathlon. Ich habe zwei Ironmans hinter mir und natürlich ist das toll, sich hier immer wieder zu beweisen. Hier das Ziel zu erreichen, war meine höchste sportliche Leistung. Zumal ich erst vor acht Jahren das Schwimmen gelernt habe.

Ist der Sport Ihr Ausgleich zum Beruf?
Beim Sport komme ich immer wieder auf neue Ideen.

Zum Schluss: Was ist Ihre persönliche Definition von Erfolg?
Glücklich zu sein in dem, was ich mache.

Von Renate Kerscher

Umweltschutz liegt Andreas Thümmler am Herzen. Darum kauft er Grundstücke und forstet auf. © Andreas Thümmler

„Unternehmen sind wie kleine Kinder“

Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll – dieser Ruf eilt Andreas Thümmler voraus. Er sei ein Lebemann und Partyhengst, der tagsüber Millionendeals macht und nachts keine Sünde auslässt. „Stimmt alles“, sagt Thümmler. „Früher“. Heute ist es ruhiger um den Investmentbanker, aber gute Deals macht er immer noch gern. Thümmler gründete 1998 Corporate Finance Partners (CFP), eine europaweit führenden Beratungsgesellschaft für Unternehmensverkäufe in der Techbranche. Außerdem hat er einen Venture-Fund, ihm gehört die größte Whisky-Destillerie in Kontinentaleuropa und er pflanzt Bäume.

Als Kind wollte Andreas Thümmler Millionär werden. Der Sicherheit wegen und um keinen Stress mehr zu haben. In Sicherheit dürfte Thümmler nach mehr als 250 erfolgreichen M-&-A-, Private-Equity- und Venture-Capital-Transaktionen sein. „Das ist richtig, an dem Punkt war ich mehrfach. Aber man ist dann doch getrieben und motiviert“, sagt Thümmler über das Unternehmervirus lachend.

„Ich bin Investmentbanker, habe einen Venture-Fund am Laufen und mir gehört die größte Whisky-Destillerie in Kontinentaleuropa. Das sind schon vielfältige Aktivitäten.“ Seine drei Geschäfte versucht er miteinander zu verbinden. Bei den ersten beiden gut vorstellbar, aber wie passt die Whisky-Destillerie ins Bild? Whisky sei schon immer sein Hobby gewesen, sagt Thümmler. 2012 hat er die St. Kilian Distillers gegründet. Und jetzt kommt der Investmentbanker durch. „Ich beobachte die ökonomische Entwicklung – also was kann man mit seinem Geld machen, wie investiert man es altersgerecht?“ Seine Lösung: Whisky. Die Wertsteigerung von Single Malt Whisky liege bei zehn Prozent pro Jahr. „Statt einer Bank haben wir ein Fasslager.“ Es gibt bereits Pläne, eine eigene Währung einzuführen – den Whisky-Coin, der durch Whiskyfässer 1:1 hinterlegt ist. Zeit für Hobbys oder ein Privatleben bleibt da zugegebenermaßen kaum. „Mit Unternehmen ist es so ein bisschen wie mit kleinen Kindern, man muss immer dafür da sein“, sagt Thümmler.

Statussymbole sind ihm heute auch nicht mehr wichtig. „Ich habe mir alle materiellen Wünsche erfüllt, die man so hat, wenn man aus keiner Unternehmerfamilie kommt, sondern selfmade ist. Sex, Drugs and Rock ’n’ Roll waren die Begriffe, die man über mich lesen konnte.“ Seine Partyphase habe er sehr genossen. „Jetzt bin ich in die nächste Phase der Evolution eingetreten.“ Er übernimmt Verantwortung für Natur und Umwelt, kauft Grundstücke und bepflanzt sie mit Bäumen. „Soziales Engagement halte ich für extrem wichtig.“
Von Renate Kerscher

Jochen Fischer privat

„Erfolg ist kein Synonym für Kontostand“

Die Mitarbeit bei der Schülerzeitung hat ihm zur ersten eigenen Firma verholfen. Heute ist Jochen J. Fischer ein erfolgreicher Unternehmer, Berater und Investor aus Hamburg. Im Interview verrät der 55-Jährige das Geheimnis seines Erfolgs.

Als Schüler hat Fischer bei der Schülerzeitung mitgearbeitet. Um die Herausgabe der Zeitung zu finanzieren, hat er mit 15 Jahren in seiner Freizeit Werbeanzeigen verkauft – und ist auf den Geschmack gekommen. Es habe ihm nicht nur Spaß gemacht, sondern er merkte auch, dass er dafür Talent hat. „Ich dachte, was für die Schule funktioniert, funktioniert auch für die Stadt“, erinnert sich Fischer. Und so gründet er mit 18 Jahren seine erste Firma, um ein regionales Jugendmagazin herauszugeben. Fischer ist damit so erfolgreich, dass ein niederländischer Verleger auf ihn aufmerksam wird und ihm mit gerade mal 20 Jahren die Zusammenarbeit anbietet: Aus dem kleinen Verlag wird eine Druck- und Verlagsgesellschaft, die Wochenzeitungen, Anzeigenblätter, Special-Interest-Titel sowie Corporate-Publishing-Produkte herausbringt.

Das war Anfang der 1980er-Jahre. „Heute stehen an der Spitze vieler Start-up-Unternehmen junge Menschen, aber bei mir war das noch anders. Damals war das etwas Exotisches, wenn ein Student nebenbei eine eigene Firma aufbaut.“ Fischer muss lächeln, wenn er an die Zeit zurückdenkt. „Um nicht so jung auszusehen, habe ich versucht, mich älter zu machen. Meine Geschäftspartner waren ja alle zwischen 40 und 60 Jahre alt.“ Deshalb habe er seine Partner und Kunden genau studiert, habe sich dieselben konservativen Anzüge gekauft und sich eine Lesebrille aus Fensterglas zugelegt. „Gleich wirkte ich seriöser. Und ich wollte ja ernst genommen werden.“

Alter hin oder her: Der Erfolg gibt ihm recht. 15 Jahre läuft das Unternehmen gut, dann kommt der erste unternehmerische Rückschlag. Das Internet mischt die Verlagsbranche auf, die Umsätze gehen zurück. 1999 verlässt er den Verlag, orientiert sich um und setzt alles auf neue Technologien. Mit einem ehemaligen Kollegen der Schülerzeitung baut er Vectron Systems zum führenden europäischen Hersteller für Kassensysteme aus und bringt das Unternehmen an die Börse. 2007 wiederholt er das Ganze mit einer weiteren Firma. „Zwei Unternehmen an die Börse zu bekommen, ist das Highlight einer Unternehmerkarriere“, sagt Fischer.

Er ist erfolgreich. Aber er winkt dennoch ab, als er darauf angesprochen wird: „Da gibt es ganz andere, die mehr erreicht haben als ich.“ Überhaupt sei das so eine Sache mit dem Erfolg. „Für viele ist Erfolg ein Synonym für einen hohen Kontostand, für ein Leben, in dem man materiellen Reichtum angehäuft hat.“ Er definiere Erfolg aber anders, setze es gleich mit innerer Zufriedenheit. Das sei wichtiger, „als möglichst viel Geld anzuhäufen“. Geld sei für ihn nur die Basis für „maximal mögliche Freiheit und Unabhängigkeit“, aber kein Maßstab, ob jemand ein erfülltes Leben habe.

Und ist er zufrieden mit seinem Leben? Der 55-Jährige muss nicht überlegen: „definitiv.“ Er würde auch heute alles wieder genauso machen. Sein Rat an junge Menschen, die am Anfang ihrer Karriere stehen: Sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen, die gehörten zum Leben dazu. „In fast 40 Jahren Unternehmerdasein bleiben die nicht aus“, weiß Fischer und erinnert an die schwierigen Umbruchzeiten, als die Technologieblase platzte oder das Internet den Verlagen zu schaffen machte. Aber es gehe danach auch weiter. Man müsse nur wollen und machen. „Wer Erfolg haben möchte, braucht einen unbedingten Willen zum Erfolg“, sagt er. „Und man muss an sich glauben.“

Diesen unbedingten Willen zum Erfolg und das Selbstvertrauen in sich selbst hat ihm sein Großvater vorgelebt. Der war selbst Unternehmer, hatte sich eine Maschinenfabrik aufgebaut. Das Motto des Großvaters war stets: „Wenn du willst, was du kannst, dann kannst du, was du willst.“ Diesen Rat habe er sich schon früh zu Herzen genommen, sich klare Ziele gesetzt und mit aller Kraft an der Umsetzung gearbeitet.
Fischer kramt ein altes Foto hervor. Es zeigt einen jungen Mann im Trenchcoat vor dem Kensington Hotel, der neben einem Rolls-Royce steht. „Wir waren mit der Schulklasse in London. Ein Klassenkamerad hat mich fotografiert. Damals dachte ich mir, so ein Auto willst du auch einmal fahren. 30 Jahre später habe ich mir diesen Traum tatsächlich erfüllt – und natürlich ein Foto gemacht.“ Er holt auch dieses Bild hervor. Für Fischer haben beide Fotos Symbolkraft: Wenn man sich Ziele setzt und an sich glaubt, kann man alles schaffen.
Claudia Rothhammer

“Gar keine Zuschauer, das ist auch Mist”

Seit über 20 Jahren ist Caroline Link im Filmgeschäft erfolgreich. Die 1964 in Bad Nauheim geborene Wahlmünchnerin studierte an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen Regie. Bekannt ist sie insbesondere für den Kinofilm „Nirgendwo in Afrika“, der 2001 einen Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ erhielt. Ihr neuester Film „Der Junge muss an die frische Luft“ (2018) wurde unter anderem mit dem Deutschen Comedypreis für die „erfolgreichste Kinokomödie“ ausgezeichnet. Wir haben mit ihr über ihre Erfolge und die Herausforderung gesprochen, denen sie sich als Regisseurin stellen muss.

Agentur Baganz/ Soeren Bauer Events 

Wie definieren Sie Erfolg?

Erfolgreich bin ich als Regisseurin, wenn ich ehrlich sagen kann, ich habe mein Ziel erreicht. Mit zunehmendem Alter merke ich, dass mir die Wertschätzung meiner Arbeit am wichtigsten ist. Gute Zuschauerzahlen und Geld alleine machen nicht wirklich zufrieden, aber gar keine Zuschauer, das ist natürlich auch Mist! (lacht)

Was wollten Sie als Kind werden?

Als junge Erwachsene war meine Antwort darauf: „Irgendwas mit Kindern.“ Tatsächlich haben mich Kinderschicksale schon immer sehr interessiert, vor allem dann, wenn die Kinder eine Herausforderung zu bestehen haben.

Was war für Sie ausschlaggebend bei der Berufswahl?

Als junge Frau hätte ich mir das gar nicht zugetraut. Zuerst war ich Assistentin, dann habe ich es gewagt, mich an der Filmhochschule zu bewerben. Es erschien mir verlockend, eine ganze filmische Geschichte selbst zu gestalten.

Was waren wichtige Schritte in Ihrer Karriere?

Nach dem Oscar wurden mir große Projekte angeboten. Ich wollte sie nicht, weil ich gespürt habe, dass ich sie nicht gut machen würde. Nicht weil sie zu groß waren, sondern weil sie von etwas erzählten, was mit mir nichts zu tun hatte. Nach dem Oscar nicht nach Amerika zu gehen, war sicher ebenfalls eine wesentliche Entscheidung.

Ihr bisheriges Karriere-Highlight?

Der Oscar für „Nirgendwo in Afrika“ war natürlich ein Highlight, keine Frage. Aber ebenso hat mich der Deutsche Filmpreis für meine Regie für „Im Winter ein Jahr“ gefreut. Der Film hatte relativ wenig Zuschauer und es hat mich sehr glücklich gemacht, dass meine Arbeit dennoch gewürdigt wurde.

Was waren die größten Herausforderungen für Sie?

Es ist mir sehr schwer gefallen, mich von meinem kleinen Kind für Monate zu verabschieden und in die Welt hinauszuziehen, um Filme zu drehen. Am Drehort hätte ich ständig das Gefühl gehabt, sie kommt zu kurz. Mein Lebenspartner Dominik hat unsere Tochter komplett betreut. Als ich in Marokko gedreht habe, waren das immerhin vier Monate am Stück. Gott sei Dank konnte er sich dafür die Zeit nehmen. Ich empfinde den Regieberuf schon als ziemlich familienfeindlich. Man ist einfach zu oft weg.

Von Franziska Mansen

PD Dr. med. Christian Weißenberger ist Leiter des Zentrums für Strahlentherapie Freiburg. © Zentrum für Strahlentherapie Freiburg

Erfolgreich Gesundheitsbewusstsein schaffen

Er gilt als einer der wichtigsten Krebsexperten Deutschlands und macht gemeinsam mit zahlreichen Prominenten auf die Bedeutung der Krebsprävention aufmerksam. Für PD Dr. med. Christian Weißenberger heißt Erfolg vor allem, kranken Menschen helfen zu können.

Dass Gesundheit ein hohes Gut ist, muss man Christian Weißenberger nicht erklären. Der bundesweit bekannte Leiter des Zentrums für Strahlentherapie in Freiburg im Breisgau setzt sich seit Langem für ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein seiner Landsleute ein und feilt stets an neuen Therapiemöglichkeiten. „Persönlich erfolgreich zu sein heißt für mich, Dinge zu erreichen, ohne mir untreu zu werden“, erklärt Weißenberger. „Als Arzt geht es in dem Fall konkret darum, seinen Patienten die bestmögliche Therapie zu bieten – die zuverlässig und schonend und auch für alle Patienten bezahlbar ist.“

Wie man erfolgreich handelt, musste Christian Weißenberger bereits als 17-jähriger Gymnasiast lernen – und das nicht nur auf der Schulbank. Er und sein Bruder mussten nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters dessen Landwirtschaftsunternehmen übernehmen. Ein Sprung ins Ungewisse, der jedoch durch Fleiß und eine gesunde Selbsteinschätzung gelang: „In dieser Zeit habe ich gelernt, dass so manches gute Geschäft gerade dasjenige ist, das nicht zustande kommt“, blickt Christian Weißenberger zurück. „Egal ob es sich um Kunden oder um Patienten handelt: Wenn die Chemie zwischen den Beteiligten letztendlich nicht stimmt, sollte man es lieber lassen.“

Neben der Patientenbetreuung und der Forschung liegt dem 54-jährigen Mediziner der „Freiburg Health Day“ besonders am Herzen, den er 2016 aus der Taufe gehoben hat. Alljährlich geht es da an mehreren Standorten in Freiburg bei Sportveranstaltungen, Vorträgen und Showauftritten ausschließlich um das Thema Gesundheit. Unterstützt wird der „Freiburg Health Day“ von prominenten Sportlern wie der Olympiasiegerin Heike Drechsler oder von Schauspielern und Influencern wie Thorsten Nindel („Lindenstraße“), Patrick G. Boll („Berlin – Tag und Nacht“) oder Model und „Bachelor“-Kandidatin Dany Michalski. „Wenn ich da mit all diesen tollen Menschen auf der Bühne stehe und sehe, mit wie viel Freude die da alle mitmachen, dann ist das schon ein absolutes Highlight!“, freut sich Weißenberger.

