"Meine Stärke ist Fleiß, Fleiß und noch mehr Fleiß"
Im Regal steht ein Studenten-Oscar, er hat es bereits auf die Kurzfilm-Shortlist der „echten“ Oscars geschafft und sogar das Interesse von Steven Spielberg geweckt: Jung-Regisseur Nils Keller stehen im Alter von 32 Jahren viele Türen in der Filmbranche offen. Mit Glück hat das aber wenig zu tun …
Was bedeutet für dich Erfolg?
Für mich ist Erfolg Zufriedenheit mit dem, was man macht. Eine Art Erfüllung, die einem sagt, dass man das auch noch viele Jahre machen will, und an der man weiterwächst.
Ich will mit 50 in den Spiegel schauen und sagen können, dass ich genau die richtigen Sachen gemacht habe. Privat ist Erfolg, wenn man einen Weg findet, sein Arbeitsleben, seine Kreativität, Familie und Freunde unter einen Hut zu bringen. Das ist gerade bei uns in der Branche spannend, weil man durch Projekte mehrere Monate weg von der Familie sein kann. Das wird immer viel Abwägen und einige Verhandlungen bedeuten. Meine Frau ist Zahnärztin und da müssen wir versuchen, das Stabile mit dem wechselhaften Leben zu kombinieren. Aber dafür bleibt man auch mehr in der normalen Welt, die nicht nur aus Filmfesten und Dreharbeiten besteht.
Du hast es mit deinem Film auch auf die Oscar-Shortlist geschafft, von der die Oscar-Nominierten ausgewählt werden …
Das war ein ziemliches Abenteuer. Der Producer des Films Jonas Lembeck und ich waren in Los Angeles, um die Werbetrommel zu rühren, und haben sogar eine Kampagne gemacht. Da arbeitet man mit Publizisten zusammen, die für einen Interviews und Artikel organisieren.
Warst du sehr enttäuscht, als du keine Nominierung für den Oscar bekommen hast?
Im ersten Moment denkt man darüber nach, ob man jetzt diese eine große Chance verpasst hat. Aber das Gesündeste ist, wenn man sich klarmacht, dass man alles gegeben und jetzt fantastische Voraussetzungen hat.
Wenn man einen Sechser im Lotto hat, darf man auch nicht traurig sein, wenn die Zusatzzahl fehlt.
Wir kennen jetzt viele große Produktionsfirmen in Deutschland und in den USA, und alle haben jetzt viel eher ein offenes Ohr für uns.
Was ist dein Erfolgsgeheimnis?
Fleiß! Ich weiß nicht, ob das jemand anders kann – ich habe zumindest festgestellt, dass ich mich nicht allein auf mein „kreatives Genie“ verlassen kann oder möchte. Kreativität und ein Gespür sind natürlich enorm wichtig, aber sehr viel ist auch einfach Handwerk. Und damit muss man so lange herumprobieren, bis man es gut findet.
Wie mutig muss man finanziell als junger Filmemacher sein?
Im Endeffekt ist man eine Marke, die man entwickelt, und in die muss man bereit sein, zu investieren. Der Erfolg korrespondiert mit dem eingegangenen Risiko. Das vergessen manche. JR