Der mit fünf Oscars ausgezeichnete Monumentalfilm „Gladiator“ war der erfolgreichste Film in der über 30-jährigen Schauspielkarriere von Ralf Moeller. Bild © Tom König

„Neid erdrückt und macht missmutig“

Er war Mr. Universum und ist seit über 30 Jahren im Filmgeschäft erfolgreich: Ralf Moeller. Der gebürtige Recklinghauser ist einer der wenigen deutschen Schauspieler, der auch in Hollywood seinen Weg gegangen ist. Erfolg ist für Ralf Moeller indes „breit gefächert: sportlich, beruflich, sozial und privat“. Es komme immer auf die Situation an.

„Wenn ich sportlich erfolgreich sein möchte, muss ich jeden Tag vier bis fünf Stunden trainieren.
Das habe ich über zehn Jahre lang gemacht und erreichte so 1986 den Bodybuilding-Weltmeistertitel ,Mr. Universum‘. Fleiß, Disziplin, der Glaube an mich selbst waren da entscheidend, aber auch die Fähigkeit, Niederlagen hinnehmen, wieder aufstehen und weiter machen zu können. Mir ist wichtig, nicht nur an mich zu denken, sondern auch anderen zu helfen.“ Der Träger des Verdienstordens Nordrhein-Westfalens engagiert sich vielfältig für soziale Projekte: Er ist unter anderem Botschafter der Organisation „Skate-Aid“ und unterstützte den „Weißen Ring“ mit einem Videoclip mit dem Titel „Sei stark, hol‘ Dir Hilfe“. Moeller strotz auch mit 60 Jahren nur so vor Tatendrang: „Aktuell stehe ich mit meinem Freund Arnold Schwarzenegger und Michael Fassbender für die Actionkomödie „Kung Fury 2“ vor der Kamera – auch wenn wir leider unterschiedliche Drehtage haben. Kürzlich habe ich mit Bruce Willis in Atlanta gedreht. Dass ich den USA Filme drehen durfte, ist für mich ein Erfolg.“ In den Schoß gefallen ist das dem gelernten Schwimmmeister trotz seines aus dem Bodybuilding resultierenden Bekanntheitsgrades nicht: „Berühmt kann man ja erstmal nur werden, wenn man in einer Sache erfolgreich ist.

Ich musste sehr viel und hart trainieren, um Wettkämpfe zu gewinnen und Werbeverträge zu erhalten. Im Filmgeschäft ist es ähnlich: Es macht keiner für Dich.“

Moeller war es aus seiner Sportlerzeit gewohnt, sich selbst zu vermarkten. Das sollte ihm auch im Filmgeschäft – neben dem Gardemaß von 1,96 Meter bei 131 Kilogramm zu seiner Glanzzeit und seiner gewinnenden Art – nützlich sein. Feuer gefangen hatte er 1988 gleich bei seiner Bildschirmpremiere, eine Gastrolle im „Tatort“ an der Seite von „Schimanski“ Götz George. Bis heute das Highlight. „Gladiator mit seinen fünf Oscars war natürlich der erfolgreichste Film. Das Größte aber war und ist für mich, dass ich damals mit Götz George drehen durfte. Das Ruhrgebiet ist immer noch in mir“, beschreibt Moeller, der seit 2014 auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, seine Verbundenheit zum Pott. Seine Energie beziehe er auch aus seiner veganen Ernährung: „Ich war 40 Jahre lang Fleischesser. Meine Werte haben sich aber eben verbessert, seitdem ich kein Fleisch mehr esse“, so Moeller. „Mit 20 bis 30 Jahren kann der Körper dagegen ankämpfen, aber wenn Du über die 50 und 60 Jahre gehst, dann wird es kritisch – gerade im Magen-Darm-Bereich. Prostatakrebs, Darmkrebs oder hohes Cholesterin – das passiert alles durch Fleischkonsum.“ Er sage nicht, dass die Leute es machen müssen, könne es aber uneingeschränkt empfehlen.

Ein persönlicher Erfolg sei auch sein Fitnesslevel mit 60 Jahren, sein biologisches Alter wurde bei Tests mit 39 Jahren angegeben. „Mir haben sie früher gesagt: ,Wenn Du 55 bist, dann hängt der Bizeps bis zu Kniekehle‘ – das ist nicht der Fall. Mit 27 Jahren konnte ich ja nicht sagen, ob die Besserwisser Recht behalten sollten und ich überhaupt 60 Jahre werde. Jetzt wo ich es bin – 114 Kilo bei 1,95 Meter – freue ich mich, dass es nicht so gekommen ist. Wenn man sich bewusst ernährt und in seinen Körper investiert, dann ist man 60 und später hoffentlich auch mit 70 Jahren noch fit.“ Moeller ist nicht nur ernährungstechnisch mit sich im Reinen: „Bei mir ist das Glas immer halb voll. Ich kann mich auch freuen, wenn andere Leute etwas Schönes haben. Ich bin ein Mensch, der nicht neidisch ist. Neid erdrückt und macht missmutig. Neid blockiert.“ Die Beteiligung an Dutzenden Filmen und Serien erfüllt den Seiteneinsteiger mit Stolz. Nicht nur „Gladiator“, so Moellers Spitzname in den Medien, auch andere Filme hätten Spaß gemacht: „Selbst ,Hai-Alarm auf Mallorca‘, in dem ich 2004 die Hauptrolle gespielt habe, hat immer noch Kultstatus.“ Wenn vor der Baleareninsel wieder ein Hai lande und die Leute nach so vielen Jahren noch sagen würden: „Mensch, wo ist der Möller, wenn man ihn braucht?“, dann sei das schön und er könne darüber lachen. „Man sollte ohnehin zu allem was man gemacht hat, stehen“, findet Ralf Moeller – und wer möchte dem „Gladiator“ schon widersprechen?
Von Robert Torunsky

Er ist der Gründer des Start-ups „Sension“ und des „Autism Glass Project“ an der Stanford University

Der Deutsche, der auszog, um die Welt besser zu machen

Er ist zwar mies in der Schule, programmiert dafür aber schon mit 13 Jahren seine erste App. Mit 14 arbeitet Catalin Voss als iPhone Entwickler, verdient sein erstes Geld; mit 15 macht er ein Praktikum im Silicon Valley mit dem Erfinder des Macintosh, Steve Capps. Zurück in Deutschland hat er nur noch ein Ziel – er will an der Eliteuni Stanford Informatik studieren. Mit 18 Jahren entwickelt Catalin in Stanford eine App für die Datenbrille Google Glass, mit der autistische Kinder üben können, die Emotionen ihres Gegenübers zu erkennen. Bald danach schließt Catalin sich in Kenia zwei lokalen Unternehmern an. Zusammen wollen sie Ladenbesitzer mit künstlicher Intelligenz ausstatten. Das Projekt wurde 2018 von Mastercard aufgekauft.

Was bedeutet für Sie Erfolg?
Die Welt ein Stück besser zu machen. Je größer das Stück, desto größer der Erfolg.

Und was ist Ihr Erfolgsgeheimnis? Sie sind immerhin erst 24 Jahre alt.
Ich habe relativ früh entdeckt, dass auch Menschen, die wir als besonders erfolgreich und darum so unnahbar ansehen, in der Regel doch ganz normale Menschen sind. Und man diese Menschen um Unterstützung bitten kann. Ein paar dieser sehr erfolgreichen Menschen, unter anderen Terry Winograd, Steve Capps, Shea Tate-Di Donna, haben – aus welchem Grund auch immer – an mich geglaubt und mir wichtige Türen geöffnet. So ziemlich alles, was man in meiner bisherigen Karriere Erfolg nennen kann, habe ich ihnen zu verdanken.

Was treibt Sie an?
Ich glaube tatsächlich, dass wir die Welt verbessern können. Und wenn nicht ich, mit all meinen Ressourcen, wer dann?

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?
Erfolg verpflichtet, Eigentum verpflichtet, Wissen verpflichtet… Ich halte soziales Engagement für enorm wichtig. Wenn man ein Unternehmen in einem Land aufbaut, in dem es kein funktionierendes Sozialsystem gibt, möchte ich mit meinen Möglichkeiten dafür sorgen, dass die Gesellschaft und die Infrastruktur an dem individuellen Erfolg teilhaben können.

Hat Ihnen jemand zu Beginn gesagt, Sie seien verrückt?
In Deutschland eigentlich alle, denen ich mit 15 oder 16 Jahren erzählte, dass ich ins Silicon Valley ziehen wolle, um in Stanford für 60000 US-Dollar Studiengeld pro Jahr zu studieren, ohne die geringste Idee zu haben, wie ich das Geld zusammen bekommen sollte. Vor meinem Studium hatte ich mir die 60000 US-Dollar für das erste Jahr angespart. Dann kam die Griechenlandkrise, der Euro brach ein, die 60000 US-Dollar waren über Nacht nur noch 40000 wert und ich dachte, das wars mit dem Studieren. Gott sei Dank öffneten sich andere Türen.

War das Ihr heftigster Rückschlag oder gab es noch einen härteren?
Da gab es einige… Das Unternehmen, das ich in meinem ersten Jahr in Stanford gegründet habe, habe ich auf Umsatzbasis hochgezogen. Ein paar Monate nachdem wir soweit waren, Leute einzustellen, die keine Studenten mehr waren, beging einer unserer wichtigsten Kunden Vertragsbruch. Uns fielen vertraglich garantierte Umsätze weg. Da hatte ich als 18-Jähriger gerade einen Familienvater überzeugt, umzuziehen, um zu uns ins Boot zu springen, und konnte ihn auf einmal nicht mehr bezahlen. Das war hart. Es war das erste Mal, dass ich mit so etwas konfrontiert war. Aus dieser Episode habe ich gelernt, dass Geld nicht existiert, solange es nicht auf dem Konto ist, und dass ich mit mehr Puffer wirtschaften muss.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, was würden Sie anders machen?
Ich mache jeden Tag viele Fehler. Ich treffe manchmal die falschen technischen Entscheidungen, was mich und andere dann viel Zeit kostet, oder fange aussichtslose Projekte an. Vor eineinhalb Jahren wollte ich zum Beispiel die Welt mithilfe von Drohnen und dem Geruchssinn von Honigbienen von Landmienen befreien. Das war ein Fehlgriff.

Was ist die wichtigste Eigenschaft, die ein erfolgreicher Mensch braucht?
Es gibt im Englischen ein Wort dafür, das wir so im Deutschen nicht haben: Resourcefulness. Mit dem Begriff ist die Fähigkeit gemeint, Sachen zu bekommen, die nicht auf der Menükarte des Lebens stehen, indem man Ressourcen anzapft, an die man nicht selbstverständlich rankommt, und aus dem, was man hat, das Maximum herauszuziehen vermag.

Was ist ein Must-have in ihrem Beruf?
Ich kann kaum Worte dafür finden, wie wichtig es mir ist, einen guten Businesspartner oder eine gute Businesspartnerin an meiner Seite zu haben. Eine Person, die die gleiche Euphorie empfindet, wenn es funktioniert, und die mit mir leidet, wenn alles den Bach runtergeht.

Welche Rolle spielen sozialer Status und Herkunft beim Erfolg?
Es wäre ignorant und arrogant, zu behaupten, dass das in meiner Geschichte keine Rolle gespielt hätte. Meine Eltern sind Akademiker und gaben mir schon als Kind viele Chancen, meine eigenartigen Interessen zu verfolgen.

Retten Sie irgendwann die Welt?
Im Moment spielen wir Lotto mit unserem Planeten. Leider habe ich noch keine App- oder KI-Idee, die CO2 aus der Luft saugt, so sehr ich mir das auch wünsche.
Von Johanna Reichert

Kick-Starter

Lea Schüller – Die Sturmhoffnung der DFB-Frauen ©privat

Der Traum von der deutschen Fußballnationalmannschaft – viele haben ihn, aber nur für ganz wenige wird er Realität. Lea Schüller hat es geschafft. Die Kickerin des SGS Essen ist eine der großen Hoffnungsträgerinnen des deutschen Sturms. Mit sieben Jahren sah sie die Europameisterschaft der Herren – und seitdem war ihr klar: Sie muss auf den Platz. Heute ist die 22-Jährige genau dort – und extrem torgefährlich. In 19 Spielen hat sie bereits zehn Tore für die deutschen Fußballfrauen geschossen.

Wie diszipliniert musst Du sein?
Nun, Disziplin gehört mit Sicherheit auch dazu, aber ich bin der Meinung, wenn man ein Ziel verfolgt, das man sich selbst gesetzt hat, dann ist automatisch die Motivation und der Wille da, es auch zu erreichen.

Hast du manchmal das Gefühl, etwas zu verpassen – gesunde Ernährung und Training statt Partynächte und Katerfrühstück gegen Mittag?
Manchmal bin ich schon traurig darüber, wenn ich meinen Freunden absagen muss, aber an sich habe ich nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Ich gehe wahrscheinlich seltener weg als andere Studenten, aber ich muss nicht ganz drauf verzichten. Genauso ist es bei der Ernährung auch. Ich achte schon drauf, was ich esse, aber ich esse gerne gesund und wenn ich Lust auf Pizza habe, dann esse ich die auch.

Wer hat Dich am meisten unterstützt?
Meine Eltern – und das tun sie bis jetzt. Sie sind bei jedem Spiel dabei und ich freue mich jedes Mal, wenn ich sie am Spielfeldrand sehe.

Wann hast Du gedacht: Jetzt habe ich es geschafft?
Ich glaube “geschafft” ist der falsche Begriff. Mein Ziel, in der Bundesliga zu spielen, hatte ich irgendwann erreicht. Genauso wie das Ziel, in der Nationalmannschaft zu spielen. Aber es gibt immer neue Ziele, die es zu erreichen gilt.

Du stehst noch am Anfang Deiner Karriere. Hast Du trotzdem einen Plan für danach?
Ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen und würde gerne in der Automobilbranche Fuß fassen. Das ist zumindest mein jetziger Stand.

Welche Erfolgsziele hast Du Dir noch gesetzt?
In der Champions League spielen. Die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Dann die Europameisterschaft.

Wie gehst du mir Kritik am Frauenfußball um?
Trifft mich in keinster Weise.

Was ist das Tolle daran, ein weiblicher Fußballprofi zu sein?
Man wird nicht von jedem erkannt. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich erkannt werde oder Fans im Stadion eine Unterschrift wollen oder jemand sagt, dass ich ein Vorbild bin. Aber ich kann auch ganz normal in der Stadt rumlaufen, ohne erkannt zu werden, wie es beispielsweise bei den Männern der Fall ist.

von Johanna Reichert

In der Printausgabe finden Sie dieses Interview auf Seite 120.

Ein Hauch von Cary Grant

Er brachte als Programmdirektor Stefan Raab zu Pro Sieben und versetzte als EndemolChef Deutschland ins Big-Brother-Fieber. Heute kümmert sich Borris Brandt als Director
Entertainment bei Aida um das gesamte Unterhaltungsprogramm für die Kreuzfahrten der Clubschiff-Flotte. Denn Borris Brandt liebt es einfach, zu unterhalten.

Er wisse zwar nicht mehr, wie der Film hieß, den er damals als Kind im Fernsehen gesehen hat. Aber zwei Dinge wusste Borris Brandt ganz genau, während er den Menschen auf der
Mattscheibe zusah: Der gutaussehende Schauspieler, der die Hauptrolle hatte und all die hübschen Frauen abbekam, hieß Cary Grant – und das, was der da auf dem Bildschirm tat,
das wollte er als Erwachsener auch tun. „Werbekaufmann sein. Flotte Sprüche, schöne Frauen, viel Geld und wenig Arbeit! So zumindest war es bei Cary Grant in diesem Film, den
ich damals sah. Die Erkenntnis, wie falsch der Eindruck im Gegensatz zur Realität war, habe ich erst viel später gewonnen, aber das führte dann zu meiner beruflichen
Weiterentwicklung“, sagt der erfolgreiche Medienunternehmer lachend.

Der gebürtige Hamburger und Sohn des bekannten Schauspielers und Michael-DouglasSynchronsprechers Volker Brandt begab sich also zunächst auf die Spuren von Cary Grants
Filmcharakter und machte eine Ausbildung als Werbekaufmann. Zu Beginn seiner Karriere im Jahr 1985 war er Filialleiter in einem Schallplattenladen, danach folgten Anstellungen als
Werbeleiter bei der Teldec Schallplatten GmbH und von 1991 bis 1995 als Etatdirektor bei der Economia Werbeagentur in Hamburg. Dort war Brandt verantwortlich für das Marketing
von Buena Vista Home Video, Jam FM und einer Reihe von Handelsunternehmen im Bekleidungsbereich.

Einem kurzen Intermezzo als Marketingleiter bei der 20th Century Fox folgte schließlich die berufliche Erfahrung, die ihn wohl am meisten geprägt hat: die Stelle des Programmdirektors
von Pro Sieben. Unter Brandts Ägide erreichte der Privatsender die höchsten Quoten seiner Geschichte, außerdem war er maßgeblich dafür verantwortlich, dass Stefan Raab vom
Musiksender Viva zu dem Münchner Sender wechselte – der Rest ist deutsche Fernsehgeschichte. Brandt war außerdem der erste Programmdirektor der Welt, der vom
niederländischen Medienunternehmen Endemol dessen späteres Erfolgsformat „Big Brother“ gekauft hat. Das führte zu Konflikten mit dem Pro-Sieben-Vorstand und mündete
schließlich in seiner Entlassung. Brandt sagt dazu heute: „Kurz vor dem Höhepunkt meiner Pro-Sieben-Zeit wurde ich von einem neuen Vorstand gefeuert, weil er weder von Formaten noch von der Entwicklung der Gesellschaft und deren Sehverhalten auch nur den Hauch einer Ahnung hatte. Ich habe mir von der Abfindung als Trost erst einmal einen Jaguar
gekauft und bin um den Starnberger See gefahren. Und dann habe ich bei Endemol angefangen. Wie heißt es so schön: Eine Tür zu – eine Tür auf!

Als „Big Brother“ nicht zu Pro Sieben kam, ging Brandt den umgekehrten Weg zu „Big Brother“: 2001 übernahm er die Geschäftsführung von Endemol Deutschland und später die
Präsidentschaft der Endemol Deutschland Holding. Dort brachte er das Format erneut auf den Bildschirm und zeichnete bis 2008 für zahlreiche ambitionierte und kommerziell
erfolgreiche Formate verantwortlich.

Seit 2011 ist Borris Brandt hauptberuflich in seiner Geburtsstadt Hamburg Director Entertainment bei Aida. Unter seiner Führung entsteht das umfangreiche
Unterhaltungsprogramm für die Kreuzfahrtschiffe. Für Brandt ist es der ihn am meisten erfüllende Job seit seinen glorreichen Zeiten bei Pro Sieben: „Egal ob im Fernsehen oder auf
der Aida: Es ist eine tolle Erfahrung, zu wissen, dass ich tatsächlich Dinge bewegen, entscheiden und damit Millionen Menschen glücklich machen kann.“ Einige Maximen habe
er im Laufe seiner langjährigen Karriere dabei für sich entwickelt: „Systematisch an die Aufgaben gehen. Seine Ziele klar definieren, bevor man anfängt. Dranbleiben in guten und
miesen Zeiten, wie in einer Ehe. Und immer wissen, wann Schluss ist.“ Und: „Erfolgreich zu sein erfordert wie zu allen Zeiten vor allem, besser, fleißiger und mutiger zu sein als alle
anderen.“

Ruhe und Inspiration findet Borris Brandt in seinem Haus an der französischen Atlantikküste und im Kreis der Familie und seiner vier Hunde. Luxus bedeutet für ihn als Erfolgsmenschen
mehr von etwas zu haben, als was man eigentlich braucht. „Und großes Glück kommt nur zu demjenigen, der eine Tür dafür offen hält.“

Ein Chef zum Anfassen

Christoph Vilanek hatte dieses Jahr gleich zweimal Grund zum Feiern: Zum einen ist er seit zehn Jahren Vorstandsvorsitzender der freenet AG, zum anderen feierte das Unternehmen selbst seinen 20. Geburtstag. Der gebürtige Österreicher, Chef von rund 4000 Mitarbeitern, ist als zugewandt und bodenständig bekannt. Er hat das „Du“ im Unternehmen durchgängig etabliert, führt einen eigenen Blog. Der 51-Jährige hat auch eine Möglichkeit gefunden, wie ihm Mitarbeiter anonym Fragen stellen können, die er persönlich beantwortet. Und er redet nicht gerne um den heißen Brei herum, sondern nennt die Dinge beim Namen. Ein idealer Gesprächspartner also, wenn es um die Frage geht: Wie wird man erfolgreich?

Herr Vilanek, von einer Karriere wie der Ihren träumen viele. War das immer schon Ihr Ziel?
Christoph Vilanek: Als Kind wollte ich eigentlich Formel-1-Rennfahrer werden, weil Österreicher in dem Sport ziemlich erfolgreich waren. Niki Lauda hat nie Ruhe gegeben, weder als Mensch noch als Unternehmer oder als Sportler. Der Mann ist brennend aus seinem Auto geborgen worden und ein paar Wochen später wieder Rennen gefahren. Das ist schon einmalig.

Statt Formel 1 ist es dann doch ein BWL-Studium geworden. Nach Ihrem Abschluss haben Sie beim Verlag Time-Life International angefangen, sind Geschäftsführer beim Online-Modehandel boo.com geworden, waren für ein paar Jahre bei McKinsey und debitel, bevor sie zu freenet gewechselt sind. Was waren für Sie die wichtigsten Karriereschritte?
Die Rückschläge! Denn nur dann nimmt man sich Zeit, neu nachzudenken, und überlegt gezielt, wie man ohne Netz und doppelten Boden neu an Themen herangehen kann. Nach dem Studium und zehn Jahren Karriere habe ich für gut drei Jahre bei McKinsey gearbeitet. Diese Zeit war für mich am Ende die entscheidende, weil ich nach zehn Jahren autodidaktischer Karriere quasi nochmal die „Schulbank drücken“ musste. Ich habe bei McKinsey wahnsinnig schnell viel gelernt – oder besser gesagt lernen müssen.

Gab es weitere Hürden, die Sie überwinden mussten?
Oh ja! 1998 wurde ich vom Eigentümer meines damaligen Arbeitgebers, heute würde man sagen, hochkant gefeuert. Ich hatte seine Meinung in einer fachlichen Diskussion total falsch eingeschätzt und er präsentierte mir dafür die Rechnung. Heute würde ich sagen, das war jugendlicher Leichtsinn, aber es hat mich definitiv geprägt.

Was würden Sie Ihrem jüngeren Ich heute raten?
Nicht verbissen sein, nicht eifern, nicht nach oben schielen – einfach machen, selbstbewusst sein. Und an das berüchtigte Quäntchen Glück glauben, denn ohne das wird es nicht gehen. Mich fragen unsere Trainees oft: „Wie macht man Karriere?“ Meine Antwort ist immer dieselbe: „Fragen stellen. Ihr müsst immer fragen, wissbegierig sein, Aufmerksamkeit zeigen.“ Es ist für mich ganz erstaunlich, dass die jungen Leute von Networking sprechen und von eigenen Connections, aber vergessen, dass eine gut gestellte Frage beim Gegenüber mehr Wohlgefühle und Dopamin freisetzt als viele schlaue Bemerkungen.

Für viele ist ein Mentor das entscheidende „Quäntchen Glück“. Wer hat Sie auf Ihrem Weg unterstützt?
Ich könnte einige Leute nennen, deren Einfluss ganz wesentlich war. Besonders eindrucksvoll war zum einen ein Gespräch darüber, warum es nur ein Prinzip der Führung gibt, das Lob, und zum anderen der Aufruf eines Kollegen in der Beratung, doch meine Gedanken einer „intellektuellen Disziplin“ zu unterwerfen. Und natürlich Prof. Dr. Helmut Thoma, „Mr. RTL“. Er hat mich im Mai 2009 zum Vorstandsvorsitzenden der freenet AG gemacht.

War die Ernennung Ihr persönliches Karrierehighlight?
Ja, es fühlte sich einfach wie eine Belohnung an – für die eine oder andere Enttäuschung und Entbehrung vorher. An diesem Tag war ich richtig stolz auf das Erreichte. Vor lauter Freude hatte ich vergessen, meine Frau anzurufen und abends auf dem Nachhauseweg – nach unzähligen SMS und Gratulationsvoicemails – rief ich sie an, und wir sind beide in Tränen ausgebrochen. Da war schon spürbar, dass ich mir im Vorfeld über Jahre selbst Druck aufgebaut habe, der dann plötzlich abfiel.

Sind Sie glücklich?
Ich habe regelmäßig Momente eines totalen Glücksgefühls. Das sind meistens einzelne Augenblicke oder ein paar Minuten. Ich kann nicht sagen, woran ich dieses Gefühl festmache. Ich spreche zum Beispiel oft spontan Leute an und freue mich dann, dass ich nicht der Chef oder CEO bin, sondern einfach der Christoph.

Claudia Rothhammer

Fußball und Kickern sind Claassens Leidenschaft. Zweimal war er bereits Präsident eines Fußballclubs – bei Hannover 96 und bei RCD Mallorca. Fotos: © Syntellix AG

Erfolgreich mit harter und strukturierter Arbeit

Prof. Utz Claassen ist ein Macher, ein Entrepreneur und Stehaufmännchen. Claassen schwimmt gerne auf der Erfolgswelle, bis sie ihn vom Brett reißt. Dann steht er auf und surft die nächste Welle. Sein Abitur macht er mit 17 Jahren mit dem Notendurchschnitt von 0,7. Nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und zwischenzeitlich auch der Medizin steigt er bei McKinsey ein und wechselt dann zu Ford, später zu Volkswagen. 1994 wird er Finanzvorstand und Vertreter des Präsidenten bei Seat. Es folgt der Posten des Vorstandsvorsitzenden bei Sartorius und 2003 schließlich bei EnBW. Heute steht Claassen an der Spitze des Medizintechnikherstellers Syntellix, den er 2008 gegründet hat.

Mit Erfolg, aber auch Widrigkeiten kennt er sich aus. Claassen hat viel durch in seiner beruflichen Laufbahn. Er polarisiert. Wenn Claassen auf Fragen antwortet, dann nie wie aus der Pistole geschossen. Er denkt intensiv nach, wägt ab, seine Wortwahl ist wohlüberlegt und freundlich.

Darin sieht er auch eine der Stärken, die für seinen Erfolg maßgeblich sind: „Ich kann mich vernünftig artikulieren.“ Außerdem habe er Kampfgeist, sei fleißig und bringe eine hohe Einsatzbereitschaft mit. Mit diesen Stärken kann er seinen selbstgestellten Ansprüchen gerecht werden und seine Ziele als Topmanager erreichen. Topmanager ist Claassens Berufsbezeichnung. Seit er 17 Jahre alt war, war ihm seine Berufswahl klar. „Ich wollte und will gestalten, verändern und verbessern. Das kann man als Topmanager.“ Als Kind hatte er verschiedene Berufe auf dem Zettel: Statiker, weil der Onkel einer war; Apotheker, weil der Menschen gesund macht; als Gymnasiast wollte er Gehirnchirurg werden, als Kind schwebte ihm eine Karriere als Fußballprofi vor.

Das mit dem Fußballprofi hat nicht geklappt, aber dafür war er zeitweise Fußballpräsident. 1997 für 74 Tage bei Hannover 96. Er wollte sanieren, stieß auf Widerstand, wurde bedroht, zog sich schließlich zurück. Seit 2010 war er Investor bei RCD Mallorca und hatte dort verschiedenen Posten inne – auch wieder als Präsident. Fußball ist eine Herzensangelegenheit für Claassen. Hier kommt er kurz ins Schwärmen, wird dann aber wieder sachlich. „Ein realisierter Traum oder eine genutzte Gelegenheit können sich im Nachhinein als wenig vorteilhaft herausstellen“, sagt er. Ob er irgendetwas nachtrauert? „Nein, es lohnt sich nicht, einer Sache nachzutrauern, weil sich die Vergangenheit nicht ändern lässt. Ärger und Angst sind schlechte Berater.“

Er muss es wissen. Claassen sieht stets das Positive in der jeweiligen Situation. „Jeder einzelne Schritt meiner Karriere war wichtig, weil er mir immer etwas anderes gebracht hat. Und zwar den Eintritt in eine neue Welt mit neuen Perspektiven.“ Trotzdem benennt er durchaus Highlights seiner Karriere. „Karrieretechnisch und medial war meine Position als EnBW-Chef ein Highlight, als ich 38.000 Mitarbeiter hatte. Von der Intensität her war die Seat-Sanierung mein Highlight.“ Auch den emotionalsten Moment seiner Laufbahn als Topmanager teilt Claassen: „2013, als Syntellix den Innovationspreis der deutschen Wirtschaft erhalten hat, hatte ich mich vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um mich um meine sterbende Mutter zu kümmern. Nur für einen Abend habe ich sie mit der Frau eines Freundes allein gelassen, als ich den Preis in Empfang genommen habe.“ Darum werde er den Preis immer mit seiner Mutter in Verbindung bringen, den er ihr als Zeichen seiner Wertschätzung mit nach Hause gebracht, gezeigt und gewidmet habe.

Neben seiner Mutter war Ferdinand Piëch eine wichtige Person in Claassens Leben. Dessen Tod am 25. August 2019 hat den Topmanager getroffen. „Die Person auf der Welt, die ich außerhalb der Familie am meisten respektiert habe und respektiere, der ich am meisten zu verdanken habe, die mir die meisten wichtigen Referenzpunkte, Förderungen, Forderungen, Herausforderungen, Lehren und Einsichten mitgegeben hat, ist Ferdinand Piëch. Sein kürzliches Ableben ist ein unfassbarer Verlust für unsere Wirtschaft und Gesellschaft gewesen, den viele wahrscheinlich nicht einmal richtig verstanden haben“, sagt Claassen über seinen Mentor.

Heute hat Claassen selbst Mentor-Qualitäten. Jungen Menschen, die ins Topmanagement wollen, gibt Utz Claassen folgenden Tipp mit auf dem Weg: „Sich nicht von der Leichtigkeit des Seins verführen lassen. Mit harter und strukturierter Arbeit kann man die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass das berufliche Glück kommt. Daran habe ich mich immer gehalten.“ Gleichzeitig gibt Claassen aber zu, dass dieser Beruf mit dem Privatleben nicht immer einfach zu vereinbaren sei. „Ich habe zu viel Fokus auf meinem beruflichen Einsatz. Und extrem wenig Freizeit.“ Er könnte sich vorwerfen, zu wenig Freizeit und Privatleben zu haben. „Ich bin privat glücklich, aber objektiv betrachtet habe ich habe ich viel zu wenig Zeit für private Dinge.“ Ein Schicksal, das viele erfolgreiche Menschen mit Claassen teilen. Trotzdem nimmt er sich hin und wieder eine Auszeit. Zum Beispiel, um Tischfußball spielen, zu Hause am eigenen Kickertisch, aber auch auf Turnieren.

Gerne würde Utz Claassen mal einen ganzen Tag „offline“ sein. „Das wäre Luxus für mich.“ Allerdings sei das derzeit unvorstellbar und mit seiner unternehmerischen Verantwortung nicht zu vereinbaren. Verantwortungsgefühl ist ein Must-have in seinem Beruf. „Wer unternehmerisch tätig ist und Personalverantwortung trägt, muss rund um die Uhr Verantwortungsgefühl haben“, sagt Claassen. Verantwortungsgefühl mache seiner Meinung nach auch eine gute Führungskraft aus. „Und Führungsfähigkeit im Umgang mit Menschen. Nicht jeder, der ein guter Fachmann ist, ist auch eine gute Führungskraft.“ Seinen eigenen Führungsstil beschreibt Claassen so: „Jeder ist so frei, wie er gut ist.“

Über Statussymbole spricht Utz Claassen nicht so gerne. Er möchte seine finanziellen Möglichkeiten auch nicht mit seiner offenkundigen Leidenschaft für Autos in Verbindung bringen und bleibt vage, wenn es um seinen privaten Fuhrpark geht. Ein Bentley? „Ich lebe in starken Loyalitäten, und es versteht sich von selbst: Wenn ich ein Fahrzeug käuflich erworben habe, dann eines, das ich mit dem Konzept Piëch-Engineering in Verbindung bringe und das mich auch über meine Arbeitszeit im Volkswagen-Konzern hinaus mit Herrn Piëch verbindet, wann immer ich es fahre.“
Von Renate Kerscher

© Liqui Moly GmbH

Nicht schwätzen, sondern schaffen

Als Unternehmer mit ausgeprägter sozialer Ader ist Ernst Prost einem breiten Publikum bekannt geworden. Im Jahr 2011 war er der Firmenchef mit den meisten Talkshow-Auftritten. Dabei setzte er sich für Themen wie Mindestlohn, einen höheren Spitzensteuersatz oder die Einführung einer Vermögenssteuer ein. Mittlerweile macht sich der im Februar 1957 in Altötting geborene Prost zwar wieder rar in den Medien, an seinen Ansichten hat sich jedoch ebenso wenig geändert wie an seinem Elan. Auch nach dem Verkauf seiner Unternehmensanteile am Schmiermittelhersteller Liqui Moly und den Meguin Mineralölwerken wirkt er als Geschäftsführer beider Unternehmen. Seine Beschäftigten betrachtet er als „Mitunternehmer“.

Wer war oder ist Ihr Vorbild?
Mutter Teresa, weil sie sich für die Ärmsten der Armen eingesetzt hat.

Was war ausschlaggebend für Ihre Berufswahl?
Die Tatsache, dass mich keine Bank und auch kein anderer Betrieb genommen hat. Deshalb bin ich Kfz-Mechaniker geworden.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Lehre mit Gesellenbrief, Verkaufsleiter, Marketingchef, Geschäftsführer, Unternehmer und jetzt wieder Geschäftsführer. Jeder Schritt hat Sinn gemacht und war der Vorläufer für den nächsten Schritt.

Was betrachten Sie als Highlight Ihrer Karriere?
Unternehmer sein zu dürfen, mich selbstständig gemacht zu haben, mit allem, was an Würde und Bürde dazugehört.

Apropos Bürde: Wie ist Ihr Unternehmerdasein mit dem Privatleben zu vereinbaren?
Ganz hervorragend. Mein Beruf ist mein Leben und mein Leben ist mein Beruf. Da gibt es nichts zu trennen, das ist eins. Dafür bin ich sehr dankbar.

Aber es gibt bestimmt einen Ausgleich zur täglichen Arbeit?
Ausgleich brauche ich nicht. Die Arbeit als solche ist meine Inspiration. Anregende Orte? Die Natur, die Dusche und das Klo. Dort entstehen Ideen.

Gab es einen materiellen Wunsch, der Sie am Anfang bis zum ersten großen Erfolg begleitet hat? Wenn ja, welchen und wann haben Sie ihn sich erfüllt?
Das war ein eigenes Motorrad, damit ich mir meine Freiheit erfahren kann. Mit 20 Jahren hat es geklappt.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Ich bin zäh, fleißig und liebe die Arbeit – und vor allem liebe ich die Menschen.

Gibt es Menschen, die Sie als eine Art Mentor auf Ihrem Weg unterstützt haben?
Drei Personen waren es: me, myself and I. Im Ernst: Ich habe wie ein Schwamm aufgesaugt, was immer es zu lernen gab, und davon profitiert. Viele gute Leute haben mich inspiriert und geleitet. Auch heute noch.

Was bedeutet Unglück für Sie?
Wenn ich zusehen muss, wie andere Menschen leiden, und nicht helfen kann.

Und was ist Ihre Definition von Glück und Luxus?
Glück ist für mich schon die Abwesenheit von Unglück. Luxus ist einfach nur, Zeit und Muße für den guten alten Müßiggang zu haben.

Gab es einen markanten Wendepunkt in Ihrer beruflichen Karriere?
Es gab einen Tag, an dem eine Firma, in der ich als Angestellter arbeitete, sehr viele Leute entlassen hat. Ich habe mir damals geschworen, dass ich – sofern ich jemals in eine Position gelange, in der ich dies verhindern kann – alles dafür tun werde, dass so etwas nicht passiert. Weil es für alle Beteiligten schrecklich war.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?
Erstens der blanke Ehrgeiz und zweitens, etwas zu leisten, womit anderen Menschen gedient ist.

Ist das Wohlergehen anderer also ein wichtiger roter Faden in Ihrem beruflichen Leben?
Ja, ich gönne allen, wirklich allen Menschen den Erfolg. Wir haben ja nicht zu viele Millionäre in Deutschland, sondern zu wenige. Umgekehrt haben wir zu viele Arme. Beruflicher Erfolg bedeutet immer, soziale Anerkennung zu erhalten, Geld zu verdienen und durch Steuern und Sozialversicherungsabgaben dem Gemeinwohl zu dienen. Je mehr erfolgreiche Menschen in einem Land wohnen und je mehr Millionäre es gibt, desto besser geht es allen. Deshalb müssen wir Leistung fördern und nicht den sozialen Neid schüren und Erfolg als etwas sehr, sehr Positives im Sinne von Sozialstaatlichkeit definieren.

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht der soziale Status beziehungsweise die Herkunft bei dem Wunsch, erfolgreich zu sein?
Naja, beim Wunsch weniger, aber bei den Möglichkeiten sehr wohl. Jeder will wohl nach oben, Erfolg haben und ein angenehmes Leben führen. Und logisch gelingt das Kindern aus wohlhabenden und bildungsaffinen Familien eher als Kindern, die in kritischen Verhältnissen aufwachsen. Hier muss der Staat mit einem umfassenden und weitreichenden Bildungssystem die Unterstützung geben, die Kinder brauchen, um einen erfolgreichen Lebensweg zu gehen.

Was betrachten Sie abgesehen davon als die wichtigste Eigenschaft, die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Weitsicht, Verständnis, Schaffenskraft und die Fähigkeit, etwas für andere Menschen zu tun. Man kann es auch Nächstenliebe nennen.

Spielt Sozialkompetenz also eine immer bedeutendere Rolle?
Wenn die Menschheit nicht am skrupellosen Egoismus zugrunde gehen will, dann sollten wir in der Disziplin soziales Engagement genauso wie beim Schutz unserer Umwelt gewaltig zulegen. Wir müssen generell besser aufpassen – auf die Natur, auf die Mitmenschen und auf unseren Planeten.

Was raten Sie mit Ihrer gesammelten Lebenserfahrung jungen Menschen, die erfolgreich werden wollen?
Jungen Menschen rate ich zweierlei: hart zu arbeiten, dadurch Verantwortung für andere zu übernehmen und zugleich das Leben zu genießen.

Wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten, würden Sie etwas anders machen?
Weniger Fehler. Weniger Menschen verletzen. Noch mehr Gutes tun und noch mehr Motorrad fahren.

Nachdem Sie nun erfolgreich sind: Was ist heute Ihr Antrieb, jeden Tag weiterzumachen?
Die Freude am Schaffen, am Erschaffen. Meine Kreativität in Ergebnisse umsetzen zu können. Der Firma und den Menschen, die von dieser Firma abhängen, zu dienen. Dazu gehören meine Mitunternehmer genauso wie meine Kunden und Lieferanten. Und natürlich der Spaß an der Freude.

Glauben Sie, Erfolg zu haben ist heute einfacher als früher?
Klar ist es heute einfacher, Erfolg zu haben. Die letzten zwei Generationen sind doch schon in eine Erfolgsgeschichte hineingeboren worden. Wie hat denn Erfolg im Mittelalter oder noch vor 100 Jahren ausgesehen? Nicht verhungern, nicht erschlagen werden und nicht von der Obrigkeit niedergemacht werden. Unser Erfolg besteht aus Freiheit, Demokratie, der sozialen Marktwirtschaft, einem vernünftigen Bildungs- und Ausbildungssystem und dem Wahnsinnsgeschenk des Friedens. Daraus kann jeder etwas machen. Aber man muss es schon auch wollen und mit ganzer Kraft dafür arbeiten.

Können Sie abschließend Ihr Erfolgsgeheimnis in wenigen Worten zusammenfassen?
Nicht verbissen, aber zielgerichtet arbeiten. Verantwortung für andere übernehmen und zugleich das Leben genießen. Nicht stur sein, aber hartnäckig bleiben. Gründlich nachdenken, klug entscheiden und dann auch wirklich tatkräftig umsetzen, was zu tun ist. Nicht schwätzen, sondern schaffen!

 

Der Geschäftsarchitekt

Dominik Matyka spricht fünf Sprachen, studierte internationale Betriebswirtschaft in Wien, London und St. Gallen und promovierte an der TU Berlin. Außerdem gründete er bereits mehrere Unternehmen und verkaufte sie gewinnbringend. Eigentlich könnte er sich entspannt zurücklehnen. Stattdessen ist er 2018 als Chief Advisor bei der Digitalkonferenz DMEXCO eingestiegen und greift jungen Start-ups finanziell unter die Arme. Dabei ist er selbst erst 36.

Engel gibt es: Angel Investors nennt man Menschen, die Existenzgründer nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Know-how und Kontakten unterstützen. Aber unter einem Unternehmensengel stellt man sich einen weißhaarigen Mann vor, der das Berufsleben als Manager oder Unternehmer hinter sich hat. Matyka hingegen ist jung, dynamisch, erfrischend anders eben. Trotzdem hat der 36-Jährige Erfahrung, wenn es darum geht, aus einer Idee ein erfolgreiches Unternehmen zu entwickeln.

„Als Kind wollte ich eigentlich Innenarchitekt werden“, verrät der Berliner. Die Kreativität im Job ist geblieben, das Bauen auch. Nur die Branche ist eine andere, wie er selbst sagt: „Ich baue Unternehmen und Businessmodelle und finanziere Firmen, die innovative und kreative Lösungen entwickeln. Ich fühle mich als Digital Business Architect.“ Wie gut er als „Geschäftsarchitekt“ ist, hat er mit seinem dritten und 2008 von ihm selbst gegründeten Unternehmen bewiesen: der datengetriebenen Native-Advertising-Plattform Plista. Er etablierte sie in über 20 Ländern und verkaufte sie Anfang 2014 an WPP. „Das war ein erster wichtiger Meilenstein und gleichzeitig Basis für Stufe zwei. Zusammen mit fünf Partnern haben wir 2016 die Cavalry Ventures gegründet, einen Fonds, der in hoffnungsvolle junge Unternehmen investiert.“

Was er jungen Start-up-Gründern grundsätzlich rät: „Selbstdisziplin, den Glauben an sich selbst und den unbedingten Fokus auf die jeweilige Aufgabe.“ Entsprechend voll ist sein Terminkalender: „Ich arbeite diszipliniert, analytisch, verfüge über ein großes Netzwerk und bemühe mich, Entwicklungen vorauszusehen.“ Er orientiert sich dabei an seinem Vater: „Er hat mir vieles vorgelebt: preußische Tugenden wie Disziplin und harte Arbeit im Beruf einerseits, andererseits den großen Stellenwert von Familie im Privaten.“ So verwundert es auch nicht, dass er den Tag am liebsten mit einem Familienfrühstück beginnt. Seinem kleinen Sohn verdankt Matyka übrigens seine neueste Geschäftsidee: eine portable Babywippe.

Von Claudia Rothhammer

Mit Playboy-Gründer Hugh Hefner durfte Florian Boitin, Chefredakteur des deutschen Playboys, eines der letzten großen Interviews führen. Fotos: frei zur Verwendung

„Nehmt keinen Ratschlag an“

Florian Boitin, am 20.04.1967 in München geboren als Florian Christoph Oesterhelt, ist seit 2009 Chefredakteur des deutschen Playboy. Er ist Vater von drei Kindern, Mitglied beim FC Bayern, studierter Kommunikations-Designer, Journalist und Unternehmer. So verantwortete er als Chefredakteur u.a. die Magazine MAXIM, MAXIM FASHION, GRIP – das Motormagazin und MAX.
Ab Dezember 2019 erscheint Playboy Deutschland in der Kouneli Media GmbH, mit Myriam Karsch und Florian Boitin als gleichberechtigte geschäftsführende Gesellschafter.

Was waren Ihre größten Erfolge und Misserfolge?
Simone Thomalla auf den Titel des deutschen Playboy zu packen (immerhin die erfolgreichste Ausgabe der letzten 10 Jahre), das letzte Playboy-Interview mit Playboy-Gründer Hugh Hefner vor seinem Tod geführt zu haben und wegen einer Playboy-Anfrage an Helene Fischer auf dem Titel des Yello-Blattes „Frau Aktuell“ zu landen. Größter Misserfolg? Ein Interview mit dem italienischen Film-Komponisten Ennio Morricone veröffentlicht zu haben, dass so in der Form nie stattgefunden hat

Was wollten Sie als Kind werden?
Erst wollte ich Winnetou werden, dann Karl-Heinz Rummenigge und später Beatle. Ein Indianer, der Fußball spielen kann und die Mädchen zum Kreischen bringt? Wer würde das nicht wollen.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Die tägliche Lektüre des Sportteils der Süddeutschen Zeitung. Ich konnte mir als Jugendlicher nicht vorstellen, dass es einen noch cooleren Job geben könnte, als den des Sportreporters. Kostenlos ins Stadion, beste Plätze und auf Du und Du mit Franz Beckenbauer. Wahnsinn.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Meine größte Stärke ist vielleicht, dass es mir zumeist gelingt, unterschätzt zu werden.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriere-Weg?
Morgens um 9 Uhr ins Verleger-Büro bestellt, um wenig später mit der Kündigung in der Hand zum Aufzug geleitet zu werden, zählt sicher nicht zu den schillerndsten Momenten meiner beruflichen Laufbahn.

Was raten Sie jungen Menschen die Erfolg haben möchten?
Nehmt keinen Ratschlag an. Auch diesen nicht.

Was treibt Sie beruflich voran?
Die Lust am Machen.

Haben Sie eine lustige „Anekdote“ aus Ihrem Erfolgsleben?
Noch nicht lange her. Ich traf im Aufzug eine Praktikantin, eine ehemalige, wie ich dachte. Nach kurzem Plausch fragte ich sie, wo sie denn aktuell beschäftigt sei? Da sah sie mich vollkommen irritiert an und meinte, na bei Dir. Wir setzen die Aufzugfahrt schweigend fort.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Demut.

Business Division Head bei der Allianz Asset Management GmbH

„Nutella-Brote im Bett“

Anna Sophie Herken ist Business Division Head bei der Allianz Asset Management GmbH und Mitglied verschiedener Aufsichtsräte in China, USA und Europa. Von 2016 bis 2018 war sie CFO bei Hasso Plattner Capital und von 2011 bis 2016 Geschäftsführerin der Hertie School of Governance in Berlin. Zuvor hatte sie Führungspositionen unter anderem bei der Weltbank und bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in London inne und arbeitete für das Deutsche Wirtschaftsministerium. Anna ist Juristin und hat einen MBA an der Cambridge University absolviert. Sie ist Deutsche und Schwedin und verbrachte den Großteil ihrer Karriere außerhalb von Deutschland.

Bei so vielen Stationen, wo hatten Sie Ihrer Meinung nach am meisten Erfolg?
Ich kann gar nicht sagen wo ich Erfolg oder Misserfolg bzw. Glück oder Pech hatte, am Ende ist aus jeder Situation etwas Gutes entstanden und ich bin dankbar für alles.

Und was bedeutet Erfolg für Sie?
Die Freiheit, das tun zu dürfen, was mir Spaß macht und dabei etwas bewegen zu können.

Was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Ich will etwas bewegen und immer wieder lernen und Neues entwickeln.

Gab es einen materiellen Wunsch, der Sie bis zum ersten Erfolg begleitet hat?
Materielle Faktoren waren nie mein Treiber, sondern der Wille, etwas verändern und verbessern zu können.

Wo sehen Sie Ihre Stärken?
Nicht zu stillende Neugier und Furchtlosigkeit.

Was raten Sie jungen Menschen, die Erfolg haben möchten?
Keine Angst haben und neuen Möglichkeiten, mit Freude und Offenheit zu begegnen

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?
Nicht immer einfach, aber ich liebe meine Familie und meinen Beruf und irgendwie funktioniert`s.

Was ist für Sie Luxus?
Mit meinen Kindern, am Sonntagmorgen, Nutella-Brote im Bett zu essen.

Wenn Sie nicht das geworden wären, was Sie heute sind, dann wären Sie?
Professorin im Bereich Medizin und in der Forschung aktiv. Später wäre ich zu „Ärzte ohne Grenzen“ gegangen.

Was glauben Sie ist die wichtigste Eigenschaft die erfolgreiche Menschen heute brauchen?
Offenheit und Neugier für Menschen, Ideen und Entwicklungen.

Was macht in Ihren Augen eine gute Führungskraft aus?
Sich zurücknehmen zu können und zuzuhören.

Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement?
Sehr wichtig. Ich engagiere mich nicht nur in den Aufsichtsräten von sozialen Organisationen, sondern auch im Alltag. Das ist eine Selbstverständlichkeit und es erweitert die Wahrnehmung für das was wirklich wichtig im Leben ist.
Franziska Mansen

Matthias Dickmann hilft als Meridian-Therapeut den Menschen.

Arbeit muss Spaß machen

Matthias Dickmanns Lebensweg ist bewegt. Er hat im Finanz- und Immobilienwesen gearbeitet, war Vorstandvorsitzender seiner eigenen AG und konnte sich schon in jungen Jahren materiellen Luxus leisten. Heute arbeitet Dickmann als Meridian-Therapeut. Dort, wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt, hat Matthias Dickmann mit seinen alternativen Heilmethoden schon vielen Menschen geholfen.

Herr Dickmann, was war für Sie ausschlaggebend bei Ihrer Berufswahl?
Matthias Dickmann: Die Arbeit muss Spaß machen, einen Sinn haben und mir ein Gefühl der Zufriedenheit geben mit dem, was ich tue.

Was sehen für Sie als Ihre wichtigsten Karriereschritte?
Der Sprung vom Finanzwesen in die Heilung. Es war an der Zeit für Veränderungen.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?
Ich sehe die Krankheit als Weg, nicht als großes Unheil. Mein Motto: Verändere dein Leben, sonst verändert es dich.

Was würden Sie mit Ihrer heutigen Lebenserfahrung Ihrem jüngeren Ich raten?
Gehe einfach deinen Weg und gib nie auf, wenn du ein Ziel hast, das dich glücklich macht. Egal, wie schwer es wird.

Was treibt Sie weiter voran?
Die Dankbarkeit und Wertschätzung meiner Patienten. Und meine Freizeit, zum Energietanken. Und vor allem meine drei Kinder. Max, mein ältester Sohn, ist jetzt 20 Jahre alt und der jüngste Stearmanflieger von Deutschland. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht und genau das macht Menschen glücklich.

Welche Begebenheit aus Ihrem Erfolgsleben ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
Ich wurde 2015 von einer verzweifelten Mutter um Hilfe gebeten, da ihre Anfang-20-jährige Tochter Mandy einen Krebs hatte, der zum Tod führt. Meine Aufgabe war nicht zu heilen. Ich habe von Anfang an ehrlich mit Mandy darüber gesprochen. Ich versprach ihr, mehr Lebensqualität zu schenken, damit sie jeden Tag genießen kann. Wir haben uns zweieinhalb Jahre lang jeden Monat für vier Tage an der Nordsee getroffen. Und ich würde behaupten, dass wir in dieser Zeit viel Spaß und unvergessliche Momente hatten – auch dank Carmen Geiss und Sven Martinek. Carmen hatte von Mandy gehört, sie haben viel telefoniert und daraus ist eine Freundschaft entstanden. Ihr wurden knapp drei Jahre geschenkt, die sie jede Sekunde voller Freude am Leben genießen konnte.

Das ist eine bewegende Geschichte. Hat sich dadurch Ihre Definition von Luxus verändert?
Luxus bedeutet für mich, Dinge zu besitzen, die man für kein Geld der Welt kaufen kann:
Gesundheit, Liebe, Zeit.

Von Renate Kerscher

© Ulrich Tröger/Club europäischer Unternehmerinnen e.V.

Eine Erfolgsgeschichte: Das Netz der Frauen

Kristina Tröger, Initiatorin und Präsidentin vom Club europäischer Unternehmerinnen e. V. (CeU), bringt als brillante Netzwerkerin und Impulsgeberin ganz pragmatisch Unternehmerinnen zusammen und stärkt sie in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Kristina Tröger hatte Führungspositionen in Handelskonzernen inne und ist heute Geschäftsführende Gesellschafterin einer Immobilienentwicklungs- und Bau-Gesellschaft. Außerdem ist sie Mitglied in diversen Aufsichtsräten und Beiräten. In 2015 gründete sie den Club europäischer Unternehmerinnen e. V., der heute schon über 700 Macherinnen vereint und als eines der wichtigsten Power-Netzwerke für Frauen in Deutschland gilt.

Kristina Tröger hatte sehr früh ein Ziel vor Augen: Sie wollte nach ihrem Politik- und Betriebswirtschaftslehre-Studium schnell in eine gehobene Position in der Wirtschaft. Und so begann sie in den 80er Jahren ihre berufliche Laufbahn und durchlief in verschiedenen Handelskonzernen die klassischen Stationen einer Konzernkarriere. Als Kristina Tröger auf diesem Weg alles erreicht hatte, was ihr in den Unternehmensstrukturen jener Zeit offenstand, wurde sie Unternehmerin. 1994 verwirklichte sie ihre Vision, selbständige Unternehmerin zu sein und ist seitdem in der Bauprojektierung tätig. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen ihrer eigenen Konzernkarriere ist ihr die Förderung und Vernetzung von Frauen in der Wirtschaft wichtig. Kristina Tröger sah sich deshalb viele Organisationen an und engagierte sich in einigen auch persönlich. Und doch wünschte sie sich immer ein ganz besonderes Netzwerk, in dem sie alle ihre Vorstellungen realisieren könne. Also gründete sie gemeinsam mit 40 Unternehmerinnen 2015 ihr eigenes Netzwerk, den Club europäischer Unternehmerinnen e. V. (CeU). Die Zielsetzung des überparteilichen Clubs ist eindeutig definiert: „Wir wollen erfolgreiche Frauen erfolgreicher machen“ und durch Vernetzung, Information, Inspiration und aktiver Beteiligung an politischer, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Diskussion Frauen in der Wirtschaft fördern.

Seitdem kamen viele Vorzeigeunternehmerinnen wie Alice Roßmann (Drogeriemarktkette Rossmann), Julia Becker (Funke Mediengruppe), Birgit Bode (Optiker Bode GmbH), Regine Sixt (Sixt SE), Dagmar Wöhrl (Dagmar Wöhrl Consulting), Julia Dettmer (Reederei Dettmer Group), Kirsten Dahler (Immobilien Dahler & Company GmbH), Anita Freitag-Meyer (Verdener Keks- und Waffelfabrik), Cornelia Poletto (TV-Köchin und Unternehmerin), Annette Kroeber-Riel (Google), Clarissa Käfer (Käfer AG), Annette von Rantzau (Internat Schloss Rohlstorf), Franziska von Lewinski (fischerAppelt AG), Sandra Mohsni (Tiffany & Co.), Dr. Anne Fleck (Autorin und TV-Ärztin), Dr. Sonja Lechner (Kunstkonnex Artconsulting), Antonia Rados (RTL-Chefkorrespondentin), Dr. Katarzyna Mol-Wolf (Emotion), Angela Titzrath (CEO HHLA AG), Annette Pascoe (Pascoe Naturmedizin), Susanne Gräfin von Moltke (Relais & Châteaux Park Hotel Egerner Höfe), Prof. Yu Zhang (China Communications), Helga Rabl-Stadler (Präsidentin der Salzburger Festspiele), Julia Susann Gräfin von Arco auf Valley (Gräfliche Brauerei Arco-Valley), Viola Fuchs (VIOLAS‘ GmbH), Dr. Anna-Maria Fäßler (Sonnenalp Hotel & Resort), Madeleine Gummer von Mohl (betahaus GmbH & Co. KG), Dr. Henrike Fröchling (YogaEasy GmbH & Co. KG), dazu.

Auch viele Unterstützer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bereichern das Netzwerk, wie z. B. Dr. Rainer Esser (DIE ZEIT), EU-Kommissar Günther Oettinger, Sigmar Gabriel (Vizekanzler a. D.),
Dr. Oliver Blume (CEO Porsche), Olaf Scholz (Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler), Michael Westhagemann (Senator für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg), Ian K. Karan (Unternehmer und Wirtschaftssenator a. D.), Alexandra von Rehlingen (SvR PR) und Dr. Rüdiger Grube (Aufsichtsratsvorsitzender HHLA AG).

Der Erfolg spricht für sich: Innerhalb kürzester Zeit wuchs das Netzwerk auf über 700 Unternehmerinnen und Frauen in oberen Führungspositionen an. Austausch auf Augenhöhe prägt das Clubkonzept, ein offenes Miteinander, eine Vernetzung auch mit Männern, die zudem bei den meisten Veranstaltungen als Gäste willkommen sind.

Zum konkreten Angebot des Clubs gehören:

  • Regelmäßige Netzwerktreffen
  • Vorträge von hochkarätigen Referenten
  • Seminare und Aufsichtsratscoachings
  • Themenbezogene Gruppenveranstaltungen
  • Betriebsbesichtigungen
  • „2 for success“ als modernes Format für Erfahrungsaustausch zwischen Unternehmerinnen auf Augenhöhe
  • Kontaktherstellung zu Unternehmen und Unternehmerinnen vor Ort und auf Wunsch auch im europäischen Raum
  • Preisverleihungen an, und Auszeichnungen von Unternehmerinnen, um im Sinne einer Vorbildfunktion die Sichtbarkeit erfolgreicher Unternehmerinnen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu erhöhen. So wurde 2018 erstmalig der CeU-Unternehmerinnenpreis „Die Europa“ verliehen, der eine begeisterte Resonanz in Wirtschaft und Medien fand.

Hochkarätige Mitglieder, Veranstaltungsorte und Referenten, inspirierende Themen und Diskussionen, hochwertige weiterbildende Angebote wie Coachings und Mentorenprogramme: Das hochwertige Konzept, das sich durch die gesamte Clubphilosophie zieht, wirkt auf erfolgreiche Unternehmerinnen sehr attraktiv und ist ein klarer Erfolgsfaktor des Netzwerkes. Mittlerweile gilt der CeU als eines der „wichtigsten Power-Netzwerke für Frauen“ (BUNTE), „hochkarätiges Unternehmerinnen-Netzwerk“ und Netzwerk der „Königinnen des Unternehmertums“ (Frau im Spiegel) sowie „eines der bundesweit renommiertesten Frauennetzwerke“ (Hamburger Abendblatt).

Henry Maske – der „Gentlemanboxer“ ist heute Unternehmer. © Valentin Schütt_Sevenmiles

Wie viel bist Du bereit zu geben?

Box-Legende Henry Maske: Sieger in 31 von 32 Profikämpfen, Olympiasieger, zehnfacher Weltmeister – was für eine Bilanz! Henry Maske (55) kann auf eine der außergewöhnlichsten Karrieren des Boxsports zurückblicken. Da fast zehn Jahre nach seiner einzigen Niederlage sein einstiger Bezwinger Virgil Hill nochmals Weltmeister wurde, fühlte er sich herausgefordert. Henry Maske wagte ein Comeback – für nur einen Kampf. Virgil Hill, den er als Profi nicht besiegen konnte, schickte er als pausierender „Rentner“ endlich als Verlierer nach Hause. Ein Sieg, mit dem keiner rechnete. Außer Maske selbst. Denn er wusste, was er bereit war, dafür zu geben: Alles.

 

Sie haben früh mit dem Boxen begonnen. War Boxer zu werden Ihr Kindheitstraum?

Nein, das war Zufall. Ich war sechs Jahre und ein Schulkamerad hat mich gefragt, ob ich ihn zum Boxen begleite. Das war viel früher, als sich ein Trainer das vielleicht gewünscht hätte, weil man erst ab zehn Jahren Wettkämpfe machen kann. Der andere war nach etwa zwei Wochen wieder weg – und ich dann nach 26 Jahren. Ich habe mit großer Hartnäckigkeit und Ausdauer das Recht eingefordert, dabei bleiben zu dürfen. Wenn man als Sechsjähriger dreimal die Woche zum Sport geht, ist das nicht wenig.

Wie wichtig ist es für eine Sportler-Karriere möglichst früh zu beginnen?

Für mich war es sehr gut. Ich gehöre nicht zu den Talentierten. Es gibt Menschen, die fangen etwas an und erreichen schnell ein gewisses Niveau – und dann gibt es einen Großteil, bei dem man das Gefühl hat, Freunde werden die mit dieser Sportart nicht auf Anhieb, die brauchen, wenn überhaupt deutlich länger, um eine gewisse Qualität zu erreichen. Ich gehöre zur zweiten Kategorie. Durch das, dass ich aber früh begonnen habe, hat man mir wohl zu Recht nachgesagt, ich sei technisch hochversiert.

Was waren Ihre wichtigsten Karriereschritte?

Meine ersten Kämpfe. Als Kind geht es beim Sport darum, sich mit anderen zu messen, man will Erfolge. Wenn das auf Dauer nicht passiert, kann man – und so war es auch bei mir – die Ausdauer verlieren. Mit neun Jahren wollte ich aufhören, aber mein Trainer hat es geschafft, dass ich schon vier Monate vor meinem zehnten Geburtstag meine ersten beiden Wettkämpfe machen durfte. Das waren die ersten Momente, die wirklich wichtig waren.

Sie wurden in der ehemaligen DDR geboren, was glauben Sie, wie hätte sich Ihre Karriere ohne den Mauerfall entwickelt?

Dann wäre ich wahrscheinlich noch eine Zeit lang Amateur-Boxer gewesen und hätte parallel mein Sportstudium abgeschlossen. Danach wäre ich wohl Box-Trainer bei uns in Frankfurt/Oder geworden und wäre vielleicht heute der Spitzentrainer.

Wie hat sich Ihre Karriere durch den Mauerfall konkret verändert?

Mein Trainer Manfred Wolke und ich hatten den Mut eine für uns fremde, völlig neue Welt zu erobern. Wir haben 1990 relativ schnell einen Vertrag als Profiboxer unterschrieben. Die Sporthalle, die Manfred Wolke, damals für uns geschaffen hat, stellt aus heutiger Sicht von den Möglichkeiten eine große Lächerlichkeit dar. Wir haben dort aber einen Großteil meiner Profi-Karriere verbracht. Zwei Sandsäcke, ein Plattform-Ball, das sind die, die so federn, ein Boxring, eine Kraftecke, eine Videoecke, eine Dusche, eine Toilette, eine Umkleide und einen Flur – alles auf 70 Quadratmetern. Es war recht spartanisch, man roch sehr schnell, dass da gearbeitet wurde. Das alles machte uns aber auch eisern. Es war spartanisch, aber für uns war es genug.

Was sind die Stärken, die für Ihren Erfolg wichtig waren?

Mein Trainer hat mir mit 17 Jahren auf eine für mich sehr schmerzhafte Art die Frage gestellt, die sich eigentlich jeder stellen müsste: Ist das, was Du tust das, was Du tun willst. Ich sollte mir bewusst sein, dass vieles von dem, was auf mich zukommen würde nicht so toll und angenehm werden würde. Wer einen langen, erfolgreichen Weg gehen will, der sollte sich klar darüber werden, wie weit die Leistungsbereitschaft geht.

Wie fühlt es sich eigentlich an, vor 18 Millionen Zuschauern zu boxen?

Man wächst da rein. Außerdem sind gar nicht so viele in der Halle. Aber 13500 Zuschauer sind auch ganz schön. Es ist ein beeindruckendes Gefühl, wenn man so eine volle Halle sieht. Aber die Person, die einem gegenübersteht, ist fordernd genug, um einem keine Zeit zu lassen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie viele Menschen einem da zugucken.

Heute machen Sie etwas ganz anderes: Sie haben mehrere McDonald’s- Filialen. Wie kam es dazu?

Ich habe gutes Geld verdient und hatte nicht den unbedingten Druck, mir etwas Neues suchen zu müssen. Irgendwann im Zuge meiner Sportler-Karriere hatte ich meinen ursprünglichen Plan Trainer zu werden ad Acta gelegt. Letztlich war es Zufall. Ich habe jemanden kennengelernt, parallel das Buch über Ray Kroc, dem Begründer von McDonald’s als Franchise- Unternehmen gelesen und es hörte sich für mich so an, als ob auch ich das machen könnte. Ich wäre bei weitem nicht der erste Quereinsteiger. Die Realität beweist, dass es so ist. Am 1.April 2000 habe ich mit der ersten Filiale gestartet.

Wöhrl privat – Unternehmer und Investor Hans Rudolf Wöhrl

Nie die Neugier verloren

Auch nach über 50 Jahren als erfolgreicher Unternehmer hat Hans Rudolf Wöhrl noch Lust darauf, neue Geschäftsideen zu entwickeln. Aktuell ist er in etwa 30 Firmen engagiert und offenbar gibt es keine Branche, für die er sich nicht interessiert. Natürlich bringt man den Namen des 72-Jährigen in erster Linie mit dem gleichnamigen Modehaus in Verbindung. Zudem weiß man, dass Wöhrl sich von Jugend an für die Luftfahrt begeisterte und auch in diesem Bereich unternehmerische Maßstäbe gesetzt hat. Doch bis heute ist er offen für Neues, kann sich für Biogetränke genauso begeistern wie für Gründerideen aus der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“, bei der seine Frau Dagmar Wöhrl als Investorin in der „Löwen“-Jury sitzt.
Kaufmännisches Gespür kann man nicht erlernen, man hat es oder man hat es nicht. Hans Rudolf Wöhrl wurde es zweifellos in die Wiege gelegt. „Kaufmann, also das Fortführen der Familientradition, stand immer ganz oben auf meiner Wunschliste“, erzählt er. Dabei hätte er durchaus weitere Interessen gehabt: „Medizin, also Arzt, hätte mich auch gereizt, aber dazu war ich in der Schule zu schlecht.“

Die beste Schule war für Wöhrl sowieso das Leben. Das spielte sich in dem Modehaus seiner Eltern ab, wo der kleine Hans Rudolf viel Zeit verbrachte. Letztendlich war dies ausschlaggebend für seine Berufswahl. „In den Geschäften meiner Eltern fühlte ich mich immer zu Hause. Deshalb habe ich auch eine Lehre als Einzelhandelskaufmann erfolgreich absolviert und damit waren meine Weichen gestellt“, sagt er im Rückblick.

Allerdings stellte sich schnell heraus, dass Stillstand für Wöhrl kein Thema ist. Also backte er nicht kleine Brötchen als Berufsanfänger, sondern wurde umgehend selbst zum Gründer. Schon als Lehrling, gerade 18 Jahre alt, machte er sich in Nürnberg mit The CARNABY Shops selbstständig. Zu kaufen gab es dort junge Mode – und damit traf Wöhrl den Nerv der Zeit. „Es war ein extrem erfolgreiches Start-up. Aufgebaut haben mein Bruder und ich dieses Geschäft mit ganz wenig Geld, aber mit vielen Ideen und Fleiß. Wir hatten keine Investoren, keine Bank und vielleicht wurde es gerade deswegen eine echte Erfolgsstory“, erinnert er sich und stellt die These auf, dass Mangel nicht selten Kreativität und Energie fördert: „Not macht erfinderisch, Wohlstand macht träge.

Obwohl es nur der Beginn von Wöhrls facettenreicher Unternehmerkarriere war, nimmt diese erste Gründung immer noch eine besondere Stellung ein. „The CARNABY Shops war 30 Jahre super erfolgreich und auf das erste ,Kind‘ ist man natürlich immer besonders stolz“, sagt er, wenn er nach dem persönlichen Highlight seines Berufslebens gefragt wird. Dann kommen ihm umgehend auch seine Erfolge in der Luftfahrtbranche in den Sinn: „Der Aufbau des NFD, heute EUROWINGS, war nicht weniger spannend und eine der wenigen Neugründungen im Luftverkehr, die dauerhaft überlebt haben. Die Sanierungen von Deutsche BA, gexx und LTU waren extrem spannend und zweifellos die wirtschaftlichen Leuchtturmprojekte.“ Doch von der persönlichen Warte aus reicht letztlich nichts an die Bedeutung des Familienunternehmens heran: „Die Weiterentwicklung nach dem Kauf der Firma Wöhrl im Jahr 1970 von fünf auf 40 Filialen im Jahr 2002 war unterm Strich der dauerhafteste Erfolg.“

Ein besonderes Rezept für diesen Erfolg hat Hans Rudolf Wöhrl offenbar nicht. Fragt man ihn nämlich nach seinen Stärken, nennt er lediglich die Freude an der Arbeit und die Fähigkeit als Teamplayer – eigentlich simple Dinge, aber doch entscheidende Faktoren, um sich über Jahrzehnte unternehmerisch behaupten zu können. Weitaus ausführlicher äußert er sich über Rückschläge auf seinem Weg: „Davon gab es jede Menge und manche waren sehr schmerzhaft. Doch wer Angst vor Rückschlägen hat, wird nie Neuland betreten und nie ein erfolgreicher Unternehmer.“ Es darf also ruhig einmal etwas schiefgehen; solange man daraus lernt und die gemachten Fehler nicht wiederholt, sieht Wöhrl kein Problem darin. Diese Mentalität vermisst er hierzulande: „In Deutschland drückt man jemandem nach einem missglückten Start sofort den Stempel ,Loser‘ auf. Doch das ist grundverkehrt, im Gegenteil: Bei uns gibt es das geflügelte Wort ,Manchmal gewinnt man, manchmal lernt man dazu‘. Fehler machen uns stärker!“ Zur Verdeutlichung wählt Wöhrl einen Vergleich aus der Welt des Sports: „Das ist wie beim Hochsprung. Egal wie gut man ist, irgendwann reißt man die Latte. Doch ein Sportler analysiert seinen Fehler, lernt daraus und bei einem der nächsten Versuche klappt es dann. Nicht anders ist es im Berufsleben.“

Ansonsten spielt der Sport keine allzu große Rolle im Leben des Unternehmers, zumindest, was die Quantität anbelangt. „Mein einziger Sport ist es, jede Woche zwei Stunden zu schwimmen“, erzählt Wöhrl. Diese kurze Zeiteinheit kann es jedoch durchaus in sich haben: „Dabei kommen mir, ebenso wie bei meinen regelmäßigen Spaziergängen durch den Schlosspark in Reichenschwand, die besten Ideen.“

Als weitaus wichtigere Triebfeder aber bezeichnet er seine Neugier und räumt ein, dass diese bisweilen fast zu groß ist. „Manchmal zündle ich an zu vielen Stellen gleichzeitig und dann muss auch mal improvisiert werden. Dann bekommt ein Mitarbeiter auch mal eine Aufgabe, die eine Nummer zu groß erscheint.“ Als Problem sieht Wöhrl dies nicht: „Das sind die Chancen für die Guten. Dass mein engster Führungskreis mit mir, teilweise seit Jahrzehnten, eine verschworene Gemeinschaft bildet, spricht dafür, dass ein Touch Chaos durchaus produktiv sein kann.“

So redet einer, der mit seinem Team derzeit bei rund 30 Firmen engagiert ist. „Wir helfen teilweise aktiv beim Aufbau mit“, beschreibt Wöhrl seine Rolle dort und schwärmt: „Am meisten Freude macht mir dabei die Beteiligung an Kloster Kitchen, einem Unternehmen für Biogetränke mit frischen Ingwerstücken, die den einzigartigen Geschmack garantieren. Von ihnen gibt es die erste Limo zum Schütteln und den besten Ingwerdrink, den ich kenne.“ Aber auch die Beteiligungen aus dem TV-Format „Die Höhle der Löwen“ entwickeln sich nach Ansicht des Unternehmers sehr gut.

Ihnen rät Wöhrl, nicht bei Sport, Hobbys, Freunden oder Urlaub einen Ausgleich zu suchen, sondern Erfüllung im Job – und es ansonsten so zu machen wie er: „Für mich sind die Aufgabe, die Menschen, das Produkt und nicht der Gewinn Fokus meines Tuns. Wenn man alles richtig macht, dann stimmt am Ende auch die Kasse. Wer dem Geld hinterherläuft, verliert das Wesentliche aus den Augen.“

Von Rainer Wendl

Chefsessel statt Fußballfeld

Sie ist die Frau hinter TV-Sendern wie DMAX, TLC, Eurosport 1 und 2, Discovery Channel oder Animal Planet: Susanne Aigner-Drews ist seit 2011 Geschäftsführerin von Discovery Networks Deutschland. Das Sendernetzwerk erreicht 45 Millionen Haushalte, zwölf Millionen Pay-TV-Abonnenten sowie weitere vier Millionen User im Digitalbereich. Unter der Leitung der heute 49-Jährigen wurde das Münchner TV-Unternehmen 2013 in die Liste „Deutschlands beste Arbeitgeber“ aufgenommen.

Susanne Aigner-Drews wollte Journalistin werden, doch sie landete nach ihrem Studium beim Sender DSF nicht bei den Sportkommentatoren, sondern in der Vermarktung. Zum Glück. Denn als Medienmanagerin macht man der heute 49-Jährigen so schnell nichts vor. Ihre Karriere war steil, Aigner-Drews blickt auf 19 Jahre Cheferfahrung zurück. Als sie zur Geschäftsführerin bei der Mediaagentur Mediaplan ernannt wurde, war sie knapp 30. Diese Aufgabe forderte sie heraus. „Diese Zeit war eine sehr steile Lernkurve im Hinblick auf Managementfähigkeiten, Mitarbeiterführung, Durchsetzungsvermögen und persönliche Entwicklung.“

Was ihr geholfen hat, sich an die Spitze hochzuarbeiten? „Eine meiner Stärken ist die Leidenschaft für das, was ich mache. Ich kann sehr gut Zusammenhänge erfassen, strukturieren und daraus nächste Schritte, Handlungen und Aufgaben ableiten und Ziele formulieren.“ Als Chefin ist ihr auch ein gutes Betriebsklima wichtig. „Generell sehe ich mich als Teamplayer, der anderen zuhören kann, aber dann die Entscheidung übernimmt und die Verantwortung trägt. Gerade auch, wenn es um Veränderungen und manchmal nicht so einfache neue Prozesse geht, macht es mir Spaß, mich auf den Change einzustellen und das Team zu motivieren.“

Aigner-Drews versprüht Optimismus, eine gewisse Leichtigkeit – so als ob ihr niemand Steine in den Weg legen könnte. Sie winkt ab: „Mit Schwierigkeiten sind wir tagtäglich konfrontiert. Ich denke aber schon lange nicht mehr in Begriffen wie Hindernisse oder Schwierigkeiten, sondern in Themen, die gelöst werden müssen. Ich analysiere das Thema, finde heraus, wie es entstanden ist, welche Ausmaße und Konsequenzen es hat, welche Lösungsansätze es gibt. Am Ende frage ich mich: Welche Lösung bin ich bereit zu verantworten? Dahinter stehe ich dann auch. Und ich habe gelernt, dass es Situationen gibt, die ich schlichtweg nicht beeinflussen kann und in denen es deshalb keinen Sinn macht, Energie dafür zu verwenden, sie dennoch ändern zu wollen.“

Claudia Rothhammer

© MJK

Für Erfolg gibt es keine Gebrauchsanweisung

Sein berufliches Vorbild ist Virgin-Gründer Richard Branson, musikalisch bewundert Martin J. Krug die Rolling Stones. Sein Markenzeichen: Neugierde an völlig unterschiedlichen Themen und Herausforderungen.

Scheinbar unlösbare Probleme hinterfragt der Unternehmer, der sich sowohl als Filmproduzent als auch Marketingexperte einen Namen gemacht hat, geht er mutig oft als Querdenker an. Seine Erfolgsrezepte sind „Selbstvertrauen und eine Menge Arbeitseinsatz. Dinge ohne, Gebrauchsanweisung’ angehen. Ideen entwickeln und konsequent umsetzen.“ So hat der Wahl-Münchner die wichtigsten Herausforderungen seiner Karriere gemeistert – wie erstmal die Bank von seiner beruflichen Vision zu überzeugen und später, zum Beispiel das weltweite Merchandising für Mercedes in der Formel 1 und DTM oder das Kanzler-Portrait des ” Goldenen Schröders fürs Bundeskanzleramt.

. Ausruhen auf Erfolgen kommt für Martin J. Krug nicht infrage: „Letztlich bin ich Dienstleister und freue mich wie zum Beispiel ein Fußballer über ein geschossenes Tor. Juhu & Jubel. Jedoch alles in dem Bewusstsein, dass nach dem Spiel vor dem Spiel ist“, sagt er.

Auch soziales Engagement ist für Martin J. Krug ein wichtiger Pfeiler seines Lebens: 2002 gründete Krug zum Beispiel Power-Child e. V., einen Verein, der sich präventiv gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen einsetzt. „Ohne Nächstenliebe und soziale Verantwortung macht das Leben wenig Sinn. Nicht immer gleich die Welt retten wollen. Oft sind es auch kleine Dinge, die für andere große Bedeutung haben“, erklärt er.
Aber so entspannt der Filmproduzent auf den roten Teppichen wirkt – auch er erlebt Herausforderungen: „Der Job ist nicht selten eine spannende Abenteuerreise, auch manchmal unter bedrohlichen Gewitterwolken.“ Sein Rezept gegen Rückschläge? „Jägermeister“, antwortet er lachend. „Nein, im Ernst – nicht verdrängen. Shit happens, so what. Rein in die lästige Herausforderung. Der Weg ist das Ziel.“

Glück ist für Martin J. Krug nicht in erster Linie beruflicher Erfolg, sondern „die Kombination aus Gesundheit, Zufriedenheit, Liebe, Familie und einem coolen Job.“ In genau definierter Reihenfolge: „Zuerst das Wohl der Familie und dann der Job. Klar, verbringt man in der Regel mehr Zeit in seinem Leben mit dem Job als mit der Familie. Dennoch gibt es bei mir klare Prioritäten. Der Job ist ja teilweise eine zwingende Notwendigkeit, die Familie jedoch das wunderbare Lebenselixier.“ Dazu passt eines seiner nächsten Projekte: das Kinderbuch, das er Tochter Lilly widmet, fertig zu schreiben. Und sein nächster Film.

© www.jochen-alexander-freydank.de

Über Umwege zum Oscar

Jochen Alexander Freydank ist in der DDR geboren und aufgewachsen. Für den Ostberliner Jungen schien Westdeutschland unerreichbar zu sein, von Hollywood ganz zu schweigen. Auch mit seinem Berufsziel Regisseur klappte es anfangs nicht. Und dennoch: Mit 41 Jahren stand Freydank auf der Bühne des Kodak Theatre in Los Angeles und nahm den Oscar in der Kategorie „Bester Kurzfilm“ entgegen.

2009 wurde Jochen Alexander Freydank weltberühmt: Als sein historischer Kurzfilm „Spielzeugland“ den Oscar bekam, konnte er es kaum glauben. Der Berliner Regisseur hatte lange für diesen Film und dessen Finanzierung gekämpft. Vier Jahre, um genau zu sein. Doch hier half ihm seine Hartnäckigkeit weiter. Eine Eigenschaft, die man seiner Erfahrung nach unbedingt haben muss, um im Filmgeschäft zu bestehen. „Und Talent.“ Auch das hat Freydank. Nur wollte dieses Talent lange niemand sehen.

Obwohl Freydank schon früh weiß, dass er Regisseur werden will, will es nicht klappen. Nach dem Abitur volontiert er beim DDR-Fernsehen. Mit dem Fall der Berliner Mauer keimt wieder Hoffnung: Freydank bewirbt sich für eine Ausbildung bei Filmhochschulen im Westen – und kassiert nur Absagen. „Ich weiß gar nicht mehr, waren es fünf oder sechs“, erinnert er sich. Andere hätten sich von ihrem Berufswunsch verabschiedet, doch Freydank nicht. Er verdient sich seinen Unterhalt als Regieassistent, Cutter, Drehbuchautor und Produzent, lernt das Filmhandwerk in der Praxis kennen. 1999 gründet er seine Produktionsfirma, dreht Kurzfilme wie „Spielzeugland“.

Obwohl er nie eine Filmhochschule besucht hat, erreicht Freydank mit 41 Jahren, wovon andere Kollegen nur träumen können: den Oscar. „Erfolg ist gerade in meinem schnelllebigen Beruf etwas, was sehr flüchtig ist“, gibt er zu bedenken. „Man muss sich immer wieder neu beweisen.“ Das heißt: Auf dem Oscar will er sich nicht ausruhen. So hat er inzwischen über ein Dutzend sehr erfolgreicher Fernsehfilme realisiert und wagte sich 2013/14 an die Verfilmung von Franz Kafkas Erzählung „Der Bau“, die ihm ebenfalls international viel Bewunderung einbringt.

Was er jungen Menschen rät? Freydank überlegt. Praxis sei extrem wichtig für diesen Beruf. „Meine Zeit als Producer war spannend, weil ich einen Blick für die andere Seite in der Branche bekommen habe. Und die Arbeit als Cutter hilft mir heute noch beim Drehbuchschreiben. Rückblickend hätte ich mir zwar manchmal einen einfacheren Weg gewünscht, aber ich bin froh darüber, was ich kann und heute machen darf.“

Claudia Rothhammer

„Erfolg kommt nur mit der Extrameile“

Was wollten Sie als Kind werden?

Mit drei Jahren bekam ich einen Kassettenrecorder geschenkt und nahm ein „Interview als Reporter“ auf. Natürlich wusste ich damals noch nicht wirklich, was ein Journalist macht. Aber die Leute in Radio und TV haben mich damals offenbar beeindruckt.

Hat ihr Wunsch von damals im weitesten Sinne etwas mit Ihrem heutigen Schaffen zu tun?

Ich bin in der Tat Journalist geworden! Das bin ich bis heute, mit Leidenschaft. Allerdings ist meine Tätigkeit als Unternehmer in den letzten zwölf Jahren stark in den Vordergrund getreten. Meine Firma bietet Content Marketing an, also Unternehmensjournalismus.

Was waren für Sie bisher Ihre wichtigsten Karriere-Schritte?

Ich hatte das Glück, direkt nach dem Abitur in den Journalismus zu stolpern. Ich war einige Jahre als BILD-Reporter in verschiedenen Städten unterwegs. Das war wirklich sehr lehrreich – unglaublich, mit wie vielen verschiedenen Menschen ich dort in Berührung gekommen bin. Ich habe zwei Bundespräsidenten und drei Kanzler interviewt, den DalaiLama getroffen und mir die Sorgen von Sozialhilfeempfängern angehört. Ich bin Showstars begegnet und habe für sterbenskranke Kinder mit Krankenkassen gekämpft. Diese Bandbreite an Schicksalen von arm bis reich hat mich stark geprägt. Vor allem meine Zeit als Polizeireporter hat mir gezeigt, wie hart das Leben zuschlagen und wie schnell es vorbei sein kann. Das macht nachhaltig demütig und dankbar.

Was ist bislang das persönliche Highlight Ihrer Karriere?

Es ist toll zu spüren, wenn jahrelange harte Arbeit belohnt wird. Ich habe Anfang 2019 meine Firma TESTROOM an den größten deutschen Digitalvermarkter Ströer verkauft. Es ist natürlich sehr befriedigend, wenn auch andere nach intensiver Begutachtung feststellen, welchen Wert man geschaffen hat. Ich bin schon sehr stolz, was die Mannschaft da aufgebaut hat.

Wo sehen Sie Ihre Stärken, die auch für Ihren Erfolg maßgeblich sind?

Es ist wohl der lange Atem in Kombination mit Flexibilität. Viele Dinge funktionieren einfach nicht sofort oder nicht so, wie man sie sich vorgestellt hat. Oder gar nicht. Ich versuche, mich jederzeit auf neue Gegebenheiten einzustellen. Dabei muss man sich selbst permanent in Frage stellen. Selbstbewusstsein und Vertrauen ist gut. Selbstverliebtheit führt in den Untergang. Entscheidend ist das Durchhaltevermögen. Für mich war es nie eine Option, schnell aufzugeben. Ich gehe dann die Extrameile, hier trennt sich definitiv die Spreu vom Weizen. Erfolg kommt nur mit der Extrameile. In den ersten Jahren meiner Unternehmertätigkeit habe ich mir kein Gehalt ausgezahlt, um die Ausgaben wie Gehälter und Miete etc. bewältigen zu können. Da haben wir vom Gehalt meiner Frau Nikki gelebt. Auch als es nach guten Jahren dann eine Delle im Geschäftsbetrieb gab, habe ich finanziell temporär einen massiven Schritt zurück gemacht. Und gleichzeitig noch mehr gearbeitet. Jeder kann mal zwölf bis 14 Stunden sechs Tage die Woche arbeiten. Aber dies über einen langen Zeitraum von Monaten oder Jahren durchzuhalten, da lernt man sich neu kennen.

Gab es Rückschläge auf Ihrem Karriere-Weg? Wenn ja, wie haben Sie die überwunden?

Oh ja! Neben den vielen kleinen gab es auch einen richtig großen Rückschlag. Mit meiner Firma hatte ich mich lange auf Suchmaschinenoptimierung, SEO, spezialisiert. Wir waren von Google abhängig. Dann kam der Tag, als die Suchmaschine die Spielregeln, den Algorithmus, änderte. Ich war mit meiner Familie gerade im Urlaub, als mich mein damaliger Partner anrief und mir die Hiobsbotschaft mitteilte. Das war eine doppelte Strafe, nichts tun zu können, die eigene Firma am Abgrund und gleichzeitig die Herausforderung, der Familie nicht die letzten Urlaubstage zu verderben.

Du lächelst blinzelnd in die Sonne, schleckst Vanilleeis mit deinen Lieben und im Kopf hämmert es nur – was jetzt?

Freunde, Berater, Finanzexperten sagten mir damals: Das war es, mach‘ dicht. Das schaffst Du nicht. Insolvenz drohte. Ich habe wirklich lange überlegt, ob ich trotzig reagiere, wenn ich die drohende „Schmach“ einer Pleite verzweifelt versuchte abzuwenden. Oder ob es der Mut zum Risiko wäre, dennoch nicht aufzugeben. Es war auf jeden Fall kloppehart. Und man ist ganz alleine mit der Entscheidung. Hilfe ohne Gegenleistung? Gibt es nicht. Jedenfalls keinen Blanko-Kredit für strauchelnde Mittelständler. Die Banken boten uns zwar eine Kreditlinie an. Aber nur mit persönlicher Absicherung von meinem Partner und mir. Da hilft auch keine GmbH. Alles sprach dagegen, gutes Geld dem schlechten hinterher zu werfen. Ich hatte aber das unbedingte Gefühl, es schaffen zu können. Ich bin meinem Partner unendlich dankbar, denn er vertraute mir, wir gingen „all-in“ und sicherten den Kredit persönlich ab. Wir mussten uns von einem Teil der Belegschaft trennen. Doch statt Kündigungen setzten wir auf Auflösungen mit Abfindung. Eigentlich ein Wahnsinn in so einer Situation.

Solche Phasen kann man in der Rückschau immer schön als lehrreich bezeichnen. In der Situation selbst gibt es neben der Arbeit nichts anderes mehr. Keine Freunde, keine Freude. Machen. Durchhalten. Das geht nicht ohne Resilienz. Man muss gut auf sich hören, um in solchen Phasen nicht wirklich richtig krank zu werden.

Wir haben es gut hinbekommen. Und ja, natürlich gehört auch Glück dazu, das Geschäftsmodell zu ändern, die guten Leute im Team zu halten und neue zahlende Kunden zu finden.

Was würden Sie Ihrem Jüngeren Ich raten?

Vor ein paar Jahren hätte ich noch gesagt: Nüscht, mach‘ weiter so. Heute würde ich mir raten, möglichst frühzeitig kontinuierlich an der Weiterbildung dranzubleiben. Und vor allem: in das eigene Netzwerk zu investieren, das ist unheimlich wichtig. Das habe ich etwas spät erkannt.

Was treibt Sie beruflich weiter voran?

Anfang des Jahres habe ich meine Firma größtenteils verkauft. Dann haben wir meine Firma mit der Content Fleet GmbH, einer Ströer-Tochter, verschmolzen. An diesem Konstrukt bin ich weiterhin als geschäftsführender Gesellschafter beteiligt. Die jetzt laufende Postmerger-Integration ist für mich sehr wichtig. Ich bin nicht so der Exit-Typ, verspüre keinen Fluchtimpuls. Ich möchte den gemeinsamen Erfolg gern stabilisieren und dem Team helfen, im Content Marketing nachhaltig und noch profitabler aufgestellt zu sein. Es ist großartig zu sehen, wenn Synergien nicht nur im Mantra herbeigebetet werden, sondern tatsächlich greifen. Content Fleet hat jetzt 140 festangestellte Mitarbeiter, wir binden unsere Services stark an den Ströer-Konzern. Wir bieten integriertes Content Marketing wie keine zweite Agentur: Vom Plakat bis in den E-Commerce-Shop. Das macht wirklich Spaß.

Wie vereinbaren Sie Ihren Beruf mit dem Privatleben?

Definitiv keine Plattitüde: Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau und ich so wunderbar harmonieren. Wir unterstützen uns gegenseitig. Und das nicht nur morgens am Frühstückstisch. Wir teilen auch den Schreibtisch, sitzen tatsächlich seit vielen Jahren auch im Job nebeneinander. Wir haben uns vor 22 Jahren bei Axel Springer in der Redaktion von Computerbild kennengelernt.

Wir ernten natürlich immer wieder ungläubige Blicke: wie schafft ihr das, euch permanent zu sehen? Für uns gibt es nichts Anderes – twentyfourseven. Das hat den unglaublichen Vorteil, dass man abends nicht mehr erklären muss, warum Kollege Heinz heute so nervig war und wer Heinz überhaupt ist. Wir teilen sowohl berufliche als auch private Erfolge und Niederlagen. Nikki hat mir auch den überlebensnotwendigen Halt gegeben, als wir – nicht ich – in den beruflichen Abgrund geschaut haben.

An welchen Orten finden Sie neue Inspiration?

An möglichst vielen fremden und neuen Orten. Überall auf der Welt gibt es etwas zu entdecken. Ich bin eher der Forscher als der Farmer. Noch so eine Eigenschaft, die ich mit meiner Frau teile. Zusammen haben wir über 65 Ländern der Welt bereist und werden nicht müde. Wir sind auf aktiven Vulkanen spazieren gegangen, sind in allen Weltmeeren getaucht, unter anderem mit Wahlhaien und dem Weißen Hai. Wir sind aus dem Flugzeug gesprungen und haben uns, etwas sehr waghalsig, über den Rand der Victoria Wasserfälle in Sambia gehängt. Wir müssen aber nicht Angkor Wat in Kambodscha besuchen oder in Peru auf Macchu Pichu blicken, um inspiriert zu werden, auch die kleine Ostseepension oder die Sauna im Fitness-Studio um die Ecke bieten Ruhe und Raum für neue Gedanken. Es sind häufig die kleinen Fluchten, die die Gedanken beflügeln.

Was ist für Sie Luxus?

Kann es eine andere Antwort geben als: Zeit? Vor allem Zeit zu zweit. Und Zeit in Verbindung mit Freiheit und Gesundheit. Mehr geht nicht.

Welche Ziele in puncto Erfolg setzen Sie sich für die Zukunft?

In der nächsten Zeit geht es darum, die Agentur erfolgreich auszubauen. Langfristig: Gesund und neugierig bleiben. Und weiterhin etwas vom eigenen Erfolg zurückgeben. Wir haben uns bisher immer an karitativen Initiativen anderer beteiligt. Von Regenwald über Ozean bis Patenschaften oder Brunnen bohren in Kambodscha. Wer weiß, vielleicht gibt es ja auf einer der nächsten Reisen eine Inspiration für eine eigene Initiative.

Unternehmerin Viola Fuchs bei der Speakers Night in Hamburg © Martin Brinckmann

Risotto statt Stiletto

Die Frau hat Pfeffer: Viola Fuchs hat nicht nur Energie, sie hat sich mit Pfeffer ein kleines Imperium aufgebaut. Ihr Gewürzladen VIOLAS’ Gewürze & Delikatessen, den die heute 52-Jährige 1997 in Hamburg eröffnet hat, ist ein Franchiseunternehmen mit 28 Standorten in Deutschland.

Der Morgen bei Viola Fuchs beginnt mit Kaffee. Aber ihrer hat mehr Pep: Sie trinkt ihn mit einer Prise ihres arabischen Kaffeegewürzes. Der Duft von Zimt, Kardamomsaat, Mazis, Nelken und Piment erinnert an 1001 Nacht, Pfeffer sorgt für den Extrakick. Wenn das den Start in den Tag nicht erleichtert? Für ihren Tag braucht Fuchs auch Energie. „Eine richtige Auszeit, in der ich nichts mache, gibt es nicht“, sagt die Powerfrau. Schon nach dem ersten Schluck aus der Kaffeetasse checkt sie ihre Mails, ihre Facebook- und Instagramseite, geht die Umsätze der Stores durch. „Erst dann wecke ich meine Kinder.“ Das gemeinsame Frühstück ist ihr heilig. „Beruflicher Erfolg ist schön und eine Bestätigung dafür, dass man etwas richtig gemacht hat. Aber es gibt immer jemanden, der noch erfolgreicher ist oder einem den Erfolg neidet. Erfolg ist auch vergänglich, das muss man immer vor Augen haben. Ich lebe in einer glücklichen Partnerschaft und habe drei wundervolle Kinder. Das ist mir wichtig“, sagt Fuchs.

Dass sie zur „Gewürz-Königin“ von Hamburg werden würde, hätte sie selbst nie gedacht. Eigentlich hatte sie in London Design studiert und arbeitete in der Hansestadt als Schuhdesignerin. Doch statt Stilettos kreiert sie heute Risotto-, Reis-, Pasta- und Gewürzmischungen. „Mein Motto ist: Wenn du willst, dass es gut wird, dann mach es selbst!“, sagt Fuchs. „Und Hamburg war an tollen Gewürzprodukten unterversorgt.“ Zuerst gab sie den Hamburgern Nachhilfe in Sachen Pfeffer, doch es bleibt noch viel zu tun. „Der durchschnittliche Supermarkt hat heute das Gewürzsortiment, das wir bereits vor 20 Jahren hatten.“

Ihr Talent wurde Viola Fuchs in die Wiege gelegt. Ihre Großeltern hatten in Wiesbaden einen Gewürzladen, ihre Mutter übernahm eine Filiale in Frankfurt. „Schon als kleines Mädchen liebte ich es, im Gewürzladen mitzuhelfen. Es war wie mein großer Kaufmannsladen. Der Geruch dort war Balsam für meine Seele“, schwärmt Fuchs. Von ihrer Mutter lernte sie viel über Gewürze und ferne Länder. „Noch heute finde ich viele meiner Inspirationen auf Reisen. Auch 21 Jahre nach der Gründung von VIOLAS’ gehe ich noch gerne in die Experimentierküche und probiere Kreationen aus.“

Claudia Rothhammer

Prof. Dr. Marion Kiechle

Prof. Dr. Marion Kiechle ; Direktorin der Frauenklinik
Foto: Eckert / Heddergott

Wer Karriere machen will, darf sich nicht verstecken

Mit einer Freundin hat sie den Bestseller „Tag für Tag jünger“ geschrieben. Doch nicht nur wegen ihrer Anti-Aging-Strategien ist Marion Kiechle für Frauen interessant: Die Gynäkologin hat sich auch der Krebsforschung verschrieben und könnte mit ihrer Arbeit vielen Frauen helfen – Frauen wie Angelina Jolie, die eine Veranlagung für Brustkrebs in sich tragen und in ständiger Angst leben.

Kiechle zählt zu den Top-Brustkrebsspezialisten Deutschlands – und sie war die erste Frau hierzulande, die auf einen Gynäkologie-Lehrstuhl berufen wurde. Die 59-Jährige blickt auf eine beachtliche Karriere in der Medizin zurück. „Dabei ist bei uns in der Familie weit und breit kein Arzt vorhanden.“ Dafür aber eine Mutter, die ihrer Tochter von klein auf Mut zusprach. „Meine Mutter ist heute 81. Sie hat zwar ein gutes Abitur gemacht, durfte aber nicht studieren, da man davon ausging, dass sie eh mal heiratet. Dabei wäre sie gerne Apothekerin geworden.“ Ihre Mutter legte großen Wert auf Bildung, sie habe ihr immer geraten: „Mach dich nicht abhängig von einem Mann. Verdien dein eigenes Geld.“

Nach einem Praktikum im Krankenhaus schrieb sich Kiechle für Medizin an der Uni Freiburg ein. Es folgten Promotion und Habilitation. Aus ihren hochgesteckten Zielen hat sie nie ein Geheimnis gemacht. Ganz im Gegenteil: „Wenn man Karriere machen will, sollte man das auch nach außen kommunizieren, insbesondere den Menschen, die einem weiterhelfen und begleiten können.“ Das rät sie insbesondere jungen Frauen. Gerade die seien in Bewerbungsgesprächen meist bescheidener und zurückhaltender als ihre männlichen Kollegen. „Dabei hat Karriere so gar nichts mit Familienplanung zu tun. Kinder kann man nicht planen.“ Schon allein die Frage, wann man den richtigen Mann für die Familiengründung finde, könne keine Frau wissen. Sie selbst habe ihre große Liebe erst mit 46 Jahren getroffen – gemeint ist Sportkommentator Marcel Reif.

In Bayern kennt man Kiechle aber vor allem an der Seite eines anderen Mannes: Ministerpräsident Markus Söder. Er ernannte die Direktorin der Frauenklinik München 2018 zur Wissenschaftsministerin. Sieben Monate später – nach einer Wahlniederlage – war ihr Ausflug in die Politik zu Ende. Am nächsten Tag hat sie ihre Arbeit als Klinikdirektorin und ihre Forschungsarbeiten wieder aufgenommen. Sie wirkt zufrieden und mit sich im Reinen. „Niederlagen dürfen einen nicht aus dem Konzept bringen“, sagt sie. „Man darf sie vor allem nicht persönlich nehmen.“

Claudia Rothhammer